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20. oet»6t*
1926
Das Neueste.
— Die Bedeutung der Freihandelskundgebung wird in der Presse, sowohl des In- wie des Auslandes, sehr verschieden beurteilt. Pariser Blätter glauben das Manifest mit Verlegenheitsphrasen abtun zu können.
— Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages sprach gestern Reichsarbeitsminister Dr. Brauns über Erwerbsfragen.
— Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages H zu einer Sitzung auf den 26. Oktober einberufen worden.
— Morgen findet in Berlin eine Konferenz der Wanzminister über den Finanzausgleich statt.
— Dr. Seipel hat erneut ein Kabinett gebildet.
DK ««sM»« Reichs- Ssukeve«».
In London ist am Dienstag im Auswärtigen Amt die Reichskonferenz zusammengetreten, zu der alle englischen Dominions ihre Ministerpräsidenten nach der englischen Hauptstadt entsandt haben. Man erwartet von dieser Tagung, daß sie ebenso bedeutsam sein wird wie die vorausgegangenen. Die Reichskonferenz des Jahres 1921 war im wesentlichen entscheidend für den Beschluß, den englisch-japanischen Vertrag nicht wieder zu erneuern. Dadurch wurde der englischen Außenpolitik der Weg zu dem Viermächte-Vertrag und zu der Washingtoner Konferenz gebahnt. Die Reichskonferenz des Jahres 1923 hatte einen bedeut- 'amen Einfluß auf die innere englische Politik. Zu ihrem Verlauf tauchte der Vorschlag auf, Vorzugszölle für die Dominions einzuführen.
Das GGo dev WßMOaßtssrmdsebuns.
Das Weltwirtschaftsmanifest, das wir bereits gestern bekanntgegeben haben — unsere gestrige Veröffentlichung war der Wortlaut des Mani- eftes —, trägt besonders zahlreiche englische Unterchristen. Man wird dadurch in der Annahme be- tärkt, daß die Kundgebung auf englische Initiative zurückzuführen ist. Vielleicht sind die Besprechungen zwischen englischen und deutschen Wirtschaftsführern nicht ganz ohne Einfluß auf das Zustandekommen des Manifestes gewesen. Für Deutschland liegt der Hauptwert des Dokumentes nicht zuletzt darin, daß es im Grunde eine wenn auch verschleierte Anklage gegen das Versailler Traktat darstellt. Die Zustände, von denen man loskommen möchte, sind durch die Friedensverträge entstanden.
Wird sich nun der „Notschrei" der Wirtschaft, so darf man das Manifest wohl nennen, auf die Politik auswirken. Diese Frage wird, soweit die Berliner Presse in Betracht kommt, sehr vorsichtig und zurückhaltend beantwortet. Die „G e r m a n i a" glaubt vor übertriebenem Optimismus warnen zu müssen. Dämpfend wirke schon der Vorbehalt der französischen und italienischen Unterzeichner des Manifestes und noch mehr die Tatsache, daß gerade von jenen Gruppen niemand unter der Kundgebung stehe, die als die hauptsächlichsten Vorkämpfer der „nationalen Eigenständigkeit^ bekannt sind. Die „Tägliche Rundschau" ist hoffnungsvoller und erwartet eine „tiefgehende Wirkung in der Weltpolitik". Sie begrüßt den Aufruf als den ersten Schritt, der aus der Wüste, besser, aus dem Vertrag von Versailles und der herrschenden Wirtschaftsungunst in die Geschichte der Wirtschaften« r-
täuschung hervor. „Der Berg hat ein Mäuslem geboren", ruft Bainville, der Leitartikler^ der „Li- bertè", verächtlich aus und macht sich darüber luftig, daß die Führer der Bank- und Jnduftriewelt nichts anderes zu entdecken vermochten, als die Normalisierung der internationalen Handelsbeziehungen und Regelung der Rohstoffverteilung. Gauvin, der Außenpolitiker des konservativen „Jommal des Debüts", verzichtet überhaupt auf eine Kritik des Mani- festes. Er lehnt es als ein von den Deutschen inspiriertes Erzeugnis ab, dessen Zweck in den beiden Forderungen Berlins zusammengefaßt werden könne: Revision der Grenzen in Osteuropa, Revision des Dawesplanes. Gauvin hält den Aufruf der Zweihundert für eine deutsche Intrige und entdeckt in der deutschen Presse Beweise für die Richtigkeit feiner Meinung.
Derartige Kommentare, wie die Bainoilles und Gauvins, sind als Verlegenheitsphrasen zu bezeich- nen. Ein Blick in die Namensliste zeigt, daß die fran- zösischen Industriegruppen ihre Solidarität mit den Unterzeichnern der anderen Staaten aussprechen. Wenn Persönlichkeiten wie Duchemin, der Präsident der chemischen Industrie Frankreichs, für die Beseitigung der Schutzzölle eintreten, wenn der Präsident der Elektrizitäts- und Maschinenindustrie in die Be- seitigung des Hochschutzzolles prinzipiell einwilligt und gleichzeitig die Aufhebung aller künftigen Barrieren für notwendig hält, dann läßt sich die Tragweite einer solchen Zustimmung klar erkennen. Alle diese französischen Industriezweige sind zum überwiegenden Teil nicht in der Lage, auf dem Wellmarkt kräftige Positionen zu erreichen. Den In- landsmarkt sicherten sie sich dank der protektionistr-
vinzen, die ihm durch den Frankfurter Vertrag fortgenommen seien, chre Gebräuche und ihren Dialekt belassen. Das republikanische Frankreich habe seinerseits diesen Gebieten versprochen, ihre Tradition zu respektieren. Es werde dieses Versprechen nicht verletzen. Hinsichtlich des Unterrichts und im besonderen der Sprache verstehe es sich von selbst, daß Frankreich niemals daran gedacht habe und daran denken werde, den Gebrauch des Dialekts zu beschränken oder zu beeinträchtigen. Daß Flämisch im Norden, Bretonisch in der Bretagne, Baskisch am Rande der Pyrenäen und Proventalisch am Rande der Alpen gesprochen werde, das seien Verschiedenheiten, die in nichts die nationale Einheit bedrohten. Das Wesentlich« sei, daß das Französisch überall gesprochen und verstanden werde. Da aber der Dialekt nicht eine geschriebene und grammatikalische Sprache sei, und da übrigens während 50 Jahren die Deutschen ihm das Hochdeutsche übergeordnet hätten, habe Frankreich im Interesse der Familien gewollt, daß die französischen Schulen auch das Hochdeutsch in allen den Gemeinden, in denen Dialekt gesprochen werde, lehren. Er halte es für unerläßlich, daß nach dem Verlaßen der Schule die Kinder der Gemeinden, in denen Dialekt gesprochen werde, einigermaßen hochdeutsch sprechen und schreiben können. Poincare fordert den Rektor der Straßburger Universität auf, in den nächsten pädagogischen Konferenzen in diesem Sinne zu wirken. Ein anderer Punkt, der seine Aufmerksamkeit erregt habe, sei der, daß der Schüler, wenn er mit 14 Jahren die Schule verlasse und in seine Familie zurückkehre, die nur Dialett spreche, Gefahr laufen würde, bevor er zum Militärdienst komme, die praktische Handhabung des Französischen zu verlieren, wenn er keine Gelegenheit habe, sich darin zu vervollkommnen. Es sei also angebracht, mehr und mehr in den Dörfern und in den Städten den Nachschulunterricht im Französischen zu entwickeln. Die Regierung werde hierzu ihre Unterstützung geben.
Baris, 19. Ott. Wie die Havasagentur mitteilt, oincarés Aufmerksamkeit während seiner Steife durch Elsaß-Lothringen auch aus das Sprachpro-
v... „ etnung einen fe.,. ________.... und man hat alle Ursache, nicht zuletzt auf sie Die allgemeinen Neuwahlen zurückzuführen, die im Herbst des Jahres 1923 stattfanden und die die Berufung Macdonalds zum Ministerpräsidenten und den ersten Regierungsversuch der englischen Arbeiterpartei zur Folge hatten.
Auf der englischen Reichskonferenz des Jahres 1923 sind auch schon die außenpolitischen Linien entworfen worden, die zu dem sogen. Dawesplan und zum Locarnovertrage führten. Durch die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund hat der Vertrag inzwischen Geltungskraft erlangt, und dadurch ist nunmehr auch England an ein System europäischer Verträge gebunden, wohl zum ersten Male in seiner ahrhundertelangen Geschichte. Daraus ergibt ich nun auch die Notwendigkeit, genau festzulegen, ob und welche Verpflichtungen den englischen Dominions aus diesen Bindungen des Mutterlandes gegebenenfalls erwachsen. Die Dominions sind an sich sehr wenig geneigt, der Außenpolitik Englands irgendwelchen entscheidenden Einfluß auf ihre eigene Haltung zu gewähren. Aus diesem Grunde ist in dem Locarnovertrag eine Klausel eingefügt worden, die es den Dominions ausdrücklich freistellt, sich an den Bestimmungen dieses Vertrages bindend zu beteiligen oder nicht. Dieser Zustand ist aber weder für England noch für die Dominions auf die Dauer haltbar, da er die Einheit des britischen Weltreiches doch etwas zu stark in Frage stellt. Deshalb kann man erwarten, daß die Reichskonferenz sich eingehend mit dieser Frage besassen und eine Lösung suchen wird, die die Politik des englischen Welt- reiches auf eine einheitliche Linie bringt, ohne die Dominions allzu sehr zur Gefolgschaft zu verpflichten.
Die Debatte über diese Frage verspricht deshalb besonders lebhaft zu werden, weil unter den Dominions selbst die Meinungen über ihre Beziehungen zu dem Mutterlands sehr weit auseinander gehen. Die gegensätzlichen Strömungen verkörpern sich in dem Ministerpräsidenten von Südafrika, Hertzog, und dem Ministerpräsidenten von Australien, Stanley Bruce. Der Ministerpräsident von Südafrika ist der Wortführer derjenigen Partei, die eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit der Dominions fordert. Er wird sicher dafür eintreten, daß diese Auffassung in den Beschlüssen der Reichskonferenz zum Ausdruck kommt. Auf der anderen Seite steht der Ministerpräsident vom Australien. Dieses Dominion besitzt eine dünn gesäte Bevölkerung und große, noch völlig unentwickelte Gebiete, auf die das übervölkerte ^apan schon längst ein begehrliches Auge geworfen hat. Aus diesem Grunde ist man in Australien eher für eine engere Verknüpfung, als für eine Lockerung der Beziehungen zwilchen England und den Dominions. Selbstver- standlick wird man dafür sorgen, daß es nicht
Manifest nur einen „recht problematischen Wert" bei, da es allein vom händlerischen und internatio- lalen Standpunkt aus aufgestellt sei. Sie bezwei- elt, daß es den Finanziers gelingen wird, die durch die Versailles-Politik entstandene Unordnung in der Welt zu beseitigen.
Die „Berliner Börsen-Zeitung" ueibt: Das Dokument der Wirtschaftsführer sagt es richt, aber alle, die es lesen, wissen es, daß der Vertrag von Versailles und die aus ihm geborene Mentalität die entscheidende Ursache für den desolaten Zustand ist, in den die Wirtschaft Europas nach dem Kriegsende verfiel. In dem Aufruf der Wirtschaftsführer, am Tage des Zusammentritts der Internationalen Handelskammer in dem Augenblick, da die Weltwirtschaftskonferenz feste Gestalt anzunehmen beginnt, wird dieses Unausgesprochene des Dokumentes zu einem weltbedeutenden Ereignis.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" hebt die Tatsache hervor, daß die wirtschaftlichen Forderungen gegenüber der politischen Zersplitterung Europas bisher noch niemals so stark und durchschlagend zum Ausdruck gebracht worden seien. Geschehen habe dies nur können, weil vorher gewisse politische Entspannungen eingetreten waren.
Der „Vorwärts" sieht die praktische Bedeutung des Manifestes in der Tatsache, daß sich das Unternehmertum für den internationalen Freihandel ausgesprochen habe. Diese grundlegende Frage könne, so meint das sozialdemokratische Blatt reichlich vorschnell, jetzt als entschieden gelten. Die Arbeiterschaft habe allen Anlaß, diese „durch ihre unbeirrte internationale Politik" geförderte, wenn nicht verwirklichte Wendung der Unternehmergesinnung zu begrüßen.
Zu dem Wirtschaftsmanifest wird aus deutschen Wirtschasts kreisen folgende Bemerkung gemacht: Der Kreis der deutschen Unterzeichner ist wohl aus rein organisatorischen Gründen zunächst nur ein verhältnismäßig kleiner; es dürfte aber kein Zweifel darüber bestehen, daß dieser Appell in den deutschen Wirtschaftskreisen einen starken Widerhall und zahlreiche weitere Befürworter unter den führenden deutschen Wirtschaftlern finden wird. Eine besondere Bedeutung erhält der Appell für Deutschland dadurch, daß von einer so großen Zahl führender Wirtschaftler aus nicht weniger als 16 Ländern die wirtschaftlichen Fehlgriffe des Versailler Vertrages anerkannt werden und ihre Beseitigung als Dorbe - dinguny für ein Wiederaufblühen der europäischen Produktion und des europäischen Handelserkanntwird.
NaEsv Nvvfsvsttmmstr.
Paris, 19. Okt. Die Tatsache, daß die 200 Unterzeichner des Manifestes einen nüchternen, von Volkswirtschaftlern und Finanzmännern längst eingenommenen Standpunkt vertreten, ruft sichtliche Ent-
des MisiMaftsmanifeftes.
München, 19. Oktober. Reichsbankpräsident D r. Schacht, der zu den Mitunterzeichnern des Manifestes der Internationalen Handelskammern gehört, gab einem Vertreter der Telegraphen-Union zu dem Manifest folgende Erläuterung: Das Wirtschaftsmanifest, das von führenden Wirtschaftlern aus 16 Staaten unterzeichnet ist, kann in seiner Bedeutung unmöglich unterschätzt werden. Die Wirtschaftspersönlichkeiten, die ihren Namen unter dieses Manifest gesetzt haben, haben es zweifellos nach reichlicher Ueberlegung getan. Ein Beweis dafür ist, daß die Sammlung der Unterschriften und die Bearbeitung des definitiven Textes etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen hat. Daß auch amerikanische Namen sich bereit gefunden haben, diesem Manifest beizutreten, kann selbstverständlich nicht als eine amerikanische willkürliche Beeinflussung europäischer Verhältnisse gedeutet werden, sondern ist nach der Richtung zu werten, daß von den Führern eines Volkes, das über einen freien und ungehinderten Markt von 110 bis 120 Millionen Menschen verfügt, zum Ausdruck gebracht wird, welche unerhörte Auftriebskraft von einem so großen einheitlichen Wirtschaftsgebiet für das Wohl aller darin arbeitenden Individuen ausgeht. Selbstverständlich drücken die Unterzeichner dieses Manifestes, welchem Lande sie auch immer angehören mögen, nur ihre persön- liche Meinung aus. Daß die Regierung dieses oder je^es Landes sich mit den Unterzeichnern nicht zu identifizieren wünscht, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber deshalb verliert dieses Manifest nichts von seinem Wert. Wir haben alle noch das Beispiel des Dawesplanes in Erinnerung. Als die Weisheit der Regierungen am Ende war, hatten sie es einer kleinen Gruppe von Führern der internationalen Wirtschaft zu danken, daß ein wirtschaftlicher Ausweg aus den politischen Schwierigkeiten gefunden wurde. Wenn heute Namen, wie diejenigen, die unter dem Manifest stehen, aus 16 Ländern, Namen, die anerkannten Führern der Wirtschaft gehören, für die wirtschaftliche Freiheit eintreten, so kann dieses Gewicht in der politischen Wagschals nicht seinen Einfluß verlieren. Wenn das Manifest auf der einen Seite die Wirtschaftsfehler hervorhebt, bre Krieg und Frieden gebracht haben, so verliert sich das Manifest doch nicht in historischen Betrachtungen über Schuld und Sühne, sondern weist unbekümmert um alles, was geschehen ist, unbekümmert um politische Engherzigkeit, die noch in einzelnen Köpfen stecken mag, den Weg der Zukunft. Das Manifest ist eine Auslastung der Regierenden, die durch alle möglichen Fesseln in ihrer Freiheit gehindert sind, es ist eine Auslastung des gesunden Menschenverstandes aller Völker, die einen Weg zur wirtschaftlichen und damit zur geistigen Zusam- 1 menarbeit freimachen wollen.
zu einem Bruch zwischen diesen beiden Richtungen kommt, sondern daß sie sich auch in Zukunft wie bisher vertragen.
N-kttcav- übev die Svvachsnsvage in Glsatz-Lothvinserr.
Paris, 19. Okt. Ministerpräsident Poincarë hat an den Rektor der Straßburger Universität ein
Schreiben gerichtet, in dem er seine Eindrücke und Schlußfolgerungen betreffend die Sprachenfrage aus seiner elsaß-lothringischen Reise zusammenfaßt. Er erklärt zunächst, daß die im Unterricht des Französischen erzielten Fortschritte unbestreitbar alle Erwartungen überstiegen. Der Unterricht in der Mehrzahl der elsässischen Schulen und in einem Teil der lothringischen Schulen sei und müsse zweisprachig fein. Vw- 1871 habe Frankreich immer den Pro-
nen, daß diese Frage gegenwärtig geprüft würde und entsprechende Maßnahmen bevorständen.
des Veosvamms von Thoivv.
Berlin, 19. Okt. Gegenüber den in den letzten Tagen, insbesondere in der ausländischen Presse auf- tauchenden Gerüchten, daß die deutsche Regierung die Absicht habe, zur Durchführung des Programms von Thoiry die Einberufung einer internationalen Finanzkonferenz vorzuschlagen, wird von zuständiger Seite festgestellt, daß diese Gerüchte jeder Begründung entbehren. Ebenso ist die Meldung einer polnischen Zeitung, wonach die deutsche Regierung mit Vorschlägen für die Regelung der Ostfrage an die anderen "Mächte herantreten wolle, selbstverständlich aus der Luft gegriffen.
Die „Tâgl. Rundschau" bemerkt hierzu, daß diese Gerüchte auf einer völligen Verkennung der Sachlage beruhten. Wie bekannt, hat das Reichskabinett beschlossen, die durch das Programm von Thoiry aufgeworfenen Fragen zunächst einmal einer eingehenden fachmännischen Prüfung zu unterziehen. Damit ist ein Kabinettsausschuß betraut worden, der sich aus dem Reichsminister des Aeußern, dem Reichsfinanzminister und dem Reichswirtschaftsminister zusammensetzt und zu dessen Beratungen dem „Lokalanzeiger" zufolge auch der Reichsbankpräst- dent Dr. Schacht hinzugezogen werden soll. Auch auf französischer Seite wird das Verständigungsprogramm vorerst nach seiner technischen Seite hin geprüft, und auch dort sind Sachverständige mit dieser Vorarbeit betraut. In diesem Stadium der Entwicklung würde es an jeder Voraussetzung für die Einberufung einer internationalen Finanzkonferenz fehlen.
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Lin optimistischer Bericht des Reichsarbeilsministers im Reichstagsausschuß.
Berlin, 18. Okt. Der Reichstagsausschuß für soziale Angelegenheiten beriet am Dienstag über die Erwerbslosenfürsorge. Die Verhandlungen leitete Reichsarbeitsminister Dr. Brauns ein mit einem Bericht über den gegenwärtigen Stand der Arbeitslosenfrage und die Fürsorgemaßnahmen der Reichsregierung.
Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen ist gegen das Frühjahr um rund 600 000 zurückgegangen.
Dieser Rückgang ist durch bie wirtschaftliche Entwicklung verursacht, aber auch durch die Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung. Das Ar- beitsbeschaffunasprogramm der Reichsregierung ist zurzeit in der Durchführung begriffen, nur die Fortführung des Mittellandkanals begegnet allerdings noch gewissen Hemmungen, die bei einigen preußischen Provinzen liegen. In der produktiven Erwerbs- losenfürsorge sind besondere Notstandsprogramme mit den Landern vereinbart worden, die sich auswirken sollen, wenn die Winterarbeitslasigkeit beginnt. Die Reichsregierung wird ihre Maßnahmen in einer Denkschrift für den Reichstag zusammen- fassen. Sie glaubt, daß die wichtigsten Ziele erreicht sind, die sie sich bis rum Herblt aefebt bat'