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Kana« Stadt und Land

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rfdpfnt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / SezugSpretS: Für den halben tenat 3ÖL1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, «nttag U R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite JVpf^ im Steflamefeil von 68 mm Sreife 25 R-Pfg. / Osfertengebühr 50 R-Psg.

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. z Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höHrer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.>Geschäftsstelle: Hamnnrstr.9 / Fernspr. 3956, 3957,3958

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Mantons Antwort an Vie Mächte.

ltbvvüsuus dev NaukSugev SovfSAe duvO einen Inieenaiienakn ünie*^nn@^n6Mn6, - Giue neue Wendung in SHSna.

)anfau, 15. April. Sagen Tschen, der enkommiffar der kantoner Regierung, hat am nerslag nachmittag den Vertretern der fünf hte die Antwort auf die Nankinger t e überreicht. Tfchen hat zunächst an alle fünf ligten Mächte einzeln geantwortet und verschiedenen Antworten haben auch verschiede- wortlaut, doch ist ein großer Teil derselben in- ich übereinstimmend. In der Antwort an die reinigten Staaten heißt es: Die cionalregierung ist bereit, den ge- en dem amerikanischen Konsulat in Nanking efügten Schaden wieder gut zu ch e n, gleichviel ob dieser durchNordrebellen" andere verursacht wurde. Bezüglich der Frage Reparationen für persönliche Verletzungen ame- lischer Untertanen und Sachschaden ist die Na- llregierung bereit, alle angemessene und not- Sige Reparation zu leisten außer in den Fülletz, zweifelsfrei bewiesen werden kann, daß sie ver- ht wurden durch die Beschießung seitens hriti- und amerikanischer Kriegsschiffe am 24. März durch Nordrebellen, die als Lockspitzel Handel- Die Nationalregierung schlägt vor, daß die ge der Bestrafung der Schuldigen vorliegen der Ergebnisse der augenblicklich im ge befindlichen Regierungsunterfuchuag oder Untersuchung durch eine tnter- lonale Komm ssion, die sofort von den Inigten Staaten und der Nallonalregieruna ein­st werden soll, erörtert wird. Die national- »rung UUägt vor, daß die Untersuchungskommif- auch die Umstände der Beschießung der ünbe- stcn Stabs Nanking durch die Flokkenstreilkräfke Vereinigten Staaten am 24. März untersucht. 5orberüng nach einer schriftlichen Entschuldi­gt durch den Oberbefehlshaber der Not'.onalarmee erechtsertigt, wenn die Schuld der Nationalisten die Unruhen in Nanking bewiesen wird. Die onalregierung schlägt daher vor, für die ige der Entschuldiqung ebenfalls K l ä r u n a d e r S ch u l d f r a g e, sei es durch lugenblicklich im Gange befindliche Regierungs- rfuchung, oder durch die vorgeschlagene inier- male Kommission abzu warten. Inzwischen erholt die Nationalrcgieruug den Ausdruck des merns wegen der Verletzung des amerikanischen nlats in Nanking. Die Nationalregierung als atwortliche Behörde billigt nicht, daß in irgend Gestalt gegen dos Leben und Eigentum von ändern Gewalt angewendet oder agitiert wird. Behörden der Nationalarmee werden ange- n werden, darauf hinzuwirken, daß wirksame nahmen getroffen werden, um Ausländern on- ffenen Schutz zu gewähren. Die Nationalregie­würde es jedoch an Offenheit fehlen lassen, t sie es unterließe zu betonen, daß nach ihrer cht die unbilligen Verträge die Hauptgefahr für Leben und Eigentum der Ausländer in China n. Die Nationalregierung ist daher gern bereit, zierte zu ernennen, um mit den Vereinigten len eine befriedigende Regelung der zwischen onalchiua und Amerika schwebenden Frage Meinungsverschiedenheiten herbeizuführen ' Bedingungen, die die rechtmäßigen Interessen -r Länder und die Gegenseitigkeit ihrer Be- mgen sichern.

^GsssSÄMUfe Sn SGanMaS.

ondon, 14. April. Nach einer Meldung der tifh United Preß" aus Schanghai ist es neuer- 1 dort zu Straßenkämpfen zwischen den Ex- sten und den kantonesischen Truppen gekom- Die Truppen feuerten auf etwa 500 Deman­ten, 25 von ihnen wurden getötet und etwa »rletzt. Die Demonstranten hatten Flugblätter in, worin die Absetzung des Generals Dschiang schek gefordert wurde. Nach einer später troffenen Meldung sind bei den Kämpfen hen den Truppen und den Demonstranten 125 men getötet und 190 verletzt worden. Unter Opfern befinden sich zahlreiche Frauen und

er.

Sieben Führer der Extremisten seien er-

sn worden. Die Post- und Trambahn-Ange­rn haben sich geweigert, sich dem Generalstreik schließen. Die Wachen an den fremden Nieder- ngen sind verdoppelt worden.

Hari», 15. April. DerInformation" wird aus nghai gemeldet: Reguläre Streitkräfte Armee D s ch a n g k a i s ch e k s kämpfen ter gegen die Kommun sten in den todten von Schanghai. Die gemäßigten Ele- e der Kantonregierung hielten eine Besprechung tanking ab, die sich gegen die bolschewistische 'enzen verfolgende Regierung in Hankau rich- . Man rechne mit einem offenen Kampf hen den beiden Flügeln der Südarmee und

DerktäuLiguna zwischen den gemäßigte« Ele­

menten Süd- und Nordchinas. Die Lage der Aus­länder in Hankau bleibe schwierig, denn der Bol­schewismus scheine dort die Oberhand zu haben, wie sich aus den Angriffen über die japanische Konzession ergebe, die jedoch nicht geräumt worden sei.

Der Nvnrh zwSsGeu Dchkang â^r-Mek nud den ^oMMNnSstsn eudsüSLZs.

Schanghai, 15. April. In der heute nach­mittag in Nanking unter dem Vorsitz Dschiang k a i - s ch e k s zusammengetretenen Kontroll­kommission der Kuomintang ist der Bruch zwischen Dschiang Kai-schek und hankau de­finitiv vollzogen worden. Die Kommission beschloß nach langen Beratungen, die hankaner Re­gierung als abgesetzt zu erklären und in den Anklagezustand zu versetzen. Weiter wird gefordert, daß die kantonesischen mi­nister h s u T schier (Zustizminister und Tan P i n h - t s ch a o (Ackerbauminister) sowie die Kom- munistevführer Tschen Totschu und Ten- g y e u l a alsFeinde der öffentlichen Ordnung und Sicherheit" verhaftet werden. Ferner fordert die Kommission die sofortige Verhaftung und spätere Ausweisung B o r o d i n s.

Zu den Beschlüssen des Kontrollausschusses ver­lautet noch ergänzend aus gut informierten Kreisen, daß die namentlich aufgeführlen Mitglieder der Kankoner Regierung und der chinesischen Kommu- nistifchen Partei sich geweigert hatten, in Nan­king zu erscheinen, um einen Ausgleich dec Gegen­sätze zwischen der Kuomintang und der kommu­nistischen Partei zu suchen. Daß der chinesische Außenminister Tschen nicht namentlich aufgeführl wird, wird damit ertlärt, daß Tschen mit dem ge­mäßigten Kuomintangflügel sympathisiert und ledig sich durch die Macht der Tatsachen gezwungen wird, den Kommunisten als Sprachrohr zu dienen.

Schanghai, 15. April. Die Stadt war heute ruhig. Der Generalstreik ist weiter abgebröckelt und macht sich fast gar nicht mehr bemerkbar. Auch die Front ist vollständig ruhig. Die Bahnen verkehren regelmäßig auf allen aus Schang­hai auslaufenden Linien. In ausländischen wie in chinesischen Kreisen erwartet man mit großer Span­nung die weitere Entwicklung im Kuomintanglager. In Kuomintangkreisen liegt noch keine Bestätigung der Meldung vor, daß Dchiang Kai-schek be­reits eine neue Regierung gebildet hat, man rechnet jedoch damit, daß dos morgen geschehen wird.

Nach den letzten Meldungen aus Han kau ist die Lage dort äußerst gespannt. Sofort nach Be­kanntwerden des endgültigen Bruchs zwischen der Regierung und dem Generalissimus formierten sich riesige Demonstrationszüge, die den Fremden gegen­über eine drohende Haltung einnahmen. Man rechnet hier damit, daß die Machte in den nächsten Tagen Kriegsschiffe in Hankau konzentrieren werden.

Msskau gegen DchSang âaS-MeZ

Moskau, 15. April. Die Kommunistische Inter­nationale veröffentlicht einen Aufruf, in dem Dchiang-Kai-scheck zum Verräter an der chinesischen Revolution,' zum Feind der Arbeiterbewegung und der Komintern erklärt und als Verbündeter der Imperioli st en bezeichnet wird.Prawda" erklärt, Dchiang-Kai-scheck habe die Massen heraus­gefordert und diese seien bereit, die Herausforde­rung anzunehmen. Die Kommunistische Partei Chinas werde beharrlich neue Kräfte sammeln, um über die in Schanghai erlittene Niederlage zum endgültigen Sieg zu schreiten.

Der Bruch zwischen dem rechten Flügel der Kuomintang und den Kommunisten wird hier als schwerer Schlag empfunden. Die russische Politik war zwar vorsichtig, unterließ es aber, die öffent- liche Meinung vorzubereiten und war selbst in­folge mangelhafter Nachrichten noch kürzlich nicht informiert. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die chinesische Kommission der Kuomintang, welche die Kommunistische Partei in Moskau berät, zu stark auf ein selbständiges Vorgehen der Schanghaier Kommunisten gedrängt hat. Das wird wahrschein­lich feine Rückwirkung auf den Personalbestand der Kommission haben. Die Komintern versucht heute die kommunistische Oeffentlichkeit durch den oben erwähnten Aufruf zu trösten, der auf angebliche Gärungen in Indien verweist und Moskauer Stra­ßendemonstrationen ausspiell. Die Arbeiter ande­rer Länder werden aufgefordert, Truppen und Mu­nitionstransporte für China zu hindern.

Neue ttalkeursche Meldungen übev lugoslawSMe Rüstungen.

Rom, 15. April. (Agenzia Stefani.)G i o r n a l e d'I t a l i a hat aus Belgrad neue Informationen über militärische Vorbereitungen Ju­goslawiens erhalten. Wie der Korrespondent des Blattes berichtet, lassen diese Vorbereitungen vermuten, daß Jugoslawien beabsichtigt, sich inner­halb eines bestimmten Zeitraumes auf einen mili­tärische« Aktionsplao große« Stils

vorzubereiten. Aus den Nachrichten, die der Korre­spondent in maßgebenden militärischen Kreisen ge­sammelt hat, geht hervor, daß der jugoslawische Kriegsminister einen nicht im Budget vorgesehenen Kredit in Höhe von 800 Millionen Dinar zum An­kauf militärischer Ausrüstungen und Fußbekleidung eröffnet hat. Außerdem sind in den letzten Tagen weitere Waffen- und Munitionskäufe getätigt wor­den. In Grasowa in Dalmatien sind beträchtliche Mengen Kriegsmaterial, die aus einer staatlichen Fabrik in Lüttich stammen und in Holland verladen wurden, eingetroffen. Es handelt sich um 156 Kisten mit 27 832 Mausergewehren, 27 Kisten mit Ma­schinengewehren und andere Kisten mit sonstigem Material. Die jugoslawischen Kriegsmaterialkäufe erfolgen größtenteils durch ein Konsortium, von dem eine führende Persönlichkeit sich in Paris aufhält. Wie der Korrespondent erfahren hat, steht dieses Konsortium in Verhandlungen mit französischen Fir­men wegen des Ankaufs weiterer 120 000 Gewehre mit 120 Millionen Patronen. Wie der Korrespondent weiter mitteilt, ist die jugoslawische Regierung im Begriff, mit einer spanischen Schiffbaugesellschaft einen Vertrag über den Ankauf von Torpedoboots­zerstörern mir großer Wasserverdrängung obzu- schließen. Auch dauern die militärischen Vorberei­tungen an und zwar nicht nur an der alba­nischen Grenze. Im allgemeinen, so bemerkt der Korrespondent, kann man behaupten, daß auch längs der lugoslawischen Südgrenze Vorbereitungen im Gange sind.

Es scheint, so fährtGiornale d'Italia" fort daß die von den jugoslawischen Militärbehörden ange­worbenen russischen und albanischen Emigranten ausrcichen. um bewaffnete Abteilungen in einer Stärke von 2500 bis 3000 Mann zu bilden. Eine regelrecht ausgerüstete Abteilung von 1000 Mann war an die albanische Grenze entsandt worden, um eine Aktion einzuleiten, wurde jedoch nach den italie­nischen Enthüllungen aus Furcht vor einer Unter­suchung in das innere Serbien zurückgezogen und auf verschiedene Emigronten-Konzentratiönslager verteilt. Der Korrespondent berichtet, daß ein alba­nischer Führer, ein gewisser Santoia, nach ausge­dehnten Besprechungen mit den politischen und mili­tärischen Behörden' in Belgrad an die albanische Grenze entsandt wurde, um die Lage zu studieren und bewaffnete Banden zu organisieren, sowie deren etwaige Verbindung mit dem Innern Albaniens herbeizuführen.

Das SntevaMrevte Schulden- Uvsdlem.

Newyork. 15. April. Der Chefredakteur der Newyork Time s", Adolphe S. Ochs, empfing heute die auf derNewyork" hier singe- troffenen deutschen Journalisten und ging in einer Ansprache auf die Frage der Kriegsschulden ein. Er erklärte, seine Zeitung vertrete den Standpunkt, daß man nicht erwarten dürfe, daß England, Frankreich, Italien und Belgien den Vereinigten Staaten mehr zu zahlen gewillt seien als sie von Deutschland erhallen. Gegenwärtig habe es den Anschein, als ob die Schulden der anderen Natio- nen an die Vereinigten Staaten für diese aus einem Aktivum zu einem Passivum werden und in den Schuldnerländern Verstimmung hervorrufen. Ochs wies darauf hin, daß eine Lösung des internatio­nalen Schuldenproblems in dem Sinne an An­hängern gewinne, daß man nicht die Höchstgrenze dessen ermiteln dürfe, was Deutschland zahlen könne, sondern daß man feststellen müsse, was es unter den gegebenen Umständen zu zahlen bereit sei. Diese Summe, die im gegenseitigen Einver­ständnis mit den Gläubigerstaaten Deutschlands festgesetzt werden würde, müßte von den Vereinig­ten Staaten als volle Abgeltung ihrer Forderungen an diese Staaten angenommen werden. Die beste Art zur Festsetzung dès von Deutschland zu zahlen­den Betrages wäre die Ermittlung des Umfanges, in dem das investierende Publikum deutsche Staats­papiere annehmen würde. So würden die Schulden nicht von einer Generation auf die andere kom­men und die Tüchtigkeit der gegenwärtigen Gene­ration könnte sich erproben. Im Namen der deut­schen Kollegen dankte der Direktor des WTB, Dr. Diez, für den herrlichen Empfang und gab dem Wunsche nach Zusammenarbeit im Interesse des Friedens und der gegenseitigen Verständigung Aus­druck.

Das AebeStsseitnotgesetz.

Berlin, 14. April. Nachdem der Reichsrat be­schlossen hat, von einem Einspruch gegen das vom Reichstag verabschiedete Arbeitszeitnotgesetz Ab­stand zu nehmen, ist die Verkündigung dieses Ge­setzes in der am Ende des Monats ausgegebenen Nummer des Reichsarbeitsblattes erfolgt. An der gleichen Stelle ist die Verordnung über die Arbeits­zeit in ihrer neuen Fassung abgedruckt. Die Aus­führungsvorschriften werden in ' nächster Zeit mit den Vertretern der Länder und der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besprochen und noch vor dem 1. Mai zum rechtzei­tigen Inkrafttreten des Gesetzes erlassen werden.

Sftev« 14W.

Von Reichsaußenminister Dr. Stresemann.

Es gibt keine Zeit des Jah-res, die in dem gleichen Maße lebeuweLenden Optimismus entfacht wie die Osterzeit. Aber das Erwachen der Natur geht nicht nur unter erwärmender Sonne vor sich. Sonnenstärke und Frühlings­sturm ringen miteinander, und wer an einem Tage hofft, daß der Winter vorüber sei, wird oft binnen kurzer Zeit nachdrücklich daran er­innert, daß erst der Kampf zwischen Werden und Vergehen den neuen Boden schafft. Mr scheint, als wenn der Kampf der Natur, den wir gegenwärtig erleben, muh ein Bild des Kampfes der Entwicklung ist, die wir als Deutsche im Zusammenwirken mit anderen Völkern und im Irmern unseres eigenen Vol­kes durchleben.

Dem Ende des Weltkrieges folgte nach kMA verhallendem Siegesrausch die starke Skepfis über die Neuordnung der Dinge. Die inter­nationalen Konferenzen, die erst ohne Deutsch­land, dann sozusagen unter Hinzuziehung des Angeklagten, dann unter formaler Gleich­berechtigung und äußeren Ehren Deutschlands erfolgten, sind ein Beweis dessen, wie unfertige die Probleme der Staaten und Völker vor uns liegen. Daß in Europa der Weltkrieg für keinen Staat und kein Volk ein glückliches Er­eignis geworden ist, wird von allen Seiten zu- gegeben. Die Verhältnisse, in die Europa ge­stürzt worden ist, haben den Gedanken des Zu­sammenschlusses stark in den Vordergrund ge­stellt. Man fühlt sich beunruhigt über btt gesamte weitere Entwicklung. Das angebliche Meisterwerk der Friedensschlüsse hält schon heute der Kritik nicht mehr ftanb. Die Unruhe» die durch den italienisch-jugoslawischen Zwi­schenfall geschaffen worden ist hat die Groh- mächte auf den Plan gerufen, um dafür M sorgen, daß sich hier nicht ein Feuerbrand ent­wickle. In dem Vierhundertmillionenreich China ringen neben den Gedanken nationaler Selbstbestimmung die Gewalten des Bolsche­wismus, und der freiwillige Verzicht der Euro­päer auf frühere Rechte genügt anscheinend nicht mehr, um Bewegungen hintanzuhalte», deren Ausgang man um so weniger übersehe» kann, als man kaum weiß und nur ahnen kann, woher sie kamen. Menschen, die sich als Kenner dieses gewaltigen Landes bezeichn nen, behaupten, daß die Auseinandersetzung^ über das neue Werden Chinas Jahrzehnte M' Anspruch nehmen würden. Von außen scheint es vielmehr, als wenn die Dinge einen nieÉ schnelleren Verlauf nehmen werden. Sie wir­ken zurück auf Englands Stellung im asiati­schen Kontinent; sie können in ihrer Folge­wirkung andere Erdteile in diese Bewegung mit Hereinreißen. So wird der frühere euro­päische Einfluß in Politik und Wirtschaft auch von dieser Seite her in Frage gestellt, nachdem es längst zweifelhaft geworden ist, ob Europa angesichts des amerikanischen Goldes und der amerikanischen Erdschätze und angesichts der Amerikanisierung seiner Kultur überhaupt noch die Vorherrschaft in der Welt beanspruchen kann und ob es nicht vielmehr ein bloßer Annex anderer, von Kriegen und zersplitterten Staatenbildung unbeeinflußt gebliebener Erd­teil geworden ist. Wenn man das Wort Revolution" nicht einfach als Barrikaden­kampf auffaßt, sondern als das, was er eigent­lich ist: Umgestaltung und Umwälzung fest­stehender Anschauungen und Neugestaltung der Dinge auf neuer Grundlage, dann stehen wir inmitten einer der größten Revolutionen, die es je gegeben hat.

Uns Deutsche trifft diese Entwicklung in einem Zustand eben erfolgender wirtschaftlicher Aufrichtung, aber doch noch in dem Zustande militärischer Ohnmacht und eines eben erst er­kämpften neuen Platzes im Rate der Völker. Wir müssen jeden Schritt vorsichtig abwägen, den wir tun. Das ist nicht Schwäche, sondern vernünftige Ueberlegung, die die Grenzen der Anteilnahme nicht weiter steckt, als die Kräfte reichen. Wir werden unsere Mitwirkung nicht versagen an allen Bestrebungen, die auf Er­haltung des Friedens gerichtet sind. Denn kein Land kann mehr verlisren durch irgend eine neue kriegerische Entwicklung als Deutschland. Das gilt nicht nur für Europa, das gilt auch für die Dinge in anderen Erdteilen. Nichts ist törichter und unberechtigter als irgend eine Empfindung der Schadenfreude über Schwie­rigkeiten, die anderen Ländern aus diesen Situationen erwachsen. Andererseits werden wir uns nicht irgendwelchen Bewegungen an- zuschließen haben, die darauf hinausgehen, eine Hegemonie Europas da zu begründen, wo t»m