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13» Lanuar
1923
Das Steuere«
— Die Zentrumsfraktion teilte in ihrer gestrigen Sitzung die schweren Bedenken des Vorstandes gegen Dr. Curtius' Pläne und faßte einen dementsprechenden Beschluß.
— Die Linksblätter erklären, daß durch die Absage des Zentrums die Mission des Reichswirtschaftsministers Dr. Curtius gescheitert sei, während die Rechtspresse weitere Verhandlungen für möglich hält.
— Gestern wurden die Gewerkschaften von Dr. Curtius empfangen.
— Der Haushaltsausschuß des Reichstags behandelte gestern bei der Etatsberatung Beamten- fragen.
— Aus Landon wird gemeldet, daß die englische Regierung beabsichtige, ein Ultimatum an die Kantonregierung zu stellen, in dem sie die sofortige Räumung der Konzession durch' die Chinesen verlangt.
Stoskuttseu in den Daeifee Cniwaffmmss- vsvhandlnngen?
Die Verhandlungen, die die deutschen Unterhändler, General v. Pawels unv Legationsrat Forster, in Paris mit der Botschafterkonferenz führen, scheinen keinen günstigen Fortgang zu nehmen. Die Aufgabe war von vornherein nicht sehr leicht, da man im Laufe der früheren Beratungen schließlich vor der Unmöglichkeit stand, eine Lösung der Schwierigkeiten auf dem Wege der Verständigung zu finden. Dies gilt namentlich für die Frage der Ostfestungen. In der Frage des Kriegsmaterials kommt es in der Hauptsache auf juristische Formuftsrun« gen an. Hier nimmt man auch weniger daran Anstoß, daß Deutschland Artikel herstellt und ausführt, die unter Umständen als Kriegsmaterial verwandt oder zu solchen verarbeitet werden können, wie z. B. Schiffskessel, optische Apparate, gewisse Stahlfabrikate usw. Es kommt vielmehr der Botschafterkonferenz in
der Hauptsache darauf an, daß Deutschland solche Artikel nicht im Innern des Landes auf-
solche Artikel nicht im Innern des Landes aufstapelt, um sie gegebenenfalls — wie man auf der Gegenseite zu fürchten scheint — für seine eigene Rüstung zu verwenden. Daß man sich über diesen Punkt verständigt, erscheint auch
heute noch durchaus möglich.
Dagegen sind in der Frage der Ostfestungen die Meinungsverschiedenheiten noch unausgeglichen. Deutschland muß hier auf seiner Grundauffassung bestehen bleiben, daß die im Versailler Vertrag uns zugestandene Erhaltung unserer östlichen Festungen in ihrem damals
üer
gegebenen Verteidigungszustand selbstverständlich das Recht in sich schließt, Erhaltungsarbeiten vorzunehmen, damit die Werke nicht verfallen und vollkommen nutzlos werden. Es versteht sich auch von selbst, daß die Befestigungswerke entsprechend der artilleristischen ■ Ausrüstung der östlichen Nachbarstaaten ausgestaltet werden müssen. Geschieht das nicht, so sinkt der Verteidigungszustand der Befestigungen immer mehr herab. Die Gegenseite fordert, daß nennenswerte Aenderungen und Erneuerungen überhaupt nicht vorgenommen werden dürfen. Hätte sie damit recht, so wäre das Recht der befestigten Grenze, das man uns im Osten zugestanden hat, überhaupt eine Illusion.
Bei der Beurteilung dieser Frage spielen auf der Gegenseite politische Stimmungen und Rücksichten eine sehr starke Rolle. Eine Pariser Zeitung hat kürzlich gemeint, man habe Deutschland die Befestigung von Königsberg, Küstrin und Glogau zugebilligt, als es noch die Aufgabe hatte, ein militärisches Bollwerk gegen den russischen Bolschewismus zu sein. Nachdem diese Gefahr sich vermindert hat, betrachtet die Botschafterkonferenz und betrachten insonderheit .die französischen Militärs die Befestigung der deutschen Ostgrenze als überflüssig, weil sie ' den Polen bei der Verfolgung ihrer größenwahnsinnigen Pläne im Wege steht. Umsomehr Veranlassung haben wir, an unserer Auffassung festzuhalten. Wir haben unsere Westgrenze durch den Locarnovertrag gesichert, soweit Verträge überhaupt eine Garantie bieten können. Im Osten aber haben wir eine vertragliche Bindung abgelehnt, weil mit dem polnischen Nachbar eine Verständigung überhaupt unmöglich ist. Wir wissen aus den Erfahrungen früherer Jahre ganz genau, daß die deutsche Grenze für Polen nicht mehr als ein Zwirnsfaden wäre, wenn sich die Gelegenheit bieten sollte, die polnische Gier nach deutschem Lande zu stillen. Deshalb müssen wir auf die Erhaltung der Be-
Nev Beschlug des Zentrums
Eine vevsthleievLe Absage deS Zentrums an LurtiuS. Die Gewerkschaften bei ekuvtws.
Berlin, 12. Jan. Die Zenlrumsfraklion des Reichstages faßte am Mittwoch abend nach Zuständiger Beratung einstimmig folgenden Beschluß:
„Die Zenlrumsfraklion des Reichstages teilt die schweren außen- und innenpolitischen Bedenken des Fraklionsvorstandes hinsichtlich der von Dr. Curtius beabsichtigten Kabinettsbildung. Der Vorstand wird beauftragt, diese Bedenken Herrn Dr. Curtius und dem Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, Herrn Dr. Stresemann, erneut darzulegen."
Die Aufnahme des Zeutvnms- beschlusses.
Der Beschluß der Zentrumsfraktion des Reichstages findet in den Blättern je nach der Parteirichtung eine verschiedenartige Auslegung. Während in den demokratischen und sozialdemokratischen Blättern von einem Scheitern der Mission Dr. Curtius gesprochen wird, sehen die deutschnationalen und volksparteilichen Blätter keine unbedingte Absage an Dr. Curtius.
In der „Deutschen Tageszeitung" heißt es: Einstweilen kann man den Zentrumsbeschluß nur dahin auslegen, daß mit ihm die Tür zu Verhandlungen nicht zugeschlagen werden soll. Auch schwere und schwerste Bedenken brauchen in keiner Weise unüberwindbare Bedenken zu sein.
Die „D. A. Z." schreibt: Wenn im Reichstage bereits davon gesprochen wurde, daß Dr. Curtius Mission erledigt sei, so erscheint das zum mindesten verfrüht.
Die „T ä g l. Rundschau" erklärt allerdings, daß ein von Zentrumsseite zu dem Fraktionsbeschluß gegebener Kommentar darauf hinauslaufe, daß damit die Abneigung des Zentrums ausgesprochen sein soll, sich an ernsthaften Verhandlungen über die Bildung einer gesamtbürgerlichen Regierung zu beteiligen.
Die „G e r m a n i a" schließt ihre Betrachtung mit den Worten: Was den äußeren Fortgang der Verhandlungen anbetrifst, so nimmt man in par
lamentarischen Kreisen an, daß Curtius heute seinen Auftrag bem Reichspräsidenten zurückgeben wird.
Die „B v" "....... "
f L Zeitung" versieht ihren Kom- der Ueberschrift: „Curtius ist geschei-
mentar mit tert."
Das „B. T." findet es ebenso wie mehrere andere Blätter äußerst bemerkenswert, daß der Zentrumsfraktionsvorstand beauftragt worden ist, die Bedenken des Zentrums neben Dr. Curtius auch Dr. Stresemann als Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, und nicht etwa dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz, darzulegen.
Der Sozialdemokratische Pressedien st glaubt den Zentrumsbeschluß dahin auslegen zu können, daß die Gesamtfraktion des Zentrums ebenso wie ihr Vorstand als die beste Lösung der Krise die Bildung einer Regierung von der Voltspurtei bis zur Sozialdemokratie, oder wenigstens mit deren Unterstützung, betrachtet.
Die Absage der Gewerkschaften.
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Berlin, 12. Jan. In der Besprechung, die der Wirschaftsminister Dr. Curtius heute mit Vertretern des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des AfA-Bundes abhielt, betonte, wie das VDZ.-Büro erfährt, der Vorsitzende des Allge- meinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Hermann Müller, daß er die Besprechung eigentlich für verfrüht hatte, da ja die neue Regierung noch nicht gebildet sei und ein Regierungsprogramm, zu dem die Gewerkschaften Stellung nehmen könnten, noch nicht vorliege. Der Minister erklärte demgegenüber, daß er für die Verhandlungen Wert darauf lege, die Forderungen kennen zu lernen, die die Gewerkschaften in der jetzigen Situation für besonders dringlich hielten.
Hermann Müller geht in seinen Ausfüh- runaen von der Feststellung aus, daß die Gewerk- schäften einer Hinzuziehung der Deutschnationalen zu der Regierung mit tiefstem Mißtrauen gegenüber ständen, und zwar in erster Linie aus außenpolitischen Gründen. Eine Regie- rung, in der die D " ‘
biete keine Gewähr, daß die Politik von Locarno und Thoiry unzweideutig fortgesetzt werde, ganz abgesehen davon, daß so entschieden antirepublikanische Politiker, wie sie in der Deutschnationalen Partei zu finden seien, in die Regierung der Republik nicht hineingehörten. Die entschiedene Fortführung der Friedenspolitik sei eine Voraussetzung der gedeihlichen Entwicklung der Wirtschaft.
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festigungswerke im Osten unbedingt Wert legen. Wir müssen uns dort abwehrkräftia er- halten, damit deutsches Land gegen polnischen Einbruch geschützt ist. Von diesem Gesichtspunkte aus können wir die Befestigungen an unserer Ostarenze nicht dem allmählichen Verfall preisgeben.
Die deutschen Unterhändler sind mit neuen Instruktionen nach Paris gefahren. Sie haben an ihren sachlichen Forderungen festgehalten,
Der M i n i st e r bekannte sich zwar rückhaltslos zu der Politik von ßocarno, bar der Meinung, daß l' nationalen in die Rc
arno, aber er war auch offen- j die Hereinnahme der Deutsch- Regierung keine Belastung für
diese Politik bedeute.
Die Gewerkschaftsvertreter legten sodann, wie das VDZ.-Büro weiter hört, die im Augenblick wichtigsten sozialen und wirtschaftspolitischen Forderungen dar. Grundlegend in dieser Hinsicht ist die Forderung des Rotgesetzes über den Achtstundentag und der strikten Beseitigung des Reber stundenwesens, das Angesichts der chronischen Arbeitslosigkeit nicht tragbar sei. kaum weniger wesentlich ist die For- derung einer Erhöhung der Löhne, die keinesfalls an die Bedingung der Beseitigung der Wohnungszwangswirtschaft «der ag, eine starke Erhöhung der Mieten gebunden werden dürfe. Die Arbeiterschaft habe bisher durch die Rationalisierung eine Besserung ihrer Lage nicht erfahren. Im Gegenteil, sie trage in Gestalt der Massenarbeitslosigkeit die Kosten der Rationalisierung. Deshalb fordern die Gewerk- schasten eine Richtung der Sozial- und Wirtschasts- politik, die daraus abzielt, die Fruchte der Rationalisierung, die bisher einseitig den Unternehmern zugute kommen, durch Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne und Senkung der Preise, auch der breiten Masse der Lohn- und Gehaltsempfänger zuteil werden zu lassen.
Aus den Erwiderungen des Ministers ergab sich mit zwingender Deutlichkeit, daß zwischen den Forderungen der Freien Gewerkschaften und der Auffassung des Ministers ein so weitgehender Gegensatz besteht, daß schon heute oorausgefagt werden kann, daß die sreigewerkschastliche Arbeiterschaft einem etwaigem Ministerium Curtius mit starkem Mißtrauen gegentib ersteren wird.
Die Forderungen der &tehb- Dunkerschen Gewerkschaften.
Als Vertreter der freiheitlich-nationalen Gewerkschaften wurden gestern mittag, wie das VDZ.-Büro aus Kreisen des Gewerkschaftsringes erfährt, die Reichstagabgeordneten Schneider-Berlin und Lemmer, sowie die Gewerkschaftsführer Neustedr und Zacher von Dr. Curtius empfangen. Der Reichswirtschaftminister begründete in ähnlicher Weise wie bei den vorangegangenen Besprechungen den Zweck der Unterredung und bat um Mitteilungen, welche Fragen für den Gewerkschaftsring bei der Aufstellung eines Aktionsprogramms für die neue Regierung von besonderer Bedeutung seien.
Auch die Vertreter des Gewerkschaftsringes stellten in den Vordergrund das Problem der Arbeitszeitregelung. Von ihnen wurde, wie das VDZ.-Büro weiter hört, erklärt, daß keine Regierung mit den Massen der deutschen Arbeiter und Angestellten in eine innere Verbindung kommen könne, wenn sie nicht von Anfang an entschlossen iei, ganz großzügig die Arbeitszeitregeluirg unzufass eil.
Dr. Curtius legte dabei größeres Gewicht auf die rasche Verabschiedung des Arbeitskchutz- gesetzes.
Die Erwiderung des Ministers befriedigte in diesem Punkte den Gewerkschaftsrmg nickt. Anders angeschnittene Wirtschafts- und sozialpolitische Fragen ließen die Auffassungen nicht soweit nus- einandergehen, wie die Arbeitszeitfrage
Im ganzen unterdrückten jedoch die Vertreter des Gewerkschastringes ihr Mißtrauen gegen die politische Tendenz der von Herrn Dr. Curtius vorge^ «ommenen Regierungsbildungverfuche nicht. Sie gaben der Befürchtung Ausdruck, daß ein neues Kabinett, das nicht vom Vertrauen Der Gewerkschaften getragen wäre, zu einer weiteren sozialpolitischen und politischen Radikalisierung der Arbeitnehmerschaft fuhren könne
Die Frankfurter Demokraten gegen den Vürsevblotk.
Wie die „Franks. Ztg." meldet, hat der Demo« kratische Verein Frankfurt a. M. eine Resolution beschlossen, in der er die Erklärung des Parteivorsitzenden Koch billigt, daß die Deutsche Demokratische Partei an einer Regierung gemeinsam mit den Deutschnationalen nicht teilnehmen könne. Ebensowenig dürften Reichstagsfraktion und Parteivor- ftanb einer mittelbar von den Deulschnationalen abhängigen Regierung ihre Unterstützung leihen, und keinen Partsiangehörigen gestattet werden, einem solchen Kabinett als Minister anzugehören.
aber sie haben vor einmal über den '
systems zu uerstänDigen und dann die auf die- sem Wege gefundene Formel auf die deutschen Ostbesestigungen anzuwenden. Das wäre ein Weg, wenn man auch auf der Gegenseite die Absicht hätte, den deutschen Ostfestungen die Verteidigungsfähigkeit auf die Säuer zuzugestehen. Es ist aber kein Weg, wenn man
Deutschland auch in diesem Punkte noch troßum seinen Leib, seinen friedlichen Weg gehen kann.
der Zusicherung des Versailler Betrages wehrlos machen will. Dies ist der entscheidende Punkt. Wer Deutschland auch den letzten Rest seiner Verteidigungsfähigkeit im Osten nehmen will, der wird auf dem Standpunkt stehen, den die Botschafterkonferenz bisher eingenommen hat. Wir werden uns zu einer solchen Preisgabe unserer wirklich bescheidenen Rechte nicht bereit finden lassen und es lieber darauf ankommen lassen, daß der Völkerbundsrat unter Anlehnung an das Haager Schiedsgericht eine Entscheidung trifft. Aber nicht wir sind es dann gewesen, die eine Verständigung verhindert haben, sondern diejenigen, denen bei der Entwaffung Deutschlands nicht einmal der Versailler Vertrag weit genug geht.
Paris, 13. Jan. Der Petit Parisien" berichtet, daß General Pawels und Geheimrat Forster gestern auch mit den nichtfranzösischen Mitgliedern der Mtli- tärkommission Fühlung genommen haben; diese hätten mit ihren französischen Kollegen die Einzelheiten der zur Diskussion stehenden Probleme geprüft. Allgemein könne man erklären, daß der Meinungsaustausch seit gestern präziser werde und einen gewissen Fortschritt bedeute. — Das „Journal" will missen, daß deutscherseits bereits ein ge- wisser Gesetzentwurf über die Regelug der Ausfuhr von Waffen vorbereitet worden sei, durch den man in gewisser Beziehung den Forderungen der Alliierten hinsichtlich der Begriffsbestimmung über Kriegsmaterial Rechnung tragen wolle.
Zwei Svageu an Vviand.
Paris, 12. Jan. Der blocknationalistische Abgeordnete Charles Desjardins hatte vor einiger Zeit an den Außenminister dis Anfrage gerichtet, ob er auf der letzten Genfer Tagung irgend eine Verpflichtung hinsichtlich einer verfrühten Räumung des Rheinlandes eingegangen sei. Außenminister Briand gibt heute im Amtsblatt offiziell seine Antwort: Er teilt mit: „In den letzten Besprechun
„Welche: 1 Aufhe- die An
gen in Genf wurden nicht nur keinerlei Verpflichtungen wegen einer verfrühten Räumung des Rheinlandes eingegangen, sondern die Frage wurde überhaupt nicht gestellt." Im weiteren hatte Desjardins an Briand die Frage gerichtet: „Welches waren hinsichtlich der in Genf beschlossenen bung der. interalliierten Militärkontrolle t sichten: 1 Der Botschafterkonferenz, 2. der Kontrollkommission, 3. des obersten Kriegsrats, 4. des interalliierten Militärkomitees? Die Antwort Bri
ands auf diese zwecke Frage lautet: „Eine Parlamentsdebatte wird dem Außenminister demnächst Gelegenheit geben, vor der Kammer eingehend und genau über die gestellten Fragen Aufschluß zu erteilen."
Schließlich hatte Desjardins an Briand das Ersuchen gerichtet, ein Gelbbuch mit den auf die Aufhebung der Militärkontrolle bezüglichen Dokumenten und Briefen zu veröffentlichen. Als Antwort auf dieses Ansuchen teilte Briand mit, daß er es nicht für nötig finde, ein Gelbbuch herauszugeben, solange die Verhandlungen mit Deutschland über die Entwaffnung noch nicht zum Abschluß gekommen seien.
Dev neue Zwischenfall in Mainz.
Mainz, 12. Jan. Die beiden französischen Soldaten, die sich am Abend des 8. Januar auf der Oberen Zahlbacherstraße die gestern gemeldeten Uebergriffe zuschulden kommen ließen, sind, wie wir erfahren, festgestellt und verhaftet worden. Nach ■ einer Mitteilung des französischen. Oberkommandos sollen sie vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
Zu dem Zwischenfall schreibt der „Mainzer Anzeiger": Immer und immer wieder wird die aufsteigende und auch so pflegebedürftige Pflanze der Verständigung durch den Sturmwind von Zwischenfällen in ihrer Existenz bedroht. Gewiß liegen die großen Linien der deutsch-französischen Zusammenarbeit fest, aber nur in einer intimen. Bewußseins- phäre wirklicher Verbundenheit von Person zu Peron kann jene so ersehnte Frucht des Friedens rei- en. Daneben hat aber das besetzte Gebiet vor allem Anspruch darauf, daß jene sich in letzter Zeit häufenden Porkommnisse endlich der Vergangenheit angehören, und daß die deutsche Regierung nichts unversucht läßt und alle ihr zu Gebote stehenden Mittel bei den betreffenden französischen Stellen auf die Abstellung dieser üblen und für beide Völker so
tragischen Zwischenfälle zu dringen. Wird die Abstellung dieser Uebergriffe selbst beim besten _unb nicht angezweifelten Willen auf französischer Seite überhaupt im Bereiche der Möglichkeit liegen, solange die gegenwärtigen Besatzungsverhältnisse unvermindert weiter bestehen? Diese Hoffnung ist zu trügerisch. Deshalb kann nicht oft genug die sittliche Forderung auf Befreiung des besetzten Gebietes von der Besatzung gestellt werden. Zum mindesten aber muß verlangt werden, daß, solange sich die Besatzung im Rheinland befindet, eine Gewähr dafür geschaffen wird, daß die öffentliche Sicherheit gewährt wird, daß der deutsche Bürger bei seiner seelischen Not wenigstens unbehelligt, ohne Angst