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29. MZsr

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1922

Die neue« ensUsche« Dotztimenie.

Eine eingehende Besprechung der eng­lischen Dokumente hat Graf Montge- I a 9 im Februarhest der ZeitschriftDie Kriegsschuldfrage" veröffentlicht. In den Äenden Ausführungen sind die we- ten Punkte kurz zusammengesaßt vor einem Vierteljahre hat England mit Veröffentlichung der amtlichen Dokumente r die nähere und fernere Vorgeschichte des eges begonnen, und zwar hat es, deutschem spiele folgend, zuerst den letzten Band ausgegeben, der die Krise von 1914, die Er- iisse vom Attentat von Serajewo (28. Juni) zur englischen Kriegserklärung an Deutsch- tz (4. August) behandelt. Die wertvolle Ver- 4 ntlichung hat nach den vorliegenden Nach­ten besondere Beachtung in den Vereinigten j taten gefunden, weit weniger in Deutsch- tz, wo die täglichen Sorgen, die Vertrags* rige Fortdauer der Besetzung des Rhein- tzes, das ungerechte und vertragswidrige 'itärregiment im Saargebiet, die Vergewal- h mg des Deutschtums in den vom Reiche ab- rennten Gebieten die Gemüter zu sehr be- ftigen, um eine Vertiefung in die Ver- ,genheit zu gestatten. Daher mag vielleicht nchem Leser eine knappe Skizzierung des chtigsten willkommen sein, was die eng­ten Dokumente an Neuem bieten. Es läßt zufammenfasfen wie folgt:

1. Sir Edward Grey's nächste Mitarbeiter, Unterstaatssekretär Sir Arthur Nicolson 5 der zweite Unterstaatssekretär Sir Eyre ewe, vertraten von Anfang an den Stand­akt, daß England an der Seite Frankreichs ) !Rußlands fechten müsse, falls es zum ege komme, ohne jede Rücksicht darauf, wo dem österreichischen Streite Recht und Un« )t liege. Entscheidend für die Auffassung r nicht das österreichische Ultimatum und l )t das Eintreten Deutschlands für die öfter« hischen Forderungen, sondern die Meldung russischen Botschafters in Petersburg, daß mkreich und Rußland entschlossen seien, die chtfrage zwischen Dreibund und Dreiver- ib aufzuwerfen. Sofort, schon am 25. Juli 4, gab Crewe auch die Parole aus, die iter während 50 Monaten das Feldgeschrei Lager der Entente werden sollte, und die Utimatum vom Juni 1919 wiederkehrt, es idle sich um einen Kampfzwischen dem H der Diktatur in Europa strebenden itfd)Ianb und den nur auf Erhaltung ihrer ividuellen Freiheit bedachten Mächten." : russische Zarismus und die Regierung incaré seiennur auf Erhaltung ihrer in« ß iduellen Freiheit bedacht".

2. Die endgültige Zustimmung Grey's zur sendung des Konferenzvorschlags, infolge fen die Wege der Londoner und Berliner litik sich erstmals trennten, hat Nicolson von iem Chef dadurch erlangt, daß er ihm mel- e, es handle sich um einen Gedanken des fischen Außenministers. Mißverständnis Ni- fons?

3. Wie Grey in seinen Memoiren mitteilt, r er mit seinen Mitarbeitern im Grunde verstanden, nur seine Methode war vorsich­er. Er selber war es jedoch, der den Russen helegte, sie könnten während der diplomati- 'n Verhandlungen die Mobilmachung gegen iterreid) durchführen. Er war es, der ötschland zu dem Versprechen drängte, daß seinerseits gegen eine solche russischeTeil- bilmachung" nichts einzuwenden habe und war es, der die von Deutschland erteilte Zu- I e sofort nach Petersburg übermitteln ließ, rt wußte man nunmehr, daß man unter n Deckmantel einer offiziell nur gegen sterreich gerichteten Mobilisierung ungestört 4 die an der deutschen Front betreiben tne.

4. Nicolson richtete an den britischen Bot­after einen Privatbrief, worin auf und zwi- en den Zeilen zu lesen war: Wir würden reit sein, Rußland ein Versprechen der affenhilfe zu geben. Bei unseren politischen iwohnheiten ist das jedoch nicht möglich, be= r nicht die öffentliche Meinung bafür ge= mnen ist. Rußland dürfe jedoch überzeugt n, daß,wenn wir in die Konflagration leingezogen werden sollten, wir an der Seite serer Freunde stehen würden".

5. Die allgemeine Mobilmachung Ruß- ads ist nach London ebenso früh gemeldet uden wie nach Paris. Das Telegramm ist >ar mit großer Verspätung eingetroffen, im« rhin tonnte und mußte man im Londoner rswärtigen Amt spätestens am 1. August tr erkennen, daß Rußland die erste Macht

war, die zu einer allgemeinen Mobilmachung geschritten war, etwa 24 Stunden vor Oester­reich-Ungarn und etwa 48 Stunden vor Deutschland, das obendrein a"ch noch von Frankreich überholt worden war.

6. Mehrere Diplomaten der Entente auf sehr wichtigen Posten sind nachdrücklich dafür eingetreten, daß der österreichisch-serbische Krieg lokalisiert bleiben solle, und daß es nicht gerechtfertigt sei, wegen dieser Balkanfrage einen Weltbrand zu entfachen. So meldete der französische Botschafter in Wien, er wisse nach Eingeständnissen seines serbischen Kollegen, daß die Monarchie durch die panserbische Agi­tation aufs äußerste bedroht sei, sodaß sie nur die Wahl habe, mit militärischen Machtmitteln der Unterhöhlung ihrer Jntregität ein Ende zu machen oder den Verlust der südslawischen Provinzen tatenlos hinzunehmen. In schärfster Weise erklärte sich ferner der britische Botschaf­

SM GeWer über die Reichswehr

Die OvvoMiosZ geseu die Relchswebv. - SorraldemokvaiLMs und SommuEiMe MMva«e«S- antviise gegen Oediev. Die DemsSvatsn fordern ^infüheuns des LMttzWsèsms. - âAesB âamDf um Devtvauen Wv die AeSGswshs.

Berlin, 28. März. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Reichstages stand die zweite Lesung des Wehretats.

Abg. Stückten (Soz.) erstattete den Ausschuß- bericht: Die Gesamtsumme für Heer und Marine be­trägt in diesem Jahre 698 Millionen, sie soll aber in den nächsten Jahren noch steigen. (Hört, hört! links.) Von der Sparsamkeit merke man in diesem Etat wenig. Den Staatssekretär hält der Wehr­minister selbst für entbehrlich. Die politische Ver­antwortung könne ihm doch niemand abnehmen. Der Berichterstatter schildert die Nachteile eines Be­rufsheeres; finanziell sei es auf die Dauer untrag­bar Offenbar habe die Eentente dieses Heer auch von vornherein unbrauchbar machen wollen. Die Zahl der Garnisonen sei zu groß. Eine Zusammenlegung sei aber zugesagt. Bei der Einstellung von Ersatz werde bemängelt, daß die Kompagnieführer infolge ihrer nahen Verbindungen mit den früheren Regi­mentsvereinen Angehörige dieser Organisationen be­vorzugen.

Der Ausschuß sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Republik sich auf die Reichswehr verlassen könne.

Sorge bereiteten immer noch die Monopolfirmen, russischen Munitionslieferungea

Der Redner bedauert auf die politische Seite der nicht eingehen zu können, weil die Regierungsmit­teilungen vertraulich waren. Es stehe aber fest, daß die Bezahlung der russischen Granaten aus einem früheren Etat regulär erfolgt sei.

Die Kommunisten haben gegen Reichswehrminisler Dr. Geßler einen Mißtrauensantrag eingebrachl.

Abg. S ch ä p f l i n (Soz.) führte aus, mit den gewagtesten Kunststücken versucht man den Etat zu balanzieren. Die Wirtschaftslage verspricht keine Besserung. Aber für Heer und Marine ist Geld in Hülle und Fülle da. Der Etat steht in krassem Miß­verhältnis zu den kulturellen und sozialen Ausgaben. 60 bis 70 Millionen kann man an diesem Etat mit Leichtigkeit sparen. Die Stimmung des Volkes ge- genüberder Reichswehr wird durch diesen Etat nicht verbessert. Wir drängen immer wieder aus eine internationale Abrüstung. (Zuruf rechts: Sagen Sie das erst einmal Ihrem Freund Boncour.) Die fran­zösische Armeereform hat keinen offensiven Charak­ter. Sie dient allerdings auch nicht der Abrüstung. Ist die Reichswehr auch keine Gefahr nach außen, so kann sie doch gefährlich für die Innenpolitik werden. (Zuruf rechts: Sagen Sie das auch der Liga für Menschenrechte.) Ich persönlich billige keinesfalls die Art, wie die Liga gegen unsere Wehrmacht auf­tritt. Unsere Befürchtungen gründen sich darauf, daß General Heye selbst im Ausschuß die Monarchie für die militärisch beste Staatsform erklärt hat. Wir verlangen völlige Lösung der Reichswehr von rechts­radikalen Verbänden. Es bietet große Gefahren, wenn der Offiziersersatz aus einem bestimmten klei­nen Kreis von Traditionsfamilien genommen wird, die dem heutigen Staat ablehnend gegenllberstehen. Wir kämpfen nicht gegen, sondern um die Reichs­wehr. Zu Dr. Geßler haben wir nicht das ver­trauen, daß er die Reichswehr zu einem zuverlässi­gen Instrument der Republik macht. Deshalb haben wir ein Mißtrauensvotum gegen ihn eingebracht. (Beifall bei den Sozialisten.)

Abg. Graf von der Schulenburg (Dntl.) erklärte: Wir sind überzeugt, daß im Wehretat nur das angeforbert worden ist, was für die Landesver­teidigung dringend geboten war. Ganz Frankreich stellt sich in den Dienst der Landesverteidigung. Wir sind das in Kettengelegte Volk zweiter Klasse, das überdie Art und das Maß seiner Rüstung nicht selbst bestimmen darf. In seiner Ohnmacht hat es auf die Gestaltungder außenpolitischen Entwickelung keinen bestimmenden Einfluß. Mißhandlungen und vorschriftswidrige Behandlungen dürfen beim Heer nicht vorksmmen. Ein sehr ernstes Kapitel ist die Versorgung der ausgedienten S o l d a- t e n. Der Redner gedockte dann des General.

ter in Paris dagegen, daß man diealberne und altmodische Pose" annehme, daß Rußland der Schirmherr aller slawischen Staaten sei, Gleichviel wie diese sich aufführten.

7. In den letzten Tagen der Krise beein« flußte Frankreich unausgesetzt durch phan­tastische Nachrichten über deutsche Kriegsvor- bcreitungen die Meinung Englands und dessen Auswärtiges Amt. Obwohl man dort aus eigenen Quellen andere Nachrichten hatte, senkte man doch den Instruktionen aus Paris mehr Glauben, so daß die überhitzte Phantasie Crewe's schon am 2. August deutsche Heere ohne Kriegserklärung in Frankreich einmar­schieren sah!

8. Das englische Blaubuch vom 5. August 1914 hat nicht nur mit größter Genauigkeit alle Stellen aus den Dokumenten gestrichen, die sich auf die vorzeitige russische Mobil­machung, die Aufforderung dazu und auf das

obersten v. Seekt, der in den größten auße:.- und innerpolitischen Schwierigkeiten aus einem Chaos die Reichswehr aufgebaut und sie zu dem gemacht habe, was sie heute sei. Die Hoheitszeichen des neuen Staates und feine Farben sollen von der Wehrmacht geachtet werden. Man vergesse aber nicht, daß die schwarz-weißroten Farben mit dem Eisernen Kreuz und der Gösch die Kriegsfarben der deutschen Republik sind. Wir lehnen uns dagegen auf- daß der politische Kampf in das Heer hineinge­tragen wird. Allen Schichten und Ständen steht in unserem Werbeverfahren der Eintritt in die Reichs­wehr offen.

Abg. Ersing (Ztr.) führte aus, die Reichswehr ist ein Instrument der vom Parlament und der Regierung gebilligten Politik. Ich freue mich fest­stellten zu können, daß General Heye diese Auf­fassung klar und unzweideutig ausgesprochen hat. Die Reichswehr ist die Wehrmacht der deutschen Re­publik, der sie zu dienen und ihren Hoheitszeichen die volle Achtung entgegenzubringen hat. Der Red­ner verweist auf die Feststellung der Botschafter­konferenz, daß Deutschland die Abrüstungsbestim­mungen des Versailler Vertrags erfüllt hat. Run ist Deutschland berechtigt die Frage zu stellen, wann die anderen abzurüsten gedenken. Der Redner wandte sich dann dem Etat des Wehr- ministeriums selbst zu. Die hohen Kosten sind eine Folge der Bestimmungen des Versailler Vertrages. Zur Frage der Rekrutierung betonte der Redner, daß die in den letzten Jahren übliche Art künftig nicht mehr beibehalten werden könne. Wir verlangen die Verwirklichung des GrundsatzesFreie Bahn dem Tüchtigen!" Namens meiner Freunde stelle ich gern fest, daß wir der Reichswehr für die Art, wie sie ihre Aufgabe nerfüllt, Achtung und An­erkennung zollen. Wir wünschen, daß zwischen Volk und Wehrmacht ein Vertrauensverhältnis geschaffen wird. (Beifall im Zentrum.)

Darauf wurde die Beratung unterbrochen, um die Abstimmungen zum Haushalt für die besetzten Gebiete nachzuholen. Dieser Haushalt wurde unter Ablehnung zahlreicher kommunistischer Anträge in )er Form angenommen, die ihm die Ausschußbe- chlüsse gegeben haben. Abgelehnt wurde auch ein ozialdemokratischer Antrag, 70 Millionen für durch )en Ruhrkampf geschädigte Arbeiter, Angestellte, Kleingewerbetreibende usw. zu bewilligen. In zwei­ter und dritter Lesung angenommen wurde auch das Besatzungsleistungsgesetz. Damit war die zweite Le­sung des Haushalts der besetzten Gebiete erledigt. Diejenige des Wehretats wurde fortgesetzt.

RerchSwehvminrfies 3M GeAss.

Unter allgemeiner Spannung des Hauses ergriff nun Reichswehrminister Dr. Geßler das Wort zu einer längeren Rede. Der Minister ging zunächst auf die Abrüstungsfrage ein. Die Hoffnung, daß nach den Auswirkungen des Weltkrieges eine allge­meine Abrüstung durchgeführt werden würde, habe sich nicht erfüllt. In allen Parlamenten Europas werde tn gleichem Maße darüber geklagt, aber es geschehe nichts. Die englischen Militärlasten seien seit 1913 um ungefähr 70 Millionen Pfund pro Jahr gestiegen. Es ei statistisch festgestellt, daß England und Frankreich je 3>- Prozent ihres NaNonalein- fommens für ihre Armeen ausgäben, Italien sogar 4 Prozent, Deutschland dagegen nur 1'/, Prozent England gebe für leben feiner Berufssoldaten 4800 Mark im Jahre aus, Deutschland nur 4000.

Die deutsche Regierung verfolge mit Ernst alle Abrüstungbestrebungen.

Deutschland beteiligte sich auch an den Genfer Ver­handlungen und erstrebe keineswegs eine deutsche Aufrüstung, sondern es glaube, daß angesichts der Entwicklung der Völker Europas diese Last nicht weiter tragen könnten. Der Minister wandte sich dann gegen die Bel-auptung der Linken, daß der Etat in verschleierter Weise aufgemacht sei. Wenn man die Möolickkeit des Versailler Vertrages aus«

Abraten der eigenen Diplomaten gegen einen Weltkrieg bzogen, sondern es hat auch mit ganz besonderer Sorgfalt solche Stellen ge­strichen, die ein Zeugnis für die versöhnliche Haltung Deutschlands ablegten. So war m einer Depesche erwähnt, daß ein Telegramm- wechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem Za­ren begonnen habe. Eine Randnotiz des Am­tes bemerkte dazu, daß das eine wichtige Nach­richt sei. Trotzdem wurde der betreffende Satz von den Bearbeitern des Blanbuches gestrichen. Die lange verbreitete Auffassung, daß dieses Blaubuch eine ungeschminkte Schilderung der Lage gegeben habe, wie es sich zu Kriegs­beginn in London darstellte, kann in keiner Weise aufrecht erhalten werden Besonders be­fremdend ist es, daß man nach dem sogenann­tenFriedensschluß" noch sieben Jahre ver­streichen ließ, ohne die im August 1914 ver­breiteten Unwahrheiten richtig zu stellen.

schöpfen wolle und nicht auf 80 oder 60 000 Man» zurückoehen wolle, so könne man an dem Etat nichts streichen. Ein großer Teil der Ausgaben sei abfolid zwangsläufig Unrichtig sei die Behauptung, daß ein Milizheer billiger sein würde. Im Gegenteil, ein Milizheer brauche zur Ausbildung ein weit größeres geschultes Personal. Deshalb fei unser System realistisch. Allerdings könne man mit diesem System aus die Dauer nicht leben. Bei einem An- griff auf unser Volk sei eine Verstärkung unser« Armee nach diesem System nicht möglich.

Bian müsse fordern, daß das, was uns aufge­zwungen wurde, als Muster für eine allge­meine Abrüstung gelle: Also entweder allge­meine Abrüstung oder man muß Deutschland in die Lage versetzen, seinen Jlad)b ar n gleich­berechtigt gegenüberzulreten.

Man könne Deutschland nicht auf den fRüftungsftanS eines Jndianervolkes zurückdrängen. (Lebhafter Bei» fall.) Deutschland könne nicht aus die Gleichberechti­gung im kreise der Völker verzichten.

Der Minister ging dann weiter auf die Zurück­ziehung der Kontrollkommission ein, die das Heer als tiefste Demütigung empfunden habe, die je einem tapferen Volke geboten worden sei. Das Heer habe diese Demütigung umso bitterer emp- jfunben, als die Durchführung der Kontrolle nicht n den Händen irgendwelcher pazifistischer Organi- ationen lag, sondern in den Händen englisch-fran­zösischer Generalstabsoffiziere, die genau wußten, daß man mit alten Maschinengewehren eine Schlackzt nicht schlagen könnte. Der Minister sprach den Wunsch aus, den Bericht der Kontrollkommission zu veröffentlichen. Man müsse dem deutschen Volke zei­gen, daß aus allen Schichten und Tellen des Volkes die Kontrollkommission unterstützt worden sei, weni­ger von Leuten, die Geld gewinnen sollten, als von törichten Schwätzern. Man würde erstaunt sein, wenn man lesen könnte, mit welcher Verachtung die Ententeoffiziere von diesen Leuten geschrieben und gesprochen haben.

Das Mißtrauen der Sozialdemokraten,

so erklärte der Minister weiter, schmerze ihn tief. Er halte dieses Urteil für ungerecht. Die Sozialdemo­kraten seien seinerzeit, als man in Weimar das Heer auf das alte Offizierskorps aufbaute, damit ein­verstanden gewesen. Mit diesem Offizierskorps habe er arbeiten müssen. Er habe niemals Zweifel an feiner Stellungnahme gegenüber den Wehrverbän- den gelassen, er habe andererseits aber auch das Heer nicht auf republikanischen Elegien aufbauen können, sondern auf den Idealen des Soldatentums: Pflichterfüllung, Treue und Festhalten an dem ge­schworenen Eide.

Zu den Sozialdemokraten gewandt bemerkte bei Minister, daß man mit der ständigen Betonung von Mißtrailen gegenüber der Wehrmacht das Heer höchstens zerschlagen, aber niemals für die Republik gewinnen könne. Das Heer wolle auch einmal gelobt werden. Wenn behauptet werde, das Heer habe im Kapp-Putsch, in München und Küstrin versagt, so sei das unrichtig. Das Heer habe vom Kapp-Putsch gar nichts gewußt. Ein Führer habe gesagt, es fei schon so, wie General Heye erklärte, das Heer ge­horcht, es kommt nur auf die Führer an. Ich bin, erklärte der Minister, der festen Ueberzeugung, daß wir uns auf unsere Führer absolut verlassen fön« nen. Wenn das Heer heute auf einer verhältnis­mäßigen Höhe stehe, so sei das in erster Linie ein Verdienst des Generalobersten von Seeckt. Es sei aber auch ein Verdienst von Tausenden von neuen Offizieren und Beamten, die jahrelang während der Inflationszeit usw. Werktagsarbeit für die Republik getan haben. Das Heer verdiene das Vertrauen des Reichstages, daran fei nichts zu ändern. Der Mini­ster ging dann zur Frage der

Einstellung von Offizieren und Mannschaften über. Er hielt an der Einstellung durch den Kom- pagnieführer bezw Bataillonskommandeur fest und lehnte eine Zentralisieruna der Einstellung als