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Senn

Samstag den 18. Dezember

Nr. 296

winden helfen. Die nächste Initiative liegt beim Reichspräsidenten.

DieK r e u z z e i t u n g" betont: Im Vorder­gründe auch der kommenden Verhandlungen über die Regierungsbildung wird der Schutz der Reichs­wehr stehen, die unter keinen Umständen der So­zialdemokratie ausgeliefert werden darf. Die große Fülle anderer politischer Erwägungen tritt davor zurück.

Auch dieD. A. 3 " erklärt, daß die Bereitschaft der Deutschnationalen zur Beteiligung an der Re- gierungsverautwortlichkeit unverändert andauere und daher Berücksichtigung als wesentlichstes Mo­ment der Verhandlungen erheische.

DerL o k a l - A n z e i g e r" hebt hervor: Daß der Kurs der Außenpolitik unverändert bleiben muß, wird von den meisten Parteien für selbstoer- üändlich gehalten.

DieTägliche Rundschau" sagt: Bei den gegenwärtigen politischen Verhältnissen ist es ganz unmöglich, eine Regierung unter Umgehung der Mitte zu bilden. Deshalb ist auch der Gedanke der Weimarer Koalition überhaupt nicht diskutierbar.

In derGermani a" heißt es, das Endresultat wäre also dieses: Peide Flügelparteien haben ge- ündigt und parteipolitische Bedenken über staats- rolitische Gesichtspunkte gestellt. Daraus ergeben sich ür das Zentrum bestimmte Richtlinien. Es ist in einen Entschlüssen völlig frei nach keiner Seite hin aebunden und kann seine Entschließungen in voller Unabhängigkeit fassen.

Das ,B. T." sieht den einzigen Ausweg aus der Krise in der Wiederherstellung derselben Koalition mit anderen Personen und mit dem Ziel, die Große Koalition später zu bilden.

DerVorwärts" schließt seine Ausführungen mit den Worten: Läßt sich das Zentrum nicht zum Bürgerblock zwingen, dann bleibt nur zweierlei: Es muß mit der Sozialdemo krasse regiert werden, oder der Reichstag muß aufgelöst werden.

Der Artikel derRoten Fahne" ist eine ein­zige Angriffssanfare gegen die Sozialdemokratie wegen deren Koalttionsbereitschaft.

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DieKölner Zeitung" schreibt: Die Krise schwächt die Regierung Inmitten aussichtsreicher außenpolitischer Verhandlungen und gibt keinerlei Anzeichen für eine verständige Neubildung eines lebensfähigen Kabinetts. Die Verantwortung für diese Krise trägt in erster Linie das Zentrum, weil es allein die Möglichkeit hatte, sie zu vermeiden. Die Deutschnationalen wären bereit gewesen, den so­zialistischen Angriff auf die Regierung abzuwehren, wenn ihnen das Zentrum für die kommende Zeit, nicht einmal für den Augenblick denn die Deutschnationalen waren bereit, das gefährdete Ka­binett bis Ende Januar zu tragen Sicherheit da­für geboten hätte, daß mit den Deutschnationalen über einen Eintritt in die Regierung verhandelt würde.

Gvrbeesevs Bezrebunsett rum AusmSetige»» Amt.

Bertin, 17. Dez. Im Reichstagsunter, suchungsausschuß über die Friedensmöglich- keiten führte Dr. Michaelis über die Beziehungen des Auswärtigen Amtes zu Erzberger aus:

Als ich das Reichskanzleramt übernommen hatte, fragte Erzberger mich, ob feine Stellung zum Auswärtigen Amt dieselbe bleibe wie unter meinen Vorgängern. Ueber das Maß seiner Mitwirkung wurde mir gesagt: Erzberger hätte eine Vertrauens- stellung, die nicht ohne weiteres zurückgezogen wer- den könne, wenn auch hier und da Bedenken ge­äußert würden. Ich habe u. a. die allgemeine Er­laubnis für Erzberger, Reifen ins Ausland zu un­ternehmen, in eine spezielle umgewandelt, so daß jede Reise der Zustimmung des Reichskanzlers be­durfte. Daß Erzbergers Beziehungen zum Vatikan besonders eng waren, bewies fol- Sender Vorgang. Ehe mir der Brief des Nuntius iacelli vom 30. August vorgelegt wurde, fragte Erzberger mich, ob ich diesen Bries bekommen hätte. Kurz darauf wurde mir der Brief amtlich vogelegt. Erzberger hatte also von der Absendung des Brie­fes an das Auswärtige Amt Kenntnis. Im übrigen kann ich über das Maß der Befugnisse Erzbergers und über die Art und Weise aus ihrer Kenntnis nichts sagen."

Herr von Kühlmann behandelte dann die e l s a ß- lothringische Frage. Man wollte dem Reichslonde weitgehende Selbständigkeit geben. Die Widerstände lagen aber in erster Linie bei der Obersten Heeresleitung. Ein weiteres Hindernis waren die Teilungspläne, wonach die Wittelsbacher das Elsaß, Preußen aber Lothringen bekommen sollten und als Graf Hertling Reichskanzler wurde, war die Autonomiehoffnung ziemlich begraben. Da von französischer Seite ausgesprengt wurde, die deutsche Regierung habe vertraulich zu verstehen gegeben, sie würde in der elsaß-lothringischen Frage weit entgegenkommen, muhten wir der Welt klar sagen: In territorialer Beziehung können wir keine Konzession machen. Von Kühlmann erklärte weiter, es habe kein Bruch mit der Kurie stattge­funden, auch der vertrauliche Meinungsaustausch sei nach der Papstnote fortgesetzt worden. Dutzende, vielleicht hunderte von Fäden hätten nach München und nach Rom geführt.Die Auslegung, als ob die Regierung Be'gien nicht freigeben wollte", so erklärte Kühlmann, muß ich zurückweisen. Der Reichskanzler hat mir darin niemals ein Hindernis in den Weg gelegt." Der Ausschuß vertagte sich dann auf den 20. Januar 1927,

Die deutsthenGachliesevuttSLn für Svankverch im Sahva 1923.

Paris, 17. Dez. Nach einer Agenturmeldung wer­den die deutschen Sachlieferungen im Jahre 1 927 für Frankreich sich auf 700 Mil- Konen Goldmark belaufen, und zwar sollen 50 000 tonnen Papier von Deutschland geliefert werden. Ferner wird die Ausbaggerung des Vorhafens von Le Havre mit Hilfe deutscher Techniker und mit beut« schäm Material fortgesetzt werden. Auch in dem Ha­fen von Bordeaux sollen Baggerungs- und Moderni- nerungsarbeiten vorgnommen werden. Aus Ham- burg wird ein Schwimmdock von 25 000 Tonnen hach Bordeaux geliefert werden. Außer den Arbei­ten die noch in anderen Gegenden oorgenommen werden, steht das Programm noch die Nutzbar­machung der Wasserkräzte, besonders in den Departe­ments Basses Alpes und Alpes Maritimes, vor. Der Plan hierfür soll von dem Technischen Komitee in einigen Wochen fertiggestellt sein. Man will jedoch vermeiden, daß die deutschen Sachliefsrungen die französische Produktion schädigen. Sollte dies ein­treten, dann würde die deutsche Mitarbeit auf die Inanspruchnahme deutscher Ingenieur« und deutscher Spezialarbeiter beschränkt werden.

âGDisUVÄO ist MismeN.

Memel, 17. Dez. Wie dasMemeler Dampf­boot" zuverlässig erfährt, ist heute nacht 3 Uhr d i e bisherige Regierung in kowno ge­stürzt und fest genommen worden. Sme­tona soll die Zügel der neuen Regierung fest in der hand haben. Das Militär stehe auf Seiten der neuen Regierung. Ueber Litauen ist der Kriegszustand verhängt worden. Rach einer Meldung desB. T." aus Königsberg i. Pr. besagt eine Proklamation der neuen Militär­regierung. daß sie gezwungen gewesen sei, die Regierung an sich zu reißen, weil die frühere Regie­rung und der Sejm Litauen an Polen ver­raten wollten.

Die Litauische Telegraphenagenkur teilt mit: Die Staatsgewalt ist auf die neue vorläufige Militärregierung übergegangen, die den Kriegs- !zuftand in ganz Litauen proklamiert und den . früheren Staatspräsidenten Smetona aufgefor- ! dert hat, die Stellung des Staatsoberhauptes zu übernehmen. Smetona hat dieser Aufforderung entsprochen. Der bisherige Staatspräsident Gri­nius ist interniert und alle Minister sind verhaftet worden. Zum Stadtkommandanten von Kowno ist Oberst Grigaliunas Glo - v a ck i s, der Führer der litauischen Faschisten, er­nannt worden. Der Umsturz hat sich ohne Blutver­gießen vollzogen. Jetzt herrscht überall Ruhe.

Riga, 17. Dez. Privaten Informationen aus Kowno zufolge ist der U mstu rz in Litauen seit langem vorbereitet worden, insbeson­dere in Geheimberatungen, die zwischen Offizieren, die mit den gegenwärtigen Zuständen unzufrieden waren, und Vertretern des Schützenkorps sowie des Verbandes der Kriegsfreiwilligen stattgesunden haben. Heute morgen um 3 Uhr erschienen vor dem Parlamentsgebäude, in dem der litauische Landtag gerade eine Nachtsitzung ab hielt, Truppenverbände; ein Offizier betrat in Begleitung mehrerer Soldaten den Sitzungssaal und verkündete von der Redner­tribüne, die Armee habe die Beseitigung des best ehenden Regimes beschlossen, das Litauen an die Bolschewisten und an andere Staaten ausliefern wolle. Die Armee nehme Besitz von der Staatsgewalt, er­kläre den Landtag für aufgelöst und das Landtags- präfibium für verhaftet. Leiter des Umstur­zes war Major Plechavicius, der erst kürzlich von der Prager Militärakademie nach Li­tauen zurückgekehrt ist und den faschistischen Kreisen angehört. Plechavicius, der mit Smetona verwandt ist, hat offiziell die Leitung des Generalstabs übernommen und sofort die Frei­lassung des jüngst verhafteten F a - schistenführers GrigoliunasGlovackis

Die Geeweesveimee Wmiiaâ vse GsEö.

Geschmack- und Taktlosig des Gerichtshofes ein Ruc

Landau, 17. Dez. Pünktlich um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende Oberleutnant Gilller mit dem bei den französischen Kriegsgerichten üblichen the­atralischen Zeremoniell den Prozeß Rouzier. Ein Blick in den Saal zeigt die über einer Flügeltür auf einem Sockel stehende Büste der Bavaria mit einer Schärpe in französischen Farben. Beabsichtigte Geschmack- und Taktlosigkeit, die auf die Einstellung des Gerichtshofes ein Rückschluß zuläßt? Bezeichnend ist, daß auch die französischen Pressevertreter von den übrigen getrennt, an einem besonderen, mit besserer Decke belegten Tische sitzen. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses werden der Hauptange- klagts Leutnant Rouzier in Uniform und die noch in Haft befindlichen deutschen Angeklagten Fechter und Kegel vorgeführt und ihre Personalien ausge­nommen. Die Angeklagten Arbogast und Köbler, die. vor den inquisitorischen Untersuchungsmethoden bet französischen Voruntersuchung in das rechtsrheinische Gebiet geflüchtet waren, sind nicht zur Verhandlung erschienen. Holzmann ist auf freiem Fuß. Mathes befindet sich bekanntlich immer noch in der Heidel­berger Klinik. Gegen ihn wird im Abwesenheits­verfahren verhandelt.

Nach erfolgtem Zeugenaufruf (44 Zeugen, die von der französischen Staatsanwaltschaft geloben sind, und 57 deutsche Zeugen, deren Ladung durch die deutsche Verteidigung erfolgte) wurde

die Anklage des Kapitäns Tropet verlesen, in der u. a. ausgeführt wird, daß

dem Angeklagten Unterleutnant Rouzier vorfäh- liche Tötung und vorsätzliche Körperverletzung zur Last gelegt werden.

Bei dem ersten Zusammenstoß in der Nacht zum 27. September am Ludwigstor in Germersheim mit Holzmann habe sich Rouzier nicht in Notwehr befunben. Weiter heißt es, daß Rouzier sich auch bei der Verwundung des Mathes nicht auf Notwehr berufen könne. Man habe den Eindruck, daß Rouzier feine gewöhnliche Ruhe verloren und ohne in Not­wehr gewesen zu sein, geschossen habe. Was den Müller ongèhe, der durch eine der letzten von Rou­zier abgegebenen Schüsse getötet worden ist, so könne hierzu erklärt werden, daß sein Tod in augen­fälligem Mißverständnis zu dem stehe, was er Rouzier hätte zufügen können. Zusammenschließend bemerkt der Staatsanwalt, daß das, was Rouzier verursacht habe, in offenkundigem Mißverhältnis zu dem stehe, was ihm durch Holzmann, Mathes und Müller zugefügt worden sei. Von Interesse find noch die Ausführungen des Staatsanwalts im Falle Klein, der unter dem falschen Verdacht, einen fran­zösischen Soldaten in der WirtschaftZum Engel" am Abend des 26. September geschlagen zu haben, verhaftet wurde, wobei, wie der Staatsanwalt be«

biefem Prozeß gleich zu Beginn festzulegen, damit sie wisse, welche Rechte ihr zur Verfügung stehen. Der Anklagevertreter sowie einer der beiden Ver­teidiger Rouziers, der Pariser Advokat Garcon er­hoben eggen den Antrag Grimms Einspruch und beantragte die Ablehnung. Garpon nahm hierbei einen sehr scharfen Ton an.

Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und oertünbefe, daß der Antrag des deutschen Rechts­anwalts Dr. Grimm abgelehnt wird, da die Kriegs­gerichte nur über Straftaten einer Person, nicht aber über privalrechlliche Schadenersahanspüche zu erkennen hätten.

Die Nachmittagssitzung wurde durch den

Sondernheimer Zwischenfall

ausgefüllt, der mit der Person des Hauptangeklagten Rouzier garnichts zu tun hat, dagegen dis Person des Mitangeklagten Josef Mathes als streitsüchtigen Burschen und Franzofenhasser charakterisieren sollte. Wie bekannt, kam es bei der Sondernheimer Kirch­weih in einer Wirtschaft zu einem Zwischenfall zwi- schen einigen Franzosen und mehreren Deutschen, da die Franzosen sich weigerten, das Tanzgeld zu be­zahlen. Als ein Franzose, der Unteroffizier Coumont, in die hintere Hosentasche griff, anscheinend, um sei­nen Revolver zu ziehen, versetzte ihm der Mitange­klagte Mathes mit einem Glas einen Schlag auf den Kopf, ohne aber den Franzofen weiter ernstlich zu verletzen. Der betreffende Franzose wurde dann von Mathes und dem ihm zu Hilfe eilenden Wilhelm Albert zur Tür hinaus gedrängt. Nach der Anklage soll nun der Deutsche Kegel an dieser Schlägerei be­teiligt gewesen sein, weshalb er am 26. November

von der französischen Gendarmerie verhaftet wurde. Kegel bestreitet dies auf das Entschiedenste, was um­somehr glaubhafter erscheint, als sich Kegel der fran­zösischen Gendarmerie freiwillig stellte und zwar einen Tag, bevor er im unbesetzten Gebiet heiraten wollte. Kegel hat eine außerordentliche Ähnlichkeit mit Wilhelm Albert, sodaß allem Anschein nach eine Verwechselung vorliegt. Dies kam im Laufe der Ver­handlung deutlich zum Ausdruck, als den franzö­sischen Zeugen, die in Kegel den Angreifer nicht bu stimmt erkennen konnten, ein Lichtbild des Wilhelm Albert die beglaubigte Reichsbannerkarte Vor­behalten wurde. Die französischen Zeugen erkannten in dem Dargestellten zum Teil den unschuldigen Ke»

e-

gel. Bei der Vernehmung des von der französischen Anklagevertretung als Zeugen aufgebotenenDa- men", die zum Teil Prostituierte sind, kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Anklagever- freier und der deutschen Verteidigung, da das Ge- richt an eine dieser übel beleumundetenDamen" die Frage richtete, was wohl nach der Ansicht der Zeugen geschehen wäre, wenn ihr Begleiter wirklich ein Franzose aewesen wäre. Mathes soll nämlich den deutschen Begleiter dieser Dame gefragt haben, ob er ein Franzose fei. Die deutsche Verteidiguna schritt energisch gegen diese Fragestellung ein und

So mußte man den Eindruck gewinnen, daß dem Anklagevertreter darum zu tun war, für die be­ginnenden Verhandlungen gegen Rouzier eine ge- wisse Stimmung zu schaffen, indem er zeigen will, rauflustigen Burschen" von Germersheim Bande Mathes" selbst die Saal zu der

Die Vormittaasverbandluna tonnte für den Aus­

merkt, Rouzier ein durchaus höchst bedauerliches

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Nach Verlesung des Ank'ageberichtes, die etwa eine Stunde in Anspruch nahm, warf Rechtsanwalt Dr. Grimm- Essen die Rechtsfrage auf, ob sich

die durch den Hauptangeklagten Rouzier verletzten daß d-e

Personen dem Verfahren als Nebenkläger anschlie- und dieLu....., |ctv|t uv feen tonnten. Er führte u a. aus, daß es wichtig Bluttat des Rouziers gelegt hätten, fet, die Rechtsstelluna der deutschen Derteidiauna in Die Vormittaasverbandluna tonr

gang des Prozesses Optimismus erwecken. Roüâ ist der vorsätzlichen Tötung und der vorsätzlichen Körperverletzung angeklagt. Wenn tatsächlich gesprochen werden soll, müße ein hartes Urteil er­wartet werden. Die Nachmittagsverhandlung M aber aus den angegebenen Gründen für einen je. rechten Ausgang des Prozesses zu Besorgnissen Anlaß.

angeordnet. Die Garnison von Schaulen hat sich der neuen Regierung angeschlossen. In Memcl ist alles ruhig. Der Kommandant von Memel hat außerordentliche Vollmachten erhalten.

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Nach einer Meldung desB. T." aus Königsberg ist die Grenze beiEydtkuhnen gesperrt worden. Während ganz Kowno sich in der Hand des Militärs der neuen Regierung befindet, ist der Grandberg von einem der Regierung treugebliebenen Regiment besetzt. Man erwartet Kämpfe.

Nach Informationen, die die litauische Gesandt­schaft in eBrlin in später Abendstunde aus Kowno erhalten hat, bewahrheiten sich die Gerüchte von Straßenkämpfen nicht. Die Regierung Smetona fasse festen Fuß. Ueber die weiteren Mitglieder der Re­gierung ist zunächst noch nichts bekannt, außer der Tatsache, daß der Direktor der politischen Abteilung im litauischen Ministerium des Aeußern Balutis in- terimistisch die Leitung der auswärtigen Angelegen­heiten übernommen hat. Zugleich wird kategorisch erklärt, daß die neue Regierung alles vermeiden werde, was zu einem Konflikt mit Polen Anlaß ge­ben würde.

Dole« nnd dss GMKèsfivsiO.

Warschau, 17. Dez. Die Nachricht von dem Um­sturz in Litauen ist hier in den frühen Nachmittags­stunden durch Berliner Telegramme bekannt gewor­den. Mehrere Blätter haben aus diesem Anlaß Extrablätter herausgegeben. In den Ueberschristen und den unter dem ersten Eindruck erfaßten, meist kehr kurz gehaltenen redaktionellen Notizen wird d i e Aktion Smetonas meist als polenfeind­lich und deutschfreundlich dargestellt. In volitischen Kreisen wurde die Nachricht von dem Komnoer Statsstreich selbstverständlich mit dem aller- größten Interesse entgegengenommen, zumal man sich hie- über die innen- und oybenrnWtf*^ Smetonas noch nicht recht orientieren konnte. Außen minister Zalosti ließ der Presse eine,Mitteilung zu­gehen, in der es heißt, daß die polnische Regierung die Ereignisse in Litauen in Ruhe verfolge, da sie da­mit rechne, daß die litauische Regierung keine Aus­schreitungen gegen die polnische Bevölkerung gestat­ten werde.

Ein üHSmßNm an dis Anf- siÄKdrMsrr.

Berlin, 17. Dez. Rach Meldungen derD. A. 3. aus Riga sollen Teile der Truppen, die zur al­ten Regierung stehen, nicht nur den grünen Berg, sondern auch die stärksten Forts, die die Stadt um­geben, beseht halten. Den Aufständischen ist ein Ulti­matum übergeben worden, die Stadt bis 6 Uhr abends zu verlassen.

RerGsb^ss und snsMchö ^Vh;s.

Berlin, 17. Dez. Zu den Meldungen über ben Ankauf englischer Kohle durch die Reichsbahn

Et das W. T. B. von unterrichteter Seite folgen,

Die Reichsbahn hatte bei dem angespannten : Kohlenbedarf infolge des Ausfalls der englischen i Kohle schon im Laufe des Jahres zugunsten be= j Exportes deutscher Kohle ihre Ansorderungen beim Kohlensyndikat verringert. Dieses geschah im Inte- - resse der deutschen Ausfuhrwirtschast. Als jedoch die Kohlenbestände so bedenklich heruntersanken, baf die Betriebsführung eine weitere Auffüllung oer­langte, trat die Reichsbahn an das Kohlenfyndikat mit dem Wunsche heran, ihr vermehrte Mengen von Kohle zuzuteilen. Vom Reichskohlenkommijsor wurde daraufhin verlangt, daß bei der Mehrzu. teilung von Kohle die Reichsbahn 10 Prozent bet Menge in Koks abzunehmen hätte. Dies mußte dH Reichsbahn ablehnen, da sie Koks für die Lokomotch- feuerung nicht verwenden kann. Niemals vor dem Kriege, auch nicht zusätzlich, ist Koks als Sofonintiin feuerung verwertet worden. Lediglich war als Noi- maßnahme in den letzten Jahren des Krieges M Lokomotivkohls Zusatz von Koks gemacht toorben, wodurch sich aber so viele technische Schwierigkeit?, in den Feusrbuxen in der Verschlackung der Rosh ergeben haben, daß die Reichsbahn auf keinen Fall noch einmal einen solchen Versuch unternehmen kann. Da die notwendig gebrauchte Kohle von bem Kohlenkommisiar uicht zu erlangen war, mußte auf ein zufällig sich ergebendes Angebot englischer Sohle zurstckgegriffen werden. Es handelt sich um 70000 Tonnen/Das kommt nicht an einen Zwsitaasbâs der Reichsbahn heran. Täglich verfeuert die Reichs bahn 40 000 Tonnen. Man muß hoffen, daß b« Streitfall zwischen der Reichsbahn rmd^ dem Reichs, kohlenkommisiar möglichst bald durch ein Entgegen- kommen des Kohlenkommissars beigelegt wird.

41m Ne MF^^âW.

Rewyork, 17. Dez. Dis gestrige Beratung des 0e sstzentwurfes über die R ü ck g a b e d e s d e u ts che« Eigentums in Amerika im Repräsentanten, Haus war zeitweise sehr erregt. Biele Abgeordnete verurteilten die R e g i eru n g sv o rlagc auf das heftigste, da sie einer Wegnahme des.be­schlagnahmten Eigentums gleichkomme unb befür­worteten dieuneinaefchränkte Rückerftai- t u n g des deutschen Eigentums. Ein Abgeordneiei erklärte, die Vereinigten Staaten müßten sich ledig­lich einer solchen Vorlage schämen, da sie ein, schmähliche Abkehr von dem amerikanischen Grund saß der Heiligkeit des Privateigentums im Kriegs­fall bedeute. Die Verwendung von Millionen aus dem deutschen Eigentum zur Zahlung amerikanischer Forderungen könne nicht anders als Konfiskation genannt werden.

LWMKÄSWSWtÄtz

Die OsBtKSW^ESN Hs'Wh &eW- MWdertssm

Berlin, 18. Dez. Wie das W. T. B. erfährt empfing Reichspräsident von Hindenburg heule normiffag den Frakkionsführsr der Deutschen Boltspartei Dr. Scholz zu einer Besprechung, in der die burch bte gestrige Abstimmung und den M> teils geschaffene Lage besprochen wurde. 3m An, schluß daran hat der Reichspräsident Führer der größten Parteien des Reichstages, Hermann Müllen Franken für die Sozialdemokraten, v Guerard B das Zentrum und den Grafen Westarp für W Deukichnakionalen *u sich gebeten. Diese Befpred» neu haben zunächst nur informatorischen Charakter Bon nukunkerrichketer Seite wird versichert, daß eist Beauftragung mit der Regierungsbildung W nicht in Frage kommt. Es ist anch nicht anzWV men, daß sie noch vor den Feiertagen erfolgt Vielmehr dürfte der Reichspräsident zunächst eiNM bis in den Monat Januar hinein warten, damit iS' zwischen die Verstimmungen, die aus der gestrige« Entwicklung entstanden sind, Zeit haben, ein« ruhigeren und sicheren Beurteilung Platz zu mache«.

KaVßfev Grammen FMM ^MkètÄits-

Paris, 18. Dez. Die französische Presse zeigt leb, haftes Interesse für die in Deutschland ausgebroW Regierungskrise. DasIourna l" schreibt: scheint daß die neue Krise in Deutschland die den Bücftriff des Generals von Seecft geschasste Lage vervollständigen werde. Die Linkspartei« hätten klare Stellung gegen die Reichswehr einge» nommen, deren eventuelle Beteiligung an einem Staatsstreich sie befürchteten. Es fei also eine innere Säuberung, die sich vorbereite. Diese innere Säub^ rung könne der Politik der Pazifierunq nur dieyM fein. DasOeuvre" schreibt: Man müsse Deutschland alles versuchen, um die Große KE lition zu verwirklichen, denn außer bien1 Konalition sei nur eine Rechtskoalition möglich, im Auslande Mißtrauen Hervorrufen werde, die-Rückkehr zu einer Gruppierung von gestern, auch unter der Leitung des Vvlkspartsilsrs nicht mehr wert fein werde, als die unter de« Katholiken Marx.

Eine -OfsseEvs 68»im Bmkand?

Pari«, 18. Dez. Die Demokrakifch-repubss kanifche Bereinigung, Gruppe Marin, Hal Tagesordnung angenommen, in der sie erklärt, va« das Parlament In vollkommener Unkenntnis ube die im einzelnen in Genf getroffenen Entscheidung« und über die auswärtige Lage sei. Die Grup?- fordert die Einberufung des Kammercmsfchusses W auswärtige Angelegenheiten. DieEre nouvw« erklärt dazu, daß eine indirekte Offensive gegen and von Louis Marin geführt würde und zwar Anregung von Millerand.

&$<& Seine VsAMquns vom Tode des mrsad»..

Paris, 18. Dez. Wie derMatin" feststellt, Ha­dis japanisch« Botschaft in Parts noch feine tigung von bem Tode des Mikado erhalten.