Genera! Anzeiger für
Dan au «Stadt und Land
Gamstas de«
1922
H. SltnrU
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Genf, 8. AprU. In der heutigen Dormittagssitzung 5 Vorbereitungsausschusses für die Abrüstungs- nferenz stellte der belgische Delegierte de B r o u - aère fest, daß
eine Begrenzung der Rüstungen bis jetzt eigent-
■ lich auf keinem einzigen Gebiete beschlossen arde. Zuerst habe man von der Abrüstung, dann u der Herabsetzung und schließlich von der Beengung der Rüstungen gesprochen. Unter den Menblicklichen Umständen sei zu befürchten, daß an schließlich nicht einmal von einer Konvention r Begrenzung der Rüstungen, sondern nur noch in einer Konvention über die Veröffentlichung und wisse Vereinbarungen über den Rüstungsstand der nzelnen Länder werde sprechen können. Er ver- i)te nach dieser Feststellung auf nutzloses Reden ib es bleibe ihm, wie er mit bewegter Stimme >loß, nichts anderes übrig, als sich auf seinen Stuhl ederzusetzen.
Lord Cecil versuchte Brouquère zu trösten mit n Hinweisen aus die langsame Entwicklung der ölkerbundsarbeit, in welcher es immerhin vor- ärts gehe. Er sprach sich nicht direkt gegen die usaabenbeschränkung aus, finüet sie jedoch nicht stolut notwendig. Nach der gestern beschlossenen eröffentlichung der Militärbudgets werde man in nigen Jahren weiterkommen können. Geduld, Ge- ilb und noch einmal Geduld sei das Geheimnis und aupterfordernis zum Erfolg in der Abrüstungs age.
Paul B o n c o u r, dem sein Spiel durch die bei
gen Cecil, mit der Miene eines wahren Ab- iftungsapoftcls in die Mitte zwischen den weh- agenden Belgier und den tröstenden Engländer, r gefiel sich darin, von neuem die mangelnde icherheit, die Schwierigkeit der politischenn Lage ir den geringen Fortschritt verantwortlich zu rachen, er erinnerte an das Genfer Protokoll, frü- ere französische Pläne, stellte fest, daß eine Begren- mg der Landrüstungen ohne gleichzeitige Begren- ang der See- und Luftrüstungen abgelehnt werden lüsse, um dann in lyrischem Ton den herrlichen ag zu feiern, an dem alle Heere nur noch Solda- m des Völkerbundes wären, und die Verantwor- mg dafür, daß dieser herrliche Tag noch nicht ge- ammen ist, auf andere abzuwälzen. Dank dieser realistischen Rhetorik, die der hinter ihm sitzende iberst R e q u i n mit Stirnrunzeln anhörte, war s Herrn Paul Boncour, was Requin offenbar nie egreifen wird, nur um so leichter, dann in aller ächönheit die Anweisungen des französischen Gene- alstabs durchzuführen. Er lehnte es glatt ab, daß ine Fcftlandmacht die Verringerung des auszuhe- enden Kontingents, d. h. der'ausgebildeten Refer- ■ 3en, hinnehmen könne. Er erklärte es für unmöglich, vas Bernstorff gefordert hatte, das gelagerte Ma- erial unmittelbar zu fassey, solange nicht eine trenge Kontrolle vorhanden sei, d. h. der Völkerbund lollkommen ausgebildet wäre. Somit bleibt nur, Die er sagte, die dritte lichtvolle Methode, die der öeschränkung der Heereshaushalte. Danach folgten Dieder einige großherzige, sichtlich für die Zweite Internationale bestimmte grundsätzliche Erklärungen.
Im weiteren Verlaufe der Aussprache ergriff per deutsche Delegierte
Gvaf Bevtts-tVBF
das Wort. Ich widersetze mich nicht, so führte er ii a. aus, der Rüstungsbeschränkung durch Ausgabenbeschränkung, aber diese Methode ist nach meiner Auffassung nur ein ergänzender Weg.
Unsere Aufgabe ist es, die Esseklivbestände, die Reserven und das Rüstungsmaterial zu erfassen.
Für uns ist nur der Vergleich der Rüstungen von Interesse, denn er allein könnte zur Herabsetzung der Rüstungen führen, die allein Gegenstand des Artikels 8 des Völkerbundspaktes sind, der nicht etwa von Begrenzung der Rüstungen, sondern ausdrücklich von Herabsetzung der Rüstungen spricht.
Ich bin also auf Grund dieses Artikels 8 des Völkerbundspaktes ermächtigt, diese Herabsetzung der Rüstungen zu verlangen.
Ohne Herabsetzung der Rüstungen würde der V ö l - kerbundeinTorso bleiben und seine Tätigkeit würde für die nächsten fünf Jahre gelähmt sein. Auch die deutsche Abordnung wolle das herrliche Zukunftsideal, das Herr Paul Boncour so beredt ge- schlldert habe, herbeiführen; aber ohne Rüstungs- ausgleich sei es niemals zu verwirklichen. Zu Lord ' Robert Cecil gewandt, sagte Graf Bernstorff m i t erhobener Stimme: „Lord Robert Cecil fordert uns auf, Geduld zu haben. Darauf darf ich antworten, daß das deutsche Volk in den Abrüstungsfragen und in vielen andern Fragen seit Beendigung des Krieges eine Geduld gezeigt hat, die beispielslos in der Weltgeschichte ist."
In der Nachmittagssitzung erwiderte der französische Delegierte
Paul Boncour
auf die Ausführungen des Grafen Bernstorff. Er führte iL a. aus: Es ist richtig, dak bie Präambel
zu Teil fünf des Versailler Vertrages die Begrenzung der Rüstungen betrifft, die Deutschland als Voraussetzung und als Vorläufer einer allgemeinen Beschränkung der Rüstungen auferlegt wurde. Die Rüstungsbeschränkung Deutschlands ist eine moralische und juristische Verpflichtung für die anderen Unterzeichner, die allgemeine Begrenzung der Rüstungen in Angriff zu nehmen. Aber aus den Darlegungen des deutschen Delegierten ging nur die eine Seite des Problems hervor, nämlich die Verpflichtung der anderen Staaten zur allgemeinen Rüstungsbeschränkung. Wenn der-deutsche Delegierte von der An- und Ausgleichung der Rüstungen aufgrund des Art. 8 des Völkerbundspaktes sprach, so kann diese nicht angenommen werden, denn wir würden damit gerade das Gegenteil von dem tun, was die Grundlage und die allgemeine Rechtung unserer Arbeiten bildet. Würde es sich nur um eine Nivellierung handeln, d. h. darum, sämtliche Unterzeichner des Vertrages auf ein gleichartiges Rüstungsniveau zu bringen, wäre das Problem einfach, sogar zu einfach. Aber durch diese Nivellierung würde gewiß das Problem nicht in gerechter und in einer die Sicherheit auf dauerhafteste Grundlagen stellenden Weise gelöst. Die Nivellierung wäre nur eine Scheinlösung.
Die Schwierigkeit liegt gerade darin, daß es sich nicht darum handelt, die Rüstungen auf ein gleichartiges Niveau zu bringen, sondern das für jeden Staat notwendige Minimum von Streitkräften festzusetzen und zwar unter Berücksichtigung der geo= graphischen und sonstigen besonderen Umstände" jedes einzelnen Staates. Diese Umstände aber sind sehr verschieden und hängen von den besonderen Verhältnissen zur See, zu Lande, der industriellen Produktionskraft eines Landes usw. ab.
Osaff WevMsE
antwortete: Mit großer Genugtuung stelle ich fest, daß der Vertreter Frankreichs die Wechselseitigkeit der Präambel des 5. Teiles des Versailler Vertrages als juristische und moralische beiderseitige Verpflichtung anerkannt hat. Nach dieser Feststellung gibt es zwischen ihm und mir fast keine Meinungsverschiedenheit über den Grundsatz mehr, und Paul Boncour weiß sehr wohl, daß niemand mehr als ich den Wunsch hat, daß auch die noch bestehende Meinungsverschiedenheit in Bezug auf die durch den Völkerbund gewährleistete Sicherheit beseitigt wird, aber ich habe lediglich gesagt, daß dieser Artikel
eine Herabsetzung der Rüstungen und nicht
bloß eine Beschränkung der Rüstungen verlangt. Ueber diesen Punkt gibt es, glaube ich, keinen Zweifel. Das schöne Zukunftsgemälde, das der französische Delegierte heute vormittag in Bezug auf die durch den Völkerbund gewährleistete Sicherheit entworfen hat, wird aber, so fuhr er fort, so lange nicht verwirklicht werden können, als ein großes Volk im Herzen Euro p a s v o llko mm e n abgerüftet ist, ohne die Möglichkeit der Verteidigung gegen seine Nachbarn zu haben, falls sie es angrèifen wollten, und nicht einmal genügend gerüstet ist, um seine Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund zu erfüllen.
Es wäre wahrhaftig zu viel, wenn man von Deutschland verlangen wollte, daß es jetzt eine Konvention unterzeichnen soll, die nichts anderes als eine Verewigung dieses Zustandes bedeuten würde.
Das wäre wahrhaftig unmöglich. Ich habe dieser Tage in einem amtlichen Dokument der französischen Regierung ein Wort gelesen, das auf mich einen sehr großen Eindruck gemacht, und das ich hier an dieser Stelle wiederholen möchte. Man las in diesem Dokument: „Frankreich kämpft für die Gleichheit der Völker!" Nun wohl, so rief Graf Bernstorff aus: Hic R h o d u s, h i c s a 11 a ! Ich wäre dankbar, wenn der französische Delegierte hier für die Gleichhei t d er Völker kämpfen wollte. Dann würden die Völker und insbesondere die beiden, von denen ich soeben gesprochen habe, in der besten Freundschaft leben.
Morgen folgt nun die Beratung des deutschen Antrages für eine direkte Beschränkung der Materialvorräte der Landheere, bei welcher es ebenfalls eine zähe Debatte obsetzen wird.
Oftevfevke« im Landtag
Berlin, 8. April. Der Preußische Landtag stimmte am F-eitag zunächst einer Reihe von Anträgen des Hauptausjchusses zu. Annahme findet u. a. der Antrag der Regierungsparteien, im Benehmen mit der Reichsregierung zur Wiederbeleung notleidender Kurorte, besonders im besetzten und besetzt gewesenem Gebiet, den Betrag von 1,5 Mill. Mark zur Verfügung zu stellen. Auch eine Reihe von Anträgen des Landwirtschaftsausschusses fand Annahme. Sie betreffen die Entschädigung von Hoch
nähme. Sie betreffen die Entschädigung . . Wasserschäden, die Linderung der Not der aus den Abtretungsgebieten vertriebenen Domänenpächter, die Freigabe von Bienenzucker von der Derbrauchs- abgabe. Gleichfalls ohne Aussprache verabschiedet wird der Entwurf über die Vermehrung und Ver-
besserung von Arbeiterwohnungen auf den Domänen.
Hieauf bekämpfte Abg. Pieck (Komm.) den Vorschlag des Ausschusses, die Genehmigung zur Strafverfolgung des kommunistischen Abgeordneten Grube wegen Beleidigung des Reichspräsidenten zu erteilen. Hierüber findet die namentliche Abstimmung erst nach der Osterpause statt.
In zweiter und dritter Lesung wird die Novelle zum Diätengesetz für die Mitglieder und den Präsidenten des Preußischen Landtages ohne Aussprache
verabschiedet.
Hierauf vertagte sich das Haus auf Dienstag den 3. Mai. Der Haushalt der Bergverwaltung soll
zu-
nächst zur Beratung gestellt werden.
Präsident Bartels entläßt die Mitglieder des Landtages mit den besten Wünschen für die Osterferien.
OVsMsn tmfi dem GSaatS- sevWtshsf an.
Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, wird nunmehr, nachdem das Gesetz über die Vier- steuergemeinschaft im Reichsrak angenommen worden ist, die preußische Staatsregierung beim Staatsgerichtshof die Feststellungsklage einreichen lasten, ob dieses Gesetz verfassungsmäßig zustande gekommen ist. Eine besondere Beschlußfassung des preussischen Kabinetts wird nicht mehr erfolgen.
GMedsfVvsE im KeèsbsbÄh«- SonMN
Die vom Reichsarbeitsministerium eingesetzte Schlichtungskammer für die Lohnregelung bei der Eisenbahn hat sich gestern mit der Lohnfrage beschäftigt. In später Abendstunde wurde ein Schiedsspruch mit Mehrheit angenommen. Der Schiedsspruch bringt allen vorjährigen Arbeitern der Lohn- grupven 1—7 4 Pfg. Lohnerhöhung, der Lohngruppe 8 3 Pfg., ab 1. Oktober allen Lohngruppen i Pfg. Für die ersten drei Ueberstunüen über 48 Stunden in der Woche wird ein Zuschlag von 15 Proz., für die zweiten drei Stunden ein Zuschlag von 25 Proz. bezahlt. Diese Regelung tritt am 1. April in Kraft.
Ins Lase r« O?««.
Schanghai, 8. April. (Reuter.) Dchiang Kai-fchsk ist nach Nanking abgereist, wie angenommen wird, um die Vorbereitungen für die militärischen Unternehmungen nördlich des Jangtse zu treffen. Eine Abteilung japanischer Marinesoldaten ist gestern bei einem Patrouillengang im Norden Schanghais von chinesischen Freischärlern unter Feuer genommen worden, wobei ein Japaner schwer verwundet wurde. Das Gewehrfeuer hielt bis zum Eintreffen englischer und japanischer Verstärkungen an.
Paris, 8. April. Der Sonderberichterstatter der Havas-Agentur in Schanghai berichtet: In h a n k a u sei ein Manifest verbreitet worden, das die aufständischen Soldaten und Marincsoldaten zur Revolte aufrufe. Die fremdenfeindliche Propaganda habe nunmehr dazu geführt, daß die bisher Frankreich gegenüber wohlwollende Haltung ins Gegenteil umgeschlagen sei, und gegen Fankreich die gleichen Anschuldigungen des Imperialismus erhoben würden wie gegen England. Die Japaner seien wegen der Vorgänge in der letzten Nacht außerordentlich beunruhigt. Das chinesische Stadtviertel Schapei, das bei der japanischen Konzession liege, sei von Streikenden durchzogen gewesen, die blindlings überallhin geschossen hätten. Man erwarte jeden Augenblick den Ausbruch eines Konfliktes. Die Vertreter der Großmächte hätten sich auf eine gemeinsame Formel geeinigt, die von der Kantonregierung Genugtuung für die Vorfälle von Ronking fordert. Die eventuellen Sanktionen seien noch nicht präzisiert. hierüber werde noch verhandelt. Es verstärke sich die Ansicht, daß bei der gegenwärtig außerordentlich erregten Haltung der Bevölkerung jede Verzögerung der Regelung der Ranking-Affüce den extremistischen Elementen Vorschub leisten würde.
Washington, 8. April. Ein amtlicher Bericht des Admirals Williams aus Schanghai meldet, es seien weitere 800 japanische Soldaten in Schanghai gelandet worden, da Freischärler japanische Wachen beschossen hätten.
Hongkong, 8. April. Das erste Bataillon des Middlesex-Regiments hat sich heute nach Schanghai eingeschifft.
LNssDem rmd ^sMrW.
Paris, 9. April. Der Sonderberichterstatter des „Temps" in Peking hält jede Vermutung darüber für schwierig, welche Folgen die durch die Haussuchung der chinesischen Polizei in der Ru'sisch- Asiatischen Bank und anderen russischen im Gesandtschaftsviertel von Peking liegenden Gebäuden veranlaßten Zwischenfälle nach sich ziehen werden.
anlaßten ^, mischens. .lle nach sich ziehen werden. nurtei nm letrt->n ^nnntna ein Beschluß gefaßt Augenscheinlich wird die Moskauer Regierung Pro- pQrt®1 am ^SN Sonntag em « W
test erheben und wahrscheinlich auch Repressalien ^worden war, der sich gegen ein $ *
anwenden. Eine Reaktion werde auch bei zahl-, ^s die Schulfragen einbegreift, wendet, reichen Anhängern der Kuomintangpartei in Peking persönliche Ansicht des Reichsaußenminisiers ___1 1„„1~„_____i.L ' Dr. Stresemann jedoch dahin ging, daß er den
und Tientsin erwartet.
Die Wocke.
Der Reichstag ist gestern in die Osterferien gegangen und wird erst in der zweiten Maiwoche wieder zusammentreten. Es muß anerkannt werden, daß im Laufe dieser Woche noch gute Arbeit geleistet worden ist. Nachdem am Dienstag die einzelnen Positionen des Reichsetats in dritter Lesung verabschiedet waren, folgte am Mittwoch die Schluhab- stimmung, verbunden mit der Abstimmung über die Entschließungen. Die Schlußabstimmung über den Etat war ein voller Erfolg der Regierungskoalition. Sie erfolgte mit 238
Sie gaben zwar vorher eine einschränkende Erklärung ab. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß sie den Etat in derjenigen Gestalt annahmen, die er durch das Ko der Regierungsparteien erhalten haben damit anerkannt, daß die Beranderuo- gen und Streichungen, die die Koalition vornehmen mußte, durch unsere ganze finanzielle Lage gerechtfertigt waren. Das v o r l ä u f i g^e Handelsabkommen mit Frankreich schien am Mittwoch nod) gefährdet zu sein. Die Bedenken, die sich dagegen regten, hatten fast in allen Fraktionen der Regierungskoalition Platz gegriffen, namentlich aber bei den Deutschnationalen. Die interfraktionelle» Verhandlungen haben aber dann doch zu dem Entschluß geführt, dem Abkommen zuzustimmen. Eine andere Entscheidung wäre auch kaum denkbar gewesen. Denn es handelt sich bei dem provisorischen Abkommen mit Frankreich ja nicht nur um ein isoliertes Vertrags- werk, sondern um eine Etappe, die zum Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages führen soll. Hätte man das vorläufige Abkommen abgelehnt, so wäre damit der Abbruch der Verhandlungen mit Frankreich unvermeidlich geworden und jede Hoffnung auf den Abschluß eines regelrechten Handelsvertrages geschwunden. Aus diesem Grunde haben die Regierungsparteien denn auch ihre Bedenken überwunden und zugestimmt. Man kann sowohl vom Standpunkte des Weinbaues Ärittt üben wie auch vom Standpunkte einzelner Industrien, die in dem vorläufigen Abkommen nicht berücksichtigt worden sind. Aber man darf nicht vergessen, daß es sich um Uebergangsbestim- mungen handelt, die durch ein endgültiges Abkommen ersetzt werden sollen. Auch das Arbeitszeitnotgesetz stellte an die Regierungsparteien recht erhebliche Anforderung«^ Die Lösung ist ein Kompromiß und ist deshalb nirgends voller Zufriedenheit begegnet. Innerhalb der Regierungsparteien nahm man hier^ und da recht erheblichen Anstoß an den Destim-s mungen über den Lohnzuschlag und an der Art, wie die Frage der Ueberstunden und der Beseitigung der freiwilligen Mehrarbeit geregelt worden ist. Aber auch hier hat sich schließlich das Bewußtsein durchgesetzt, daß die Koalition auch in dieser Frage zusammenhalten müßte und so ist der Entwurf gegen rechts und links durchgesetzt worden. Zu beachten ist, daß in der Opposition nicht nur die Linke stand, sondern auch die Wirtschaftliche Vereinigung, die das Gesetz vom Standpunkte des Arbeitgebers aus ablehnte. Selbst dieser vereinten Front gegenüber ist die Regierungskoa- lition in einer heiß umstrittenen Frage mit vereinten Kräften Siegerin geblieben, gewiß ein Beweis dafür, daß sie auch dann durchaus lebensfähig ist, wenn sie ganz auf sich allein gegen alle anderen Fraktionen einschließlich der Wirtschaftspartei angewiesen ist. Si? hat auch die ebenso schwierige Materie des F i - nanzausgleichs unter Dach und Fach gebracht, und damit auch die Zustimmung einer Mehrheit des Reichsrates gefunden. Also auch hier sind anfangs vorhandene, sehr scharfe Gegensätze durch gemeinsame Arbeit schließlich versöhnt worden. Die zielbewußte Arbeit der Koalition machte sich auch in dem Tempo der Verhandlungen mehr und mehr bemerkbar. Wenn man bedenkt, wie geradezu endlos früher dis Verhandlungen sich hinzogen, um doch schließlich stecken zu bleiben, so wird man anerkennen müssen, daß die Koalition Wandel geschaffen hat.
Eine lebhafte Diskussion fand über die Konkordatsfrage statt, nachdem auf der Kulturpolitischen Tagung der Deutschen Volks-