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Seist 2

Samstag ben 19, März

Nr. 66

Forderung ist zu erwidern, daß wir doch schon eine Reihe kleiner Erfolge erzielt haben, seit­dem Deutschland im Völkerbund sitzt. Wir müssen, wie gesagt, unser Recht schrittweise er- sümpfen; die ersten Schritte sind bereits getan, was sicherlich nicht möglich gewesen wäre, wenn wir dem Völkerbund weiterhin ^rngeblieben wären. Aus diesen angeführten Gründen waren die Beschuldigungen gegen Dr. Stresemann und die Forderung auf Ent­fernung aus dem Amte ungerechtfertigt. Na­tionale Opposition ist für eine Außenpolitik, wie sie Deutschland treiben muß, unter allen Umständen erforderlich, sie ist als schärfster Be­obachter, als ewig aufrüttelnder Geist für die Gleichgültigen und als unerbittlicher Gegner für die Schöpfer des Versailler Vertrages nicht zu entbehren, aber sie darf die Dinge nicht auf den Kopf stellen weil nicht alles erreicht wor­den ist, was man erhofft hat. Eine so geführte Opposition ist nur dazu angetan, Krisenstim­mung im Innern heraufzubeschwören, die wir heute nicht brauchen können. Erfeulicherweise ist denn auch die non links angesichts der Oppo­sition von rechts prophezeihte Kabinettskrise ausgeblieben, wie überhaupt die Kritik an dem Verhalten der deutschen Delegation in Genf verstummte, nachdem das Reichskabinett sich nach eingehender Aussprache einmütig hinter den deutschen Delegationsführer Dr. Strese­mann gestellt und besten Verhandlungsfüh­rung im Völkerbundsrat gebilligt hatte. Im übrigen wird Dr. Stresemann bei der in Kürze stattfindenden Beratung des Etats des Aus­wärtigen Amtes Gelegenheit haben, sowohl über die letzte Genfer Tagung im besonderen, wie über die Frage der deutsch-französischen Beziehungen im allgemeinen, zu sprechen.

Wenn über die außenpolitische Lage eine längere Debatte nicht zu erwarten ist, so wird diese ganz gewiß bei der Besprechung der finanziellen und sozialpolitischen Frage statt­finden. Die Reichsregierung hat schwere Fi­nanzsorgen, da aus den Reihen der Parteien, auch aus denen der Regierungsparteien, eine Anzahl Anträge vorliegen, die erhebliche For­derungen an den Etat des Reiches stellen, ohne daß dafür eine genügende Deckung vorhanden ist. Schon in seiner großen Etatsrede stellte der Reichsfinanzminister fest, daß der Aus­gleich zwischen Einnahmen und Ausgaben nur sehr mühsam hergestellt worden sei und daß der gesamte Etat auf sehr schwachen Füßen stehe. Nunmehr sind neue Forderungen er= hoben worden, wie Erhöhung der Renten aus der Invalidenversicherung, Erhöhung der Be­züge der Kriegsbeschädigten und Hinterblie­benen, Erhöhung der Wohnungsgelder, sowie eine durchgreifende Besoldungserhöhung für die Beamten, Befriedigung von Liquidations- »nd Auslandsschäden und Aufwertungs­wünsche usw., Forderungen, deren finanzielle Wirkung man auf insgesamt eine Milliarde Mark schätzt. Dabei sieht man keine Möglich­keiten, die für die Erhöhung der Einnahmen aus dem einen oder anderen Steueraufkom­men in Frage kämen. Der interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien ist gegen­wärtig mit der Beratung der ernsten Finanz­lage beschäftigt und nach den neuesten Mel­dungen ist es bereits gelungendie große Differenz zwischen den beschlossenen und ge= planten Ausgaben und den vorhandenen Deckungsmitteln durch Abstriche zu verringern", allerdings unter Verzicht auf die Erfüllung ein­zelner Forderungen. Trotz dieser Reduzierung hat der Reichsfinanzminister zu erkennen ge­geben, daß auch dieses verringerte Defizit nicht tragbar sei ohne Schaffung neuer Deckungs­mittel. Wo diese Deckungsmittel Herkommen sollen, ist vorläufig noch ein Rätsel. Ob es ge­löst wird, werden die nächsten Tage zeigen.

R. H.

Oe^ im KrsswZvtksen ÄrrSMuG

Berlin, 18. März. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages setzte heute unter dem Vorsitz des Abgeordneten Wallraf (Dntl.) in Anwesenheit des Außenministers Dr. Stresemann, des Staatsfekre- tärs von Schubert und des Ministerialdirektors Gaus die Beratungen über die Verhandlungen in Genf fort. Es beteiligten sich an der Aussprache der Reichsaußenminlster Dr. Stresemann und die Ab- o'orbneten Stöcker (Komm.), Ulitzka (Ztr), Dauch (Dopt), Dr. Schnee (Dvpt.) und Dr. Hoetzsch (Dntl.). Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Auf die Vertraulich­keit der Ausschußverhandlungen wurde von dem Vorsitzenden nochmals ausdrücklich hingewiesen.

Gtsseswaw übev Avbettsrâ- setefe und KegreVunssSonrriSon.

München, 18. März. In einer Versammlung der christlichen Gewerkschaften führte der erste Vor­sitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Mini- tterpröfibent a. D. Stegerwald, u. a. aus: Als Norm muß das Arbeitszeitnotgesetz die 48-Stunden- Woche bringen. Entweder die jetzige Regierungs­koalition macht in einer Zeit, in der zwei Millionen Arbeitslose vorhanden sind, ein vernünftiges Ar- beitszeitnotgesetz, ober sie spielt mit ihrer Existenz. Nach der bloß privatwirtschaftlichen Einstellung vie­ler Arbeitgeber läßt sich keine Staatspolitik mehr machen. Auch persönlich lehne ich es ab, in allen Situationen, die national nicht lebenswichtig sind, mich als Bremsklotz gebrauchen zu lassen. Ich habe die jetzige Koalition nicht gewollt, weil ich die Außen- und Innenpolitik nicht für ausgereift hielt. Diejenigen, die sie erzwungen haben, haben jetzt praktisch zu beweisen, daß sie mit ihr nicht die sozial­politische Reaktion, sondern die Stärkung des natio­nalen Lebenswillens des deutschen Volkes wollten.

V«uts»k«r»dliâ< «ebeitee- «ntiakkN«rsen In SN-crSs«Mleki«n

Laurahütle, 18. März. Auf den Richterschächten und dem Ficinusschacht ist je 250 Mann der Beleg­schaften gekündigt worden, die sämtlich deutschen Gewerkschaften angehören bezw. ihre Kinder der Deutschen Minderheitsschule zuführen. Auch diejeni-

AuftvevMussdebatte im RechisansschnS.

Berlin, 18. März. Der Rechtsausschuß des Reichs­tags begann beute die Beratung der Aufwertungs. anträge. Infolge der Sprengung der völkischen Frak­tion hat diese keinen Sitz und keine Stimmen mehr im Ausschuß. Da aber verschiedene Anträge des Abg. Dr. Best vorliegen, nimmt dieser mit beraten­der Stimme an den Verhandlungen teil.

Der Reichsregierung liegt der augekündigte Gesetzentwurf

e-

vor über die Verzinsung aufgewerleter Hmiotheken und ihre Umwandlung in Grundschulden. Der Ent­wurf hält an den Grundzügen der Aufwertungen setzgebung fest, enthält aber Bestimmungen, die bi stehende Härten bei der Verzinsung von Hypotheken mildern sowie mißbräuchliche Auslegung von Ge­setzesbestimmungen verhindern und den Gläubigern die Befugnis erteilen sollen, die Umwandlung der Hypotheken in Grundschulden zu beantragen.

Abg. Dr. Best begründet einen von ihm einge­brachten Entwurf über die Umwertung von Hypo­theken und anderen Ansprüchen. Nach diesem Ent­wurf soll bei Ansprüchen, die vor dem 1. Januar 1919 durch die Veräußerung eines Grundstückes entstanden sind, die Umrechnung durch das Verhält- ach der Ansicht der Werte des Grund-

nis bestimmt werden, in dem na<

Beteiligten der Ersatzpreis zum stückes stehen sollte. Bei Industrieobligationen, Pfandbriefen, Rentenbriefen, Kommunalobligatio­nen und anderen Schuldverschreibungen soll an die Stelle des Tages der Entstehung der Tag der Aus­wertung treten. Der Entwurf verlangt auf dieser Grundlage die Umwertung aller Ansprüche, die auf vor dem 16. Februar 1924 begründeten Rechtsver­hältnissen beruhen und eine Geldsumme zum Gegen­stand haben, die durch die Inflation entwertet ist.

Reichsjustizminister Hergt

erklärt, die Reichsregierung wolle auf dem Gebiete der Kleinrentnerfürsorge 25 Millionen zur Ver­fügung stellen zur Verstärkung der Bezüge. Der Rückgriff auf das sonstige Vermögen des Kleinrent­ners solle verhindert, und ferner solle nach Möglich­keit bedürftigen Inhabern von aufgewerteten Hypo­theken usw. durch Aufkauf ihrer Forderungen sofort Geld verschafft werden. Der Reichsfinanzminister be­absichtige, den Antrag Emminger (betr. Barablö­sung der Auslosungsrechte von Personen über 65 Jahre, die nicht mehr als 3000 Mark Einkommen haben) durchzuführen und daneben in möglichst weitem Umfang bei Bedürftigkeit Dorzugsrenten zu gewähren. Es müsse jetzt daran festgehalten werden, daß das vom Reichstag nach schweren Kämpfen ge-

EH

gen Bergarbeiter, die Gemeindevertreter sind, haben ihre Kündigung erhalten. Die Entlassenen beabsich­tigen, bei der gemischten Kommission gegen das Vorgehen Protest zu erheben. -

Die Girenbahnfovdevunse« GaMenS ans Reich.

Dresden, 18. März. Im Zusammenhang mit den Verhandlungen über die Neugestaltung des Reichs- finanzausgleichs werden die Forderungen des säch­sischen Staates für die Uebereignung feiner Staats­bohnen an das Reich erneut zur Sprache gebracht. Der mit dem Reiche abgeschlossene und vom Land­tag seinerzeit genehmigte Uebereignungsvertrag, durch den die sächsischen Staatsbahnen vom 1. April 1920 ab an das Reich übergingen, sah eine Ab­findungssumme vor, die zu einem Teile durch Ueber­nahme der fundierten und schwebenden Staatsschul- den Sachsens durch das Reich beglichen wurde. Außerdem verblieb ein Restkaufgeld, das nach einem besonderen Schlüssel zu berechnen war. Trotzdem die sächsischen Staatsbahnen inzwischen bereits seit sie­ben Jahren sich im Reichsbesitz befinden, ist eine Re­gelung dieser Restkaufschuld, die auf 800 bis 900 Millionen Reichsmark berechnet wird, bisher noch nicht erfolgt. Die hierüber geführten Verhandlungen verliefen ergebnislos, da eine Einigung zwischen dem Reich und den beteiligten Ländern nicht er­zielt werden konnte. Die Streifrage sollte bei der endgültigen Regelung des Reichssincmzausglsichs mit bereinigt werden. Naturgemäß wird Sachsen die Angelegenheit nun mit stärkerem Nachdruck oerfol- gen, um so mehr, als jetzt auch von Bayern und Preußen ähnliche Ansprüche erhoben werden.

MeGvotzeâoaMiott SttThüvittgen geMettevt.

Weimar, 18. März. Die Verhandlungen zur Bil­dung einer Großen Koalition vom Landbund bis zur SPD. müssen als gescheitert betrachtet werden. Der Präsident des Landtages hat den Aeltestenrat auf Dienstag einberufen, um zur Lage Stellung zu nehmen.

SchSedswVUâ Ws den R«hv- Vessbars.

Esten, 18. März. Der Schlichter hat heute mittag nach viertägiger Verhandlung einen Schiedsspruch in der Gesamtstreitigkeit betreffend Arbeitszeit und Rahmentarif gefällt. In der Frage der Arbeitszeit unter Tage, find die Forderungen der beiden Par­teien abgelehnt worden. Der Schlichter hat die 7 stündige Schicht unter Tage, die in einem besonderen Mehrarbeitsabkommen durch eine Stunde Mehr­arbeit um eine Stunde verlängert wird, aufrecht er­halten. In den Betrieben mit nicht durchgehender Arbeitszeit ist die Arbeitszeit auf neun Stunden bei zehnstündiger Schichtzeit herabgesetzt worden, wäh­rend sie z. Zt. 10 Stunden bei 12ftünbiger Schicht beträgt. Diese Verkürzung tritt am 2. Mai in Kraft. Die verkürzte Samstagsschicht ist in der bisherigen Weise bestehen geblieben. In den Betrieben mit durchgehender Arbeitszeit ist das zur Zeit bestehende Zmcifchichtensystem beibehalten worden, doch wird für die zehnte Stunde ein Zuschlag bezahlt, der im einzelnen für verschiedene Arbeitergruppen festge­legt ist. Das Arbeitszeitabkommen ist erstmalig züm 31. Januar 1928 kündbar. In der Urlaubsfrage sind unter Ablehnung der Vorschläge der Parteien ver­schiedene Abänderungen vorgenommen worden. Insbesondere ist für die 14 und 16jährigen Arbeiter ein dreitägiger Urlaub neu eingeführt worden. Außerdem wird durch eine besondere Bestimmung den Arbeitern im Falle von Stillegungen der Ur­

laubsanspruch unter bestimmten Bedingungen ge­sichert. In der stark umstrittenen Frage der Geding- regelung ist der bisherige Mindestlohn um 5 Proz. bei den Höchsten Hauerschichtlöhnen erhöht worden. Für den Rahmentarif sieht der Schiedsspruch eine erstmalige Kündigungsmöglichkeit zum 1. April 1929

schaffen« Aufwerkungsgeseh ein Werk von Dauer

Dieses Gesetz habe wesentlich zur Festigung der Währung beigetragen und es habe den Gläubigern reale Werte gebracht. Der im nächsten Jahre in Kraft tretende höhere Zinsfuß von 5 Prozent für Aufwertunqshypotheken werde die Lage der Glau- biger weiter verbessern. Nach Mitteilungen der Län­der sind

etwa 81 Prozent aller Aufwertungssachen,

66 Prozent der Grundbuchsachen erledigt.

Die meisten Länder hoffen bis zum Ablauf dieses Jahres fertig zu werden. Erfreulich fei, daß feit dem 1 Januar 1927 den Pfandbriefgläubigern mit 4^ Prozent verzinsliche Liquidationspfandbriefe ci ^ gehändigt würden. Wenn in dem neuen Volksbe­gehren der Bevölkerung eine 100prozentige Auf­wertung in Aussicht gestellt wird, so muß das eine bedenkliche Beunruhigung in die deutsche Beoölke- rung tragen.

Sehr bedenklich ist auch die Wirkung dieser Agitation auf das Ausland.

Der Regierungsentwurf hält an den Aufwertungs­grundlagen fest. Er bringt nur Bestimmungen, durch die unvorhergesehenen Auswirkungen des Gesetzes abgeholfen und verschiedenen Schiebungen ein Ende gemacht werden soll, die sich bei der Anwendung des Gesetzes gezeigt haben.

Abg. Dr. Wunderlich (D. Vp.) gab eine

Erklärung der Regierungsparteien

ab, in der es u. a. heißt:: Die in der jetzigen Koa­lition vereinigten Parteien sind dieselben, die im Sommer 1925 die hart umstrittenen Aufwertungs-

gesetze angenommen haben. Sie haben sich schon da­mals nicht verhehlt, daß diese Gesetze mancherlei Härten im Gefolge haben würden. Die Redierungs- parteien begrüßen es daher, wenn die Reichsregie­rung durch die Bereitstellung neuer Mittel den Ge­

rung durch

schädigten eine weitere Hilfe sozialer Art bieten will und daß sie durch ein Sondergesetz auch die Unvoll­kommenheiten des Hypothekenaufwertungsgesetzes nach den Erfahrungen der Praxis ausgleichen will. Die Regierungsparteien waren sich einig, daß an den Grundlagen der Aufwertungsgesetzgebung nicht ge­rüttelt werden dürfe. Die "

Grundlagen der Aufwertungsgesetzgebung nicht g rüttelt werden dürfe. Die Regierungsparteien stellen sich deshalb hinter die Regierungsvorlage und bit­ten, unter Ablehnung aller weitergehenden An­träge, sie zur Grundlage der Verhandlung im Rechts­ausschuß zu machen. Die Weiterberatung wurde

bit-

dann auf Samstag vertagt.

vor. Die Erklärungsfrist für den gesamten Schieds­spruch ist auf den 21. März, nachmittags 6 Uhr fest­gelegt.

Alavm im Osten.

Polnische Pläne gegen Litauen. Wenn die Polen marschieren ...

Berlin, 18. März. Aus den verschiedensten Quellen kommen gleichzeitig Nachrichten, die darauf Hindeulen, daß wir im Osten vor sehr star­ken Erschütterungen stehen können. So­gar die Moskauer Regierung scheut sich nicht, amtlich zu erklären, daß sie s i ch e r e Nach­richten habe, wonach die polnische Re­gierung in Kowno ein Ultimatum überreichen und bestimmte Forderun­gen st eilen werde, um die Anerken­nung der polnifdjen Ansprüche auf Wilna endgültig durchzu­sehen. Sie fügt hinzu, daß die polnische Regie­rung die Absicht haben solle, Kowno zu besetzen, und zwar am Geburtstag Pilsudskis, das wäre am 19. März, also am Samstag. Die russische Regie­rung hat sich eigenartige Rlelhoden der Propa­ganda angewöhnt. Sie scheut sich zu politischen Zwecken nicht, aus der diplomatisch gebotenen Re­serve herauszutreten und sich selbst in die Feuer­linie zu stellen. Ihre Behauptungen sind also nicht unbedingt zuverlässig. Das Seltsame ist nun, daß auch aus anderen Quellen ähnliches durchsickert. In Berliner amtlichen Kreisen ist man mit der Stel­lungnahme zu diesen Alarmgerüchten sehr vorsichtig. Es scheint, als ob auch in der Wilhelmstraße man­cherlei Andeutungen vorliegen, die immerhin nach­denklich stimmen. Wenn auch der Zusammenhang zwischen dem Geburtstag Pilsudskis und dem Marsch auf Kowno etwas gezwungen sein mag, so kann doch kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß die polnische Regierung eine sehr starke, zunächst diplo­matische Aktivität entfallet, die aber sehr leicht auf militärisches Gebiet übergreifen kann, wenn die eng­lische Neutralität gesichert ist. Herr Chamberlain hat zwar in Genf die guten Dienste Englands für den Osten in Aussicht gestellt, es ist aber immerhin nicht unmöglich, daß er ein russisch-polnisches Aben­teuer nicht ungern sehen würde, wenn er das osfi- ziell auch nach allen Richtungen dementieren wird. Denn wenn die Polen marschieren, ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Russen den Litauern eine Ausnahmestellung gewähren und da­raus automatisch ein polnisch-russischer Konflikt sich entwickelt. Nun glauben wir vorderhand nicht, daß die Dinge sich so rasch entwickeln, wenn auch die Vorgänge im Osten, gerade weil Deutschland sehr leicht hineingezogen werden kann, mit gespannter Aufmerksamkejit von uns verfolgt werden müssen.

Oie ttaN-Mch-NUMawiMe Svan««««.

Rom, 18. März.Giorvale d'Jtalia" meldet aus Belgrad, daß nach aus sicherer Quelle stammenden Nachrichten der südslawische Generalstab unter Füh- rung des Königs mit der Durchführung eines um­fangreichen Planes beschäftigt ist, den man als M o - bilifierung mit außerordentlichen Vorbereitun­gen bezeichnen kann, die den Charakter großer Eile tragen. Alles weise darauf hin, daß Maßnahmen er­griffen worden seien, um das Heer so schnell wie möglich aus Kriegsfuß zu fetzen. Der Berichterstatter der Zeitung erklärt, die Gerüchte über die Vorberei­tungen an der albanischen Grenze bestätigen zu können. 3m Arsenal von Kragujevah und in den staatlichen Pulverfabriken werde viel intensiver ge­arbeitet als früher. Große Einkäufe von Zelten und Ausrüsiungsgegenständen wurden vorgenommen. Man führe überall Verhandlungen über den An­kauf von Tanks und Flugzeugen.

London, 19. Blärj. DieTimes" berichtet, die italienische Regierung habe der britischen Regierung 1929 j und anderen Regierungen mitgeteilt, sie habe Zu-

sormakonen, daß ans jugoslawischem Gebiet vorl reitungen für einen Einbruch in Albanien gemeU werden, um die albanische Regierung zu stürz« Italien habe vor kurzem den Berttag von Tiana n der Regierung von Albanien abgeschlossen und verlautet, daß die italienische Regierung gegenüt Angriffen auf diese Regierung nicht gleichgültig bl

London, 19. März. Die italienischen M düngen über die angebliche Mobilisation in 3uc slavien hat in einem Teil der englischen Presse gro Beachtung gefunden. Ein Berichterstatter t Times" meidet, daß die Rachrichten in Tira beträchtliche und berechtigte Bewegung heruorget fen hat. Für die Erneuerung der im letzten Novei bet gescheiterten Aufstand sbewegung sollen Borl reitungen getroffen sein. Die italienische Hilfe wür der albanische Widerstand stärken.Westminsters zette" schreibt, die gestern abend in London ein, stoffenen Berichte über die Tätigkeit an der alt Nischen Grenze seien besonders beunruhigend, da von Rom inspiriert zu sein scheinen. ,

One rmMGs Protestnote sese dßs S^tiMation des Nessavabiet

Vevsvages.

Rom. 18. März. Nach einer Meldung der Aae zia Stefani ließ die Sowjetregierung durch ih Botschaft in Rom dem Minister des Aeußern ei Note zustellen, in der gegen die Ratifikation d Pariser Vertrages von 1920 über Bessarabien Ei spruch erhoben wird.

Atrs â« tSÄt.

19 Personen wegen Betrugs verhaftet.

Berlin, 18. März. Wegen betrügerischer 6 schäfte wurden in Berlin der Kai mann Lehnert, der Kaufmann Marckwald, i Inhaber der Firma Crofton, sowie weitere 17 P fönen von der Kriminalpolizei festgenommen. Un den Verhafteten befinden sich, wie dieVossisi Zeitung" mitteilt, Männer, die angesehene St lungen bekleiden, so der Inhaber eines Bank; schäftes im Westen der Stadt und mehrere P- sönlichksiten aus der Handelswelt. Außerdem wi ben noch zwei an den Schwindelgeschäften Bet ligte gesucht, der Major a. D. Carl Hasse aus We und ein Kaufmann Hirsching aus Württemberg. I Betrüger hatten zukurzfristigen, risikolosei Warenkauf- und Derkaufsaeschäften Geldgeber c fucht, und etwa 200 Angehörige des Mittelstand um die betreffenden Beträge geprellt.

Lustmord.

Schneidemühl. 18. März. Gestern nachmitd gegen vier Uhr wurde die fünfzehnjährige Tocht des Försters Rieck in der Nähe des Weges Schneit mühlStöwen mit durchschnittener Kehle aufgefu den. Der Kriminalpolizei, die feststellte, daß b Mädchen vergewaltigt worden war, gelang abends gegen elf Uhr den Mörder auf dem Bah Hof Schönlanke festzunehmen. Er gestand die T ein. Das Mädchen ist am Abend seinen Verletzung

erlegen.

Museumsdiebstähle.

München. 18. März. In einem Münchener M seum wurden seit einiger Zeit fortgesetzt üöüdj und Bilder von großem historischen und kUnstl rischen Werte gestohlen. Der Polizei ist es nunme1 gelungen den Dieb, einen aufsichtsführenden Bear ten und Bibliothekar der Museums, festzunehme Der gesamte Wert der gestohlenen Gegenstände bisher noch nicht ermiteÜ worden. Ein großer T< des entwendeten Gutes konnte wieder herbetgescha! werden.

Ein Wellflugrekord bet Junkerewerke.

Dessau, 17. März. Der bekannte Pekingflieg der Junkerswerke Pilot Schnebele, stieg am Mi' woch um 4 Uhr mit der Iunkersmaschine W - auf und blieb ununterbrochen 16^ Stunden tn b Luft. Er stellte mit einer Belastung von 500 Kil gramm einen Weltrekord auf.

Schwere Bluttat

Leipzig, 18. März. Heute nachmittag stach d kaufmännische Angestellte Petzold seine Frau w einem Messer in den Leib und öffnete ihr die Pul adern, was den Tod der Frau zur Folge hatte. D rauf hat er sich an der linken Hand Schnittwund« beigebracht. Der schwerverletzte Täter wurde ve haftet. Ueber die Beweggründe der Tat ist no nichts bekannt.

Doppelselbstmord.

Kaiserswerth, 18. März. Heute morgen wurde in Liblar-Bockum zwei aneinandergebunder Leichen eines 16jährigen Mädchens und eines jtn gen Mannes von 20 Jahren angespült. Dell stammen als Gelsenkirchen und wurden seit bem Februar vermißt. Sie hatten ihren Angehörigen i einem Brief ihr Vorhaben mitgeteilt, gemeinsam i den Tod zu gehen.

Die Frau, die Kerenski ohrfeigte.

Newyork, 17. März. Eine elegant gekkeidei Dame, die einen Blumenstrauß und eilt paar Hani schuhe in den Händen hielt und derjenigen ähnelt die am Sonntag den früheren Ministerpräsidente Kerenski ohrfeigt«, als er das Wort ergriffen hatt versuchte gestern abend, in den Ballsaal des Hotel Waldorf-Astoria einzudringen, während der britisch Botschafter Sir Esme Howard eine Rede bei der Essen hielt, das der Verband amerikanischer Fraue zu Ehren des diplomatischen Korps gab. Sie ei neuerte ihren Versuch dreimal, bis Detektive sie ei griffen und in ihre Wohnung zurückführten. Die Pe lizei lehnte es ab, ihren Namen mitzuteilen.

Tragischer Selbstmord unter den Augen der Bluffet

Wie schon mehrfach gemeldet, wütet in Amerik zurzeit eine Selbstmordepidemie unter den junge Leuten. Die Motive sind verschieden; der eine gib sich den Tod aus Neugier, das Jenseits zu erblicken der andere aus unglücklicher Liebe. Ein besonder tragischer Fall hat sich dieser Tage in Boston er eignet. Der dreiundzwanzigjahrige Student der Me dizin, William Feinmann, trat zu seiner Mutter im Zimmer, bat sie, ihm einen Sarg zu bestellen,U den er bestimmte Anordnungen traf, zog dann einet Revolver aus der Tasche und schoß sich, ohne das ihn die von Entsetzen gelähmte Mutter daran hin dern konnte, eine Kugel durch die Schläfen. Moi glaubt, daß der Student durch die Selbstmorde eini ger seiner Kameraden aufs tiefste bedrückt war uni in einem Anfall von Schwermut Hand an sich gelcg

hat.

Eia Tornado in Arkansas.

Benton (Arkansas),, 18. März. Ein Tornado hat in der ganzen Umgebung große Verwüstungen an« gerichtet. Es wurden acht Tote und 15 Verwundete festgestellt.