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Mittwoch Den 13. April 192?
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einer Arbeitslosigkeit gewachsen, die man zwar als chronisch hinnimmt, die aber deshalb doch nicht das Zeichen eines gesunden Körpers ist? Wie kann Änd und Schottland die Spanne ausgleichen
en dem mangelnden Nahrungsraum auf dem eigenen Boden und der Bevölkerung auf ihm, wenn die großen überseeischen Handelsbeziehungen auf imperialistischer Grundlage in Frage gestellt werden und wenn eine so ungeheure Finanzlast auf den Schultern der englischen Volkswirtschaft ruht? Ist es in dieser Krise möglich, das weiter zu entwickeln, was am Schluß der Reichskonferenz für den Zu- sammenhang des ganzen Weltreiches und die Anteilnahme der Kolonien in ihm niedergelegt wurde?
Das meinen wir mit dem Worte, daß das Problem des englischen Weltreiches in vollem Umfang gestellt sei. Es fällt nicht heute oder morgen auseinander. Gewißlich nicht! Wer das im Kriege glaubte, wo das Problem noch stärker und gefähr- !icher gestellt war, hat sich ja sehr stark getäuscht. Aber es zwingt die englische Regierung zu einer Defensive und zu einer Zersplitterung der Kräfte, die im ganzen den Einsatz der englischen Macht in Europa und in der Welt lähmt. Das ist das merkwürdige: ein Weltreich allergrößten Umfanges, vielfach erinnernd an das alte Rom, gewiß von unendlichen Kraftquellen und im ganzen stärkster wirtschaftlicher, militärischer, politischer Potenz, aber diese „Potenz" wird durch diese heutige große Krise von draußen und drinnen angegriffen, erschüttert oder in Frage gestellt, und sie kann gar Nicht, könnte auch von dem größten energischsten Staatsmann Englands nicht als eine Einheit eingesetzt m erben, um an einer bestimmten Stelle der Welt nach Englands Wille eine bestimmte Entscheidung zu erzwingen. So möge man die englische Politik betrachten für die Fragen, die uns am Herzen liegen, wie die Räumung des Rheinlandes und jdie Revision des Dawes-Planes, und danach ab- messen, was die deutsche Außenpolitik von einem solchen England für sich reell erwarten und was ein solches England ihr bieten kann, wenn es seinerseits die deutsche Außenpolitik für irgend etwas gewinnen wollte!
DvamsMrSev Wmi des âolMÄve« Nssreffes
Solmar, 12. April. Der Haegy-Helsey-Prozeß ßcmd heute in einer kurzen Nachmittagssitzung einen -ebenso raschen wie unerwarteten Abschluß. Nachdem xin letzter Zeuge über die Gründung und Geschäftsführung der „Zukunft" gehört worden war, ergriff der Staatsanwalt Fachot das Wort zu seinem Plädoyer, in dem er aus formal juristischen Gründen die Geschworenen aufforderte, sämtliche Schuldfragen zu verneinen, da eine beleidigende Absicht Helseys bei Abfassung der umstrittenen Artikel nicht vorgelegen habe, sondern die Enquete nur dem Wunsch ihre Entstehung verdanke, die öffentliche Meinung aufzuklären. Dann wandte sich der Staatsanwall an den Privatkläger Haegy. Er wies darauf hin, daß der Pressefreiheit in Frankreich weite Grenzen gezogen seien. Haegy solle daher nicht beim Gericht Schutz suchen, sondern mit seiner Feder und in seiner Presse kämpfen. Er forderte ihn auf,
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Grenzen gezogen h
Gericht Schutz such,
in seiner Presse __ ,........ „
Frankreich kennen zu lernen und sich zu Frankreich pu bekennen. Diese eindringlichen Worte des Staatsanwaltes gaben auch den Anwälten beider Parteien Anlaß, eine Ehrenerklärung für den Gegner abzugeben. Haegy stimmte mit dem Anwalt seines Gegners in den Ruf „Vive la France!" ein, die Zuhörerschaft stieg auf die Bänke und der ganze Saal sang stehend die Marseillaise. Haegy und Helsey schüttelten sich die Hände. Nachdem die Geschwore- inen von kurzer Beratung zurückgekeh:' kündete der Vorsitzende den Freis ^« y s und des Journals.
Der Berichterstatter der Havasagentur in Col- |mar schildert die Szenen, mit der der Prozeß des Abbe Haegy gegen den Redakteur Helsey heute zu Ende gegangen ist, wie folgt:
Nachdem der Staatsanwatt AbbS Haegy ausnefordert hatte, eine Reise durch Frankreich zu unternehmen und sich nach der Bretagne zu begeben, erklärte er weiter: „Sie werden, Herr Haegy, von dieser Reise zurückkehren und ein guter Franzose sein". Haegy erhob sich und sagte: „Ich habe diesen Prozeß aus einem nationalen Gedanken heraus ge- ttihrt, weil man gesagt hat, ich sei ein Agent Deutschlands." Der Vorsitzende fragt: „Sind Sie ein guter Franzose?", Haegy antwortet: „Ich glaubte Frankreich zu dienen, indem ich dem Elsaß diene". Der Verteidiger Helseys, Henri Robert aus Paris, erhebt sich und fragt: „Nehmen Sie Ihre Klage zurück?" Große Verlegenheit des Abbès Haegy, der Ach an feinen Advokaten Kraehling wendet, der
hierauf folgendes erklärt: „Nach der wunderbaren ptebe des Staatsanwalts sage ich nur noch das Fol- gnde: Ich habe immer erklärt und ich werde diesen aal niemals verlassen, ohne es zu bestätigen, daß niemand, der Frankreich feindlich gesinnt ist, auf Abbè Haegy zählen konnte. Ich richte diese Worte cm ganz Frankreich, und ich wünschte, daß sie über den Rhein und über die Vogesen drängen. Frankreich möge an allem zweifeln, aber nicht an unserer Liebel Hieraus Henri-Robert: „In diesem feierlichen Augenblicke, den die wunderbare Rede des Staatsanwaltes hat entstehen lassen, fordere ich den Abbè Haegy auf, sich zu erheben und mit mir auszurufen „Sine la France". Der Abbè erhebt sich und ruft „Dive la France". Der Verteidiger Henri-Robert erklärt sodann: „In einigen Augenblicken, meine Herren Geschworenen, werden Sie eine Zeile der Geschichte niederschreiben". Eine unbeschreibliche Begeisterung bemächtigt sich aller Anwesenden. Man bemerkt Tränen in den Augen der Geschworenen, der Mitglieder des Gerichtshofes und der anwsfen- den Zuhörer. Alles erhebt sich und stimmt die Marseillaise an. Die Erregung ist allgemein, und man kann wohl sagen, daß man einer historischen Szene beiwohnt und das Henri-Robert zweifellos richtig geurteilt hat.
Nachdem die Geschworenen die Fragen verneint haben, drücken Abbè Haegy und Helsey sich die Hand. In diesem Augenblick wird ein riesiger Blumenstrauß, mit einem breiten Seidenband in den Farben der Trikolore umwunden, in den Saal getragen. Man bietet ihn dem Abbè Haegy, der seinerseits ihm einige Blumen entnimmt, uni sie Helsey zu überreichen. Riesiger Beifall. Der Saal leert sich langsam unter allgemeiner Erregung.
Minist«-« Nell «de» da»
-KanSovdat.
Münster, 12. April. Auf dem hier abgehaltenen westfälischen Zentrumsparteitag verbreitete sich Reichsminister a. D. Bell über die wichtigsten außen- und innenpolitischen Fragen. In den Auseinandersetzungen über das kommende Konkordat erklärt er, die vorzeitige Kritik und Ablehnunc der Konkordate werde der Sachlage durchaus nich gerecht. Man möge doch die Gesetzesvorlage als notwendigen Vorläufer jedes Konkordates abmarten.
Vom Kaiserreich zur Repubiit
EviutsevurrseU dss Vvims« Ma« von Baden.
Fast neun Jahre nach seiner Kanzlerschaft legt jetzt Prinz Max von Baden dem deutschen Volk ein Buch vor, das die Schicksalsereignisse vom Herb st 1918 wieder lebendig werden läßt. Prinz Max von Baden, Erinnerungen und Dokumente, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, Berlin und Leipzig, 19270 Das Buch bezeichnet der badische Prinz selbst als Rechtfertigungsschrift.
Eine unendliche Fülle von Tatsachen ist hier zu- ammengetragen worden. Kaleidoskopartig wech- eln die Bilder. Nur einzelne Szenen aus der Ka- astrophe können hier wiedergegeben werden.
Der Großherzog von Baden brachte in einem Telegramm an den Kaiser zum Ausdruck, daß er nicht verstehen könne, daß es gerade der badische Thronfolger jein müsse, der das Wasfenstillstands- angebot mit seinem Namen decken solle; wenn dies aber unabwendbar sei, so sei es ihm vaterländische Pflicht, nicht entgegen zu sein. Unterdessen wurde dauert noch aus Ludendorff gedrückt, um
das Vassenstillstandsangeboi
zu Der kleben. In der Nacht zum 2. Oktober wurde im Auftrag des Prinzen mit Ludendorff verhandelt und für Aufschub plädiert und dabei auf die technischen Schwierigkeiten der Regierungsbildung hingewiesen. General Ludendorff schlug im= mer wieder die Gegengründe mit den Worten ab: „Ich will meine Armee retten." Der Glaube beherrschte ihn, der Feind würde die erbetene Ruhepause gewähren, dann hoffte er wieder kämpfen zu können und das Schlimmste abzuwenden.
Ueberaus charakteristisch ist die Stellungnahme die
der Kaiser in jenen kritischen Tagen einnahm. Prinz Max von Baden schildert den Kronrat in der Reichskanzlei und schreibt: „Gegen 6 Uhr begann der Kronrat. Der Kaiser war rnscheinend guter Stimmung, als er den Sitzungsaal betrat. Mit der Frage: „Was für eine Nervo- ität muß ich hier in Berlin finden?" begrüßte er )te Anwesenden.
Als mir das Wort erteilt wurde, wußte ick, daß die Entscheidung für das Angebot fallen mutzte, wenn es mir nicht sofort gelang, den Kaiser auf meine Seite zu ziehen. Ich begann daher mit der Erklärung: „Ich bin ein Gegner des Angebots." Seine Majestät unterbrach mich: „Die Oberste Heeresleitung hält es für nötig, und du bist nicht sterher gekommen, um der Obersten Heeresleitung Schwierigkeiten zu machen." Die ganze Besprechung trug nur formalen Charakter."
In der entscheidenden Sitzung des Kriegskabinetts vom 17. Otkober 1918 wurde dann u. a. die Frage erörtert,
ob es möglich wäre, einen Verzweiflungskampf zu führen.
Prinz Max schreibt darüber:
„Eins war mir klar: diesen Verzweiflungskampf Jurfte Ludendorff nicht leiten. Ich hatte in dieser Sitzung das Vertrauen zum Menschen Ludendorff verloren. Er mutzte der Situation rücksichtslos ms Auge sehen, auch ohne jede Rücksicht auf das eigene Prestige. Nur eine heroische Ehrlichkeit tennte helfen. Ich habe Grund zu der Annahme, das Waffenftillstandsangebot wäre nie herausgelommen, wenn Ende September etwa Gallwitz, Loßberg oder Schulenburg nach Spa berufen worden wäre, heute hatte der General Ludendorff mit keiner Silbe das Waffenstillstandsangebot und seine katastrophalen Wirkungen in der Welt und in Deutschland erwähnt, dagegen die Waffenstillstandsbe- sprechungen in Berlin für die Ermutigung des Feindes und die Verschlechterung der Frontstimmung verantwortlich gemacht."
bevor die Öffentlichkeit beunruhigt werde durch die jeder positiven Grundlage entbehrende Behauptung untragbarer Verletzung von Staatshoheitsrechten. Man vergesse. daß doch schon vor einem Jahrhundert, zu Zeiten der absoluten Monarchie und der Hegelschen Staatsomnipotenz, von deutschen Staaten ohne die Besorgnis der Preisgabe von Staats- hohestsrechten mit der Kurie Konkordate geschlossen seien, besonders auch von Preußen im Jahre 1821. Behandle man mit gebotener Sachlichkeit und allseitig gereiftem Verständigungsentschluß, ohne ver- alteten Kulturkampfgeist, die mit unverkennbaren Schwierigkesten namentlich auf streitigen Grenzgebieten verknüpfte, aber unabweisbare Regelung des Verhältnisses von Staat zu Kirche, dann werde sich trotz Hemmungen eine für beide Teile tragbare und befriedigende Lösung finden lassen, ohne unerträgliche Verletzung von staatlichen und kirchlichen Hoheitsrechten. Für die Konkordatsfrage müsse der Wahlspruch lauten: Gebet dem Reich und den Ländern, was des Reiches und der Länder ist, der Mrche, was der Kirche ist.
Sanwont gesteht.
Der Alleatatsversuch gegen Mussolini vor Gericht.
Rom, 12. April. Gestern nachmittag begann im Zaniboni-Prozeß das verhör der Beschuldigten. General Capello, der zunächst vernommen wurde, erklärte, sein ganzes Leben stehe im Widerspruch zu der gegen ihn erhobenen Anklage, niemals habe er daran gedacht, einen militärischen Plan zu organisieren, um eine Aktion gegen den Faschismus zu unternehmen. Er erklärte, Freimaurer gewesen zu sein, aber keine Beziehungen zu italienischen Flüchtlingen im Auslande gehabt zu haben, von den Attentatsplänen Z a n i v o n i s gegen Mussolini habe er nicht» gewußt. Cr habe Zamboni als einen überspannten Menschen betrachtet.
Sodann begann das verhör Zanlboal», der erklärte, es sei seine Absicht gewesen, den Führer des Faschismus am 4. November 1925 zu beseitigen. Ich erkläre auch, führte Zaniboni weiter aus, daß, wenn mich die Polizei statt um >410 Uhr um m Uhr gefunden hätte, ich mein Vorhaben zweifellos ausgcführt haben würde. Sodann gab Zaniboni die Gründe für feine Gegnerschaft gegen den Faschismus an und äußerte sich dabei in so polemischer Form, daß chn der Vorsitzende scharf rügte. Zaniboni schilderte dann die Vorbereitungen, die er in dem Zimmer des Hotel Dragoui getroffen habe, um das Attentat durchzuführen.
Den Beschuldigungen der Anklage liegt folgender Tatbestand zu Grunde: Im Programm der Feier des Nationaltages am 4. November 1925 war für 12 Uhr mittags eine Ansprache Mussolinis vom Balkon des Palazzo Chigi aus vorgesehen. Das
Es kamen dann die Versuche, den Kaiser über die tatsächliche Situation aufzuklären. Am 28. Oktober ließ sich General von Chelius in dringender Angelegenheit beim Prinzen melden. Er sei von Brüssel nach Berlin gekommen, um dem Kanzler Dortrag zu halten. Mit allen Zeichen innerer Erregung sagte er, daß er es in Brüssel nicht lan- ger ausgehalten hätte, er müsse mit dem Prinzen über die Frage her Abdankung be« K e i j e rs reden. General von Chelius war lange Jahre Flügeladjutant gewesen: jedes Wort, das e* über die Lage des Kaisers sagte, rang er sich ab; aber er bestand darauf, daß Seine Majestät das große Opfer bringen müsse, um die Dynastie und das Land zu retten. Im weitere.: Verlauf des historischen Dra- mas erfolgte die
Abreise b^ Kaiser nach Spa.
Der Prinz schreibt darüber:
„Ich ließ mich mit Seiner Majestät tclep^oiusch verbinden und sagte ihm, wie betroffen ich über diesen neuen Entschluß sei und darüber, daß "r chn so plötzlich und ohne mein Wissen gefaßt habe Der Kaiser erwiderte, im Kriege würden schnelle Ent- schlüsse gefaßt, die Oberste Heeresleitung wünsche seine Gegenwart an der Front; die Kaiserin sei auch überrascht worden. Ich bat dringend um Aufschub der Reise, sie würde jetzt den schlechtesten Eindruck machen. In den nächsten Tagen müßten die allerwichtigsten Fragen erledigt werden, die wir un- möglich telephonisch behandeln tonnten. Der Kaiser meinte: „Du hast Ludendorff abgesetzt, nun muß ich Gröner einführen." Ich entgegnete, daß der Feld- marichall das doch sicher allein tun könne: ich bäte, empfangen zu werden. Der Kaiser berief sich auf die Aerzte, die die Ansteckungsgefahr der ©rippe fürchteten."
Der Kaiser aber reiste trotzdem, âd nun sollte Prinz Friedrich Karl von Hessen zu^hm reifen und ihm vorschlagen, was jetzt zu tun nötig war. Der Prinz weigerte sich aber auch, und Max von Baden schildert, wie sein damaliger Berater, Geheimrat Simons, der jetzige Reichsgerichtspräsident, wild wurde, mit der Faust auf den Tisch schlug und rief: „Lassen Sie mich, ich vergewaltige keinen Menschen. Wenn in diesem Augenblick die Träger des monarchischen Gedankens versagen, dann kommt die Republik."
Zum Schluß schildert Max von Baden
bey 9. November
und seinen Abschied. Er schreibt:
„Zwischen 5 und 6 ging ich zu E b e r t, um Abschied von ihm zu nehmen.
Ebert sagte zu mir: „Ich bitte Sie dringend, zu bleiben."
Ich fragte: ,„Zu welchem Zweck?"
Ebert: „Ich möchte, daß Sie als Reichsverweser bleiben."
Diese Bitte war in den letzten Stunden von meinen früheren M starb eitern wiederholt an r^ich gerchtet worden. Ich erwiderte Ebert: „Ick weiß, daß Sie im Begriff sind, mit den Unabhängigen ein Abkommen zu treffen, und mit den Unabhängigen kann ich nicht zusammenarbeiten."
Der Prinz sagt weiter: „Ich habe mir später die Frage immer wieder selbst vorgelegt,
ob ich die Monarchie hätte retten können, wenn ich am 9. November die Reichsverweserschaft angenommen hätte. Ich habe immer mein unmittelbares Gefühl bestätigt gefunden: Diesen Weg hätte ich gehen können, wenn ich vom Kaiser zu seinem Stellvertreter ernannt worden wäre. Bei der Durchführung eines Staatsstreiches wäre ich an meinem Gewissen gescheitert."
Programm war einige Tage vorher bekanntgegeben worden. Drei Tage vorher traf der frühere sozialistische Abgeordnete Z a n i b o n i aus Mailand unter falschem Namen in Rom ein und mietete in zwei Hotels in der Nähe der Piazza Colonna je ein Zimmer. Am 4. November kurz vor elf Uhr wurde er in einem dieser Hotels in seinem Zimmer verhaftet; man fand bei ihm einen Karabiner mit Munition und stellte fest, daß aus dem Fensterladen des einen Fensters zwei Teile herausgeschnitten waren, durch die man auf den Eckbalkon zielen konnte. In der Nähe des Hotels soll ein von Zaniboni gemietetes Auto gestanden haben. Die Anklage folgert aus diesen und weiteren Indizien, daß Zaniboni die Absicht gehabt hat, Mussolini während seiner Ansprache auf dem Balkon zu erschießen und dann bei der allgemeinen Verwirrung mit dem bereitstehenden Auto zu flüchten. Die Vorbereitungen zu dem Attentat wurden der Polizei durch die Anzeige eines gewissen Ouaglia bekannt, den Zaniboni ins Vertrauen gezogen hatte.
Der Tatbestand gegen den General a. D. Capello ist nicht so einfach zu konstruieren. An Tatsachen ist bis jetzt nur festzustellen, daß er zu benjenigen höheren Offizieren gehörte, die im ersten Jahre der faschistischen Regierung Gegner dieser waren; daß er in der italienischen Großloge Grand- Orient bis zu deren Auflösung einen höheren Grad bekleidete, und daß er mit Z a n i b o n i seit längerer Zeit bekannt war, dem er durch eine dritte Person mehrfach Geldsummen hat zugehen lassen, so auch in den kritischen Tagen unter verdächtigen Umständen tausend Lire. Capello wurde in Turin am Tage des versuchten Attentats verhaftet, als er angeblich mit einem falschen Paß die Grenze überschreiten wollte.
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GvhSlt MaveS tote Äevtrcheennss- WMMe?
Der Direktor der Gesellschaft, bei der Marek sich versichert hatte, erklärte: „Da der Staatsanwalt die Nichtigkeitsbeschwerde ergriffen hat, wird sich der ganze Prozeß neuerlich abwickeln, und es ist natürlich durchaus nicht Sitte, daß der neue Strafprozeß ebenfalls mit der Freisprechung vom Versicherungsbetrug endet. Erhält aber das Samstag gefällte Urteil Rechtskraft, so ist damit noch immer nicht entschieden, daß Marek die Versicherungssumme erhäst. Marek hat gegen die Versicherungsgesellschaft, da diese die Auszahlung der Versicherungssumme verweigert, den Zivilprozeß angestrengt. Der Zivilprozeß wurde aber vertaat. Jetzt lebt er wieder auf.
der Zivilrichter ist aber durchaus nicht an den , gefällten Freispruch gebunden, weil ihm in Würdigung der Beweisführung, das heißt Sachverständigengutachtens und der Zeugen agen vollkommen freie Hand getanen ist. Jeden wird die Entschädigung, da auch die bethen nä höheren Instanzen angerufen werden, noch ei Zeit auf sich warten lassen. Ob es zu einem 5 gleich kommen wird, kann ich nicht voraussa Zunächst hat Marek selbst noch keinen solchen trag gestellt Meine Gesellschaft ist am wenigsten schädigt, denn sie hat 70 Rückversicherer hinter, und ist an dem ganzen Schaden mit 1*/» Prozen- teiligt. Für den.größten Teil her erforderst Summe hat ()ie Münchener Gruppe Rückversicherer und englische Rückversich aufzukommen. Aber, wie gesagt, bis Auszahlung der vielen Milliarden hat es seine guten Wege". — Ein hervorragender M Rechtsanwalt, der bis vor kurzem dem Richters angehörte, ist der Ansicht, daß die Dersicheru summe unbedingt ausbezahlt werden muß. — ref5 Stimmung ist sehr gedrückt, well er weiß, sein Bein bis über bas Knie verlief) ampu worden muß. An eine Prothese ist jetzt gar v-ehr zu denken. ,, . , _ .
Aus Wien wird uns noch geschrieben: Ob 3 ober Unrecht, für die Versicherungsgesellschaft j in der Bevölkerung von Anfang an keine 5 pathic vorhanden, und selbst der milde Ri- konntc sich in der Begründung des Urteils deutlich hörbaren Vorwurf nicht versagen, wenn hier wirklich ein Verbrechen vorliegen si die Versicherungsgesellschaft mindestens hk durch die Leichtfertigkeit des Vertragsabfchb geradezu Dorschul> geleistet habe. Wer verhin will, daß jemand strauchelt und zum Dieb r der räumt die Gelegenheiten aus dem Wege, der Sachverständige für das Versicherungs« hat diese einfache Lebensweisheit für die Vers rungsleute in den einleuchtenden Satz umgepi man dürfe niemals jemanden über feine_ Ver Nisse hinaus versichern, wenn man verhüten daß der Versicherte selbst oder jene, zu d Gunsten die Versicherung abgeschlossen worden: zu Verbrechern werden. Das Herz Wiens gef jedenfalls den Mareks ungeteilt. Schuldig Nichtschuldig, das war die Frage.
Alle Sachverständigen waren einig darüber, gegen das Bein nicht nur ein einziger ungluckl Hieb, sondern mehrere geführt worden sind, darüber ging die Meinung auseinander, ob der den Psychiatern als ungemein willenskraftrg, radezu genial geschilderte Marek die Verstumme! sich selber zugèfügt habe, oder ob ihm in der 1 macht nach dem ersten zufälligen Hieb etwa 1 Frau im Bewußtsein des Versicherungsbetrugs Bein vom Leib getrennt habe. Ein Sachverstand war es, der freimütig bekannte: Jgnorabimus,: etwas nicht wahrscheinlich ist, mache es noch i unmöglich. Damit war der Zweifel in bie Seele Richters und der Schöffen gesenkt, und daese sicherheit machte sich noch mitten in der Erstati der Gutachten geltend, als einmal einer der beru testen Sachverständigen und medizinischen Aw täten Wiens mit vollster Ueberzeugung ausfpi für ihn sei es klar, was hier geschehen sei: in du Augenblick entrang sich den Lippen menschenoerstehenden Richters ein Hans Sa scher Stoßseufzer: Euch, wird es ^ lc mir aber macht Ihrs schwer -— waL fü> Arzt klar ist, das kann für acn Rcchter schon sein. Und als gar, nachdem das letzte Wort letzten Plaidoyers verktt """ war und sich Rrâ Schöffin und Schöffe zur Uricrlsberatung erhc hatten, der vor der Verdammnis oder vor der rettung befindliche Marek sich von feinem Trägst in dem er im Gerichtssaal während der zwölf 3 Handlungstage lag, aufbäumte und sich 3um erf mal während der langen Verhandlungszelt seiner sonst durch nichts zu, erschütternden mtjh beherrschten Seelenruhe aufriß, indem er i Kruzifix vor dem Richter gewendet aufschrie: „ allem, was mir hellig ist und so wahr mir ( helfe, ich bin unschuldig, mir ist ein Unfall 31 stoßen und ich habe kein Verbrechen begangen da war wohl das letzte Eis geschmolzen, und Prozeß, in dem fühlende Menschen zu urte hatten, konnte nicht mehr anders ausgehen, menschlich versöhnend, mit jem Freispruch.
Cin Interview mit Frau Marek.
Frau Marek erzählte einem Zeitungsberich ftatter nach ihrer Entlassung aus dem Gefänc folgendes: „Es ist uns zum Bewußtsein gekonm daß wir durch unsere Haft völlig zugrunde geric worden sind und unser Leben von neuem begin müssen. Unsere Gläubiger haben sich uns gegen! äußerst unbarmherzig benommen. Sie haben un Wohnung vollkommen ausgeräumt. Der Hau: sitzer wollte unsere Haft als Kündigungsgrund nutzen. Die Elektrizitätswerke haben in unh Wohnung das Licht abgesperrt. Wir fmb a Mittel entblößt und würden obdachlos jein, w nicht der Besitzer eines Hotels uqs uneigennützig terkunft in seinem Hause angeboten gälte. Ui Perteidiger, der uns nach der Urteilsverkundig im Rettungsauto hierher gebracht hat, hat uns Abendbrot bezahlt, weil wir vollkommen ohne 6 waren. Mein Mann, dessen Wundheilung ei äußerst schwierigen Verlauf nimmt und eine nee liche Amputation notwendig machen wird, ist in sehbarer Zeit nicht arbeitsfähig." Ueber die . kunftspläne ihres Mannes konnte Frau Marek r läufig nichts sagen. Es fei ihr auch ^iod) nicht kannt, in welcher Weise die Ansprüche gegenü der Versicherungsgesellschaft geltend gemacht wer würden. Sie und ihr Mann überließen dies o ständig den Anwälten. Frau Marek hob noch I vor, daß die Anwälte keinerlei Honorar geiwmr hätten und sich auch weigerten, m Zukunft solches anzunehmen.
Drei Knaben verbrannt.
Ein furchtbares Brandunglück ereignete sich dem Gehöft des Besitzers Schwatlo in Linden bei Sensburg (Dftpr.). Das Feuer brach in der füllten Scheune aus, in der sich die im Alter r 5—^8 Jahren stehenden Jungen eingeschlossen h ten, um ungestört Zigaretten zu rauchen. Er g- mit solcher Schnelligkeit um sich, daß nur eh der Knaben aus den Flammen gerettet werk konnte. Seine Brandwunden waren jedoch schwer, daß er nach wenigen Stunden starb ; r den beiden Brüdern fand man nur die verkohl, Leichen. Außer der Scheune brannte noch ein g ßes Stallgebäude mit dem gesamten Invem nieder.
2lcht Fischer erfreuten.
Oslo, 12. April. Bei Risoaer in den Lofoten ein Fischkutter unterqegangen. Acht Mann der 9 faÈung kamen ums Peoen, drei wurden aerettet