Kv. 2VS
Montag den
20. Dezember
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM.l.-,für den ganzenMonat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag iS, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg-, im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. , Offertengebühr 50 R.pfg.
202. SahvASMS nzetgev Dana« Giadt und Land
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. ^Geschäftsstelle: Hammerstr.S / Fernspr. 3956,3957,3958
1626
Das Kraestr.
— Im Prozeß Rouzier wurde auch am gestrigen Sonntag verhandelt.
_ Der frühere Reichskanzler Dr. Luther wird am kommenden Donnerstag nach siebenmonatiger Abwesenheit in Bremerhaven eintreffen.
— Ein elsässischer Abgeordneter hat in der französischen Kammer die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission für das Elsaß gefordert.
Professor Smetona wurde zum Präsidenten der litauischen Republik gewählt.
— Die „Libre Belgique" erklärt, mitteilen zu können, daß der Entschluß des belgischen Finanzministers Houtart, aus der Regierung auszutreten, unwiderruflich sei und zwar werde er Anfang Januar zurücktreten.
Dev MaatsMsZch k« LZtauers.
Die litauische Militärpartei hat die bisherige Linksregierung Litauens abgusetzt und an die Stelle des abgesetzten Staatspräsidenten Grinius den ersten litauischen Staatspräsidenten Smetona zum Leiter des Staatswesens berufen. Smetona gehört nicht unmittelbar zu denjenigen Kreisen, die den Umsturz hcrbei- oeführt haben. Er vertritt eine eigene Partei, die allerdings bei den letzten Wahlen zum litauischen Sejm nur drei Mandate errungen hat. Er scheint aber mit der faschistischen Organisation der christlichen Demokraten, die im Mai dieses Jahres gestürzt und durch ein Kabinett der Volkssozialisten ersetzt worden sind, gemeinsame Sache gemacht zu haben. Die Führer des Umsturzes haben offenbar die Ab-
vierter MannrmLanve Bortei hin
aus Ansehen genießt.
Der litauische Staatsstreich wird von allen Kennern der litauischen Verhältnisse als eine innerpolitische Angelegenheit betrachtet. Er bedeutet eine gewaltsame Machtverschiebung zugunsten der christlichen Demokraten. Dabei haben wirtschaftliche und finanzielle Interessen zweifellos eine große Rolle gespielt. Die Proklamation, die von der neuen Regierung in Kowno angeschlagen worden ist, setzt der Bevölkerung auseinander, die Volkssozialisten hätten das Land an die Bolschewiken und Fremdstämmigen verkauft. Dabei weiß man 3 genau, daß die christlichen Demokraten
: während ihrer Regierung eine Korruptionswirtschaft haben einreißen lassen, gegen die sich seinerzeit auch Smeona gewandt hat. Wenn man diesen Hintergrund in Betracht S, so hat man wahrscheinlich die nächst-
, nde Erklärung für den Staatsstreich, der die Volkssozialisten aus der kaum errungenen Machtstellung wieder entfernt hat.
Die außenpolitischen Gründe, die in der Proklamation der neuen Regierung erwähnt werden, sind sicher nur ein Deckmantel und in erster Linie auf den nationalistischen und faschistischen Anhang berechnet, auf den sich die neue Regierung stützt. Das litauische Schmerzenskind ist die Wilna-Frage — als Polen sich durch einen Handstreich Wilnas bemächtigte, chuf es einen dauernden feindseligen Gegen- W Mischen dem polnischen und dem litaui- chen Staat. Man kann aber der gestürzten utauischen Regierung nicht vorwerfen, daß sie m diesem Punkte den nationalen Anschauungen «er Bevölkerung nicht Rechnung getragen >atte. Denn sie hat den bekannten Vertrag Rußland abgeschlossen, in dem Wilna nicht polnischer Besitz anerkannt wird. Sie hat cho durchaus eine Politik getrieben, die im 3n« Me Litauens liegt.
Wie sich die Dinge weiter entwickeln wer- °en, läßt sich noch nicht übersetzen. Die größte «orge der neuen litauischen Regierung dürfte ^ Finanzlage sein, mit der es sehr schlecht estellt ist. Der Staatsstreich kann aber auch, ^vtzdem er auf innerpolitische Konflikte zurück- außenpolitische Folgen nach sich ziehen. ^ Verhältnisse zwischen Litauen und Polen ! wegen der Wilna-Frage dauernd gespannt, ^".dewlsser Zündstoff liegt hier immer ange- 65 ist nicht ausgeschlossen, daß eine ^waltsame innere Umwälzung in Litauen die pannung zwischen diesem Staate und Po- ' " verschärft. Man hat also alle Ursache, aön Don .Lesern Standpunkte aus die Vor- s» , an der Ostgrenze genau zu verfolgen. In ae^ auf das Memelgebiet und die Beziehun- zu Deutschland bedeutet der litauische Re- mere^^echsel keine Wendung zum Schlim-
Die Aegievungsikeile.
Berlin, 19. Dez. Wie bereits gemeldet fand gestern vormittag ein Empfang der Fraktionsführer der großen Parteien beim Reichspräsidenten statt. Die Besprechungen trugen einen informatorischen Charater. Irgendwelche Entscheinungen hat der Reichspräsident noch nicht getroffen. Es ist auch nicht damit zu rechnen, daß dies vor Mitte Januar der Fall sein wird. Dr. Scholz teilte dem Reichspräsidenten den von der Deutschen Volkspartei in den letzten Tagen eingenommenen Standpunkt mit, wonach die Deutsche Volkspartei ihre Verhandlungsbereitschaft sowohl für eine Regierungserweiterung nach links, als auch nach rechts erklärt hat. Nach den letzten Vorfällen im Reichstag sei es selbstverständlich ausgeschlossen, daß jetzt noch die große K o a l i t io n in Frage kommen könne. Der Abg. M üller-Franken hat den Wunsch nach der Großen Koalition zum Ausdruck gebracht (die aber die Mehrheit seiner Fraktion keineswegs will, sondern die sie diesmal mit Sicherheit sabotieren würde), weiterhin aber erklärt, daß sich die SPD. unter Umständen auch mit einem Kabinett der Mitte begnügen würde, das ihr hinreichende „persönliche und sachliche Garantien" böte. Damit meinen die Sozialdemokraten natürlich bestimmte Zusagen hinsichtlich der sozialistischen Forderungen in bef Erwerbslosenfrage und hinsichtlich des schematischen Achtstundentages. — Das jetzige geschäftsführende Kabinett ist am Samstag mittag zu einer Sitzung zusammengetreten, um laufende Angelegenheiten zu erledigen. Am Samstag nachmittag ist erneut die Fühlungnahme zwischen den in Berlin anwesenden Abgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei und den übrigen bürgerlichen Parteien über die Möglichkeit der Bildung einer bürgerlichen Regierung ausgenommen worden.
Berlin, 19. Dez. Mit einem merklichen Gefühl
Htlflosigkeit, die auf der ganzen Linie herrscht, ist es wohl auch in der Tat das Beste, wenn die in den letzten Kampftagen übermäßg erhitzten Köpfe sich erst wieder einmal abkühlen. Hier und da werden in der Berliner Sonntagspresse noch kleine Abschlußgeplänkel geliefert, in Form der üblichen Rück- unb Ausschaubetrachtungen. Man kann nicht gerade behaupten, daß sie viel Neues enthalten, wie sollten sie auch. Es werden die Möglichkeiten noch einmal hin und her gewendet, da es eine sogenannte Patentlösung bei der gegenwärtigen Konstellation nicht gibt, wie man auch die Sache anpacken mag.
Die „Tägliche Rundschau" plädiert für eine Verbretterung der Regierung nach rechts, da ja die Sozialdemokratie endgültig den Beweis für ihre Koalitionsbetätigung schuldig geblieben sei. Das Blatt schreibt: Da die Sozialdemokratie für die Regierungsbildung nicht in Frage kommen kann — denn auch die Wiederaufrichtung der Weimarer Koalition dürfte bei Zentrum und Demokraten aus die größten Schwierigkeiten stoßen und hätte überdies keine Aussicht auf lange Lebensdauer — so wird der Versuch gemacht werden müssen, mit den Deutschnationalen ein Kabinett zustandezubringen. Entscheidend wird dabei die Haltung des Zentrums sein. Dr. Wirth hat als Fraktionsredner des Zentrums sich in schärfster Weise gegen den Bllrgerblock ausgesprochen und Reichskanzler Dr. Marx hat durch seins Ablehnung der Verhandlungen mit den Deutschnationalen die Wirthsche schroffe Abweisung bestätigt; aber die Zentrumskorrespondenz hat erklärt, daß Dr. Wirth mehr für seine Person als für die Fraktion gesprochen habe und Dr. Marx wird als kluger Taktiker wohl unterscheiden zwischen der Führung einer Koalition mit den Deutschnationalen und dem Dulden oder der Unterstützung einer solchen Verbindung, wenn sie staatsnotwendig geworden ist. Wenn Herr Dr. Wirth in seiner verblendeten einseitigen Liebe für die Linke aus der Bildung eines Bürgerblocks Gefahren für die Zurückdräng- ung der Arbeiterschaft vom Staate erblickt, so wird er doch zugeben müssen, daß die Zurückdrängung der Deutschnationalen Partei von der Regierung, die er zu einer dauernden Einrichtung der Republik machen möchte, dem Staate auch keine Freunde von der rechten Seite erwerben kann. Zudem ist die So- zialdemokratie von den bürgerlichen Parteien gar nicht abgestoßen worden; sie hat sich selbst ausgeschaltet und die Hand des Reichskanzlers Dr. Marx in demselben Augenblick zurückgewiesen, da er sie im Auftrage der ganzen Regierung ins Kabinett leiten wollte. In der „Germania" dagegen kommt Herr Joos zu dem Schluß, die einzige Klarheit, die man gewonnen habe, sei die, daß es gut sein wird, die gestürzte Regierung baldmöglichst wieder zu betrauen.
In der R e i ch s w e h r f r a g e, die ja eine Hauptursache der Krise bildet, beschäftigt sich das „Berliner Tageblatt" mit einem Wort des demokratischen Abgeordneten Erkelenz. Der Artikel ent-
Smetona mm VeSfidente« gewühlt.
Sowno, 19. Dez. Der bisherige Präsident der Republik Litauens, Grinius, ist von seinem Amt zurück getreten. Es ist sofort die Wahl eines neuen Präsidenten anaeorbnet worden. Zum
hält in der Quintessenz dieses: „„Die demokratische Partei will, daß die kleine uns verbliebene Armee so vollkommen eingerichtet und ausgebildet werde, als möglich. Sie will aber auch, daß diese Armee innerlich und äußerlich in den neuen Staat sich einlebt und sich dort wohlsühie." Als oberste Aufgabe einer künftigen Militärpolitik bezeichnet Erkelenz die Beseitigung jeder Art von Geheimrüstungen.
Ein Bericht über den Stand der Krise wäre unvollständig, wenn man nicht noch eine Notiz erwähnte, die durch die Blätter geht: Der frühere Reichskanzler Dr. Luther trifft am nächsten Donnerstag nach siebenmonatiger Abwesenheit wieder in Bremerhaven ein.
^oetW Mr? die rteskevAngs- nerrbüduns.
Professor Hoetzsch schreibt in der „Leipziger Abendpost" zu der durch den Regierungssturz geschaffenen Lage: Wir halten es für ausgeschlossen, daß angesichts dieser Lage der Führer der Sozialdemokratie mit der Regierungsbildung beauftragt wird und für noch unmöglicher, daß eine Regierungsbildung im Sinne der Großen Koalition gelingen könnte. So bleibt eben der Versuch, die Regierung von Rechts zu bilden. Sieht man^üas ein, so soll auch entschlossen der Versuch gemacht werden. Er wird die Deutsch- nationalen der Verantwortung dieser ernsten Stunde in vollstem Maße bewußt und bereit finden. Mögen die Mittelparteien aber auch die Verantwortung erkennen, die auf sie mit nahezu mathematischer Sicherheit zugekommen ist.
£ms GMewemamt-rrsde.
Rom, 18. Dez. Voll Ekel wendet sich die italienische Presse gegen Scheidemanns Landesverrat. „Man
gen gerade in dem Augenblick ergeht, wo Die deutsche Regierung auf Grund ihrer Erklärung, alle Abrüstungsbestimmungen ausgeführt zu haben, das Ende der Miltärkontrolle erreicht hat!"
Paris, 18. Dez. Im Pariser „Journal" und im „Matin" nimmt die Rede Scheidemanns im Deutschen Reichstag anderthalb Spalten ein. Das „Journal" überschreibt sie mit den Worten: „Ein früherer deutscher Reichskanzler für die Fortsetzung der alliierten Milttärkontrolle." In Allen Blättern zeigt sich unverhohlene Genugtuung. Der „Temps" dagegen erklärt, Briand sei mit diesen Veröffentlichungen ein schlechter Dienst erwiesen. Nach diesen von Deutschland bisher abgestrittenen Tatsachen sei es sehr schwer, die versprochene Aufhebung der Kontrolle durchzusühren. Am Spätnachmittag des 16. Dezember wurde durch Sonderausgaben der größeren Zeitungen Scheidemanns Reichstagsrede bekannt. Der Eindruck war niederschmetternd.
Die ßsamMkrhstt <$oMiften vsvSanssn OErms dss Sshside- marmMen AnMrtl-rsunsert.
Paris, 20. Dez. Der Parteioorstand der sozialistischen Partei hat heute beschlossen, den Exekuliv- ausschuß der sozialistischen Internationale um eingehende Prüfung der Anschuldigungen Scheidemanns im Reichstag über die russisch-deutschen Rüstungen zu ersuchen.
Easttsche BrüiievftkmmsN ruv deutMe« iKaNnettskEe.
London, 19. Dez. „Sunday Times" sagt in einem Leitartikel: Die Sache, um die es bei der deutschen Kabinettskrise geht, scheint bis zu einem gewissen Grade die ganze Frage des zukünftigen Regimes in Deutschland zu betreffen, nämlich die Frage, ob dieses Regime republikanisch oder royalistisch sein soll. Wenn die republikanischen Elemente die Oberhand gewinnen und eine Koalition der Mitte und der Linken gebildet wird, dann werden die jüngst in Genf gefaßten Beschlüsse, wo Dr. Stresemann einen hervorragenden Erfolg für sein Land erzielt hat, bekräftigt werden. Durch diese Beschlüsse ist die wirksame Durchführung der deutschen Abrüstung in erheblichem Maße, im guten Glauben auf die Vernunft des deutschen Volkes, diesem selbst überlassen worden. Wenn andererseits die Nationalisten die Oberhand gewinnen und eine Regierung der Mitte und der Rechten gebildet wird, dann besteht die Gefahr,. daß die monarchistische und militaristische Bewegung einen neuen Antrieb erhält.
Der „O b s e r v e r" schreibt: Der Sturz der deutschen Regierung unmittelbar nach Abschluß der ausgezeichneten Leistung, die Dr. Stresemann in Genf vollbracht hat, ist ein Beispiel für die Kurzsichtigkeit der Parteipolitik. Das Blatt spricht die Hoffnung aus, daß Dr. Stresemann an der Spitze der auswärtigen Angelegenheiten bleiben werde.
Präsidenten wurde Professor Smetona gewählt. Smetona hat den Eid auf die Verfassung geleistet und die Geschäfte übernommen. Zum Präsidenten des Sejms ist Stulginskas, vormaliger Präsident der Republik, gewählt worden. Kowno hat Flaggenschmuck angelegt.
«owno, 18. Dez. Der Führer der aufftänbifchei
Truppen, Generalstabsmajor Plechawitfchus, fordert heute durch einen Maueranschlag Smetona auf, das Amt des Staatsoberhaupte s zu übernehmen. In der Bekanntmachung heißt es u. a., daß die Armee sich zu der Umsturzaktion erst entschlossen habe, nachdem die authentischen Nachrichten über die Vorbereitungen der litauischen Kommunisten zu einem bolschewistischen U m sch w u n g in Litauen erhalten hätte. Der einzige Beweggrund der Aktion sei nur die Sorge um das Vaterland gewesen. Smetona hat auf die Aufforderung Plechawitschus z u st i m m e n d geantwortet.
Der neue Außenminister Woldemaras hat sich dem Korrespondenten der Lettländischen Telegraphenagentur gegenüber geäußert, die neue Regierung sei darauf bedacht, eine legale Form für den gegenwärtigen politischen Zustand zu finden. Ueber die Auflösung des litauischen Sejms sei ihm nichts bekannt. Die Beziehungen zwischen Litauen und Räterußland blieben unverändert. Die neue Regierung Litauens akzeptiere auch ihrerseits den bereits von der gestürzten Regierung abgeschlossenen Freundschaftsvertag mit der Sowjetunion.
Berlin, 19. Dez. Die hiesige litauische Gesandtschaft teilt mit: „Die Meldung der Funkstation Nauen, wonach zwei Regimenter zu den Kommunisten übergegangen seien, sowie Kämpfe um den Besitz des Grünen Berges bei Kowno stattfinden sollen, wird von der litauischen Gesandschaft kategorisch dementiert. Desgleichen wird die Meldung aus englischer Quelle, wonach der litauische allgemeine Arbeiterverband den Generalstreik proklamiert haben soll, entschieden in Abrede gestellt. In Litauen herrscht nach wie vor v o l l k o m- mene Ruhe und auch der Eisenbahnverkehr wickelt sich in durchaus normaler Weise ab.
SstoifAIenb soll von VEK sssanMsvi haben.
Paris, 19 Dez. Nach dem „Paris Soir" ist bet I Umsturz in Litauen für das französische Auswärtige ^.mt. teinesinea^ aekommen. Der frais
Regierung Man pör einigen Tagen dahin verständigt, daß der Ausbruch einer Revolution beoor- Hebe. Das Blatt sagt weiter, der neue Regierungspräsident von Litauen sei ein ausgesprochener Deutschenfreund. Es liege daher die Ver- mutung nahe, daß der Putsck« mit deutschem Gelde organisiert worden sei (!).
«SSfevves^ fü« die AZumuns des SlhertrSattdes.
London, 19. Dez. Der „Observer" schreibt: Das Wahrzeichen von 1927 sollte die Räumung des besetzten Gebiets sein. Es ist eine unnötige Drohung für die Harmonie Europas, daß deutsches Gebiet von den alliierten Truppen acht Jahre nach Kriegsende besetzt bleibt. Nachdem Deutschland Mitglied des Völkerbundes geworden ist, ist dies unerträglich. vor einem Jahr, haben die englischen Truppen Köln geräumt. Es ist Zeit, daß die anderen Truppen diesem Beispiel folgen.
Eine ÄttiovkushmrsskommrMott füv das Ersatz sefovdsvt.
Paris, 19. Dez. Der elsässische Abg. Seltz hat in der Kammer den Antrag eingebracht, eine parlamentarische Untersuchungskommission nach dem Elsaß zu entsenden, um dort eine Untersuchung über die in den beiden zurückgewonnenen Provinzen herrschende Unzufriedenheit und Verstimmung und deren Ursachen und Rückwirkungen zu veranstalten. Die Kommission soll nach dem Antrag aus 7 Senatoren, 11 Abgeordneten und drei Mitgliedern der Regierung zusammengesetzt fein. In der Begründung zu bem Antrag heißt es: „Die Mentalität in den drei durch den Friedensvertrag zu Frankreich zurückgekehrten Departements fahre fort, zu ernsthafter Beunruhigung Anlaß zu geben. Die seit dem Tage des Waffenstillstandes festzustellenden Differenzen, die die öffentliche Meinung des^ Grenzlandes erregten, hätten eine Lage geschaffen, die sowohl vom nationalen als auch vom internationalen Gesichtspunkt aus als außerordentlich ernst anzusehen sei. Schon zu Beginn des Jahres 1919 habe sich in den beiden Provinzen eine starke Unzufriedenheit bemerkbar gemacht, Die bekanntlich damals den Senat zur Entsendung einer Kommission veranlaßt habe. Die Kommission habe als einen Hauptgrund des Mißvergnügens den Wechsel der Verwaltung festgesteilt. der nach dem Enthusiasmus der ersten Wochen abfällige Vergleiche zur Folge gehabt habe, die du-ch die täglichen Schwierigkeiten und die Rivalitäten der politischen Parteien noch verschärft worden seien.
In der Zwischenzeit habe die Nervosität nicht etwa nachgelassen, sondern sich dauernd vergrößert mit dem Ergebnis, daß nicht mehr nur die Verwaltung allein, sondern das ganze Regime und Frank reich selbst Gegenstand der allgemeinen Erbitterung geworden seien. Die anfängliche Verdrossenheit habe zu einer konstanien und systematischen Opposition geführt, die im höchsten Grade beunruhigend sei. Die unmittelbar nach dem Kriegsende vergeblich angestrebte Harmonie zwischen der Landbvölkerung und den aus dem inneren Frankreich gekommenen Elementen fei beute geringer denn je.
Die Begründung fuhrt weiter aus, daß die Einleitung einer parlamentarischen Untersuchung bedeutend geringere Unzuträglichkeiten In sich berge als eine öffentliche Debatte von den Tribünen des Parlaments herab, die das Ausland zu Mißverständ- niisen und Fehlschlüssen verleiten müsse. Die Be-