Nr. 18
Samstag den 22. Januar
Seite 3
Lokales.
Hanau, 22. Januar.
42 GknbvuchSdiebftShle.
In Einbruchsdiebstählen en gros machten vier junge Burschen aus der Dettingerstraße, die sich wegen ihrer Straftaten gestern vormittag vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten hatten, schon eine geraume Zeit, ehe ihre Entdeckung und Festnahme gelang. Ein Blick auf die Anklagebank ließ erkennen, daß man es mit blutjungen, schon frühzeitig auf die schiefe Bahn geratenen Burschen zu tun hatte, denen dem bloßen Ansehen nach wohl niemand so ohne weiteres solche Taten zugetraut hätte. Schier unglaublich wollte es anfangs erscheinen, daß diese jungen aus der Haft vorgeführten Menschen Verbrecher, ja noch mehr, geradezu Schrecken der heimischen Bevölkerung sein sollten. Fast wollte bei dem uneingeweihten Zuhörer ein leises Mitleid aufkeimen, als es auch schon jäh durch die nunmehr erfolgende Verlesung des Eröffnungs- beschlusses zerstört wurde. Nicht weniger wie 42 größtenteils zur Vollendung gekommene Einbruchdieb st ähle, die gemeinschaftlich getrieben und vor ihrer Begehung jeweils genau erörtert worden waren, legte die Anklage den jungen Leuten zur Last. Und wie sie die Umbrüche begangen, das zeigt deutlich, daß sie Schritt für Schritt weitergegangen auf der Bahn des Verbrechens, daß sie Erfahrungen gesammelt, sich in ihrem Fache vervollkommnet hatten. Verhältnismäßig harmlos noch mag der erste Versuch gewesen sein, ein wenn auch verzeihbarer unbedachter Jungenstreich, jedoch er sollte die erste Etappe bilden auf dem abschüssigen Weg ins Dunkle. Nicht Not hat sie getrieben, diese vier jungen Menschen, solche Tat zu begehen, in geheimnis- vollem Dunkel ruhen die Motive. Mag es eine aewisse Großmannssucht gewesen sein, zu deren Befriedigung sie Geldmittel bedurften, mag ein unbe- ebarer Hang zum Stehlen sie dauernd zu neuen
,, taten getrieben haben, wer kann es entscheiden und wer kennt die Seelengänge solcher jugendlichen Geschöpfe. Genug, sie waren dem Diebsteufel verfallen und mußten, noch nicht volljährig, zum Kummer ihrer achtbaren 'Eltern auf geraume Zeit unschädlich für die menschliche Gesellschaft gemacht werden. Ein einziger schöner Zug erhellte das trübe Bild der gestrigen Verhandlung: die jungen Menschen gestanden ihre Verfehlungen samt und sonders ein und diesen freimütigen Geständnissen in Verbindung mit ihrer Jugend haben sie auch zu verdanken, daß sie vor einem Aufenthalt hinter Zuchthausmauern bewahrt blieben. Als Schulfreunde waren die kaum Zwanzigjährigen zusammen aufgewachsen und auch späterhin hielten sie sich die Treue. So weit ging dieses an sich schöne Verhältnis, daß sie auch zusammen die Bahn des Verbrechens betraten. Ende 1923 ging es los mit den Diebesfahrten und von da an häuften sich in unserer Stadt, dem benachbarten Werke Wolfgang und Großauheim die Einbrüche, ohne daß es zunächst gelang, den Tätern auf die Spur zu kommen. In mehr oder minder längeren Zwischen- pausen bedachten sie vom Herbst 1924 an fast regelmäßig Büros, Geschäfte, Kassen usw. mit ihrem Besuche und nahmen mit, was ihnen des Mitnehmens wert erschien. Kein Hindernis gab es für sie auf ihren Raubzügen, da wurden Mauern überklettert, Fenster eingeschlagen oder mit Hilfe eines Glasschneiders zerschnitten, Schlösser herausgebrochen, Türen aus der Füllung gerissen, Schubladen, Schreibtische, Kassenschränke und ähnliche Behälter erbrochen und durchwühlt und am Schlüsse auch gelegentlich aus Wut über zu geringe Beute eine allgemeine Verwüstung angerichtet und eine wenig wohlriechende Visitenkarte hinterlassen. Wie der Vorsitzende des Gerichtshofes beiläufig erwähnte, ist letzteres Vorgehen besonders bei Berufsverbrechern beliebt, da ein alter Verbrecheraberglaube sich von diesem an sich unverständlichen Beginnen eine Nichtaufdeckung der Tat verspricht. In einigen Fällen machten sie auch reichlich Beute — so beim Einbruch in das Büro der Deutschen Volkspartei am 17. Mai v. I., bei dem ihnen 1000 Mark in die Hände fielen —. während sie sich in anderen Fällen mit der Mitnahme von Bleistiften und Ra- MMemHWA’WIIMtKWHWIMTimillll MM MHIMIW
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Roman von 3. Schneider JoerftL Urheberschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau.
46. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Jetzt, zur Zeit des Fünfuhrtees, durchpulste diese regstes Leben. Der weite Raum faßte kaum die Zahl der Gäste. Ein buntes Bild. An den Tischen der Halle auf der Estrade kleine geschlossene Kreise, zwischen denen doch tausenderlei Berührngspunkte bestanden, vorherrschend Jugend, mit würdigen Müttern dazwischen. Junge Frauen, junge Männer, ab und zu eine Uniform. Ein leises Raunen, ein verstecktes Kichern, viel — sehr viel Flirt. Dazu die prickelnden Klänge der Haus- kapelle.
Rinker trat zu einem der Oberkellner und fragte nach Mister Harald Andersohn.
Eine tiefe Verbeugung: „1. Stock. Das Appartement rechter Hand, mein Herr!"
Er dankte und stieg langsam die breite Treppe empor. Jetzt mit einem Male verspürte er ein Gefühl des Unbehagens. Er hatte beinahe das Empfinden, als tue er etwas Unrechtes. Am letzten Treppenabsatz blieb er unschlüssig stehen.
Ein betreßter Diener lief mit eiligem Schritt über den teppichbelegten Vorplatz. Er sah Rinkers Zögern und kam auf ihn zu.
„Kann ich irgendwie dienlich sein, mein Herr?'
„Ja! — Ich möchte gern Mister Anderson sprechen. Können Sie mich bei ihm melden?
„Gewiß!"
Der Bediente schritt voran und öffnete eine Türe, die auf den kleinen Korridor rechter Hand mündete. Er ließ Ri" 'er Eintreten und klappte die Türe geräuschlos hinter sich zu.
Eine mächtige Stehlampe warf ein blaßrotes Licht durch den hohen, mitte'großen Raum. In den Madrasvorhängen schillerten buntfarbige Vogelgruppen auf und schienen jeden Augenblick emporfliegen zu wollen. Die breiten Eoldrahmen der Bilder funkelten diskret, von der Malerei war soviel wie nichts zu sehen. Sie lag in dem Dämmerlicht der Lampe völlig abgedunkelt.
Hinter Rinker schob sich eine weiße Schiebetüre auseinander. Die schwere Samtportiere wurde vom Luftzuge leicht gehoben.
diergummi zufrieden gaben. Auch Lebens- und Genußmittel ließen sie in einigen Fällen als willkommene Beute mitgehen. Ein hiesiger Bauunternehmer wurde zweimal, im August und in der Silvesternacht 1924, mit einem unerwünschten Besuche seines Büros bedacht, wobei das letzte Mal die Tatstelle einem Trümmerhaufen glich und wertvolle Einrichtungsgegenstände dem Wüten der enttäuschten Einbrecher zum Opfer fielen. Auch die Gemeindekasse in Großauheim blieb ebenso wenig verschont wie die Dunlop-Fabrik, die sogar mehrfach Besuch erhielt. In zwei Fällen wurden von den Angeklagten Wasserhäuschen erbrochen und ihres Inhalts beraubt. Am 7. November 1925 wurde das Krankenkassenbüro der Deutschen Werke Wolfgang heimgesucht und aus einem erbrochenen Geldschrank 550 Mark entwendet. Auch ein Paddelboot wurde zwecks Ausübung des schönen Wassersports von den Angeklagten kurzerhand seinem Besitzer von der Anlegestelle an der Kinzig entführt und eine am Mississippi gelegene Arbeitshütte erbrochen und einiger auch für das Einbrecherhandwerk benutzbarer Gerätschaften beraubt. Dies eine Auswahl aus den gesamten unter Anklage gestellten Straftaten. Am 30. Oktober endlich sollten sie auf frischer Tat erwischt, wenn auch nicht gleich erkannt werden. In der fraglichen Nacht — alle Einbrüche sind übrigens zur späten Nachtstunde begangen — waren sie wiederum im Begriffe, in das Werk Wolfgang einzudringen und hatten bereits eine Fensterscheibe zertrümmert und Eisedrahtumnzäunungen mit einer mitgebrachten großen Drahtschere durchschnitten, als ein Wächter erschien und sie im Dunkel der Nacht unter Zurücklassung ihres Arbeitsgerätes verschwanden. Der Verdacht richtete sich schließlich gegen die gestrigen Angeklagten, die nach
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Harald Anderson war eingetreten und faßte den Fremden fest ins Auge. „Mit wem habe ich die Ehre?"
Rinker vergaß zu antworten. Blaß, mit halbgeöffnetem Munde sah er nach der Frauengestalt, die unmttelbar hinter Anderson das Zimmer betreten hatte.
„Die Baronin Gellern! Gerechter Gott! — Nein, nein, nie — nie würde er Radanyi an diese Frau verraten. — Nur fort. — Wie stellte er das an, um nicht Verdacht zu erregen?
„Mit wem habe ich die Ehre?" hörte er die Stimme Andersons befehlend klingen.
„Ich — Mister Anderson — verzeihen Sie, ich hatte im Sinne, Ihnen eine Nachricht zu bringen. — Ich habe mich anders entschlossen. Gestatten Sie, daß ich mich empfehle."
Der Blick, mit dem er nach Eva Maria sah, war hart, beinahe grausam. Sie trug die Schuld an allem. Was half jetzt womöglich ihre Reue? Mochte sie tragen, was sie sich selbst geschaffen hatte. Er fühlte keinerlei Mitleid, eher Haß und Befriedigung, daß die Stunde der Vergeltung über sie gekommen war.
Anderson beobachtete ihn scharf. Ein jäher Verdacht blitzte in ihm auf. Der Mann wußte um Radanyi.
Ehe Rinker noch einen Schritt gegen de Türe gemacht hatte, legte er die Hand um dessen Arm.
„Die Nachricht, die Sie mir bringen wollten, betrifft Elemer Radanyi."
Anderson fühlte deutlich ein Zusammenzucken des Fremden. Rinker versuchte die Hand auf seinem Arme abzustreifen, aber sie hatte sich bereits um sein Gelenk gelegt.
„Antworten Sie in Ihrem eigenen Interesse, mein Herr!" Scharf, drohend wurden diese Worte von Anderson herausgeschleudert.
In Rinker erwachte der Trotz. Sein Wille, nichts zu verraten, verstärkte sich noch. Nein und nochmals nein. Sie sollten nichts herausbekommen. Es war nur von Vorteil für ihn, daß der Amerikaner ihn nicht mehr erkannte. Er wollte den sehen, der ihn zum Sprechen zwingen wollte.
Mit einem Ruck machte er sein Gelenk frei.
„Ich weiß nichts von dem Geiger Radanyi!" sagte er so gleichgültig als möglich.
Anderson verstellte ihm den Wea nur Türe.
dessen Verdichtung am 16. November in Haft genommen wurden. In mehreren Verhören legten sie denn auch nach und nach ein umfassendes Geständnis aller begangenen Straftaten ab. Lediglich einer der gestrigen Angeklagten, der übrigens schon zweimal wegen Diebstahls vorbestraft ist, verlegte sich zunächst aufs Leugnen. Neben diesem sind auch zwei weitere Angeklagte im August 1925 unter Zubilligung einer Bewährungsfrist zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden und wurde diese nunmehr zu verbüßende Strafe im Gesamturteil berücksichtigt. Da sämtliche Angeklagten bei Begehung eines Teiles der Straftaten noch dem Jugendgesetze unterstellt, voll geständig und auch heute noch nicht volljährig waren, gewährte ihnen das Gericht die Zubilligung mildernder Umstände und bewahrte sie so vor einer Zuchthausstrafe. In Berücksichtigung der Schwere der Taten mußten aber empfindliche Strafen angesetzt werden, da auf das Konto der einzelnen Angeklagten bis zu 25 vollendete und 9 versuchte Einbruchsdiebstähle kamen und dem am wenigsten Beschuldigten immerhin 19 vollendete und 9 versuchte nachgewiesen werden konnten. Die erkannte Strafe lautete denn auch gegen zwei der Angeklagten auf 2^ Jahre, gegen einen auf 3 Jahre und den bereits gnH^al vorbestraften und längere Zeit verstockten Angeklagten auf 3 Jahre 3 Monate Gefängnis. Sämtlichen Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von 3 Jahren aberkannt.
AmMcherr LVintevspovibevirbi.
Taunus (Kleiner Feldberg): Nebel, 3—6 Grad Kälte, 30 Zentimeter Schnee, 5 Zentimeter Neu- schnee, etwas verweht, Schi und Rodel gut. —
„Und seine Geige? — Wo ist die hingetommen? — Können Sie vielleicht darüber Auskunft geben?"
Rinker stand für den Moment wie gelähmt. — Seine Geige! O Gott!
Mit beiden Händen griff er nach der Lehne des Stuhles, der vor ihm stand.
„Also doch! — Also doch!" stöhnte er auf. „Es ist also alles umsonst gewesen. Aber ich hätte mirs ja denken können, daß es so kommt. Daß es nicht bei der einen Kugel bleibt und ihr eine zweite folgt Haben Sie ihm doch ein ehrliches Grab gegeben? — Sonst scharre ich ihn aus mit meinen eigenen Händen und trag ihn heim zu mir. Auf meinem Grund und Boden soll er ruhen, wenn sich sonst niemand seiner mehr erbarmt!"
Die Füße versagten Rinker. Anderson drückte ihn eiligst in einen der Gobelinsessel. Die Arme auf die Knie gestützt, preßte er die Fäuste gegen die Augen.
Eva Maria sah mit erloschenem Blick nach ihm. Es regte sich nichts mehr iw ihr. Das war das Letzte, das sie über den Geliebten erfuhr. Ein Schüttelfrost ließ ihren Körper hin und her schwanken. Sie hielt sich mühsam an der Portiere der Schiebetüre fest.
Anderson allein verlor die Ruhe und das klare Ueberiegen nicht. Er wußte nun, daß dieser Fremde Aufklärung zu geben vermochte. Jede Gewißheit aber war besser als dieses furchtbare Hin und Her der letzten Tage.
Bittend legte er Rinker die Hand auf eine Schulter. „Sagen Sie uns alles, was Sie wissen. — Was es mit Radanyi gewesen ist — und wer seine Geige im Besitze hat — und!"
Rinker schüttelte resigniert den Kopf.
„Wer die Geige hat, das weiß ich nicht! — Nur seinen Revolver, den habe ich mit mir genommen!"
Er entnahm seiner Tasche einen kleinen Browning und legte ihn vor Anderson auf den Tisch. Niemand sah, wie Eva Marias weitoffene Augen an der Waffe hängen blieben. Kein Laut kam aus ihrem Munde. Den Körper weit nach vorne gebeugt, stand sie völlig reglos.
„Ich bitte Sie!" sagte Harald nun selbst mühsam seine Ruhe bewahrend. „Sagen Sie, wie alles zusammenhängt. — Erzählen Sie, so gut Sie es vermögen, ich bin Radanyis bester Freund. — Die Dame war vor Jahren seine Braut. Wir haben ihn beide über alles geliebt. Sie dürfen ruhig vor
Falkenstein: Bewölkt, 1 Grad Kälte, 2—4 Zenti- Meter Neuschnee, gekörnt, Schi und Rodel stellenweise möglich.
Rhön (Wasserkuppe): Nebel, 2 Grad Kälte, 45 Zentimeter Schnee, 3—5 Zentimeter Neuschnee, Schi und Rodel sehr gut. — Gersfeld: Schneetreiben, 1 Grad Kälte, 10 Zentimeter Schnee, 7 Zentimeter Neuschnee, gleichmäßig, Sportmöglichkeiten sehr gut.
Vogelsberg (Hoherodskopf): Leichter Schneefall, 4 Grad Kälte, 48 Zentimeter Schnee, 7 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeiten sehr gut.
2lud) aus dem Thüringerwald, dem Schwarzwald unb den Alpen werden ausgezeichnete Sport- möglichkeiten gemeldet.
Die Temperaturen werden sich in den mittleren und höheren Gebirgslagen auch weiterhin untei dem Gefrierpunkt halten. Es sind weitere Schnee fälle wahrscheinlich.
* Landralskonferenz in Kassel. Am Mittwoch fand in Kassel eine Konferenz der Landräte des Regierungsbezirks statt, bei der im Beisein des Regierungsvertreters die wichtigen Fragen der Kreisverwaltungen erörtert wurden.
* Der Volkstrauerkag 1927 am 13. März. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, C. V., verfolgt seit Jahren das Ziel, dem Volkstrauertag den gesetzlichen Schutz zu verschaffen. Dieses Ziel ist bis heute noch nicht erreicht. In der erweiterten Vorstandssitzung, an der auch die Vorsitzenden der Verbände teilnahmen, wurde beschlossen, in diesem Jahre den Volkstrauertag, wie bisher, am fünften Sonntag vor Ostern, 13. März, stattfinden zu lassen. Der Voltsbund wird durch seine Ortsgruppen dem deutschen Volk in machtvoller Kundgebung erneut zeigen, daß er unentwegt gewillt ist, ihm den einen Tag im Jahre zu sichern, an dem es ohne Ansehen des religiösen Bekenntnisses, der Partei oder des Standes seiner Toten aus dem Weltkriege in Ein- mütigkeit gedenkt.
* Zur Aufnahme von Wechselprotesten sind nach der neuen Fassung der Wechselordnung seit dem 1. d. M. Notare, Gerichtsbeamte und Postbeamte berechtigt, wobei es der Zuziehung von Zeugen oder eines Protokollführers nicht bedarf. Den Postbeamten stehen solche Personen gleich, denen von der Postverwaltung die Aufnahme von Protesten übertragen ist. Danach sind die Postanstalten, denen ein Beamter zur Protesterhebung nicht zur Verfügung steht, befugt, die Protestaufnahme auch den im Post- dienste beschäftigten Personen zu übertragen, die keine Beamteneigenschaft besitzen. Von dieser Befugnis soll jedoch nur dann Gebrauch gemacht werden, wenn die Protesterhebung sonst durch die Post nicht möglich wäre. Die mit der Protestaufnahme beauftragten Personen sind durch die gesetzliche Erweiterung der Vorschriften der Wechselordnung mit öffentlichem Glauben im Sinne des § 415 der Zivilprozeßordnung versehen; also sind die von ihnen aufgenommenen Proteste öffentliche Urkunden. Ferner sind die Personen bei Ausübung dieser Tätigkeit Beamte im Sinne des § 359 des Strafgesetzbuches. Die Haftung der Deutschen Reichsvoft für die ordnungsmäßige Ausführung des Protest- auftrages bestimmt sich in allen solchen Fällen wie auch sonst nach den allgemeinen Vorschriften des bürgerlichen Rechts über die Haftung eines Schuldners für die Erfüllung feiner Verbindlichkeit.
* Gehilfenprüfung im Damenschneiderei - Gewerbe. Diejenigen Damenschneiderei - Lehrlinge, welche im Januar 1927 ihre Lehrzeit beendet haben, wollen sich zwecks Ablegung der Gehilfenprüfung in der Zeit vom 24. bis 26. Januar bei der Obermeisterin Betty Kloha, Engelhardstr. 30a, 2. Stock links, anmelden. Lebenslauf, Lehrvertrag , und Zeugnis der Lehrherrin find vorzulegen.
* Leipziger Wesselermine 1927 und 1928. 8m Jahre 1927 findet die Leipziger Frühjahrsmess« vom 6. bis zum 12. März statt, jedoch ist die Tech- nische Messe und die Baumesse bis zum 15. März, die Betriebstechnische Messe sogar bis zum 20. März geöffnet. Die Textilmesse und die Schuh- und Ledermesse dauern wie bisher nur vier Tage, nämlich vom 6. bis 9. März. Die Leipziger Herbstmesse 1927 beginnt am 28. August und endet am 3. September. Die Leipziger Frühjahrsmesse 1928 findet statt vom 4. bis zum 10. März, die Leipziger Herbstmesse 1928 vom 26. August bis 1. September.
uns sprechen. Wenn Sie es wünschen, soll niemand etwas davon erfahren, selbst, wenn Sie sich dabei irgendwie schuldig gemacht hätten!"
„Ich habe mich in nichts schuldig gemacht!" sagte Rinker mit einer abwehrenden Handbewegung. Mit zusammengesunkenem Oberkörper blieb er in seinem Stuhle sitzen.
„Was soll ich Ihnen denn erzählen? — Und warum denn? — Es weckt ihn ja alles nicht mehr auf. Jetzt ist es zu spät. Im Juli wäre er noch zu retten gewesen." —
Er blickte auf Eva Maria hinüber, die man ruhig für eine stehende Leiche ansehen konnte. Aber er verspürte kein Mitleid. In seinen Augen war sie die allein Schuldige, die kein Erbarmen verdiente.
„Ich will es ganz kurz machen!" sagte er, erfüllt von dem Verlangen, möglichst rasch hier wegzukom- men. „Das erstemal sah ich Herrn Radanyi, als ich Diene rim Hause des Grafen Warren in der Herrenstraße war!"
Eine Hand hob sich schwer am Körper hoch „Konstantin", sagte Eva Maria und ließ die Rechte wieder sinken.
Der Schrecken über das Erkennen jagte eine jähe Röte über ihre Wangen.
Rinker nickte, ohne aufzusehen. „In Amerika!" fuhr er fort, „war ich Etagenkellner im Hotel Astor, wo Radanyi wohnte."
Anderson beugte sich gegen ihn. „Dann bin ich Ihnen kein Fremder?"
„Nein, Mister Anderson. —"
„Wenn ich mich recht erinnere, waren Sie es, der mich damals rief, als die Vermählung Gellerns meinen Freund vollständig kopflos machte und für ihn das Schlimmste zu befürchten war!"
„Ja Mister."
„Weiter — weiter—" drängte Harald nun selbst nervös geworden.
„Auf der Ueberfahrt benützten wir zufällig dasselbe Schiff. Ein Dieb hatte mir, während ich an Bord ging, meine gesamte Ersparnis entwendet. Do geigte Herr Radanyi für mich. Ich brauchte nur die Hand aufzuhalten und war an diesem Abend zehnmal so reich, als ich es gewesen bin. — Zwei Jahre vorher habe ich 2000 Dollar von Herrn Radanyi bekommen, damit ich meine Schulden begleichen uni meiner Familie Brot bringen konnte. — Ick hatte hoch gespielt und alles verloren. —
(Sortierung folgt.)