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Arschdmt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«. / LezugSpreis: Für den halben Monat 3ÖL1., für den ganzen Monat RM. 2. ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 13 R-Psg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Äreite 4 R-Psg.. im Reklaineieil von 68 mm Sreite 25 R-Pfg. , Osfertengebühr 50 R-Pfg.

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Der Reichstag hat das Arbeitszeitgefetz in Her Lesung beraten und dem Ausschuß über­lesen.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat iftern ergänzende Ausführungen über das Reichs- mtordat gemacht.

Aus Albanien kommen erneute Meldungen der Kriegsvorbereitungen.

11 Die Armee des Generals Feng-yu-Siang ist n Begriff, Peking von Osten her abzufchneiden, so die alte chinesische Hauptstadt in Verbindung ut anderen Operationen als sehr bedroht angesehen »erden muß.

»Pie AbviistmtgSkonseoem - ein neuer Sehislhiag.

Man kann nickt behaupten, daß es an dem ußeren Eifer fehle, in der Frage der Ab- üftung einen Schritt weiter zu kommen. Die Belt soll in diesem Jahre noch mit zwei Ab- üstungskonferenzen beglückt werden. Die eine st ein Programmpunkt des Völkerbundes, shrer Vorbereitung sollen die Besprechungen ' »ienen, die seit etwa zwei Wochen in Genf im c Sange sind. Bis auf Rußland sind fast alle Rationen der Welt an dieser Vorbesprechung beteiligt. Man verfolgt dabei das Ziel, eine Kerhandlungsbasis herzustellen, d. h. eine Ver- tändigung über die Grundsätze zu erreichen, rach denen dann auf der Hauptkonferenz an )ie Frage der Abrüstung herangegangen wer­den soll. Die zweite Abrüstungskonferenz ist von dem Präsidenten Coolidge nach Genf ein= berufen worden. Sie soll zu einem noch unbe- 'timmten Termin nach dem 1. Juli zusam- mentrcten. Sie soll sich lediglich mit der See­abrüstung beschäftigen und diejenigen Teile der Flotte einer Begrenzung unterwerfen, die auf der Washingtoner Konferenz im Jahre 1922 in die damalige Vereinbarung nicht mit einbezogen worden sind.

Präsident Coolidge hat mit seiner Ein­ladung nur zum Teil Erfolg gehabt. Frank­reich hat den amerikanischen Vorschlag einfach zurückgewiesen. Infolgedessen wird diese Kon­ferenz voraussichtlich nur von drei Mächten beschickt werden, nämlich von den Vereinigten Staaten, von England und Japan. Frankreich wird bestenfalls durch einen sogenannten Be­obachtungsposten vertreten sein, an den Be­schlüssen selbst aber nicht teilnehmen und eine Bindung von vornherein ablehnen. Italiens Rolle wird voraussichtlich nicht anders sein. Ein noch größerer Fehlschlag aber verspricht die Abrüstungskonferenz des Völkerbundes zu werden. Da man von vornherein wußte, wie außerordentlich schwierig dieses Verhand­lungsgebiet ist, so hat es an den sorgfältigsten Vorbereitungen nicht gefehlt. Vor dem Zu­sammentritt der gegenwärtig tagenden Kom­mission hat ein von militärischen Sachverstän­digen beschickter Unterausschuß des Völker­bundes die Hauptstreitfragen eingehend be- . handelt und schließlich ein Programm aufge­stellt, das dank der franzosenfreundlichen Mehrheit die Auffassung Frankreichs wider­spiegelt. In diesem Programm fehlt die For­derung, daß die effektive Heeresstärke herab­gesetzt werden soll. Auf der andern Seite wird verlangt, daß die militärische Leistungsfähig­kett eines Landes in Betracht gezogen werden müsse, auch wenn sie nicht in einem stehenden Heere und in vollendeter Rüstung ihren Aus­druck findet. D. h. mit anderen Worten: Frankreich läßt sich nicht einen Mann feines stehenden Heeres nehmen und operiert dabei mit der lächerlichen Behauptung, daß Deutsch­lands Leistungsfähigkeit trotz seiner völligen Entwaffnung ebenso in die Wagschals gelegt werden müsse wie die Stärke, die ein stehendes Heer mit vollendeter Rüstung verleiht.

Die gegenwärtig in Genf tagende Konfe­renz ist von demselben Gegensatz beherrscht wie der Unterausschuß. Der englische Dele­gierte, Lord Cecil, hat einen Abrüstungsvor­schlag eingebracht, der sich auf die Truppen­stärke des stehenden Heeres bezog. Demgegen­über ist der franKsische Delegierte Paul-Bon­cour dabei geblieben, daß bei Abrüstungsvor­schlägen lediglich die Berufssoldaten zählen dürfen, d. h. die Offiziere und die Unteroffi­ziere, wahrend die Soldaten unter der Fahne entweder als Rekruten oder als ausgebildete Reserven außer Betracht bleiben sollen. Zwi­schen diesen auseinandergehenden Ansichten war eine Einigung nicht zu erzielen. Ein ^en- fo schwieriger Streitgegenstand war die Frage

Dev SdevvvWdent der Rhein veovinz ruv RäumungSirage.

Düsseldorf, 4. April. Bei der heutigen Eröff­nung des 73. Rheinischen Provinzial, landtages im Ständehaus zu Düsseldorf hielt der Oberpräsident der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, die Eröffnungsansprache. Er führte u. a. aus:Ent­gegen unseren berechtigten Ansprüchen und entgegen den Erwägungen wirtschaftlicher und politischer Ver­nunft steht diefremdeBesatzungnoch immer mit 75 000 Mann auf deutschem Boden und rttit der überwiegenden Zahl innerhalb unserer Provinz. Aus dem Munde des Reichsministers des Auswär­tigen haben wir vor einigen Tagen unsere Be­obachtungen bestätigt erhalten, daß wir uns von der Erfüllung des Wunsches auf bal­dige Räumung des Rheinlandes und auf Rückgabe des Saargebietes in den letzten Monaten mehr entfernt haben, als daß wir ihr näher kamen. Niemand bedauert so sehr wie wir die in erster Linie Betroffenen das Fehlschlagen der im vergangenen Jahre empor­geblühten Hoffnungen.

So lebhaft wir auch die Befreiung ersehnen, so möchten wir doch eine vorzeitige Räumung nicht auf Kosten des Gesamtvaterlandes erstreben; wir möch­ten die Desahungsfristen keinesfalls verkürzt wissen um den Preis wirtschaftlicher oder politischer Fesse­lung von unbegrenzter Dauer. So lange eine gün­stige Lösung der Räumungsfrage unerreichbar bleibt, werden auch wir die weitere Entwicklung der Dingeohne Ausbrüche der Ungeduld" abwarten. Dabei sehen wir in die maßgebenden Stellen von Reich und Land das feste vertrauen, daß sie nach wie vor nachdrücklichst eintreten für die Erreichung der Rückwirkungen, die uns feierlichst zugesogt und bisher nur allzu wenig in die Erscheinung getreten sind.

Die wirtschaftliche Fürsorge, die das Reich und der preußische Staat den besetzten und besetzt gewesenen Gebieten angedeihen lassen, wer­den Sie mit mir dankbar anerkennen. Die seelische Bedrückung und manche äußere Last kann uns nie­mand ab nehmen. Auch können die Nachwirkungen des uns aufgezwungenen Rhein- und Ruhrkampfes nur zu einem Teil wieder gutgemacht werden. Um so mehr scheint uns die Forderung berechtigt, daß man der Bevölkerung der besetzten und besetzt ge­wesenen Gebiete und ihrer Wirtschaft j e d m ö g - liche Schonung und Förderung ange- deihen läßt, ohne die sie sich zum Nachteil des Ge­samtvaterlandes nicht erholen kann. Man darf in keinem Augenblick vergessen, daß die von der Be­setzung betroffenen Gebiete mehr gelitten haben und mehr leiden als das übrige Deutschland. Die berech­tigten Klagen, daß die besetzten Gebiete chre wäh­rend des schweren Existenzkampfes verlorenen inner­deutschen Absatzgebiete nicht wieder erlangen können, wollen nicht verstummen. Demgegenüber dürfen wir von dem verschont gebliebenen Deutsch­land erwarten, daß es für unsere Lage ausreichen­des Verständnis zeigt.

der Luftabrüstung. Auch hier ist Frankreich auf seine unbestreitbare Ueberlegenheit be­dacht, die es sich unter keinen Umständen neh­men lassen will. Es besteht deshalb darauf, daß bei irgendwelchen Verabredungen über die Abrüstung der Luftstreitkräfte die gesamte Handelsluftflotte mitgezählt werden soll. Daß es sich hier um eine ganz ungerechtfertigte Forderung handelt, ist jedem Sachverstän­digen von vornherein klar. Es ist ganz un­möglich, die Verkehrsflugzeuge in Kampf­maschinen umzuwandeln. Sie sind nicht einmal für den Aufklärungsdienst verwendbar, da jede Anlage fehlt, um sie mit den nötigen Der- teidigungsmitteln auszurüsten. Trotzdem wünscht Frankreich, auch die vollständig kriegsunbrauchbare Lufthandelsflotte Deutsch-

lands mitgerechnet zu sehen.

Je schwieriger und aussichtsloser die Ver­ständigung wurde, desto mehr Streitfragen wurden von dem französischen Delegierten Paul-Boncour aufgeworfen. Er verlangte eine Aussprache über die Länge der Dienstzeit und er kam schließlich auf die Frage der'Kontrolle zu sprechen. Welches Organ soll die Verant­wortung dafür übernehmen, daß die verein­barten Abrüstungen auch wirklich durchgeführt werden? Gibt es überhaupt eine sichere Kon­trolle? Cs ist klar, daß man sich in einer so schwierigen Frage nicht allein auf den guten Glauben und die Ehrlichkeit des Mitkontra­henten verlassen kann. Geht man aber diesem Gedanken nach, so kommt man nach Ansicht von Paul-Boncour zu der Ueberzeugung, daß ein wirklich zuverlässiges und ausreichendes Kontrollorgan eben nicht geschaffen werden kann. Man stünde also dann vor dem Ergeb­nis, daß man sich zwar über die Abrüstung _ .

verständigt hat, aber keine Möglichkeit sieht, sie wesens und seiner EntwicklungsmögllchkeUen aus.

Dor allem haben wir auch Anlaß, darauf hln- zuweisen, daß wir kein nnsicheres Ausland sind, von dem man sich vorsichtig fernhält. Unsere herrlichen Kurorte und Sommerfrischen sollten die Kutschen Reisenden zum mindesten so anziehe« wie die aus­ländischen Bäder.

Verzweifelt kämpfen eine Reihe kommunaler Körperschaften um ihr Dasein. Diese Tatsache hat auch bei der Aufstellung des Haushaltsplanes der Rheinprovinz berücksichtigt werden müssen. Eine Erhöhung der Provinzialumlage mußte vermieden werden. Eine großzügige Berücksichtigung sozialer und verkehrspolitischer Momente bilden die den Straßenbau betreffenden Vorlagen des Pro­vinzialausschusses. In der Erkenntnis, daß ein gut ausgebautes Verkehrsnetz eine Grundlage für eine fortschreitende Wirtschaft ist, will die rheinische Provinzialverwaltung auf dem Gebiete der A u t o - bahn st raßen einen ersten Versuch machen. Ich bedauere es, daß die Schwierigkeiten, die dem preu­ßischerseits unterstützten Vorhaben entgegenstehen, noch nicht völlig überwunden sind. Dankbar begrüße ich es auch, wenn Sie durch Annahme der betreffen­den Vorlage dem bedrückten Winz er stand wei- ter helfen wollen. Für die Unterstützung von H o ch - wasserschutzmaßnahmen und für Fluß- regulierungen wird wieder ein namhafter Betrag zur Verfügung gestellt werden. Trotz der angespann­ten Finanzlage konnten schließlich die kulturel­len Belange der Provinz die Berücksichtigung fin­den, die die ruhmreiche Vergangenheit der rheini- schen Kultur und die besonderen Verhältnisse der Gegenwart erheischen.

Mir will es scheinen, daß auch in unserer Pro­vinz die in schwerster Zeit so glänzend bewährte Einigkeit Zersetzungsversuchea in stärkerem Maße nachgibt. Das darf nicht sein. Wir werden um so weiter einen gemeinsamen Weg gehen, je selbstloser wir uns in den Dienst am Volke stellen. Da scheint es mir nicht förderlich zu sein, wenn wir unausgesetzt nach Reformen jeder Art rufen, die immer neuen Streit entfachen und letzten Endes im Wege von Kompromißen doch nur Stückwerk her­vorbringen. Von diesem Gesichtspunkte aus habe ich auch Bedenken gegen die vorzeitige Inangriff, nähme der immer wieder geforderten Verwaltungs- reform. Schwere Sorge verursacht mir der Gang der parlamentarischen Verhandlungen über den Entwurf einer neuen Landgemeindeordnung. Ich kann die Befürchtung nicht unterdrücken, daß hier die bewährte Grundlage der rheinischen Verwaltung gegen die wahren Jnteresien des Volkes völlig um­gestellt werden soll. Staats- und Selbstverwaltung dürfen nicht als einander widerstrebende Mächte er­scheinen, sie müssen sich schätzen als ergänzende Kraft auf dem Wege zum selben Ziel. In dieser Zuver- sicht erkläre ich den 73. Rheinischen Provinzialland- tag für eröffnet."

praktisch durchzuführen. Mit diesen Feststellun­gen scheint man in Genf völlig in eine Sack­gasse geraten zu sein. Die Verhandlungen enden schon jetzt mit einem neuen Fehlschlag. Man wird ihn dadurch etwas zu bemänteln versuchen, daß man die Konferenz vertagt, um den Delegierten Gelegenheit zu geben, neue Instruktionen chrer Regierungen einzuholen.

Die Frage des Luftrüftungett im VoedeveiittnsSausiGttd.

Genf, 4. April. Die Nachmittagssitzung Oes Dor- bereitunasausschusses für die Abrüstungskonferenz brachte den Abschluß der ersten Lesung über das Kapitel Luftrüstungen, wobei jedoch verschiedene Fragen, vor allem die Frage der Begrenzung der Flugzeuge auf den Kriegsschiffen offen bleiben. Der argentinische Vertreter erklärte, daß seine Rcgl rung niemals einer Abrüstungskonferenz Altstimmen werde, die das zivile Luftfahrtwesen irgendwie be­schränken würde. Die im französischen Konoentions- entwurf enthaltene wichtige Bestimmung, daß im Falle einer für die nationale Sicherheit anderer Staaten begrohlichen Entwicklung der ^ioilaciatit, der neu zu schaffendeStändige Abrüstungsaus­schuß'' als Kontrollorgan zwecks Revision de: Be­stimmungen über die Luftabrüstung angerufen wer­den kann, wurde vertagt. Der Aussprache über die Zivilaviatik lagen die bekannten fünf Larichläge des belgischen Senators Brouckèrc zugrunde, die in Uebereinstimmung mit den Brüsseler Sachverstän­digen eine vollständige Trennung der Zwil und Militäraviatik sicherstellen und Garantien dafür schaffen wollen, daß die Zivilaviatik nicht für mili« tärische Zwecke vorbereitet wird. Die Vorschläge wurden schließlich unter dem üblichen für die zweite Lesung geltenden Vorbehalt nach verschiede­nen Abänderungen angenommen. Der deu-sche De­legierte Graf Bernstorff sprach sich dabei nochmals vorwiegend für die volle Freiheit des Zivilluftfahrt-

D G. WkE üdee die ÄdeSfttMsS

frage.

Nie«, 5. April. In einer Unterredung des lrky^ r« Reichskanzlers Dr. Wirch mit einem Vertreter desNeuen Wiener Journals" kam das Gespräch auf die Abrüstungsfrage. Dr. Wirch rotes dabei auf die Schwierigkeiten des Problems hin, well jeder Staat andere Jnteresien habe. Dabei mehrten sich auch die Stimmen, welche angesichts Oer ganzen Lage in Europa im Augenblick eine fruchtbare Be- Iprechung der Abrüstungsfrage überhaupt noch nicht ür gekommen hielten. Er persönlich sei der An- icht, daß die Arbeiten der Konferenz unbedingt fort­gesetzt werden müßten.Denn täuschen rou uns nicht darüber," meinte Dr. Wirth,für den Fall, daß das Werk der Abrüstung mißlingt, steht Europa vor einem neuen Rüstungsrummel ohne gleichen und dann wird man auch von dem deutsche« volle nicht mehr verlange«, daß es auf feine Gleichberechtigung in dieser Beziehung verzichtet."

3n den ÄuSerrrandsâânntse« über die ^onkovdatsßvage.

Berlin, 4. April. Auf der heute in Berlin tage» den Versammlung der Parteiboamten der Deutsch« Volkspartei hielt Reichsauhennunister Dr. Strese­mann ein Referat über die Außenpolckt. Anläßlich dieser Ausführungen nahm Dr. Stresemann auch Veranlassung, zu den Berichten über seine Rede auf der kulturpolitischen Tagung der Partei Stellung zu nehmen, und führte dazu folgendes aus: Die Berichte über meine Rede zu den kulturellen Fragen tragen ganz überwiegend Die Ueberfchrift, daß diese Rede eine Kampfansage gegen den Gedanken eines Konkordats gewesen sei. Das w i d e r s p i ch t den Tatsachen, wie diejenigen von Ihnen, die an der kulturpolitischen Tagung teilgenommen haben, am besten feststellen können. Wie auch aus den gekürzten Berichten über meine Rede heroorgeht, habe ich an den Anfang meiner Ausführungen den Gedanken gestellt, daß die Frage des Konkordats nicht von tirlnzipiellen Gesichtspunkten aus gelost werden olle, sondern daß man diese Dinge praktisch an- chen müsse. Nachdem in Bayern ein Konkordat abgechlossen worden sei und man in Preußen über ein Konkordat verhandele, stehe man bezüglich der Frage des Reichskonkordats nicht mehr ohne Bin­dungen da und habe zu der Frage des Reichskon­kordats neben den Lcmdestonkordaten oder anstelle von Landeskonkordaten Stellung zu nehmen. Ge­genüber der prinzipiell« Ablehnung eines Der- tragsabschlusies zwischen dem Staat und der Kirche überhaupt habe ich darum ersucht, diese Frage lei­denschaftslos zu behandeln und die Entwickcung abzuwarten.

Ich befinde mich in meinem Standpunkt zu dem Gedanken eines Reickskonkordats, zu dem ich als Mitglied des Kabinetts bereits Stellung zu nehmen hatte, in vollkommener Ueberein­stimmung mit den Erklärungen, die der Reichs­kanzler 3t über den Stand dieser Dinge und ihrer Entwicklung abgegeben hat.

Der zweUe Tell meiner Rede, der sich auf di» Entupcklung der kulturellen Verhältnisse im Reich und in dm Ländern bezog, war nicht auf den Ge­danken des Konkordats in erster Linie oder allein ebgestellt, sondern umfaßte entsprechend der Tages­ordnung dieser kulturpolitisch« Tagung die Stel­lung der Deutschen Volkspartei überhaupt gegen­über einer etwaigen Entwicklung, die wichtige Grundsätze der Gewisiensfreihell aufgeben sonnte. Demgegenüber habe ich den der Oeffentlichkeit be­kannten programmatischen Standpunkt uer Deut­schen Volkspartei vertreten, der bereits wiederholt zum Ausdruck gefommen ist, und habe darauf hin- Sewiesen, daß im Falle einer solchen Entwicklung ie Deutsche Volkspartei die Verpflichtung hätte, führend an der Abwehr derartiger Bestrebungen mitzu wirken.

^ übev «Stvesemattn.

Berlin, 4. April. Der Vorsitzende der Demokra­tischen Partei, Reichsminister a. D. K o ch, hat sich heute einem Vertreter desDemokratischen Zei­tungsdienstes" gegenüber darüber geäußert, wie er die Ausführungen Dr. Stresemanns über die Konkordats frage, insbesondere mit Bezug auf die polemischen Wendungen gegenüber den Demokraten beurteile. Koch erklärte u. a.:

3d) bin hocherfreut über die entschiedene Stellung, die der Minister Stresemann zur Frage des Konnkordates eingenommen hat, und vergesse gern die kleine Polemik, die er bei dieser Gelegen­heit gegen die Deutsche Demokratische Partei ge­führt hat. Ich darf aber feststellen, daß die Deutsche Demokratische Partei niemals einen Zweifel dar­über gelassen hat, daß sie weder durch ein Reichs- noch durch ein preußisches Konkordat auch nur die geringsten Rechte des Staates auf die Schule zu­gunsten der Kirche preisgeben wird. Diesen Stand­punkt hat übrigens bei Abschluß des bayerischen Konkordates, auf das Stresemann verweist, die Demokratische Partei als einzige nichtsozialistische Partei in entschiedenem Kampfe vertreten. Wir hoffen, daß die Deutsche Volkspartei in Zukunft bei der Abfassung des Reichsschulgesetzes, für das ie als der Koalition angehörende Partei eine be­sondere Verantwortung trägt, die gleiche Entschie­denheit aufbringen wird, eine Entschiedenheit, di« mir. bei den früheren Beratungen über ein Schul­gesetz im Bildungsausschuß bei ihren Vertreter» manchmal vermißt haben. Einer der Hauptgründe, aus denen die demokratische Reichstagsfraktion den Eintritt in die jetzige Reichsregierung Marx-Stress-