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Mittwoch den 13. April 1927
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LWâs.
Hanau, 13. April.
GS SsiSVt.
Ein klassischer Beginn beugt manchem vergeb- n Anlauf vor: „Vom Eise befreit sind Strom Bäche" . . . urck sieh, schon regt sich Geist und >r, beflügelt von der Kraft unsterblichen Ge- ens zu leichterem Fluge, schon verströmt der >tende, violette Farbtupfen in milchigem Glase schwerer und süßer, schon stäubt es golden von schlanken Gerte, die — kein Raub an der verendenden Natur — aus einem Tintenfasse, das i^ame „Vase" hold erröten macht, trunken von ier Schönheit auf das bleiche Schriftblatt nickt.
)och immmerhin, selbst dies allein deutet noch : auf österliche Zeit. Es gab Jahre, in denen i im Januar Veilchen blauten, Kätzchen auf den und Erlen schimmerten und die Luft in gen Wellen über den besonnten Boden zitterte, äere, gewichtigere Merkmale sind, darum anzu- en, Tatsachen müssen geltend gemacht, Beispiele rt werden, die einen Zweifel nicht mehr mog- m machen.
)a schafft dies eine sicherste Gewißheit: Die 'nunität des Osterhasen, die Toleranz, mit der Welt dem freundlichen bepelzten Langohr auf f und Sprung begegnet. Wer ihn so friedlich h die Stadt hoppeln sah, ungestört von der teien haß und Hader, nicht allein,, nein, in be- stlicher Prozession, wer Zeuge war, wie er in ppen in Straßen und Gassen einschwenkte, wer
Eifer studierte, mit dem er in großen und ien Schauläden aus Nest und Ci und Kind und leskindern die berückendsten Arrangements schuf an den scheibenplattgedrückten Näschen der nen und Nasen der Großen die fröhliche Erwar-
I und ehrfürchtiges Staunen ablas: Sieh da, wußte, daß Leberblume und Veilchen, Erlenkatz die rötlichen Perlen am Mandelstrauch Jtneshuil t falsche Feier " - - *
vortäuschen, daß dieses Merkmal Osterahnen nicht falsch sein anderes noch, gleich voll beson-
'üglich. dieses de.
Ind daß ein n Charakters
und gleichfalls nur an diese betende Zett gebunden, keine andere Deutung Zeitstimmung zuläßt: die Ostertüten, die mit herrlich bunten Pappenbäuchen, den weißen tzenkraufen um das mächtige Maul und dem ienen Spitzbein, die behäbig in allen Fenster- 1 lehnen und mit Würde auf das luftige Treiben Familien Lampe schauen, mit der sie sich, groß- terlich-tantenhast, irgendwie verwandt fühlen. $5 ostert! Braucht es der Beweise mehr? Wir
iben es nicht, wir denken, es sind der Eideshelfer rg, der Ueberzeugungen ein gewichtiges Paar. 1 wenn man uns nicht glaubt, so frage man die ien Gesellen, die vom Kreisel- und Kugelspiel uts einen Schritt weiter gegangen sind, die schchen zwischen zehn und fünfzehn, die der Na- noch einen Schritt näherstehen als ine reifen ifen, und darum wissen, daß man nur um Ostern im den Tomahawk schärfen, den Kopfputz glät- und den Lasso schmiegsam machen kann, um als metou 'md Old Sheatter-hand in den wohlver- aten Jagdgründen unterzutauchen, aus denen allnachmittäglich der Kriegsruf des Warzen Mustang" in die Wigwams der Blaß, chkèr gellt, deren Squaws, das Kochbuch auf Knien, schon setzt beginnen, bedächtig über Zahl. Art der Osterkuchen nachzusinnen, mit denen sie Kriegsdurst der heldischen Rothäute zu sänf- n gedenken.
taÜMttft gegen den stSdMOen
Wie die „Volkstimme" berichtet, Hot die sozial- rokratische Stadverordnetenfraktion in einer lung am Samstag gemeinsam mit dem örtlichen rteioorstand beschloßen, gegen den am Donnersverabschiedeten städtischen Etat für 1927 Ein- uch zu erheben und die Rechtsgültigkeit der an em Tage gefaßten Cinzelbeschlüssch sowie der lußabstimmung über den Gesametat anzufechten, iter hat die Fraktion beschlossen, diesen Einspruch mchst beim Vorstand der Staütverordnetenoer- imtung sowie beim Magistrat geltend zu machen
und den Bezirksausschuß als kommunale Aufsichtsbehörde erst dann anzurufen, wenn dem Einspruch von den genannten beiden Instanzen nicht statt- gegeben werden sollte.
Das an den Magistrat bzw. an den Vorstand der Stadtverordnetenversammlung gerichtete Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Die sozialdemokratischen Stadtverordneten erheben Einspruch gegen:
Die Beschlüsse der Stodverordnetonversamm- lung vom 7. April, das Wasserwerk betreffend, a) die Beschlüsse betreffend Finanz- u. Steuer- verwaltung (Abt. F),
b) die Beschlüsse betreffend haushallsplan der außerordentlichen Verwaltung für das Rech
1.
II.
und
nungsjahr 1927,
c) die Schlußabstimmüng über den Gesamtetat,
ersuchen
1. den Vorstand der Stadtverordnetenversammlung, diese Gegenstände nochmals zur Beratung und Abstimmung zu stellen,
2. den Magistrat, den zu 1 und 11 am 7. April gefaßten Beschlüssen die Zustimmung zu
versagen.
Gründe: Die Beschlüsse unter 1 sind gefaßt, nachdem die Stadtverordnetenversammlung nicht mehr beschlußfähig war. Die sozialdemokratischen und kommunistischen Stadoerordneten hatten in einer Stärke von 17 Mann die Sitzung verlassen. Es verblieben 19 Stadtverordnete, bis der Stadt- verordnetenoorfteher den Vorsitz an den Stadtverordneten Kaufhold übergab und den Sitzungssaal verließ. Von diesem Augenblick an war die Sitzung nicht mehr beschlußfähig. Dazu kam, daß die Stadtverordneten Beckers und Dr. Nußbaum ebenfalls den Saal verließen. (§ 45 der Städteordnung und § 5 der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung). Während der Abwesenheit der 3 Stadtverordneten wurden die Verhandlungen fortgesetzt und die unter 1 angeführten Beschlüsse ge« saßt.
Die unter 11 geführten Verhandlungen und Be- schlüsse waren laut Einladung auf Freitag den 8. April, angesetzt. Laut § 43 und 44 der Städteord- nung sind die Stadtverordnetenversammlungen erstens zwei Tage vorher und zweitens mit Angabe der Tagesordnung einzuberufen. Nach § 4 der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung Hanau erfolgt die Einladung durch Karten unter Beifügung der Tagesordnung. Im vorlis- genden Falle ist die Tagesordnung zu 11 ausdrücklich für die Sitzung am 8. April bestimmt. Das Bureau der Stadtverordneten hat aber die Behandlung und Beschlußfassung am 7. April zugelassen; das war nach der Städteordnung wie auch der Geschäftsordnung unzulässig, die gefaßten Beschlüsse sind deshalb ungültig.
Das Verlassen der Sitzung am 7. April durch einen Teil der Stadtverordneten beweist durchaus nicht, daß diese Stadtverordneten sich an der Be- ratung und Beschlußfassung über die Gegenstände unter II nicht beteiligen wollten.
Dadurch, daß diese Beratungen und Beschlußfassungen in der Sitzung am 7. April vorgenommen wurden, ist sowhl gegen die §§ 43 und 44 der Städteordnung (Wahrung der Fristen), als auch gegen § 4 der Geschäftsordnung (Mitteilung der Tagesordnung) verstoßen.
Aus denselben Gründen ist auch die Schlußabstimmung 11 c ungültig.
Sollten Sie uns nicht bis zum 16. April mitgeteilt haben, daß Sie unserem Ersuchen, die angeführten Gegenstände erneut auf die Tagesordnung zu setzen, bzw. den Beschlüssen Ihre Zustimmung zu versagen, dann sind wir gezwungen, den Bezirksausschuß anzurufen.
Die GEsÄung und Bedsuèrmg devLsbeztShâssrrss-SnÄSKrWsrm
Um die quantitative Bedeutung der Preisnotierungen für Waren und sonstige Lebensbedürfnisse erkennen zu können, muß man eine Preisangabe in einem bestimmten Zeitpunkt als Ausgangszahl festsetzen (— 100) und die folgenden Preise durch das Verhältnis zu dieser Ausgangszahl ausdrücken. Diese zeitlich abgestuften, im Verhältnis zu einer Grundzahl ausgedrückten Angaben über die Entwicklung der Preise, die man als Meßzahlen (Indexziffern) bezeichnet, lassen aber noch nicht die Wir
kung der jeweiligen Steigerung oder Senkung der Preise erkennen. Um diese festzustellen, muß auch die Menge der zu den einzelnen Preisen eingesetzten Waren usw. ermittelt werden. Preisänderungen bestimmter, unbedingt lebensnotwendiger Produkte (wie z. B. Getreide, Kartoffeln usw.) werden eine viel höhere Auswirkung zeitigen als Preisänderungen von Luxuswaren. Um die Bedeutung der Preise der verschiedenen Warengruppen, ihren Einfluß auf das Gesamtpreis- moeau nach dem Grad ihrer Lebenswichtigkeit, des Allgemeinbedürfnisses, zum Ausdruck zu bringen, werden daher die umgesetzten Mengen — teils auf Grund positiver Zahlen, teils durch Schätzung — festgestellt und die Preisnotizen der oeii siebenen Waren mit Mengenzahlen — die man „Gewichte" nennt —, multipliziert. Eine täglich in großen Mengen umgesetzte Ware wird z. B. mit dem „Gewicht" 10, eine in geringeren Mengen umgesetzte mit 2 multipliziert. Derartige Meßzahlen nennt man „gewogene Indexzahlen". Diese lassen jedoch nicht alle Wirkungen erkennen, die eine Steigerung (oder Senkung) der Preise Hervorrust. hierzu bedarf es außer der Berücksichtigung der Menge der zu den einzelnen Preisen umgesetzten Waren auch die des Personenkreises, der je« weils die Waren usw. kauft. Auf diese Weise gelangt man zu den „Teuerungszulagen", zur Indexziffer der Lebenshaltungskosten. Diese beruht auf dem Größenverhältnis, die gewisse Güter (im wei- teren Sinne), wie Ernährung,^Wohnung, Heizung, Bekleidung, sonstiger Lebensbedars, im haushalt einkr Normalfamilie erfahrungsgemäß einnehmen. Es wird also für die Normalfamilie von fünf Köpfen (2 Erwachsenen, 3 Kindern von l^, 7 und 12 Jahren ein wöchentlicher Normalverbrauch an den genannten Gütern festgestellt. („Wertigkeits- zahlen".) In dieses Durch'chnittsbudget einer 5» köpfigen Familie werden dann in jedem Ort mit über 10 000 Einwohnern die dort ermittelten Preise eingesetzt, diese Preise mit den Wertigkeitszahlen, b. h. den für die Familie angesetzten Mengen multipliziert und aus den Produkten monatlich die Summen gezogen, die dann die Lebenshaltungs- Indexziffer darstellen, d. h. das Niveau der gefam- ten Lebenhaltungskosten. Deren Veränderungen zu ermitteln, die natürlich in der Indexziffer Ausdruck finden müssen, ist keine leichte Aufgabe, da sie auf verschiedenen Ursachen beruyen, wie z. B. auf sai- sonmäßigen Schwankungen, die insbesondere bei den Preisen für Lebensmittel, Kleidung und Haus- rat häufig Vorkommen.
Der Zweck der Lebenshaltungs-Indexziffern ist. die Preisbewegung lebensnotwendiger Güter beim Uebergang in den Konsum darzustellen. Daher werden ihrer Berechnung die Zklsmhandelspreise zugrunde gelegt. Aus diesen Indexziffern läßt sich also die Kaufkraft des Einkommens ersehen. In der Praxis spielen sie daher eine entscheidende Rolle auf dem Gebiete der Lohnpolitik. Die Anpassung der Löhne und Gehälter der Arbeiter, Privatangestellter und der Beamten läßt sich nur auf Grund dieser Teuerungsstatistik durchführen.
Der Zweck der Lebenshaltungs-Indexziffern bestimmt auch den Unterschied von den Großhandels- Indexziffern, die die Preisbewegungen der Waren während ihres Umlaufs in der Produktions- und handelsumsatzstufe zum Ausdruck bringen sollen, deren Beobachtung daher für die Produktions- und Cinkaufskalkulation wichtig ist. (Prinzip der sog. „Alphawaren", Güter, die tm Preise stärker fallen, als der Index und der „Bethawaren", die umgekehrte Tendenz zeigen.) — Bei der Reichsmdex- ziffer für Lebenshaltung ist die Gesamllebenshal- tungsziffer, die Ernährung. Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstigen Bedarf berücksichtigt, von den Indexziffern der einzelnen Indexgruppen (Ernährung usw.) auseinanderzuhalten. Die Indexziffern der einzelnen Gruppen weisen natürlich erhebliche Unterschiede untereinander und zum Gesamtwert auf, so betrug für Januar 1927 z. B. die Indexziffer für Ernährung 150,7, die für Wohnung 104,9, die für Bekleidung 156,7 der Gesamtindenx aber 144,6.
Die
Er-
* Stand der Erwerbslosigkeit am 1. April. Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der _ werbslofenfürforge im Reiche zeigt auch in der zweiten Märzhälfte einen erstaunlichen weiteren Rück- gang, und zwar um 305 000, gleich 31.2 Prozent. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungs
empfänger ist in der Zeit vom 15. März bis ZlM l April 1927 von 1222 000 auf 946 000 Zurück- gegangen, die Zahl der weiblichen von 214000 auf 185 000, die Gesamtzahl von 1 436 000 auf 1131000. Die Zahl der Zuschlagsempfänger hat sich von 1 664 000 auf 1297 000 vermindert. Der Gesamtrückgang in der Zahl der Hauptunterstützungs- empfänger im Monat März beträgt 535 600 (1 696 000 Hauptunterstützungsempfänger am 1. März 1927 gegenüber 1131 000 am 1. April 1927). Ueber die Krisenfürsorge liegt eine neuere Zahl nicht vor, da diese nur in der Mitte jedes Monats festgestellt wird.
* Seid vorsichtig im Wald! Der Frühling ist die Zeit, in der die meisten Waldbrände entstehen, die oft in wenigen Stunden das (.mühsam ausgebaute Werk von Jahrzehnten vernichten. Die Sonnenstrahlen haben die abgestorbenen Farne, Gräser und das auf dem Boden liegende dürre Holz zu Pulver ausgetrocknet. Es genügt oft ein achtlos weggeworfenes Streichholz, ein glimmender Zigarren- oder Zigarettenstummel, um im Nu den Bodenüberzug in Brand zu setzen. An den Feldrainen und Böschungen wird das verdorrte Gras vielfach polizeilichem Verbote entgegen angezündet und verbrannt. hierdurch kommen oft nicht nur Wälder in Gefahr, sondern es werden auch viele Vögel, die im Frühiahr ganz zeitig an der Erde brüten und denen gerade die überhängenden Grasbüschel an den Feldrainen und Böschungen die beste Nistgelegenheit bieten, gestört oder gänzlich vern chtet. An die Bevölkerung ergeht daher die kurze aber eindringliche Mahnung „Seid vorsichtig! Schützt den deutschen Wald und die Bögels
* vom Gründonnerstag. Seit dem fünften Jahrhundert feiert die Christenheit den Gründonnerstag zum Gedächtnis der Einsetzung des heiligen Abendmahles. In der Frühzeit des Christentums wurden am Gründonnerstag Büßer wieder in die Kirchengemeinschaft ausgenommen, weshalb er lange auch als Erlaß und Ablaßtag galt. Zum Grünen Donnerstag wurde er nun nach der Auffassung vieler dadurch, daß die Wiederaufgenommenen, nur Sündenlosen, wieder als grünende Zweige (virides) der Kirche betrachtet wurden. Andere wollen den Namen auch auf den Brauch zurückfahren, demzu- folge an diesem Tage besonders viele grüne Äräuter gegessen wurden. Zu den hohen Feiertagen zählt der Gründonnerstag nicht, hingewiesen werden soll noch auf die bis in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts gehende Sitte, am Gründonnerstag mit der sogenannten Frühlingskur zu beginnen. An diesem Tage mußte man nach uralten Rezepten neun Pflanzen zu einer Heilsalbe verarbeiten: „9hm haben diese neun Kräuter Macht gegen neun böse Geister, gegen neun Gifte und gegen neun ansteckende Krankheiten." Es gibt sogar noch eine ganze Menge von Anweisungsbüchern über die Herstellung solcher „Neun-Kräuter-Salben."
* Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Sanstätskolonne vom Roten Kreuz. Wieder liegt ein Jahr Rote Kreuzarbeit hinter der Kolonne, das 39. Vereinsjahr. Und wieder kann die Kolonne auf eine rege Arbettstätigkeit im Dienste der Allgemeinheit und Nächstenliebe zurückblicken. In der Zeit vom 1. April 1926 bis 31. März 1927 wurden ausgeführt: An Krankentransporten 1651, davon kamen in das Landkrankenhaus 490, in das St. Vincenzkranken- Haus 621, in das Diakonissenheim 290, nach Frankfurt 19, Rücktransports 162, Nervenkranke nach Marburg 8, Merxhausen 1, Gießen 1. An Hilfeleistungen wurden 763 und an Notverbänden 740 ausgefuhrt. Die Derlnhanstalt für Krankengeräte wurde 72 Mal in Anspruch genommen. An den Wachen, Rennen und sonstigen Veranstaltungen beteiligte sich die Kolonne in hervorragendem Maße. Die Kolonne besitzt: 86 aktive, 33 passive, 461 außerordentliche, 6 Ehrenmitglieder und 28 jugendliche Mannschaften. Die beiden Krankenwagen legten im Vereinsiahr 23 894 Kilometer zurück. Die am 7. April stattgefundene Jahreshauptversammlung wählte den seitherigen Kolonnenführer Malermeister Heinrich Prell wieder einstimmig auf die Dauer von fünf Jahren. Kolonnenärzte sind nach wie vor die Herren Dr. med. Grißhammer und Dr. meb. Heidelbach.' Die Kolonne wird fernerhin bestrebt sein ihre ganze Kraft in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.
* Silberne Hochzeit. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute, Mittwoch, Herr Karl Knopf und Frau Käthe geb. Kleinstüber, Steinheimer- straße 1011.
OlWfow.
Roman von Alfred Schirokauer.
Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Als Vater und Sohn wieder auf der Straße nden, erlebte Henry eine neue Enttäuschung. Er üe gehofft, jetzt endlich dem Vater entrinnen und ' der Probe in Hay Market eilen zu können. Doch ' der Admiral das Auto bestiegen hatte und nry ihm zu folgen zögerte, meinte er:
„Ich nehme an, du begleitest mich nach Hause, ist bald Zeit zu Luncheon."
Unter dem Banne des Gehorsams setzte Henry ) gefügig neben ihn. Der Vater erging sich in isten Ermahnungen über die Arbeit in Downing reet. Doch trotz allen guten Willens schweiften nrys Gedanken ab und zu der liebenswürdigen,
önen Sängerin, die jetzt aus der Bühne stand d den ersten Akt des „Dttone" probte.
Das Luncheon wurde im kleinen Speisesaal des uen Schloßteiles serviert. Es verlief ungemüt« H u. seelenlos wie alle Mahlzeiten in Christopher )urt. Des Herzogs Gegenwart lag als schwere idrückung über der Tafel. Auch die stete Gegen- irt der Dienerschaft verbot jedes intimere Ge- räch. Die Söhne waren dazu erzogen, bei Tisch schweigen. Der Herzog machte von Zeit zu Üt eine gleichgültige Bemerkung, auf welche die rrzogin mit leiser, zurückhaltender Stimme eine d)tsfagenbe Antwort gab.
An dem Frühstück nahm Alexander, der jüngere ruder Henrys, teil. Sie begrüßten sich im Vor- um kurz und lieblos. Seit den Kindertagen inben sie herzlich schlecht miteinander. Ihre Haraktere waren zu verschieden. Alex ähnelte dem ater, war ein Stockengländer und hatte nur ein tnziges Interesse, den Sport. Offiziell studierte ' in Oxford, doch sah man ihn dort nur bei dem , ______... _______ .,„„ ,
raining zu den großen Frühjahrsbootrennen zwi-: merksam zu, und stellte scharfumrissenè, einsichtige hen Oxford und Cambridge. Er war einer der Fragen. Der Prinz von Wales, der Thronfolger, esten Cricket- und Fußballspieler Englands, hatte der hinzukam, mochte kecke, launige Bemerkungen, ch aber in letzter Zeit mit Verve dem Boxkampf Er war das enfant terrible der Familie. Jeden Tag agewandt Er sollte in nächster Zeit insgeheim bot er den Londonern neuen Gesprächsstoff in Lie- ii einem Match mit Jack Dempsey antreten, den des- und Modedingen. Stets war er mit irgend- llex' Klub für teures Geld zu diesem Behufe nach. welchen Damen im Gerede, Damen, die nicht immer England berufen wollte. 1
»Daß Sie sich wieder hinlegen und kein Wort sprechen. Auch ich werde ganz still sein." Und den gewollt starken Ton aufgebend, fügte er mit gewohnter Zartheit hinzu: „Wir musikalischen Menschen verstehen ja, mitteilsam zu schweigen."
„Und fühlen doch die Rhythmen des anderen zu uns klingend herüberströmen", fügte sie hinzu und gehorchte willig. Sie ging zurück in das Schlaf-
.---->,.> v^»^^, Ruinen, um luuji uiuuci zimmer und legte sich nieder. Er zog einen Stuhl
n^iiv ««ui«! ^^e. i gerade Prinzessinnen von Geblüt, weit öfter aber heran und setzte sich neben das Lagers Sie hatte die!
Der Vater kümmerte sich nickt um den Sobn. >der Well, in der man sich selten langweilt, waren. > Augen geschlossen, die Lider waren violett und zuck-*
Er war für ihn ohne Interesse, da er als Zweitgeborener der herzogwürde fernstand. Die Mutter hatte heiß um einen Einfluß auf dieses Kind gerungen, sich aber schließlich schmerzlich in ihre Niederlage ergeben. Henry verachtete ihn. Er hielt ihn für einen hämischen, falschen Burschen, der ihn haßte und ihm das Erbfolgerecht neidete.
Endlich, nach Aufhebung der Tafel, glaubte Henry feine Zeit gekommen. Doch als der Herzog das Zimmer verlieh, wandte er sich an der Tür um und bemerkte:
»Es scheint mir angemessen, daß du noch heute Ihren Majestäten, dem König und der Königin, beirte Aufwartung machst und Seiner Majestät meldest, daß du morgen in Downing Street eintrittst. Laß anfragen, ob dein Besuch zum Tee ge« nehm ist."
In zorniger Empörung gehorchte Henry. Diese stete Tyrannei und Bevormundung war unerträglich! Er begriff nicht, daß er sie früher nie so beengend gefunden hatte. In der Ungebundenheit seiner Reise hatte er diesen väterlichen Zwang fast vergessen.
Sein Besuch zum Tee in Buckingham Palace war genehm.
Mißmutig kleidete der Prinz sich um und hastete tm Auto zum Hay-Market-Theoter, nur, um zu erfahren, daß die Probe beendet und Bettina nicht mehr anwesend sei.. Er fuhr zum Hyde-Park-Hotel. Auch dort traf er sie nicht. Ueberwältigt von seiner Sehnsucht sah er eine Stunde in Vestibül und wartete. Dann war es höchste Zeit, hinüber ins Schloß SU fahren. Durch die Pforte im Eisengitter der königlichen Residenz, vorbei an den Life-guard-Posten in roter Uniform und hohen, schwarzen Bärenfellmützen, glitt das Auto in die Einfahrt von Buckingham Palace.
Das Königspaar empfing den jungen Vetter mit gewohnter Liebenswürdigkeit. Wieder, zum vierten Male heute, mußte ^enrt) über seine Eindrücke in Deutschland Bericht erstatten. Der König hörte auf
Die Königin erkundigte sich voll Teilnahme nach der Not in Deutschland. Bereitwillig und ausführlich schilderte der Prinz das Elend, das er in den Straßen Berlins gesehen hatte. Dann kamen andere Gäste und das Gespräch wurde allgemein. Der Prinz von Wales zog den Vetter beiseite und erzählte von neuen Liebesabenteuern, bezeigte auch nicht geringes Interesse für die Wesensart deutscher Mädchen. Doch, Henry, der innerlich vor Unruhe brodelte und nur von dem Wunsche besessen war, möglichst rasch zu entkommen, gab knappe und wenig befriedigende Auskunft. Endlich gelang es ihm, sich frei zu machen und zu entschlüpfen.
Wieder fuhr er ins Hotel zurück und erfuhr zu feiner freudigen Genugtuung, daß Fräulein Sax im Hause fei. Er ließ sich melden.
Als er in Bettinas Salon trat, sah er sie durch die geöffnete Tür des dahinterliegenden Schlafzimmers vor dem Spiegel rasch ihr haar ordnen. Die Chaiselongue, die am Fußende des Bettes stand, trug noch den Abdruck ihres Körpers. Sie wandte sich sofort um und kam ihm entgegen. Matt und abgespannt sah sie aus. Unter den Augen hatte sie tiefe, dunkle Ringe.
«Ich habe Sie gestört!" rief Henry bestürzt. „Sie haben geruht."
Sie nickte und strich mit der Hand über die Schläfe. Dann lächelte sie ein müdes Lächeln. „Die Probe hat 'mich etwas mitgenommen. Ich bin nämlich nicht so kräftig wie ich scheine."
Er antwortete nicht, daß er sie niemals für besonders robust gehalten hatte, sondern entgegnete beunruhigt:
«Ich werde lieber gleich wieder gehen "
„Aber nein", rief sie lebhafter. „Ich freue mich doch so, daß Sie endlich da sind."
„Unter einer Bedingung werde ich bleiben", erklärte er mannhaft.
„Und die ist?"
herabhängende, kleine,
ten nervös. Ihr Gesicht war schmal und verfallen. Stumm saß er neben ihr, sah diesen erschöpften, gelösten Körper und die feinen, blassen, von der Energie und Kraftanspannung der Probe ausgeschöpften Züge. Fühlte eine rege männliche Zärtlichkeit und kämpfte mit dem Verlangen, sie ganz sanft an das herz zu nehmen und zu liebkosen und zu hegen und irgendwie zu beschützen. Er streckte die Rechte aus, ihre schlaff herabhängende, kleine, zitternde Hand zu streicheln. Doch ihm gebrach der Mut. Er ließ die Hand wieder sinken und saß stumm neben ihr. Aber es war, als trinke er den hauch und den Odem dieses Mädchens mit den geschlossenen, bebenden Lidern inbrünstig in sich hinein. Nur einmal raunte sie, als spräche sie aus dem Schlafe, mit kaum bewegten Lippen: „Wie gut Sie an miet denken!"
Er antwortete nicht.
Nach einer Weile öffnete sie die Augen, sah ihn lächelnd an, ihr Gesicht straffte sich rosig durchglüht wie von einem magischen Lebensstrome.
„Da bin ich wieder!" rief sie munter. Schwang die Füße von der Chaiselongue herunter und saß ihm gegenüber.
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„Verzeihen Sie. Innerlich bin ich vor einer ersten Probe und noch dazu hier unter diesen aa: fremden Verhältnissen doch sehr aufgeregt. Ell- Heidenangst hab' ich gehabt!" Sie sah ihn kindlich und treuherzig an.
„Aber davon habe ich doch nichts gemerkt!"
„Ich habe mich geschämt und beherrscht." Und dann erzählte sie voll Eifer, wie herrlich alles gegangen war, wie nett Rith und die anderen zu ihr waren, wie feinfühlend und musikalisch der Dirigent sei, wie vorzüglich ihre Partner.
„Sie werden sehen , rief sie beglückt, „es wird eine fabelhafte Aufführung.
Dann schilderte sie Einzelheiten, mußte er berichten, was er den Tag
und darauf
mußte er berichten, was er den Tag über getrieben hatte. Er erzählte von seiner Mutter, von Downtnp Street und von seinem Besuch beim König.
„Uebrigens war ich schon einmal hier, nach Ihnen fragen."
„Ich weiß", nickte sie. „Ich war gerade mit Rith beim Schneider."
„Denken Sie bloß, alle Kostüme werden für mich neu angefertigt."
(Fortsetzung folgt.)