Einzelbild herunterladen
 

KanaueMnzeiger

WVVenevai Ätmeiger fär^fev^attmt Madt und Land

Anzeiger für

^scheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / LezugSpreis: Für den halben Monat Hl. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trâgerlvhn / Einzelnummer 10, FreitagN Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm »reite 8 R-Pfg., im Reklameteil von 68 mm »reife 25 R-Pfg. / Osfertengebühr 50 R-Psg.

W. 298

Meustas bett

21. NezrmSev

Oana« Stadt und Land

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' »et unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Sezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung deS Bezugspreises, z Fürplatzvorschrist u. Erscheinungstagc der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.S / Fernspr. 3956, 3957,3958

1926

Das KeaeKs.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der gegen­wärtig in Hamburg weilt, hielt gestern eine Rede über die deutsche Außenpolitik.

Die ungarischen Reichstagswahlen endeten mit einem Erfolg der Regierungspartei, die 171 von 230 Mandaten erhielt.

Im Prozeß Rouzier wird heute abend die Urteilsfällung erwartet.

DieNew York World" veröffentlicht einen sensationellen Bericht über die unerhörte Mißver- waliung und Riesenverschleudsrung der beschlag­nahmten deutschen Vermögen in Amerika.

Auf dem Hudson sank ein Fährdampfer. 33 Personen sollen ertrunken sein.

Bei Lahnkanalisierungsarbeiten an der Stau­stufe Dausenau stürzte ein großes Gerüst ein und traf dabei einen Kahn, der mit acht Personen besetzt war. Der Kahn stürzte um, und von den Insassen ertranken sechs Personen.

MSessemös MSsKOSette« auf dem V«Mm.

Der unerwartete Abschluß bes italienisch­albanischen Schiedsvertrages hat in Belgrad gewaltige Erregung verursacht. Eine dadurch heroorgerufene Kabinettskrise ist durch den Tod des altserbischen Nationalhelden Pasitsch noch bedeutend vermehrt worden und ist heute noch nicht gelöst. Eins steht nurfest, daß die neue Regierung, sie mag angehären welcher Partei sie will, den Fehdehandschuh, den ihr Italien trotz des erst vor Jahresfrist abge­schlossenen Schiedsvertrages zugeworfen hat, aufnehmen und alles in Bewegung fetzen wird, ejn Gleichgewicht gegen den eben

Sine Stresemann-Red«

Hamburg, 20. Dez. Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann begab sich heute vormittag in Begleitung des Bürgermeisters von Hamburg, Dr. Petersen, vom HotelVier Jahreszeiten", wo er Wohnung genommen hat, nach dem Hamburgi­schen Weltwirtschaftsarchiv, wo Geheimrat Stuhl- mann einen Bericht über die Aufgaben und die Organisation des Archivs erstattete. Nach einem Rundgang durch die Räume des Archivs begab sich der Minister zum Institut für auswärtige Politik, wo dessen Leiter, Professor Dr. Mendelssohn- Bartholdy, einen kurzen Ueb erb lick über die bisherige Entwicklung des Instituts gab und dem Reichsminister ein gebundenes Exemplar der Zeit­schriftEuropäische Gespräche" überreichte. Im An­schluß hieran stattete der Minister dem Institut für Tropenkrankheiten einen Besuch ab. Auch hier be- sichtigte der Minister verschiedene Abteilungen des Instituts und nahm einen Vortrag des Professors Dr. F ü l l e b o r n über die Tätigkeit des Instituts entgegen. Um 1 Uhr fand sodann ein Frühstück statt, das der Bürgermeister Dr. Petersen dem Reichs­minister in seinem Hause gab.

den MehrheU des deutschen Volkes zu stützen ver­mag.

Zu dem Ergebnis der letzten Genfer Tagung übergehend, sagte Dr. Stresemann: Die­ses Ergebnis bedeutet einen Schritt vorwärts auf unserem Wege. Es ist dort gelungen, eine grund­sätzliche Regelung für zwei schwierige Fragen zu finden, die dem Fortschritt der politischen Entwicke­lung bisher im Wege standen. Es ist gelungen, für

die Jnvestigationsbefugnisse kerbundes denjenigen festen Rahmen zi baren, der sich aus der gerechten Ausle Vertragsbestimmungen ergibt. Vom deusschen Standpunkt aus dürfen wir es als einen Fort- schritt bezeichnen, daß dabei die E n t w a f f -

des Völ- tu verein-

legung der

trag herzu i^uev. , .

Wie wichtig Jugoslawien diese seine nächste Aufgabe nimmt, geht schon daraus hervor, daß die Gerüchte immer mehr zunehmen, wie Süd- slawien seine Fühler zu anderen Staaten aus­gestreckt hat. Es hat soeben seinen Gesandten " gora zu näheren Besprechungen nach Bel- berufen, die sich auf nichts anderes als

> in An

Jm großen Festsaal des Rathauses gab der Ee- nat heute abend anläßlich des Besuches des Reichs- ~;ifters Stresemann ein Essen, an dem außer führenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft das gesamte Konsularkorps in Hamburg sind jetzt fast sämtliche Staaten bi. vertreten teilnahmen. In seinen Begrüßungs­worten hob Dr. Petersen die Bedeutung der Vermittlerrolle hervor, die die Hansestädte seit ihren Anfängen in den Beziehungen zwischen Deutschland und dem Ausland erfolgreich durchgeführt haben. Sie hätten ein gut Teil dazu beigetragen, jene Ein­schätzung Deutschlands im Auslande mit zu schaffen,

mini

ier Erde

N u n g s a k t i o n, für die ein naher Endtermin fest­gesetzt worden ist, nunmehr allseitig als d u r ch g e - führt anerkannt ist. Das ist eine wichtige Etappe, aber freilich doch nur eine Etappe, und ich will offen aussprechen, daß es

auf die Dauer ein unmöglicher und mit dec Gleichberechtigung im Völkerbund unvereinbarer Zustand ist, die allgemeine Rüstungrsreiheit be­stehen zu lassen und dabei einem einzelnen Staat die volle Entwaffnung vorzuschreiben und sie einseitig zu kontrollieren.

Diesen Zustand zu beseitigen, konnte sicherlich nicht Ausgabe der letzten Genfer Verhandlungen fein. Diese Aufgabe muß aber im Zusammenhang mit dem allgemeinen Abrüstungsproblem unbe-

dingt gelöst werden. Die Welt wird Verständnis dafür haben, daß Deutschland seinen Willen zur loyalen Innehaltung der Entwaffnungrbestimmun- gen und die Anerkennung der Investigationsbefug- nis des Völkerbundes nicht betonen kann, ohne

nis des Völkerbundes ni

nung zwischen den beiden late.mMjen Schwe ftern, die ohnehin schon sehr groß war, noch zu vermehren. So können ww auf dem Bal­kan wichtigen Ereignissen en n.g-nsc''en d.e das ganze Staatengcb.lde Dun Grund aus t.nb gestalten können.

Die Besesnuttg Stvcssmann-

Berlin, 20. Dez. Die starke Spannung, die zwischen Italien und Frankreich gegenwärtig besteht, macht es begreiflich, daß die französische Presse mit ihrer Nervosität schon seit Wochen über die Mög- lichkeit eines Zusammentreffens zwischen Strese­mann und Mussolini orakelt; macht es begreiflich, daß Mussolini selbst wiederholt den Wunsch zu einer fachen Begegnung ausgesprochen hat. Dr. Stress- mann hat die Dinge stark an sich herankommen las­sen. Der deutsch-italienische Schieds <- gerichtsvertrag, der zur Unterzeich, nung reif ist, hat auch eine so große internatio­nale Bedeutung nicht, daß die Ratifikation durch die leitenden Minister selbst vollzogen werden müßte. Immerhin bestand eine Zeit lang die Möglichkeit, daß vor oder nach Genf beide Minister sich trafen. Sie ist jetzt von neuem akut geworden, da der Reichs- außenminister am 27. Dezember seine Reise nach dem Süden antritt, die ihn eigentlich nach Aegypten

führen sollte. Ob er aber so weit kommen wird, ist noch nicht sicher, da vielleicht für ihn der Zwang besteht, schon Mitte Januar wieder in Berlin sein zu müssen. Darum wird er vermutlich in Italien bleiben, und so ist eine Begegnung mit Mussolini etwas ganz Natürliches. Allerdings wird Herr Mus­solini nicht ganz so großes Gewicht auf die Aus­sprache mit dem nur geschästssührendsn Außen­minister legen, obwohl natürlich auch er weiß, daß ahrscheinlich um Dr. Stresemann I, weil keine Kombination denkbar

die Krise sehr mal

herumgehen wird.

ist, die ein Ministemm ohne ihn bildete.

Die strsMOe pvesis evwüvLet das

gleichzeitig auszusprechen, daß auch der Gedanke der er Verwirklichung zuge-

grad berufen, die sich auf nichts anderes als âuf den Abschluß eines Schiedsvertrages mit der Türkei beziehen können. Aus dieser Zu- iammenftellunz sieln man, wie sehr sm; die Ver­hältnisse auf dem Balkan seit dem Weltkriege geändert haben müssen, wenn zwei Staaten, die sich seit Jahrhunderten auf das erbittertste - bekämpft haben, nunmehr die Streitaxt be­graben und sich miteinander verbinden, ledig­lich um einem Eindringling weiteren Einfluß auf dem Balkan zu versagen.

Eile ist aber auch für Jugoslawien geboten, denn Italien begnügt sich nicht allein mit d-m Vorstoß in Albanien, sondern sucht auch in Bul­garien sowie in Rumänien festen Fuß zu fassen. In Sofia hat man bekanntlich den Plan gefaßt» die Flüchtlinge aus den früher I bulgarischen Gebietsteilen durch eine groß­äugige Lotterie zu unterstützen. Italienische Finanzleute haben sich, natürlich gegen einen entsprechenden Gewinn, bereit erklärt, die Lot- . jfrie zu finanzieren, sodaß sie schon jetzt als ge- uchert gelten kann. Dadurch gerät naturgemäß Bulgarien in eine sehr große Abhängigkeit von i 'Italien und dieses wird eifrig bestrebt sein, leinen Einfluß in Sofia noch weiter auszu­dehnen. Die Verbindung Italiens mit Rumä­nen ist in der letzten Zeit sehr eng geworden. -Mussolini hat es verstanden, sowohl den jetzi­gen wie auch den früheren Ministerpräsidenten für sich zu gewinnen, ein für Italien besonders Astiges Handelsabkommen ist bereits ge- rhlossen, ein Schiedsvertrag soll folgen. Aller­dings hat das neue Abkommen mit Albanien 'n Bukarest keinen allzu günstigen Eindruck gemacht, es läßt gar zu sehr die Spitze gegen Jugoslawien erkennen und kam nach dem erst d°r Jahresfrist mit Belgrad geschloss nen ^chiedsvertrage etwas zu schnell. Die Blicke Jugoslawiens richten sich auch auf Griechen- mnd Allerdings ist man in Belgrad etwas

der Reichsminister Dr. tresemann jene klare gerade Linie der Politik vertreten habe, die der deutschen Republik seit 1919 verfolgt wor- sei, jene Politik, deren Leitmotiv der Glaube an den Willen der Menschheit zum wahren Frie­den und nach einer gerechten Verständigung sei. Er glaube, Reichsminister Stresemann am erwünschte­sten zu ehren, wenn er seine Worte ausklingen lasse in einem Hoch auf die Führer aller Völker, die in Treue zum Wesen der eigenen Nation und in Ach­tung vor. dem der fremden den Frieden der Well zu sichern bereit sind.

au u von den

Der belgische Generalkonsul Moulaert ver­lieh im Namen des gesamten Konsularkorps der Freude darüber Ausdruck, daß es Gelegenheit ge­habt habe, Reichsminister Dr. Stresemann persönlich kennen zu lernen; er stellte die fortschreitende Ver­besserung des wirtschaftlichen Lebens in Deutschland fest, gedachte der großen Verdienste Dr. Strese­manns auch um die im Konsularkorps vertretenen Länder, die im Nobelpreis, ihre geziemende Aner­kennung gefunden habe, und schloß auf die Reichsregierung.

mit einem Hoch

Hierauf ergriff

Reichsminister Dr. Stresemann

das Wort. Er dankte für die Worte seiner Vorred­ner und entwickelte zunächst unter besonderer Be­zugnahme auf die Eigenart Hamburgs die Gesichts­punkte, die für die Gestaltung der deutschen Außenpolitik maßgebend sind. Schwierigkeiten und Rückschläge, so führte er aus, dürfen uns nicht in der Erkenntnis beirren, daß der von uns einge­schlagene Weg der richtig« ist und schließlich zum Ziele führen muß. Trotz der scharfen parteipoliti­schen Auseinandersetzungen darf ich das eine mit Genugtuung feststellen,

daß Schwankungen innerpolilischer Art am Kurs der deutschen Außenpolitik nichts ändern werden,

die sich heute auf die Zustimmung der überwiegen-

die Methode offener Aussprache, für die der Völkerbund einen so hervorragend ge­eigneten Rahmen abgibt, sich wiederum voll be­währt hat. Wir befinden uns noch immer im ersten Anfangsstadium einer neuen europäischen Entwicke­lung, und es ist gerade in diesem Stadium von Be­deutung, daß die leitenden Staatsmänner dem Vertrauen der Völker auf jene Entwickelung so oft als möglich durch sichtbare Ereignisse neue Nahrung geben. Das ist im Interesse aller beteiligten Länder in Genf geschehen. Zugleich ist mit den erzielten Ergebnissen aber der Weg frei gemacht für die prak­tische Inangriffnahme anderer außenpolitischer Probleme, die an Bedeutung die bisher geregelten Fragen noch weit übertreffen. Auf diese Fragen sachlich im einzelnen einzugehen, möchte ich mir hier versagen. Der Grundgedanke, von dem die be­teiligten Staatsmänner bei ihrer Lösung aurgchen müßen, ist die Erkenntnis der Solidarität der In­teressen, die die Völker Europas mit den übrigen Völkern der Welt verbindet.

Das Werk von Locarno und der Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund haben eine gute und sichere Grundlage für die Politik der Solidarität der Interessen gelegt, aber doch nur eine Grundlage.

Die geschlossenen Verträge würden ein toter Buch­stabe bleiben, wenn es nicht dazu käme, tm großen Geist der Verständigung darauf weiter zu bauen und so endlich das Gebäude zu errichten, das den Völkern ein frieblicbes Rebeneinanderwohnen und Miteinanderarbeiten ermöglicht

Reichsaußenminister Dr. Stresemann erinnerte daran, daß Dr. Petersen sich in seiner Rede zu die­sem Grundgedanken des Zusammenwirkens und der Verständigung der Völker bekannt hat. Er erhob sein Glas auf das Wohl Hamburgs und feiner Führer. Die Ausführungen des Außenministers, die vom Festsaal auf den Rundfunk übertragen wurden, wurden mit lebhaftem Beifall ausge­nommen.

________ _. __u. _ér diplomatische Bericht­erstatter desDaily Telegraph" schreibt, die bri­tische Kreise teilten nicht die Besorgnisse, die in einigen europäischen Hauptstädten wegen der deut­schen Krise empfunden ober vorgegeben werden. Es werde mit gutem Grunde angenommen, daß man in dem neuen Kabinett Stresemann die Lo- carno-.Politik fortführen werde, und weite Kreise glaubten, daß Hindenburg gegenüber jedem Kanzler seinen mächtigen Einfluß zugunsten Stresemanns gebrauch würde. Ueberdies fei der ständige Staatssekretär des deutschen Auswärtigen Amtes v. Schubert von Anfang an mit der Lo­carno-Politik befaß worden, sodaß diese unoerän- dert bleiben werde. Die Rückkehr Dr. Luthers als Kanzler würde ebenfalls keine Beunruhigung hervorrufen, den obwohl er nominell Nationalist " ' ' doch in einem beträchtlichen Maße

Patriot ünb ein verständiger Sach­verwalter. Er sei übrigens einer der Unterhändler und Unterzeichner des Locarno-Paktes.

sei, so gelte er i . als ein kluger Patriot vermalter. Er sei übry

h; Allerdings ist man in Belgrad etwas Gruber verstimmt, daß die Regierung in kaum ein Wort über den albanischen hr>A r£8 Italiens verloren hat, obwohl sie selbst J durch ihn mehr oder weniger bedroht J? Allerdings ist in Belgrad wie in Sofia cht unbekannt, daß Griechenland und Bulga- " nach dem Vorbilde Rumäniens mit Rom w»n^^?"delsvertag abschließen wollen. Wie lad/ r-^ Verhandlungen aber gediehen sind, «Mu ous den bisherigen Nachrichten noch HnA Jennen. Jedenfalls ist man in Belgrad fnm^er Hoffnung, daß man Italien zuvor- einoü!^-.""^ wenigstens Griechenland zu t;lem «chledsvertrag veranlassen kann, ehe es M °» Italien bindet.

In Belgrad richtet man seine Blicke auch schon nach Rußland, mit dem die Fühlung in den letzten Jahren etwas verloren gegangen ist. Wie in allen anderen europäischen Haupt­städten hat man den Sowjets ihre allzu leb­hafte Propaganda auch in Belgrad stark ver­übelt, wenn die Folgen dieser auch nicht so be­deutend waren wie in dem benachbarten Sofia. Auf der anderen Seit« aber weiß man in Bel­grad nur zu genau, wieviel man vor und in dem Weltkriege der russischen Hilfe verdankte und würde es daher mit Freuden begrüßen, wenn man sich dem Machthaber in Moskau wieder etwas nähern könnte. Da man weiß, wie eng in gewisser Beziehung die Verbindung zwischen Rußland und Deutschland ist, so soll der bisherige jugoslawische Gesandte in Berlin, Balugdschisch, der in weiten Kreisen als Kandi­dat für den Posten des Außenministers in dem neuen Kabinett genannt wird, beauftragt worden fein, vor seiner Abreise aus Berlin über diesen Punkt Fühlung mit der deutschen

Regierung zu nehmen. Man verspricht sich von diesem Schritte einen doppelten Erfolg, neben der Annäherung an Rußland auch eine solche an Deutschland. Das letztere ist umso wahrscheinlicher, da das Berliner Auswärtige Amt sich schon seit langem mit der Absicht tragen soll, alle Fragen des Nahen Ostens und vor allem des Balkans einmal gründlich mit Jugoslawien zu besprechen.

Der überraschende Schritt Italiens in Alba­nien hat somit große Folgen gezeitigt, vielleicht stehen noch größere bevor. Es ist anzunehmen, daß Mussolini, der doch sicherlich diesen Schieds­vertrag seit langem vorbereitet hat, sich bei seiner letzten Zusammenkunft mit Chamberlaw über diesen Fall ausgesprochen hat. England hat sicherlich gegen das Vorgehen Italiens im Augenblick nichts einzuwenden, umso weniger, da auf diese Weise der Einfluß Frankreichs auf dem Balkan herabgesetzt wird. Auf her ande­ren Seite aber wird das Vorgehen Mussolinis nicht wenig dazu beigetragen bubgr. pt? Span-

Gine Attwvmhe des Papstes.

Rom, 20. Dez. Der Papst Hiell heute vormittag ein geheimes Konsistorium ab, um den Erzbischof von Turin, Gampa, und den päpstlichen Nuntius in Warschau, Lauri, zu Kardinälen zu kreiieren. Der Papst hielt bei dieser Gelegenheit eine A n - spräche, in welcher er nach einem Hinweis auf die Ereignisse dieses Jahres, den Eucharistischen Kongreß in Chicago, die Feierlichkeiten für den Hei­ligen Franziskus und die Konsekration der tunesi­schen Bischöfe, nochmals aus die religiösen Verfolgungen in Mexiko zu sprechen kam. Die Verfolgungen seien mit Schärfe und unmensch­licher Unbarmherzigkeit durchgeführt worden. biach den letzten Meldungen seien sie noch grausamer ge­wesen, als er vorher angenommen habe. Der Papst wandte sich der Lage in Frankreich zu. Er erinnerte an seine früheren Erklärungen und be- ' tonte nochmals, daß den Katholiken nicht erlaubt sei, ein Programm zu unterzeichnen oder auch nur nach chm zu handeln, in welchem die Politik vor die Reli­gion gestellt werde. Den Katholiken sei auch nicht gestattet, Zeitungen zu unterstützen, zu begünstigen oder zu lesen, die von Männern geleitet sind, deren Veröffentlichungen nach dem katholischen Dogma und katholischer Moi al zu verdammen sind. Dec Papst drückte sein Bedauern aus, daß das franzö­sische Volk durch rein politische Fragen gespalten sei. Alle Franzosen müßten sich auf dem religiösen Ge­biet einigen. Es sei der glühende Wunsch feines Herzens, daß diese große, segensreiche Einigung zu­stande käme. Im übrigen könne jeder von dem Recht seiner Freiheit Gebrauch machen, auf dem gesetzlichen, ehrenhaften Wege die positischen Ideen und Programme zu vertreten, die den Gesetzen und göttlichen Bestimmungen entsprechen. Der Papst drückte das Vertrauen aus, daß die französischen Bischöfe sich zum Dolmetsch seines väterlichen Wil­lens machen werden, und daß sie keinen Grund geben zu schiefen und falschen Auslegungen, wie sie in den letzten Nummern derAction Francaise" zum Ausdruck gekommen seien.

SevMlrudsvtttts dsuLßMsV Dee« mögen in Amerika.

Reuyork. 20. Dez. DieNewyork World" verössenllichl einen sensationellen Bericht über un­erhörte M.hverwaltung und Riesenverschleuderun-