202. Sadssang
Generat Skyeiger für
0MM «Stadt und Land
«. 68
DienStas den
22. «Ser
1922
I wMir ™ N ■Will HIHI I ,11 »M»»WM»WMM««»«MM2»»Wâ. ; ’ ' ^^ ., ^»1—»^?:
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall tos Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u.Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. ^Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3958
scheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben mal RM. 1.—, für den ganzen Monat RM. 2.— ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, anStag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreije: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite si-pfg., im Reklaineteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. ^Offertenqebühr 50 R-Pfg.
Ir Dev Vatkan-âoniAtt.
Die Spannung, die sich in den letzten hen zwischen Italien und Jugoslawien bekbar machte, ist mit einem Male akut geben. Es wird behauptet, daß Jugoslawien der albanischen Grenze Truppen aufmar- ren lasse, und wenn man alle diese Ge- te von Belgrad aus auch dementiert hat, ind sie in Row doch nicht ohne tiefen Ein- f geblieben. Die italienische Regierung ärt zwar, daß sie militärische Gegenmaß- men nicht ergreifen wolle, doch zweifelt meld daran, daß Mussolini italienische Trup- in demselben Augenblick in Albanien einschieren lassen wird, in dem dieses Land Jugoslawien ernstlich bedroht wird. Ob Lage sich in diesem Maße verschärfen wird, n niemand wissen. Sicher ist nur, daß in loflamten eine gereizte und vielleicht auch tjdselige Stimmung gegen Italien herrscht, l man dem italienischen Diktator die Ab- . zuschreibt, seine Hand auf Albanien zu 'N und dadurch festen Fuß am Balkan zu en. Der seit altersher vorhandene italle- I h-serbische Gegensatz schien zum mindesten k abgemildert, als Italien und Jugosla- n im Januar 1924 einen Freundschaftsvr- 1 schlossen, der die beiden Staaten vor allen -gen in gute Handelsbeziehungen bringen te. Die Besserung der Beziehungen hielt r nicht lange an. Im November 1926 wurde schen Italien und Albanien der Vertrag i Tirana unterzeichnet, der in Jugoslawien rrt das schärfste Mißtrauen wachrief. Man r in Belgrad ganz fest davon überz ugt, i Mussolini mit dem Vertrag die Absicht ! folgte, Albanien zu einem italienischen Wallenstaat zu machen. Man blieb deshalb tz aller italienischen Dementis auch dabei, * ' Vertrag von Tirana müsse Geheimklauseln halten, durch die sich Italien den beherr- mden Einfluß in Albanien gesichert habe.
In Belgrad glaubte man den Rückschlag i Vertrages von Tirana sofort zu fühlen, r Präsident der albanischen Republik, Ach- d Bey Zogu, hatte bis zum November v. I. it Jugoslawien die besten Beziehungen untersten. Nach dem Abschluß des Vertrages irde er zurückhaltend und zeigte der Belader Regierung die kalte Schulter. Der ferche Außenminister Nintfchitsch, der für den llieNisch-ssrbischen Freundschaftsvertrag ver- Iwortlich war, mußte zurücktreten. Sein: Mitif einer Verständigung mit Italien hatte aen Kredit verloren, und so mußte er die ittäuschung der serbischen Oeffentlichkeit mit wem Posten bezahlen. Inzwischen ist die pannung mehr und mehr gemachten. Ein ewnorker Blatt verbreitete die Nachricht, in 'banien werde mit italienischer Unterstützung N Staatsstreich vorbereitet, damit Mussolini m gewünschten Anlaß finde, auf Grund des ertrages von Tirana dem Präsidenten der epublik zur Hilfe zu eilen und auf diese Seife von Albanien Besitz zu ergreifen. Man mn sich denken, daß diese Nachricht in Bel- rad eine starke Nervosität hervorrief, und so ögen die Nachrichten von eier jugoslawischen ruppenkonzentration an der albanischen
i
Grenze vielleicht nicht vollständig auf Unwahrst beruhen. Das gegenseitige Mißtrauen ist wischen Italien und Jugoslawien jedenfalls ufs Höchste gestiegen und in einer solchen age kann auch ein kleiner Zwischenfall schließ- d) von Bedeutung werden.
Es wäre aber vorläufig doch wohl falsch, üe Gefahr eines ernsthaften, kriegerischen Bal- ankonfliktes für sehr groß zu halten. Der Friedfertigkeit Italiens wird man nicht allzu- veit trauen dürfen. Mussolsini würde die nationalen Leidenschaften wahrscheinlich garnicht mehr zügeln können, wenn Jugoslawien nurch irgend eine Aktion den Faschistenstaat herausfordern sollte. Aber England und Frankreich werden ganz sicher alles tun, um ünem kriegerischen Konflikt am Balkan vorzubeugen und ihr vereinter Druck wird genügen, um Jugoslawien von unüberlegten Schritten zurückzuhalten. So ernst man also auch die Lage zu beurteilen hat, so braucht man doch vorläufig noch nicht damit zu rechnen, daß ein unwiderruflicher Entschluß in Rom oder in Belgrad die äußersten Konsequenzen unvermeidlich macht. Was Deutschland anlangt, so .werden wir uns in jeder Beziehung auf strengste Neutralität beschränken. Wir werden uns weder irgendwelchen diplomatischen Schritten in Belgrad oder Rom anschließen, noch werden wir versuchen, auf eigene Faust den Vermittler zu spielen. Unsere Macht- lâüateU zwingt uns dazu, uns jeder Mächte-
Die Mantoneien im Schanghai
London. 21. März. wie aus Schanghai gemeldet wird, ist die Lhinesenstadt von den Südtruppen beseht worden, nachdem heute morgen die letzten Nordlruppen abgezogen waren. Die Verteidigungslinien vor der internationalen Niederlassung und die französische Konzession werden von den Landungskorps der Wesimâchle gehalten. Ein Eindringen der Kantontruppen in die Niederlassungen soll mit allen Mitteln verhindert werden. In Schanghai herrscht ungeheure Erregung, von den internationalen Behörden wurde der Ausnahmezustand verhängt, das Freiwilligenkorps wurde mobilisiert. Die Kriegsschiffe haben klar zum Gefecht gemacht und ihre Geschütze auf die Lhinesenstadt, das Arsenal und die Eisenbahnstation gerichtet.
Schanghai, 21. März. Mit Ausnahme des Nordbahnhofs, wo noch gelegentlich Schüsse fallen, war die ganze Lhinesenstadt heute abend in der Hand der kantonesischen Truppen, deren geordnete Formationen den ganzen Tag hindurch in die Stadt einrückken. Der Guerillakrieg in der Lhi- nesenskadt und besonders im Viertel Tschapei, wo noch am Nachmittag schwere Straßenkâmpfe stattfanden, ist von den kantonesischen Truppen unterdrückt worden: dagegen ist im Tschapei-Bezirk ein Feuer ausgebrochen, das bisher noch nicht gelöscht werden konnte. Sämtliche öffentlichen Gebäude, mit Einschluß der Polizeistationen, sind in den Händen der Kankonleuke, deren Zivilkommissare ebenfalls bereits eingetroffen sind und die Verwaltung übernommen haben. Ueberall und auch auf Häusern innerhalb der internationalen Zone wehte bei Nachteinbruch die Kuomintangflagge.
Die Streikbewegung hat während des ganzen Tages stündlich an Umfang zugenommen. Augenblicklich sieben 130 000 Arbeiter im Streck. Sämtliche Baumwollfabriken liegen still, auch der Straßenbahn und Antobusverkehr ist vollständig eingestellt. Das Elektrizitätswerk arbeitet nur noch mit stark reduzierter Belegschaft, die unter dem Schutz von englischen Marinetruppen steht. Während des Tages kam es mehrfach zu Demonstrationen auch in der französischen Konzession, wo unter Führung von Studenten mehrere tausend Arbeiter mit Kanton- flaggen demonstrierten. Das Geschäftsleben war im Laufe des Tages vollständig paralysiert.
Auf Wunsch der Gemeindeverwaltung der internationalen Niederlassung sind nunmehr auch holländische, spanische und italienische Seesoldaten gelandet worden In der französischen Konzession wurden französische Seesoldaten an Land gesetzt. Ferner sind
fombinatton fernzuhallen und uns allen Mächten gegenüber freie Hand zu bewahren. Handelten wir anders, so würde uns die Rolle des Prügelknaben sicher nicht erspart bleiben. Daß wir im Auslande „gute Freunde" genug haben, die uns eine solche Rolle zuweisen möchten, braucht uns nach früheren Erfahrungen nicht wunderzunehmen. Wenn man uns auch nicht unmittelbar aus unserer Reserve hervorlocken kann, so möchte man uns doch wenigstens auf dem Umweg über den Völkerbund an dem Streitfall beteiligen. Man legt uns nahe, die italienisch-serbische Spannung vor den Völkerbundsrat zu bringen und man möchte uns dazu mit dem freundlichen Hinweis ermuntern, daß Deutschland auf der letzten Ratstagung den Vorsitz geführt habe. Alle diese freundlichen Ratschläge sind in den Wind geredet. Die deutsche Regierung denkt auch nicht im entfern- tesien daran, sich als Ratsmacht mit der serbisch-italienischen Spannung zu befassen. Es steht jeder Völkerbundsmacht zu, den Rat an- gurufen und es ist Sache der Nächstbeteiligten, d. h. Italiens und Jugoslawiens, zu diesem Mittel zu greifen, wenn sie einem Konflikt aus dem Weg gehen wollen. Hat der Völkerbund bei dieser Affäre einen Ruf zu verlieren, so gibt es alte u. erfahrene Ratsmächte genug, die die Initiative ergreifen können. Man wird nicht gerade von der jüngsten Ratsmacht erwarten können, daß sie in die Bresche springt, um das Prestige des Völkerbundes zu wahren.
»««tschland und bee SaWatt- MbuHiH.
, Berlin, 22. März. Der ilalienische Botschafter stattete gestern abend Dr. Stresemann einen Besuch ab. wie der „Lvkal-An,." hört, hat der Botschafter im Anschluß an die der Reichsregierung am Samstag überreichte italienische 21 Iba- niennote dem Außenminister das angekündigte ausführliche Material in der Form eines Aide mè- moire überreicht. — Der deutsche Botschafter in Rom. v. Neurath, wird heule in Berlin erwartet.
Ausländische Blätter wissen zu berichten. Herr v. Hoesch habe gestern in Paris mit Herrn Berthelot die Möglichkeit einer Einberufung des Völkerbundsrats erörtert Das ist, wie wir an zuständiger Stelle erfahren, nicht zutreffend. Es ist auch unrichtig, daß, wie es an anderer Stelle heißt, Deutjchlovd bei den Mächte« sondiert hätte, ob
1500 amerikanische Seesoldalen mit Maschinengewehren gelandet worden. Im Norden der internationalen Niederlassung wurde ein gegen plündernde chinesische Soldaten vorgehender Panzerwagen unter anhaltendes Maschinengewehrfeuer genommen. Ein englischer Offizier und drei Mann wurden verwundet. Gestern nachmittag kam es in einem der größten chnesischen Warenhäuser in der internationalen Niederlassung zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Streikenden. Sikhs zerstreuten hierauf die großen Menschenansammlungen, die sich in der Umgebung gebildet hatten und die Ruhe wurde wieder hergestellt, nachdem die Lage zeitweilig sehr bedrohlich erschien. Ein ausländischer Polizist und ein Hilfspolizist wurde leicht verwundet. Auch auf der Hanking-Straße kam es zu Zusammenstößen.
Schanghai, 21. März. Während der für die Hinrichtungen gelegentlich des ersten Generalstreiks verantwortliche Nordgeneral Pi Tschau-tschen kurz vor Einrücken der kantonesischen Truppen in die französische Konzession entkommen ist, wo er sich im Hotel Astor House aufhält, sind einige der für die Hinrichtungsbefshle Mitverantwortlichen den Kan- tonesen in die Hände gefallen. Sie werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Einige der damaligen Henker wurden jedoch von den streikenden Arbeitern entsetzt und auf der Stelle niedergemacht. 70 Weißrussen haben sich am Tore der französischen Konzession eingefunden und sind, nachdem sie entwaffnet wurden, eingelassen worden.
/* -X. -- - » - ■ - OK.-----y-X. - gl
in Schanghai.
London, 22. März. Reuter meldet aus Schanghai. Die Streikenden und 150 000 Mann der Schan- tung-Truppen plündern die chinesische Stabt, wo eine vollkommene Schreckensherrschaft ousgebrocheu
Äuth «anMns sevSttmi.
Schanghai. 21. März. Nach unbestätigten Mel- düngen haben die Nordtruppen Nanking verlassen. Die Vorhut der gegen die Stadt eingesetzten kantonesischen Armee hat bereits die Vorstädte besetzt, ohne daß es noch zu irgend welchen Gefechten gekommen wäre. Die Nordtruppen sind augenscheinlich gänzlich demoralisiert und fliehen plündernd nach Norden.
Schanghai, 22. März. Der Abmarsch der Frauen und Kinder aus Nanking hat heute bei Tagesanbruch begonnen.
eine Einberufung des Völkerbundsrale» opportun wäre. Die Reichsregierung Hal, wie die Situation liegt, keinerlei verlangen, die Initiative zur Einberufung des välkerbunhsrales zu ergreifen.
Mu ßchwevev rwr§che«fM in BeSsvad.
Belgrad, 21 März. Die Skuptschina hat heute vormittag 11 Uhr die Debatte über die Ausführungen des Außenministers Peritsch begonnen. Während einer Rede des gewesenen Außenministers Trumbitsch, der die italienfreundliche Politik Nintschitschs scharf kritisierte, kam es zu einem peinlichen Zwischenfall, der nicht ohne Folgen bleiben wird. Von feiten der Opposition fielen wiederholt feindselige Zwischenrufe gegen Italien. Der Abg. Wilder sprang plötzlich auf und rief, gegen die Diplomatenloge gewendet, wo in der ersten Reihe General Bordrero, der italienische Gesandte, saß:
„Der italienische Gesandte, General Bordrero, ist noch immer hier! hinaus mit ihm aus dem Lande mit feiner ganzen Spionagebande. Der südslawische Gesandte Balugazitsch mußte Rom bereits verlassen. Warum ist Bordrero noch immer hier?"
Bei der Opposition wurden die Worte Wilders mit Beifall ausgenommen, während sie auf die Mitglieder der Regierung sichtlich einen peinlichen Eindruck machten. Der Präsident der Skuptschina unterbrach zur Zeit des Protestes die Versammlung und verließ den Saal. Die Mitglieder der Regierung traten sofort zu einem Ministerrat zusammen, um die weiteren Schritte zu besprechen.
Belgrad, 22. März. Der Abg. Wilder wurde vom Präsidenten der Skuptschina von den drei folgenden Sitzungen ausgeschlossen. Am Nachmittag stattete Außenminister Petritsch im Zusammenhang dem italienischen Gesandten einen Besuch ab.
Urlaub vüt LusoNawie« zur mssrgung.
Paris, 21. März. Wie Havas berichtet, hat Außenminister Briand dem französischen Gesandten in Belgrad Instruktionen übersandt, in Denen er ihn auffordert, der südslawischen Regierung während der gegenwärtigen Krise eine maßvolle Haltung und Vorsicht anzuraten. Der Generalsekretär am Quai d'Orsay, Pilippe Berthelot, hat den südslawischen Gesandten in Paris empfangen und ist bei diesem in gleicher Weise vorstellig geworden. Der bulgarische Gesandte ist heute oor mittag am Quai d'Orsay erschienen und hat aufs neue die Versicherung der friedlichen Gefühle seines Landes abgegeben. Heute vormittag empfing Außenminister Briand, wie bereits angetündigt,
den italienischen Botschafter Baron Avezzana. Ueberdies, so heißt es in der Havasmeldung weiter, verständigten sich die Mitgliedsstaaten des Völkerbunds fernerhin, um gemeinsam die Schritte
festzusetzen, die geeignet sind, Spannung zwischen Italien uv
, die gegenwärtige und Südslawien zu be-
heben, nötigenfalls durch Einberufung des Völkerbundsrates gemäß Artikel 11 des Völkerbunds- statuts. Die heute vormittag in der Pariser Presse verbreitete Nachricht, Botschafter v. Hoesch habe gestern in irgendeiner Form eine Anregung der Reichsregierung über die Einberufung des Völker- bundsrates am Quai d'Orsay überbracht, entbehrt jeder Grundlage. Der deutsche Botschafter hatte lediglich mit dem Generalsekretär am Quai d'Orsay, Philippe Berthelot, eine Unterredung über die augenblickliche Lage. Auch die Nachricht der „Chicago Tribune , daß das serbische Kabinett bereits beschlossen habe, sich an den Völkerbund zu wenden, wird in unterrichteten französischen Streifen als unbegründet bezeichnet.
MilttSvttche Sovbeveitttttse« des Ltalienev.
Budapest, 21. März. Aus Agram werden miß- tärische Vorbereitungen der Italiener längs bei jugoslawischen Grenze gemeldet. So sei in Polo eine neue Militärflugstation angelegt worden und mehrere italienische Militärflugzeuge patrouillier ten ständig die südserbische Küste ab. Das 11 Bergsagliere-Regiment sei an die Grenze verlegt worden, während die italienischen Garnisonen m Fiume, St. Peter und Jüria um ein Bataillon verstärkt wurden.
Dolen evwavtet ben âvteg mit Deutschland.
de Rede des Vertreter« in Kattowitz.
Eine aufsehenerregen!
Pilsudskis
In Kattowitz fand am Sonntag die mit allen Mitteln vorbereitete Demonstration anläßlich des sechsten Jahrestages der Abstimmung statt, für die man polnischerseits keine Mühe und Kosten gescheute hatte. Mit den fahrplanmäßigen Zügen und in 20 Sonderzügen hatte man die erforderlichen Massen herbeigeschafft. Volle drei Stunden zog man durch die Straßen der Stadt. Die Zahl der Teilnehmer wird amtlich auf 150 000 beziffert. Da bei ist allerdings festzustellen, daß der größte Teil der Teilnehmer aus Staats- und Kommunalbeamten bestand, die
zur Teilnahme an dec Demonstration gezwungen wurden, aus Aufständischen und den sonstigen militärischen Organisationen, die abko m- manbiert waren, aus Arbeitern, besonders von
den staatlichen Gruben, die angesichts der Drohenden großen Arbeiterentlassungen notgedrungen teilnahmen, um nicht Brot und Arbeit zu verlieren, denn bie Nichtbeteiligung wäre einer staatsfeindlichen Erklärung gleichgekommen. Hinzu kommen noch die vielen Schulkinder, und man muß sagen, daß es unter diesen Umständen nicht schwer gefallen sein kann, diese Massen aufmarschieren zu lassen, und dann Dem Auslande durch die zahlreich geladenen Pressevertreter. verkünden zu lassen, daß das oberschlesische Volk sich-treu zum „Mutterland^ Polen bekenne.
Gegen 3 Uhr nachmittags wurden durch zwei Megaphone Ansprachen der Behordsnvertre- ter gehalten. Von der Regierung war der Han)els- minlster Kwiatkowski erschienen, de^ u. a. ausführte, daß Polen ohne Schlesien, und Schlesien ohne Polen nicht existieren könnten, und daher kein Fuß breit polnischer Erde aufgegeben werden dürfe. In einer Entschließung wird die unerschütterliche Treue zum „Mutterland" Polen gelobt und versichert, daß Man die Unantastbarkeit der polnischen Grenze mit seinem Blute verteidigen wolle. Die „unter deutscher Fremdherrschaft leidenden Brüder" würden auch nicht vergessen und aufge- sordert, weiter treu zu ihrer „national-polnischen Ueberzeugung" zu halten. Zum Schluß heißt es, ' 16 der Minderheit die Minderheitsschule nicht ab=
daß der ______ „_____, ______________ ,
gesprochen werde, daß man aber eine Auslegung der Genfer Konvention nicht zulassen werde, die zur „Entnationalisierung der polnischen Kinder und damit zu einem Handel mit den polnischen Kinder
seelen" führen könnte.
Nach der „P o l o n i a" hat der als offizieller Vertreter Pilsudskis zur Abstimmungsfeier in Kattowitz entsandte General Romer aus Warschau gestern bei einem Frühstück
eine sensationelle Rede
gehalten, die nicht verfehlen werde, im Auslande ein unerwünschtes Echo zu erwecken. Diese Rede hätten nämlich nicht nur Polen gehört, sondern auch die Vertreter der ausländischen Presse, unter denen Polen doch nicht nur ge- chworene Freunde habe. General Romer habe den Wert Oberschlesiens vom militärischen Standpunkt aus im Kriegsfälle heroorgehoben und dabei unglücklicherweise bemerkt: Und zu täuschen brauchen wir uns nicht,
dieser Krieg kommt!
Die Ankündigung eines Krieges von dieser Seite, die aus dieser Versammlung den Präsidenten )es Ministerrates vertrat, habe allgemeine Bestürzung hervorgerufen. Die „Polonia" veracht natürlich^ der Auffassung, daß die polnische Regierung Krieg zu führen beabsichtige, zu wider- prechen. Das Blatt fährt aber fort, General Romer sei ein Beweis dafür, wie gefährlich die Umgebung Pilsudskis sei. Seine Entgleisung in Gegenwart der ausländischen Pressevertreter sei ferner ein Beweis dafür, daß die Polstik