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GenevÄ Äktzeiger M»
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rw. 28$
Mittwoch de«
8. Deremv«
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VaS KsmsUs.
— In Genf ist es bisher zu keiner Klärung der ikonirollfrage gekommen.
— Das südslawische Kabinett hat demissioniert.
— ■ Coolidge hat sich in seiner Jahresbotschaft u. z Huch mit der Rückgabe des deutschen Eigentums beschäftigt.
— Die innerpolitische Lage wird durch die Lcholz'sche Rede in Insterburg als gespannt be- zeichnet.
ckrompromik in âmt?
Berlin.
7. Dez. Der e r w e i k e r l e
In einigen Meldungen aus Genf wird darauf hingewiesen, daß man sich dort einem Kompromiß zu nähern scheint. Da Frankreich bisher noch auf der Einsetzung ständiger Kontrollorgane im Rheinlande besteht und Deutschland diese Forderung als unvereinbar mit dem Artikel 213 des Versailler Vertrages ablehnt, so ist die Möglichkeit eines Kompromißes skeptisch zu beurteilen. Man sieht nur, daß die französische Politik bestrebt ist, die Entscheidung über die ganze Frage zu verschleppen, weil der französische Vorschlag nicht auf Annahme rechnen kann. Zu diesem Zweck braucht die Pariser Botschafterkonferenz ja nur zwei oder drei Streitpunkte in der Schwebe zu lassen. Die fran-
srakkionsvorstand der sozialdemokra-; zllsische Politik hat dann immer den Vorwand, daß tischen Reichslagssrakiivn hat heute beschlossen, die Dinge für die Zurückziehung der Militärkon- H h l I Q é n am Donners» trollkommisfion noch nicht reif st
bet Jtaum 0 0 r^ l ch 9 man allenfalls die Zurückziehung der Kontrollkom-
tag einen Mißtrauensantrag gegen die R.ichs» Mission für irgend einen Termin, regirrung elnzubringen. April, in Aussicht stellen, unter bi
* * daß bis dahin eine Verständigung
feien. So könnte
Mission für irgend einen Termin, sei es März oder April, in Aussicht stellen, unter der Voraussetzung, , daß bis dahin eine Verständigung über das Unter- Es handelt sich hierbei um eine Antwort i suchungsrccht des Völkerbundsrates erzielt ist. Das der Sozialdemokraten auf die gestern gemeldete wäre aber kein Kompromiß, sondern eine ganz Red. K der volksvarteiliche Abgeordnete Dr. offenkundige Verschleppung. Denn bei der nächsten Rede, die der vo lsparrenm)e Beratung wird die Schwierigkeit genau dieselbe sein
Scholz in Insterburg gehalten hat. ^"<5"^! ) mie diesmal und der Termin für Zurückberufung der
Hat Dr. Scholz eine Erklärung abgegeben, m > Mjlijgrkcmtrollkommission würde dann in der Luft der er die Feststellung macht, daß er nicht für j [cfjmèben. Die französische Politik wird sich unter die Fraktion gesprochen, sondern nur seine pri- ‘ allen Umständen damit abfinden müssen, daß vate Ansicht ausoedrückt habe. Diese Erklärung i Deutschland sich ständige Kontrollorgane anstelle der scheint bereits etwas beruhigend gewirkt zu Militärkontrolle nicht aufzwingen läßt. Tritt Frank- h-b-x. D-r ^““«ff "^ 8«"™« KM
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ziâldsmokratifchen Partei und daß seine heutige,
Irklärung an der Wirkung feiner Rede nichts! VMweGtMS.tE dSv dSSSiMSèS
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dem Scholzschen Vorstoß die Kraft zu nehmen, ■ mittag hier angetommen ist, scheint doch bereits und redet den Sozialdemokraten zu, sich zusentschekdende Beschlüsse ber Bo^schaf- überlegen, ob sie wirklich einen so weitgehen- ^rtor £ "
den und törichten Entschluß fassen wollten, wie ? ., -
£ im "Vorwärts: gestern angekündigt wurde. ^su ch e im H ° te l' M etr° p o le häufen sich. Die „Vossische Zeitung stellt fest, daz es wn- s»ach Bandervelde kam auch Masfigli in der einmal Herr Scholz ist, der alles tut, um das Hotel Metropole, der Sitz der deutschen Dele- die Große Koalikio zu verhindern. Die Quer«. gation. Scialoja hatte ebenfalls treibet.eien, schreibt das Blatt, der Abgeordne-! tropole eine längere Unterredung mit dem Rechtsten Scholz, Heinze und Kardorff gegen die berater der deutschen Delegation Dr. Gauß. — Nach Große Koalition sind nicht neueren Datums, der Stimmung der deutschen Delegation zu schließen, Ls ist eine ununterbrochene Kette von 1923 bis ^te """ag die Lage z.eml.ch op-
jetzt. Dr. Scholz und seine engeren Freunde in 1
Vorsitzenden des Finanzkomllees, Pospifil, des Vertreters der bulgarischen Regierung und der Regierungen Jugoslawiens, Rumäniens und Griechenlands behandelt. Vandervelde-Belgien erstattete den Bericht über die Frage und legte den Bericht des Finanzkomitees, sowie den ersten Bericht des Völker- bundskommitssars über die Maßnahmen Bulgariens vor. Er bemerkte, daß neuerdings auch die Privatinitiative der Rötenkreuz-Gesellschaften dem Werk der Niederlassung der bulgarischen Flüchtlinge zu Hilfe gekommen ist. Einige südamerikanische Rote- kreuzgesellschaflen, sowie das ungarische, das deutsche und das belgische Rote Kreuz beteiligten sich an der Arbeit. Ein belgischer Posten befände sich zwischen zwei deutschen, und er betrachte diese Annäherung als ein glückliches Zeichen für die internationale Solidarität'. Aus dem Bericht geht hervor, daß die Ansiedlung der Flüchtlinge nunmehr auch in den bisher verboten gewesenen Grenzgebieten mehr und mehr erleichtert wird. Nach einer langen Debatte, an der der Völkerbundskommissar sowie die Vertreter der Regierung und der Vorsitzende des Finanzkomitees teilnahmen, wurde der Bericht genehmigt.
Die Frage der U e b e r n a h m e der K o ft e n des Danziger Völkerbundskommißariats durch den Völkerbund wurde sodan dem Kontrollkomitee überwiesen, das einen Bericht über die Grundsätze erstatten soll, nach denen bisher die Kosten des vom Völkerbundsrat ernannten Kommissars verteilt worden sind. Der Präsident der Freien Stadt Danzig, Sam, setzte sich für den Antrag des Völkerbundskommissars und für die vom Berichterstatter vorgeschla- gene Regelung ein. Er hob hervor, daß Danzig der einzige Staat sei, der unter dem Schutz des Völkerbundes stehe und daß es also gerechtfertigt wäre, wenn der Völkerbund auch für die Kosten des Dan- ziger HLölkerbundskommilsars auftomme, der ohnè- hm mehr eine schiedsrichterliche Tqiigkeit ausübe.
Der aus der letzten Volkerbundsversammlung
Die die Partei gegenüber den Kommunisten eingenommen hat und die ihr jedes Rückgrat nach links geraubt hat. — Die „Kreuzzeitung" sagt: „Die Sozialdemokratie h.lt den Augenblick für gekommen, die Zwangs- jacke der Vereinbarungen mit den Regierungs- Parteien, die ihrer Demagogie gewisse Hemmungen auferlegten, von sich zu werfen. Anlaß dazu bietet ihr die Rede des Fraktionsführers der Deutschen Volkspartei, der in Insterburg offen herausgesagt hat, daß mit der Sozialdemokratie nicht Zusammengearbeitet werden könne, und daß die große Koalition schon deshalb unmöglich sei, weil sie keinen Bestand haben würde. Die Feststellung solcher elementarer Wahrheiten sind für die sozialdemokratische Partei Provokationen, woraus unter anderen hervorgeht, daß sie Wahrheiten nicht vertragen kann. Die Sozialdemokratie läßt nicht von ihrem Va-banque-Spiel, das auf die Verschüchterung und Aengstlichkeit der Mittelparteien baut, dürfte sich aber verrechnen, denn die Gewinchancen werden immer geringer.
Gcherdematm übsv die AaSirrttg dsv GosraidemsSvaiks.
München, 7. Dez. In einer Versammlung der Münchener sozialdemokratischen Partei betonte Reichstagsabgeordneter Scheidemann in einer Rede, daß die Sozialdemokratie als Volkspartei die grundsätzliche Forderung zur Beteiligung nicht bloß an den Regierungen der Länder sondern auch an der Reichsregierung erhebe. Recht scharf wandte sich Scheidemann gegen den volksparteilichen Abgeordneten Scholz wegen seiner Insterburger Rede und erklärte, die Sozialdemokratie habe die bisherig« Regierung toleriert und mit ihr Tuchfühlung genommen. Wenn die Deutsche Volkspartei nicht von den Erklärungen des Aba. Scholz abrücke, fei es mit der Tolerierung und der Tuchfühlung _ vorbei.
: konfe renz mitgebracht zu haben. Denn es entwickelte sich heute mittag zwischen den Hotels der Delegationen ein lebhafter Verkehr; besonders die
bekannte Antrag auf Einführung des proportionalen Wahlrechts für dis nichtständigen Mitglieder zum Völkerbundsrat gab Anlaß zu einer feh^
ir witzigen
Nach Bandervelde kam auch M a s s i g l i in
im Hotel Me-
der Koalition wollen den Bürgerblock. Aehnlich Aß? jRsüVvVövajUNK vöv SKN§- nimmt das „B. T." Stellung, betont aber, daß
65 sich um keine programmatische Erklärung
WSOjeZsttsöLZsrz
es na) um reine pwgrammait^e ^ruurung ift auf Mittwoch verschoben worden, während am der ^.olkspartei handle; vielmehr hielten sehr Dienstag vormittag lediglich eine Besprechung zwi- emflußreiche Kreise dieser Parier daran fest, f^en .... 2.. S..I_________ st-tti-.T.
daß die gegenwärtige Situation ein Zusam- Es scheint keinem Zweifel zu Unterliegen, daß Van-
„ „ „ , Besprechung zwi-
Vandervelde und Dr. Stresemann stattfand.
menxehèn mit den Sozialdsmokraten von Fall zu Fall notwendig mache und daß so auf dem
scheint keinem Zweifel zu unterliegen, daß Van-
dervelde den Auftrag hatte, Stresemann zu veranlassen, dem Jnvestigationsprfotokoll unter Vorbehalt
Wege über die stille Koalition die Große Koa- °^r spaten Abänderung von Einzelbestimmungen Won vorbereitet werden müßte. Das Blatt ^r^ Ä loS?^ teiÜ übrigens mit, daß der Vorstand der sozial- wird, da wie deutsche Delegation in Uebereinstim- demokratischen Fraktion und die Fraktion selbst mung mit dem Kabinett und dem Parlament ent- Donnerstag zusammentreten werden. Fer- schloßen ist wird anaekündiat, daß voraussichtlich eben- lehnen, mit
am
"er wird angekündigt, daß voraussichtlich eben
mung mit dem Kabinett und dem Parlament ent-
Debatte, in deren Verlauf Chamberlain u. a. fragte, welchen Sachverständigen man denn die weitere Prüfung übertragen wolle, cw etwa diejenigen Regierungen als besonders sachverständig angesehen werden sollten, die durch das Proportionalwahlrecht am Regieren verhindert werden? Briand erklärte, er habe in seiner Jugend einmal eine sehr gute Rede für bas Proportionalwahlrecht gehalten, deren Argumente sicherlich heute noch stichhaltig wären. Aber er sei daraufhin mit samt seiner Regierung vom Parlament gestürzt worden. Die Frage wurde schließlich auf eine spätere Sitzung vertagt.
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Nach Schluß der heutigen Ratssitzung wurden die Besprechungen unter den beteiligten Ministern über die Kontrollfrage fortgesetzt. Es ist in Aussicht genommen, daß der Generalsekretär der Botschafter- konferenz, M a s s i g l i, heute abend nach Paris zurückreisen soll, um der Botschafterkonferenz neue Instruktionen zu überbringen. Eine gemeinsame Besprechung der fünf am Rheinlandpakt beteiligten Mächte wird aber wahrscheinlich nicht vor morgen stattsind en.
Mne MtskAStAg in Genf evriett?
falls am Donnerstag eine gemeinsame Be- pene neue K Brechung der Regierungsparteien über die - Sen°m®
st, die „elements stables" ebenso ab zu. e eine von französischer Seite vorgeschla.
ene neue Kontrollmethode, die man mit Deutsch
vcholzfche Rede stattfinden soll.
Die volksparteilichen Blätter unterstützen das Verhalten ihres Führers.
„Die „Tägl. Rundschau" schreibt: Der „Vor- »ärts" sieht in der Insterburger Rede des "olksparteilichen Führers Dr. Scholz eine Kriegserklärung an die Sozialdemokratie und irklärt dazu: „Die Sozialdemokratie nimmt sie
In Wahrheit kann man weniger von ">ner Kriegserklärung als von den beiden letzten Silben dieses Wortes, einer „Klärung", sprechen. Daß diese sehr notwendig war, wird nur innerhalb der Volkspartei, sondern ebenso bestimmt auch von Angehörigen anderer bürgerlicher Parteien zugegeben werden. Ja, ^ möchten glauben, daß die Sozialdemokratie Wst im Grunde des Herzens froh ist, daß d'esks Dort, besten Richtigkeit sie durch ihr ugenes Verhalten längst gründlich bewiesen M, endlich von anderer Seite gesprochen wor- ?" ist. Kon irgendeiner Seite muhte einmal ^sprachen werden, daß es zum mindesten
Frage der Arbeitszeit keine Brücke Eichen Volkspartei und Sözialdemökartie Denn es Zeiten gegeben hat, in denen "och hoffen konnte, daß die Sozialdemo- trotz Festhaltens an ihren Parteigrund- sich in der praktischen Politik wenigstens oen Boden der Berfastung stellen und so Ustn könnte, die notwendigste Mehrheit in >,?ok"sfragen der Ration gegenüber der durch w "tutschnationale Opposition an der unrech-
)alb des Versailler Vertrages verein- i baren möchte. Deutschland wird es nach wie vor ! ablehnen, über den Versailler Vertrag gehende Kontrollorgane anzuerkennen, bi
; hinaus- ia man in
dieser Hinsicht die schlechtesten Erfahrungen, beispielsweise mit der Rheinlandkommission, gemacht hat. Diese war als Art Viermännerkollegium mit einem kleinen Stab von Hilfsbeamten gedacht und hat sich mit der Zeit zu einer Instanz entwickelt, deren Unterorgane sich über das ganze Rheinland erstrecken.
Es ist kein Zweifel: die deutsche Außenpolitik wird in diesen Tagen einer starken Belastungsprobe ausgesetzt. Man wird gut daran tun, wenn man sich in Deutschland von vornherein keinen Illusionen hingibt. Die von Frankreich ausgehende Propaganda zur Beeinflussung der Weltmeinung wird die deutschen Nerven auf eine harte Probe stellen. Wenn für Deutschland ein günstiges Ergebnis dieser Verhandlungen herauskommen soll, so ist es vor
Die „Vossische Zeitung" bringt heute morgen einen sehr optimistisch gehaltenen Be '' aus Brüssel, der, wie es in der Meldung heißt, scheinend auf von Dandervelde in Brüssel eingetroffene Nachrichten zurückzuführen ist. In der Konferenz am Montag, an der Vandervelde, Briand, Chamberlain und Stresemann teilgenommen haben, soll in der Frage der Festsetzung des Termins für die Zurückziehung der internationalen Kontrollkommission dahin Uebereinstimmung erzielt worden sein, daß die Kommission so rasch wie möglich aus Deutschland abberufen werden soll. Die Frist, über die gesprochen wurde, habe zwischen acht Tagen und zwei Wochen geschwankt. Der Beschluß der Auf-
Bericht
an»
allem notwendig, daß in diesen Tagen sowohl unsere Unterhändler als auch die Presse ruhig Blut und kühle „ „
als auch die gesamte deutsche und kühle Üeberlegung be-
wahren.
M«e ^ffettiMe rraiSWuns.
Genf, 7. Dez. Der Völkerbundsrat hat heute nach- mittag in öffentlicher Sitzung, an der das deutsche Ratsmitglied Stresemann durch den Staatssekretär v. Schubert vertreten traf, die Frage der bulgarischen Flüchtlingsanleihe in Anwesenheit des Völkerbundskommissars in Bulgarien, Charron, des
Hebung der Militärkontrolle werde nicht davon abhängig gemacht werden, ob Deutschland bereits alle übernommenen Verpflichtungen zur Zufriedenheit der Gegenseite erfüllt hat. Die Westmächte hätten zur deutschen Regierung Vertrauen genug, daß sie die in Genf gemachten Zusagen bezüglich der Befestigungsanlagen Königsberg und der militärischen Gebäude einhalten werde, auch wenn die interalliierte Kommission nicht mehr bestehe. In der Frage der Uebernahme der Kontrolle durch den Völkerbund solle nach den in Brüssel vorliegenden Mitteilungen Bandervelde, Briand und Chamberlain dem deutschen Standpunkt entgegengekommen sein. Die Juristen der beteiligten. Mächte seien beauftragt worden, eine Formel auszuarbeiten. Die interalliierte Militärkontrolle würde darnach unmittelbar durch die Kontrolle des Völkerbundes ab- e werden, die nur auf besonderes Verlangen des rbundsrates einzusetzen hätte, ohne daß die Einrichtung ständiger Kommissionen geschaffen würde.
ten Stelle gründlich verfahrenen Lage zu Kamps? in wichtigen Fragen bevor, die mit der schaffen, so hat sich längst gezeigt, daß man Sozialdemokratie nun einmal nicht zu diese Hoffnung begraben muß. Es stehen uns lösen sind, besonders bet der Haltung,
besonders bet der Haltung,
um Kampf gegen ......„-------„. — -03---------
rratie fei zur Mitarbeit an der Regierung bereit, aber auch zum äußersten Kampf entschlossen.
Gkne GVMZSUAS von Dv. Scholz.
Königsberg, 7. Dez. Veranlaßt durch die Auslegung, die dèr „Vorwärts" feinem.Bericht über die Insterburger Rede des Reichsminister a. D. Dr. Scholz gegeben hat, äußerte sich Dr. Scholz auf Anfrage der Redaktion der „Königsberger Allgemeinen Zeitung" folgendermaßen: Die Erregung sozialdemokratischer Kreise über meine im engeren Kreise der Vertrauensmänner meiner Partei in meinem Wahlkreise gemachten Ausführungen zur Frage der Regierungsbildung ist mir umso unverständlicher, als ich eingangs dieser Darlegungen ausdrücklich betont habe, daß die Deutsche Volkspartei entsprechend ihrer bisherigen Haltung auch zu Verhandlungen über die Große Koalition durchaus bereit ist. Die grundsätzliche Auffassung der Deutschen Volkspartei über die Frage der Regierungsbildung ist in dem allgemein bekannten Fraktionsbeschluß'vom 12. Januar 1924 festgelegt, an dessen Grundlagen sich nichts geändert hat. Daß ich persönlich die Absicht eines etwaigen faktischen Zusammengehens mit der Sozialdemokratie unter den augenblicklichen Umständen skeptisch beurteile, das auszusprechen, ist mein gutes Recht, das mir wohl nicht bestritten werden kann.
Der Parteibeschluß, auf den sich der Abg. Scholz in der obigen Erklärung bezieht, hat folgenden Wortlaut: Das Ziel der deutschen Innenpolitik muß die Volksgemeinschaft sein. Sie setzt den Ausgleich der politischen und gesellschaftlichen Gegensätze und die Zusammenfassung aller Strafte zur Erreichung der äußeren Freiheit und inneren Ordnung und Gerechtigkeit voraus. Sie bedeutet deshalb im Grunde dasselbe wie die nationale Einheit. Die sogenannte große Koalition war noch nicht zu erreichen, wohl aber den Weg zu diesem Ziel. Das taktische Zusammengeben mit der Sozialdemokratie wurde von der Reichstagsfraktion in der Heidelberger Erklärung im September 1921 gutaehsißen. Am 12. August 1923 wurde die „große Koalition dementsprechend die Grundlage für das Kabinett Stresemann. Sie scheiterte am 7. November 1923, nachdem die Vereinigte Sozialdemokratische Partei ein Mißtrauensvotum gegen das Kabinett Stresemann eingebracht hatte, weil sie sich den Maßnahmen zur Wiederherstellung der inneren Ordnung und zur wirtschaftlichen Gesundung des Reiches widersetzte. Die V. S. P. D., die seit der Fusion der Sozialdemokratischen Partei mit der früheren Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei unter den Einfluß des radikalen linken Flügels geraten war, hat nicht die Kraft aufgebracht, von sich aus die Verbindung der Partei in den einzelnen Landesteilen mit der Kommunistischen Panel zu lösen. Sie hat damit den Beweis erbracht, daß mit ihr in der jetzigen Zusammensetzung und bei ihrer 11 nab« Hängigkeit vom Radikalismus im eigenen Sage« eine fruchtbare Reichspolitik nicht getrieben und eine Volksgemeinschaft nicht erreicht werden kann. Das taktische Zusammengehen mit der Sozial- demokratie hat übrigens niemals etwas geändert an der grundsätzlichen Einstellung der Partei auf Bekämpfung der Sozialdemokratie, einer Bekämpfung, die den Grundsätzen des Parteiprogramms bet Deutschen Volkspartei entspricht. Nachdem die Groß« Koalition im Reiche durch die Politik der V. 8,