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Mittwoch Den 2. Fevruar

irr. 27

Maria LiKtmsS.

Zum 2. Februar.

Den kirchlichen Zeremonien der Lichtmesse liegt der Glaube an die segenspendende Kraft der vom Priester geweihten Kerze zugrunde, deren Licht die Erleuchtung der Welt durch Christus versinnbild­lichen soll. Die biblische Bedeutung des Tages be­zieht sich auf den im Volke Jerusalems üblichen Brauch, daß jede Mutter, die einen Knaben geboren hatte- am 40. Tage nach der Geburt den Tempel besuchen mußte, um dort ein Lamm oder Tauben zu opfern, worauf der Priester für sie betete, was ihre Reinigung versinnbildlichte. Gleichzeitig damit war jedoch auch das Jesuskind in das Haus Gottes geführt worden, wo der greife Simeon die prophe­tischen Worte sprach, daß der Knabe bestimmt sei, dereinst das Licht zu werden, das die Heiden er­leuchten würde. Daraufhin deuten also die Lichter- Zeremonien, die Lichterprozessionen und die Weihe der Kerzen, die der Lichtmesse ihr feierliches Ge- gepräge geben.

Die Geschichte der Lichtmesse Mariä reicht in die ersten christlichen Jahrhunderte zurück. Aus dieser frühen Feier des Feste- wollten daher auch manche Forscher, darunter auch Veda, der im 8. Jahrhun­dert lebende Historiker, folgern, daß das Fest von der Kirche an Stelle des von den alten Römern all­jährlich in den ersten Februartaoen gefeierten Proserpina- oder Juno-Februa-Festes eingesetzt worden sei. Denn auch bei diesem Fest spielten brennende Kerzen und Fackeln, die das Volk der Söttin zu Ehren durch die Straßen trug, eine wich­tige Rolle. Auch Ceres, die Göttin der Ernte und Fruchtbarkeit, pflegte man in diesen Tagen durch ein Fackelsest zu ehren. Mit Sicherheit haben sich liefe Annahmen allerdings bis jetzt nicht bestätigen assen, zumal da die kirchliche Tradition die Ent- tehung des Festes nach Jerusalem verlegt, wo es atsächlich in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts chon gefeiert wurde, wenn auch noch nicht unter einem heutigen Namen, als Lichtmesse oder Mariä Reinigung, sondern nur alsvierzigster Tag nach Epiphanias". Während das Fest dem Städter kaum zu Bewußtsein kommt, knüoft man auf dem Lande noch immer mancherlei Wetterglauben an den Tag, der für Diele sogar als Frühlingsanfang, oder besser gesagt, als Anfangstag des neuen Erntejah­res gilt. Äle Wetterregel verlangt schlechtes Licht- meß-Wetter, weil Sonnenschein ein böses Vor­zeichen für das ganze Jahr bedeuten würde.

* Dritter Giroverbandslag. Angesichts der zu- yehmeyden Bedeutung, welche die genofsenschaft- lidjen Kreditfragen im Rahmen der gesamten Kre- istversorgung erfahren haben, hat sich der genossen- chaftliche Giroverband der Dresdner Bank ent- cylossen. auch in diesem Jahre wieder eine Giro­oerbandstagung abzuhalten, die am 5. Februar 1927 in Berlin stattftnden wird. Bekanntlich Han- delt es sich boM um den im Jahre 1865 von Schulze-Delitsch ins Leben gerufenen Giroverband Städtischer Kreditgenostenschaften (Dolksbanken), iem auch die hiesige Dereinsbank und die Gewerbe­bank angehoren Den Girooerband hat die Dresdner Bank von dem Gründer des deutschen Genossen- schaftswesens, Schulze-Delitsch, schon vor Jahr- zehnten als Erbe übernommen. Ueber die Verhand­

lungen, die für das deutsche Wirtschaftsleben, ins- besondere für die genossenschaftlichen Kreise unseres Bezirkes, von großer Bedeutung sind, werden wir nach Beendigung der Tagung Einzelheiten bringen. Ueber die Tagung selbst erfahren wir vorläufig folgendes: Am 5. Februar hält derGenofsenschast- liche Giroverband" der Dresdner Bank, der in der tauptsache die städtischen Kreditgenossenschaften chulze-Delitzschscher Richtung umfaßt, seinen dies- jährigen K'rooerbandstag ab. Die Tagung dürfte auch in diesem Jahre wieder allgemeine öffentliche Bedeutung erlangen, da in Anwesenheit der Spitzen der Behörden von sachkundiger Seite zu allge- meinen und aenossenschaftlichen Problemen der Gegenwart Stellung genommen wird. Nach einem einleitenden Referat des Herrn Bankdirektors Paul

RapmundDie genossenschaftlichen Volksbanken des Giroverbandes der Dresdner Bank im Sahre 1926'' werden u. a. sprechen: Herr Bankdirektor Herbert M. Gutmann, Mitglied des Vorstandes der Dresdner Bank Herr Pros Kalveram, ordentlicher Professor der Betriebwirtschastslehre an der Uni- oerfitat in Frankfurt a. M. derzeitiger Dekan der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät,

Herr Professor Dr. Stein, Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes. Der Tagung wird ein be­sonderes Gedenken für den jüngst verstorbenen Ge­nossenschaftsanwalt Prof. Dr. Hans Crüger voran- gehen. Die Verhandlungen stehen unter der Leitung des Mitgliedes des Vorstandes der Dresdner Bank W. Kleemann.

* Warnung von einer unlauteren Dohlfohrts- sammlung. Der Verleger Wilhelm Schuhmacher in Dortmund läßt durch Reisende unter Verwendung eines Empfehlungsschreibens desBundes der Schwerkriegsbeschädigten Deutschlands" in Köln und unter dem Hinweis, daß die Erträge des Vertriebes bedürftigen Kriegsopfern zugute kommen sollen, Be­zieher für die von ihm verlegte ZeitschriftIn Treue fest" werben. Da nach amtlicher Feststellung weder Schuhmacher selbst noch der Bund der Schwer­kriegsbeschädigten Deutschlands eine Gewähr für sachgemäße Verwendung der einkommenden Gelder bietet, wird vor diesem Unternehmen, das lediglich eine verschleierte Sammlung darstellt, gewarnt.

* Maskenball des Freien Wassersporkvereins. Am kommenden Samstag, 5. Februar, findet in sämtlichen Lokalitäten derSporthalle", Lang- straße, der große Maskenball der Wassersportler statt. (Näheres ist aus dem Inserat in der Frei gs. ausgabe ersichtlich.)

Landwers Kanarr.

hüttengesäh, 2. Febr. Silberne Hochzeit. Heute Mittwoch feiern die Eheleute Georg Mein- Hardt 3. und Elisabeth geb. Habermann das Fest der silbernen Hochzeit.

Roßdorf, 1. Febr. Allgemeine Geflügel- aus st e l l u n g. Der hier vor Jahresfrist ge- gründete Geflügelzuchtverein hält am 13. Februar im Gasthaus zum Schwanen seine erste Geflügel­ausstellung ab. Da der junge Verein selbst über hervorragendes Geflügelmaterial verfügt und viele auswärtige Geflügelzüchter die Ausstellung be­schicken werden, kann man dieser Schau mit In­teresse entgegensehen. Zur Schau sind von hiesigen und auswärtigen Geschäftsleuten wertvolle Preise zur Verfügung gestellt worden. Als Preisrichter fungiert Herr Lehrer Friedmann^Seligenstadt. An- meldctermin ist bis zum 6. d. Mts. festgesetzt.

^eb^rrobenbnd), 1. Febr. Neubesetzung der Pfarr st elle. Herr Pfarrer Schlott, bisher in Bieber, Kreis Gelnhausen, ist heute hier zur Uebernahme des Pfarramts eingetroffen. Herr Bürgermeister Schäfer und der Kirchenvorstand be­grüßten den neuen Seelsorger an der Bahn und gaben ihm das Geleit nach seiner Wohnung, die durch den Jungmädchenbund reich bekränzt war.

tvetteebevlcht.

Frankfurt a. M., 1. Febr. Auf der Rückseite eines ostwärts abziehenden Wirbels entwickelt sich bei Irland eine neue Druckstörung, die unsere Witterung zunächst noch beeinflussen wird. Später ist jedoch vorüberaehend mit Nachlassen der Bewölkung und Niederschlägen zu rechnen.

Vorhersage bis Mittwoch abend: Veränderlich, meist bewölkt, zeitweise Niederschläge, Tempera­turen wenig verändert, westliche Winde.

Aussichten bis Donnerstag abend: Vorübergend Nachlassen von Bewölkung und Niederschlägen, be­sonders nachts etwas kälter, westlich bis nordwest­liche Winde.

^wtö Gelnhausen.

Oberförfterei Kassel. Holzoersteigerung

am Montag, den 7. Februar 1927, von vormittags 9*4 Uhr ab in Kastel in der Gastwirtschaft Jose Jäckel. Försterei Höchst: Distr. 161, 168, 177, 180 bis 183. Eichen: 83 Rm. Scheite, 55 Rm. Knüppel, 17 Rm. Rs. I. Buchen: 65 Rm. Scheite, 28 Rm. Rs. I. Fichte u. Kieser: 17 Rm. Scheite, 36 Rm. Knüpp., 20 Rm. Rs. I. Försterei Niederhof: Distr. 136. Eichen: 1 Rm. Scheite, 7. Rm. Knüpp. Buchen: 861 Rm. Scheite, 225 Rm. Reis. I. Distr. 143. 11 Rm. Kies. Rs. I.

Försterei Kassel: Dipr. 71. 3700 Stück Fichten- Bohnenstangen VII. Distr. 32, 83, 29. Eichen: 8 Rm. Scheite, 8 Rm. Knüpp. Buchen: H Rm. Scheite, 2 Rm.

Rs. I. Kiefern: 28 Rm. Scheite, 142 Rm. Knüpp. 46 Rm. Rs. I.

3m Wege des schriftlichen Angebots werden 890 Fm. Kiefern Langnutzholz aus Försterei Kastel, Alte- burg und Höchst in 7 Losen verkauft.

Näheres im Holzmarkt oder durch die Oberförsterei.

Verdingung.

Am Donnerstag, den 3. Februar 1927, vormittags 10 Uhr, soll in der GastwirtschaftZur schönen Aus­sicht" in Gelnhausen die Anfuhr der in den Gemar­kungen Altenhatzlau, Eidengesätz, Geislitz, Hof Eich, Grohenhausen, Lützelhausen, Niedermittlau, Meerholz, Lieblos und Rothenbergen erforderlichen Basalt- materialien, Lieferung von Decksand, sowie das Wasserfahren bei Walzarbeiten öffentlich an den Wenigstnehmenden vergeben werden.

Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.

Günther, Oberstratzenmeister

An die Herren Bürgermeister der Landgemeinden! Betr.: Revision der Gemeindekassen.

Unter Hinweis auf Ziffer 8 unter B der zwe...' Anweisung zur Ausführung der Landgemeindeordnung und aus Ziffer 4 der Vorschrift für die Gemeindevor steher der Landgemeinden vom 22. März 1898 mache ich darauf aufmerksam, datz außer den regelmäßig vierteljährlichen Revisionen der Gemeindekassen auch eine unvermutete außerordentliche Revision zu er­folgen hat; diese ist, falls nicht geschehen, noch vor Ablauf des Rechnungsjahres vorzunehmen. Das Protokoll ist mir umgehend vorzulegen.

Gelnhausen, den 27. Januar 1927.

Per Vorsitzende de» Kreisausschuss»».

)( Wächtersbach, 31. Jan. Die am 12. März 1925 zu Gelnhausen gegründete und heute 473 Mitglie­der mit über 480 Tieren zählende Fleckviehzucbt- genossenschaft des Kreises hielt hier heute im Kolb- schen Gasthause ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Altbürgermeister Schmidt-Obersotzbach, eröffnete die gutbesuchte Zusammenkunft mit be­grüßenden Worten, stellte mit Genugtuung fest, daß erstmalig die Schülerschaft der Landwirtschaft­lichen Schule Gelnhausen vollzählig an der Ver­sammlung teilnahm, widmete willkommenheißende Worte verschiedenen, an der Fleckviehzucht interes­sierten Herren aus dem Kreise Hanau und gab dann ein Allgemeinbild über Wesen und Ziele der Fleckzuchtbewegung. Ihm folgte als Redner und Förderer der Zuchtbewegung Herr Oekonomierat Knauer-Altenhaßlau, der Grüße des leider an der Teilnahme an der Versammlung verhinderten Landrates Delius überbrachte und dessen Bemühen um die Hebung und Sicherstellung einer nach jeder Seite vollkommenen Viehzucht innerhalb der Kreis- grenzen in ein klares Licht stellte. In seinen wei­teren Ausführungen verbreitete er sich besonders über Jungviehweiden und deren vermehrte Schaf­fung innerhalb der Kreisgrenzen. Erfreulicherweise konnte der Redner die Feststellung machen, daß sich die Geschäftsführung der Kreisbauernschaft Geln-

»m sehr warm bei der Landwirtschaftskammer assel für die Schaffung solcher Weisen im Kreise ins Mittel gelegt hat. Eine Reihe von Beispielen ließen die Vorteile dieser Zuchtart deutlich er­kennen. Als ersten Punkt der recht reichhaltigen Tagesordnung erstattete der Geschäftsführer der Genossenschaft, Herr Direktor F. Hellwig-Geln­hausen den Jahresbericht, dem allerlei Erfreuliches zu entnehmen war. So ist die Zuchtgenossenschaft des Kreises Gelnhausen zwar unter ihren Schwestern die Jüngste, aber auch eine der Hoff­nungsvollsten. Leider grassiert In einigen Kreis­orten immer noch die Maul- und Klauenseuche und fetzt der weiteren Ausbreitung der Zuchtbewegung vorerst immer noch unwillkommene Grenzen an Orten, wo ein Gedeihen der Bewegung so gut wie gesichert gelten kann. Der Jahresbericht schloß eine ausführliche Berichterstattung über die dieser Tage 3it Bebra stattgefundene Verbandstagung ein. Der vom Kassenführer, Landwirt Brettmann-Hailer erstattete Kassenbericht wurde in Richtigkeit befun­den, dem Kassierer Entlastung erteilt. Mitglieds­beiträge wurden auf jährlich 1 RM. für Mitglieder und 1.50 RM. für jedes, ins Herdbuch eingetragene Stück Großvieh festgesetzt. Man hofft, mit dem Günstiaerwerden der allgemeinen Verhältnisse auch diese Beiträge entsprechend vermindern zu können. Den Mittelpunkt der Tagung nahm ein ausge­zeichneter Vortrag des Herrn Tierzucht-Inspektors Walte r-Kastel ein, der sich in sehr wertvollen Auslassungen über Einzelfragen aus der Fleckvieh­zuchtbewegung verbreitete. Beschlossen wurde alsdann als weitere Punkte der Tagesordnung die

Teilnahme der Genostenschaft an der in Bälde statt­findenden Bezirkstierschau in Fulda, für die der Kreisausschuß bereits einen Betrag von 100 Mark zur Deckung der Unkosten bereitgestellt hat. Im »übrigen hat der Landeshauptmann verfügt, daß die auszustellenden Tiere der Vorsorge halber kosten­los für die Aussteller einer Impfung unterzogen werden.

Kveis-r«sen.

Nach § 162 Ziffer 5 der Ausf.-Vorschriften zum Reichsviehseuchengesetz kann das Abhalten von Ver- anstaltungen in Seuchengehöften vor erfolgter Schluß, desinsektion verboten werden, wenn dis Veranstaltung die Ansammlung einer größeren Anzahl von Personen im Gefolge hat. Da im vorliegenden Fall das Schul­gebäude nicht verseucht ist, kommt eine derartige Maßnahme nicht in Frage. Auch für die Schüler liegt keine Veranlassung vor, dieserhalb die Schule nicht zu besuchen, zumal schon Vorkehrungen gegen die Verschleppung der Seuche getroffen wurden. Wir empfehlen, vor dem Eingang zum Schulgebäude eine Matte aufzulegen, die mit einer dreiprozenttgen Lysol- oder Cceolinlösung getränkt ist und aus der alle Schüler vor Eintritt in das Schulgebäude die Schuhe zu desinfizieren haben. Erfahrungsgemäß wird die Maul- und Klauenseuche in der Regel durch das Schuhwerk verschleppt.

Betr. Maul- und Klauenseuche.

Bekanntmachung.

Die Maul- und Klauenseuche in Düdelsheim ist erloschen. Die seiner Zeit angeordneten Sperrmatz- regeln werden hiermit wieder aufgehoben.

Die Bürgermeistereien des Kreises wollen Vor- stehendes sofort ortsüblich bekanntgeben.

Büdingen, den 31. Januar 1927.

Kreisamt Büdingen: Dr. G a tz n e t.

Betr.: Ausbruch der Maul- und Klauenseuche; hier Be» finderung des Unterrichts in der Fortbildungs­chule.

An die Schulvorstände des Kreises.

3m Auftrag des Herrn Staatspräsidenten - Landesamt für das Bildungswesen teilen wir Ihnen nachstehend eine gutächtliche Aeußerung des Mini­steriums des Innern, Abteilung für öffentliche Ge­sundheitspflege, abschriftlich zur Kenntnis und Be­achtung mit.

Büdingen, den 29. Januar 1927.

Hess. Kreisschulamt: Dr. Gaßner.

Betr.: Die Kosten für nebenamtlichen Unterricht und nebenamtliche Leitung der Fortbildungsschule.

An die Schulvorstände des Kreises.

Wir ersuchen, uns spätestens bis 5. Februar 1927 mitzuteilen wie hoch sich die Kosten für nebenamt­lichen Unterricht (einschlietzlich Handarbeit) und neben­amtlichen Leitung Ihrer Fortbildungsschule im letzten Vierteijahr des Schuljahrs 1926/27 belaufen werden. Des weiteren empfehlen wir Ihnen, uns anzugeben, wieviel der wöchentliche Aufwand von nebenamtlicher Vergütung und Leitung bei der derzeitigen Stunden­zahl für die Klassen, für die mir Unterricht im Winter­halbjahr in Frage kommt, beträgt.

Etwaige rückständige Forderungen für das dritte Vierteljahr sind in dem Bericht aufzuführen.

Büdingen, den 29. Januar 1927.

Hess. Kreisschulamt: Dr. Gaßner.

Betr.: Den Amtstag in Nidda.

Bekanntmachung.

Der Amtstag zu Nidda für den Monat Februar 1927 findet Freitag, den 4. Februar 1927 von 912 Uhr vormittags statt.

Die Bürgermeistereien des Amtsgerichtsbezirk» Nidda sowie die Bürgermeistereien Leidhecken an® Berstadt wollen Vorstehendes alsbald ortsüblich ge­kannt machen.

Zur Ausstellung von Reisepässen und Personalaus­weisen haben die Interessenten einen Paßbericht von der Bürgermeisterei sowie eine Photographie mit« zubringen.

Büdingen, den 31. Januar 1927.

Kreisamt Büdingen: Dr. Gaßner.

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Amtfi und Wissenschaft.

VolkSAvthetâsizevi des Geiangvevews »Lonblüthe*

Zu Sonntag abend hatte der Gesangverein Ton- blüthe in die Johanneskirche zu einem Dolkskirchen- konzert (Wohltätigkeitekonzert) geladen. Eine musi­kalisch an die Zuhörer nicht zu hohe Ansprüche stel- lende Dortragssolge war gewählt worden, um allen Erbauung zu bringen. Und dieser Gedanke einer Svnntagabcndfeier, eine Stunde stiller Sammlung und Andacht den herrlichen Schöpfungen der Musica facra zu weihen, hat weitgehenden Anklang gefunden: die Kirche war lange vor Beginn des Konzertes voll besetzt.

Der Chor brachte unter seinem bewährten und allbekannten Leiter, Herrn H. Appunn, Werke von E. SchultzDer Du von dem Himmel bist", Cheru- bin!Die Liede", F. Mendelssohn-Barth.Mor- gengebet", SchubertHeilig", SonettAve Maria" und S. BreuSonntag ist s" Auf die Ausführung war größte Sorgfalt verwandt worden. Klanglich mußten sich die Sänger erst an die überfeine Akustik der Kirche gewöhnen. Deshalb dürfen Un- [timmigfeiten nicht ohne Weiteres den Ausführen­den als Febler angemerkt werden. Dem musika­lischen der Werke wurde der Chor voll gerecht.

Vielversprechend war die Solistin, Frl. Emmy Weber, eine Schülerin Herrn Appunns. Die junge Dame besitzt ein ausgezeichnetes Material; ihre Stimme tragt, klingt metallisch und hat bereits ein großes Delumen. Bei fleißigem Weiterarbeiten, das sich jetzt besonders der Aussprache wird zuwenden müssen, darf man noch sehr viel von der Künstlerin erwarten.

Herr Appunn entzückte durch seine Meisterschaft auf dem Cello mit drei stimmungsvollen Kompo­sitionen von Klengel, Schumann und Becker.

Die Begleitung der Solisten auf der Orgel meisterte Herr Appel mit musikalisch und technisch voll erschöpfender Kunst.

Möge dieses Konzert in seiner Art nicht das rinzige bleiben! Dr. E. H.

Konzert der Oeiangsviege des Luvnvevekns KUttelbuihen 1888

Das diesjährige Konzert der Gesangsriege des Turnvereins Mittelbuchen 1888 unter der Leitung

des Herrn E. Dolz aus Hanau zeigte den jungen Verein in gutem Lichte. Es ist fleißig gearbeitet worden und mit Erfolg viel gebessert, was dem vorjährigen Auftreten als Erstlingskonzert noch an­haftete. Das ist hier besonders anzuerkennen, da die Sänger durchweg notenunkundig sind, und ihre Aussprache durch Dialekt sehr erschwert wird. Im Piano klappt jetzt alles gut; das Stakkato, das Fugato in derErnte" von Grim, die Aussprache und Tonbildung sprechen an. Nur noch im Forte mutz sich der Tenor vor flacher Vokalisation hüten. Auffallend schönes Baßmaterial scheint der Chor zu besitzen. Die gebotenen Chöre kamen musikalisch durchweg sehr fein heraus. Besonders gut gefielen dieErnte" von Grim und dasSandmännchen", das wiederboll werden mußte. Glück auf zu wei- terem Arbeiten unter dem bewährten Führer!

Einen ausgezeichneten Griff hatte der Verein mit den Solisten getan: Frau Siddy Freund, Kon­zertsängerin aus Frankfurt, und Frl. Erna Wiebel, Konzertpianistin au» Gelnhausen.

Ueber die Sängerin ist hier bereits berichtet worden. Frau Freund besitzt einen weichen, voll ausgeglichenen Sopran; treffliche Schulung und herrliches Material machen Um jum folgsamen Werkzeug in der Hand einer feinsinnigen Künst­lerin. Selten dürfte man die Arie der Mda oder Hugo WolfsEr ist's" so klanglich und musikalisch erschöpsend zu hören bekommen. Frau Freund zeigte sich hier und auch in den Liedern von E. I. Wolf, d'Albert, Raff und Weingartner als Künst­lerin ganz großen Formates.

Gleiches gilt von der Begleitung Frl. E. Wiebels. Poesie, perlenklare Technik und Temperament kennzeichneten Chopins As-dur«2ßalder und Liszt's Rhapsodie in a-moll. Auch die feine Art der Be­gleitung wir erinnern nur an den duftigen Hugo Wolf verrät die große Künstlerin.

Wann erhält auch Hanau die Gelegenheit, das aufstrebende Künstlerpaar zu hören? Dr. E. H.

o Stadttheater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Als 19. Vorstellung im Mittwochs- Abonnement wird heute abend 7 U Uhr zum letzten MaleDer Waffenschmied", komische Oper in vier Bildern von A. Lortzing wiederholt. Gleichzeitig verweisen wir nochmals ganz besonders aus die morgen abend 7^ Uhr stattfmdende unwiderruf- lich letzte Aufführung der großen OperTiefland" von Eugen d'Albert. Wie vereits bekannt gegeben, sind die Preise hierfür gan? bedeutend ermäßigt

und zwar auf 80 Pfg., 1.50 und 2. Mk. Trotz der niedrigen Eintrittspreise bleibt das Orchester auch für diese Aufführung verstärkt. Am kommenden Freitag, abends 7% Uhr, geht zum ersten Male Faust" von Johann Wolfgang von Goethe in Szene und zwar der Tragödie 1. und 2. Teil, für die Aufführung an einem Abend eingerichtet von Bernd Hofmann.

o Frankfurter Uraufführung. Im Neuen Theater kam des diesjährigen Kleistpreisträgers Alexander Lernet-Holenia neues BühnenwerkOesterreichische Komödie" zur Uraufführung. Das Stück, das an= geblich ein getreues Abbild der derzeitigen öster­reichischen Gesellschaft sein soll, hat zwei unange- nehme Eigenschaften: es ist langweilig und un« appetitlich. Denn es wirkt durchaus unsympathisch, daß Graf Albertini seine Einkünfte aus dem Der- tauf seiner hübschen Tochter bezieht und wir können uns kaum denken, daß es heutzutage in Oesterreich in der Gesellschaft üblich ist, daß verarmte Väter durch den bezahlten Nachtverkehr ihrer Töchter ihre durch die Inflation ruinierten Einkünfte heben Es bleibt unerklärlich, wie dieses Werk auf die Bühne kommt, es ist aber durchaus verständlich, daß die österreichische Gesellschaft gegen die Aufführung die­ser geschmacklosen Trivialität opponiert hat. Die Aufführung unter Arthur Hellmers Regie war ganz ausgezeichnet; das wundervolle Bühnenbild Robert Wollmanns muß unbedingt erwähnt werden.

o Pestalozzi-Ausstellung in Frankfurt. Aus An­laß des 100. Todestages des großen Pädagogen und Menschenfreundes Pestalozzi wird hier am 17. Februar im Hause Löwenstein eine große Pella- lozzi-Ausstellung eröffnet, zu der die Stadtbibliothek, das Städt. Schulmuseum und andere Institute rei­ches Anschauungsmaterial liefern werden. Die Aus­stellung zeigt vor allem Frankfurt in seiner frühen und innigen Verbundenheit mit Pestalozzi. Die Ausstellung dürste für alle Stände, Glaubensbe­kenntnisse, Eltern und für die gesamte Jugend ein unvergeßliches Ergebnis werden.

o Zwei kostbare Fresken im vuirinal entdeckt. In dem an den Thronsaal stoßenden Saal der Bot- schaster im Königspalost zu Rom wurde soeben ein Freskobild von Carlo Maratta dem berühmten Maler und Reni-Schüler und sorgsamen Restaura­tor der Raffaelschen Fresken im Dattkan, aufge- funden. Das Gemälde ist ungewöhnlich umfangreich und tadellos erhalten. Es stellt eine Krippe dar und füllt die ganze westliche Wand des Saales aus. Wenn das Gemälde der Generatton des letzten Jahr­

hunderts unbekannt geblieben ist, so ist der Grund darin zu suchen, daß es von der Tapete bedeckt war. Auf der gegenüberliegenden Wand befindet sich ein anderes kostbares Freskobild, das ebenfalls unter der Tapete verborgen geblieben war, ^s handelt sich hier um eine Arbeit von G. B. Mola da Corderio, eines Zeitgenossen des Maratta, der in der Geschichte der italienischen Malerei des 17. Jahr- Hunderts keine geringere Rolle als dieser spielt. Mola, der im Ouirinal mit den berühmten Bildern, aus der Geschichte Josephs vertreten ist, hat auch in diesem Fresko eine Episode der Josephslegende dgr- gestellt. Es behandelt die Verehrung Josephs durch seine Brüder und gehört nach dem Urteil der Sach­verständigen in Zeichnung und Farbengebung zu den besten Arbeiten Molas. Die beiden großen Fresken stellen eine wertvolle Bereicherung der Kunstschätze des Ouirinals dar.

oFrau Shakespeare." Es will fast scheinen, als habe der Shakespeare-Bacon-Streit eine neue Wendung erfahren. Wurde da kürzlich, wie ein Stockholmer Blatt zu melden weiß, im National­theater ShakespearesWie es Euch gefällt" gene­ralgeprobt, und zwar in der Ueberfe^ung eines norwegischen Künstlers, des Herrn Wildenvey. Die Probe ist im besten Gange, da naht sich die Frau des Uebersetzers und will ihren Mann sprechen. Bedaure/ wird ihr vom Theaterdiener versichert, ich darf während des Aktes niemand hineinlassen!" Aber ich muß unbedingt meinen Mann spre­chen; es handeU sich um eine äußerst wichtige An­gelegenheit!" Steinern beharrt der Wächter auf seinem Eintrittsverbot. Die Frau verzweifett fast: Ich kann das nicht verstehen, ich bin doch die Frau des Verfassers!" Höflichkeit läßt den Gestrengen in der Mitte zusammenknicken, und mit einem ver­ständnisvollen Lächeln verschwindet er. Gleich dar­aus hört die ungeduldige Gattin ihn mit erhobener Stimme mitten in die probende Schar der Schau­spieler hineinzurufen:Frau Shakespeare ist hier und wünscht ihren Gatten zu sprechen!"

Der Dieb leugnete hartnäckig. Der Richter, der aber alle Beweise in Händen hatte, ließ sich nicht be­irren und erzählte dem Einbrecher haargenau, mit er oorgegangen wäre. Er fragte ihn Dann zum Schluß, ob er es nicht so gemacht hätte.Nicht ganz genau", erwiderte der Einbrecher,aber das ist eine gute Methode. Das nächstemal werde ich es so machen."