Nr. 87
Mittwoch den 13. April 19Z7
Lene T
Des moderne Vetvavea.
Don Dr. Heinrich Taschner.
3or nunmehr sechshundert Jahren, in der Karie des Jahres 1327, traf Petrarca in der Kirche ta Chiara zu Avignon die Frau, die ihn zum erblichen Sänger der Liebe machen sollte. Ist L Laura wirklich eine lebendige Frau gewesen
nur der personifizierte Traum des Dichters? in die Zeitgenossen haben an ihrer Existenz ge- . feit, schon neun Jahre nach der gesegneten ade, in der er sich dem unerbittlichen Joch |te, vermerkt Petrarca in einem Brief an seinen r mb Colonna, daß er beschuldigt werde, „sich ü Namen und die Gestalt Lauras erdacht zu n". Aber der Dichter mein' volle- Bitterkeit: illte der Himmel — meine Liebe wäre ein >l, eine Täuschung und nicht diese Art von , denn sich eine solche Mühe zu geben, als nsinnig zu gelten, wäre der größte Wahnsinn", e unbekannte Laura, für die die Neugierigen Uoignon vergeblich den Namen suchten, muß
Frau aus Fleisch und Blut gewesen sein; eicht war es jene Laura de Noves, die im re 1325 Hugo de Sade geheiratet hatte, dem ! :en elf Kinder gebar und, von den vielen Gern erschöpft, am 6. April 1348, an demselben also und zu derselben Stunde, in der sie vor ren der Dichter des „Canzoniere" traf, der Pest
Opfer fiel. Trotz allen Uebertreibungen, dem süßen Troubadourton, in dem Petrarca stolze Laura besingt, bricht der wirkliche Aus- k der Leidenschaft mit einer Wucht durch, die Hiser eigenes moderens Gefühl appelliert. Noch r als in den herrlichen Klängen des „Canzo- e" wird im „Secretum suum" dieses aufrüttelnde • bloßgelegt: Auch dieser Werther des Trecento f mit dem Gedanken des Todes, seine tiefe ubigksit macht es chm jedoch unmöglich, seinem nen Leben ein Ende zu machen Er gleicht dabei wenig Heine, wenn er aus seinen großen nerven kleine Lieder macht, denn jeder Seufzer ) chm zum Sonett, jede Träne zum Leid. Auch lefolgt das Hemesche Prinzip: „wenn dich ein b verraten hat, so liebe flink eine andere"; er nt es: „den Keil mit dem Keil austreiben", und irenb er sich noch in wilder Leidenschaft zu Laura ,ehrt, hält er sehr viel weniger platonische Be- ungen zu einer Frau aufrecht, deren Namen nicht kennen, die jedoch die Mutter seiner bei- von ihm anerkannten Kinder Giovanni und ncesca war. Der Mann, der Laura Härte und lz vorwirft, läßt selbst eine Geliebte — vielst war es sogar die Mutter seiner Kinder — ab- sen und beklagt sich, daß sie „seine Tür belagert , je mehr er sie wegjage, desto häufiger komme zurück."
Der Kanonikus von Valchlusa, der seiner Liebe Laura die Unsterblichkeit verdankt, war alles an- ’ als ein Heiliger. In demselben Jahr, in dem ira starb, läßt sich de: untröstliche Liebhaber in Liebesabenteuer in Ferrara ein, und er, der sich -iner Sehnsucht nach Askese verzehrt, gibt zu, daß )l)ne Frauen nicht leben kann. Petrarcas schweres Icksal war es, auf bgr Wende von zwei Zeiten stehen. Er wurzelt noch tief im Mittelalter, er d von allen mystischen Aengsten zerrissen; über lem Lebensgenuß lauert die gräßliche Angst vor 1 Tode. Er liebt Laura als Mann, mit dem gan= „blinden Verlangen, das wächst und steigt", er imt „von einer Nacht ohne Morgendämmern", ' bann schlägt er sich reuig in die Brust, bildet himmlische Liebe für die Fraü ein, deren weiße
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Der umgestürzte Juntfutm.
Infolge starken Sturmes der letzten Tage ist in der Nacht zum Samstag der zweite noch im Bau befindliche Mast der neuen Rundfunksendestation Zeesen, die die größte Europas werden soll, eingestürzt. Der erste Mast ist bereits fertig gestellt, und 200 Meter hoch, der zweite war bis zur Höhe von 49 Metern aufgeführt, als er am Samstag plötzlich zusammenstürzte. Personen
wurden glücklicherweise nicht verletzt, während der Materialschaden ziemlich erheblich ist. Die Inbetriebnahme des neuen Rundfunksenders wird sich durch dieses Unglück um etwa 3—4 Wochen verzögern. — Unser Bild zeigt den umgestürzten Turm des Groß-Rundfunksenders Zeesen.
Personen
Glieder, von dem durchsonnten Goldhaar gekrönt, er im Bach im Bade überrascht, und täuscht sich selbst so weit, daß er sagen kann, „er schätze gering das, was die andern begehren". Petrarca stand zwischen der Erde, die sein aufwachender naturalistischer Sinn ihm zu lieben gebot, und dem Himmel, den seine eigene Zeit ihm als Endziel setzte. Er war zerrissen und zerspalten, und diese Zerrissenheit bringt ihn uns ganz nahe, läßt ihn nach sechs Jahrhunderten so lebendig sein wie keinen anderen Menschen seiner Epoche.
Aber Petrarcas Bedeutung für die Gegenwart liegt nicht in dem süßen Klang des Canzoniere, der sein anderes Schaffen mit Recht, aber sein sehr merkwürdiges Leben mit Unrecht verschleierte und den Mann, der in seiner Zeit eine entscheidende Rolle gespielt hat, um den sich Könige und Kardinäle rissen, dem Tyrannen huldigten, pem ein blinder Professor durch ganz Italien nachreiste, um ihm die Hand zu küssen, zu nichts anderem als dem Liebhaber Lauras stempelte. Vielleicht war er" in seinem Gefühl noch am wenigsten frei von den durch die mittelalterliche Mystik aufgezwungenen Nöten. Es ist keine Uebertreibung, wenn man ihn als den ersten modernen Menschen bezeichnet. Um die Zeit, in der Dante das ganze Wesen des Mittelalters in seinem großartigen Epos zusammenfaßte, lebte schon der Mann, der diele Geschlossenheit durch sein eigenes Wesen in Scyerben schlug, der in die Einheitlichkeit des mittelalterlichen Weltbildes jene Keime der Zerstörung hineintrug, die den Fortschritt bedingt haben. Petrarca ist nicht nur der erste moderne Mensch, er ist auch der erste Neurastheniker der Geschichte. Er war von der ewigen Unruhe gepackt, die mit der Seßhaftigkeit feiner Zeit in krassem Widerspruch steht. Petrarcas ewige Irrfahrten sind Ausdruck jener
Sehnsucht, die Meininger so treffend als ein erotisches Bedürfnis charakterisiert. Petrarcas Leben ist eine bunte Kette von Reifen, ein einziges Hinausstreben aus dem Einerlei feines Daseins, ein Ueber- winden der inneren Zerrissenheit durch die Sehnsucht nach der Fremde. Er durchreist Belgien und die Schweiz, fährt nach Paris, läßt sich in Aachen die Legende von Karl dem Großen erzählen, sieht in Köln den im Flusse sich waschenden, hellhäutigen Frauen zu, besichtigt Prag, durchreist Spanien, stößt bis an die englische Küste vor und wäre bis nach Indien gefahren, wenn er nicht durch seine Arbeiten festgehalten worden wäre. Er ist auch der erste, den dieselbe Unrast auf die Gipfel der Berge getrieben, den die Ebene mit der Höhensehnsucht vergiftet hat, bis er — ein für damalige Zeiten unerhörtes Beginnen — den Monte Ventofo im Jahre 1336 besteigt. Petrarca kann auch als einer der ersten Journalisten überhaupt angesprochen werden. Lauras Troubadour hat in seiner Zeit eine Rolle gespielt, die Carducci mit Recht mit der des Erasmus im 16. Jahrhundert vergleicht. In der Zeit, in der der Begriff der Zeitung fehlte, gebrauchte Petrarca zum Zwecke der Nachrichtenübermittlung, des Austausches von Ideen die Briefform, die er jedoch in unserem heutigen Sinne des Journalismus als des Spiegels wie auch Formers der öffentlichen Meinung ausgenutzt hat. In der weitverzweigten Korrespondenz Petrarcas, die er mit Menschen in allen Ländern aufrecht erhielt, in den Briefen und gereimten Episteln, die er dann Freunden zum Lesen gibt, tritt Petrarca als der große Reformator seiner Zeit auf. Er geißelt als Vorläufer Luthers die kirchlichen Mißstände, das Wohlleben am Hof zu Avignon, wo die Päpste, wie er sagt, nur durch den französischen Rotwein festgehalten würden. Er tritt auch für die Einheit Italiens ein, jammert über den
Wahnsinn des Bruderkampfes, er legt auch dar, wie verderblich die Söldnerheere für das Wohl des Lan- des sind, und sein ganzes Heer jubelt dem „römischen Tribun", dem „Schöpfer der römischen Repu- blick", Cola Rienzi, zu. Denn Petrarca fühlte sich in erster Linie als Wiedererwecker der Antike. Er war der Vorläufer der Renaissance, dem die klastische Kunst wesentlicher Inhalt war. Er versuchte als erster Humanist, Griechisch zu lernen, er durchstöberte die Klöster auf der Suche nach alten Manuskripten, er ließ auch die erste lateinische Uebersetzung des Homer anfertigen. Petrarca war es, der als erster den Zusammenhang der modernen Welt mit der Antike hergestellt hat, er war es, der in dem berühmten Briefe an Boccaccio über das dunkle Zeitalter jammert, in dem man die Antike, die Muster der Künste, gering achtet. Denn aus dem Mittelalter, das den Schwerpunkt des Seins aus dieser Erde ins Jenseits verlegt hatte, strebte dieser Zerrissene, haltlose, nicht sehr mutige, eitle und doch von der eigenen Kraft wunderbar erfüllte Mensch in das Licht einer neuen Zeit, in den Sieg eines neuen Bewußtseins empor.
Wenn der Vater m'l dem Sohne — Mc Scheidung betreibt.
n Fabrikant aus Largues in Südfrankreich namens Elie Sibille hatte mit Hilfe seines Vaters vor zwei Jahren im Scheidungsprozeß gegen seine Frau gesiegt. Das Urteil, das die Frau für den schuldigen Teil erklärte, stützte sich nämlich auf die Aussage des Klägers, der, um dem Sohn die Scheidung zu ermöglichen, in einem Hotel in Cannes mit einer Dirne eingekehrt war, die er in das Fremdenbuch unter dem Namen seiner eigenen Schwiegertochter eintrug. Frau Sibille hatte zwar im Prozeß eine Reihe von Zeuginnen benannt, die bekunden konnten, daß sie in der Nacht, in der sie mit ihrem Schwiegervater im Hotel gewesen sein sollte, zu Hause krank im Bett gelegen habe. Der Gerichtshof hatte aber die Ladung der Entlastungszeugen mit der Begründung abgelehnt, daß die Eintragung ins Fremdenbuch als ausreichender Beweis für die Anwesenheit der Beklagten im Hotel anzusehen sei. Die zu Unrecht für schuldig erklärte Frau gab sich indessen nicht zufrieden, sondern zeigte ihren Schwiegervater wegen Meineid» an, und unter dem Druck des Belastungsmaterials bequemte sich dieser auch schließlich zu dem Geständnis, daß er eine falsche Eintragung vorge» nommen hatte. Er wurde mit mehreren andere« Zeugen wegen Falscheids verurteilt. Sein Sohu hatte sich inzwischen zum zweitenmal verheiratet; diese Ehe wird jedoch für ungültig erklärt werden, da sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen z» stände gekommen ist.
Wenn eine Prinzessin großjährig wird.
Die Erbprinzestin der Niederlande, Sufiand# wird am 30. April d. J. achtzehn Jahre alt. Nach dem Hausgesetz des niederländischen Königshauses wird sie damit volljährig und erhält den Anspruch auf ein eigenes Palais und auf eine Zivilliste. Di« holländische Regierung hat demgemäß im Etat für 1927 für beide Zwecke die entsprechenden Beträge angefordert.
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