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. „ Der Reichstag befaßte sich in seiner, gestrigen Sitzung mit der Erwerbslosenfürsorge.
— Im preußischen Landtag hat gestern Innenminister Grzesinski seine erste Rede als Minister gehalten.
— Die Verhandlungen zwischen der österreichischen Regierung und den Bundesangestellten sind erneut gescheitert.
— Der italienische Ministerrat hat scharfe Maßnahmen zur Sicherung des faschistischen Regimes beschlossen.
— Aus Peking wird gemeldet, daß die Hafenarbeiter von Kanton beschlossen haben, sich vom nächsten Monat ab zu weigern, englische Waren auszuladen.
— Die Besprechungen Baldwins mit den Bergarbeitern werden heute fortgesetzt werden. Das Kabinett wird heute eine Sitzung abhalten. Ein
Bergarbeitervertreter erklärte, die Lage sei aussichtsreicher denn je. Die Beendigung des Konflikts hänge von der Antwort der Gegenseite ab.
svankvekh und Maliern
Auch wenn man die antifranzösischen Kundgebungen der faschistischen Kreise Italiens, die durch das neueste Attentat auf Mussolini in
haben tiottën
so starkem Maße hervorgerufen wurden, in ihrer politischen Bedeutung nicht allzu hoch bewerten will, so steht doch das eine fest: sie ill genug die zwischen den beiden Na- 'stèhende Spannung beleuchtet. Und tdelt es sich dabei weniger um eine
und darum nur bei Explosionen der nationalen Leidenschaften sichtbar werdenden Spannung. Der „siegreiche" Krieg hat in beiden so leicht erregbaren romanischen Nationen den im-
Line jede muß in der anderen den gefährlichen Nebenbuhler erblicken und ihre machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen müssen in diesem eng begrenzten Raum hart aufeinander stoßen. Nur unter englischem Druck hat Mussolini, wenigstens vorläufig, davon
e Marokkofrage aufzu^
;d)en auf
hat Mussolini, wenigst
Abstand genommen, die
rollen, ohne allerdings ein völliges Desinteressement Italiens an der Tangerfrage zu erklären. Er hat weiter den Augenblick der spanischen Verärgerung über die Haltung der Pariser Politik in der Marokkofrage dazu zu benutzen verstanden, Madrid für den Abschluß eines spanisch-italienischen Bündnisses zu gewinnen, das schon seiner ganzen Entstehung statt) nur gegen Frankreich sich richten kann.
Zäh und unentwegt arbeitet die italienische Politik weiter daran, Frankreichs Machtstellung auf dem Balkan zu brechen. Das ita- : lienisch-rumünifche Bündnis war der erste Erfolg in dieser Richtung. Durch sein Verspre- . chen, als Vermittler in der bessarabist' Frage zwischen Rumänien und Rußland । zutreten, hat Mussolini es geschickt verstanden, Bukarest fester mit Rom als mit Paris zu verbinden, und zwar mit solchem Erfolg, daß letzt auch die franzosenfreundliche Opposition für Avarescus Jtalienschwenkung gewonnen ist Der aus seinen früheren Besuchen in Rumänien wohlbekannte General Bodoglio befindet sich gerade gegenwärtig wieder in ’ geheimer Mission in Rumänien, und man darf annehmen, daß durch ihn besonders die Verhandlungen über Bessarabien in ein akuteres Stadium gebracht werden. Doch Bodoglio hat noch weitere Auftrage und sie gehen, so weit darüber etwas verlautbart ist, auf nichts Geringeres, als auf die Vorbereitung einer rumänisch-ungarischen Entente. Gelingt der italienischen Politik die Aussöhnung dieser benachbarten Staaten, dann ist das Ende der Kleinen Entente gekommen. Denn bekanntlich die Kleine Entente Ungarns wegen geschaffen worden. Also auch auf Ungarn richten die neuesten Pläne der römischen Politik, und es stimmt damit zusammen, daß von Jta- nen aus ■ mit aller Energie gegen die jugo- flawifchen Absichten gearbeitet wird, Ungarn einen Freihafen in Spalato zu eröffnen. Wenn unmer wieder den Ungarn von italienischer todte klar gemacht wird, daß nicht Spalato, andern Triest oder Fiume für sie der natür- 'che Hasen ist, so geschieht das nicht nur aus wlrtfchafilichen Bedenken allein, sondern es Men dahinter auch deutliche politische Ab- ilchten, die Ungarn eben an Italien fester
GtthevhettstnaSnahmen Ln Statten.
Rom , 5. Nov. Der Blinifferrat von heute vor- mittag Hal folgende Maßnahmen beschlossen:
1. Revision aller für Reifen ins Ausland gegebenen Genehmigungen und Annullierung aller bereits ausgegebenen Pässe am 9. November mit Ausnahme derjenigen, deren Besitzer sich augenblicklich im Ausland befinden.
2. Festlegung schwerer Strafen für alle diejenigen, die versuchen, das Land ohne ordentlichen Paß zu verlassen, oder die den Versuch, das Land zu verlassen, unterstützen. Es besteht die Verpflichtung, auf solche Personen zu schießen, die das Land über nicht zugegebene Grenzen zu verlassen trachten.
3. Verbot aller Tageszeitungen oder Zeitschriften, die gegen das Regime sind, auf unbestimmte Zeit.
4. Auflösung aller Parteien, Bereinigungen und Organisationen, die eine gegen das Regime gerichtete Tätigkeit ausüben.
5. Einrichtung des Zwangsaufenthaltes für diejenigen, die die offene Absicht ausgeführl ober kundgegeben haben, Handlungen zu begehen, die darauf abzielen, die sozialen, ökonomischen ober nationalen im Staate gebildeten Gefüge gewaltsam abzuändern oder die Sicherheit des Staates zu gefährden ober den Anweisungen der Staatsobrigkeit Widerstand ober Hindernisse zu bereiten.
6. Androhung schwerer Strafen gegen alle, die ohne Berechtigung öffentlich die Uniform ober das Abzeichen von Vereinigungen ober Institutionen tragen, besonders aber die Uniform und die Abzeichen der Organisationen des Regimes.
7. Einrichtung einer politischen Polizei bei jedem Legionskommando der Miliz.
Bei der Beratung der neuen Maßnahmen zum Schutze der öffentlichen Ordbung legte der Justiz- minister im Ministerrat einen Gesetzentwurf vor, in dem unter Abänderung der betreffenden Paragraphen des Strafgesetzbuches für Anschläge auf Leben und Freiheit der Mitglieder des Königshauses und des Chefs der Regierung, ferner für die unter den Begriff des Landesverrats fallenden Verbrechen und für bewaffneten Widerstand gegen die Staatsgewalt, sowie Ausschreitungen gegen sie die Todes strafe vorgesehen wird. Die Verteidigung solcher Verbrechen in der Presse, die Neubildung politischer Verbände und die Propaganda für solche Verbände werden mit Zuchthausstrafen, die sich zwischen 5 und 15 Jahren bewegen, belegt.
knüpfen sollen. Mit einem italienfreundlicken Rumänien und einem italienfreundlicyen Ungarn aber hat Rom auch Jugoslawen in seiner Hand, die letzte Stütze Frankreichs auf dem Balkan.
In Belgrad beginnt man auch bereits die Bedeutung des italienischen Vorgehens zu erkennen, und wie Belgrader Pressestimmen es verraten, ist vielleicht die Zeit einer Umorientierung der jugoslawischen Politik nicht fern, was nur heißen kann, daß Belgrad sich in der Tat gezwungen sehen wird, von Paris abzurücken und sich Rom zu nähern, um zu verhindern, daß es isoliert wird. Jedenfalls hat sich die Belgrader Regierung bereits an England gewandt mit der Anfrage, ob London bereit sein würde, Jugoslawien bei einer Neuorientierung seiner Politik zu unterstützen. Man sucht bei England, dem Freunde Italiens, Schutz, falls man genötigt ist, dem italienisch. a Druck nachzugeben, und das ist bezeichnend genug. Zu all diesen italienisch- französischen Gegensätzen auf dem europäischen Kontinent kommen nun noch die Schwierigkeiten, die sich aus dem Verhalten Frankreichs den italienischen Kolonisten in Tunis gegenüber ergeben, dazu der kolonisatorische Äus- dehnungsdrana Italiens in Nordafrika, besonders in Abessinien. Frankreich sieht sich auch hier überall bedroht und die französische Anschauung, daß Nordafrika eine Domäne Frankreichs sei, passen wenig mit den in gleicher Richtung gehenden italienischen Forderungen zusammen.
Kurz, ein neuer Kampf um das Mittelmeer ist im Gange, und die französische Position wird dadurch nur schwieriger, daß Mussolini das englische Interesse an einer Zurück- drängung Frankreichs im Mittelmeer geschickt in seine politischen Berechnungen einzustellen gewußt hat. Die Gemeinsamkeit der englischen und italienischen Interessen ist genugsam durch die Zusammenkünfte des Duce mit Chamberlain in Rapallo und in Livorno gekennzeichnet worden. Die Situation ist also fraglos als gespannt zu betrachten und es ändert daran nichts, daß Mussolini sich eifrig in der letzten Zeit um eine Zusammenkunft mit Briand bemüht hat. Wahrscheinlich liegt die Ursache
Rom, 5, Nov. In dem Entwurf zum Schutze des Staates wird weiterhin für die Verbreitung falscher Nachrichten über die innere Lage des Staates und die Entfaltung einer dem nationalen Interesse schädlichen Tätigkeit eine Strafe von 5 bis 15 Jahren Zuchthaus vorgesehen. Eine Verurteilung in contumaciam schließt den Verlust des Bürgerrechts und eine Konfiskation des Eigentums in sich. Die Wirkungen eines Urteils in con- tumacium hören im Falle der Verhaftung des Verurteilten auf. Ein Bürger oder Ausländer, der im Auslande die im Gesetz angeführten Verbrechen begeht, wird aufgrund dieses Gesetzes in Italien bestraft und abgeurteilt, auch wenn im Auslande schön ein Urteil gegen ihn ergangen, ist. Die Aburteilung der ausgeführten Verbrechen untersteht einem Son- dcrgericht aus je 5 Offizieren aus der Miliz unter dem Vorsitz eines Generals aus der Miliz.
Der Gesetzentwurf wurde vom Ministerialrat a n - genommen.
Jum MteAtai aus Musssüur.
Die Familie Zambonis verdächtig.
R o m, 8. Nov. Bel der Untersuchung des Attentats in Bologna hak sich, den Blattern zufolge, der Verdacht verdichtet, daß der Urheber des Attentats von Angehörigen seiner Familie zu der Tat auf- gereizt worden sei. Andere Blätter behaupten, daß die Anstifter sich einer Frauensperson bedient hätten. die den Täter zum Attenal aufgeforbert habe. Der Revolver, mit dem die Tak vollbracht wurde, gebürt, den Blättern zufolge, dem Bruder des Täters, dessen Reise nach Mailand am Tage der Tat ebenfalls als verdächtig bezeichnet werde.
Mussolini übevukMmi dasSnnen- mtnruvvsum.
Rom, 5. Nov. Im Ministerrat teilte Mussolini mit, daß Federzoni und Discalea ihn gebeten haben, ihre Demission als Innenminister bezw. Kolonialminister anzunehmen. Mussolini hat die Demission angenommen und dem König vorgeschlagen, Federzoni zum Kolonialminister zu ernennen. Das Innenministerium übernimmt Mussolini. Der Ministerrat beschloß außerdem, einen umfangreichen Wechsel in der Besetzung der Posten der Unterstaatssekretäre vorzunehmen a
Zusammenkunft mit Briand weniger in der Absicht, die überall im Mittelmeer zutage tretenden italienisch-französischen Gegensätze aus- Thoiry-Politik
zugleichen, als damit in die T, , . einzugreifen. Das hat man denn auch in Paris richtig erkannt und hat sich vorläufig wenig entgegenkommend zu Mussolinis Plan einer Besprechung mit Briand gezeigt. Man gab Rom deutlich genug zu verstehen, daß man sich von dieser Seite aus in politischen Fragen, die in erster Linie Frankreich angehen, nicht stören lassen wolle. Rom könnte Frankreich auch allenfalls nur gewinnen durch ein Nachgeben in seinem imperialistischem Drängen, aber mit Recht mißtraut man Mussolini in dieser Rich
tung, wie das die ironisierenden Aeußerungen der Pariser Presse erkennen lassen, daß Italien erst einmal zeigen müsse, was es Frankreich bieten wolle. Daß allerdings die Unterredung zwischen Briand und Mussolini über kurz oder lang kommen wird, ist sehr wohl anzunehmen, und sie wird vielleicht gerade durch die jetzt so akut gewordene Spannung beschleunigt. Denn sehr richtig schrieb die Pariser Presse, daß bald etwas geschehen müsse, um weiteres Unheil zu verhüten. Daß aber diese Unterredung zwischen dem Duce und dem französischen Außenminister mehr erreichen wird, als eine vorläufige Beruhigung dèr Gemüter, ist nicht anzunehmen.
Suv kaialonlsche« Vevschwövung.
Paris, 5. Nov. Die Zahl der in Gewahrsam genommenen katalanischen Separatisten beträgt, wie die Havasagentur aus Perpignan berichtet, 23 Italiener und 102 Katalonier. Aus den Aussagen bei den noch immer andauernden Verhören habe sich er= geben, daß man seit einem Jahre dieses Komplott vorbereitet und daß die Beziehungen zwischen Gari- baldisten und Katalonier durch den ehemalischen General der faschistischen Miliz, Beltramie, angeknüpft worden seien, der sich unter den in Perpignan verhafteten Personen befindet und der sich von Mussolini getrennt habe, als dieser begann, die Freimaurerlogen zu bekämpfen. Nach den Aussagen der Verhafteten soll sich ergeben haben, daß die Gelder für die Verschwörung hauptsächlich aus dem Auslande stammten. An Waffen find bisher gefunden worden: Gewehre, Pistolen, ein Maschinengewehr, mehr als 100E Patronen und zwei Kilo (dauere Bomben.
Die Gvwevbslosensvase im Rslibsias.
Berlin, 5. Nov. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Reichstages steht der Bericht des Sozialpolitischen Ausschusses über die Erwerbslosenfürsorge. Der Ausschuß, für den Abg. Brey (Soz.) berichtet, ersucht in seinem Antrag die Reichsregierung, in der unterstützenden Erwerbslosensürsorge a) bis zum 31. März 1927 die Bezüge der Haupt- unterstützungsempfänger mit Wirkung vom 8. November 1926 ab zu erhöhen, für ledige Erwerbslosen um 15 Prozent, für alle übrigen um
10 Prozent;
b) die obere Grenze so zu gestalten, daß auch das vierte Kind den vollen Zuschlag erhält;
c) durch die Aussührungsbestimmungen sicher zu stellen, daß die Prüfung der Bedürftigkeit gleich- ' entgegenkommend gehandhabt wird. Besitz (Spargroschen, Hausrat, kleines
mäßig und <....„.„... Kleinerer Besitz (Spargroschen, Hausrat, kleines Eigenheim) darf nicht zur Verneinung der Be-
dürftigkeit führen.
d) Es ist zu verhüten, daß Arbeitsstellen mit fortlaufender voller Arbeitstätigkeit im Wege der Pflichtarbeit besetzt werden.
e) Den Erwerbslosen sind die Anwartschaften in der Invaliden-, Angestellten- und knappjchaft- lichèn Pensionsversicherung. sicherzustellen.
Weiter wird die Regierung um eine Gesetzesvorlage ersucht, wonach gegen die erwerbslosen Mieter nicht ein Verfahren wegen rückständiger Miete mit dem Ziel der Zwangsräumung durchgeführt werden barst und wonach das Wochengeld der Ehefrau und die Leistungen der Familienwochenhilfe nicht auf die Erwerbslosenunterstützung des Ehemanns angerechnet werden. Die von den Regierungsparteien geforderte Krisenfürsorge für die Ausgesteuerten ist heute morgen im Ausschuß daran gescheitert, daß bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen und der Wirtschaftlichen Vereinigung ein sozialdemokratischer Antrag angenommen worden ist, der die Grenze für die Ünterftußungsbauer über. Haupt beseitigt.
Abg. Brey (Soz.) tritt im Anschluß an den Ausschußbericht in seiner Eigenschaft als Abgeordneter für dis weitergehenden sozialdemokratischen Forderungen auf Erhöhung der Unterstützungssätze um 30 Prozent, der tzamilienzuschläge um 20 Prozent und die vollständige Aufhebung der Bedürftigkeit sprüfung ein.
Abg. Schulz- Bromberg (Dntl.) gibt für die deutschnationale Fraktion eine Erklärung ab, in der er ausführt, Besserung könne nur geschaffen werden durch eine völlige Neueinstellung der deutschen Wirtschaftspolitik und eine planmäßige Ent- Wicklung der nationalen, besonders der landwirtschaftlichen, Produktion. Die Mehrheit der Deutschnationalen wird die Vorlage a b l e h n e n.
Reichsarbeiksminister Dr. Brauns stellt fest, daß die Zahl der unterstützten Erwerbslosen gegenüber dem 1 März ds. Js. um 700 000 abgenommen habe. Bei den männlichen Erwerbslosen betrug die Abnahme 30, bei den weiblichen 23 Prozent. Eine wesentliche Besserung des Arbeitsmarktes ist nicht zu verkennen. Die Bemühungen der Regierung zur Arbeitsbeschaffung haben auch einen gewissen Anteil an der Senkung der Arbeitslosenzahl. Bei der Reichsbahn und Reichspost find Arbei- ten im Gange, und auch an den Siedlungen und den Landarbeiterwohnungen wird gearbeitet. Darin liegt schon ein gut Stück des Produktionsprogramms, das Abg. Schulz-Bromberg verlangte. Die dauernde Besserung des Arbeitsmärktes kann nur aus bet Wirtschaft heraus erwachsen. Es wirkt beunruhigend, wenn bei der schlechten Lage des Arbeitsmarktes. in einzelnen Betrieben noch viel Ueber- arbeit geleistet wird, um die Einstellung neuer Arbeitskräfte zu ersparen. Die Ministerien machen chon bei der Vergebung von Arbeiten zur Bedingung, daß Ueberstunden nicht gemacht werden dürfen. Sollte das keinen Erfolg haben, so wird das Mittel der Gesetzgebung angewandt werden müssen. Das gilt auch von den bedauerlichen Erscheinungen, daß bei der Rationalisierung meist ältere Angestellte und Arbeiter entlassen werden, daß man nur den Rechenstift, nicht aber das menschliche Gefühl anwendet. Die Arbeitslosenunterstützung in ihrer gegenwärtigen Höhe hat im allgemeinen den Willen zur Arbeitsannahme nicht vermindert. Anders würde es aber sein, wenn man den Kreis der Unterstützten erweitert und die Bezüge so erhöht, daß sie Höber »nb als der Normallohn des Unterstützten. Bei w.^eren Erhöhungen muß man also mit einer gewissen Vorsicht vorgehen. Die alleinstehenden Ledigen waren be«' sonders schlecht gestellt. Die Regierung hatte sich bereit erklärt, für die Ausgesteuerten eine besondere Krisenfürsorge einzurichten, die ihnen dasselbe gibt, wie die Ewerbslosenfürsorge. Grundsätzlich muß die Regierung den größten Wert darauf legen, daß die Bezugsdauer nicht über ein Jahr ausgedehnt wird.
Von den Kommunisten ist folgender Mißtrauensantrag eingegangen: „Der Reichsarbeitsminister besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags." (Gelächter im Zentrum.)
Abg. Thiel (D. Vp.): Während die Zahl der erwerbslosen Arbeiter zurückgeht, ist die Erwerbs- losenzahl bei den Angestellten immer noch im Wachsen begriffen. Hier zeigt sich die Notwendigkeit, möglichst schnell die Arbeitslosen-Versicherung durchzuführen.
Darauf wird die Beratung abgebrochen. Nächste Sitzung Soinstag. Fortsetzung der Erwerbslokendebalt«.