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202. LavvSE

»scheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, GamStag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg., im Reklaineteil von 63 mm Breite 25 R»pfg. ^ Offertengebühr 50 R»pfg.

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21. Kebrnav

und Land

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung ober Nachlieferung oder auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Für Platz Vorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.^Geschäftsstelle: Hamnnrstr.9 / Fernspr. 3956,3957,3958

Ssntte Lage inSchanghai

I Der neue Akt des großen asiatischen Schauspiels t erfüllt von dem Kampflärm um Schanghai, des mächtigsten Wirtschaftszentrums des Fernen Ostens, 'er Marschall Sun Chuan Fang, ein Günstling der ngländer, zu dessen Machtsphäre Schanghai gehört, mrde von den Kontonesen geschlagen. Seine Trust­en ziehen sich auf die reiche Handelsmetropole zu- 4cf, in der England eine Anzahl Regimenter be- rits gelandet hat. Inzwischen ist in Schanghai vom Allgemeinen Gewerkschaftsbund der General- res,! proklamiert worden mit der Forderung: läumung der Stadt sowohl durch die Iritischen Truppen als auch durch die Truppen des Generals Sun Chuan : a n g. Dèr Streik hat keinerlei wirtschaftliche Hin- itgründe und ist eine rein politische Maßnahme ir Unterstützung der Kantanesen. Da die kanto- esischen Truppen weitere ständige Fortschritte zu erzeichnen haben, so rechnet man damit, daß die Stunde des entscheidenden Kampfes um den Besitz -changhais bevorsteht und damit auch eine drama- sche Steigerung der Auseinandersetzung wischen China und England.

Angesichts dieser Lage ist eine Unterredung von ohem Interesse, die ein gelegentlicher Berliner Mit- rbeiter unseres Blattes mit dem chinesischen Ge- Häftsträger in Berlin, Dr. Chiang Cchao I u e atte. Auf die Frage: Welches sind die Ursachen, re schließlich zu der Zuspitzung der englisch-chinesi- hen. Beziehungen geführt haben? antwortete der ftnesische Geschäftsträger:Die Borfälle in Schang- ai am 30. Mai 1925, die Tötung unbewaffneter -inesischer Demonstranten durch englische Polizei m 29. August 1926 und die Beschießung der Stadt ßaushien durch englische Kanonenboote, die entsetz» che Verluste an Töten und Verwundeten unter der redlichen Bevölkerung dieser Stadt zur Folg« atte, haben den Grund zur Trübung der freund- haftlichen Beziehungen zwischen China und Eng- ang «gelegt. Diese Gewaltakte Englands

» China haben in ganz China eine energische Protestbewegung gegen England heroorgèrufen, ie sich in einem antienglischen Boykott auswirkte nd schließlich die Engländer zur Aufgabe ihrer tiederlassung in der wichtigen Wangtsestadt Han- ow nötigte. Dazu kam, daß China immer mehr -.kennen mußte, daß England es bei allen Derhand- ungen an der nötigen Aufrichtigkeit fehlen ließ, ks hat nichts gehalten, was es während der schwe­lenden Verhandlungen versprach.

Die weitere Frage: Welches Programm verfolgt Iljina bei der jetzigen Auseinandersetzung mit Eng» and? beantwortete der Geschäftsträger wie folgt: ,.

Die Bewegung verfolgt die Durchsetzung der nationalen Ziele das heißt Befreiung von den un» ragbaren Bestimmungen der alten einseitigen Ber» räge mit den fremden Mächten, Aufhebung der Son- nerrechte einzelner von ihnen, Wahrung der Unver» etzlichkeit der Souveränität Chinas. Sie haben ja ron dem Boykott gehört, der in meiner Heimat ge­gen bestimmte Machte seit einiger Zeit in China trifte durchgeführt. wird. Hierbei möchte ich be­tonen, daß es vollkommen falsch wäre, an Fremden- .hah oder Fremdenfeindlichkeit Chinas zu denken."

Auf eine weitere Frage: Welche Ziele verfolgt nach Ihrer Auffassung die englische Regierung mit der Entsendung der Expedition? erklärte der Ge­schäftsträger:Die englische Expedition nach China ist angeblich zu dem Zweck entsandt worden, um Leben und Eigentum der Engländer in China zu schützen. Es dürfte aber auf der Hand liegen, daß England andere Ziele verfolgt: Gewaltsame Auf­rechterhaltung und Verewigung der alten für China untragbaren Verträge. Diese wurden vor vielen Jahrzehnten der Kaiserlichen Regierung aufgezwun­gen und haben heute, dem modernen China gegen­über, keine Daseinsberechtigung mehr. Sie sind ein Hemmnis für die glückliche Weiterentwicklung des Landes und bilden für jede Regierung in China eine Gefahr für ihre Stabilität. China verlangt mit Recht volle Souveränität und das Recht, feine Angelegenheiten selbst zu ordnen und wird jeden Versuch, ihm diese Rechte zu entziehen oder zu schmälern, zurückweisen."

Schließlich erklärte der Geschäftsträger:Die Zeiten sind vorüber, da fremde Truppen China ge­fügig machten .Die nationale Freiheitsbewegung eines 400-Millionenvolkes ist ein ungeheurer Macht­faktor. China wünscht Ruhe, Frieden und Zusam­menarbeit mit dem Auslande zu seinem Besten und dem der fremden Mächte. China aber, ein altes Kul­turland, darf auf keinen Fall als ein Gebiet be­trachtet werden, in dem man nach Belieben schaltet. Meine Heimat will, wie mit den anderen fremden Mächten, auch mit England freundschaftliche Be­ziehungen pflegen, aber nur auf der Basis der Gleichberechtigung und der Gerechtigkeit. (Sollten aber schließlich die Verhandlungen mit England in diesem Sinne zu keinem Resultat führen und die Ereignisse Verwicklungen von jetzt noch nicht abzu- sehender Tragweite nach sich ziehen, so träfe nicht China sondern England die volle Verantwortung. Ueber verschiedene innerpolitische Fragen bestehen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Norden und dem Süden Chinas. In der .Fragè der Frei- heit und des nationalen Aufstieges aber trennt uns nichts. Wir werden als ein geeinigtes Volk aus dem Wirrwarr hervorgehen, und weh« England, wenn

es sich einbilden sollte, uns Chinesen mit Gewalt und Drohung unter sein Joch zwingen zu können. Noch begnügen wir uns gegenüber der Landung englischer Truppen mit einem formellen Protest. Man soll sich aber hüten, die Dinge auf die Spitze zu treiben.

Genevalftvekk.

Schanghai, 19. Febr. (Reuter). Der Allge­meine Gemerkschastsbund hat heute den General­streik ausgerufen, um seiner Forderung nach Räu­mung Schanghais durch die Truppen Sun-Tschuan- Fangs und durch die britischen Truppen Nachdruck zu verleihen. Heute vormittag legten alle Angestell­ten der Post, der Straßenbahnen und der Omnibus- linien in der französischen Konzession die Arbeit nieder. Die Zahl der Streikenden beträgt 40 000. 3m chinesischen Stadtteil ist der Belagerungszustand verkündet worden. Die Streikenden veröffentlichen ein manifest, in dem sie sich für die Kantonesen er­klären.

Schanghai, 19. Febr. Die Straßenbahnen haben heute nachmitag in der ganzen internatio­nalen Niederlassung den Betrieb eingestellt. Auch die Matrosen sind in den Streik getreten. Die Still­legung des Wasserwerkes in der französischen Kon­zession hat in einigen Stadtteilen Wassermangel Heryorgerusen. Alle britischen Truppen werden In ihren Quartieren für etwaige Zwischenfälle bereit- gehalten. Das Schanghaier Freinulllgenkorps ist mobilisiert worden. Der Postbelrieb ist gestört.

London, 19 Febr. Die Abendblätter bringen ausführliche Berichte über die Lage in Schang­hai, die durchweg als ernst bezeichnet wird. ..Corning Standard" berichtet: In Schanghai streiken ungefähr 80 000 Arbeiter. An dem Ausstand sind insbesondere die Angestellten der Verkehrsmittel und der Post sowie der' Waren­häuser und der Baumwollfabriken beteiligt Zu Be­ginn des Streiks kam es verschiedentlich zu Aus­schreitungen. So wurden von Straßenbahnangestell- ken einige Straßenbahnwagen in der Nahe der in­ternationalen Niederlassung zertrümmert. Weiter wurde das Gebäude der Brllisch-Amerikanischen Tabakfabrik von Streikenden angegriffen. Die Menge, die die Fenster mit Sleinwursen zertrüm­merte, wurde schließlich von der Polizei zerstreut. Das ausländische Freiwilligenkorps ist, wie Evening News" berichtet, mobilisiert worden. Evening Standard" berichtet weiter aus Schanghai: Nach hier eingelassenen Meldungen soll General Sun-Tschuan-Fana und seine Armee in Tschapu, etwa 60 Meilen südlich von Schanghai, abgeschnit- len sein. Nach andern Meldungen, die »Evening News" wiedergibt, sollen die Südtruppen Kiaschlng beseht haben.

London, 20. Febr. In Schanghai sind die bedeutendsten Unterführer des' Marschalls Tschan g-Tso-lin eingetroffen, um einen Kriegs- rat zusammen mit dem lokalen Derteidigungskom- missar abzuhalten. General Sun-Tschuan-Fang soll beabsichtigen, alle Anstrengungen zu machen, um sich in der Stadt zu halten. Weiter wird gemel­det, Marschall Tschang-Tso-lin habe an Wu Pei-fu ein Telegramm gerichtet, in dem er unter Hinweis auf die gefährliche Lage den un­gehinderten Durchzug für seine Truppen durch die Provinz Honau verlangt. Ferner forderte er Wu Pei-fu auf sich seiner unzuverlässigen Unterführer zu entledigen. 16 000 Mann der Schantung-Trup- pen seien an der Bahnlinie Peking Hankâu ent­lang auf dem Vormarsch begriffen, um den linken Flügel Wu Pèi-fus im Kampf gegen die Kantonesen zu unterstützen. Nach Meldungen aus Malta ist die achte englische Torpedojäger-Flottille gestern nach Schanghai in See gegangen. Aus Tokio wird berichtet, daß heute früh ein Kreuzer und vier Torpedojäger nach Schanghai ausgelaufen seien. Außer den bereits in China gelandeten 300 japani­schen Marinesoldaten werden zwei weitere Abtei­lungen von je 300 Mann in Sasebo zum Abtrans­port für den Notfall bereitgehalten.

Guns rrüârus.

London, 19. Febr.Demoralisiert, ent­mutigt und ohne Offiziere treffen die übrigen Teile der Armee Suns in Schanghai ein." Mit diesen Worten kennzeichnet der Vertreter der Rothermere-Presse in Schanghai, Sir Parsival Phillips, den Rückzug der geschlagenen Trupven Suns. Ändere Berichte, in denen von fünfzehn­jährigen Soldaten, hilflosen Verwundeten und halbverhungerten Mitläufern Suns die Rede ist, bestätigen diese Schilderungen. In Anbetracht dessen ist es verständlich, daß man in Schanghai vor der Hand größere Angst vor der besiegten Sol­dateska^ Suns als vor den siegreich vorrückenden Kantonesen hat. Sun hat die Unvorsichtigkeit be- ganaen, sich in einem Äufruf für die Eng­länder einzusetzen. Er betrachtet Englands Maß­nahmen, Schanghai gegen die Kantonesen zu ver­teidigen, nicht als eine Invasion in China. England sei vollkomen berechtigt, seine Interessen zu schützen. Praktisch dürfte dieser Aufruf Suns kaum noch etwas zu sagen haben. Denn seine Niederlage scheint schwerer, als anfänglich angenommen wurde, io daß eine Reihe Berichterstatter den Zweifel ausdrücken, ob Sun auch noch auf seiner letzten Verteidigungsstellung bei Sungkiang oder Kahsing, 30 bis 40 Meilen von Schanghai ent­fernt, feinen Mann stellen kann.

SkttviGtuns von Asttatove«.

Schanghai, 20. Febr. (Reuter.) Während In der internationalen Niederlassung und in den französischen Sonzessionsgebiet den Agitatoren der Rationalisten praktisch freie Hand gelassen wird, hat der Verteidigungskommissar von Schanghai, Gene­ral Lipaortschang, für die Chinesen st adt angeordnet, daß alle, die die Arbeiter a u f- hetzen, hlnzurichten seien. Drei Agita­toren wurden bereits enthauptet und ihre köpfe am Postgebäude zur Warnung aufgehängt. 30 Personen wurden wegen verschiedener Vergehen enthauptet. Nach hier vorliegenden Meldungen be- sinden sich gegenwärtig 50 000 Mann der Armee Sun-TschuanFangs zwischen kianschiang und Sunkiang.

ütiMétttttifi eines Abkommens zwischen S'MaVev und Tschen.

hankau, 20. Febr. (Reuter.) Amtlich wird be- kanutgegeben, daß O'Malley und der Minister des Aeußeren der Kantonregierung, Tschen, gestern abend ein englisch-chinesisches Abkommen unterzeich­net haben.

London, 20. Febr. Die Nachricht von der Unter­zeichnung des Hankau-Abkommens wurde heute Nachmittag Chamberlain, der das Wochenende in feinem Landhause verbringt, telephoniert. Auf die Frage, ob er eine Erklärung dazu abgeben wolle, erklärte Chamberlain, alles, was er zu sagen habe, werde morgen im Unterhaus mitgeteilt werden.

London, 21. Febr. Der Daily Telegraph berichtet aus Peking, es werde angenommen, daß das Ab­kommen zwischen O'Malley und Tschen Verein­barungen über die Konzessionen in Hankau umfasse.

Aukuttst eines holländischen VanzevkvenzeeS.

Amsterdam, 20. Febr. Einer amtlich noch nicht bestätigten Agenturmeldung zufolge, ist der neue holländische Panzerkreuzer Sumatra gestern in Schanghai angekommen.

Benneuhisuna in âbonskong.

London, 21. Febr. DieTimes" berichtet aus Hongkong, daß der Streik in Schanghai die Beun­ruhigung in Hongkong vermehrt habei Die Regie­rung habe Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und an die britischen Einwohner einen Aufruf erlassen, als Freiwillge einzutreten. Der kommunistsche Führer Tang-Fing-Schan ist über Wladiwostock aus Mos­kau zurückgekehrt. In feiner Begleitung sind sieben Mitglieder der kommunistischen International«.

Polens Geevüftnnsen.

Paris, 20. Febr. Anläßlich des Startlaufes eines Torpedojägers, der auf einer Werft in Caèn für die künftige polnische Flotte hergestellt worden ist, hielt Senator Chèron eine große Rede über den Ausbau der Seemacht Polens. Chèron sagte, daß Polen entschlossen sei, den ihm durch den Versailler Ver­trag gegebenen freien Weg zum Meere mit Waffen­gewalt zu verteidigen, falls es dazu gezwungen wer­den sollte. Die polnische Flotte werde unter der Leitung französischer Techniker entwickelt und besitze als Basis ein franko-polnisches Marineabkommen, dessen Bedeutung außerordentlch groß und weit­reichend sei. Polens Flotte werde von allen tech­nischen Vervollkommnungen der französischen Marine profitieren.

Sodann zählte Chèron die im Bau befindlichen Einheiten der künftigen polnischen Flotte auf. In Kürze wird ein zweiter Torpedojäger abgeliefert werden. Drei Minenstreuschiffe und fünf Minenleger werden in Le Havre gebaut. Eine Serie Untersee­boote dürfte bis Anfang nächsten Jahres fertigge­stellt sein. Flußmoniore werden Ende 1927 zur Ab­lieferung gebracht. Als den Stützpunkt der polnischen Kriegsmarine bezeichnete Chèron den Hafen von Gdingen und sprach die Hoffnung aus, daß Gdingen in Bälde mit allen marinetechnischen Anlagen aus­gestattet sein müsse, die für eine erstklassige Flotten­basis notwendig sind.

Dv.GchsSr übev die vollttsche Lage

Dessau, 20. Febr. Der Führer der Reichstags­fraktion der Deutschen Volkspartei, Minister a. D. Dr. Scholz, hielt heute auf der Handwerkertagung der Deutschen Volkspartei einen Vortrag übet d i e politische L a g e. Er betonte, die Außen­politik liege bei Dr. Stresemann in besten Händen. Zwischen Deutschland und Rußland sei wirtschaft­liche Zusammenarbeit notwendig. Das nächste Ziel der beutfdjen Außenpolitik sei d i e Befreiung deutschen Landes von fremder Be­satzung, worauf wir rechtlichen und mora­lischen Anspruch hätten. Ohne die industrielle Kraftquelle des Rheinlandes könnten wir die von uns geforderten Leistungen nicht. erfüllen. Dr. Scholz trat für eine Zollunion aller euro­päischen Nationen ein, damit Europa den schweren amerikanischen Konkurrenzkampf bestehen könne. Auf innenpolitischem Gebiete forderte Dr. Scholz unbedingt st e u e r l i ch e E r l e i ch t e r u n - gen. Der Mittelstand könne Lie neue Re - gierung mit Freuden begrüßen; sein geschworener Feind sei immer die Sozialdemokratie. Die Deutsche Volkspartei habe schwere Opfer ge­

bracht, weil sie den Staat über die Partei gestellt habe. Es sei der Wunsch der Deutschen Solfspartet gewesen, in die bürgerliche Koalition auch die De­mokraten mit einzubeziehen, aus wirtschaftlichen Gründen. Trotzdem die Demokratie leider zu den Sozialdemokraten hinnet»», würde er den Ein­tritt der Demokraten in die Regie­rung begrüßen. Die Wirtschaftspartei wolle außerhalb der Regierung bleiben, um ihre Versprechungen gegenüber dem Volk nicht in die Tat umsetzen zu müssen. Staatspolitik sei stets die Grundlage der Politik der Deutschen Volkspartei gewesen. Der Reichspräsident habe ihm wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß eine starke Stütze der von ihm gewünschten Politik in der Politik der Deutschen Volkspartei enthalten sek. Der Reichs­präsident, der auf alter Tradition fuße, stelle sich gleichwohl mit größter Hingabe in den Dienst der deutschen ^-".'ik, obwohl er innerlich Monarchist sei. Dieses Pflichtgefühl habe auch die Deutsche Volkspartei bewogen, ihre Kräfte dem Staat zur Verfügung zu stellen.

Zum Schluß der Tagung wurde eine Ent­schließung angenommen, die der Wirksamkeit der Deutschen Volkspartei auf mittelständlerischem Gebiet Ausdruck verleiht. An Hindenburg und Stresemann wurden telegraphisch Grüße über­mittelt.

Die ASAML-vssfvass.

Berlin, 20. Febr. Zu den Veröffentlichungen, durch die die Reichsregierung aufgefordert wird, auf der Genfer Ratstagung oder durch eine Note die Hauptmächte auf den deutschen Bechtsslandpunkt hinsichtlich Art. 431 des Versailler Vertrages zur Rheinlandfrage hinzuweisen, dergestalt, daß in Artikel 431 eine frühere Zurückziehung der Truppen in Aussicht gestellt ist, hört der Demokratische Zei­tungsdienst, daß tasâchlich daran gedacht wird, den Art. 431 zum Anlaß der Genfer Verhandlungen zu nehmen. Den Zeitpunkt müßte jedoch das Auswärtige Amt selbst bestimmen. Außerdem müßten zur erfolgreichen Durchführung eines solchen Schrittes schwierige Vorverhandlungen geführt werden.

3m Zusammenhang mit der Rheinlandfrage ist in der letzten Zeit auch mehrfach die Beteiligung Dr. Strefemanns an der Genfer Ratstagung er­örtert worden. Wie dieVoss. Ztg." hierzu meldet, wird erst kurz vor Beginn der Ratstagung, die am 7. Wärz ihren Anfang nimmt, die Entscheidung darüber fallen, ob Reichsminister Dr. Sresemann an den Genfer Verhandlungen selbst teilnimmt. Maßgebend für die Beteiligung Dr. Stresemanns ist derVoss. Ztg." zufolge, nicht allein, ob Briand und Chamberlain nach Genf kommen werden, son­dern auch die Tatsache, daß der deutsche Vertreter den Vorsitz im Rat zu übernehmen hat. Für den Fall, daß Dr. Stresemann glaubt, diesmal auf die Beteiligung an den Verhandlungen in Gens ver- zichten zu sollen, dürfte, wie in politischen Kreisen angenommen wird, Staalsfekretâr v. Schubert mV feiner Vertretung beauftragt werden.

Eine ^undsebuns zue länb- iWn Giedrung.

Berlin, 20. Febr. Die Gesellschaft zur Förde­rung der inneren Kolonisation und eine Reihe land­wirtschaftlicher industrieller Spitzenverbände ver­öffentlichen folgende Kundgebung:

Im Jahre 1926 hat das Reich namhafte Beträge für die ländliche Siedlung bereitgestellt. Preußen hat sich dem angeschlossen. Dieser Schritt wird in allen Kreisen des deutschen Volkes lebhaft begrüßt. Sind doch in der Voraussetzung, daß Siedlung Eigentum bedeutet und daß bei der Durchführung des Siedlungswerkes der Rechtsgrundsatz des Eigentums voll gewahrt bleibt an einem um- fassenden ländlichen Siedlungswerk Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe, Städte und Land­gemeinden in gleicher Weise interessiert.

Die Landwirtschaft braucht für ihren Bevölkerungszuwachs neuen und ausreichenden Lebensraum. Auch die in den Landkreisen und Landgemeinden zusam­mengefaßte Selbstverwaltung kann nur gedeihen, wenn der ländliche Nachwuchs dem flachen Lande möglichst erhalten bleibt.

Die I n d u st r i e erstrebt angesichts der geschmä­lerten Slusfuhrmöglichkeiten durch Vermehrung der bäuerlichen Stellen eine Stärkung der Aufnahme­fähigkeit des landwirtschaftlichen Marktes für ihre Erzeugnisse.

Handel und Gewerbe, insbesondere in den mittleren und kleineren Städten, werden durch die in ihrem Umkreis neu entstehenden Bauern- gemeinden erfahrungsgemäß stark belebt.'

Die. Städte, ebenso wie die grpßen Land­gemeinden in den Jndustriegegenden, können ihre Wohnungsnot und Erwerbslosigkeit und der damit zusammenhängenden Folgeerscheinungen nicht Herr werden, wenn mit deren Bekämpfung nicht zugleich die Quelle des Uebels die übermäßige ländliche Abwanderung durch eine" starke ländliche An­siedlung verstopft wird.

Wenn trotzdem eine großzügige ländliche Sied­lung bisher nicht in Fluß gekommen ist, so liegt der Grund darin, daß wesentliche sachliche Voraus­setzungen für eine umfangreiche Siedlung auch jetz» noch nicht erfüllt sind. Die unterzeichneten DrganU sationen fordern deshalb:

1. Wiederherstellung einer ausreichenden Ren« tabilität. ber Landwirtschaft als bei sinngemäßen Vorbedingung für die Gründung lebensfähiger neuer Bauernstellen.