Mittwoch den 2. Aevruar
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^ __«^xe^» in Polen. Und eines Abends fiel der übermütige
Dev «voLmftve LlSonts nm sen Zerkevitsch, als er voll süßen Weines war, in der
fielst legitimen Svauen. —
Schon lange hatte im Warschauer Gerichts- plauderte im Rausch allerlei Sachen aus^ aebäude kein solcher Andrang mehr geherrscht wie zweckmäßiger für sich behalten hatte. Der Rabbi vor einigen Tagen zum Prozeß gegen den „polni-j aber ward neugierig und wollte mehr wysen, und schen Adonis", einen Herrn Roland Zerkevitsch, derber erfuhr alles, was er brauchte, um Den schönen Nicht weniger als siebenmal legitim verheiratet und Schwiegersohn zu einem Spaziergang aus die diescrhalb auf das Armesünderbänkchen zitiert war- Polizei einzuladen. Nun stand Rolanv vor den den war Seine sieben fungen Frauen, eine ent- Richtern. Seme sieben Gattinnen aber erklärten em- zückender und iescher als die andere, waren als Zeu- hellig, daß sie ihm verziehen, und da er mit allen «innen erschienen. Es wird wenig Männer geben, legitim verehelichtest, hat eine sogar verlangt, daß die sich solcher Erfolge beim schönen Geschlecht er leden Tag der Woche mit einer anderen verbringe, rühmen können, wie dieser verführerische Handlungs- nur solle er sie nicht verlassen Ist diese Anhanglich- rei ende, der ein Herz ums andere gebrochen hat unb fett nicht rührend, spricht dieser Mangel an Eiferdank einer für uns Deut che ganz unfaßbaren sucht bei den sieben Nebenbuhlerinnen nicht für die Schlamperei der verschiedenen Standesämter alle menschlichen Qualitäten des armen Sünders? Jeder- fiebcn Bräute zu rechtmäßigen Ehefrauen machen mann im Saal war gerührt, nur der Staatsanwalt konnte. Seine Laufbahn begann dieser hoffnungs-! nicht und noch weniger das Gericht. Wer viel ge- volle junge Mann mit 21 Jahren in Lodz, wo er! liebt hat, dem wird viel vergeben, heitzt^es zwar, sich mit der Tochter eines steinreichenJuwelenhänd- lers verlobte. Der Schwiegervater war anfangs wenig entzückt, aber sein Widerstand wurde gebrochen und die Hochzeit gefeiert. Die Jungvermählten genossen dank der Freigebigkeit des Herrn Papa, ausgedehnte Flitterwochen, dann reifte Der schöne Roland nach Warschau, angeblich um eine Wohnung zu suchen, und ward nicht mehr gesehen. Während die junge Frau in Lodz vergebens auf den Herrn Gemahl wartete, führte dieser in der Hauptstadt ein herrliches Leben, flatterte wie ein Schmetterling von einer Blume zur anderen, warf die Zlotys mit vollen Händen zum Fenster hinaus und siedelte dann nach Radom über. Den strengeren Lebensanschauungen und solideren Sitteri, die Dort herrschten, wußte er sich trefflich anzupassen, und ein angesehener Kaufmann der Stadt fühlte sich äußerst geehrt, als ihn Zerkevitsch eines Tages um die Hand seines Töchterchens bat. Wieder ward fröhliche Hoch-
zeit gefeiert, wieder verschwand der Ehemann nach wenigen Wochen, diesmal nach Lublin. Dort lernte er eine junge Witwe kennnen und fühlte sich verpflichtet. sie in ihrem Schmerz zu trösten, was ihm so glänzend gelang, daß aus beiden ein glückliches Paar wurde. Frau Zerkevitsch Nr. 3 verkaufte ihr Besitztum und übereignete dem Gatten den Erlös zwecks „nützlicherer Anlage." Geld und Gatte ade! Nach einigen Wochen hatte auch dieses Glück ein Ende. Nach einem neuen Intermezzo in Warschau, das viel Geld kostete, galt es, sich nach neuen Einnahmequellen umzusehen. Wieder warf der Heiratsschwindler seine Netze in der reichen Provinz aus. Das vierte Opfer ging zu Ravaruska, das fünfte zu Leopol ins Garn. Diese Triumphe verwirrten dem allzu erfolgreichen Mitgiftjäger den Kopf. In Warschau ereilte ihn das Schicksal, das er selbst herausforderte, als er mit zwei jungen Mädchen zugleich zarte Bands anknüpfte und beide ehelichte. Die
siebente Frau Zerkevitsch war unglücklicherweise die Tochter eines Rabbiners. Rabbiner sind kluge und scharfsichtige Menschenkenner, sie sind es besonders
Wohnung des Schwiegervaters aus der Rolle, er
die er
aber das Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis.
Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er es annehme, hat der schöne Roland geantwortet, er bereue seine Verbrechen aus tiefster Seele, und hat versprochen, eine von den sieben zu behalten, für immer und ohne Vorbehalt, wenn er wieder frei sein wird. Wer wirb die Glückliche sein? Er wird es sich überlegen, er hat ja Zeit genug.
Das Leben — der unwahrscheinlichste Film.
„Greift nur hinein ins volle Menschenleben!" Es geschehen in der Tat Dinge auf Erden, die, von einem unbekümmerten Filmdichter auf die Leinwand gebracht, ob ihrer Unwahrscheinlichkeit dröhnendem Gelächter und schrillen Pfiffen des Kinopublikums begegnen würden. Man braucht sich nur die Geschichte der jungen Budapesterin Edith N. anzuhören, ein Abenteuer, bei dem himmelhoch jauchzende und zu Tode betrübte Stimmungen einander ablösen wie Sonne und Regen an einem launischen Apriltag, und dem ein happy end nicht fehlt — ein happy end, im Vergleich zu dem die Zuckerlimonade verstiegenster Filmromantik wie hochprozentiger Kornbranntwein mundet. Man höre. Der erste Akt spielt in Abbazia, die blauen Wellen der Adria bespülen den Strand, ein strahlend blauer Himmel wölbt sich darüber. Personen der Handlung. Sie, besagtes Fräulein Edith) ebenso jung wie naiv. Er, ein eleganter junger Herr, fesch, galant, „interessant". Nach drei Spaziergängen am Strand sagt sie mit Augenaufschlag: „Ich werde Sie mit meinen Eltern bekannt machen!" Was kommen muß, wird Wahrheit. Herr N., der Papa, telegraphiert nach Budapest, um sich über die Persönlichkeit des Freiers zu unterrichten, der Fabrikunternehmer sein will. Er erhält die besten Referenzen, das Geschäft ist prima, der Direktor ein Mann
von höchstem Ansehen und großer Zukunft. „Mein lieber Schwiegersohn!" — und hunderttausend Francs Vorschuß auf die Mitgift liegen auf dem Tisch. Zweiter Akt: Heirat, Hochzeitsreise nach Rom, Paris, Wien, heim nach Budapest. Noch aus dem Bahnhof bittet der Ehemann seine junge Frau, im Wartesaal einen Augenblick zu warten; er muß in die Fabrik telephonieren. Es vergehen zwei Stunden, er kommt nicht zurück. Die Gattin, beunruhigt, wirft sich in ein Auto und fährt zur Fabrik, um ihren Gatten zu suchen. Man führt sie ins Zimmer des Dierktors. Dieser tritt ihr entgegen, Frau Edith suhlt, wie ein Stein von ihrem Herzen fällt, sie hat so viel Angst ausgestanden. „Aber warum hast du mich warten lassen, Liebster?" — „Ich verstehe Sie nicht, gnädige Frau", antwortet der erstaunte Direktor. — "Du bist doch ein drolliger Junge!" — „Sie täuschen sich sicher, meine Dame, was meinen Sie? Ich sehe Sie heute zum erstenmal, ich kenne Sie ja garnicht!" Frau Edith wird ohnmächtig. Vorhang. Dritter Akt: Papa N. ist telegraphisch herbeigeholt worden, er stellt den Direktor erzürnt zur Rede. Und nun kommt alles ans Tageslicht. Der Direktor ist wirklich noch Junggeselle. Der verschwundene Ehemann ist sein leiblicher Vetter, durch eine Laune der Natur sein Dopelgän- ger von geradezu unglaublicher Aehnlichkeit,, sodaß sogar Arbeiter und Angestellte die beiden dauernd verwechselten. Was geschieht mit der armen Frau Edith? Alles wird wieder gut, denn, wie der geneigte Leser berits ahnend voraussieht: der unverehelichte Herr Direktor liebt seine angeheiratete Base vom ersten Augenblick an, er kennt keinen sehnlicheren Wunsch, als den leichtsinnigen Vetter auszustechen und feine Stelle einzunehmen. Edith sagt nicht Nein, die Schwiegereltern sind von dieser Lösung entzückt. Nur einer leistet Widerstand, der Gatte, der inzwischen mit der Mitgift nach Paris übergesiedelt ist, und der nur dann von seinen Rechten auf die schöne Edith zurücktreten will, wenn er einen Abstand in Höhe von 100 000 Francs erhält. Wahrscheinlich wird er sie nicht erhalten; das Ehescheidungsverfahren ist eingeleitet, und der richtige Herr Direktor sorgt für Beschleunigung. Zwar drohte der saubere Mitgiftjäger mit einem großen Skandal, wenn feine Erpressung keinen Erfolg haben sollte. Aber es wird ihm nicht viel nützen.
Der englische Hof gegen Bublkopsfrisuren.
Es ist bezeichnend für die konservative Gesinnung der führenden englischen Gesellschaft, daß sie der Bubikopfmode keinen Eingang bei Hofe gestattet hat. Nach Angaben des „Manchester Guardian" ist vor allem König Georg ein scharfer Gegner dieser Mode, während Königin Mary, obwohl sie das gebobbte Haar als unschön empfindet, die praktischen Vorteile dieser Haartracht keineswegs verkennt. Der Widerstand des Königs in dieser Frage geht sogar so weit, daß er sämtlichen Da- men bei Hofe untersagt hat, sich die Haare schneiden nnmiHniHHBMHimnHMHH
zu lassen. Man kann sich vorstellen, wie untröstlich manche hoffähige englische Dame über dieses strenge Verbot ist und nur zu gern — gemäß ihre, ureigensten Evanatur — zur harmlosen List ihn Zuflucht nimmt, bei Hofsesten den mißkreditierter Bubenkopf mit einer künstlichen Haarfrisur zu vsn decken. Und auch die Londoner Friseure erhoffen von Tag zu Tag einen Umschwung in der Sinnesari des zäh an Ueberlieferungen hängenden Hofes.
Japanische Schnellzüge.
Auch für den an europäische und nordamerikanische Verhältnisse gewöhnten Reisenden ist er überraschend, mit welcher Pünktlichkeit und Schnel- lichkeit die japanischen Expreßzüge verkehren. Ali Beispiel sei erwähnt, daß der Schnellzug zwischen Kobe und Tokio mit einer Durchschinttsgeschwin, digkeit von etwa 80 Kilometer in der Stunde fährt und trotz einer fahrplanmäßigen Fahrzeit von 9 Stunden, die er wegen der unzähligen Windungen und Steigungen in dem bergigen Gelände benötigt, auf die Minute vünkUich in Tokio einfährt, obwohl die Haltezeit in den größeren Städten eine Minute kaum übersteigt, Verspätungen also sehr leicht ein- treten und sehr schwer wett gemacht werden können. Dabei ist es erstaunlich, in welchem Tempo di« Bahnhohfsanlagen der kleineren Stationen mit ihren Weichen und Kreuzungen, die durch kein« Eisenbahndämme oder Schranken geschützten, teilweise dicht bevölkerten Straßen der Ortschaften und die ziemlich scharfen Kurven im Gelände durchrast werden. Nicht einmal die in großer Zahl vorhandenen Eisenbahnbrücken, die wohl technisch einwandfrei, aber wenig künstlerisch hergestellt sind, scheinen die Geschwindigkeit zu hemmen. Das einzige Unangenehme ist die Holzfeuerung der Lokomotive, die starke Rauch- und Rußbildung bewirtt, während die Züge sonst an Ausstattung und Bequemlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen.
Ein Mord in 450 Meter Tiefe.
Am Sonntag ereignete sich nach einer Meldung des „Berl. TagebL“ aus Katkowitz im Richthofen- Schacht in Gieschewald bei Kattowitz ein geheim- nisvoücs Verbrechen. mittags gegen 1 Uhr bemerkt- ein Streckenwärter in der Tiefe von etwa 450 Meter unter Tage zwei unbekannte maskierte Männer, die auf bisher nicht erklärte Meise in das Bergwerk einged'ungen waren. Als sie sich ausweisen sollten, zogen sie ihre Revolver und sperrten unter Drohungen sechs Bergleute in zwei Kommern ein, die sie nrt mehreren zentnerschweren Klumpen verbarrikadierten. Ein alarmierter Oberwächter wurde bei der Verfolgung von den Räubern aus einer Sohle in 450 Meter Tiefe erschossen. Die Täter konnten bis jetz! ruckt festgenommen werden, doch sind die Zy- gänge zum Schacht polizeilich gesperrt, so daß die Verbrecher kaum entkommen dürften. Ob ein Dynamitanschlag oder ein anderes verbrechen geplant war, konnte bis zum Augenblick noch nicht sestgestellt werden.
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