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202. StthvSM»»

-scheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Lezugspreis: Für den halben «onat AM. L-, für den ganzen Monat AM. 2.» ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag iS, amstag 12 A-Psg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Sreite ls A-Psg., im Aeklameteil von 68 mm Sreite 25 A-Pfg. Offertengebühr 50 A-Psg.

Mittwoch de«

L. Hy

1922

23. MSer

AAvKÄNd

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfast der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Sezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Sezugspreises. / Für plahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird feine Gewähr geleistet. ^Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3957,3958

Stresemann über den VattanLonslitt.

Erklärungen zur vussiMen Svage. - DaS Genfer Ergebnis nur ein ^ompsomitz für die Gegenwart. Nie verschlechterten Liussichten für eine vorzeitige Rbeiniandrâumnng.

I Betfitt, 22. März. Der Reichstag begann heute Beratung des Etats des Auswärtigen ites über den Abg. Dr. Hoetzsch (Dtn.) als Be- ' cerftatter kurz referierte.

Dv. Sivefemann

] iff sodann das Wort zu einer längeren Rede, in er sich zunächst dem Haushalt des A u s- rtigenAmtes zuwandte.Dieser Haushalt", rtlärt er,spielt im Rahmen des gesamten shalts nur eine sehr bescheidene Rolle. Im vori- machte der Gesamtetat des Auswärtigen Amtes Millionen Mark aus. Diesmal sind es vier l l i o n e n mehr. Festzustellen ist eine erfreu- ! Verminderung der Einnahmen der fc gebühren um eine Million Mark. Der kgang ist zurückzuführen auf die Tendenz des «alles der Paßgebühren. Es würde mich freuen, in ich Ihnen einmal einen Etat vorlegen könnte, dem die Einnahmen aus den Paßgebühren rhaupt verschwunden sind, denn es ist eine der Erwünschtesten Erscheinungen, daß wir den Ver-

zwischen den einzelnen Ländern durch Paß- übren erschweren, statt ihn zu fördern. (Beifall) Vir fehen in der gesamten Weltlage Entwick- gen, die uns zwingen, bei unseren oußenpoli- I jen Erwägungen mehr und mehr auch die Fak- m zu berücksichtigen, die außerhalb unserer eige- i auswärtigen Beziehungen liegen. Dabei denke

an

bei srotzs SrrtevnatrsAâ SvasenLomplesee.

Wir sehen einmal höchstbedeutsame Vorgänge, sich im Fernen Osten abspielen. Wir sind ferner ige von ernsten Auseinandersetzungen zwischen ä großen Ländern, deren Politik für Deutschland unmittelbarer Bedeutung ist. (England und zland. Schriftl.) Dazu kommen in den letzten ;e überraschende Nachrichten, die darauf hindeu- , daß auch die mit der

Lage auf dem Balkan immenhängenden internationalen Beziehungen m-nte der Unsicherheit aufweisen. Man wird gut , von den alarmierenden Meldungen, mit denen rächst über die letzteren Vorgänge berichtet wurde, [ abzuftreichen. Soweit sich die Dinge bisher von utschland aus übersetzen lassen,

:1 staube ich nicht, daß irgendwelche akute Gefahr letzt. Ich glaube das insbesondere aus den Mit- ungen schließen zu können, die, wie in der Presse eits bekanntgegeben, die italienische Regierung s in diesen Tagen zugehen ließ. Der Wille, ropa vor jeder Kriegsgefahr zu bewahren, hat in :n Ländern so stark Wurzel geschlagen, daß ein iedensbruch der Weltverurteilung -fallen würde. Aber auch die ruhigste Be­achtung der Dinge kann nicht verkennen, daß r von einer endgültigen Konsolidie- n g der allgemeinen internationalen Lage noch 'e i t entfernt finb. Wir haben deshalb allen rlah, auch diejenigen Vorgänge mit ernstester ifmerksamkeit zu verfolgen, die unsere eigenen rfgaben zunächst nicht zu berühren scheinen. Dabei die Stellung Deutschlands in diesen aßen internationalen Fragen von vornherein »geben. Seit den letzten Jahren hat sich die ßenpolitische Lage Deutschlands in. weitgehendem aße qctlart. Wir haben infolge dieser Klärung ne feste Grundlage für die Entschließungen ge« □nnen, vor die wir etwa künftig gestellt werden anten. Deutschland hat nur das eine große Jn- ress-, daß die Entwicklung nicht unter« rochen, und daß die Bemühungen um die Her- iführung einer internationalen Zusammenarbeit n Wiederaufbau Europas nicht gestört werden.

Für Deutschland kommt eine Politik der i Sonderbündnisfe nicht in Betracht, sondern nur eine Politik, die den Gedanken der Verständi­gung und des Ausgleichs widerstreitender In­teressen fordert.

s ist für uns eine glückliche Tatsache, daß sich in lefer Beziehung das wohlverstandene gesamteuro- äische Interesse mit dem individuellen Interesse Deutschlands völlig deckt. Daraus ergibt sich, daß die reignisse, von denen wir sprachen, an der grund- ttzlichen Einstellung unserer bisheril-en Außen- olitik nichts geändert haben und künftig nichts ndern werden. Wohin unsere Wege gehen, das eigen die internationalen Verträge, die wir in den rtzten Jahren getätigt haben. Unser Weg ist ge- ennzeichnet durch die Verträge von Locarno, den sirrt ritt in den Völkerbund und den Berliner Der- rag. Damit liegen unsere Absichten und Ziele iffen vor aller Welt zutage. Daß wir uns in dieser Situation von jeder unnötigen Einmischung fernzu- iahen haben, versteht sich von selbst. Soweit aber Deutschland zu einer Mitwirkung berufen sein sollte, ann unser Bemühen darauf gerichtet sein, zur Be- eitigung jener Spannungen das unsrige beizu- iragen. Wir können darauf rechnen, daß dieser deutsche Standounkt in der Welt Verständnis fin-

Krämpfe in Schanghai-

SusammenstStze mtt englischen Tvuvven. - GthvsÄenMrette« in Vev Shr«e§e«sta-t.

Schanghai. 22. März. Die Chinesensladl war jeute die Szene eines fast unbeschreiblichen Chaos, las in den Abendstunden in einer Straßen- chlvcht um den Besitz des Nordbahnhofs einen Höhepunkt erreichte. Am Nordbahnhof hatten ich mehrere hundert Mann Schaulungtruppen unter Führung weiß-russischer Offiziere verschanzt. Nachdem diese Stellung durch Artilkeriefeuer sturm­reif gemacht worden war. wurde sie kurz vor Racht­anbruch von den kantonesen erstürmt, die unter den Schantungtruppeo ein furcht­bares Blutbad anrichteten. Ungefähr 100 Sol­daten wurden hierbei getötet und ebenso viele schwer verwundet. Die übrigen suchten sich durch die Flucht zu retten. Sie stürmten einen Seitenzugang zum Frcmdenviertel. der von englischer Durham-Infanterie beseht war. Da die Fliehenden den Laltrufen der englischen Posten nicht folgten, eröffneten die Engländer das Feuer, wobei wertere 10 Chinesen getötet wurden. Zwei englische Solda­ten wurden in dem darauf folgenden Handgemenge durch Revolverschüsse schwer verwundet. Vor diesem Zwischenfall war es verschiedentlich innerhalb und außerhalb der internationalen Zone zu mehr oder minder schweren Zusammen st ößen gekommen. Die endlosen Demonstrationen, die ununfer- brochen durch die Hauptstraßen und besonders durch die zeitweilig gänzlich verstopfte Nanking-Road zogen, endeten regelmäßig in Zusammenstößen. Bei der auf dem Sportplatz abgehaltenen Waffenver- samlung, bei der der bekannte Kommunistenführer Ling Tschuin zur Bildung von Arbeiterräten auf- fordecte, tötete die fanatisierte nach Zehntausenden zählende Menge mehrere zur Mäßigung mahnende Zuschauer. Ebenfalls zu Zusammenstößen kam es anläßlich einer innerhalb der französischen Konzes­sion von Studenten der Aurora-Universität ver­anstalteten Kundgebung. Die Studenten, die die Umbenennung der Universität ih Sun Pat-seu-Uni- verfität verlangten, griffen einige den Ordnungs­dienst versehende anamitische Soldaten tätlich an, worauf die Demonstranten zerstreut und 25 5tu- deuten verhaftet wurden. Die meisten der Verhaf­teten wurden nach einer Verwarnung wieder frei- gelassen.

Schanghai, 22. März. (Reuter.) Schützen der nationalistischen Armee belästigen die nordöstliche Grenze der internationalen Niederlassung durch dauernd unterhaltenes Einzelfeuer. Die japanischen Seefoldalen, die den östlichen Teil dieser Gegend beseht Hallen, erwidern das Feuer von den hohen Dächern aus Schuß um Schuß. Auf die englische Tci.ppenabteilnng, die in der Nähe des Nordbahn­hofs den Verhau besetzt hält, wurde von Schanlung- Truppen gefeuert, die durch eine Salve zum Schwei­gen gebracht wurden. Bezeichnend für das Chaos, das außerhalb des Niederlaffungsgebietes herrscht, ist der Umstand, daß die Nordtruppen immer noch

den wird. Das möchte ich besonders betonen gegen­über manchen Ansichten, die dahin gehen, daß

bei einer Auseinandersetzung zwischen dritten Mächten versucht werden würde, Deutschland

auf die eine oder die andere Seile zu ziehem

Wenn, wie ich höre, englische Zeitungen besondere Schlüsse glauben ziehen zu können aus der Aktivi­tät der deutschen Botschafter, die in diesen Tagen Besuche machten, um sich über die Lage zu orien­tieren, so sei eine solche Betrachtung vollkommen abwegig. Ich halte es für selbstverständlich, daß un­sere Vertreter im Ausland auch ohne Instruktion der Zentrale es für notwendig erachten, diese Orien­tierung herbeizuführen. Auch in der Reichshauplstadt sind Besuche der Vertreter großer Mächte im Aus­wärtigen Amt aus demselben Anlaß erfolgt. Sie werden es begreiflich finden, wenn ich mich ange­sichts der gegenwärtigen Lage auf diese allgemeinen Bemerkungen beschränke. Cs gehört jedoch in den Zusammenhang dieser großen allgemeinen Fragen, daß ich noch auf einen Einzelpunkt Hinweise, der bei der Stellung Deutschlands gegenüber etwaigen Konflikten dritter Mächte von Wichtigkeit sein könnte. Zu meiner Ueberraschung haben einzelne russische Zeitungen plötzlich wieder die alltbekannte Frage aufgerollt,

ob Deukschland bei Verwicklungen in östlichen Ländern den Truppen der westlichen Mächte den Durchmarsch durch deutsches Gebiet zu ge­statten habe.

Diese Frage ist aus Anlaß der Locarnodebatte hier so ausgiebig behandelt worden, daß es nicht nötig ist, darauf noch einmal fachlich in allen Einzelheiten einzugeben. Für die Frage des sogen. Durch­

einen Panzerwagen laufen lassen, der auf alles feuert, was ihm in den Weg kommt. Wie man an­nimmt, sind die weihgardistifchen Ruffen, die die Besatzung des Vanzerzuges bilden, in Unkenntnis von der tatsächlichen Lage, oder sie haben Angst, den Schutz des Panzerzuges aufzugeben. Gestern sind von den Schantungtruppeo zwei Russen ange­sichts der englischen Wache am verhau geköpft und unter dem Jubel der Chinesen aus die Bajonette ge­steckt worden. Der Streik breitet sich weiter aus. Die bolschewistischen Einschüchterungsversuche werden kühner Die chinesischen Vorarbeiter haben die Ar­beite.- mit dem Tode bedroht, wenn sie nicht sofort den bolschewistischen Anordnungen Folge leisteten. Die Szenen in dem chinesischen Stadtviertel find schlimmer als in der Hölle zu be- zeichneu. Wan hört nur Schüsse, Schreie von Frauen und Kindern, die hysterisch hin- und Her- taufen. Viele Frauen sind unbekleidet, d a s i e von den Soldaten auf der Jagd nach Beute ihrer Kleider beraubt wurden. Schwer mit der Beute beladene Soldaten schützen sich mit Wa- schinengewehren, die von anderen Soldaten ge­tragen werden und die nicht zögern, sich den Weg durch die von Menschen gefüllten Straßen zu bah­nen, indem sie feuern und zahlreiche Leute töten. Der Abendhimmel wird erhellt durch die sich aus- breitenden Feuersbrünste. Die Straßen sind mit Getöteten besät.

Schanghai. 22. März. (Reuters. Heute nach­mittag spielten sich in den dicht bevölkerten Stadt­teilen in der Nähe des Chinesenviertels unbeschreib­liche Szenen ab. Die Bewohner dieser Stadtviertel, darunter viele englische und japanische Staatsan­gehörige, strömen scharenweise unter unaufhörlichem Gewehrfeuer nach der internationalen Nieder­lassung. Auf den Straßen drängen sich in unüber­sehbaren Zügen Rickshaws, Schubkarren, Automo- bile und andere Fahrzeuge, auf die meist in aller Eile die verschiedenen Habseligkeiten gepackt wur­den. Die städtischen Behörden unterstützen die Ab­wanderung durch ein starkes Aufgebot von Last­kraftwagen, die durch Panzerautos geleitet werden. Dieser Zustrom in die internationale Niederlassung verschärft die Knappheit an Derpflegungs- und Un­terkunftsmöglichkeiten, die bereits durch das Ein­treffen von Flüchtlingen aus dem oberen Dangse- Tal entstanden ist. Diele werden in dem allgemei­nen Krankenhaus untergebracht, während sich an­dere auf die Gastfreundschaft von Bekannten ver­lassen oder sonstwie Obdach suchen. In der franzö­sischen Konzession in der internationalen Nieder­lassung macht sich bereits Mangel an Fischen und Fleisch bemerkbar. Aus dem französischen Kloster in Tschapei wurden 300 chinesische und ausländische Kinder mit Unterstützung von Schantungsoldaten in die internationale Niederlassung gebracht.

marschrechtes kommt ausschließlich der be­kannte Artikel 16 der Völkerbundssatzung in Betracht, und zwar nach Maßgabe der ebenso be­kannten Note, welche die übrigen Locarnomächte hinsichtlich der Tragweite dieses Artikels an Deutsch­land gerichtet haben. Weitere Abmachun­gen irgendwelcher Art über diese Fragen b e - stehen nicht. Der ganze hiermit zusammen­hängende Fragenkomplex ist, wie alle Welt weiß, lange Zeit auch mit der Sowjetregierung erörtert, und dann ausschließlich bei der Unterzeichnung des Berliner Vertrages zum Gegenstand eines beson­deren Notenwechsels gemacht worden. Ich kann deshalb nur meinem Erstaunen darüber Ausdruck geben, daß einzelne russische Zeitungen es für angebracht halten, die Wahrheit und Voll­ständigkeit der früheren offiziellen deutschen Erklärungen in Zweifel zu ziehen und erneute Erklärungen in dieser Angelegenheit zu fordern. Zu solchen neuen Erklärungen liegt keiner­lei Anlaß vor. Wenn ich nach den allgemeinen weltpolitischen Fragen

dks einzeruett deutMen Kvasen erwähne, so kann ich auch hier feststellen, daß die Konsolidierung jener Beziehungen sich nicht geän­dert hat und sich nicht ändern kann in der Art und Weise, mit der wir die Lösung dieser deutschen Fragen anzustreben haben. In dieser Hinsicht be­steht das außenpolitische Proaramm, das der Herr Reichskanzler vor wenigen Monaten dem hohen Hause mitgeteilt hat, auch heute noch in jedem Wort zu Recht. Seitdem ich von dieser Stelle aus das letzte Mal über die uns unmittelbar inter­essierenden Probleme der Außenpolitik gesprochen habe, hat Deutschland

an zwei Tagungen des Völkerbundsrats feitgenommen.

Die Ergebnisse dieser Tagungen sind von dem Aus­wärtigen Ausschuß des Reichstages ausführlich be­raten worden. Sie umfassen die Fragen der Rege­lung des Investigationsprotokolls, ins­besondere die Beseitigung der oft diskutierten Elements Stables" im Rheinlands, die Aufhebung der Militärkontrolle über Deutschland, die inzwischen Tatsache geworden ist. Sie umfassen den für spätestens Juni vorgesehenen Abzug der französischen Truppen aus dem Saargebiet und die Errichtung des dortigen Bahnschutzes, ferner Fragen der Be­handlung deutscher Minderheitsschulen im Auslande. Darüber hinaus haben wir an der Be­handlung von Fragen teilgenommen, die mittelbar durch den grundsätzlichen Charakter der getroffenen Entscheidung sowie durch unsere Mitwirkung an unterstützenden Aktionen im Völkerbund oder an der Beseitigung von Streitfragen zwischen verschie­denen Nationen uns die Möglichkeit gaben, in die­sen Fragen mitzuarbeiten. Die beiden Tagungen des Völkerbundsrats haben einen neuen Beweis dafür erbracht, wie richtig der Beschluß war, Deutschland durch den Eintritt in den V ö l.k e r b u n d die Möglichkeit dieser aktiven Mit­arbeit zu geben. Wir sehen unsere Mitgliedschaft im Völkerbund keineswegs nur als ein aus oppor­tunistischen Gründen gewährtes Mittel an, um un­sere Sonderinteressen zu fördern. Die Deutschland berührenden Fragen stehen aber auch im Völker­bund besonders in der vordersten Reihe, weil der Völkerbund neben seinen großen allgemeinen Auf-^ gaben auch zum Vollstrecker einer Reihe non Bestimmungen des Versailler Ver­trages gemacht worden ist und wir selbstver­ständlich in diesen Fragen als Sachwalter unserer eigenen Angelegenheiten auf­treten. Das haben wir im Dezember und am An­fang dieses Monats getan und das werden und müssen wir weiterhin tun. Gewiß ist es uns nicht in allen bezeichneten Fragen gelungen, den deut­schen Standpunkt restlos zur Geltung zu bringen. Wir haben bei Aufrechterhaltung unseres Rechts­standpunktes in einigen wichtigen Punkten uns zu

Kompromissen für die Gegenwart verstanden.

Wir haben uns dabei auch nicht gescheut, in offener und ausführlicher Diskussion unseren deut­schen Standpunkt und die Kritik der Tätigkeit des Völkerbundes in früheren Zeiten bestimmt zum Ausdruck zu bringen.

Es folgt aus der Stabilität des Völkerbundes, daß sich der Völkerbundsrat als durchaus tragfähig erwiesen hat für die offene Diskussion, wie sie letzt­hin dort stattgefunden hat. Gerade diese offene Dis­kussion im Völkerbund und die im Anschluß an jede Völkerbundstagung gegebene Möglichkeit zu offener vertrauensvoller Aussprache mit den leitenden Staatsmännern anderer Staaten berechtigen uns zu der Erwartung, daß der loyale Verständigungs­wille, den wir bei Erörterung dieser Fragen gezeigt haben, auch von der Gegenseite in den großen Fra­gen bewiesen werden wird, deren Lösung noch vor uns liegt. Sie wissen alle, an welche Fragen ich dabei denke.

Die rrSumttttssfvass.

Wir waren zu der Hoffnung berechtigt, daß man auch in denjenigen Ländern, welche noch Truppen im Rheinland stehen haben, zu der Erkenntnis ge­kommen war,

daß eine baldige Räumung des Rheinlandes und die Rückgabe des Saargebietes an Deutsch­land eine Notwendigkeit wäre.

Wir stehen heute vor der Tatsache, daß wir uns in den letzten Monaten von der Erfüllung dieses Wunsches eher entfernt haben, als daß wir ihr näher gekommen wären. Dis Ursachen, die hierzu geführt haben, liegen außer­halb und nicht innerhalb Deutschlands. Wenn ich als Außenminister angesichts des augenblicklichen Standes der Dinge dazu rate, die weitere Entwick­lung der Dinge ohne Ausbrüche der Un­geduld abzuwarten, so weiß ich, wie leicht ein derartiger Standpunkt sich kritisieren läßt. Ich bitte Sie aber, das Wortabwarten" nicht gleich­zusetzen mit dem Gedanken passiver Resignation seitens der Regierung. Auch im Abwarten kann ein Moment enthalten sein, das die weitere Entwick­lung in unserem Sinne fördert. Sie wissen, daß die Regierung, wenn sie die Räumung des Rhein­landes fordert, sich stützen kann auf die im Ver­sailler Vertrag selbst gegebenen völkerrechtlichen Grundlagen, sich stützen kann auf die moralische Auswirkung der Locarno-Verträge, sich stützen kann auf jene von den führenden Großmächten Europas gewünschte Entwicklung eines guten Einvernehmens mit Deutschland, das mit der Aufrechterhaltung der Besetzung des Rheinlandes schlechterdings nicht ver­einbar ist