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ßrfdjeint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 3UR.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Hamstag 12R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.. im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. /Offertengebühr so R-pfg.

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18. Oktober

1926

Das KeneKs.

— Für kommenden Mittwoch wird die Veröffent­lichung eines Manifestes von größter Bedeutung fir ganz Europa angekündigt.

_ Der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, traf am Samstag in Berlin ein.

— Der österreichische Bundeskanzler Renner be­tonte in Potsdam den Willen zum Anschluß.

— Auf dem Parteitag der französischen Radi­kalen wurde Maurice Sarraut zum Parteivorsitzen­den gewählt.

— Der Kampf um die Schwergewichtsmeister- «chast Breitensträter — Haymann endete unent­schieden.

— Durch eine Explosion auf einem chinesischen Dampfer wurden 1200 Mann getötet.

WoMMWovMiM.

«ach der Vertagung des Preußischen Land­tages hat die Reichshauptstadt wieder ein paar parlamentslofe Wochen vor sich. Nach außen werden diese parlamentsfreien Tage vielleicht eine politisch stille Zeit sein, aber sie werden doch schon der Vorbereitung auf die parlamen­tarische Wintersession dienen, die im November einsetzen und uns dann monatelang beschäfti­gen wird. Wir gehen dieserZeit mit ungeklärten Parteiverhältnissen entgegen und wissen heute noch nicht, was sich in den kommenden Mona­ten aus dem Zustande der Gärung entwickeln wird. Etwas Aehnliches läßt sich auch in Frankreich und England beobachten. In Eng­land sind die Regierungsverhältnisse zwar ^rchaus befestigt, aber eine der Oppositions- Jörtefen, die Liberale Partei, ist dort durch den

Crter und

worden. Dadurch werden die inneren rigfeiten der englischen Liberalen noch größer lind verwickelter, als sie bisher schon gewesen sind. Lord Oxford hat zwar in seinem Äb- schiedsbrief betont, daß er sich mit seinen 75 gahren den Aufgaben des Parteiführers nicht mehr gewachsen fühle. Er läßt aber gleichzeitig keinen Zweifel daran, daß Parteizerwürfnisse zu seinem Schritt den Anlaß gegeben haben. Sein Gegenspieler in der Liberalen Partei ist Lloyd George, mit dem er gelegentlich des eng­lischen Generalstreiks in offene Fehde geraten ist. Dieser Streit ist nie beigelegt worden und Lord Oxford bekennt sich auch in seinem Ab­schiedsbriefe noch einmal ausdrücklich zu dem Tadel, den er damals gegen die etwas zwei­deutige Haltung Lloyd Georges ausgesprochen hat. Die große Frage ist nun: Wer soll der Nachfolger des Lord Oxford werden? Sie ist nicht akut, da die Liberalen im Oberhaus in Lord Beauchamp und im Unterhaus in Lloyd George einen Führer besitzen. Lloyd George hat sich trotz starker Gegnerschaft in seiner füh­renden parlamentarischen Stellung behaupten könnest. Da die Parteiführerschaft so festig um­stritten ist, wird man sie wahrscheinlich fürs erste unbesetzt lassen. Daß dieser Notbehelf nicht die Einheit, sondern die Entzweiung der Partei fördern wird, unterliegt wohl keinem Zweifel.

Wie lange die englischen Liberalen das Schicksal ihrer Partei im Ungewissen lassen werden, läßt sich schwer sagen. Ein Zwang zur straffen Zusammenfassung der Partei würde nur bestehen, wenn gewählt werden oder die Partei die Regierung übernehmen müßte. Bei­des liegt noch in sehr weitem Felde. Die Kon­servativen sitzen in Enaland noch fest in der

öcs liegt noch in sehr weitem Felde. Die Kon­servativen sitzen in England noch fest in der Atacht. Sie brauchen die Konkurrenz der Libe­ralen vorläufig jedenfalls nicht im geringsten zu befürchten. Aber sie haben doch eine schwere vorge: Die Hartnäckigkeit und wachsende Er­bitterung des Streiks der Kohlenarbeiter. Nach dem Kongreß der Delegierten haben jetzt auch die einzelnen Bezirksoersammlungen mit einer recht erheblichen Majorität die Verschärfung des Kampfes bis zu den äußersten Mitteln be­schlossen. Sie haben ebenfalls gefordert, daß den Gruben zurück-

der Sicherheitsdienst aus ____ _

Sen wird. In die Wirklichkeit übersetzt, e dieser Beschluß bedeuten, daß man die Gruben dem Ersaufen preisgibt. Diese Forde­rung zeigt, mit welcher Hartnäckigkeit die eng- "schen Bergarbeiter immer noch den Kampf aufrecht erhalten. Ein erheblicher Teil von ihnen ist zwar zur Arbeit zurückgekehrt, aber die Mehrheit befindet sich immer noch im Streik, und sie hat auch noch den Willen, den Kampf mit aller Entschiedenheit durchzuführen, konservative englische Regierung wird da- aurm nnrjoußliehtlieh in nächster Aalt nor ernste

Ankündigung einer Aeitungs sWO« Dr Wursna.

Paris, 18. Oki. Der Berichterstatter des „Peilte Journal" erklärt, am Mittwoch vormittag wird in sämtlichen europäischen Hauptstädten ein M a n i- f e ft veröffentlicht, das die Unterschrift der größten europäischen und amerika­nischen Finanzleuke trägt. Dieses Do­kument. das geheim gehalten wurde, enthält ein ErposL über die allgemeine Lage Europas in wirt­schaftlicher und finanzieller Beziehung und einen Plan, um die Lage zu bessern. Dieses Dokument ist vielleicht das wichtigste seit dem Ver­sailler Berlrag. Seine Ausfassung betreffend der wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas werde alle bisherigen Auffassungen umfloßen. Es werde zweifellos allgemeine Ueber- rafchung Hervorrufen. Die Abfassung des Dokuments habe mehr als sechs Monate gedauert. Das Manifest erklärt, daß die feit dem Frieden ver­folgte Politik mehr Probleme aufgeworfen als ge­löst und mehr Schwierigkeiten geschaffen als über­wanden habe. Das Manifest befürwortet eine radi­kale Aenderung der europäischen Politik. Man er­wartet die Veröffentlichung in London mit begreif­lichem Interesse.

London, 18. Okt. Das Reukersche Büro ver­öffentlicht folgende Meldung: „Wie wir von einer kompetenten Persönlichkeit der City erfahren, wird nächsten Mittwoch seitens hervorragender Bank- und Geschäftsleute aller führenden Rolionen Europas und der Vereinigten Staaten eine Erklärung von der größten Bedeutung verlautbart werden. Die betreffende Persönlichkeit

Entscheidungen gestellt werden. Sie hat sich in dem Kampf der streitenden Parteien bisher im Großen und Ganzen neutral verhalten, wenn

sie auch stets ihre gu: geboten hat. Sie ha

ten Vsrmittlerdienste an-

at aber immer streng auf die Wahrung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gehalten und sie würde sich zweifel­los verpflichtet fühlen, einzugreifen, wenn

wirklich die letzten Konsequenzen im Sinne der Bergarbeiterbeschlüsse gezogen werden sollten. Man nimmt aber an, daß es damit nicht so rasch vonstatten gehen wird. Die Exekutive der Bergarbeiterorganisationen wird die Durchfüh­rung der Beschlüsse jedenfalls nicht überstürzen, sondern auf jeden Fall eine gewisse Frist ver­streichen lassen, ehe sie das äußerste Kampf­mittel anwendet. Ob es in der Zwischenzeit gelingt, eine Verständigung herbeizuführen, muß man abwarten. Bisher sind alle Be­mühungen der Regierung gescheitert und man wird deshalb mit einer weiteren Zuspitzung der Lage in England rechnen können.

In Frankreich wird die Kammer am 4. No­vember wieder zusammentreten, einen Tag später als der Reichstag. Poincarè hat dem Finanzausschuß der Kammer den Voranschlag für das Finanzjahr 1927 bereits vorgelegt. Es ist ihm gelungen, auf dem Papier das Gleich­gewicht herzustellen. Der französische Minister­präsident geht also der Kammertagung mit einem Finanzplan entgegen, der auf sicheren Füßen zu stehen scheint. Er wird aber selbst am besten wissen, daß die parlamentarischen Verhältnisse keineswegs sicher sind und daß er klug tun wird, sich auf Ueberraschungen vorzu­bereiten. Durch den Kongreß der französischen Radikalen und Radikalsozialisten in Bordeaux ist die Frage der Regierungskoalition wieder aufgerollt worden. Man weiß, daß sich hinter der äußeren Front des Einheitskabinetts Mei­nungsverschiedenheiten schwerster Art verber­gen, die wahrscheinlich sofort akut werden, so­bald die Stabilisierung des Franken oder die Regelung der auswärtigen Schulden angefaßt werden muß. Man samt heute schon sagen, daß die Vernunftehe, die die französischen Kammerfraktionen unter dem Druck der Wäh­rungsnot im Einheitskabinett Poincarè ge­schloffen haben, ihre Blütezeit längst hinter sich hat.'

Das Rheinland wünirbt Sevständlgung.

Köln. 16. Okt. ReichsmiMster Dr. Bel l, der so­eben feine achttägige Informationsreise durch das bestzte Gebiet beendet hat, empfing einen Mitarbei­ter des WTB. Ueber seine Eindrücke befragt, äußerte der Minister folgendes: Die Reife, die in Darmstadt begann, über Mainz nach Speyer und von dort nach Wiesbaden führte, von Wiesbaden «v« m de« Hunsrück. nach Kremtnack und in das

fügt hinzu, daß die Lage Europas äußerst schwie­rig fei und daß die Mittel zur Ueberwindung die­ser Schwierigkeiten ohne jede Verzögerung gesun­den werden mühten. Die seitens der Rationen bisher versolgte Politik habe die Schwierigkeiten vermehrt, statt sie zu vermindern, und es sei eine völlige Kursänderung dieser Politik not- wendig, um den Kredil wiederherzuskellen, und jene große Entwicklung des Handels und der Beziehungen zu schaffen, die die L a g e d r i n g e n d erfordere.

Man werde die Bedeutung dieser wichtigen Er­klärung völlig begreifen, sobald die Ramen und die Stellung ihrer Unterzeichner bekannt fein werden."

London, 18. Okt. In einem Aussatz der „Fi­nancial Times" führt der führende Finanzsekretär des Schatzamtes aus: Die wirtschaftlichen Interessen Europas würden wesentlich verbessert werden durch die Bildung eines internationalen Finanztrustes in Rewyork, welchen die verschiedenen Slaals- und offiziellen Banken als Mitglieder angehören wür­den. Gegenwärtig bestehe zwischen England und Amerika in der Frage der Kreditbeschaffung für Europa ein beträchtlicher Wettbewerb, der den Handel hemme.

London, 18. Oft. „Financial Times" erwartet daß das Dokument der Bankiers, dessen Veröffent­lichung am Mittwoch erwartet wird, einen Ausruf gegen die gegenwärtig den Handel hemmenden Hindernisse und für die Herstellung wirtschaftlicher Freiheit darskelle, daß es aber nichts mit dem aus Berlin gemeldeten Plan der Bildung eines inter­nationalen Bank-Trustes zu tun habe.

o .... enfeld, von dort _____ ____

durch die Eifel nach Aachen, Düren und Euskirchen, war für mich, obschon mir die Verhältnisse des be­setzten Gebietes auch aus eigner Anschauung keines­wegs unbekannt sind, äußerst instruktiv. Ich brauche Ihnen wohl kaum zu versichern, daß ich mich nach meiner Rückkehr nach Berlin nachdrücklichst dafür einsetzen werde, daß die oft nur allzuberechtigten Beschwerden und Wünsch« des besetzten Gebietes, insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht soweit als eben möglich erfüllt werden. Es ist eine bittere Tat­sache, daß das besetzte Gebiet, das seit 1914 ununterbrochen die schwersten materiellen und see­lischen Opfer für das ganze deutsche Vaterland ge­bracht hat, auch heute noch am schwer sten an diesen Opfern zu tragen hat. Es hat die relativ größte Zahl der Arbeitslosen, und schwe­rer als anderswo kommt hier ein normales Wirt­schaftsleben wieder in Gang, wenn nicht endlich tat­kräftige Hilfe aus dem unbesetzten Deutschland kommt. So oft ich auch mit Vertretern der kommu­nalen Behörden, des Wirtschaftslebens, der politi­schen Parteien oder der Bevölkerung zusammentraf, immer wieder zeigte sich mir dasselbe Bild, das mich als Minister für die besetzten Gebiete sowohl wie als Sohn des Rheinlandes mit stolzer Freude erfüllte: Trotz der bisweilen fast unerträglich schwierigen Lage hat niemand im besetzten Gebiet den Optimis­mus verloren, der Vorbedingung ist für den poli­tischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wiederauf­bau unseres schwer bedrückten Vaterlandes. Gewiß hofft das besetzte Gebiet auf die tatkräfftge Unter­stützung des unbesetzten Deutschland — und ich wünsche nur, daß diese Hoffnung nicht enttäuscht wird — aber es ist auch gewillt, die eigenen Kräfte mit einzusetzen soweit als eben möglich. Die Rhein­länder, die in den trübsten Tagen die Treue zu un­serem deutschen Vaterlande bewahrt und willig alle Opfer auf sich genommen haben, verlangen auch heute vom unbesetzten Deutschland keine Opfer, an*

denen das künftige Deutschland vielleicht allzuschwer zutragen hätte, sie selbst wollen lieber auch weiter­hin Opfer auf sich nehmen, wenn es im Interesse Deutschland liegt. Ich weiß nicht, ob ' <--- --^ im

-des ganzen Deutschland liegt. Ich weiß nicht, man diesen Opfermut der Rheinländer bis jetzi unbesetzten Deutschland nach Gebühr gewürdigt Wenn nicht, dann möchte ich an das uni

-igt hat. chtë ich an das unbesetzte Deutschland die herzliche Bitte richten, den Bewoh­nern des besetzten Gebietes eine gerechtere Würdi­gung zuteil werden zu lassen.

Das Zusammenleben mit der Besatzung hat für die Rheinländer zu bitteren Klagen leider allzu oft Anlaß gegeben. Das aber muß ich doch auch feft- stellen: nicht ein einziges Mal bin ich bei den Rhein­ländern auf Empfindungen gestoßen, die sich nicht vereinbaren ließen mit jenem Geist, mit jenem Willen zur Verständigung auch mit den ehemaligen Gegnern, wie ihn die außenpolitische Entwicklung, die sich seit Locarno und nach Eintritt Deutschlands in den Völkerbund angebahnt hak, erfordert.

Im Rheinland kennt man keinen Chauvinismus, und wenn auch die Bewohner des besetzten Gebietes nichts sehnlicher wünschen als die baldig« restlose Befreiung ihres Gebietes von sremder Besatzung, so ist dieser Wunsch doch frei von nationalistischer Lei­denschaft. Gerade im besetzten Gebiet hat man 'Ler- üändnis für die Dolitik der Verständigung mit

Frankreich und billigt sie. Auch das sollte man im unbesetzten Deutschland beachten.

Und noch eins: einen Separatismus gibt es im besetzten Gebiet nicht. Dieser Tatsache sollte man namentlich anderwärts etwas mehr Rechnung tragen. Es ist für die treuen Rhein­länder eine schwere Kränkung, wenn sie immer wie­der von der „separatistischen Gefahr" hören, bk das Rheinland angeblich bedroht. Eine „separa­tistische Gefahr" kann im Rheinland überhaupt nich! aufkommen; dafür sorgen die Rheinländer schon selbst, dazu brauchen sie feine Ermahnungen von Leuten, die mit den tatsächlichen Verhältnissen im besetzten Gebiet doch recht wenig vertraut sind Meinen Gesamteindruck aus den Beratungen mit allen Ständen und Wirtschaftsgruppen des besetzter Gebietes fasse ich dahin zusammen, daß ich mick eins fühle mit dem gesamten Rheinland in dem Be streben, der rheinischen Bevölkerung zu chrem Rech und zu ihrer Freiheit zu verhelfen und dadurch du Grundlage zu schaffen für die praktisch« Verwirk­lichung des Gedankens der Völkerverständigung uni der Befriedung Europas.

Sefteiwerihs £faWbrë und der SSlkerbund.

Berlin, 18. Okt. Im Rahmen des Oesterreichisch- Deutfchen Volksbundes sprach gestern abend Bun­deskanzler a. D. Dr. Renner-Wien im Grotrian- Steinwsg-Saal über das Thema: „Oesterreichs An­schluß und der Völkerbund, ein Problem des Rechts und des europäischen Friedens." Für die Anschluß­freunde im Reich und inOesterreichseiderZusammen- schluß, so führte der Redner aus, eine Herzensfache, bedeute er doch die Heimkehr eines in der Fremde verirrten Familienmitgliedes. Darüber hinaus fei aber der Anschluß ein europäisches Problem gewor­den. Man habe in den Friedensverträgen Staaten geschaffen, ohne sich zu fragen, ob diese Staaten mögliche Wirtschaftsgebiete sind. Oesterreich könne als Kleinstaat nicht leben. Es müßten zwei Linien hergestellt werden: Donau— Rhein durch den Kanal und Donau—Ostsee—Nordsee über Berlin. Dann

k der Gedanke kommen, daß gn Wirts körper aufgerichtet werden müssen. Dann werden die politischen Grenzen aufhören Wirtschaftsgrenzen zu sein. Es würde ein Locarno an der Donau geben.

Äntevfuchungsausschüsse und Strafen.

Der Femeausschuß des Reichstages verhängte bekanntlich während feiner Münchener Tagung ge­gen den Zeugen Hauptmann Röhm eine Geldstrafe von 300 Mk., weil er sich weigerte, dem Abgeord­neten Dr. Levi auf Fragen zu antworten. Die Be­rechtigung, solche Strafen zu verhängen, wurde be­stritten und der Abgeordnete Troßmann von der Bayerischen Volkspartei ersucht« das Reichsjustiz­ministerium um ein Gutachten. Wre der „Montag Morgen" wissen will, uerneinte das jetzt erstattete Gutachten des Reichsjustizministeriums das Rech! parlamentarischer Untersuchungsausschüße, Strafen gegen widerspenstige Zeugen zu verhängen. Bestra­fungen von Zeugen wegen Ungebühr vor Gsrich! könnten sich nur auf das Gerichtsversafsungsgefet stützen.

Die Sorlaldemokvatre zuv LMtvermriLwovLuus bevâ ?

Berlin, 17. Oft. In Hamburg hat Scheide­mann vor den Funktionären für die Große Koa­lition eine Rede gehalten. Ihm ist jetzt Hermann Müller gefolgt, der in Magdeburg zu der Silver- bergschen Rede Stellung nahm und erklärte, d i e Sozialdemokratische Partei fei zur Mitverantwortung bereit. Allerdings komme es darauf an, daß die Zusammenarbeit nicht in zwei oder drei Monaten wieder gesprengt wird. In der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sei kein einziger grundsätzlicher Gegner der Koalitions­politik mehr zu finden. Die Schwierigkeiten seien aber jetzt nicht nur in der A u f st e l l u n g eines gemeinsamen Programms zu suchen, son­dern es sei auch schwer, die Möglichkeit einer Durch- führung dieses Programms abzuschätzen.

Neutsihlands Rerhi auf -Kolomsn

Frankfurt a. M., 15. Ost. In der Deutschen Ko­lonialgesellschaft, Abteilung Frankfurt a. M., sprach der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Ex­zellenz Dr. S ch n e e über das Thema „Der heutige Stand der Kolonialfrage". Nach einem Rückblick auf die Entwicklung unserer Kolonien vor dem Kriege schilderte er die Entstehung des Mandatssystems der Völkerbundsstaaten, das bekanntlich mit der Un­fähigkeit Deutschlands zur Kolonisation begründet wurde. Der Wunsch von England und Frankreich, eine Annektion vorzunehmen/ der schon damals be­stand und dessen Erfüllung nur durch Amerika ver­hindert wurde, besteht auch heute fort. Es müsse Auf­gabe jeder deutschen Regierung sein, die Forderung Deutschlands, nicht nur theoretisch als Mandats­macht zugelassen zu werden, zu vertreten. Wann der geeignete Zeitpunkt hierfür gegeben ist, müsse man den Lenkern unserer Politik überlasten. Sie müßten aber gestützt werden durch den einmütigen Wunsch des Volkes, wieder in den Besitz von Kolonien zu gelangen, die wir aus wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Gründen brauchten. Der Redner be-