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Generas SwzeègeV fik^irWatuni Gtadt und Land
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'Kanau Stadt und Land
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6. MM
1922
Das neueste«
- Das Reichskabinett trat gestern nach der Pause zum ersten Male wieder zu einer mg zusammen. Die Tagesordnung war außer- rtlich reichhaltig, da sich im Laufe der Oster- > viel Beratungsstoff angesammelt hatte.
- Der Reichsrat verabschiedete den Entwurf des nkstättengesetzes.
- Im Rechtsausschuß des Reichstages wurden äche Aufwertungsanträge abgelehnt.
- Im Preußischen Landtag hielt der neue
- Minister Dr. Schmidt eine Programmrede.
- Die nationalsozialistische Organisation in Ber- t vom Polizeipräsidenten infolge schwerer Aus- itungen aufgelöst worden.
- Auf der Weltwirtschaftskonferenz hielt der che Delegierte v. Siemens eine sehr beachtete
- In Washington hat die englische Note über Kriegsschuldensrage große Erregung hervor- ren, , f
M die weStwiEMs- > «ksvenz eine »veosebUtbs
KsMnnST ,
Von-Professor Dr. Hermann Levy. Berlin.
ir die in Genf tagende Wettwirtschaftskonferenz das-zu, was mancher Arzt einem Patienten igen pflegt: „Sie hätten gut getan, viel früher ommen!" Mehr als acht Jahre schleppen sich ille Länder der Welt, besonders aber, die euro- )en, mit etnir chronisch gewordenen iWirt- skrise herum und erst vor etwa einem Jahre sich überhaupt die einzig richtiae Erkenntnis ?-n Beteiligten durchaesetzt, daß diese, uatio- : Krisen auf Leiden zurückgehen, die allen oirlschaftlich sNteEu?^en Landern gemeinsam Erst seit einiger Zeit weiß man auch in Eng- Frankreich, Italien und Belgien, daß, wirt- 'lich genommen, der Weltkrieg eine Niederlage nur für Deutschland, sondern für alle Länder, Ausnahme der überseeischen, gewesen ist. Man zu Ende des letzten Jahres freistes) unter dem ruck gestanden, daß eine langsame Besserung weltwirtschaftlichen Lage eintrete. Allein, die rn zu Ende des Jahres 1926, verglichen mit 1 des Jahres 1913 reden leider eine andere als die allgemeinen Eindrücke. Man belaß die Roheisenerzeugung Englands z. B. re 1913 im Monatsdurchschnitt fast doppelt ich war wie im Januar 1927, daß die ent» jenben Ziffern für Deutschland, Frankreich, mburg und toaargebiet zusammengefaßt en der territorialen Veränderungen) im Mo- rurchschnitt von 1913 ca. 2,35 Millionen Tonbetrugen, daß dagegen für dieses Gebiet erst des' Jahres 1926 wieder eine über Zwei- onen-Tonnenerzeugung erreicht wurde, man 1 an die Lebenshaltungskosten, die immer noch 10 Prozent über dem Frieden stehen, an die läftigungslosigkeit, die selbst in kleinen, vom z wenig geschädigten oder sogar teilweise beugten Ländern wie Dänemark oder Holland ! weit über das Niveau von 1913 hinaus- :, man denke an die Valutazerrüttung, die sich und da etwas gebessert hat, aber andererseits, das neue japanische Beispiel zeigt, auch wie- iin Zunehmen begriffen ist. Nein'— von einer ach wesentlichen Besserung kann nicht die Rede Kann die Weltwirtschaftskonferenz etwas Heidendes tun?
Ran weiß heute allgemein, daß die Nollage der Wirtschaft auf einer Uebererzeugung beruht was ungefähr dasselbe ist an einer Unter- 'lmtion, das heißt, einem Mißverhältnis zwi- r allzu großen Produktionsmöglichkeiten auf einen Seite — geschaffen durch Kriegs- und kriegswahn — und einer erschlafften Kaufkraft Welt auf der anderen Seite. Hiergegen kann Wettwirtschaftskonferenz wenig tun. Sie kann die Stillegung ganzer Betriebe befehlen und ", wenn die ihr vorliegenden Gutachten über nationalen Kartelle und Syndikate (Verfasser 5 derselben ist der bekannte hervorragende Leip- • Nationalökonom Prof. Wiedenfeld) den rdpunkt vertreten sollten, daß sich die inter- analen Wirtfchaftsmächte der privaten Mono- erbände als produktionsausgleichender Organe men können, so ist es fraglich, ob damit eine liche Lösung der Uebererzeugung resp, der rkonsumtion erreicht werden kann. Viel eher 'te man darauf bedacht sein, die Konsumtion irch zu heben, daß eine Verbilligung der Preise icht wird. Niedrigere Preise, die Beseitigung Weltteuerung — inklusive derjenigen in den seeischen Ländern, auch der Union — würden eich den Bedarf wieder beleben und damit jetzt 'fluffige Produktiongehäuse wieder rentabel !)en können. Ob die internationalen Kartelle • Preispolitik — trotz sicherlich von ihnen an- rebter Rationalisierung der Betriebe, gemeiner Verkaufsbedingungen und Erleichterungen r möglichen Art — anstreben werden, ist zu- 10 zu bezweifeln; es ist auch fraglich, ob die ise unter den heutigen Verhältnissen wirklich rziert werden können. Hier ist vor allem zu mken, welche außerordentlich hohen Lasten die heutige Erzeugung fast aller Länder durch
Die Probleme der tVell- wirtsKafi.
*. Siemens kbes dèe GVWNdfsvdLmrnsett des WiMebaft.
Genf, 5. Mai. In der heutigen Vormittagssitzung Lebensfähigen Gebilden hemmt aber den technischen “ nr>-““-*------ hielt der Präsident des Z ...... " ' - - " ' "'—
der Wettwirtschaftskonferenz 1 Reichswirtschaftsrates, C. F. Rede, in der er u. a. ausführte:
v. Siemens, eine
Die großen wirtschaftlichen Nöte haben wohl in allen Ländern das Verständnis für die Bedeutung der Wirtschaft reifen lassen.
Die Wirtschaft stellt die Grundlage für Staat und Wirtschaft dar.
Das wirtschaftliche Leben spielt sich nun in den wenigsten Ländern nur innerhalb der eigenen Grenzen ab. Der Heinratmarkt hat in den meisten Ländern, besonders in solchen mit starker landwirtschaftlicher Produktion, eine ausschlaggebende, Bedeutung. Industrie und Landwirtschaft sind auf das stärkste voneinander abhängig. Es muß aus vielen Gründen ein lebhafter Austausch zwischen den einzelnen Volkswirtschaften vorhanden sein. Man kann mit Recht sagen, daß das Gedeihen jedes Volkes in starker Abhängigkeit von dem Gedeihen der anderen Völker steht. Gerade in Europa ist durch die schweren Erschütterungen der ' Wirtschaft der Nutzeffekt der Gesamtwirtschaftsmaschine erheblich herabgesetzt worden. Es ist die wichtige Aufgabe der Regierungen der verschiedenen Länder,
Ordnung und Ruhe luden Wirtschaftsverhält- niffen im ; eigenen Lande und in die wirtschaftlichen Beziehungen zu den anderen
Ländern zu bringen. und so den Völkern wieder einen möglichst hohen und gesicherten Lebensstandard zu schaffen.
Es ist der Zweck dieser Konferenz von Wirt. sckMftlern, den'Politikern die Grundfordsrungen dèr Wirtschaft aufzuzeigen, damit die bestehenden wirtschafllichen Hemmungen abgebaut und der natürlichen Entwicklung wieder meiierer Spielraum gewährt werden kann. '
Seit dem Kriege hat die Wirtschaft stoßweise plötzliche Aenderungen erlitten. Das Räderwerk der Wirtschaftsmaschine ist stark in Unordnung gebracht worden. Um die Gefahr völligen Versagens zu verhindern, sind gewaltsame Eingriffe — als Zwangswirtschaft bekannt — teilweise unvermeidlich gewesen. Jetzt ist diese Zwangswirtschaft meist aus der Erkenntnis, daß sie hemmend wirkt, aufgehoben worden. In Deutschland besteht noch freilid) eine Zwangswirtschaft auf dem Gebiete der Mieten und der Löhne.
Die Zwangswirtschaft auf dem Gebiete der Mieten hat zur Folge gehabt daß das Bauen 90 Prozent teurer geworden ist, während die sonstige Warenteuerung etwa 35 Prozent über die Vorkriegszeit beträgt.
Die Unterstützung der Wirtschaft durch die Staats- leitungen ist heute viel größer als vor dem Kriege. Hierdurch ist eine starke Beeinträchtigung der natürlichen ProdUktionsbedingungen zum Schaden der Bevölkerung eingetreten. Wetter sind die Produk- tionsstätten aus Kriegs- und Inflationsgründen wett über das notwendige Maß vermehrt. Die Wirtschaft hat nicht immer schnell genug den Mut gesunden, die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. .'
Staatshilfe bedeutet aber nur Unterstützung eines Wirtschaftszweiges auf Kosten der anderen.
Gänzliche Aufrechterhaltung von an sich nicht mehr
die Kriegsverschuldung gelegt worden sind und wie diese Lasten immer wieder letzten Endes vom Verbraucher getragen, also in den Preisen zum Ausdruck kommen müssen. Jedem vernünftig denkenden Besucher der Genfer Konferenz wird sich diese Tatsache immer wieder aufdrängen. Mit Recht schreibt Günther Stein im Berliner Tageblatt: „Die Verpflichtung Deutschlands sowie der „interalliiert" gewesenen Staaten Europas zur Zahlung großer Krregsschuldbetrâge an ausländische Gläubiger (die vielfach selbst wieder die Schuldner anderer Staaten geworden sind), ist das gefährlichste Hindernis für die Schaffung eines wellwirtschaftlichen Ausgleiches." Stefe Worte sind überaus bemerkenswert. Denn eben jene Verpflichtungen bedingen nicht nur enorme Steuern, Die wieder in den Produktionskosten und daher in den Preisen. der Waren zum Ausdruck kommen müssen, sie bewirken ebenfalls ein künstliches, unnatürliches Streben der so bedrückten Länder, durch eine Forcierung ihrer Ausfuhr ihren Schuldlasten gegenüber dem Auslande nachkommen zu können, was wiÄierum zu verschärftem Wettbewerb auf dem Weltmarkt führt und die Weltwirtschaftskrisis von Neuem steigert. Wird man aber auf der Wellwirtfchastskonferenz diesen Kardinalpunkt des ganzen internationalen Wirtschaftskrisenproblems überhaupt „zulasten?" Wird man den Mut haben, sich mit dieser Frage ausernanderzu- setzeu, ungeachtet derer, die erklären werden und schon erklärt haben, diese Frage sei eine politische und keine Wirtschastsfraae und die Frage der Schulden- und Daweszayllmgen rc. dürsten nicht behandelt «erde»?
Fortschritt und die gesunde Entwicklung.
Wenn auch in Europa mäßig regulierende Faktoren im zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehr berechtigt wären, so würden doch alle Uebertreibungen in ihrer Gesamtwirkung nur die Lebenshaltung der Bevölkerung herabsetzen, denselben Einfluß haben auch die nicht aus v - m—n- x-
auch die nicht aus wirtschaftlichen Gründen zustande S'ommenen internationalen Finanzverpflichtungen.
re Erfüllung kann auch nur durch vermehrten Export vorgenommen werden. Dies macht eine Umstellung der Produktion erforderlich auf der gebenden wie nehmenden Seite und hat daher eine Rückwirkung auf alle am Weltmarkt beteiligten
Länder.
Die europäischen Völker sind besonders auf dauernde geschäftliche Beziehungen angewiesen, und es ist ein hohes Ziel, diese Beziehungen so zu gestalten, daß auf die Dauer für alle die günstigste Entwicklung ermöglicht wird.
Eines der ernstesten wirtschaftlichen und poOfi- scheu Probleme ist die in Europa eingetretene
Arbeitslosigkeit,
die in der Hauptsache durch die plötzliche Verteuerung der Arbeitskraft in Europa entstanden ist.
Herr v. Siemens behandelte dann die Frage, ob es sozial wichtiger sei, dafür zu sorgen, daß möglichst viele Menschen Arbeit haben, wenn auch zu einem etwas geringeren Einkommen, oder daß diejenigen, die im Besitze von Arbeit sind, möglichst verdienen, um dann von diesem Verdienst einen gewissen Antest zur kärglichen Untergattung des anderen obgeben.
Frage der internationalen Verständigung zwischen gleichartigen Industrien
über, die nur durchführbar sei, wenn zunächst nationale Verständigungen herbeigefühtt wären. von Siemens betonte sodann daß es unbedingt notwendig fein müsse, für den internationalen wirtschaftlichen Verkehr eine Definition der Begriffe zu schaffen. Wenn man sich verständigen wolle, müsse man zunächst die gleiche wirtschaftliche Sprache sprechen. Es müsse versucht werden, auch für die Wirtschaftswissenschaft ein Maßsystem zu begründen, wie es auf der ganzen Welt Gültigkeit hat.
Zum Schluß berührte v. Siemens die Frage, ob die bisherige Wirtschaftsform die einzig richtige und mögliche wäre. Er glaube, daß auch hier der „Stein der Weifen" noch nicht gefunden fei und
mit
daß an ihrer Weiterbildung ernsthaft, aber größter Vorsicht gearbeitet werden müsse.
SWtmetta&me zwischen
DeutMsn mtfc Stoffen in Genf.
Im Laufe des gestrigen Vormittags hat die erste Fühlungnahme zwischen der deutschen und der Sowjetdelegallon stattgsfunden. In den Vormittagsstunden suchte der Leiter der Sowjetdele- qation den Staatssekretär Dr. Trendelenburg im Hotel Metropole auf, mit dem er eine längere Aussprache über die allgemeine Lage und die auf der Weltwirtschaftskonferenz zur Behandlung gelangenden Probleme sowie über die weiteren Arbeiten der Konferenz hatte. Man erwartet, daß sich an diese erste Fühlungnahme weitere Aussprachen an» knüpfen werden.
Und weller: man klagt mit Recht über die nach dem Kriege einsetzende Absperrungspolllik der Länder, über die Schutzzölle der überseeischen Gebiete und der neugeschaffenen „kleinen" Staaten, welche durck eine Ummauerung mit hohen Zollwällen unabhängig v»n fremder Einfuhr, wirt- schaftsautonom werden wollen. Ist man sich darüber klar, daß dieser Protektionismus der natürliche Ausdruck einer Neuaufteilung der europäischen Welt ist, die auf die historisch gewordenen territorialen ZusammengehörigkellsoerhäUnisse wirtschaftlicher Art keine Rücksicht genommen, sondern Die Grenzlinien nach ganz unwirtschaftlichen, rein politischen Gesichtspunkten gezogen hat? Wenn die Vertreter der Wellwirtschaftskonferenz, statt sich über die Abschlußbestrebungen der neugeschaffenen Länder zu beklagen, daran gehen werden, diese Bestrebungen als den natürlichen Ausfluß politischer, nicht wirtschaftlicher Aspirationen zu betrachten und damit die Forderung stellen, daß die großen Mächte durch gemeinsamen Beschluß gewisse handelspolitische Regelungen zwischen den einzelnen Staaten wenigstens als Mindestmaß der wirtschaftlichen Verständigung verlangen, anstatt die Staaten in, für alle Beteiligten verlustreiche, Zollkriege sich hineintreiben zu lassen, so wäre das gewiß ein großes Verdienst. Warum sollte dies der Weltwirtschastskonferenz nicht möglich sein, warum sollten sich nicht gewisse Mindestforderungen gegenseitiger handelspolitischer Beziehungen ebenso formulieren und in Form einer internationalen Konvention zusammenfassen lassen, wie man es fertig gebracht hat, durch die Bewegung für einen internationalen Achtstundentag in die „soziale" Selbständigkett der einzelnen Staaten ei»
zugreifen? Wer wird sich die Wellwirtschaftskonfe- renz zu diesem Schritte entschließen können?
Endlich ein drittes Gebiet, das man als sogenanntes ,cheikles" Gebiet ansehen kann. Es heißt „Amerika". Die Vereinigten Staaten, die unbedingt die einzigen großen Wirtschafstgewinner dieses Krieges sind, haben nach dem Kriege Maßnahmen ergriffen, die wie kaum andere geeignet sind, die WAtwirtschastskrisis zu verschärfen. Dahin gehören vor allem die Einwanderungsgesetze. Diese Gesetze haben unter dem Deckmantel des »Schutzes der ame. rikanischen Rasse den Zustrom der europäischen Ar- beiter nach Amerika abgedämmt, damll zu der heutigen Arbeiterknappheit in der Union beigetragen, und das dortige Hohe Lohnniveau verursacht. Die» war ja auch wohl die Absicht. Denn man konnte ja das „Gold" zunächst nur im Lande halten, wenn man möglichst wenig vom Auslande kaufte, also die Schutzzölle erhöhte und gleichzeitig die „Einfuhr" auch von Menschen beschränkte. Der hohe amerikanische Lohn, der sich sogleich in hohe Preise umgesetzt hat, ist die Ursache der Wettrohstoffteuerung für viele Gebiete, auch der Weizenteuerung gegenüber Friedenszetten, denn der amerikanische Farmer kann bei den hohen Löhnen und hohen Kosten von Maschinen, Geräten tc nur bei einem hohen Preise für seine Erzeugnisse weiterwirtschafte,u Hic Rhodus, hic salta! kann man auch hier nur den Wettwirtschaftskonferenzlern zurufen. Wird man es wagen, diese amerikanische Frage in dem bescheidenen Genf aufzurollen?
Der „Manchester Guardian Commercial", ein gut informiertes Blatt, erklärt in einem Lettarttkel vom 28. April, Material über alle Fragen besäße man in Genf genug, ja vielleicht — übergenug. „Es bleibt abzuwarten", so schreibt das englische Blatt, „ob die Konferenz in Genf sich aus dem Morast des Details herausarbeiten und in die höhere Sphäre umfassender Einsicht eindringen wird." Wir können diese skeptische Frage auch deutscherseits nur unterstreichen und ihr hinzufügen:
„5er Worte sind genug gewechselt, nun laßt uns Taten sehen!"
FvÄttSvettS tmfr He KhâZâUv. BèmrMH.
Das Pr^sescho auf die Untergattung Rieths mit Briand.
Paris, 5. Mai. Die aus Deutschland hierhek gelangte Nachricht, daß der deutsche Botschaftsrat Rieth bei seiner gestrigen Unterhaltung mit Briand die Herabsetzung der Truppenstärke im Rheinland berührt habe, erregt hier naturgemäß großes Auffehen. Das einzige Blatt, das Verständnis für die deut sch en Wünsche auf- st, und zwar gerade im Interesse der allgemei- europäischen Befriedung, ist das „D e u o r e".
bringt, und
nen
Es schreibt:
„Der Geschäststtäger Rieth hat sich im Auftrag seiner Regierung mit Briand über die deutschen „Wünsche" unterhalten, daß nämlich die Truppenzahl im Rheinland aufs neue herabgesetzt werde. Es wurden Deutschland bereits einige Erleichterungen im Besatzungsregime zugestanden. Es verlangt aber noch andre. Unsere Generale werden sagen, daß solche zugestanden werden könnten, wenn die Sicherheit der im Rheinland verbleibenden Truppen es gestattet Nun erscheint dem Laien die Zahl von 40000 Mann entweder als zu Hochoderalszugering. Als zu hoch, wenn man an Locarno glaubt und wenn man, wie wir in diesem Blatt es verlangen, diese Politik fortzusetzen gedenkt; als zu gering vielleicht, wenn wir die Wsicht haben, als Sieger in einem Land zu verbleiben, das wir zum Freund haben wollen, dessen Eisenbahnen wir aber nicht überwachen und aus dem — für den unwahrscheinlichen Fall einer rheinländischen Vesper — man besser abziehen würde. Aber das eigentliche Interesse von Rieths Besuch liegt anderswo. Es handell sich um folgendes: Dieser Schritt ist die E i n l e i t u n g z u Verhandlungen, die das Deutsche Reich auch sicherlich mit dem Zweck einer vollkommenen Räumung des Rheinlandes anknüpfen wird, sobald die De- festigungswerke im Osten Deutschlands niedergelegt fein werden. Die Frist für die Erfüllung dieser Forderung des Botschusterrates wird M i t t e Juni abgelaufen sein. Dann wird die fron zösische Regierung klare Stellung nehmen müssen. Hoffentlich wird es Bri and gelingen, alle seine Kollegen zu feiner A«! fassung zu bekehren, die vermullich folgendermaßen lautet: „Deutschland hat unbestreitbar noch dem Wortlaut des Versailler Vertrags sellyt das Recht, vor 1935 das Problem der Rheinlandräumung aufzurollen. Sobald es dies amtlich tun wird, werden wir es anhören. Wir werden dann sehen, welche Gegenleistung es für ein derartig wertvolles Zugeständnis wird anzubieten haben." Es gibt Gegenleistungen, im besondern die Wacht auf dem rheinischen Glacis."
Das ist die Stimme eines Blattes, das noch am weitesten der deutschen Auffassung entaegenzukom men glaubt. Aber auch hier kommt der Wunsch zum Ausdruck, daß man die Räumung m ö g = lichst teuer verkaufen müsse, und daß — eine sonderbare Ausdrucksweise für eine Zeitung, die als pazifistisch gelten müßte —, eine b e s o n dere Wacht innerhalb des rheinischen „Glacis" organisiert werden müsse. Es gab Zeiten, wo man sich in Frankreich sehr aufregte, wenn einmal ein deutscher General in seiner mm tärischen Ausdrucksweise von einer Gegend als Glacis sprach. Die Beauspruchuug den*»