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1628
— Der Preußische Landtag nimmt heute um 12 jr seine Arbeiten wieder auf. Aus der Tages- dnung steht die zweite Beratung des Haushalts r Bergverwaltung.
— Jm Rechtsausschuß des Preußischen Landtages urde am Montag ein kommunistischer Antrag auf :laß eines neuen Amnestiegesetzes abgelehnt.
— Eine deutsche Demarche über die Herabsetzung r Besatzungstruppen wird binnen kurzem erwartet.
— Reichsfinanzminister Dr. Köhler sprach im reife von Berliner Kaufleuten und Industriellen ier Staatsfinanzen und Wirtschaft.
— General der Artillerie Fridrich v. Scholtz im 77. Lebensjahre verstorben.
Die Lease des Khekuiaud-
Nu deutscher Schritt unmittelbar bevorstehend.
Paris, 2. Mai. Ueber die angeblichen deutschen chritte in Paris in der Frage der Rheinland- umung sind leider von deutschen Zeitungen vor- ute Informationen veröffentlicht worden, die zum ößten Teil unzutreffend waren, und die der Sacke [bst wenig dienten. In Wirklichkeit lieh die deutsche egierung, wie wir von zuständiger Seite erfahren, )on vor einiger Zeit durch die hiesige deutsche Bot- )oft die Unterhandlungen. mit dem französischen ußenministerium über die Rheinlandfrage wieder ifnehmen, - - .
Versprechungen hinsichtlich der Herabsetzung der Stärke der Besatzungstruppen erinnert worden ist.
léfer diplomatische Schrstt ist nunmehr soZvett vor- —selbst unmittelbar beoorsteht Er M.'cqon heute erfolgt, doch war btew Trnmâglirip eil Außenminister Briand im LâufS des heutigen iges noch nicht von seinem Landgut .zurückgekehrt ar. Voraussichtlich wird morgen Der deutsche Ge- häftstrâger Dr. Rieth zu Briand gehen, um diese emarche im Auftrag der deuffchen Regierung zu nterneymen. Diese Demarche wird mmrdlich erfol- m, es wird also keine Ueberreichung einer Note attfinben. Die Demarche wird zwei Punkte de- essen: einmal die Herabsetzung der Stärke Der Be- tzungstruppen und zweitens die Frage der Räu- « lang des besetzten Gebietes.
Vâeasè $$$»•
Paris, 2. Mai. Einem allen Brauche folgend, ii der französische Ministerpräsident bei der Er- fnung des Generalrates in Bar-le-Duc eine große asttische Rede gehallen. Diesmal beschäftigte sich e Rede fast ausschließlich mit
finanziellen und politischen Fragen.
e brachte also nicht wie die letzte große» Rede im eptember v. I. in Bar-le-Duc schwere Entgleisun- en auf außenpolitischem Gebiete gegen Deutschland, rshefondere in der Kriegsschuldfrage.
i . Poincars wiederholte noch einmal die Geschichte er finanziellen Erholung Frankreichs, gab aber
1 eutlid) zu erkennen, daß noch keine unbedingte Sicherheit vorhanden ist. Für das Butgotjahr 1928 neu keine Steuererhöhungen vorgesehen. Poin- iré erklärte ausdrücklich daß er aber auch auf kei- sn Fall Maßnahmen zustimmen werde, die das iudgetgleichgewicht ins Wanken bringen könnten, h. also auch keine Steuererleichterungen, denn is könnte gefährlich werden.
Der Miristerpräsideill kam dann auf die Staats- eamten und
die kommunistischen Umtriebe
Ji sprechen und erinnert daran, daß der Staats- eamte kein gewöhnlicher Beamter sei. Der Staat rbalte den Beamten, und daher könne der Beamte ch niemals gegen den Staat wenden. Man verenge von dem Beamten nicht, daß er auf seine optische Ueberzeugung verzichte, wohl aber, daß r zwischen persönlicher politischer Einstellung und einem Amte zu unterscheiden wisse. Ein Gesetz, das ie Rechte und die Pflichten der Beamten genau '.stlege, halte er unbedingt erforderlich.
lieber
die Außenpolitik
ußerte sich Poincars nur mit wenigen Worbe«.
Die außenpolitische Haufftelle der Rede Pom- arés galt Deutschland. Den Friedensgeist wM Poincars, der in dieser Beziehung der alte geblie- >en ist, nur in der starren Beibehaltung von Der- ailles anerkennen. Er will nun einmal kein Ver- tândnis dafür haben, daß die Einschränkung der putschen Souveränität und die Fortdauer des jetzi- ;en Zustandes auf die Länge dem Friedensgeist mzuträglich fein muß. Er sagt dazu u. a.:
Frankreich ist eine der Nationen, die seit mehreren Jahren ihren Heeres- und Marinehaushalt mfs stärkste herabgesetzt haben. Es hat bamit ein teues Zeugnis für seine friedlichen Absichten abge- egt. Es hat nach dem Kriege niemals etwas ande- "w verlangt, als die loyale Ausführung der Vermöge. Wenn es immer auf einen so guten Willen gestoßen wäre, wie auf den feinigen, so würde der m den Urkunden festgelegte Friede schon längst auch ’n den Geistern herrschen. (Poincarè vergißt dabei Die ganze Reihe seiner hetzerischen Reden bei der Einweihung von Kriegerdenkmälern.) Frankreich wünscht deute nur die regelmäßigen Zahlungen der
Staatsfiname« u. WiMchait.
MMWMMKU KtW EtttLasSWKK des Mèmschafs. - ^SBeßMMMGmHg VKd OSVSZttßÄGZMS Dev GtettSKSefsOgShNSrK.
Berlin, 2. Mai. Vor den Mitgliedern des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller sprach heute abend Reichsfinanzminister Dr. Köhler über das Thema „Reichsfinanzen und Volkswirtschaft". Er gedachte zunächst der großen Verdienste des Reichsfinanzmini st ers Dr. Luther und der Mitarbeiter desselben um die Neuordnung der Reichsfinanzen. Dreifach sei die zu leistende und geleistete Aufgabe gewesen: Zunächst die Wiederaufrichtung und Stabilisierung der Währung, dann die Balanzierung des Reichshaushalls und endlich die Regelung der Reparationsleistungen. Die im Zusammenwirken mit Dr. Marx und Dr. Stresemann erreichte Regelung der Reparationsleistungen durch das Londoner Abkommen bilde die Grundlage unserer jetzigen Verpflichtungen. Mit dem Sachverständigenplan sei hoffentlich die rein politische und wirtschaftsfremde Behandlung dieses großen Problems der Weltwirtschaft endgültig überwunden.
Nur aus freiwilliger Leistung eines freien Volkes könnten die schweren Lasten abgedeckt werden.
Dies klar erkannt und ausgesprochen zu haben, sei eines der großen Verdienste der Sachverständigen. Die teutsche Wirtschaft hat in der vergangenen Zeit die-ihr zugewiesene Aufgabe zu erfüllen begonnen. Die Reichsregierung hat die Wirffchast in ihrem Bestreben tatkräftig unterstützt. Sie wird in dieser Hinsicht auch künftig ihre Pflicht tun. Unsere Reichshaushalle laßen das stete Bemühen, die Kräfte unserer Wirffchast zu stärken, klar erkennen. Der überaus starke Aderlaß, der an ihr vorgenommen werden mußte, um die Währung zu erhallen, hätte zu außerordentlich nachteiligen Wirkungen führen müßen, wenn an seine Stelle nicht bewußt und im Eintiana mit dem Dawsèplan eine Politik der Wirt- fchaftsförderung getreten märe, die fortzuführen die Regierung und insbesondere der Finanzminister als große Aufgabe anfieht. Reichsminister Dr. Köhler ging dann
auf die Staatshaushalte im einzelnen ein. Weniger günstig als der Abschluß für 1926 sehe der Etat für 1927 aus. Habe der Etat für 1927 schon große Schwierigkeiten bereitet, so mache ihry die Aufstellung des Reichshaushalles für 1928 größere Sorge. Wir rücken mit diesem Etat in das Normaljahr der Reparationsbelastungen ein Es fehlen uns zur Abdeckung die Betriebsfonds sowie der Ueberschuß für 1926 mit insgesamt 400 Millionen. Auf der andern Seite stiegen die Reparationsleistungen um rund 350 Millionen, so daß wir in großen Zahlen schon eine Verschlechterung gegen bisher in Höhe von % Milliarden hätten. Wir können nur starke Einschränkungen der Ausgaben helfen.
Unsere Gesamtlage gibt noch in gar keiner Weise optimistischen Auffassungen Raum. Von einer kontinuierlichen Linie des Ausstiegs ist wenig zu merken.
Wem es gut geht, oder wer es nötig hat zu erklären, daß es ihm gut gehe, der sollte nicht ohne weiteres verallgemeinern, denn solche Verallgemeinerungen geben ein falsches Bild von unserer Leistungsfähigkeit und müssen uns nur schaden. Unsere öffentliche Last ist gegenüber derjenigen anderer Länder in ihrer Auswirkung sehr viel schwerer, trotz aller gegenteiligen Behauptungen. Deshalb müssen
Wiederherstellungsleistungen, sowie das der Dawes- sche Plan vorsieht, und die volle Wahrung seiner Sicherheit. Man kann es nicht anklagen daß es moralisch nicht abgerüstet habe. Nicht in Frankreich entstehen unzählige militaristische Vereinigungen. (Dieser Vorwurf gegen Deutschbrnd klingt schon deshalb unsinnig, weil Frankreich ja ganz offen an der Stärkung seiner militärischen Organisation arbeitet). In Frankreichs Schulen verkündet man nicht imperialistische Lehrmeinungen. Es hat stets begriffen, daß die Rolle einer siegreichen Nation nicht darin besteht, die Haßgefühle zu schüren, sondern zu beschwichtigen. (?) Jedoch kann es nichts von seiner Unabhängigkeit opfern und auch nichts von den Rechten und Bürgschaften, die ihm auf Grund der vertrâoe zustehen. Da Frankreich gleichzeig eine Land- und Seemacht ist, muß es sowohl zu Lande als auch zu Wasser die Mittel in der Hand behalten, um sich gegen Angriffe vorzusehen. Solange nicht alle Nationen offen, ohne Hintergedanken die unterzeichneten diplomatischen Abmachungen anerkennen, solange sie nicht eine gleiche Aufrichtigkeit bei ihren friedlichen Erklärungen bewahren, solange wird es auch den edelsten und hochherzigsten Nationen nicht genügen, sich bloß geliebt zu wißen. Diese Nationen müssen sich Respekt verschaffen können und infolgedessen zu ihrer Verteidigung stark genug sein.
Was Poincarè für Frankreich in Anspruch nimmt, sollte daß nid)t auch Geltung für Deutsch land haben? Was würde aber Poincars sagen, wenn ein deutscher Staatsmann aufstünde und eine gleiche Rede hielte, wenn er ebenfalls die unbedingte Forderung auf die Mittel unbeschränkter Selbstverteidigung erheben wollte, die dem armen deutschen Volk die jetzt noch immer in dieser Beziehung aufrechterhaltenen Verträge in keiner Weise
Steuererhöhungen MNZ außer Bereich in der Erörterung bleiben.
Steuerermâtzigungsmaßnahmen müssen hingegen fortgesetzt werden.
Zur jetzigen Anleihepolitit des Reiches bekenne ich mich durchaus, wobei allerdings zwei Voraussetzungen zu erfüllen wären: 1. daß der Begriff der werbenden Anleihe eng zu fassen und nicht lediglich zu weitgehendster Entlastung der laufenden Ausgaben diene, do sonst eine verhängnisvolle Schuldenpolitik das Ende wäre, 2. muß der Kapitalmarkt aufnahmefähig sein und die AnleihÄredingun- gen müssen der Marktlage entsprechen. Ich habe noch eine Ermächtigung, im laufenden Etatsjahr fast eine Milliarde als Anleihe aufzunehmen. Ich werde in den nächsten Monaten bestimmt nicht, und auch später nur mit äußerster Zurückhattung, von dieser Ermächtigung Gebrauch machen. Für die Behandlung der Ausländsanleihen ist in erster Linie die wechselnde Lage des Geldmarktes entscheidend. Daß die heutige Verknappung insbesondere den Realkredit getroffen hat, gibt dabei zu denken.
Ich beabsichtige in allernächster Zeit eine Reihe von Gesetzentwürfen vorzulegen, die eine Fortführung der Steuerreform des Jahres 1920 bedeuten im Sinne einer weiteren grundlegenden Vereinheitlichung und Vereinfachung der gesamten Steuergesetzgebung in Reich und Ländern einschließlich des Verwaltungsverfahrens.
Ein Grundsteuerrahmengesetz, ein Gewerbesteuer- rahmengesetz, ein Gebäudeentschuldungsteuergesetz und endlich ein Gesetz über die Vereinfachung des Verfahrens in Steuersachen sollen diesem Ziel dienen. Endlich soll eine Vereinfachung der L'L'ASÜLM^SUSÄL für den Steuerpflichtigen vorgesehen werden. Ich bin der. Auffassung, daß schärfste Vereinfachungen organisatorischer Art durchzuführen sind, um mit geringstem Aufwand den Höchstnutzeffekt zu erreichen. Daß in der Oeffentlichkeit dabei auch das Problem «Föderalismus oder Unitarismus" eine Rolle spielt, ist selbstverständlich. Ich kann als Süddeutscher nur eindringlich warnen vor einseitiger Betrachtung und allzu derbem Zugreifen. Wer die Frage nur vom materiellen Gesichtspunkt betrachtet, geht durchaus abwegig; es geht bei dem ganzen Problem auch um die Seele der Millionen südlich des Mains. Der Minister schloß: Die Zusammen faßung aller Kräfte wird uns die Stärke geben, die notwendig ist, um die ungeheuerlichen Folgen des Krieges und der Nachkriegszeit zu überwinden und unser Volk in allen seinen Schichten wieder besseren Tagen entgegenzuführen. Der soziale Gedanke müsse dabei nicht nur theoretisch, sondern in der Praxis verwirklicht werden.
Nur durch seine Realisierung werde das deutsche Boß dem Aufstieg entgegengeführt werden können.
Voraussetzung dafür ist eine gesunde Wirtschaft. Gerade die Wirtschasts- und Handelsvertragspolitik der nächsten Monate wird diesen Gedanken zum Ausdruck bringen müssen im Sinne einer engeren Verflechtung der deutschen Wirtschaft mit der Weltwirtschaft und der Kräftigung des inneren Marktes in der Erhöhung der Konsumkraft unseres Volkes.
Der Schluß der Rede galt dem Verhältnis zwischen dem Mutterland und den Kolonien. Sie war wiedèr ein Angriff gegen die kommunistischen Treibereien in Afrika und Asien.
NesaÄttttsSrwrfchmtfav im Rheinland.
Köln. 2. Mai. Ein Des« Düren ereignet. Dort
in
nfall hat sich Knaben, ein üeuffcher und ein französischer eine _ kleine Auseinandersetzung, in der es nicht zu Tätlichkeiten gekommen war. Zwei vorübergehende Zivilpersonen griffen in den Streit ein, und dèr deutsche Junge lief daraufhin weg. Die Zivilpersonen versuchten den Jungen einzuholen, und einer von ihnen tauf schließlich mit dem Stock nach ihm. Der Stock zerbrach jedoch an der Mauer, und die Splitter verursachten bei einer vorübergehenden Frau eine leichte Hautabschürfung. Der Mann der Frau, der Schlößer Heinrich Inden, ging auf die Person, die den Stock geworfen hatte, zu, um sie zur Rede zu stellen. Die Person legitimierte sich als französischer Kriminalist und erklärte Inden als verhaftet und fesselte ihn mit einem Strick am linken Arm. Als Inden erklärte, freiwillig folgen zu wollen, wurde die Sessel gelöst. Inzwischen war der Pflasterer Jofeft Schmitz hinzugekommen, um Inden beizustehen. Beide wurden alsdann abgeführt. Die Poli-
«iverwoltung hat sich sofort für die beiden ins Mittel gelegt. Während Inden daraufhin entlassen wurde, ist Schmitz ins Gefängnis eingeliefert worden. Die frvnzöpfche Kriminalpolizei hat erklärt, über die Entlassung des letzteren würde der General entscheiden. Von deuffcher Seite sind alle Schritte unternommen, um auch Schmitz aus der Haft zu be- freieit
Ms AeMSMsrMsV v.âeudsA ttWd 3M âch in GtttLLKÄBö.
Stuttgart, 2. Mai. Bei der heutigen Besprechung des Reichsinnenministers v. K e u d e l l und des Reichsverkehrsministers Dr. Koch mit den Vertretern der württembergischen Regierung begrüßte Staatspräsident B a z i l l e die beiden Reichsminister imif führte dann u. a. aus:
Solange die Länder nach der Reichsverfaßung Eigenstaatlichkeit haben, muß das Reich dafür besorgt sein, daß sie ihr Leben auf der Höhe führen können, die allgemein im deutschen Volke erstrebt wird. In langen Verhandlungen in Berlin ist erreicht worden, daß die gegenwärtige Regierung di< Länder finanziell so selbständig gestellt hat, daß ft< als eigene Länder erhalten blieben. Der Staatspräsident ging dann noch auf die Frage des Ausbaues des Neckarkanals ein.
Reichstnaeominister v. fieudev
sprach sodann über „Reich und Länder". Er mahnte, die Erörterung dieses Problems mit der Vorsicht und Schonung zu pflegen, daß das Vaterland auch dem Auslande gegenüber keinen Schaden erleide. In der Zeit des Wiederaufbaues müßten wir uns hüten, gewallsamen Lösungen nachzugehen. Der Minister betonte die Notwendigkett des gegenseitigen Vertrauens.
Es gehe nicht an, daß die Länder zu Provinzen herabgedrâckt würden, auch nicht zu Selbstver- waltungskörperu.
Es ist das selbstverständliche Recht jeder einzelner. Partei hinsichtlich der Fortentwicklung der Weimarer Verfassung ihre Ideale propagandistisch zu betreiben. Aber vom gesamtstaatlichen Stanbpunft aus erscheint mir eine gewiße Reserve auf dem Gebiete dieser Erörterungen angezeigt. Es ist nicht geeignet, die vertrauensvolle Mitarbeit aller Teile unseres Reiches zu fördern, wenn in einzelnen Ländern bei der Schärfe der polittschen Meinungsver- schiedenhettsn fortwährend durch die zu starke Betonung dieser Richtllnien ein Gefühl der Unsicher. Hett erweckt wird. Wenn der Vertreter des Unttarr»- mus sich in Hamburg dazu bekannte, daß Hamburg als eigener Staat aufrecht erhalten bleiben müße, so mag dahingestellt sein, ob dies ein Kompliment an den Genius loci war oder ein Ausdruck des Wortes, daß man mit einem verständigen Föderalisten sich gut verständigen könne. Auch die andere Seite wird also mit sich reden laßen. Aber vor allem Zurückhaltung in der Erörterung dieser Pläne, namentlich dem Auslande gegenüber.
Nach Dankesworten des Staatspräsidenten Bazille führte
Reichsverkehrsminister Dr. Koch
aus: Württemberg hat auf dem Verkehrsgebiet immer noch eine große Sorge, die Kanalisierung des Neckars. Zu meiner und auch wohl zu Ihrer Freude kann ich hier erklären, daß wegen des Neckars nunmehr die letzten Bedenken aus dem Wege geräumt sind. Für den Bau bei Heidelberg habe ich die Bauerlaubnis ausgesprochen. Ich hoff^ daß die Kanalisierung des Neckars nunmehr bis Heilbronn zu Ende geführt wird. Die Frage der Wirtschaftlichkett ist genügend erörtert. Sorgen wegen einer Verschandelung des Landschaftsbildes durch die Kanalisierung des Neckars sind nicht mehr begrün» bet. Seit Jahren immer wieder ist der Neckar über seine Ufer getreten und hat erhebllchen Schaden angerichtet. Ich freue mich, daß es gelungen ist eine Uebereinstimmung zu erzielen, um die Hochwassergefahren einzuschränken. Schließlich kann ich auf die Tatsache hinweisen, daß durch die zur Verfügungstellung von Mitteln aus der produkttven Erwerbslosenfürsorge endlich die Arbeiten an den liegengebliebenen Staustufen bei Obereßlingen und Horchheim wieder in Angriff genommen werden.
Staatspräsident BazMe dankte für die erfreulichen Nachrichten. — Im Verlaufe des Vormittags statteten die Minister den einzelnen Ministern ihre Besuche ab und nahmen an Besprechungen im engsten Kreise teil.
Ms NsMMstStttss ht dss GvwSârSSloSettßKvsosse.
Berlin, 2. Mai. Im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages begründete heute Reichsarbeitsminister Dr. Brauns auf eine sozialdemokratische Anfrage die Regierungsnraßnahmen, durch die die Dauer der Erwerbslosenfürsorge für einzelne Berufszweige beschränkt wird. Er erklärte, diese Maß nahmen seien erfolgt, nachdem sich der Arbeitsmarkt in diesen Berufen über Erwarten gebessert habe und sich sogar in bestimmten Gebieten ein Mangel an geeigneten Arbeitskräften gezeigt habe. Ein allgemeiner Abbau der Erwerbslosen- oder Krijenfür- sorge sei nicht beabsichtigt worden. Der Vorschlag einer Einschränkung der Krisenfürsorge liege gegenwärtig dem Reichstag vor. Es zeige sich bei der Besserung des Arbeitsmarktes eine oft vorkommende unb unberechtigte Ausnutzung der Krisenfürsorge. Nach den vorliegenden Berichten seien in manchen Bezirken viele Bezieher der Küsenfürsorge nicht arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit fei aber die ge- etzliche Voraussetzung für den Bezug der Krisen- ürsorge. Für die 'Arbeitsunfähigen müße die übrige Wohlfahrtspflege sorgen. Auf die Angestellten- Berufe beziehe sich die Verkürzung der Unter» tützungsdauer nicht.
Nach längerer Aussprache wurde sine Ent- chließung der Regierungsparteien angenommene worin die Regierung ersucht wird, lokale Abgrenzungen bei der bevorstehenden Verordnung über^d« Erwerbslosen- und Krisenfürsorge zu unterlaß«^