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Montag den 3. Januar

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Aus SvarEfttst a. ZN.

Unfall im Hauptbahnhof.

: Auf dem hiesigen Hauptbahnhof geriet gestern nachmittag der Wagenmeister Soniewskt, als er sich zur Regulierung der HUzung kurz vor Abfahrt eines Schnellzuges nochmals zwischen die Wagen begeben wollte, zwischen das Trittbrett und die Bahnsteigkante. Er wurde in schwerverletztem Zu­stande im Krankenhaus eingeliefert.

Ruhiger Verlauf der Silvesternacht.

: Die Silvesternacht ist in Frankfurt im allge­meinen sehr ruhig verlaufen. Irgendwelche Zwi­schenfälle von Belang haben sich nicht ereignet. Im ganzen sind sieben Festnahmen erfolgt, meistens wegen Schießens mit scharfer Munition. Fünf der Festgenommenen wurden in der Frühe des anderen Morgens wieder entlassen. Die Polizeibeamten hat­ten naturgemäß Bereitsschaftsdienst, brauchten aber in keinem Falle auszurücken. In einigen Vor­orten kam es zu den üblichen kleinen Keilereien, die jedoch durchweg unblutig verliefen.

Todessturz von der Treppe.

: Vergangene Nacht ist der Kellner Wilhelm Wagner in der Oppenheimerstraße die Treppe hin. untergefallen und bewußtlos liegen geblieben. Her- beigeeilte Personen konnten nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen.

Straßenraub.

: Gestern abend kurz nach 10 Uhr ist auf dem Börneplatz ein Mann überfallen worden. Ein ge- wisser Ch. Herbert hielt ihn von hinten umschlun­gen den Mund zu, während ein gewisser Tapper auf ihn einschlug. Im Laufe des Kampfes haben sie dem Manne das Portemonnaie entwendet. Die Täter konnten gefaßt und wegen Straßenraubs ins Poli­zeigefängnis eingeliefert werden.

Atts MM MNP Ferm.

Homburg v. d. H 31. Dez. Gestern mittag er­eignete sich hier ein aufregender Vorfall. Ein Mit­telschullehrer, der sich bereits seit einiger Zeit seinen Schülerinnen gegenüber auffällig benommen hatte und besonders eine frühere Schülerin bevorzugt hatte, wollte letztere in ihrer elterlichen Wohnung besuchen. Als die Eltern ihm den Zutritt zu der Wohnung verweigerten, versuchte er gewaltsam in das Haus einzudringen, wurde aber von Hausbe­wohnern daran verhindert. Daraufhin brachte er sich im Treppengang des Hauses mehrere Revolver­schüsse bei, durch die er so schwer verletzt wurde, daß er heute vormittag verstorben ist. Die unglück­selige Tat dürfte darauf zurückzuführen sein, daß der Lehrer, der sich übrigens von Bad Homburg weg­gemeldet hatte und am 1. Januar nach einer kleinen Landgemeinde versetzt werden sollte, unter den Nach­wirkungen einer Kriegsverletzung zu leiden hatte, und außerdem Epileptiker war.

Dad Nauheim, 2. Jan. In den ersten Tagen nach dem Weihnachtsfeste verstarb in Wisselsheim bei Bad Nauheim ein 48jähriger unverheirateter Tag­löhner, ohne daß es zunächst möglich war, die To­desursache festzustellen. Erst die Untersuchung des Amtsarztes ergab daß ein Schädelbruch den Tod i.M Gefolge hatte. Die Leiche wurde bald darauf Ur Beerdigung freigegeben. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Gießen die Ausgrabung der Leiche zur nochmaligen Untersuchung angeordnet, da starker Verdacht vorliegt, daß eine dritte Hand in der Sache eine gewisse Rolle spielt. Es verlautet, daß statt eines angeblichen Sturzes andere Umstände ;um Tod des Taglöhners geführt haben müßten.

Idstein, 31. Dez. In dem etwa 20 Minuten von hier gelegenen Taunusdörfchen Wörsdorf ereignete sich vor einigen Tagen ein Zusammenstoß zwischen dortigen Einwohnern und Angehörigen der engli­schen Besatzung in Idstein. Drei englische Soldaten, die gerade Löhnung bekommen hatten, und sich schon in Idstein ziemlich unruhig benahmen, kamen in betrunkenem Zustande nach Wörsdorf, wo sie sich in einer Wirtschaft rüpelhaft benahmen und die Gäste belästigten. Während der Bürgermeister des Ortes am Telephon war und die Gendarmerie ver­ständigen wollte, warfen mehrere junge Leute aus

Wörsdorf die drei Soldaten einfach aus dem Lokal hinaus, wobei zwei davon leichte Verletzungen da- vontrugen. Vier junge Leute wurden deshalb fest­genommen und nach Wiesbaden verbracht. Die ein­geleitete Untersuchung hat ergeben, daß die Schuld an dem Z»'ischen,ull auf die englischen Soldaten fällt, die sich außerordentlich provozierend und her­ausfordernd benommen hatten.

Gießen, 31. Dez. Eine sehr bemerkenswerte Auf­wärtsentwickelung der Spartätigkeit ist aus einer Uebersicht der Bezirkssparkasse Gießen über die Entwickelung der Spareinlagen bei ihrem Kassen­betrieb von Ende 1924 bis Oktober 1926 festzu­stellen. Ende 1924 beliefen sich die Spareinlagen bei der Kasse auf rund 1020 000 Mk., Ende 1925 bereits auf 2 215 000 Mk. und Oktober 1926 auf rund 3 470 000 Mk. Die Sparkonten wuchsen von 3508 auf 58ß5 bezw. 9500 an. Im Stande der Giroeinlagen war eine Aufwärtsentwickelung von 770 000 auf 890 000 bezw. 950 000 zu verzeichnen. Der Bestand der Girokonten vermehrte sich von 995 auf 1436 bezw. 2000. Durch die günstige Geschäfts­entwickelung konnte die Bezirkssparkasse an Dar­lehen und Krediten folgende Summen hergeben: Ende 1924 rund 1800 000 Mk., Ende 1925 rund 3 130 000 Mk. und Oktober 1926 rund 4 490 000 Mk. Bemerkenswert ist, daß der diesjährige Sparoer­kehr sich bereits der Höhe des Sparbetriebs in den Jahren 1913/14 nähert.

Fulda, 31 Dez. Gestern nachmittag ereignete sich im Gemeindewalde bei Mackenzell beim Holzfällen ein sehr schwerer Unglücksfall. Der 24jährige Ar­beiter Makarius Kauf wurde von einem stürzen­den Baumast erschlagen. Ein weiterer Holzfäller, der 31jährige verheiratete Johann Scheich, wurde ebenfalls von dem stürzenden Stamm getroffen und erlitt einen doppelten Oberschenkelbruch und schwere Verletzungen am Kopf. Der Verunglückte wurde im Fuldaer Landkrankenhaus eingeliefert.

Fulda, 2. Jan. Ein Automobilunfall hat sich am Freitag abend gegen 10 Uhr auf der Landstraße zwischen der Geishecke und Marbach ereignet. Das Automobil eines Hamburger Großkaufmanns, das von Karlsruhe nach Hamburg fuhr, überschlug sich und begrub die drei Insassen unter sich. Landleute aus der Nachbarschaft eilten zu Hilfe und zogen die Verletzten unter den Trümmern hervor. Ein herbei­gerufener Fuldaer Arzt leistete ärztliche Hilfe. Der Besitzer des Wagens hat einen Armbruch und die beiden Damen in seiner Begleitung hatten Hautab­schürfungen erlitten. Sie konnten die Reise, nach­dem sie in Fulda verbunden worden waren, wieder fortsetzen.

Gersfeld, 2. Jan. Infolge des warmen Winter­wetters sind in der ganzen Rhön die Wintersvort- möglichkeiten überaus mäßig geworden. Die Schnee- decke ist völlig vereist und nur in einzelnen Wald­gebieten ist noch etwas Skilauf möglich. Die auf den 1. und 2. Januar in Brückenau angesetzten Gau­wettläufe des Schönskigaues mußten deshalb abge­sagt und vorläufig auf den 9. Januar verlegt werden.

Oberlahnstein, 1. Jan. Die Stadt Oberlahnstein beschafft für die katholische Pfarrkirche St. Martin neue Glocken im Gewicht von zirka 10 000 Kg. Die alten Glocken wogen 3 500 Kg. Die Kosten 80 000 Mark werden durch freiwillige Spenden der Bürgerschaft aufgebracht, die Stadtverwaltung übernimmt die Garantie dem Geldleiher gegenüber. 1000 Mitglieder eines Glockenvereins zahlen pro Jahr 3 Mark, pro Monat 25 Pfg. Auf diese Weise verteilt man die Lasten auf 30 Jahre. Die Stadt Oberlahnstein erhält somit die größten Glocken am Mittelrhein zwischen Koblenz und Mainz, selbst die Domglocken von Limburg stehen dem neuen Ge­läute Oberlahnsteins, das sich harmonisch in die löhe der anderen Glocken Over- und Niederlahn­steins einfügt, bedeutend nach.

Darmstadl, 2. Jan. In das hiesige Arbeitsamt sind in der Nacht zum Freitag unbekannte Ein­brecher eingedrungen, die die Kasse des Amtes völlig ausgeplündert haben. Als die Arbeitslosen vormit­tags ankamen, um ihre Wochenunterstützung abzu- holen, mußten sie wieder unverrichteter Sache nach­hause gehen. Untersuchung ist eingeleitet.

Aschaffenburg, 31. Dez. An der Straße von Faulenberg nach Diebach (Mittelfranken) befindet sich am Eingang eines Waldes ganz nahe am Weg ein mehrere Kubikmeter großer Ameisenhügel im Umfange von 9 bis 10 Meter, den die Waldameisen IIRWJ^WMMI^ BM

im Zeitraum von etwa 30 Jahren zusammen­getragen haben.

Atts MM WM.

Die Moskitos haben Dempsey besiegt.

Nach der Mitteilung eines Arztes aus Phila­delphia hatte sich der Schwergewichtsmeister Demp­sey, kurz bevor er mit Gene Tunney zu dem ver­hängnisvollen Entscheidungskampf um die Welt­meisterschaft antrat, eine Blutvergiftung durch einen Moskitostich zugezogen, sodaß er nicht im Vollbesitz seiner körperlichen Leistungsfähigkeit war. Dempsey hatte sich an dem Samstag, der dem Kampf voranging, vor der zudringlichen Menge, die sein Trainingslager bestürmte, nach dem sumpfigen Marschengebiet bei Atlantik City zurück­gezogen, um dort in Ruhe weiter zu trainieren, als er zurückkehrte, waren seine Arme und Beine mit Moskitostichen bedeckt, die eine leichte Blutver­giftung zur Folge hatten. Bisher haben es die Weltmeister aller Sportarten immer verstanden, für ihre Niederlagen irgendwelche Krankheiten als Entschuldigung anzuführen. Dempsey blieb es vor. behalten, die Mücken für Tunneys Sieg verant­wortlich zu machen.

Aufklärung eines Mordes durch ein 3^jähriges Kind

Von der Kriminalpolizei in Beuthen wurde der 28jährige polnische Saisonarbeiter Ossadnik unter dem Verdacht verhaftet, seine Geliebte ermordet zu haben und auch an einer bei Stettin ausgeführten Mordtat beteiligt gewesen zu sein. Das 3^jährige uneheliche Kind des Paares hatte im Verlauf einer geschickten Vernehmung der Polizei eine detaillierte Schilderung des Mordes an der Mutter gegeben. In der Tat wurde bei Rosenberg in Oberschlesien die Leiche in einem Wassergraben gefunden.

Tragischer Abschluß einer Siloesterfeier.

Berlin, 2. Jan. Bei der Heimkehr von einer Sil­vesterfeier in Köpenik geriet ein Kaufmann mit seiner Braut in Streit, in dessen Verlauf er sie über das Geländer der Dammbrücke in die Spree warf. Der Ernüchterte sprang dem Mädchen nach, konnte sie aber nicht finden. Die herbeigerufene Feuer- wehr brachte den Kaufmann an Land. Er wurde festgenommen. Die Leiche des Mädchens konnte noch nicht geborgen werden.

Eine Familientragödie.

Hamburg, 2. Jan. In der Silvesternacht erschlug der Seemaschinist von Kotnicki, wahrscheinlich im Verlaufe eines Streites, seine Frau mit einem Brief­beschwerer. Er leitete dann von der Küche her einen Schlauch von der Gasvorrichtung nach dem Schlafzimmer seiner beiden. Kinder und ließ Gas ausströmen. Als er seine Familei tot wußte, schrieb er noch Briefe und traf letztwillige Verfügungen. Dann jagte er sich eine Kugel durch den Kopf. Das Motiv der furchtbaren Tat war Eifersucht.

Schweres Lawinenunglâck am Arlberg.

Innsbruck, 2. Jan. Gestern ging in den ersten Nachmittagsstunden vom Trittkopf am Arlberg eine Lawine nieder, die zwei aus zehn Personen be- stehende Skigesellschaften unter sich begrub. Von den verunglückten drei Deutschen, angeblich Berlinern, sechs Engländern und einem Skilehrer aus Lech in Tirol konnten nur drei lebend geborgen werden, während fünf andere nur noch als Leichen unter den Schneemassen hervorgezogen wurden. Zwei der Ver­unglückten konnten noch nicht aufgefunden werden. Hierzu wird weiter gemeldet: Die eine der beiden Skipartien bestand aus zwei Deutschen, dem Ober­regierungsrat Lehr und dessen Bruder Dr. Lehr aus Hamburg, sowie aus dem Skilehrer Strolz aus Lech in Tirol. Von den Dreien tonnte nur Dr. Lehr gerettet werden. Die andere Partie bestand aus sieben Engländern, von denen sechs getötet wurden.

Eine ganze Familie ermordet.

Kowno, 2. Jan. Wie dieLitauische Rundschau" meldet, haben unbekannte Täter in dem Dorfe Blandschius eine aus sechs Personen bestehende Familie ermordet. Die Räuber waren spät abends in die Wohnung der Familie eingedrungen und hat­ten die beiden Eheleute, den 72 Jahre alten Land­wirt Schimotomis und dessen Ehefrau mit einem

Jagdgewehr erschossen. Den vier Kindern des Ehe­paares wurden die Kehlen durchschnitten. Nach der Tat setzten die Mörder das Wohnhaus in Brand und flüchteten. Herbeieilende Nachbarn konnten nur noch die Leichen der Familie bergen.

Neues Unglück an der Garzer Oderbrücke.

Stettin, 31. Dez. Heute nachmittag sollte bei noch erhaltene Brückenbogen der s. Zt. ein- aestürzten Garzer Oderbrücke entfernt werden. Hierbei brachen die auf Oderkähnen ruhenden Ge­rüste, die den Brückenbogen aufnehmen sollten, plötzlich unter großem Getöse zusammen. Die Ar­beiter, deren sich eine Panik bemächtigte, sprangen zum Teil ins Wasser. Es ist jedoch niemand ums Leben gekommen. Der Brückenbogen sackte nach dem Zusammenbruch der Gerüste wieder auf die alten Brückenlager, die die Last aushielten, obgleich sie als unsicher beanstandet waren. Die Frei­machung des Schiffahrtsweges Stettin-Berlin dürfte dadurch eine beträchtliche Verzögerung er- fahren, da die notwendigen Sprengarbeiten erst nach Entfernung des Brückenbogens, der der Stadt Garz erhalten bleiben soll, durchgeführt werden können.

Gekabelte Fingerabdrücke der Schrecken der Verbrecher.

Die Sachverständigen von Scotland Pard, dem Sitz der Londoner Kriminalpolizei, waren dieser Tage emsig damit beschäftigt, die chiffrierten Finger­abdrücke mit Hilfe eines besonderen Code zu ent­ziffern; diese Fingerabdrücke, die von der New- Yorker Polizei nach Scotland Pard gekabelt waren, gehörten einem Mann, der sich der Newyorker Po- lizei gegenüüber den Namen John Anderson bei- gelegt hatte. Im Verhör bequemte er sich zu dem Geständnis, daß er London vor einiger Zeit mit der Absicht verlaßen habe, einen Raubanfall auf die in den Vereinigten Staaten reisende Königin Maria von Rumänien auszuführen. Man hatte, um die Persönlichkeit einwandfrei festzustellen, di« Fingerabdrücke nach London gesandt. Derartige Kabelmeldungen werden, wie die Vertreter von Scotland Pard einem Berichterstatter erklärten, ab­gesandt, um ein beschleunigtes Verfahren zu er­möglichen. Diese Kabeltelegramme enthalten in Chiffreschrift die Hauptmerkmale der Abdrücke, während gleichzeitig eine eingehende Beschreibung durch die Post übersandt wird. Derartige Versuche wurden zum ersten Male im Jahre 1924 von der australischen Polizei mit dem Erfolg unternommen, daß zwei langgesuchte Verbrecher in Sidney ver­haftet werden konnten. Seitdem wird das Verfahren allgemein beobachtet. Auf diese Weise ist auch im Jahre 1925 ein berüchtigter Juwelendieb in New- York rasch indentifiziert und überführt worden.

Ihr Sohn hat aber ein glänzendes Schulzeua- nis erhalten!"Das hat aber auch viele Wichse gekostet, das glänzende Zeugnis!"

VeVeèrre- OsVsmnmStmsen.

* Mädchenbund. Wir machen empfehlend auf­merksam auf die Abendveranstaltungen während der Jugendarbeitstagung am Montag, Dienstag und Mittwoch abend um 8 Uhr, am Montag im Schulkino, an den beiden anderen Tagen in der Oberrealschule. 1

Christlicher Verein junger Männer. Wir bitten unsere Mitglieder, sich zahlreich an den Veranstal­tungen der Jugendarbeitstagung zu beteiligen Montag abend 8 Uhr im Schulkino, Dienstag und Mittwoch Mn 8 Uhr in der Oberrealschule. ' 3ugendarbeit-Tagung. Heute abend 8 Uhr im Schulkino, Ostbahnhofstraße, Bezirksschule 3, Film- vorführung. Jugendliche 20 Pfg. 3 Oralorienverein. Morgen Dienstag Probe. Damen und Herren 8 Uhr? ' 5

1. h. F.-El. 1893. Morgen Dienstag, 4. Januar 1927, abends 8.30 Uhr, Geschäftsausschußsitzung. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen wird er­wartet. Die Monatsoersammlung findet am 12. Januar 1927 statt. Mittwoch, 5. Januar, wie ge­wöhnlich Vereinsabend. 4

DcranâNNK mt Ueriaa unD Vruckerei. Pau Ji a tt, iur Den rrdakiionellen Gelamtinhalt: Richard Sul tsch: für Anzeigen und Reklamen: August 3 r o b t; alle in Hanau. Rotationedruck der Waisenhaueduchdruckerei Hanau, Fernsprechanschlnß Rr. 3056. 3957, 3958 - Postscheck Frankfurt a. M. Rr 26 650 Lanktont» Gtândi-'ckie teihban? Hanau

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Ausstellung von Arbeiten Reinbow Ewalds im Landesmuseum Darmstadt.

Eine schöne und reiche Auswahl von Gemälden and Zeicynunaen Ewalds aus den letzten Jahren füllt mehrere kleine Räume des Museums. Auf der diesjährigen Darmstädter Sezession ist Ewald wieder einmalaufgefallen" und diese Ausstellung soll wahrscheinlich eine Bekräftigung des Erfolges sein. Als Verehrer feines ehrlichen Schaffens freut man sich gern, daß er wieder einmal gut zu Wort ge­kommen ist, denn es war geradezu eine Schmach, wie schlecht man Ewalds Badeszene auf der Dres­dener internationalen Kunstausstellung in diesem Bommer aufgehängt hat.

Es steht schlimm um die deutsche und die ganze Malerei unserer Zeit. Wenn man die Berliner Aus­stellungen des Jahres gesehen hat und des geschmack­vollen kunstgewerblichen Einschlags müde ist, so be­kommt man in der Ewald-Ausstellung endlich wie­der einmal ein wenig anständige frische Luft und wenn sie einem zuerst mal tüchtig den Atem nimmt, so ist das recht gesund.

Ein wahres Prachtexemplar für Kunsthistoriker, dieser Ewald! Wer einmal seine Monographie schreibt, der kann so schön sein Schaffen einteilen, nach Eroberung des Körpers, des Raumes, der Be­wegung, des Lichts und so weiter. Diese zähe Kon­sequenz, mit der er sich die Aufgaben gestellt und gelöst hat, hat fast etwas Schulmeisterliches, aber wer so glänzend den Hanauer Markt in französi­schem Impressionismus als junger Mensch malen konnte, dem wurde es nicht leicht, zu dem zu wer­den, was er heute ist. Es ist eine Askese, eine Ab­lösung des Fleisches. Allerdings nur eine Vernich- hing des sentimentalen, individuell Genießerischen und ein Freimachen naturhafter Sinnlichkeit. Der Ewald heute nimmt nicht mehr die Erscheinung für das Auge hin und malt nicht das, was die Singe aus sich machen, er läßt sie neu werden, aber wir werden nie Materie. Er läßt nichts von außen herantragen. Licht und Farbe, Raum und Körper sind nicht mehr verschiedene Stoffeinheiten, die sich gegenseitig steigern, sondern sie erstehen im Bild­raum aus dunstigem Broden heraus, aus einer ge­

meinsamen Schöpferkraft heraus, aber nirgends er­kaltet diese Kraft zur Gestalt oder Materie.

Man lernt vor seinen Bildern wieder glauben, die Erscheinung als Selbstzweck ist abgetan. Nach all dem individuellen Gestammel einer langen Kunst­epoche zeigt hier einer den Weg zu einer neuen und doch so alten Erkenntnis, daß das nicht selig macht, was wir sehen, sondern das Glauben an das, was nicht gesehen werden kann. Ewald fängt ein gut Stuck hinter der sichtbaren Wirklichkeit zu malen an, wie die Mystiker ihren Gott hinter dem verstandes­mäßig zu Erfassenden gesucht haben.

Darum kann er auch religiöse Bilder malen. Er begibt sich nicht in das religiös Stoffliche und kostet es nach jeder Richtung aus, er macht lieber ein kos­misches Ereignis oder Naturkraft daraus. Seine Malereien der Dettinger Kirche und die fertiggestell­ten Engelplastiken für Saarbrücken sind ganz starke Erzeugnisse eines Künstlers, der keinen Zwiespalt zwischen Noturkraft, Sinnlichkeit und Religion sieht. Er entkleidet alles des Zufalls, des Einmaligen und schafft es aus der sinnlichen Empfänglichkeit.

Ob Ewald das Format eines ganz großen Künst­lers hat, können wir als Zeitgenossen nicht ent­scheiden, daß er ehrlich wie kaum einer unserer heutigen Künstler ist, das wird man ihm ebenso­wenig abstreiten können, als daß er über ein Kön­nen verfügt, wie nur wenige Künstler der Geschichte überhaupt, wenn man absieht von denen, die sicherer in einer alten Kultur gestanden haben, die für uns namenlos sind. Dr- L-

o Sladllheater. Heute Montag, abends 7.30 Uhr, geschloffene Vorstellung. Morgen Dienstag, abends 7.30 Uhr, wird die OperettePolenblut" von Leo Stein, Musik von Oskar Nedbal wieder­holt. Am kommenden Mittwoch gelangt der große Erfolg der diesjährigen SpielzeitDer Garten Eden , vier Kapitel aus dem Leben eines unan­ständigen Mädchens von Bernauer und Oester­reicher zur Ausführung. Wir machen besonders daraus aufmerksam, daß diese Vorstellung bereits um 7.30 Uhr beginnt.

o Bremer Schauspielpreis. Der vom Goethe­bund in Verbindüng mit dem Schauspielhaus in Bremen im April v. I. ausgeschriebene Schauspiel­preis ist am 29. Dezember verteilt worden. Ueber die Preisverteilung gibt das Preisgericht folgendes bekannt: Eingereicht waren 1080 Buhnenwerle.

Verlangt war, daß die eingereichten Stücke bei völlig freier Stoffwahl dichterischen Wert und Bühnenreife besitzen sollten. Das Preisgericht kam zu der Ueber­zeugung, daß keinem der volle Preis zuerkannt werden konnte. Statt dessen sind von der verfüg­baren Summe zwei Preise von je 1000 Mk. verteilt worden, und zwar für die beiden EinakterSaul" Aklestis" an Alexander Lernet-Holenia (Klagen- furt) und fürDornenweg", dramatische Szenen aus der russischen Revolution an M. Lewadin (Ber­lin). Ferner sind drei Preise zu je 500 Mk. ver­teilt worden für die KomödieQuintett" an Peter Bcckim, für das DramaToni" an Gina Kaus und für das KammerspielDas Land im Rücken" an Herbert Scheffler. Eine Reihe weiterer Bühnen­werke'hoben sich zwar als Proben stärkerer Be­gabter heraus, konnten aber für die Preisverteilung nicht in Frage kommen, da sie den Bedingungen nicht voll genügen.

o hundert Lier für einenSimplicissimus". Ein grelles Schlaglicht auf die Lage und die Stimmung in Italien wie auch auf das Bedürfnis des italieni­schen Volkes, endlich wieder einmal die Wahrheit Börsenblatt" der Umstand, daß nicht nur die auslän- vernehmen zu können, wirft nach demBuchhändler- dischen Zeitungen, die den Faschismus kritisieren, insgeheim in Italien umlaufen, sondern auch daß man die ungewöhnlichsten Preise für sie bezahlt, um ihrer habhaft zu werden. Für jede Ausgabe des Quotidien oder des Oeuvre zahlt man gewöhnlich 10 Lire. Exemplare der Simpliciffimusnummer 35, die unter dem TitelEvviva l'Jtalia" ausschließlich dem Faschismus gewidmet war, wurde mit 100 Lire bezahlt.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Montag, 3. Januar, nachm. 3 Uhr: Peterchens Mondfahrt": abends 7 Uhr:Hänsel und Gretel". Dienstag, 4. Jan., nachm. 3 Uhr: Peterchens Mondfahrt"; abends 7 Uhr: ,,Der Golem". Mittwoch, 5. Jan., nachm. 3 Uhr:Peter­chens Mondfahrt"; abends 7)4 Uhr:Die Läster­schule". Donnerstag, 6. Jan., nachm. 3 Uhr:Peter- chens Mondfahrt"; abends 7 Uhr:Manon". Frei­tag, 7. Jan., Geschlossen. Samstag, 8. Ian., nachm. 3 Uhr:Peterchens Mondfahrt"; abends 7% Uhr: Der fliegende Holländer". Sonntag, 9. Ian., nachm. 2^ Uhr:Peterchens Mondfahrt"; abends 7 Uhr: Othello"

Schauspielhaus. Montag, 3. Jan., abends 8 Uhr: Der Sturm". Dienstag, 4. Jan., abends 8 Uhr: Weihnachtseinkäufe". HieraufOllapotrida". Mitt­woch, 5. Jan., abends 8 Uhr:Der Sturm". Don­nerstag, 6. Jan., abends 7% Uhr:Kilian oder die gelbe Rose". Freitag, 7. Jan., abends 8 Uhr:Die zwei Abenteurer". Samstag, 8. Jan., abends 8 Uhr: Der Sturm". Sonntag, 9. Jan., abends 8 Uhr: Der Sturm".

Neues Theater. Montag, 3. Jan., 8 Uhr:Der Garten Eden". Dienstag, 4. Jan., 8 Uhr:Der Garten Eden". Mittwoch, 5. Jan., 3% Uhr:Der Froschkönig"; 8 Uhr:Mrs. Cheneys Ende". Don­nerstag, 6. Jan., 8 Uhr:Der Garten Eden". Frei- tag, 7. Jan., 8 Uhr:Der Garten Eden". Samstag, 8. Jan., 3Uhr:Der Froschkönig"; 8 Uhr:Mrs. Cheneys Ende". Sonntag, 9. Jan., 3% Uhr:Die Hochzeitsreise",Lottchens Geburtstag"; 8 Uhr: Der Garten Eden".

Fünf Tonnen Kohle als Reisegepäck. Schlechte Erfahrungen muß ein Impresario gemacht haben, der mit einer Truppe Tanzgirls durch Südamerika reift. Wie aus Rio de Janeiro berichtet wird, führt dieser vorsichtige Mann außer vielen Koffern auch 5 Tonnen Kohle als Reisegepäck mit sich, weil er die Erfahrung gemacht hat, daß die Umkleideräume der Theater, in denen seine Schützlinge auftraten, wäh- rend des Südwinters oft nicht geheizt waren, und daß es zuweilen sehr schwierig war, rechtzeitig Heiz- material herbeizuschaffen. Da er die Gesundheit feiner Tänzerinnen nicht von irgendeinem zufälligen Streik der Bergleute oder der Transportarbeiter abhängig machen will, scheut er, wenn man den süd- amerikanischen Zeitungsmeldungen glauben darf, weder Mühe noch Kosten, das Heizmaterial für seine Tanzgruppe ebenso wie die Kostüme und die Toilettenartikel mit sich zu führen.

humoristisches.

Lehrer:Karl, nenne mir einmal ein Streich­instrument. Karl:E' Pinsel, Herr Lehrer."

Hören Sie, Minna, obwohl Sie heute Ausgang haben, wäre es mir doch erwünscht, wenn Sie zu Hause bleiben würden, da wir ein kleines Tanz­kränzchen abhalten wollen."Sehr gern, gnädige Frau, auf mich können Sie bestimmt rechnen. Ich tanz« ja für mein Leben aern/