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Selke S

ShuvthM, dev Safchifi.

Lnglisch-iialienisches Liebeswerben.

Der Aufenthalt des englischen Schagkanzlers Churchill in Rom hat zu einer eigenartigen Kund­gebung geführt: Churchill hat sich, wohl zugleich im Namen seines Landes, als begeisterter Anhänger Mussolinis und des Faschismus bekannt, in dem er dasnotwendige Gegengift gegen die rusische In­fektion" erblicken zu müssen meint. Wenn er Italie­ner gewesen wäre, erklärte der britische Staatsmann, so hatte er sich von Anfang bis zu Ende ganz auf der Seite der Faschisten gestanden in dem Kampfe gegen die tierischen Gelüste und die Leidenschaften des Leninismus. Ja, der höfliche Gast hat sogar eine bedeutungsvolle außenpolitische Seite des Faschismus entdeckt, indem dieser der Welt gezeigt habe, daß eine fortschreitende Radikalisierung um­stürzlerischer Kräfte verhindert werden könne, wenn eine energische Persönlichkeit die Bolksmassen zur ehrlichen Mitarbeit an den Interessen des Staates zurückzugewinnen vermöge.

Nun mit dieser Auffassung dürfte sich Churchill in einen bewußten Gegensatz zur öffentlichen Meinung feines Landes gefetzt haben, die noch niemals einen Hehl aus ihrem Abscheu gegen die faschistischen Methoden gemacht hat, ebenso wie sie stets energisch gegen die bolschewistische Diktatur aufgetreten ist. Wenn der Schatzkanzler trotzdem so großartige Worte hoher Bewunderung für den Faschismus und ihren Führer fand, so kann das nur in wohl überlegten politischen Absichten geschehen sein, deren Hinter­gründe zu nahe aus der Hand liegen, als daß sie be­sonders unterstrichen zu werden brauchen.

Tatsächlich sagt Churchill nichts neues, wenn er die Freundschaft zwischen England und Italien ols traditionell bezeichnet. Man erinnert sich bei uns in Deutschland noch sehr gut der verschiedenen

Mittwoch den

Extratouren", die Italien bereits zu der Zeit mit dem Dreibund nicht eben unbedingt freundlich ge­sinnten Mächten unternahm, als dieses von Bis­marck geschmiedete Bündnis von keiner Seite ange­fochten war. Als dann der Krieg ausbrach, war man sich im deutschen Volke vielleicht mehr als bei den offiziellen Regierungsstellen der Un­sicherheit bewußt die aus der Haltung Italiens zu den bisher verbündeten Mächten entsprang. Dieses Mißtrauen gegen Italien war natürlich sehr wohl begründet, denn es stützte sich auf die allmählich Lurchgesickerten Geheimabmachungen des Dreibund­vertrages, worin sich Italien ausbedungen hatte, daß es in keinem Falle zu einem Kriege gegen Eng­land gezwungen werden dürfte. Umso unbegreiflicher freilich, daß trotz derartiger Bindungen die Staats­männer der Wilhelmstraße nicht zu verhindern wuß­ten, daß England in den Krieg eintrat und so als ersten Schlag gegen Deutschland automatisch die Losreißung Italiens aus dem Dreibundgefüge be­wirkte. Man kann es sehr gut verstehen, daß sich jetzt Churchill, wie er in Rom gesagt hat, aufs an­genehmste der Gefühle erinnert, die er im Frühling 1915 empfand, als er die so geheimen Abmachungen des Dreibund-Vertrages erfuhr eine kleine Scheinheiligkeit nebenbei, denn England brauchte nicht erst das Frühjahr 1915 abzuwarten, um den Inhalt jener Geheimabmachungen zu erfahren.

Die Liebenswürdigkeiten englischer Staats­männer in so Dickflüssiger Form sind immer als Quittung politischer Erfolge zu bewerten. Auch jcgt wird man annehmen dürfen, daß Herr Churchill nicht nur nach Rom gereist ist, um die Segnungen des Faschismus kennen zu lernen oder Studien für eine Biographie des italienischen Nationalheros Mussolini zu betreiben. Es dürfte sich vielmehr bei den englisch-italienischen Berhandlu ^n um den Schlußpunkt gewisser Pourparlers handeln, die

26. Januar________________________________ schon seit geraumer Zeit zwischen Rom und London auf dem Gebiete der kolonialen Fragen gepflogen wurden. Sicherlich ist es kein Zufall, daß zur selben Zeit, wo der britische Schatzkanzler in Rom weilt, auch der italienische Gouverneur von Erythräa in der italienischen Hauptstadt eingetroffen ist. Die Sehnsucht Mussolinis nach kolonialer Expansion ist bekannt. Die Drohreden, die er noch vor wenigen Monaten hielt, und stets in den Schrei nach Kolo­nien ausklangen, waren stets, ohne an eine be­stimmte Adresse gerichtet zu sein, so gehalten, daß man sie an der Themse nicht mißverstehen konnte. In der Tat sind der italienischen Expansion überall da Grenzen gesteckt, wo der britische Imperialismus sein Banner aufgezogen hat. In dem Maße, wie Großbritannien seine Einflußsphäre im Jemen und in anderen Teilen Arabiens erweiterte, legte es der Ausdehnung des italienischen Kolonialbesitzes einen Riegel vor. Gerade diese Gebiete aber, die jenseits des Roten Meeres Erythräa gegenüberliegen, emp­fahlen sich durch ihre günstige Lage ganz besonders dem Zugriff Italiens, und so wird man es ver­ständlich finden, wenn Mussolini hier seine faszi­nierende Persönlichkeit einsetzte, um für Italiens Interessen manch einen Brocken zu ergattern. Aber auch die immerhin riskante Stellung Italiens auf dem Balkan bedarf einer energischen Sicherung durch Großbritannien, wenn der Gegensatz zu Jugo­slawien nicht schließlich zu gefährlichen Dimensionen sich auswachsen soll.

Man könnte sich fragen, welche Gegenleistung Mussolini zu bieten hat, um für die englischen Opfer eine Gegengabe zu bieten. Hier wird man sich er­innern müssen, daß Großbritannien von jeher in Italien seinen gegebenen Anwalt für die Vertretung seiner Interessen im Mittelmeer wie überhaupt bei der Verteidigung des Seeweges nach Indien ge­sehen hat. Diese Rolle Frankreich anzuvertrauen,

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war man in der Downingstreet niemals gesonnei denn man hätte damit der Pariser Admiralität eine wohlbegründeten Anspruch auf eine Flottenstärl gegeben, die England angesichts der starken Lani rüftung Frankreichs mit äußerstem Mißtrauen hätl betrachten müssen. Ganz besondere Aufmerksamke wird man daher den jetzigen Vorgängen in Rot an der Seine zu widmen haben. Vielleicht begrei man jetzt auch besser jene kleinen Plänkeleien, b; sich noch vor kurzem das faschistische Italien an de italienisch-französischen Grenze leistete und bi schließlich mit einer beiderseitigen Sympathiekunt gebung endete. Das Gewehr bei Fuß sieht Fran! reich zu, wie dasselbe 3tai.cn, das den Franzose eben noch die Vorzüge der lateinischen Union pries mit England verhandelt, um der französischen Mi! telmeerberrschaft mehr oder weniger deutlich de letzten Stoß zu geben.

Das Berliner Stadtparlamenl gegen die Freigab gewerblicher Räume.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung be schäftigie sich gestern mit der Herausnahme der gl werblichen Räume aus der Zwangswirtsckift, un nahm die Anträge auf sofortige Aufhebum der be treffenden Verordnung des preußischen Wohlfahrts Ministers an.

Die Moabiter Aktendiebstähle.

Nach Informationen desB. T." werden fid die Behörden mit der Aufklärung von weiterei 40 neuen Fällen von Aktendiebstählen zu beschäs tigen haben, die jedenfalls noch eine ganze Reih von Verhaftungen zur Folge haben dürften. Zu Zeit prüfe man in den einzelnen Gerichts schreibereien der Staatsanwaltschaft 1 die dort lie genben Aktenbestände nach. Dabei hätte sich schor letzt ergeben, daß über 50 weitere Strafakten ir Moabit verschwunden sind.

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