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s. Mai

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.kèrscheioi täglich mit Ausnahme der Sonn- lmb Feiertage. / Lezugspreis: Für den halben tonst 3ÖL1.-, für den ganzen Monat RM. x- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag iz, -amstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite R-Psg^ im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. Offerteagsbühr 50 R-Pfg.

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Die Eröffnung der Internat, wirtfitzaftskon-erenz.

LÄsrrttès WZV dßs weMMeMge WÄrL-chaMMs ÄlddLusrält. Vssf. Hasses fÄv Vaßche wUrLMaftiiEe AdvSfs«Wg.

Genf, 4. Mai. In Anwesenheit von etwa 1000 egierten, Sachverständigen, Beobachtern und ^Vertretern eröffnete bet Belgier Theunis te vormittag 11.15 Uhr im Reformationssaale

I internationale Wirtschaftskonferenz. Nach Be- ßsing der 197 Hauptdelegierten von 48 vertrete- : Staaten gedachte Theunis kurz der Entstehungs- hichte der Konferenz, dankte besonders dem Völ- mnd, der getreu seiner Aufgaben, die internatio- s Verständigung und die internationale Solidari- auf allen Gebieten zu fördern, auch diese Kon­wz organisiert habe. Die Gemeinsamkeit der tschaftlichen Interessen sei eine der allerwich- ten - Solidaritätsforderungen. Die Konferenz de sich in erster Linie mit internationalen Wirt- ftsfragen Europas beschäftigen, die sich unter die i großen Rubriken: Handel, Industrie sind Acker- : Anteilen lassen. Er verwies auf die besonderen 'bleme der Handels- und Tarifpolitik sowie die ^nationalen Wirtschaftskartelle. . Weiter verwies auch darauf, daß eine Reihe von Aufgaben mehr r weniger spezifisch europäischen Charakter trage, betonte dabei:Wir dürfen nie vergessen, daß ÜPe der wechselseitigen Abhängigkeit der Völker einander jede Situation und. jede Maßnahme, das Wirtschaftsleben eines Volkes oder einer ippe von Völkern trifft, . bisweilen sehr weit- hende Fernwirkungen auf die andern hat." Er licke den Kernpunkt dieser Schwierigkeiten in der Änderung der Produktions- und Psrbrauchs- y-^-krffe; die ihrerseits wieder durch die fern» alen Veränderungen:' nach dem Kriege unb die ngesnde Stabilität der öffentlichen Finanzen her­gerufen worden sind, unb denen die Konferenz t Rechnung zu tragen habe. :

lie Umwälzung der alten Wirtfchaftsmärkte

und die Schutzzollbarrlere

en das Uebel noch verschlimmert. Mehr und hr habe sich unter den Völkern der Wunsch ver- itet, sich wirtschaftlich selbst zu genügen, aber lererfeits auch der Wunsch, sich neue Absatzwege verschaffen, zwei Tendenzen, die in offenbarem derspruch miteinander stehen. Die Gründe, oder, i ich sagen möchte, die Vorwände zur Rechtferti- ig einer solchen Politik haben natürlich nicht ge- en. Man wollte sich eine Verteidigung schaffen en das Dumping der niedergegangenen Wäh­lgen, aber natürlich konnten solche anormalen ) künstlichen Maßnahmen nur das Ergebnis ien, die zur Erhöhung der Produktion ange- nbten Bemühungen vergeblich zu machen.

Die Handelsbarriere

nur den Erfolg, die gleichmäßige Verteilung der aduktion zu verhindern. Schon seit einiger Zeit nerkt man den sonderbaren Widerspruch, der 'schen den ungeheuren Bemühungen der Völker teht, die auf alle Weise versuchen, die Verkehrs- ze für Personen und Güter durch die Schaffung i Eisenbahnen, Häfen und Kanälen zu begün- ;en und andererseits den fiskalischen und Verwal- igsmaßnahmen, durch die man diese mit so gro= l Ausgaben verbundenen Bemühungen unnütz 4t.

Ser Knotenpunkt der gegenwärtigen Schwierig­keiten

ze in der Tatsache, daß der Handel besonders in ropa der Entwicklung der Produktionsmittel, die 't das Vorkriegsniveau erreicht oder überschritten ien, nicht hat folgen können. An Ihnen, meine rren, wird es fein, die Aufgabe zu erfüllen, bie=

Schwierigkeiten zu begegnen. Der letzte Teil der de des Präsidenten galt der Hervorhebung der hwierigkeiten, die sich der Konferenz bei der Er- lung ihrer Aufgaben entgegenstellen. Die Kon- enz fei sich bewußt, daß sie eine Arbeit von langer uer vor hat, zu der sie nur den ersten Stein legen in. Es gibt aber, erklärte Theunis, Wahrheiten, man nicht aufhören darf, immer wieder zu ederholen. Nur so kann es gelingen, diejenigen widerlegen, die glauben, daß die Konferenz nur »eorie produziere und keine praktischen Ergnbnisse tigen wird. Sie müssen widerlegt werden, denn - ganze politische Arbeit des Völkerbundes wäre egeblich, wenn sie nicht auf einer geeigneten wirt- astlkkhen Unterlage beruht.

Die politische Arbeit und die wirtschaftliche Arbeit sind solidarisch miteinander verbunden. Dieser Solidarität muß man sich überhaupt be- lßt bleiben, denn die wechselseitige Ab- Engigkeit der Interessen der Völker »n einander, sowohl auf politischem, noch ihr aber auf wirtschaftlichem Gebiet, i st eine otsache, und es nützt nichts, sie zu ^ugnen oder gegen sie anzukämpfen, an muß sie im Gegenteil, rief er mit lauter Be­ttung aus, anerkennen, sie nutzbar machen und mmrsieren. Und darin besteht die Aufgabe dio- r Konferenz.

2^>Ende der Rede machte Theunis Mitteilungen kichüstsordnungsmäLiaar Art. um m verhindern.

daß die Konferenz mit doppelten Reden unnütz Zeit verliere. Theunis teilte weiter mit, daß die Bildung der Kommissionen am Samstag nachmittag er­folgen soll.

Die NachmittagssitzuNg begann mit einer Rede des bekannten Stockholmer Nationalökonamsn,

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der die in der Rede des Präsidenten Theunis ent­haltenen Leitgedanken wisienfchafüich ausbaute und vertiefte und in akademischer Form für eine rasche wirtschaftliche Abrüstung eintrat, wobei er von der Ansicht ausging, daß heute immer noch ein wirt­schaftlicher Kriegszustand in der Welt herrsche. Die Grn'ndfrage, die von der Konferenz zu beantworten sei, wäre seiner Ansicht nach die, ob man auf der Weltwirtschaftskonferenz zusammengekommen sei, um die Produktion zu beschränken und sie der ge­sunkenen Verbrauchskraft anzupassen, ober um die Produktion zu erhöhen und die Kaufkraft der Welt zu verstärken. Der Redner trat im Verlaufe seiner Ausführungen unter eingehender Begründung für die zweite These ein, daß nur eine Erhöhung der Produktion und der Kaufkraft der ganzen W e l t zu einer wirtschaftlichen Abrüstung führen könne. Nach Prof. Cassel kam

der italienische Diplomat Graf Bomn-Longare

zu Wort, der in nicht minder theoretischer Form einen von Theunis ausgesprochenen Gedanken ent­wickelte, wonach die Arbeit des Völkerbundes ohne eine entsprechende Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet unfruchtbar, bleiben Hisse. Alles, was man auf dem Gebiete der Herabsetzung der Rüstungen, der Schaf­suna von Schiedsgerichten usw. leisten könnte, könne wirklichen Frieden nur in einer internationalen Ge­sellschaft begründen, wo jedes Volk imstande sei, durch seine Arbeit und seinen Handel einen Grad von Wohlstand zu erreichen, der seinem Zivilisa­tionsstand entspreche.

Als dritter Vertreter sprach

der Delegierte der Internationalen Handels­kammer, Sir Walter Runciman.

die der Man

Er verwies auf die konkreten Vorschläge, Wirtschaftskonferenz gemacht worden sind. habe in allen Ländern festgestellt, daß, der Hauptursacyen der land­

obwohl eine wirtschaftlichen Inflation

Umwälzung, nämlich größtenteils verschwunden

die sei.

die europäischen Staaten unter den Folgen der Inflation immer noch zu leiden, weil der europäi­sche Handel heute nur noch 90 Prozent von dem ausmache, was er vor dem Kriege betragen habe. Das amerikanische Komitee habe in Beurteilung der europäischen Verhältnisse festgellellt, man erkenne in Europa allgemein, daß das Vorhandensein eines geschlossenen Wirtschaftsgebietes innerhalb der Ver­einigten Staaten dort viele Maßnahmen über- slüssig mache, die in Europa notwendig seien. Eine ähnliche Handelsfreiheit, wie sie in den Vereinigten Staaten besteht, würde also auch für Europa große Vorteile haben. Deshalb fordere die internationale Handelskammer wenigsten^ langfristige Handels­verträge und Vereinheitlichung des Zolltarifschemas.

Der frühere polnische Handelsminister Gli - w i t s ch sprach ebenfalls über die Inflation, die sich besonders in Kontinentol-Europo zu einer wahren Geißel gestaltet habe.

Die Weiterberatung wurde auf morgen vor­mittag vertagt.

Dis SSttSemkt des mM. DelesGirsts

Genf, 4- Mai. Die Ankunft der russischen Dele­gation, welche' heute abend nach 5 Uhr stattfand, brachte insofern eine Ueberraschung mit sich, als die Delegation an der letzten Bahnstation vor Genf, Bellevue, den Schnellzug verließ und per Auto in die Stadt und zum Hotel Angleterre fuhr.

Bis LattdwlvtkGaßt im Wähmess dss äowfevenz.

Erklärungen Dr. Hermes' vor der deutschen Presse.

Genf, 4. Mai. Der frühere Reichsminister Dr. Hermes empfing heute abend ine deutschen Presse­vertreter, um in längeren Ausführungen auf die Bedeutung der landwirtschaftlichen Fragen, die in einem besonderen Ausschuß auf der Weltwirtschafts- kowferenz behandelt werden sollen, hinzuweisen.

Trotzdem man, wenn von der Weltwirtschafts­krise gesprochen werde, in erster Linie an die In­dustrie- und Handelskrise denke, weil ihre Erschei­nungsform sich nachhaltig einprâge, leide auch, so sagte der deutsche Vertreter, die Landwirtschaft unter der Weltwirtschaftskrise. Es sei selbstverständlich, daß die Krisenerscheinungen in der Landwirtschaft im Rahmen der Gesamtfragen zu betrachten seien; es sei aber auch erforderlich, daß ihre Bedeutung er­kannt werde. Die Weltwirtschaftskrise könne, wenn man Maßnahmen zugunsten der Industrie und des Handels ergreife, wohl gelindert werden. Sie könne aber nur geheilt werden, wenn auch die Landwirt­schaft in Betracht gezogen wechs,

An Hand von Angaben des Statistischen Reichs­amts wies Dr. Hermes auf die große Rolle der landwirtschaftlichen Erzeugung im Weltwirtschasts- leben hin, wobei er u. a. einige Zahlen der land­wirtschaftlichen und industriellen Erzeugung gegen­überstellte.

So betrug beispielsweise der Wert der Welt- erzeugung an Weizen im Jahre 1924 rund 19^ Milliarden, die Förderung von Kohlen runb 17 Milliarden. Im Jahre 1924 wurden von landwirt­schaftlichen Erzeugnissen im Welthandel umgesetzt insgesamt rund 84 Milliarden Mark. Da der Ge­samtwert des Welthandels im Jahre 1924 rund 241 Milliarden ausmachte, so ergibt sich, daß die landwirtschaftliche Erzeugung mit etwa einem Drit­tel am Gesamtwert des Welthandels beteiligt ist.

Reichsminister Dr. Hermes teilte weiter mit, daß über die landwirtschaftlichen Fragen der Weltwirt- schastskonferenz in diesen Tagen noch eine ausführ­liche Denkschrift vorgelegt werde, und daß ihr heute eine Denschrift über die Geschäftsverbindungen zwi­schen landwirtschaftlichen Genossenschaften und Kon­sumvereinen in Deutschland, die vom Weltwirt- schaftsausschuß der deutschen Erzeuger- und Ver­brauchergenossenschaften hergestellr wurde, übergeben worden ist.

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Paris, 4. Mai. In Vertretung des immer noch ans Bett gefesselten deutschen Botschafters von Hoesch stattete heute vormittag Botschaftsrat Dr. Rieth Außenminister Briand einen längeren Be­such ab. Die Aussprache hat, wie in einem offiziösen Communiquè mitgeteilt wird, der Erörterung laufender Fragen gegolten, deren Verhandlung in­folge der Erkrankung des Herrn v. Hoesch bisher zurückgestellt worden war. Wie wir ergänzend dazu erfahren, ist der von Berlin aus ange­kündigte Schritt mit dem Ziel einer weiteren Reduktion der Besatzungs- truppen auch heute nicht erfolgt Immerhin hat die Aussprache zwischen dem fram zöfischerr Außenminister und dem deutschen Ge- schäftsftäger auch dieses Thema berührt und. auch Gelegenheit gegeben, die Aussichten eines offiziellen deirtschen Schrittes, wenn auch zunächst unverbindlich, zu erörtern.

Die Erfolgaussichten einer deutschen Initiative in dieser Richtung werden nicht nur durch die ver­frühte Ankündigung der Demarche, die den fran­zösischen Nationalisten Gelegenheit zu umfang­reichen Gegenmanövern gegeben hat, sondern vor allem auch durch die durch Poincarès Rede ge­schaffene ungünstige Atmosphäre stark beeinträchtigt. DerTeiups", der damit die Auffassung des Öuai d'Orsay wiedergeben dürfte, bemüht sich zwar heute, den peinlichen Eindruck der Ausführungen Poin- carès zu mildern mit der Versicherung, daß in Poin- carès Rede auch nicht ein Wort enthalten fei, das auf eine beabsichtigte Aenderung der französischen Außenpolitik, wie sie in Locarno und Genf festge­legt worden sei, gedeutet werden könne. Aber auch diese zweifellos inspirierten Auslassungen, die gleich­zeitig für den Fall eines Fiaskos der Politik deutsch­französischer Annäherung im Voraus alle Schuld auf Deutschland abzuwälzen versucht, sind wenig geeignet, die unleugbar in den deutsch- französischen Beziehungen eingetre­tene Verstimmung aus der Welt zu schaffen. Die deutsche Regierung und die öffent­liche Meinung in Deutschland haben niemals einen Hehl daraus gemacht, daß, wenn Deutschland in Lo­carno tatsächlich so weit gegangen ist, es dies ledig­lich im Vertrauen auf entsprechende französische Gegenleistungen getan hat, die der verantwortliche Außenminister Frankreichs überdies als selbstver­ständliche Folge einer deutsch-französischen Entspan­nung, und Annäherung in offiziellen und offiziösen Besprechungen immer wieder in Aussicht gestellt hat. Es läßt sich- leider nicht leugnen, daß Deutschland tn diesem Vertrauen von Frankreich bisher bitter enttäuscht morden ist.

^Svöss-WMsU Kbes ds« KLrrmsz- KWsKâLM.

Berlin, 4 Mai. Der preußische Flnanzminister Dr. Höpker-Aschoff sprach gestern abend in emerVer- sammlung eines Wahlkreises der Deutsch-Demo­kratischen Partei über das Problem des Finanz­ausgleiches. Der Minister erklärte, die Lage der Dinge ergäbe es, daß zwischen dem Reich unb den Ländern ein Ringen um den Finanzausgleich statt­finde. Länder unib Gemeinden dürften aber nicht beim Finanzausgleich das Reich rupfen, sondern müßten berücksichtigen, daß das Reich auch in finan­zieller Hinsicht mächtig bleiben müsse. Zwischen Preußen und dem Reich habe es zuletzt keine Mei­nungsverschiedenheiten wegen des Finanzausgleiches mehr gegeben, sondern der Streit sei wegen der bayerischen Biersteuer entstauben. Die Preußische Staatsregierung stehe in dieser Frage auf dem Standpunkt, daß der Grundsatz der Gleichberechti­gung zugunsten Bayerns verletzt worden fei Der Minister beschäftigte sich dann weiter mit dem soge­nannten Lastenausgleich, der einmal in organischer Form dadurch entstauben sei, daß das Reich in den Etat der Reichswehr und des Auswärtigen Amte^ größere Ausgaben eingesetzt habe. Daneben gäbe es aber noch einen finanziellen Lastenausgleich zu dem Zwecke, die schwächeren Länder aus Mitteln der stärkeren zu unterstützen. Bezüglich der zukünf­tigen Entwicklung äußerte sich der Minister hähin, 1tr114uncyu.cn. w..., --,.- - ~ ,

daß der finanzielle Lastenausgloich in Zükunft Zusammenstöße zu Dermeiben wer^ der g^^ fallen und baß man d« Ländern eine größere Bs- Kraftwagenpark der Polizei auf die Straße geb. .<W

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wegungsfreiheit dadurch wiedergeben müsse, daß man zu dem System der Steuerzuschläge zurück- komme.

GWWNS des KeMsKabLttMs.

Berlin, 4. Mar. Der Reichskanzler hatte heute eine Besprechung mit dem Reichspräsidenten, in der er Bericht über die allgemeine politische Lage erstattete. Morgen hält das Kabinett seine erste Sitzung ab. Es wird sich mit einer großen Zahl innen- und außenpolitischer Fragen zu beschäftigen haben. Im Vordergrund steht die diplomatische Aktion, die sich die Herabsetzung der Besatzungs» truppen zum Ziele gemacht hastWsfter wird üb« die Fortsetzung der Handelsvertragsverhandlungen mit Frankreich und Polen und über die Ablehnung des Vorschlages des Reichsjustizministers zum Re­publikschutzgesetz durch die Mehrheit des Reichsrates zu besprechen fern. Die Tagesordnung des Reichs­tages, der am kommenden Dienstag seine Plenar­sitzungen wieder aufnimmt, weist, wie wir erfahren, wichtigere V«handlungsgegenstände nicht auf. Die Sitzung dürfte von dem inzwischen wieder genesenen Präsidenten Loebe eröffnet werden.

Zu der Frage des Republikschutzgesetzes erfährt dasBerliner Tageblatt" von gut unterrichtet« Seite daß man in den Kreisen des Reichstagszen­trums es für das Richtigste hält, das Republikschutz­gesetz mit allen seinen noch geltenden Paragraphen einfach zu verlängern, da eine Uebernahme einzel­ner Bestimmungen in das neue Strafgesetzbuch vor­läufig nicht erfolgen kann. Aber auch in den Kreisen des Zentrums gibt man sich keinem Zweifel Darüber hin, daß für die deutschnationalen Koalitionsgenossen diese Entscheidung nicht gerade leicht fein wird, und daß noch mancherlei Schwierigkeiten zu über­winden sein werden.

^vttsmredevere«.

Unter Dieser lleberschrifi beschäftigt sich dieGer­mania" mit der Darstellung der politischen Lage durch die Oppositionspresse, die den Differenzen innerhalb der Regierungskoalition zu große Bedeu­tung beilegt. Es ist naèürUch, daß in einer Koa­lition, die von den Dentschuationalen bis zum Zen­trum reicht, Gegensätze vorhanden sind. Das sind Schwierigkeiten, mit denen jede Loalitiousregierung zu rechneu hat. Die Politik der Legierung ist an bestimmte Richtlinien gebunden. Jeder Versuch, die Außenpolitik in andere Bahnen zu drängen, könnte zu einer Krise führen. Dasselbe gilt für die Haupt­fragen der Junenpolittk. Die Haupffache ist, daß die großen Linien der bisherigen Politik inuegehalten werden, und das ist bis jetzt der Fall gewesen. So groß die Schwierigkeiten auch sein mögen, es scheint uns kein berechtigter Grund für die Anaahme nor« zuliegeu, daß sich eine Krise vorbereitet.

Des Besttues Giahlbelmias.

Berlin, 5. Mai. Der Polizeipräsident hat an die Kommunistsche Partei Deutschlands, Bezirk Berlin- Brandenburg-Lausitz, folgendes Schreiben gerietet:

hiermit verbiete ich die von der Kommunisti­schen Partei Deuffchlands und dem Roten Froat- kämpf«bund für den 7. und 8. 2tlai 1927 in Berlin zum Stahlhelmtag geplante Gegenkundgebung (Ver­sammlungen und Umzüge) unter freiem Himmel auf Grund des Artikels 123 Abs. 2 der Reichsver­fassung wegen unmittelbarer Gefahr für die öffent­liche Sicherheit. Für etwa von außerhalb nach Ber­lin kommende Mitglieder der genannten Vereini­gungen weise ich auch darauf hin, daß auch der ge­schlossene Abmarsch von den Bahnhöfen verboten ist und gegen sich etwa bilbenbe Züge eingeschritten wird."

*

Der Berliner Polizeipräsident Zörgiebel machte heute vor Vertretern der Presse Ausführungen über die polizeilichen Maßnahmen, die im Hinblick auj den Stahlhelmtag am kommenden Sonntag ge troffen worden sind. Er hob hervor, daß die Polizei angesichts der widerstrebenden Auffassungen die Aufgabe gehabt habe, für einen Verlauf der Ver­anstaltung zu sorgen, wie er im Interesse der ge­samten Berliner Bevölkerung wünschenswert sei. An ein Verbot des Stahlhelmtages konnte nicht ge-

dacht werden. Es sei Aufgabe der Polizei, die ver­fassungsmäßigen Rechte zu si ch e.r n und dafür zu sorgen, daß der Staatsbürger davon Gebrauch machen könne. Man habe aber auf beiden Sei ten (?) über das Ziel hinausgeschossen, und infolge dessen sei eine ghwissc Beunruhigung entstanden Es sei aber gar fein Grund vorhanden, Besorgnis zu hegen. Ds/ Samstag und der Sonntag werde das durch seinen Verlauf bestätigen. Die Leitung des Stahlhelms habe die Zusicherung gegeben, daß sie alles tun werde,' um einen reibungslosen Ver­lauf der ^ünbgebung zu sichern. Auf der anderen Seite hghe auch die Polizei alle nötigen Vorkeh­rungen'getroffen, und zwar bis ins kleinste. Es werde' alles geschehen, um nach menschlichem Er­messest Ausschreitungen zu verhindern. Der Lust­garten werde am Sonntag lediglich den Veranstal­tern der Kundgebung freigegeben werden. Hier festen also keine Komplikationen zu besorgen. Die Lage könne erst nach Wschluß Der Kundgebung bedenklich werden. Die Polizei werde dafür sorgen, daß diejenigen Teilnehmer des Stahlhelmtages, die sofort abzureisen wünschen, sich bis zum Vahnhos gelangen. Ein Teil werde allerdings in Berlin blei­ben, um an der geplanten Kundgebung in Potsdam teibunebmen. Um nach Schluß der Kundgebung