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UNIVERSITÄTS BIBLIOTHEK^
MARBURG/LAHN
General Anzeiger für
Kanan Giadi und Land
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2. Ä!at
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1633
Das Usveßts.
— Die Maifeier« haben im allgemeinen einen ruhigen Verlauf genommen.
r— Reichsaußenminister Dr. . Stresemann gab ünern amerikanischen Journalisten ein IMerview über Deutschlands Stellung zu China.
— Die Arbeit des Reichstages nach den Osterferien wird durch die Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses wieder eingeleitet. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung dèr Beratung über den Gesetzentwurf zur Arbeitslosenversicherung.
— Infolge einer Explosion, die denHauptein- gang zu einem Bergwerk in Evèrettsville (West- virginia) zerstörte, sind 91 Bergleute verschüttet worden. - •. . - , " - ■ > 'V .- ,, -
Das wkvtschElkche SIM«.
China beansprucht heute so sehr unser Jn- lteresse, daß es gut ist, die zahlenmäßigen und die ideellen Grundlagen für das Urteil über die chinesischen Dinge sich zu vergegenwärtigen. Wirtschaftlich fassen wir dabei das chinesische Grundproblem am schnellsten, wenn wir sagen: Hätte China nur zweihundert Millionen Einwohner, so wäre es nicht nur ein reiches und starkes Land, sondern es könnte auch eine furchtbare Macht werden; da es aber vierhundert hat,, so ist es auf allen Seiten in seiner Entwicklung behindert! Da-- klingt wie eine Paradoxie, aber es qt in WirtlichkÄi/
Alle diejenigen Teuc Chinas, die nicht durch ^lima oder Bodenart bevölkerungsfeindlich sind, zeigen eine fèyr hohe Bolksdichte. Sie ist im ganzen schon so hoch gestiegen, daß eine Abnahme saunt noch i m glich ist Aller Boden ^ .^ zum äußersten aufgeteilt, und die Par- ân, auf denen der chinesische Bauer u^rf» gastet sind so klein,. ba^ man zunächst gar ' cht versieht, wie eine Familie von dem Stückchen Land, da? sie bebaut, existieren kann. Es geschieht durch eine sorgfältig.berechnete, dein 'Regenfall, den wechselnden Temperaturen und ^er Vegetationsdauer angepatzte Folge der kultivierten Gewächse. Dadurch bringt es der Chinese dahin, daß er im Laufe eines Jahres His zu sechs Ernten erzielen kann. Die Erträge könnten noch größer sein, wenn künstlicher Dünger bekannt und wenn, was noch wichtiger ist, der Bauer imstande wäre, ihn zu bezahlen. Das Land ist ameisenfleißig bebaut, man sieht überhaupt kein Stück, das nicht in Kultur wäre (ausgenommen die Grabhügel im Acker!), und außerhalb der Gebirge gibt es kaum einen Baum, der nicht der Nutzung wegen gepflanzt näre.
Unter diesen Verhältnissen erfolgt die Regulierung der Volksziffer einfach durch das Wegsterben derer, die zuviel geboren werden. Die Hälfte der Arbeitshände würde ausreichen, um auf dem Lande und in- der Stadt alles zu schaffen, was nötig ist Dann wäre, schematisch gesprochen, die Hälfte des Grund und Bodens für eine Produktion zum Zwecke wellwirtschaftlichen Werteaustausches frei. Es wird in China unermeßlich viel gearbeitet und es wird sehr viel produziert, aber im Verhällnis zur Größe des Landes und zur Menge der Men, ichen werden nur wenig Exportwerte geschaffen, mit deren Hilfe Import-Gegenwerte ins ' Land gezogen werden können.
China hat (nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich) tm Jahre 1924 einen Gesamtaußenhandel von rund 6 Milliarden Mark gehabt. Für das letzt abgelaufene Jahr lautet die Schätzung auf 5 Milliarden, wobei die Ausfuhr kleiner ist als die Einfuhr. Die Deckung der Unterbilanz geschieht hauptsächlich durch Geldsendungen und Löhne im Ausland erwerbender Chinesen. Ein Viertel der Ausfuhr, dem Werte nach, entfällt auf Rohseide, ein weiteres Viertel auf Dohnen und Bohnenprodukte. Der Tee spielt nicht mehr die Rolle wie früher. In Betracht kommen noch rohe Häute, Metalle usw. 2m ganzen genommen war 1924 der Gest.* -Hankel Chinas, Ausfuhr und Einfuhr zusammengenommen, ziemlich genau so groß wie der Gesamthondel Argentiniens. China aber zählt 400 Millionen Einwohner, Argentinien nur 10 Millionen!
Diese Leibet Zah' n inuß man sich Vorhallen. um den rich tgen kritischen Standpunkt gegenüber Redensarten zu gewinnen, wie Venen von der drohenden „asiatischen Gefahr", und dergleichen. Von der chinesischen nationalen Arbeit wird ein so unverhältnismäßig hoher Prozentsatz für den primitiven Lebensunterhall der 400 Millionen verbraucht, daß im Vergleich dazu nur minimale Kräfte nach außen frei werden können. Namentlich kommt
NâEWÄKd unk der chinesische Korrfttti.
Gitte bsdetttttttgSvoNe Gvtzrâvuug Gtrelemattns.
Berlin, 1. Mai. Reichsaußenminister Dr. Stresemann gab dem amerikanischen Journalisten Kuh ein Interview über Deutschlands Stellung zu China. Darin führte : der Reichsaußenminister aus, daß Deutschland, da es auf. die sogenannten ungleichen Verträge verzichtet habe, von den jetzigen Ereignissen in China unmittelbar nicht berührt werde. Die deutsche öffentliche Meinung stehe den legitimen na- tionalen Forderungen der Chinesen freundlich gegenüber. könpe aber anbererfeits auch die wirtschaft- lichen Sorgen der fremden Kaufleute in China verstehen. Man sollte das Streben der Chinesen nach einem Uebergang zu modernen Lebensformen unterstützen; so würde am besten der gesamten Menschheit gedient.
Deutschland fei völlig neutral, sowohl den kämpfenden chinesischen. Parteien gegenüber wie den Mächten, die sich mit dem chinesischen Problem belästigen, und werde dabei von der deutschen öffentlichen Meinung unterstützt, wie der freiwillige Verzicht auf Waffenverschiffungen nach China seitens unserer Kaufmannschaft und Reeder gezeigt habe. Im übrigen stehe Deutschland auf dem Standpunkte, daß ein friedlicher Ausgleich im Interesse aller an Chino interessierten Nationen gelegen wäre.
ÄA-LMSas abwüNisttd-e rSâms i« Oma»
Die Schärfe des Chinabildes wird immer matter, undümmer verwischter werden bis Farben, in denen es sich zeichnet. Ob Da)lang Kai-schek mit Tschayj Tso-lin einig wird, aus welche Seite sich Feng Tschu- siana schlägt und für welche Fahne und Weltanschauung schließlich Lischisun und Suntschuang kämpfen werden, — die Gewißheiten darüber sind ebenso schwer auszusprechen, wie die Namen, die Antwort auf das verworrene Fragenspiel in China geben sollen. Wenn aber die chinesischen Marschälle und Generäle und wie alle die Kuomintangsübrer heißen, unter sich Uneinigkeit sind, erscheint es doch noch weniger verwunderlich, als wenn die fünf Großmächte, die am Uangtse sitzen und gewaltige Kulturgüter zu schützen haben, mit jedem Tag weniger wissen, wie sie
ihre Mission in China verteidigen • wollen und welche Rolle sie am Ende ht dem Drama des Reichs der Mille spielen werden. Das Hemmnis der Einigung bilden die Vereinigten Staaten, die in der Politik gegen Peking, Nanking, Hankau und Schanghai ihre eigenen ueber Belichtung ferngeholten en) Wege gehen. Namentlich der
Gegensatz zwischen Washington und London ist auffallend. In politischen Kreisen Washingtons verlautet bestimmt, daß die Vereinigten Staaten weder eine englische Strafexpedition gegen die Kan- tonesen unterstützen werden noch Tschens Vorschlag annehmen, die Untersuchung der Schuld an den Nankinger Zwischenfällen einer gemischten Kommission zu unterbreiten. Das Staatsdepartement lehnte es ab, zu den Londoner Meldungen, wonach
es auch nur zu einer sehr beschränkten Kapitalsbildung, zu einer geringen Entwicklung der Steuerkraft und folglich auch nur zu einer geringen militärischen Leistungsfähigkeit nach außen.
Absolut genommen sind die Werte des chinesisch en H a nd e ls für die beteiligten Völker wichtig genug. Deutschland hat 1924 für über 130 Millionen Mark Waren nach China ausgeführt und für über 50 Mil- Ponen aus China bezogen. Dabei sind seine Ostern im Steigen. Auch unsere mov.is'Ke Position bet den Chinesen ist gut, weil mir tüt dem Friedensschluß nicht mehr im Besitz bez verhaßten AuEnderpriollegien sind. Eine Entwicklung der chinesischen Wirtfcho't im großen Stil wäre nur möglich, wenn zweierlei geschieht: Aufschließu nz de • Mineralischen Bodenschätze und Masseneinfuhr von Kunstdünger. Für bis letztere hätte Deutschland insofern eine Chance, als es die größten bekannten Kalilay'r ber Welt besitzt und die größten Meng.n tat künstlichem Stickstoff erzeugt. Nur müßten erst politisch ruhige Zustände in China eintreten.
An Minexalien besitzt China die m e i st e und beste Kohle der Welt, sehr viel Eisen, reichlich Zinn und Salz und wahrschein, lich auch Petroleum. Ein großer Teil der Lager befindet sich aber tief im Innern. Außerdem ist der Weltmarkt vorläufig mit Kohle und Eisen schon stark gesättigt. Hauptinteressent für chinesisches Eisen ist Japan, das aber die Ausbeutung zu feinen Gunsten beherrschen möchte, weil es Fâbst an Erlen arm ist und ebenso auch
England eine Teilung Chinas durch eine Pangse- blockade durchführen werde, falls es keine Genugtuung erhalle, Stellung zu nehmen. Wir berichteten bereits, daß England nunmehr gewillt sei, selbständig in China vorzugehen und wegen der Sühne der Nankinger Vorgänge ungesäumt
eine neue Role an Tschen
zu senden, wobei man auf die Zustimmung und Mitwirkung Frankreichs, Italiens und Japans rechne. Dieses im ewigen Notenwechsel bestehende weltpolitische Gesellschaftsspiel wäre zu drollig, wenn es nicht um eine verflucht ernste Angelegenheit ginge, bei der Europa seines ganzen Ansehens in Asien — Amerikas und Japans Sokrderinteressen stehen auf einer anderen Seite dieses Geschichtskapitels — ver- lustig gehen kann. Schon jetzt behauptet das fowje- tiftisch eingestellte Chino, daß
England mit allen Mitteln der Fälschung arbeite, und das Moskauer Sekretariat des Dollzugskomitees der Komintern nimmt in einer Deröffenüichung zu der Frage der in Peking jüngst beschlagnahmten angeblich sowjetrussischen Dokumente Stellung und erklärt, daß die in Peking vorgefundenen Dokumente gefälscht seien. In der Erklärung heißt es weiter: Die Konservativen in England bedürfen eines derartigen Systems von Fälschungen für die Zwecke ihrer gegen China gerichteten Kampagne. Die Komintern hält es für unnötig, auf diese Fälschungen näher einzugehen, da der Charakter der Fälschungen ohne weiteres erkennbar ist Nur naive Leute' können den Versuch machen, aus diesen Fälschungen Vorteile zu ziehen. Die arbeitenden Massen werden die Versuche T^chanMolins und seiner Anhänger, die ausländischen Kapitalisten durch derartige ungeschickte Fälschungen in ihrem Sinne zu inspirieren, zurück?,» weisen wissen. Gegenüber dieser Sprache uni) her durch sie zum Ausdruck kommenden unoerhüllten Politik müßte sich eine Einigtest unter dèn Großmächten leichter denken lassen, als sie sich augenscheinlich vollzieht.
LVidevstreii des LittteveiVe«.
Baris, 1. Mai. Der „Blatin* glaubt ankündigen zu können, daß ebenso im Foreign Office wie im Quai d'Orsay Personen, die die Absicht äußern, fid nach China zu begeben, der Rat erteilt werde, nich die Transsibirische Eisenbahn zu benutzen, da siâ in Chardin etwas ereignet hatte. Das Blatt mit Anzeichen dafür haben, daß England und Japan sich dahin perftanbigi hätten, in China energisch gegen den Bolschewismus einzuschreiten. Der japa nische Ministerpräsident General Tanaka habe nur den Gedanken, sich Charbins und her Ostchinesischen Eisenbahn zu bemächtigen, die von den Sowjets kontrolliert werde. Da London nun in Tokio habe wissen lassen, daß es dagegen nichts einzuwenden habe, werde sich wohl die japanische Armee nicht lange bitten lassen, um in Chardin einzurücken. Das werde zu einem Konflikt zwischen Japan und Rußland führen. Der „Matin" will ferner erfahren haben, daß gegen dieses Unternehmen sich Widerstand in Washington zeige, wo die Absicht einer lapanischen Expansionspolitik mit Mißtrauen verfolgt werde.
an Kohle. Die Entwicklung einer großen Bergwerksindustrie in China würde natürlich auch andere großindustrielle Anlagen zur Folge haben — und damit die schwerste Erschütterung der geistig-sittlichen Grundlagen des chinesischen Lebens. Dieses wird auf moralischem Gebiet beherrscht durch die beiden Begriffe der Familie und der Pietät. Die Staatsautorität ist für den Chinesen die erweiterte Familienautorrtät; Gehorsam gegen das Familienhaupt und Gehorsam gegen den Staat fließen für das chinesische Bewußtsein aus derselben sittlichen Wurzel. Er- schütterung der Familie ist daher in China gleichbedeutend mit sittlicher Anarchie.
Die Bildung großindustrieller Arbeiter- massen, die in manchen Zentren, wie Schang- Hai, Kanton, Hankau, Tientsin, schon angefangen hat, ist für China gleichbedeutend mit der Entstehung einer Schicht, in der die Fainllien- bande gelockert und die moralische Bindung durch das Pietätsprinzip aufgehaben sind. Damit wird ein ganz und gar unchinesisches Element, mit dessen Hilfe, wenn es erst zahlreich genug geworden ist, die stärksten Umwälzungen unternommen werden können. In der Bildung des linken, kommunistischen Flügels der Kuomintang kündigt sich diese Entwicklung schon an. Dieser Flügel bildet die Garde des roten Moskau, gegen die der immer mehr nach rechts schwenkende Tschangkaischek jetzt vorzugehen versucht.
(Sine Sevsivede.
Sevihen, t Mai. Auf der Ostmarkentogung der Deutschnationalen Bolkspartei führte Reichsjustiz- minifter Dr. Hergt u s. aus, er wolle keine Dro-
grammrebe über die Absichten der Regierung Hallen, dazu habe er keinen Auftrag. Aber eines wove er sagen, daß nämlich die Besorgnisse auf allen Gebieten übertrieben sind. Hergt fuhr fort: Ricmals Hal Deutschland einen Garaatiepakl über feine Ost grenzen abgeschlossen. Niemals wären die Deutsch- nationalen in die Regierung eingetreten, wenn bas nicht eine unveränderliche Grundlage für die gesamte Außenpolitik geworden wäre. Er ist schlechterdings ausgeschlossen, daß zu Gunsten der völlig unmöglichen Ostgrenze ein Sicherheitspakt abgeschmsiev werden könnte. Ebenso bin ich überzeugt, daß wir für die Minderheiten eintreten werden. Ferner bin ich überzeugt, daß in Bertin mehr als bisher Ost Markenpolitik zu machen ist Daß bisher die West- fragen, die Ruhrirage, die Frage der Besatzung, der Ordonnanzen und die Saarfrage mehr im Borbe» gründe standen, war natürlich. Aber mehr und irrest ist die Bedeutung der Dftmarfenfrage voll anerkannt worden und gerade das neue Kabinett hat die Osimorkenpolitik auf seine Fahne geschrieben. Der Siedlergedänke, die Verpflanzung der Baue» des Westens nach dem Osten, der Blutousgleich ht unserem Vaterland zwischen Osten und Westen, das sind bewußt ausgesprochene Ziele der neuen R». gierung. Sie sehen daß hier praktische Ostmark«»' politit zum Ausdruck kommt. Solche Tagungen, mte die heutige, müssen auch in Berlin stattfinden, nm das Interesse für die Nöte des Ostens zu wecken, n»- daß die Ostmark vorwärts kommen und ihre Auf. gäbe erfüllen kann. Am Schluß der Tagung fanden zwei Entschließungen Annahme. Die eine drückt den Memelländern die Antellnahme der Deutsch- nationalen Bortspartei aus und verspricht mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß noch nachträglich den Memelländern das Selbstbestimmungsrecht verliehen wird. Die zweite gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß keine deutsche Regierung jemals Bindungen eingehen werde, die als Anerkennung des den- deutschen Osten angetanen schweren Unrechts aus* gelegt werden könnte.
«»«snaeieUhBe «EâSm»« Site ^»«»»»dEksase.
Berlin, 3a April. Der Wahlkrsisverdand Berlin R der Deutschen Dolkspartei hielt gestern abend eine Kulturtagung ab, die über den lokalen Rahmen hinausgehende Bedeutung erhielt. Der Redner des Abends, Justizrat Hallensleben, sprach über die kulturpolittsche Lage in Preußen und griff insbesondere den gegenwârttgen Kultusminister Becker sehr scharf an. Er erklärte, der bayerische Staat habe sich durch das Konkordat der kacholischen Kirche Döttig ausgeliefert. Seine Ausführungen führten zu einer Entschließung, in der es heißt:
^n der Frage der AuseinanLersetzung zwischen Staat und Kirche fordert die Versammlung die Wahrung der Staatshoheit und lehnt deshaL den Abschluß jedes Konkordats in Preußen wie im Reich ab. Sie ist der Ansicht, daß etwaige Berträge mit der Kurie sich ausschließlich auf Fragen der äußeren Organisation der Kirche beschränken müssen und daß eine vertragsmäßige Regelung, ine sich auf ar dere Punkte, insbesondere auf Schulfragen, das Recht der Kirche zur Gesetzgebung und die Ausbildung der Geistlichen erstrecke, einen Eingriff in die Staatshoheit bedeuten, der den konfessionellen Frieden in unheilvoller Weise gefährden würde und daher mit allen Mitteln zu bekämpfen ist. Die Versammlung bittet daher die Abgeordneten im Reichstag und Landtag, ihren Einfluß in diesem Sinnr geltend zu machen."
JHMt bittet ht Berlin.
Berlin, 1. Mai. In einer stark besuchten geschlossenen Versammlung der Berliner Gruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die im Rahmen einer deutschen Maikundgebung abgehalten wurde, sprach hier heute der Führer der nationalsozialistischen Bewegung, Adolf Hitler. f)itkr wurde beim Erscheinen mit stürmischen cheilrufen empfangen. Er betonte einleitend, daß er sich nicht mit Tagesstagen beschäftigen wolle, wie sie von den heutigen Politikern benutzt würden, um das deutsche Volk von den großen Schicksalsstagen abzulenken Eine dieser Schicksalsfragen sei, ob das deuffche Volk überhaupt bestehen bleiben könne und wie es mög lich sein werde, die große Einwohnerzahl Deutsch lands mit feiner Bodenflache in ein Verhältnis zu bringen. Weiter betonte er, daß durch das deutsche Volk eine tiefe Kluft gehe. Auf der einen Seite sei die Arbeiterschaft bewußt international, auf der an dern Seite das Bürgertum gewollt national. Der Nationalsozialismus wolle die Gegensätze der beiden Seiten zu einem neuen Begriff vereinen uns Deutschland wieder zur Freiheit führen. Die Ber sammlung nahm zum Schluß eine Entschließung an in der angesichts des Fortbestehens des Redeverbots für Preußen uneingeschränkte Redefreiheit für HK- ler verlangt wird.
Makf-revtt.
Berlin, 1. Mai. Im Mittelpunkt der heutiges vom Wetter begünstigten Rtaifeier stand die am 1 Uhr mittags angesetzte große Kundgebung am dem Schloßplatz, an der gegen 50 000 Personen, vor allem Mitglieder der freien Gewerkschaften und kommunistischen Partei, teilnahmen. Der Lorsitzend« des Holzarbeiterverbandes, Tarnaw, der als einzig«8 Redner vorgesehen war, betonte in seiner Ansprache, daß der 1. Dlai das Symbol eines Friedensfeier- tages sei. Er erinnerte weiter an den Kampf b^ russischen Volkes um seine politische und w-rtzchâst- liche Freiheit, sowie an die Laae der itallevisch«