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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall tos Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u.Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. ^Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3958

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Ir Dev Vatkan-âoniAtt.

Die Spannung, die sich in den letzten hen zwischen Italien und Jugoslawien be­kbar machte, ist mit einem Male akut ge­ben. Es wird behauptet, daß Jugoslawien der albanischen Grenze Truppen aufmar- ren lasse, und wenn man alle diese Ge- te von Belgrad aus auch dementiert hat, ind sie in Row doch nicht ohne tiefen Ein- f geblieben. Die italienische Regierung ärt zwar, daß sie militärische Gegenmaß- men nicht ergreifen wolle, doch zweifelt me­ld daran, daß Mussolini italienische Trup- in demselben Augenblick in Albanien ein­schieren lassen wird, in dem dieses Land Jugoslawien ernstlich bedroht wird. Ob Lage sich in diesem Maße verschärfen wird, n niemand wissen. Sicher ist nur, daß in loflamten eine gereizte und vielleicht auch tjdselige Stimmung gegen Italien herrscht, l man dem italienischen Diktator die Ab- . zuschreibt, seine Hand auf Albanien zu 'N und dadurch festen Fuß am Balkan zu en. Der seit altersher vorhandene italle- I h-serbische Gegensatz schien zum mindesten k abgemildert, als Italien und Jugosla- n im Januar 1924 einen Freundschaftsvr- 1 schlossen, der die beiden Staaten vor allen -gen in gute Handelsbeziehungen bringen te. Die Besserung der Beziehungen hielt r nicht lange an. Im November 1926 wurde schen Italien und Albanien der Vertrag i Tirana unterzeichnet, der in Jugoslawien rrt das schärfste Mißtrauen wachrief. Man r in Belgrad ganz fest davon überz ugt, i Mussolini mit dem Vertrag die Absicht ! folgte, Albanien zu einem italienischen Wallenstaat zu machen. Man blieb deshalb tz aller italienischen Dementis auch dabei, * ' Vertrag von Tirana müsse Geheimklauseln halten, durch die sich Italien den beherr- mden Einfluß in Albanien gesichert habe.

In Belgrad glaubte man den Rückschlag i Vertrages von Tirana sofort zu fühlen, r Präsident der albanischen Republik, Ach- d Bey Zogu, hatte bis zum November v. I. it Jugoslawien die besten Beziehungen unter­sten. Nach dem Abschluß des Vertrages irde er zurückhaltend und zeigte der Bel­ader Regierung die kalte Schulter. Der fer­che Außenminister Nintfchitsch, der für den llieNisch-ssrbischen Freundschaftsvertrag ver- Iwortlich war, mußte zurücktreten. Sein: Mitif einer Verständigung mit Italien hatte aen Kredit verloren, und so mußte er die ittäuschung der serbischen Oeffentlichkeit mit wem Posten bezahlen. Inzwischen ist die pannung mehr und mehr gemachten. Ein ewnorker Blatt verbreitete die Nachricht, in 'banien werde mit italienischer Unterstützung N Staatsstreich vorbereitet, damit Mussolini m gewünschten Anlaß finde, auf Grund des ertrages von Tirana dem Präsidenten der epublik zur Hilfe zu eilen und auf diese Seife von Albanien Besitz zu ergreifen. Man mn sich denken, daß diese Nachricht in Bel- rad eine starke Nervosität hervorrief, und so ögen die Nachrichten von eier jugoslawischen ruppenkonzentration an der albanischen

i

Grenze vielleicht nicht vollständig auf Unwahr­st beruhen. Das gegenseitige Mißtrauen ist wischen Italien und Jugoslawien jedenfalls ufs Höchste gestiegen und in einer solchen age kann auch ein kleiner Zwischenfall schließ- d) von Bedeutung werden.

Es wäre aber vorläufig doch wohl falsch, üe Gefahr eines ernsthaften, kriegerischen Bal- ankonfliktes für sehr groß zu halten. Der Friedfertigkeit Italiens wird man nicht allzu- veit trauen dürfen. Mussolsini würde die nationalen Leidenschaften wahrscheinlich gar­nicht mehr zügeln können, wenn Jugoslawien nurch irgend eine Aktion den Faschistenstaat herausfordern sollte. Aber England und Frankreich werden ganz sicher alles tun, um ünem kriegerischen Konflikt am Balkan vorzu­beugen und ihr vereinter Druck wird genügen, um Jugoslawien von unüberlegten Schritten zurückzuhalten. So ernst man also auch die Lage zu beurteilen hat, so braucht man doch vorläufig noch nicht damit zu rechnen, daß ein unwiderruflicher Entschluß in Rom oder in Belgrad die äußersten Konsequenzen unver­meidlich macht. Was Deutschland anlangt, so .werden wir uns in jeder Beziehung auf strengste Neutralität beschränken. Wir werden uns weder irgendwelchen diplomatischen Schritten in Belgrad oder Rom anschließen, noch werden wir versuchen, auf eigene Faust den Vermittler zu spielen. Unsere Macht- lâüateU zwingt uns dazu, uns jeder Mächte-

Die Mantoneien im Schanghai

London. 21. März. wie aus Schanghai ge­meldet wird, ist die Lhinesenstadt von den Süd­truppen beseht worden, nachdem heute morgen die letzten Nordlruppen abgezogen waren. Die Verteidi­gungslinien vor der internationalen Niederlassung und die französische Konzession werden von den Landungskorps der Wesimâchle gehalten. Ein Ein­dringen der Kantontruppen in die Niederlassungen soll mit allen Mitteln verhindert werden. In Schanghai herrscht ungeheure Erregung, von den internationalen Behörden wurde der Ausnahmezu­stand verhängt, das Freiwilligenkorps wurde mobi­lisiert. Die Kriegsschiffe haben klar zum Gefecht ge­macht und ihre Geschütze auf die Lhinesenstadt, das Arsenal und die Eisenbahnstation gerichtet.

Schanghai, 21. März. Mit Ausnahme des Nordbahnhofs, wo noch gelegentlich Schüsse fallen, war die ganze Lhinesenstadt heute abend in der Hand der kantonesischen Truppen, deren ge­ordnete Formationen den ganzen Tag hindurch in die Stadt einrückken. Der Guerillakrieg in der Lhi- nesenskadt und besonders im Viertel Tschapei, wo noch am Nachmittag schwere Straßenkâmpfe statt­fanden, ist von den kantonesischen Truppen unter­drückt worden: dagegen ist im Tschapei-Bezirk ein Feuer ausgebrochen, das bisher noch nicht gelöscht werden konnte. Sämtliche öffentlichen Gebäude, mit Einschluß der Polizeistationen, sind in den Händen der Kankonleuke, deren Zivilkommissare ebenfalls bereits eingetroffen sind und die Verwaltung über­nommen haben. Ueberall und auch auf Häusern innerhalb der internationalen Zone wehte bei Nachteinbruch die Kuomintangflagge.

Die Streikbewegung hat während des ganzen Tages stündlich an Umfang zugenommen. Augen­blicklich sieben 130 000 Arbeiter im Streck. Sämtliche Baumwollfabriken liegen still, auch der Straßen­bahn und Antobusverkehr ist vollständig eingestellt. Das Elektrizitätswerk arbeitet nur noch mit stark re­duzierter Belegschaft, die unter dem Schutz von englischen Marinetruppen steht. Während des Tages kam es mehrfach zu Demonstrationen auch in der französischen Konzession, wo unter Führung von Studenten mehrere tausend Arbeiter mit Kanton- flaggen demonstrierten. Das Geschäftsleben war im Laufe des Tages vollständig paralysiert.

Auf Wunsch der Gemeindeverwaltung der inter­nationalen Niederlassung sind nunmehr auch hollän­dische, spanische und italienische Seesoldaten gelandet worden In der französischen Konzession wurden französische Seesoldaten an Land gesetzt. Ferner sind

fombinatton fernzuhallen und uns allen Mäch­ten gegenüber freie Hand zu bewahren. Han­delten wir anders, so würde uns die Rolle des Prügelknaben sicher nicht erspart bleiben. Daß wir im Auslandegute Freunde" genug haben, die uns eine solche Rolle zuweisen möchten, braucht uns nach früheren Erfahrun­gen nicht wunderzunehmen. Wenn man uns auch nicht unmittelbar aus unserer Reserve hervorlocken kann, so möchte man uns doch wenigstens auf dem Umweg über den Völker­bund an dem Streitfall beteiligen. Man legt uns nahe, die italienisch-serbische Spannung vor den Völkerbundsrat zu bringen und man möchte uns dazu mit dem freundlichen Hin­weis ermuntern, daß Deutschland auf der letzten Ratstagung den Vorsitz geführt habe. Alle diese freundlichen Rat­schläge sind in den Wind geredet. Die deutsche Regierung denkt auch nicht im entfern- tesien daran, sich als Ratsmacht mit der ser­bisch-italienischen Spannung zu befassen. Es steht jeder Völkerbundsmacht zu, den Rat an- gurufen und es ist Sache der Nächstbeteiligten, d. h. Italiens und Jugoslawiens, zu diesem Mittel zu greifen, wenn sie einem Konflikt aus dem Weg gehen wollen. Hat der Völkerbund bei dieser Affäre einen Ruf zu verlieren, so gibt es alte u. erfahrene Ratsmächte genug, die die Initiative ergreifen können. Man wird nicht gerade von der jüngsten Ratsmacht erwarten können, daß sie in die Bresche springt, um das Prestige des Völkerbundes zu wahren.

»««tschland und bee SaWatt- MbuHiH.

, Berlin, 22. März. Der ilalienische Bot­schafter stattete gestern abend Dr. Stresemann einen Besuch ab. wie derLvkal-An,." hört, hat der Botschafter im Anschluß an die der Reichsregie­rung am Samstag überreichte italienische 21 Iba- niennote dem Außenminister das angekündigte aus­führliche Material in der Form eines Aide- moire überreicht. Der deutsche Botschafter in Rom. v. Neurath, wird heule in Berlin erwartet.

Ausländische Blätter wissen zu berichten. Herr v. Hoesch habe gestern in Paris mit Herrn Berthelot die Möglichkeit einer Einberufung des Völkerbundsrats erörtert Das ist, wie wir an zu­ständiger Stelle erfahren, nicht zutreffend. Es ist auch unrichtig, daß, wie es an anderer Stelle heißt, Deutjchlovd bei den Mächte« sondiert hätte, ob

1500 amerikanische Seesoldalen mit Maschinenge­wehren gelandet worden. Im Norden der inter­nationalen Niederlassung wurde ein gegen plün­dernde chinesische Soldaten vorgehender Panzer­wagen unter anhaltendes Maschinengewehrfeuer ge­nommen. Ein englischer Offizier und drei Mann wurden verwundet. Gestern nachmittag kam es in einem der größten chnesischen Warenhäuser in der internationalen Niederlassung zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Streikenden. Sikhs zerstreuten hierauf die großen Menschenansammlungen, die sich in der Umgebung gebildet hatten und die Ruhe wurde wieder hergestellt, nachdem die Lage zeitweilig sehr bedrohlich erschien. Ein ausländischer Polizist und ein Hilfspolizist wurde leicht verwundet. Auch auf der Hanking-Straße kam es zu Zusammenstößen.

Schanghai, 21. März. Während der für die Hin­richtungen gelegentlich des ersten Generalstreiks ver­antwortliche Nordgeneral Pi Tschau-tschen kurz vor Einrücken der kantonesischen Truppen in die fran­zösische Konzession entkommen ist, wo er sich im Hotel Astor House aufhält, sind einige der für die Hinrichtungsbefshle Mitverantwortlichen den Kan- tonesen in die Hände gefallen. Sie werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Einige der damaligen Henker wurden jedoch von den streikenden Arbeitern entsetzt und auf der Stelle niedergemacht. 70 Weiß­russen haben sich am Tore der französischen Kon­zession eingefunden und sind, nachdem sie entwaffnet wurden, eingelassen worden.

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in Schanghai.

London, 22. März. Reuter meldet aus Schang­hai. Die Streikenden und 150 000 Mann der Schan- tung-Truppen plündern die chinesische Stabt, wo eine vollkommene Schreckensherrschaft ousgebrocheu

Äuth «anMns sevSttmi.

Schanghai. 21. März. Nach unbestätigten Mel- düngen haben die Nordtruppen Nanking verlassen. Die Vorhut der gegen die Stadt eingesetzten kanto­nesischen Armee hat bereits die Vorstädte besetzt, ohne daß es noch zu irgend welchen Gefechten ge­kommen wäre. Die Nordtruppen sind augenschein­lich gänzlich demoralisiert und fliehen plündernd nach Norden.

Schanghai, 22. März. Der Abmarsch der Frauen und Kinder aus Nanking hat heute bei Tagesanbruch begonnen.

eine Einberufung des Völkerbundsrale» opportun wäre. Die Reichsregierung Hal, wie die Situation liegt, keinerlei verlangen, die Initiative zur Ein­berufung des välkerbunhsrales zu ergreifen.

Mu ßchwevev rwr§che«fM in BeSsvad.

Belgrad, 21 März. Die Skuptschina hat heute vormittag 11 Uhr die Debatte über die Ausführun­gen des Außenministers Peritsch begonnen. Wäh­rend einer Rede des gewesenen Außenministers Trumbitsch, der die italienfreundliche Politik Nintschitschs scharf kritisierte, kam es zu einem peinlichen Zwischenfall, der nicht ohne Folgen bleiben wird. Von feiten der Opposition fielen wie­derholt feindselige Zwischenrufe gegen Italien. Der Abg. Wilder sprang plötzlich auf und rief, gegen die Diplomatenloge gewendet, wo in der ersten Reihe General Bordrero, der italienische Gesandte, saß:

Der italienische Gesandte, General Bordrero, ist noch immer hier! hinaus mit ihm aus dem Lande mit feiner ganzen Spionagebande. Der südslawische Gesandte Balugazitsch mußte Rom bereits verlassen. Warum ist Bordrero noch immer hier?"

Bei der Opposition wurden die Worte Wilders mit Beifall ausgenommen, während sie auf die Mitglieder der Regierung sichtlich einen peinlichen Eindruck machten. Der Präsident der Skuptschina unterbrach zur Zeit des Protestes die Versamm­lung und verließ den Saal. Die Mitglieder der Re­gierung traten sofort zu einem Ministerrat zusam­men, um die weiteren Schritte zu besprechen.

Belgrad, 22. März. Der Abg. Wilder wurde vom Präsidenten der Skuptschina von den drei fol­genden Sitzungen ausgeschlossen. Am Nachmittag stattete Außenminister Petritsch im Zusammenhang dem italienischen Gesandten einen Besuch ab.

Urlaub vüt LusoNawie« zur mssrgung.

Paris, 21. März. Wie Havas berichtet, hat Außenminister Briand dem französischen Ge­sandten in Belgrad Instruktionen übersandt, in Denen er ihn auffordert, der südslawischen Regie­rung während der gegenwärtigen Krise eine maß­volle Haltung und Vorsicht anzuraten. Der Gene­ralsekretär am Quai d'Orsay, Pilippe Berthelot, hat den südslawischen Gesandten in Paris empfangen und ist bei diesem in gleicher Weise vorstellig ge­worden. Der bulgarische Gesandte ist heute oor mittag am Quai d'Orsay erschienen und hat aufs neue die Versicherung der friedlichen Gefühle sei­nes Landes abgegeben. Heute vormittag empfing Außenminister Briand, wie bereits angetündigt,

den italienischen Botschafter Baron Avezzana. Ueberdies, so heißt es in der Havasmeldung wei­ter, verständigten sich die Mitgliedsstaaten des Völ­kerbunds fernerhin, um gemeinsam die Schritte

festzusetzen, die geeignet sind, Spannung zwischen Italien uv

, die gegenwärtige und Südslawien zu be-

heben, nötigenfalls durch Einberufung des Völker­bundsrates gemäß Artikel 11 des Völkerbunds- statuts. Die heute vormittag in der Pariser Presse verbreitete Nachricht, Botschafter v. Hoesch habe gestern in irgendeiner Form eine Anregung der Reichsregierung über die Einberufung des Völker- bundsrates am Quai d'Orsay überbracht, entbehrt jeder Grundlage. Der deutsche Botschafter hatte ledig­lich mit dem Generalsekretär am Quai d'Orsay, Philippe Berthelot, eine Unterredung über die augenblickliche Lage. Auch die Nachricht der Chicago Tribune , daß das serbische Kabinett be­reits beschlossen habe, sich an den Völkerbund zu wenden, wird in unterrichteten französischen Strei­fen als unbegründet bezeichnet.

MilttSvttche Sovbeveitttttse« des Ltalienev.

Budapest, 21. März. Aus Agram werden miß- tärische Vorbereitungen der Italiener längs bei jugoslawischen Grenze gemeldet. So sei in Polo eine neue Militärflugstation angelegt worden und mehrere italienische Militärflugzeuge patrouillier ten ständig die südserbische Küste ab. Das 11 Bergsagliere-Regiment sei an die Grenze verlegt worden, während die italienischen Garnisonen m Fiume, St. Peter und Jüria um ein Bataillon ver­stärkt wurden.

Dolen evwavtet ben âvteg mit Deutschland.

de Rede des Vertreter« in Kattowitz.

Eine aufsehenerregen!

Pilsudskis

In Kattowitz fand am Sonntag die mit allen Mitteln vorbereitete Demonstration anläßlich des sechsten Jahrestages der Abstimmung statt, für die man polnischerseits keine Mühe und Kosten ge­scheute hatte. Mit den fahrplanmäßigen Zügen und in 20 Sonderzügen hatte man die erforderlichen Massen herbeigeschafft. Volle drei Stunden zog man durch die Straßen der Stadt. Die Zahl der Teilnehmer wird amtlich auf 150 000 beziffert. Da bei ist allerdings festzustellen, daß der größte Teil der Teilnehmer aus Staats- und Kommunalbeam­ten bestand, die

zur Teilnahme an dec Demonstration gezwungen wurden, aus Aufständischen und den sonsti­gen militärischen Organisationen, die abko m- manbiert waren, aus Arbeitern, besonders von

den staatlichen Gruben, die angesichts der Drohen­den großen Arbeiterentlassungen notgedrun­gen teilnahmen, um nicht Brot und Arbeit zu verlieren, denn bie Nichtbeteiligung wäre einer staatsfeindlichen Erklärung gleichgekommen. Hinzu kommen noch die vielen Schulkinder, und man muß sagen, daß es unter diesen Umständen nicht schwer gefallen sein kann, diese Massen aufmar­schieren zu lassen, und dann Dem Auslande durch die zahlreich geladenen Pressevertreter. verkünden zu lassen, daß das oberschlesische Volk sich-treu zum Mutterland^ Polen bekenne.

Gegen 3 Uhr nachmittags wurden durch zwei Megaphone Ansprachen der Behordsnvertre- ter gehalten. Von der Regierung war der Han)els- minlster Kwiatkowski erschienen, de^ u. a. ausführte, daß Polen ohne Schlesien, und Schlesien ohne Polen nicht existieren könnten, und daher kein Fuß breit polnischer Erde aufgegeben werden dürfe. In einer Entschließung wird die unerschüt­terliche Treue zumMutterland" Polen gelobt und versichert, daß Man die Unantastbarkeit der pol­nischen Grenze mit seinem Blute verteidigen wolle. Dieunter deutscher Fremdherrschaft leidenden Brüder" würden auch nicht vergessen und aufge- sordert, weiter treu zu ihrernational-polnischen Ueberzeugung" zu halten. Zum Schluß heißt es, ' 16 der Minderheit die Minderheitsschule nicht ab=

daß der ___________, ______________ ,

gesprochen werde, daß man aber eine Auslegung der Genfer Konvention nicht zulassen werde, die zurEntnationalisierung der polnischen Kinder und damit zu einem Handel mit den polnischen Kinder­

seelen" führen könnte.

Nach derP o l o n i a" hat der als offizieller Vertreter Pilsudskis zur Abstimmungs­feier in Kattowitz entsandte General Romer aus Warschau gestern bei einem Frühstück

eine sensationelle Rede

gehalten, die nicht verfehlen werde, im Auslande ein unerwünschtes Echo zu erwecken. Diese Rede hätten nämlich nicht nur Polen gehört, sondern auch die Vertreter der ausländischen Presse, unter denen Polen doch nicht nur ge- chworene Freunde habe. General Romer habe den Wert Oberschlesiens vom militärischen Standpunkt aus im Kriegsfälle heroorgehoben und dabei un­glücklicherweise bemerkt: Und zu täuschen brauchen wir uns nicht,

dieser Krieg kommt!

Die Ankündigung eines Krieges von dieser Seite, die aus dieser Versammlung den Präsidenten )es Ministerrates vertrat, habe allgemeine Bestürzung hervorgerufen. DiePolonia" ver­acht natürlich^ der Auffassung, daß die polnische Regierung Krieg zu führen beabsichtige, zu wider- prechen. Das Blatt fährt aber fort, General Romer sei ein Beweis dafür, wie gefähr­lich die Umgebung Pilsudskis sei. Seine Entglei­sung in Gegenwart der ausländischen Pressevertre­ter sei ferner ein Beweis dafür, daß die Polstik