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Hanaue

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Sezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Für platzvorschrift u. Erscheinungslage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.^Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956, 3951,3958

Zuifischev Protest an Ma

Kbbevufuns des vuillMen GeschSßistvLsevS aus Ehlna.

Moskau, 10. April. Gestern ist dem chinesi- Geschäftsträger in Moskau eine Rote der ! roidregterung überreicht worden, in der die vor- ie auf dem Gebiet der russischen Botschaft in Pe- g als eine unerhörte Verletzung der grundlegen- I Bestimmungen des Volkerechts bezeichnet wor- die ohne Beispiel daständen. Die Auffindung

, Waffen und Dokumenten, welche die Vorberei- en eines Ausstandes erwiesen hätten, wird als Kommen unglaubhaft und unwahrscheinlich be- Ânet Wenn die Pekinger Regierung den ver- ht gehegt habe, daß aus dem Gebiet der Sorojet- ischast befindliche chinesische Bürger gegen die teressen der Pekinger Regierung arbeiteten, so lle sie sich an den sowjetrussischen Geschäftsträger, aber an das diplomatische Korps wenden iffen. Die Role deutet dann an, daß das Dor­ten der Pekings Regierung auf ausländische Ein- sse zurückzusühcen sei, und verlangt unter ent- edenem Protest gegen die vorgefallenen Gewalt­en und Rechtsverletzungen die unverzügliche Râu- ing der besetzten Gebäude, die unverzügliche Frei- iung der verhafteten Angestellten von sowjet- sischen Institutionen und die unverzügliche Rück- K sämtlicher beschlagnahmter Gegenstände und ifuniente. Bis zur Erfüllung dieser Forderungen ruft die Sowjetregierung zum Zeichen des Pro- es ihren Geschäftsträger mit der ganzen Gesandt­er aus Peking ab, wo nur das Personal für den nsulardienst zurückgelassen wird. Dafür führt die ite noch aus, daß die Sowjelregicrung, obwohl über die Mittel zu schärfsten Repressalien ver- xe, dennoch auf derartige Maßnahmen verzichte.

die Lage klar sei, daß verantwortungslose aus- Nische JmperwN sten die Sowjetunion zum Kriege sponseren wolle, und düß das Kabinett von Be- ä âls ihr Werkzeug benutzt .werde. Die Sorojei- nerung werde im Interesse der chinesischen wie

Arbeiterklasse aller Länder mit allen Mitteln die che des völkèrsriedens verfechten-

*

Moskau, 10 April. Das Regierungsblatt swestija" bemerkt in einem Leitartikel, daß die oßmächle die Absicht hätten, die Razzia in der issischeen Botschaft in Peking zum Vorspiel eines uen Weltkrieges zu gestalten, den die Sowjelregle- ng mit allen Kräften und unter gleichzeitiger Auf- chierhaltung ihrer eigenen Würde zu vermeiden che. Zweifellos solle der Angriff auf die Botschaft Provokation darstellen. Die unverantwortlichen ständischen Imperialisten beabsichtigten, daß diese rwaltmaßnahmen zu einem militärischen Konflikt hren sollten, der ihnen in China freies Spiel ben würde und ihre offene Intervention als ge- chtfertigl erscheinen ließe. Mit Bezugnahme aus r Rückberufung des russischen Geschäftsträgers üer gleichzeitiger Belassung der Konsularbeamten if ihren Posten erklärt das Blatt: Ein ähnlicher (htiff eines bürgerlichen Staates würde als ein eichen von Schwäche angesehen und als Preslige- rlust betrachtet werden. Die Sowjetregierung ba- 20? n hält es für wichtiger, sich nicht in einen be- affneten Konflikt hineinzieehen zu lassen, als ihr festige gegenüber den anderen Mächten aufrecht­eer Hallen und hre Macht zu zeigen.

Das EOs dsv Wväs-rwLs.

. Tokio, 10. April. Zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und China erklärte ir Direktor des Asiatischen Büros des Außenmini- eriums, Kimura: Dieser Schritt der russischen egierung erscheint mir als eine logische Folge der azzia auf die Gesandschaftsgebäude in Peking. Die »panische Regierung glaubt nicht an die Möglichkeit wer russischen Mobilisierung oder an eine De- totjung der japanischen Interessen in der Mand- Hurei. Jedenfalls besteht keine direkte B e - nruhigung.

Die erste Nachricht von dem Abbruch der Ds- ehungen traf im Außenministerium heute nach- littag ein. Man erwartet, daß das Kabinett i kürzester Frist zusammentreten wird, um die age zu besprechen. Trotz der zuversichtlichen Er- ärung Kimuras scheinen die maßgebenden Regie- ungsstellen nicht ohne Sorge.

London, 11 April. Laut Preß Assoziation ist 1 Londoner diplomatischen Kreisen unter Bezug- ahme aus die Rote der Sowjetregierung zu den wischenfällen in Peking gestern abend erklärt wor- ?n, wenn Rußlands Geschäftsträger aus Peking bberufen würde, so würde dies als öffentliche Teil- ahme Rußlands am chinesischen Bürgerkrieg auf- efaßt werden.

KnMrbe Sknanrrevuttg 7

London, 10. April. .Daily Telegraph" mel- <ef aus Peking: Das wichtigste Ergebnis der Durch- uchung der rusiischen Botschaft ist die Entdeckung >on Beweismalerial gewesen, wonach General Eschen eine wöchentliche Zahlung von 15 000 Dollar von der Sowjetregie- ' u n g erhält.

(Tschen ist der AuhenTninister der Kanton- Regierung.)

Er« en-rrsibev LevftSver beWoffett.

London. 10. April. Amerikanische Meldungen aus' linaen Eingang, aber auch in gewissen Kreisen der Besing berichten, daß auf Grund von InstruktioneuJntellektuellen und in Teilen des Meeres.

des Pekinger diplomatischen Korps und der Kon­suln Amerikas und der europäischen Mächte alle Amerikaner und Europäer in Hongkong, Schanghai und Tientsin konzentriert werden sollen unter dein Schutz der Besatzungstruppen und der Schifssge- schütze, bis in China wieder geordnete Verhältnisse geschaffen sind. Das gesamte Gebiet Chinas, sowohl im Bereich der Kantontruppen als auch im Bereich von Tschang Tso Lin und General Feng, soll voll­ständig von den Fremden geräumt werden. In Pe­king bleiben nur die Diplomaten ohne ihre Fami­lien und die Gesandschaftswachen zurück.

Die englische Admiratität teilt mit, daß ein eng­lischer Zerstörer 15 Meilen unterhalb von Sunkiang mit Schrapnell- und Gewehrfeuer beschossen worden ist. Der Zerstörer erwiderte das Feuer. Lin chine­sisches Geschütz wurde außer Gefecht gesetzt und eine Kaserne schwer beschädigt. Auf britischer Seite sind Verluste nicht zu verzeichnen.

M« KnseboL des rKanton- v§srev«ns an -Sa^tu

London, 10. April. Nach einer Reutermeldung aus Hankau soll der Außenminister der Kanton­regierung, Tschen, den japanischen Generalkonsul Takao ersucht haben, seiner Regierung sofort fol­gendes Anerbieten zu überreichen: Die nationali­stische Regierung ist bereit, sich nicht mit der japa­nischen Konzession in Han kau zu befassen. Sie wird nicht ihre Rückgabe fordern und alle japanfeindliche Agitation in China unterdrücken, vorausgesetzt, daß Japan davon Abstand nimmt, sich Großbritannien und den Bereinigten Staaten bei der Absendung eines Ultimatums an die nationalistische Regierung anzuschließen.

3» Lass iw ^«Sms.

Paris, 10. April. DerInformation* wird aus Schanghai berichtet: In der japanischen Konzessions­zone von Hantau ist das Standrecht ausgerufen wor­den. Die ^one wird in den Verteidigungszustand versetzt. U. a. sind von den japanischen Soldaten Laufgräben gezogen worden.

I«V Lage 8« GMimghM.

Paris, 10. April. Wie der Sonderberichterstatter der Havasagentur aus Schanghai meldet, trägt man sich in eNLlischen Kreisen von Schanghai mit dem Gedanken einer militärisch e n Aktion, um die Zone, in der die internationalen Streitkräfte die Kontrolle ausüben, zu erweitern. Auch glaubt man, daß eine Aktion in Nanking notwendig werden würde, um die Truppen der Kantonregierung von der Eisenbahnstrecke PekingSchanghai zu vertrei­bet. Gewisse englische Kreise von Schanghai wollten auch einen Sieg der gemäßigteren Elemente der Kuomintangpartei verhindern, weil sie diese wegen ihrer geschickteren diplomatischen Methoden für viel gefährlicher hielten als die Kommunisten. Es wird sogar behauptet, daß gewiße Engländer die Kom­munisten begünstigen möchten, um die Londoner Regierung zu einem energischen Vorgehen zu ver­anlassen.

Bovah übev Ehkna.

Worcester, 11. April. Senator Borah erklärte hier vor dem Economy-Club, die Politik der Ver­einigten Staaten dürfe nicht mit der britischen Po­litik indentifiziert werden. Die Vereinigten Staaten seien mit England befreundet, aber die amerikani­schen Interessen seien durchaus verschieden von denen Englands. Englands Chinapolitik beruhe nur auf feinen Interessen in Indien. Die Vereinigten Staaten wollen aber nur ihre eigenen Interessen schützen. Rußland versucht offenbar in China Ein­fluß zu gewinnen, das werde aber erfolglos sein, sobald die Südchineien ganz China beherrschen, werden sie sich von dem Bolschewismus trennen.

Das Gioâssr des ttaiiottalifiiftbett

ÄovmavMes.

Schanghai, 10. April. Nach einer funkentelegra­phischen Meldung aus Tschinkiang hat Suntschuan- ang auf seinem erfolgreichen Vormarsch an drei Punkten das Nordufer des Pangtse erreicht. Obwohl die nordchinesischen Truppen den Fluß nicht über- schritten haben, ziehen sich die Nationalisten längs der Eisenbahn nach Tschangtschau und Nanking zu­rück. Es bestehen Anzeichen dafür, daß die Nationa­listen auch Puckau zu räumen beginnen. Eine Funk­meldung aus Hankau berichtet, daß die nationali- tischen Truppen in Wutschang sich für Dchiang Kai- chek erklärt haben. Hartnäckige Gerüchte behaupten, daß in kurzer Zeit Nanking anstelle von Hankau zur Hauptstadt des nationalistischen Chinas erklärt wer-

den wird.

^ommunMr-che Melle in Gvterbenland.

Athen. 10. April. Aus verschiedenen Teilen Griechenlands wird ein Anschwellen der kommunisti­schen Bewegung gemeldet, besonders aus Saloniki, wo es auch vereinzelt zu Gewalttätigkeiten gekom­men sein soll. Die kommunistische Propaganda findet hauptsächlich bei den kleinasiatischen Flücht-

Oie Seie6eäM8«n6 des Äe»e«8- ttieieetolè.

Eine Erklärung des Grafen Bernstorff.

Genf, 9. April. In der heutigen Dormittags- sitzung der vorbereitenden Abrüstungskommission wurde über den Antrag dec deutschen Delegation auf Beschränkung Jies Kriegsmaterials der Land­armee diskuttiert.

Der deutsche Antrag sieht die Festsetzung von Maximalziffern für folgende Rüstungskategorien der Landarmee vor: 1. Karabiner und Gewehre, 2. Maschinengewehre, 3. Kanonen unter 15 Zenti­meter, 4. Kanonen über 15 Zentimeter, 5. Mörser, 6. Tanks, 7. Panzerautomobile.

Dann gab

Graf Bernstorff

folgende Erklärung ab:

Für Deutschland wie für jedes Land, das ernst­lich die Abrüstung anstrebt, ist die Frage der L i m i= tierung des Kriegsmaterials der Land­truppen (Geschütze, Panzerwagen, Handfeuerwaffen usw.) von entscheidender Bedeutung, da dieses Ma­terial im Kriege, wie er heute geführt werde, eine entscheidende Rolle spielt und von der Menge dieses Kriegsgerätes gleichzeitig die Zahl der von einem Staat verwendbaren Menschen abhängt. Die Einschränkung des Kriegsmaterials hat somit zwangsläufig die entsprechende Einschränkung

des Menschenmaterials zur Folge.

Die in dem der vorbereitenden Abrüstungskom­mission vorliegenden Entwurf vorgeschlagene in­direkte Limitierung des Kriegsmaterials auf dem Umwege über die Beschränkung der Heeresausgaben ist ein durchaus unbe­friedigender und praktisch wenig w i rk- samer Ersatz für die direkte Erfassung des Kriegsmaterials zum Zweck der Abrüstung. Die in­direkte Materialbeschränkung durch Verringerung des Heereshaushaltes hat auch den aufjerorbentliaj schweren Nachteil, daß die aus dem letzten Krieg herrührenden ungeheuren Materiallager zahlreicher Staaten im Heereshaushalt nicht erscheinen, da diese Lager finanzielle Aufwendungen nicht erfordern. Mindestens ebenso einfach ist die Limitierung der Mannschaftsbestände, der Flugzeuge oder gar her Pferdestärken der Flugzeugmotoren. Abzulehnen ist der Einwand, eine direkte Beschränkung des Ma­terials.

Die Welt will Listen, über welche Kräfte an Menschen und Material ein Land nach der Ab­rüstung verfügt. Ohne diese Kenntnis ist der not­wendige An- und Ausgleich der Rüstungen mcht möglich. _ ,

Die direkte Limitierung des Kriegsmaterials würde auch die Möglichkeit eines aggressiven Ueber- falles sehr stark einengen; denn der Bestand an Kriegsmaterial, besonders an Munition, ist entschei­dend für die gerade bei der Abrüstungsfrage so wichtige Angriffs- und Stoßkraft. Die deutsche Delegation hat einen Vorschlag eingebracht, nach welchem alle Staaten verpflichtet werden, ihre Be­stände an Kriegsmaterial pflichtmäßig unter Nen­nung der für die einzelnen Waffen verfügbaren Munition anzugeben.

Ich erkläre in aller Form, daß eine Abrustungs- konvention, welche die wesentlichsten Kategorien des Kriegsmaterials nicht wenigstens in der einfachen Form oder in ähnlicher Weise erfaßt, wie ich es vorgeschlagen habe,

nicht als eine befriedigende Lösung angesehen werden kann.

Die öffentliche Meinung will, daß die Waffen ab­gelegt werden. Sie wartet darauf. Sie will nicht Umwege, sondern klare Tatsachen.

*

Genf. 9. April. Der vorbereitende Ausschuß der Abrüstungskonferenz hat die Aussprache über den deutschen Vorschlag auf direkte Begrenzung des Kriegsmaterials abgeschlossen. In erster Lesung wurde eine Einigung nicht erzielt. Graf Bernstorff bedauerte, daß die Annahme seines Vorschlages, der nichts anderes verlangt, als was die Artikel des Völkerbundspaktes enthielten, un­möglich erschien. Die deutsche Regierung werde bei den weiteren Verhandlungen auf ihren Vorschlag wieder zurückkommen, da er

für Deutschland von vitaler Bedeutung sei. Er meldet schließlich einen formellen Dorbehall wegen Nichtberücksichtigung des Grundsatzes der direkten Begrenzung des Kriegsmaterials an, der in den Konventionsentwurf ausgenommen werden soll. Der Vorsitzende Loudon sagte ihm Erfüllung die­ses Wunsches zu.

^seM bei Vsiarrd.

Paris, 9. April. Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte gestern eine längere Besprechung mit Außenminister Briand. Die Unterredung betraf hauptsächlich die Aufnahme der deutsch-französischen Verhandlungen über den künftigen definitiven

Handelsvertrag.

Am Quai d'Orsay äußert man sich über das Er­gebnis der gestrigen Besprechung im allgemeinen günstig, betont jedoch, daß es sich in der Hauptsache um eine Vertiefung der Aussprache über die näch­sten Etappen der deutsch-französischen Annäherungs­politik handelte.

Dev âolmavos AntovomisSsn

Die Ursache b?« Mißstimmung im Elsaß. Unangenehme Wahrheiten für Frankreich.

Kolmar, 9. April. Vor dem Schwurgericht in Kolmar begann gestern der Prozeß gegen das Pa­riserJournal" und seinen Mitarbeiter Helsey, das im Januar d. J. eine Artikelserie über die im Elsaß herrschende Mißstimmung veröffentlicht hatte, in der u a. dem AbbL Haegy, der eine führende Stellung in Politik und Presse im Elsaß einnimmt, angebliche Beziehungen zu deutschen Politikern und die Förde­rung der sogenannten autonomistischen Bewegung vorgeworfen worden war. AbbL Haegy strengte eine Derleumdungsklage an. DasJournal" ent­sandte zu dem Prozeß nicht weniger als fünf Rechts­anwälte, darunter den ehemaligen Minister Leon Berard. Don beiden Seiten wurden über hundert Zeugen geladen, von denen die meisten, so auch Graf Westarp und der Industrielle Röchling, zu der heutigen Verhandlung nicht erschienen waren. Gleich die Vernehmung der beiden ersten vom Kläger ge­stellten Zeugen führte mitten in die politische Ma­terie. Senator AbbL Müller und der ehemalige preußische Landtagsabgeordnete Brogly erklärten es übereinstimmend für ausgeschlossen, daß zwischen Haegy und deutschen Staatsmännern, wie etwa Marx und Stegerwald, irgendwelche Verbindungen zum Zwecke der Loslösung Elsaß-Lothringens von Frankreich bestanden. Im übrigen sagte Abbè Müller bei dieser Gelegenheit aus, daß selbst an verantwortlicher Stelle in Paris die Aufrechter- hallung der aus früheren Zeiten bestehenden Der- bindungen zwischen elsässischen und deutschen Poli­tikern gewünscht werde, weil man daraus eine För­derung der deutsch-französischen Annäherung erhoffe. Beide Zeugen sahen die Ursache für die im Elsaß bestehende Mißstimmung keineswegs in der deut­schen Propaganda, sondern in der von Frankreich bewiesenen Verständnislosigkeit für elsäsiische Eigen­art auf verwaltungstechnischem, sprachlichem und kulturellem Gebiet, sowie in der von Paris aus be­triebenen überstürzten Asfimilierungspolitit. Haegy habe immer nur den Regionalismus, d. h. dis For­derung nach Derwaltungsdezentralisation, vertreten, die weitgehendste Forderung der Autonomisten auf politische Selbständigkeit innerhalb des französischen Staates aber abgelehnt. Die Existenz eines elsässi­schen Separatismus wurde von den Zeugen be­stritten. Insbesondere wies Abbe Müller energisch das bequeme Mittel zurück, daß man in Paris hinter allen unliebsamen Vorgängen im Elsaß die Hand Deutschlands sehen müsse.

In dem Prozeß des Abbe Haegy gegen das PariserJournal" wurden am Samstag vormittag eine Reihe weiterer Zeugen vernommen, die im wesentlichen der nationalen Gesinnung des Abbe Haegy das beste Zeugnis ausstellen und für die im Elsaß herrschende Mißstimmung die Sprachenfrage und die Besoldungs verhältnissederLehrerundBeamten- schaft verantwortlich machten. An der Gründung des Heimatbundes fei Haegy nicht beteiligt, viel­mehr sei diese eher gegen ihn gerichtet gewesen.

Als erster Zeuge wurde Professor Herzog aus Straßburg vernommen, der das Vorgehen in der Frage der Unterrichtssprache in den Schulen nach dem Kriege kritisierte. Der Zeuge zog sich bei diesen Ausführungen eine Rüge des Vorsitzenden zu, der ihn ermahnte, keine beleidigenden Aeußerungen gegen Frankreich zu tun. Im Anschluß daran gab Herzog Auskunft über feine Beteiligung an der Druckerei Erwinia in Straßburg. Er erklärte, seine Beteiligung vor drei oder vier Tagen zurückgezogen zu haben. Als nächster Zeuge stellt AbbL Gage dem AbbL Haegy das Zeugnis eines guten Franzosen aus und erklärte, die Bestrebungen des elfäsfifcheri Klerus zielten lediglich auf Erfüllung ihrer Forde­rungen auf dem religiösen und Schulgebiet hin. Profefsor-Lang-Mülheim erklärte dann als nächster Zeuge, die elsässischen Beamten befänden sich in dem Gewissenskonflikt, als Katholiken, die französi­schen Laiengesetze bekämpfen, und als Franzosen diese Gesetze als Grundgesetze achten zu müssen. Zeuge Kaestl, Chefredakteur der Straßburger Zei­tungDer Elsässer" erklärte, feine Zeitung fei von Haegy unabhängig. Der Zeuge berichtet dann von einem Vorfall in der Kriegszeit, wo angeblich der deutsche Reichskanzler von Bethmann-Hollweg die Entfernung des damaligen Reichstagsabgeordneten Haegy aus dem Finanzausschuß des Reichstage»: verlangt haben soll, da er ein Landesverräter fei Einem solchen Manne könne man nicht den Vor­wurf machen, daß er deutschfreundlich sei. Zeuge Obersteg erklärt, die Aeußerungen Haegys:Ich liebe das atheistische Frankreich nicht", nicht gehör! zu haben. Der Generalsekretär beim Bürgermeister­amt, Käppi, erklärt, der Heimatbund sei zum Teil eine Gründung gegen Haegy gewesen, weil besten Presse nicht scharf genug vorgegangen sei. Haegys Einfluß sei mäßig gewesen.

Die Nachmittagssitzung brachte die Vernehmung der elsässischen Abgeordneten Dr. Oberkirch, Brohm, der elsässischen Abgeordneten Dr. Oberkirch, Brohm und Michel. Oberkirch erklärte, die Mißstimmung im Elsaß fei nicht erst durch die publizistische Tätig­keit des Klägers hervorgerufen worden. Die Ur­sache der Mißstimmung liege in dem Unterschied zwischen der französischen Staatsorganisation mit ihrer Verwaltungszentralissierung und der im Elsaß überaus stark entwickelten Idee vom föderalistischen oder rcgionalistischen Staatswesen. Eine weitere Ursache sei die lange hindurch drohende Einführung der Laiengesetzgebung im Elsaß gewesen.