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Genesal ÄnzeLgsV für^M

Danail Giadt und Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 N-Pfg.» im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Offertengebühr 50 R«pfg.

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Dienstag de«

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! Wär»

1928

Das ileueltt,

Das Abkommen, das in der Frage des Kriegsmaterials zwischen der Botschafterkonferenz und der deutschen Reichsregierung abgeschlossen wurde, ist durch einen Notenaustausch bestätigt wor­den. Die Noten sind von Briand in seiner Eigen­schaft als Vorsitzender der Botschafterkonferenz und von dem deutschen Geschäftsträger in Paris, Bot­schaftsrat Dr. Rieth, unterzeichnet worden.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird sich am Donnerstag direkt von San Remo aus zur Märztagung des. Völkerbundsrats begehend

Die litauische Regierung hat die memellän­dischen Wahlen widerrechtlich vom 4. März auf 8. April verschoben.

Chamberlain erklärte im Unterhaus, daß er auf die russische Note nicht zu antworten beabsich­tige.

Chamberlain erklärte im Unterhaus, daß die englische Regierung die Einladung Coolidges zur Flottenabrüstungskonferenz annehme.

EttSLitzttds polu^stvos Mandvev.

Die Polen haben wirklich mehr Glück als Verstand. Half ihnen vor kurzem erst der eng­lische Bergarbeiterstreik aus schwersten wirt­schaftlichen und finanziellen Nöten, so haben sie ganz unerwartet jetzt auch politisches Wohl­wollen von einer Seite erfahren, die ihnen im allgemeinen bisher ein nicht allzu großes Inte­resse schenkte, nämlicher von englischer. Gewiß hatte man in London den Statsstreich PUsuds- ^kis mit Aufmerksamkeit versolgt, und es schien damals so, als ob sich nach dem Mai-Umsturz im vorigen Jahre gewisse engere Bande zwi­schen, London und Warschau knüpfen würden, aber da sich weder die wirtschaftlichen noch die finanziellen Verhältnisse Polens unter dem Re­giment Pilsudskis im besonderen Maße besser­ten, und da die Warschauer Regierung auch jetzt wenig Neigung zeigte, das französische Leit­seil mit einem englischen zu vertauschen, so er­lahmte das englische Interesse an Polen wieder sehr schnell. Die Möglichkeiten für eine Anleihe in England, die sich für Polen in den ersten Monaten des Pilsudski-Regiments zu zeigen schienen, verschwanden wieder.

Das ist nun mit einem Schlage anders ge­worden, und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil England Polen für seine antirussische Front gewinnen will. Denn wie die vor weni­gen Tagen von der englischen Regierung dem russischen Geschäftsträger in London über­gebene Note zeigt, sieht die öffentliche Meinung Englands in Rußland mit eine der Hauptur­sachen der Schwierigkeiten, auf die England in China gestoßen ist. Wie weit diese Vorwürfe, die englischerseits gegen Rußland in dieser

Richtung erhoben werden, richtig sind nicht, und wieweit auch die Mitglied

oder

itglieder des

englischen Kabinetts selbst davon überzeugt sind, steht dabei nicht zur Erörterung. Tatsache ist, daß die Londoner Regierung sich dem Druck . der öffentlichen Meinung und vor allem dem der konservativen Kreise nicht hat entziehen können und daß durch die Note an Moskau das englisch-russische Verhältnis um ein bedeu­tendes gespannter geworden ist. Noch ist der Brüch vermieden, aber England müßte nicht England sein, wenn es nicht beizeiten mit allen Mitteln Vorsorge träfe für alle Möglichkeiten,

die sich aus dieser Lage ergeben können. Kein Wundex darum, daß auch der polnische Staat für die englische Politik ein erhöhtes Interesse ' gewonnen hat, zumal man weiß, daß Deutsch­land mit Rußland Neutralitätsverträge einge-

die sich aus

angen ist, so daß Aussichten, auch uns in eine ttirussische Front hineinzuzwingen, nicht vor- mden sind. Umso wichtiger aber ist es für E ondon, daß Polen in englischem Interesse ge= ibe jetzt als Barriere zwischen Deutschland und Rußland erhalten bleibt. Besondere Schwierig- , eiten brauchte man in London nicht zu fürch- en. Man wußte, daß in Polen sofort alles, oas man von englischer Seite an Ablehnung erfahren hatte, vergessen und vergeben sein würde, wenn das polnische Recht auf den Kor­ridor und Oberschlesien Anerkennung fand. Tatsächlich hat denn auch das Londoner Aus­wärtige Amt mit derartigen groben Mitteln gearbeitet, indem es vor wenigen Wochen solche Artikel in polnische Zeitungen brachte, und zwar ganz unbekümmert darum, daß sich bereits verantwortliche und Nicht veranNvort- liche englische Politiker in einem ganz entgegen­gesetzten Sinne über diese durch das Versailler Diktat von Deutschland losgerissenen Gebiete

Die engl-euffische «Spannung

London, 28. Febr. Die Antwort der Sowjet­regierung auf die englische Roke wird am kommen­den Mittwoch im Kabinellsrat geprüft werden. In konservativen Kreisen drückt man die Ansicht aus, daß der Ton der russischen Antwortnote einen voll­ständigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen rechtfertigen würde, daß aber wahrscheinlich eine derartig schwerwiegende Maßnahme von der eng­lischen Regierung nicht ergriffen werden wird. Chamberlain teilte im Unterhaus mit, die Regie­rung habe nicht dae Absicht, dae Sowjet-Roke zu be­antworten. Auf eine Anfrage des Kommandanten Locker Lampson erklärte Chamberlain sich mit einer parlamentarischen Debatte über die russische Ant­wort einverstanden.

Die rustische presse zur Rote Litwinoffs.

Moskau, 28. Febr. Die Antwort Litwinoffs auf die englische Note hat einen starken Eindruck hervor­gerufen, weil sich das Volkskommissariat des Aus­wärtigen durch die englische Drohung des Abbruches nicht einschüchtern ließ. Die Sowjetpresse hat manche Wendungen der englischen Note als Belei­digung empfunden und stellt nun mit Befriedigung fest, daß Litwinoff Chamberlain eine kleine Vor­lesung über Anstaüd und guten Ton gehalten habe.

Folgenden vier Punkten der Antwortnote wird ein grundsätzlicher Charakter beigemessen. Die Zu­rückweisung der Einmischung in die innerrussischen Angelegenheiten, die darin bestehe, daß die Sowjet­regierung alle Kundgebungen der Internationale gegen England unterdrücken solle; die Ausfälle der britischen Regierungsmitglieder gegen Rußland

Die ânion-SKenKve

Berlin, 28. Febr. Am Quai d'Orsay sind amf- liche Meldungen aus Peking eingelaufen, nach denen die Offensive der Kanloutruppen gegen Shanghai zum Stillstand gekommen ist infolge der B e r st ä r k u n g e n. die die R o r d t r u p p e n erhallen haben. Der Befehlshaber in Shanghai, General Tschanglsuntschang, hofft, 150 000 Mann gegen die Kantonesen ins Feld stellen zu können. General Suntschuansang hat sich an die Shanghai- Front begeben, die jetzt 20 Kilometer südlich von Shanghai verläuft und gegenwärtig durch 50 000 Monn gehalten wird. Die Ankunft von Truppen aus Mukden dauert an. Gestern traf auch der Oberkommandierende der englischen , Truppen Duncan, mit weiteren 1600 Mann in Shanghai ein.

Die englischen Truppen überschritten die Grenze )er Fremdenniederlassung und besetzten die Gegend des Jeßfield-Parks, wo, auf chinesischem Hoheits­gebiet, eines der vornehmsten Wohnviertel liegt. Das englische Truppenkommando verweigerte die Auskunft darüber, ob weitere Gebietsbesetzungen geplant seien; die Maßnahme wurde mit der Not­wendigkeit des Schutzes für große Werte im Jeß- field-Viertel begründet. Von chinesischer Seite wird die Besetzung dieses Gebiets durch englische Trup­pen als offener Völkerrechtsbruch bezeichnet.

London, 28. Febr. Im Unterhaus teilte Cham­berlain mit, der Generalstreik in Shanghai sei zu­sammengebrochen und die Lage sei ruhig. Auf eine Anfrage, ob, nicht die britischen Truppen außer­halb der Konzession vorgerückt seien, gab Chamber­lain dies zu und beantwortete eine weitere An­frage, ob dies nicht chinesisches Gebiet sei, mit I a w o h l".

das Ziel, das sie erreichen mußte, und daß sie das dazu noch auf fremde und nicht auf eigene Kosten erreichen konnte, war für sie nur an­genehm.

Schon diese Art und Weise, wie zwischen England und Polen neue Fäden geknüpft wor­den sind, zwingt uns, diese neue englisch-pol­nische Freundschaft mit aller Aufmerk amtéit zu verfolgen. Die Frage nach einer Revision unserer Ostgrenzen hat dadurch gegenwärtig eine Erschwerung erfahren und die Fortschritte, die in der öffentlichen Weltmeinung, vor allm auch in der englischen, darüber in letzter Zeit zu unseren Gunsten verzeichnet werden konn­ten, haben einen gewissen Rückschlag erfahren. Doch ist schließlich diese Revisionsfrage augen­blicklich nicht das für uns brennendste politische Problem in unserem Verhältnis zu Polen und wir werden uns damit trösten können, daß die Zukunft den deutschen Ansprüchen doch Recht geben muß. Wichtiger im Augenblick ist für uns, daß Polen durch das erneute englische In­teresse die Hoffnung auf englischen Kredit ge­wonnen hat. Tatsächlich liegen ja die Dinge auch so, daß England ein Interesse daran ha­ben muß, Pilsudski am Ruder zu erhalten und das erscheint nur möglich, wenn die polnische Wirtschaft und die polnischen Finanzen durch eine Anleihe auf eine gesündere Basis gebracht werden. Geschieht das nicht, dann ist es sehr traülich» otz bei den bevorstehenden SÉM^

sollen viel schärfer und hemmungsloser sein, als alle Bemerkungen, die Chamberlain in den Reden der sowetrussischen Politiker finden könne; Großbri­tannien leide an der fixen Idee, die Sowjetstaaten als Urheber aller Schwierigkeiten anzusehen, die in irgendeiner Ecke des britischen Weltreiches entstün­den; der wichtigste Umstand liege jedoch darin, daß sich der Kremel angesichts der Beziehungen der zaristischen Agenten und Diplomaten zu einigen Mitgliedern des Londoner Kabinetts der peinlichen Erinnerungen nicht entziehen könne, welche zweifel­hafte Rolle Großbritannien in der Zeit der ersten Jterventionskriege gespielt habe. Als schärfste Stelle der Note gelte die Bemerkung, der Ton gegen Tschitscherin sei unerhört und ohne Präzedenz. Ob­wohl die Antwort im allgemeinen so ausgefallen sei, wie man es erwartet habe, sei sie doch zu selbstbe­

en

wußt, als daß eins Entspannung zwischen Moskau und London erhofft werden könne. Trotz der freund­lichen Bemerkung gegen Ende der Ausführungen Litwinoffs wird erwartet, daß das Kabinett Bald­win von der immerhin noch bestehenden Möglichkeit zur Beilegutig des Konfliktes keinen Gebrauch machen werde. DiePrawda" steht auf dem Standpunkt, daß ein Abbruch der Beziehungen England zweifellos mehr schädigen würde als Ruß­land. DieJswestija" meint, daß es bei dem heuti­gen Stande der Dinge schließlich gleichgültig sei, ob die Beziehungen zwschen Moskau und London abge­brochen werden oder nicht. Es sei jedenfalls merk­würdig, daß das englische Kabinett die gemäßigte Sprache Litwinoffs im Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion vom letzten Montag nicht hören wolle.

Paris, 28. Febr. Wie die Agentur Judo Pacifik aus Peking meldet, haben nach dem Abzug der Truppen Schantungs nach Schanghai ehemalige Anhänger Sung-Sei-Aaos Plünderungen verübt, einen Zug angehalten und die darin befindlichen Ausländer festgenommen. 2000 Mann hätten 300 Einwohner fortgeführt. Die Weißrussen Tschang- Sung-Tschangs, die zur Unterdrückung der Plün­derungen entsandt feien, zeigten ebenfalls eine schlechte Haltung. In Tschang-Ku herrsche Terror.

Paris, 28. Febr. Nach einer Meldung der Agen­tur Indo Pacifik aus Peking veröffentlichen die diplomatischen Vertreter der interessierten Länder durch die chinesische Presse eine Erklärung, in der es heißt, die Schanghaier Konzessionen seien aufgrund regelrechter Abkommen mit der chinesischen Regie­rung geschaffen worden, um es den Ausländern zu ermöglichen, dort Wohnsitz zu nehmen und Handel zu treiben. Im Verlaufe der Parteikämpfe, die in der Gegend von Schanghai stattgefunden hätten, hätten die Behörden der ausländischen Konzessions­zonen sich gewissenhaft davor gehütet, irgend eine der chinesischen Parteien zu begünstigen. Trotz der Schwierigkeiten der Lage hätten sie die durch den Charakter der Niederlassungen gebotene Neutralität aufrecht erhalten. Sie seien also berechtigt, seitens der chinesischen Parteien die Beobachtung der gleichen Regeln zu erwarten und zählten darauf, daß die einander bekämpfenden Armeeführer sämt­liche Maßnahmen treffen würden, um Zwischenfälle zu vermeiden, durch die die ausländischen Behörden zu Gegenmaßnahmen für den Schutz ihrer Ange­hörigen gezwungen sein würden.

len im Herbst Pilsudski sich wirklich halten kann, oder ob nicht doch Dmowski und die Na­tionaldemokraten die Sieger sein werden. Diese aber sind in besonderem Maße russophil ein­gestellt und arbeiten nach wie vor auf eine russisch-polnische Aussöhnung hin.

Es ist also wohl mit einer englischen Be­reitwilligkeit, Geld an Polen zu geben, zu rech­nen und es wäre nicht das erste Mal, daß Eng­land auch Geld für ein ihm finanziell unren­tabel erscheinendes Geschäft hergeben würde, um politische Ziele damit zu erreichen. Je stär­ker aber sich in dieser Richtung die polnischen Hoffnungen verdichten, mit einer umso ableh­nenderen Haltung der Warschauer Regierung werden wir in allen Verhandlungen über den deutsch-polnischen Handelsvertrag zu rechnen haben. Es mag Zufall fein, daß das letzte her­ausfordernde Benehmen der Polen, durch das die Handelsvertragsverhandlungen wieder un­terbrochen und in ein neues akutes Stadium gebracht wurden, mit der beginenden englisch­polnischen Annäherung zusammenfiel. Aber man wird doch den Glauben an hier obwal­tende innere, zum mindesten psychologische Zu­sammenhänge nicht los. Nur zu oft haben ge­rade die Polen, sobald sie irgendwelche Rücken­deckung und Rückenstärkung erfuhren, sich uns gegenüber herausfordernd benommen, und wenn wir die Dinge so sehen, dann werden wir bis emlisL-polnische Annäherung Zaum als

aefonbers günstig für die weitere Fortführung der deutsch-polnischen Handelsoertragsverhand- lungen betrachten können.

Immerhin bleibt abzuwarten, ob sich die Dinge wirklich so entwickeln, wie sie heute pol- nischer Optimismus sieht. Schließlich sind die Engländer auch Kaufleute, die ihr Geld nur opfern werden, wenn es nicht anders geht, und damit hat es insofern noch gute Weile, als wohl weder auf englischer noch auf russischer Seite der Wille besteht, es zum Aeußersten kommen zu lassen. Dazu kommt als hinderndes Moment hinzu, daß Polen, wie man in England wckß das englische Geld sicher zum Ausbau des Gdingener Kriegshafens und der Schaffung einer Kriegsflotte benutzen würde, und das wäre gleichbedeutend mit einer Stärkung des französischen Einflusses an der Ostsee. Man wird ferner auch in London darüber im Klaren sein, daß Polen allein England gegen Rußland nicht allzu viel ützen kann. An einen baltischen Block unter Polens Führung ist aber heute nicht mehr zu denken, denn weder Litauen noch die baltischen Staaten würden sich mit Polen zusammenschließen wollen, am weigsten zu einer antirussischen Front. Kurz, es wird sich erst zu erweisen haben, ob das gegenwärtige englische Bemühen um Polen mehr sein wird als ein klug berechnetes Manöver zur Zurück« drängung der russophilen Elemente in Polen. Und bei aller Aufmerksamkeit, die gerade wir der Weiterentwicklung der Dinge zu schenken haben werden, besteht doch noch kein Anlaß, uns bei der Behandlung der zwischen uns und Polen zur Erörterung stehenden wirtschaft­lichen und politischen Fragen nervös machen zu lassen, so sehr das auch von polniischer Seite versucht wird.

Ein Ausweisungsbefehl Sovvisrevt.

Nach einer Nachricht aus Kattowitz meldet die Polonia", daß der im November vorigen Jahres erlassene Ausweisungsbefehl gegen den General­direktor der Verwaltung der Graf Henckel Donner- markschen Werke, Schulz, berichtigt worden ist Generaldirektor Schulz behält seinen Wohnsitz in Ost-Oberschlesien noch ein halbes Jahr bei »und er« hält dann die Genehmigung, so oft er will nach Ost-Oberschlesien zu fahren und dort sein Amt aus­zuüben. Der Ausweisungsbefehl war erfolgt, weil auf den gräflich Henckelfchen Werken Anschlags er­schienen waren, daß die fälligen Löhne der Arbeiter nicht ausgezahlt werden könnten, weil das hierfür bestimmte Geld von der Steuerbehörde beschlag« nahmt worben sei. Die Zeitung teilt ferner mit, daß gegen die für den Aushang verantwortlichen Direk« toren der Henckelschen Werke ein Strafverfahren ein­geleitet worden sei, in dem sie beschuldigt werden, in unzulässiger Weise gelegentlich der Gemeindewahlev für die deutsche Seite Partei ergriffen zu haben.

Ein neuev Bruch des Memel- fiatuts.

Memel, 28. Febr. Wie das Memelländische Großllkauische Blatt" heute berichtet, find die Landtagswahlen, die am 4. März stattfinden sollten, auf den 8. April verschoben worden. Aus Anfrage beim litauischen Gouvernement wurde diese Meldung bestätigt. Die einschneidende Maß­nahme erfolgt in dem Augenblick, da der Wahl­kampf sich dem Ende nähert und kein Zweifel mehr bestand, daß auch diesmal wieder die bisherige Mehr­heit der Parteien einen vollen Steg erringen würde. Die Verschiebung der Wahlen ist ein neuer Bruch des Memelstatuts, da die Reuwahlen nach dem Statut sechs Wochen nach der Auflösung, also am 4. März stallzufinden hätten.

Ueber die Gründe der Maßnahme erfahren wir, daß bisher strittig war, wer im Memelland über­haupt wahlberechtigt sei. Die litauische Regierung hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß sich jeder Groß- lilauer, der sich augenblicklich im Memellandc aui- hält, auch wahlberechtigt sei.' Dieser Standpunkt wurde aber insbesondere von deutscher Seife ener­gisch bekämpft. Die Verschiebung der Wahlen stellt somit also nichts anderes, als eine Zwangsmaßnahme der Kownower Regierung dar, mit der Absicht, die ihr genehmen Leute in die Wahlliste aufzunehmen und damit das litauische Element im Memelland zu stärken.

AbsMuS bet ß«iem>MbIi8«tio# des Auswärtige« Amts.

Berlin, 28. Febr. Heute namittag fand im Hause des Staatssekretärs von Schubert aus Anlaß des Abschlusses der Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes eine Festlichkeit zu Ehren des Herausgebers Dr. Thimme und Professor Mendelssohn-Bartholdy statt, zu der u. a. Staatssekretär Meißner, die Direk - oren des Auswärtigen Amtes, der Leiter des «schuld, referats Dr. Stieve, Exzellenz Rosen» Gouverneur Schnee, Professor Hans Delbrück und Graf Mont- gelas erschienen waren. Staatssekretär v. Schubert dankte den Herausgebern in einer längeren 'Ans­prache im Namen des Ministers des Auswärtigen, Dr. Stresemann, für die von ihnen geleistete Arbeit^ Er führte u. a. aus:Wir haben in rückhaltloser Offenheit die Schleier von unseren tiefsten politische»