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Das neueste,
— Der Reichstag hat am Samstag das Finanz- «gleichsgesetz und die Erhöhung der süddeutschen irsteuer-antelle angenommen.
— Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, d Ends April mit dem Rückzug der Saartruppen gönnen werden. Es ist vorgesehen, daß zuerst die ogllerie-Regimenter nach Frankreich zurückgezogen rden. Die Garnison von Saarlouis soll die Stadt D die Umgebung bereits Mitte des Monats lmen.
— Auf der Kulturtagung der Deutschen Volks- ckei sprach Dr. Stresemann über die Konkordats- ge-
— In Hankau kam es zu einem Zwischenfall, der Landung von japanischen Matrosen zur Folge ste. .
Svstev Deutscher Msmavsk- Lag.
Hannover, 3. April. Der vom Verein zur Errich- rg eines Bismarck-Nattonal-Denkmals veranstal- e erste deutsche Bismarcktag, verbunden mit Bis- ircks Geburtstagsfeier, wurde am Samstag abend rch eine Vorfeier mit Kommers in der Aus- llungshalle eröffnet. Teilnehmer aus vielen ruen Deutschlands hatten sich eingefunden. Nach m Vortrage eines Marsches durch die Kapelle des irbcmbes Hindenburg hielt der zweite Vorsitzende 9: Vereins, Exzellenz Wallraf, M. d. R., die öffnungsanfprach?. Er begrüßte u. ä. besonders e Jugend, die das wiederbringen und vollenden ll, was die Alten einst besessen haben, ein einiges ld tüchtiges Reich, und verlas darauf ein Schrei- i$ des Reichspräsidenten v. Hindenburg. Mit rer Mahnung zur Einigkeit schloß er seine Ausrache und erklärte dèn ersten deutschen Bismarck- g eröffnet Hierauf folgten eine Reihe von Be- ühungsansprachen. Im Mittelpunkt des Abends inb der Bortrgg des Unioersitätsprofessors Dr. Martin Spahn, M. D. R., über ,
»Bismarck und der Stautsgedanke".
er Redner führte u. a. aus: Gerade von hier aus, o die beiden Richtungen Konservatismus und Li- walismus ihre stärksten Prägungen erhielten,, verricht ein Blick auf das, was Bismarck uns ver- .acht hat, am fruchtbarsten zu werden. Wenn eine rutsche Nation erst werden konnte, nachdem Bis- arck ein Reich gegeben hatte, so gab es alle Jahr- inberte hindurch ununterbrochen und stetig ein mtsches Volk, und für dieses Volk hat der große anzler von Jugend auf ein Gefühl gehabt. Dieses wlk, unser Volk, es ist ein Volk von Bauern und an Männern und Frauen der Arbeit. Es lebt der irbeit Selbstverwaltung im Gemein- und Wirt- Haftsleben hat es, soweit wir denken, nur bei uns egeben. Dieses Volk wollte von Bismarck, nachdem c den Grund zum Reiche gelegt hatte, geführt sein. Bir waren nur von 1870 bis 1914 ein deutsches jolk, in vielem noch gefesselt durch die Bindung der sinzelstaaten, wie sie im vorhergegangenen Jahr- undert geworden waren. Der große Krieg, er führte lle Deutschen in einer geschlossenen Front in der Gwehr zusammen. In Bismarcks Geist hatte sich ie Verbindung deutschen Volkstums vollzogen. Der Feldherr, dem wir im Kriege vertrauten, dieser feldherr ist aus freier Wahl des Volkes unser Haupt tun auch im Reiche geworden. Wenn wir nun aus ;ien Gang der Dinge im Reiche und Volk sehen, dann 'trgibt sich, daß ein großes Ziel noch vor uns liegt. Dir müssen den Glauben zum Leben haben. Wir And noch nicht verloren. Die Höhe, der Gipfel liegt !wch vor uns.
Am heutigen Sonntag wurde bie Feier fortgesetzt. Vormittags fand an der Bismarcksäule in der großen Masch eine Kundgebung statt, an der sich zahl- :eiche Jugendverbände und weite Volkskrerse betei- jigten. Die Kapelle des Verbandes Hindenburg leitete die Feier mit dem Dortrag „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" ein. Alsdann nahm Dr. Schlenker-Düsseldorf das Wort zu einer Gedenkrede.
Am Nachmitag fand im Kuppelsaal der Stadthalle eine Festversammlung statt, die durch Oberbürgermeister Dr. Jarres eröffnet wurde. Der Redner kam auf das zu schaffende Bismarckdenkmal im Rhein zu sprechen, das uns und unseren armen Kindern zurufen solle, einig zu sein. Dr. Jarres schloß: Wie Bismarck war, echt deutsch bis ins Kart wollen wir den Glauben wecken und wach batten an die deutsche Zukunft. In diesem Glauben rufen wir: „Unser geliebtes deutsches Baterlanb, hoch!" Die Versammlung sang hierauf das Deutschsandlied. Sodann hielt der Vorsitzende des Ersten Deutschen Bismarcktages, Staatssekretär a. D., Reid)stägsabgeorbneter Dr. Wallraf, eine Rede iber
„Bismarck, fein Werk und feine Berson“.
2m Fluge durch den Reichtum des Lebens und Schaffens Bismarcks zu führen, bezeichnete der Redner als Ziel feiner Worte. Er gab einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung Bismarcks als Mensch und Staatsmann und sagte weiter: Wir stehen so tief im Schuldbuch seines Lebens, daß diese Schuld mit Rückerinnerungen und Worten allein sich nicht tilgen läßt. Wenn wir heute aus dem tiefen Tale unseres Niedergangs hinaufblicken zu den Höhen, zu denen Bismarck uns ge- AU»rt hatte, so tun wir es auch, um uns wieder ve-
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über ein Konkordat.
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Berlin, 3. April. Im Festsaal des preußischen Landtages eröffnete Oberregierungsrat Hollmann gestern "die fünfte allgemeine Kullurtagung der Deutschen Lolkspartei. Nach Begrüßungsworten des Staatssekretärs a. D. Kempkes als Vertreter der Gesamtpartei hielt
Staatsminiffer a. D. Dr. Bölitz einen Vortrag über „Kulturpolitische Lage der Gegenwart und die Deutsche Volkspartei".
Nach einem Hinweis auf die großen geistigen Auseinandersetzungen im Kampfe um das Reichsschulgesetz in der Frage des Religionsunterrichts und in der Behandlung des Konkordatsproblems gab Dr. Bölitz eine ausführliche Definition des Begriffes der Staatshoheit der Schule. Die Schulhahcit des Staates sei unter allen Umständen zu gewährleisten. Ein Vorrecht der Kirche in Bildungsfragen könne nicht zugestanden werden. Der Satz von der Hoheit des Staates werde insbesondere gelten bei etwaigen Abmachungen der Einzelstaaten oder ^es Reiches mit der Kurie, Bindungen bezüglich der Schule, ihres Inhaltes und ihres Charakters feien für die Deutsche Volkspartei nicht tragbar. Die kürzlich vom Kirchensenat der preußischen Landeskirche veröffentlichten Grundsätze stellten eine Diskussionsbasis dar, die den Willen zur Verständigung ausdrücke.. Versuchen, die konfessionelle Volksschule im Sinne einer einseitigen etrengenben Auffassung des Konfessionellen umzugestalten, werde die Deutsche Volkspartei aufs schärfste entgegentrefen. Der Kulturstaat werde dafür zu sorgen haben, daß er jeder Kulturgemeinschaft ihre Rechte und ihre Grenzen anweise. Der Liberalismus wolle das hohe Gut der Bildungseinheit und der Kultureinheit unseres Volkes wahren. Wenn er dabei dem Staate die führende Rolle zuweise, so hoffe er, daß sich alle Kultur- und Erziehungsgemeinschaften mit ihrem Eigenrecht diesem höchsten Gedanken unterordnen, der nichts anderes wolle, als die Erziehung des deutschen Menschen, der seinem Volke und seinem Staate mit allen seinen Kräften diene.
In der heutigen Sitzung stand das kommende Neichsschulgesetz im Mittelpunkt der Aussprache. „Die liberale Forderung an das R e i ch s s ch u l g e s ? tz", lautete das Thema des einleitenden Referats von Geheimrat Runkel. Redner kam zu dem Ergebnis, daß das Gesetz möglichst bald verabschiedet werden müsse. Hoffentlich werde eine Formel gefunden, die für jede der beteiligten Parteien tragbar sei. Zu einem Reichsschulgesetz müsse es diesmal kommen. Wo ein Wille sei, müsse auch ein Weg sein. Der Redner stellte die liberalen Forderungen an das Gesetz klar und deutlich heraus. Der zweite Hauptpunkt der heutigen Debatte war die Frage der S i m u l t a n s ch u l e. Namentlich der Frankfurter Abgeordnete Schwarzhaupt setzte sich sehr stark für die Erhaltung dieser Einrichtung ein. Er wies darauf hin, daß man das Schwergewicht auf § 146 Abs. 1 legen müsse, denn das ursprünglich in der Verfassung Gewollte sei in der für alle gemeinsamen Grundschule zu suchen. Die Simultanschule fei aus sozialen und nationalen Gründen notwendig. Geradezu ausschlaggebendscheintuns seine Mittellung, daß in Nassau, dem Lande der Si- multanschule, die geringste Zahl Kinder in Preußen vom Religionsunterricht abgemeldet worden sei.
Im Laufe der Sitzung nahm auch
Reichsaußenminister Dr. Stresemann
das Wort. Er führte u. a. aus: Ich sehe eine Anfrage vor mir, die dahingeht, der Außenminister hielte ein Konkordat aus außenpolitischen Gründen für unerwünscht. Ich habe einen derartigen Satz niemals ausgesprochen. Ich glaube, daß die ganze Bedeutung dieser Frage auf dem inneren Gebiet des deutschen Geisteslebens liegt. Die Frage steckt in ihren Anfängen noch völlig in den Ressorts Nach dem Vorgang in Bayern heißt sie nicht mehr: „Reichskonkordat oder nicht?" sondern: „Re ich s- konkordatoderLandeskonkordat?" Es ist seltsam, wenn die demokratische Partei im Reich sich an diesem Sturm beteiligt, während ihre Aufgabe doch in Preußen liegt, um hier durch den ihrer Partei angehörenden Kultusminister den Wschluß
wußt zu werden, was Deutschland kann, wenn es von der politischen Erbsünde der Germanen, der Zwietracht, sich löst. Und das sei der Dank und das Gelöbnis des heutigen Tages: Uns nicht trennen zu lassen durch Stämme, Bekenntnisse, Klassen und Parteien, sondern zusammenzuhalten in der einmütigen Liebe; in dem einmütigen Opferwillen für das Vaterland. Jeder von uns muß zu seinem bescheidenen Teil zu ersetzen suchen, was jener Genius in sich vereinte: Kraft und Wille, Maßhaltung in Treue bis ans Ende. Wenn auf der Elisen-Höhe bei Bingen das Nationaldenkmal für Bismarck thronen wird — gebaut wird es doch, wenn vielleicht auch erst von unseren Kindern und Enkeln —. wenn dort, dem Niederwalddenkmal gegenüber, im einfachen Kunstbau die ergreifende Gestalt des Altreichskanzlers als Mahner zur deutschen Eintracht und War-
zu verhindern. Wenn Bayern und Preußen ein Konkordat haben, dann ist für die übrigen Länder so viel geschehen, daß nur noch wenig zurückgenommen werden kann. Wenn unsere Partei in der Lage gewesen wäre, im Verlauf der letzten Jahre auf die Entwicklung praktisch stärkeren Einfluß zu nehmen, so wäre die Lage in Bezug auf das preußische Konkordat eine andere als jetjt. Es fragt sich noch tas eine, was von uns aus heute geschehen kann, um diese Entwicklung zu yemmen, die vielleicht für eme ganze geschichtliche Periode unseres Geisteslebens bestimmend ist. Ich möchte das eine sagen: Daß diese Fragen aufgetaucht sind, bedaure ich dann nicht, wenn sie ausgefochten werden. Es ist auch für die deutsche politische Erziehung ein Pms, wenn einme der deutsche Bürger erfährt, daß »s noch anders Dinge gibt als Handelsverträge, Hauszinssteuer usw. Ich glaube, hier bietet sich für uns einmal ein ft.yi großes Feld der Betätigung. Ich weiß * t,t, ob wir parlamentarisch stark genug sind, diele Dinge zu verhindern, aber ich entsinne mich aus der Geschichte der Nationalliberalen Partei, daß einmal ein Schulgeferj gefallen ist, trotzdem die Mehrheit dafür war. Das war, als Bennigsen dazu aufrief, sich zu einigen und alles zurückzustellen gegenüber dieser Frage. So sollten wir auch jetzt andere Fragen gering schätzen und die Parteiarbeit einmal ganz bewußt auf diese Frage hinlenken. Ich bin überzeugt, daß unser Einfluß in dieser Frage weit hinausgeht über die Grenzen der Partei, wenn wir durch unsere Stellung bestimmen können, was andere Parteien in dieser Frage tun. Diese Fragen sind so bedeutsam, daß ein Parteitag der Deutschen Volkspartei sich mit ihnen befassen muß.
GnisGNetzuuse«.
Berlin, 3. April. Am heutigen Schlußtage der Kulturtagung der Deutschen Volkspartei wurde folgende Entschließung zum Beschluß erhoben:
Für das zu schaffende Reichsschulgesetz dessen baldige Einbringung dringend notwendig ist, stellt der Reichsschulausschuß der Deutschen Volkspartei folgende Forderungen, deren nachdrückliche Vertretung er von der Reichstagsfraktion erwartet: Das Gesetz muß 1. die Schulhoheit des Staates unzweideutig zum Ausdruck bringen. Das verfassungsmäßig anerkannte Recht der Eltern findet seine Grenzen an dem überragenden Recht des Staates. Es muß 2. die Erziehung der deutschen Jugend zur nationalen Bildung sichern, 3. die unterrichtliche Leistungsfähigkeit der Schule gewährleisten, 4. die Freiheit der Lehrerpersönlichkeit schützen, 5. in Wahrung der Gewissensfreiheit die geschichtlich gewordenen Schularten in ihrem Bestand und ihrer Wesensart erhalten und in ihrer Entwicklung nicht behindern. Die nach Artikel 146 Absatz 1 der Reichsverfassung vorgesehene „für alle gemeinsame Schule" muß den Charakter einer christlichen Simultanschule tragen. Die weltliche Schule ist auf gesetzliche Grundlage zu stellen.
' Ferner wurde folgende Entschließung gefaßt: „Getreu den liberalen Ueberlieferungen bekennt sich der Reichsschulausschuß der Deutschen Volkspartei aufs neue zu dem Gedanken der Staatshoheit auf dem Gebiete der Schulpolitik. Mit diesem Gedanken ist der Abschluß eines Reichskonkordats mit der kathol ischen Kirche, das auf das Schulgebiet üb ergreift, unvereinbar.
Der Einfluß der Kirchen auf den Religionsunterricht muß in eine Form gebracht werden, bei der die letzte Entscheidung über Zahl der Religionsstunden, Lehrplan und Lehrbücher und dergleichen dem Staat verbleibt, Insbesondere darf dieser Einfluß der Kirchen auf den Religionsunterricht nicht zur Kontrolle der Religionslehrer übersteigert werden.
Schließlich wurde einer Entschließung zugestimmt, in der der Reichsschulausschuß der Deutschen Volkspartei die Vorlage eines Gesetzes zur Ausführung des Artikels 146 Abs. 2 der Reichsverfassung (Reichss chülgefetz) und die baldige Vorlage eines Gesetzes zur Ausführung des Artikels 147 der Reichsverfassung (Privatschulgesetz) fordert.
ner von deutschem Zwiespalt steht, dann wird jedes deutsche Schiff hingrüßend die deutsche Flagge senken und Mannschaft und Volk werden dem fragenden Ausländer kundgeben: Dort steht, der des Deutschen Reiches Baumeisters war.
Mit lebhaftem Beifall begrüßt, ergriff nunmehr
Relchsaußenmlnister Dr. Stresemann
das Wort. Er überbrachte zunächst die Grüße der Reichsregierung und erklärte, daß die Reichsregie- ung durch ihre Vertretung auf der ersten Tagung der Bereinigung zur Schaffung eines Bismarckdenkmals am Rhein zum Ausdruck bringen wolle, daß sie voll und ganz hinter dieser Idee steht. Es würden noch Zeiten vergehen, ehe dieses Denkmal herniederschaut auf die Fluten des Rheins, denn auch der steinerne Bismarck solle nur auf ein befreites Äbebu
land niedersehen. Der Minister gab dann eine Charakteristik Bismarcks als Staatsmann und stellte die Frage, in welchem Geiste Bismarck wirken würde in einem Deutschland der Gegenwart. In kurzen Zügen führte er bte staatsmännische Größe und Eigenart Bismarcks vor Augen und bemerkte, er glaube, Bismarck würde nicht träumend resignieren in dem Erinnern an einstige Größe, er würde aufrufen zur Tat, um wies er aufzubauen, soweit es möglich ist. Die Tat, die in die Zukunft schaue, wolle ein Symbol, und dieses Symbol solle Bismarck sein. Nach Anführung des Wortes Bismarcks: „Zwanzig Jahre nach meinem Tode möchte ich einmal aufer- steyen und sehen, was aus Deutschland geworden ist" fuhr Stresemann fort: Als diese zwanzig Jahre verflossen waren, war das Reich vernichtet. Nun lassen Sie uns heute das eine fragen: Was lehrt uns diese Zeit? Ich glaube, sie lehrt uns das eine, was Bismarck von seinem Leben sagte: „Arbeiten und kämpfen, um vorwärts zu kommen." Ueber das Trennende hinweg die Äräfte darauf zu lenken, die Trümmer nicht liegen zu lassen, sondern neu aufzubauen, daß ist die Aufgabe dieser Gegenwart. Es sagen: Wie schön war es einst; Hände zu rühren für ein neues
geht nicht mehr zu sagen: Wie schön war es einst; es gilt für uns die Hände zu rühren für ein neues Deutschland. Wir waren einst auch in der Zeit der deutschen Weltgröße die Nutznießer dessen, was >m- sere Väter schufen. Wir haben die Pflicht, denen es leichter zu machen, die nach uns kommen. Frage« Sie die Menschen über dem Meer. Ein große« Staunen und Bewundern geht durch die Welt, für das, was an Lebenskraft in diesem Volke liegt, bient man soviel genommen hatte. Wir sehen, wie hanseatischer Geist neues geschaffen hatte, um eine deutsche Handelsflotte wieder erstehen zu lassen. Wir sehen die Leute, die groß dastanden, klein wieder anfangen, um nicht unterzugehen. Wenn man diese betrachtet, dann zeigen auch diese wenigen Jahre, in denen Fieber das deutsche Volk erschütterte, was wir schaffen können, wenn wir, frei von innerpoli- schen Kämpfen einmal Hand anlegen, um wieder in die Welt zu kommen. Wie nütze ich dem Ganzen? Das ist die beste Arbeit im Bismarckschen Sinne.
Wir sehen wie ein neues Geschlecht aufkommt, wohl nicht behütet, wie einst vor dem Kriege, heute ist das Leben schwerer, und doch, wenn eine Jugend aufwächst ohne Vermögen, und wenn sie arbeiten muß, nur um das nackte Leben zu fristen, so ist das eine harte, aber gute Schule für jeden Menschen. Denen, die uns fünften, werden wir zurufen, daß wir den geistigen Kampf mit ihnen aufnehmen und wir haben ihn schon geführt, nicht ohne Erfolg zu haben.
DevAerchSpvSftdenLa« venevste« De«<stben BismavMas.
Berlin, 2. April. Der Reichspräsident hat an den Staatssekretär Ludwig Wallraf, M. d. R., den Vorsitzenden des heute in Hannover stattfindenden ersten Deutschen Bismarcktages, folgendes Schreiben gerichtet:
„Sehr geehrte Exzellenz!
Für die freundliche Einladung zur Teilnahme ant ersten Deutschen Bismarcktage in Hannover sage ich Ihnen vielen herzlichen Dank. Ich bedauere sehr, daß es mir anderer Verfügungen halber nicht möglich ist, Ihrer Aufforderung zu folgen und am 2. April zu dieser Gedächtnisfeier nach Hannover zu kommen, aber ich bitte Sie, davon überzeugt zu sein, daß ich in alter und unwandelbarer Verehrung für den ersten Kanzler in diesen Tagen in meinem Gedenken bei Ihnen weile und daß ich in der Erinnerung an die große Persönlichkeit Bismarcks und sein Werk den ersten Deutschen Bismarcktag mit meinen besten Wünschen begleite. Mit Genugtuung habe ich davon Kenntnis genommen, daß diese Gedächtnisfeier von Ihnen und den Vertretern der verschiedensten politischen Richtungen und Weltanschauungen veranstaltet wird. Ich freue mich dessen ganz besonders und möchte darin ein gutes Vorzeichen dafür sehen, daß sich in dem Geiste Bismarcks und bamit zugleich in dem einheitlichen Willen, sein historisches Erbe zu erhalten, alle zusammenfinden mögen.
Mit freundlichen Grüßen, die ich zugleich bitte, an die Teilnehmer der Tagung zu vermitteln, bin ich Ihr ergebener
gez. D. Hindenburg."
Mn Telesvamm an den Reichs. vvMdenien.
Hannover, 3. April. In der heutigen Bismarck feier wurde unter stürmischem Beifall der Ber- sammlung folgendes Telegramm an den Reichs Präsidenten von Hindenburg abgesandt:
„Mit tiefgefühltem Dank für Ihre wertvolle Anteilnahme welche Ew. Exzellenz uns zum Ausdruck zu bringen die Güte hatten, bittet der erste deutsche Bismarcktag in erhebender Festversammlung seine ehrerbietige Begrüßung entgegennehmen zu wollen. Im Geiste Bismarcks und Hindenburgs geloben wir, über alles Trennende hinweg in wahrer Einheit unseres Volkes zu arbeiten. Auf dem Boden dieser Einheit soll das Volksehrenmal am Rhein erstehen. Wir hoffen bei diesem Werk weiter auf die Förderung der Reichsregierung und auf den von der Liebe und Verehrung des deutschen Volkes getragenen Reichspräsidenten."
Küvft BismavE im auswästise« Reichsdisnst.
Berlin, 3 April. Der b uticbnationale Abgeordnete Fürst B smarck wird, wie die „Kieuz^eitung" mitteilt, am 1. Alai in den auswärtigen Reiäisvieust mtreten nnö zunächst im AuSwärt gen Amt beschäftigt werden. Später ist icine Verwendung im Ausland in Aussicht aeuommcu.