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Ät. 87

Mittwoch den 13. April 1927

Seife 8

San

_ auf der

weise, nachdem man schon mit den mächtigsten rücken vollgejogen ist, suchst man die alte Hau- tadt an der ligurischen Küste auf und meint.

-nichts gerade Besonderes zu sehen, denn man nt von allzu eindrucksvollen anderen Stätten

diesmal war Genua ine erste große Stadt in en, die ich besuchte, ein frühlingsheiteres Wetter schte, und das wundervolle sonnige Blau des !chen Himmels war über den Ort gespannt. Ich st durch die alten, schmalen, von trotzigen, ver- tien Palästen gebildeten Straßen Genuas und fand dieses vornehme Städtebill», das die reiche tokratie eines mächtigen, freilich längst verblüh- iJÄaufmannsftanbes geschaffen hat, als ein Er-

is von starkem und besonderem Reiz. Genua ist was die künstlerischen Gebilde der Renaissance ngt, ziemlich leer ausgegangen. Man hat hier >ie und kühne Handelsbeziehungen gepflegt, aber

§ Künstlern hat man nichts zu verdienen gegeben, ua besitzt weder eine Gemäldegalerie, noch eßen seine Mauern wichtitze Skulpti ers berühmte Bauwerke in sich. M

St als Gesamtbild genießen. Das architektonisch ressanteste, was sie aufzuweisen hat, sind die aissancepaläste der alten Handelsfamilien, von in besonders die Via Garibaldi ganz flankiert und das Schönste an diesen ernsten Bauten sind Höfe mit ihren Säulen und Bogen und den wun- tollen Anlagen marmorner Treppen, die zumeist einem Schüler Michelangelos, namens Gale-

I Alessi, stammen. Alessi hat das unebene Ge­le der Straßen seinen Zwecken auf das Schönste iftbar zu machen gewußt und Höfe mit Treppen o edlen Verhältnissen gestaltet, daß das architek- sch geschulte Auge einen außerordentlichen Ge- empfindet. Mitunter schien die grelle Sonne in Höfe, und oben, auf irgend welchen lerraffen, en sich dunkelgrüne Orangenbäume mit leuchten- Früchten gegen den blauen Himmel ab. So ent- den südliche Ausscbnittte von einem malerischen z, der ganz berauscyend war für jemand, der erst kurzem aus den grauen Wolken des Nordens in

ituren oder be-

an muß diese

en italienischen Glanz versetzt worden war.

Die Fremden fahren dann meist nach dem Canmo ito hinaus, jenem in dem felsigen Tal des Bi­ao schön gelegenen, ausgedehnten Friedhof, der zen seiner zahlreichen modernen Grabdenkmäler

Curopas Flugkreuz.

Der Berliner Flughafen auf dem Tempelhofer Feld, der der Kreuzungspunkt der wich- ttgsten europäischen Fluglinien vom Westen zum Osten wie vom Norden zum Süden ist, wurde gestern für die diesjährige Flugsaison, die am 18. April beginnt, in Gegenwart der Vertreter der Presse eröffnet. Mehr als 20 Flugzeuge waren am Startplatz auf gebaut; man gewann wirklich den Eindruck eines Luftverkehrsbahnhofs. Sechs Großflugzeuge vom Typ Rohrbach und Junkers starteten wiederholl zu Rundflügen über Berlin. Die Starts und Landungen folgten so dicht aufeinander, wie es selbst bei der dichtesten Zug­folge auf den modernsten Bahnhöfen nicht möglich ist Unser Bild zeigt die Presie- .

Vertreter bei der Besichtigung des Berliner Flughafens.

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scheußlichster Art bei allen Kunstfreuden eine trau­rige Berühmtheit erlangt hat.

Die Italiener freilich, wie sie heute sind, finden diese in Marmor kunstlos ausgehauenen, sentimen­talen Darstellungen trauernder Hinterbliebener schön und viele unter Den reisenden Fremden schließen sich dem Urteil der Italiener an. Wer frei lief) nur eini­germaßen das Gut? vom Schlechten zu unterscheiden versteht, dem graut, wenn er durch diesen Wald von mißhandeltem Marmor wandert, und es bleibt chm nur übrig, entweder mit Eile zu entfliehen oder mit innerem Gelächter seine Wanderung durch alle diese lebensgroßen, von pathetischem Schmerz er­füllten Marmorwitwen und Marmorsöhne, denen die Marmortränen so köstlich auf den Wangen kle-

ben, fortzusetzen. Die Marmorbilder deines Fried­hofes sind ein großer, namenloser Jammer, Genua!

3m Frühlicht des nächsten Tages fuhr ich an den Hafen. Ein schlanker weißer Dampfer lag leuchtend und lockend am Kai, und um ihn her war das bunte Getriebe schreiender Verkäufer, bettelnder Straßen­jungen, die sich um den hingeworfenen Soldo schlu­gen, und die ganze freudige Hast erwartungsvoller Menschen, die sich zu einer schönen Meerfahrt an­schicken. Ich verstaute mein Gepäck, ging wieder hin­auf an Bord und lehnte mich an die Reling, behag­lich hinabblickend auf das Lärmen am sonnigen Kâi und hinüberblickend zum stolzen, aufgetürmten Genua und zu den Hängen seiner rötlichen Berge. Bilder der Erinnerung tauchten in mir auf. Ich

dachte lächelnd an die ferne Zeit, da ich das erste Mal in Genua wohnte, als ein junger Student, dem alle Mittel auf der improvisierten Reise ausgegan- gen waren. Damals hatte ich tn dieser Stadt, die mir nicht gastlich war, Freundschaft mit einem schweizerischen Kellner geschlossen, mit dem ich bei einer schmutzigen, ewig keifenden Wirtin in einer elenden Gasse hauste, immer in der Befürchtung, vor die Tür geworfen zu werden, da ich nicht zah­len konnte. Dem Kellner habe ich viel zu danken; er wußte mit erlesenem Spürsinn deutsche Schiffe aus­findig zu machen, auf denen wir mit den Matrosen umsonst essen konnten. Dann bekam ich Geld aus Deutschland, und mein Freund bestahl mich auf eine abgefeimte Art, die seinem Talent entsprach.

Die Stewards blasen die italienische Hymne und' langsam, rauschend löst sich das stattliche Schiff vom Kai. Wir treiben hinaus in den schönsten, sonnigsten Frühlingsmorgen; blau und glatt wie ein Spiegel liegt das Meer zu unseren Füßen. Kaum sind wir aus dem Bereich des Hafens, als sich die ersten springenden Delphine, gutes Wetter verheißend, in der Begleitschaft des Schiffes zeigen. Wir gleiten nicht weit von der Küste dahin, nach Nizza zu. Ich stehe am Steuerbord und blicke zu den Bergen hin­über, auf deren höchsten der sonnenbeschienene Schnee erglänzt, und sehe die vielen stellen Ortschaften der Riviera di Ponente langsam an uns vorüberziehen. Palmen ragen aus ihnen auf, man erkennt große, weiße Hotâauten, und hart am Meere hin, aus Tunneln austauchend und in Tunneln wieder ver­schwindend, braust mitunter ein Zug, und man weiß, daß Menschen in den Zügen sitzen, die irgend einem dieser fernen Plätze an der sonnigen Küste entgegen eilen, eine letzte, selige Hoffnung in der Brust. Hof­fende, aber auch Verzweifelnde und Hoffnungslose, weiß man, atmen in den wärmenden Sonnenstrah­len dieser wundervollen Küste. Still grüße ich zu euch hinüber, leidende Menschen in Bordighera und Ospedaletti und San Remo. Wir sind heute froh an Bord, unsere Lippen lachen, und unsere Kapelle spielt lustige Weisen. Aber auch uns erwartet eine Stunde, fern oder nahe, in der uns sein wird, wie euch jetzt ist. Dann sind es wieder andere, die lachende Lippen zeigen und singend über die Meere fahren. Unerbittlich und ohne Ende läuft die Kette.

Am Nachmittag legen wir im Hafen von Ville- franche vor Anker, und abends fuhr ich mit der Bahn nach Monte Carlo hinüber, um die Spielsäle wieder zu sehen. Ich war vor fünfzehn Jahren das letzte Mal hier und mutz gestehen, daß nur der ge­sellschaftliche Stil von damals als außerordentlich viel vornehmer in der Erinnerung ist. Damals trat die Halbwelt zurück vor einer distinguierten Gesell- schast, besonders aus Amerika und England. Heute

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