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202. Sabvsan»

General Anzeiger für

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«e. 232

Samstag de«

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6. SStsbee

1626

Das Steteste.

. Der Reichspräsident hat das Abschiedsgesuch Oes Generalobersten v. Seeckt genehmigt, und ihm für seine Verdienste den Dank des Reiches ausge­sprochen. Eine Entscheidung über den Nachfolger Seeckts ist noch nicht getroffen.

Reichskanzler Dr. Marx hielt gestern auf der Beamtentagung eine Rede über die Stellung des deutschen Beamten zum neuen Staat.

Der. englische Botschafter d'Abernon in Ber­lin verabschiedete sich gestern vom Reichspräsidenten.

Der bayerische Justizminister wurde gestern vor dem Femeausschuß in München vernommen.

Im Preußischen Landtag wurden die Be­ratungen über das Erwerbslosenproblem fortge- Mt. .

l Der preußische Staatsrat stimmte gestern oem Gesetzentwurf über die Vermögensauseinander­setzung zwischen dem preußischen Staat und den Mitgliedern des ehemals regierenden preußischen Königshauses gegen die Stimmen der Sozialdemo­kraten, und. Kommunisten zu.

Die LVEe.

Nachdem mit dem Abschluß där Genfer Völkerbundstagung ein wichtiger Abschnitt der

deutschen Außenpolitik zu Ende geführt worden ist, ist es nur natürlich, daß nunmehr das In­teresse an unserer Innenpolitik wieder erwacht. So ist es kein Wunder, daß man sich seit eini- Sen Wochen recht lebhaft mit dem Problem der tegierungserweiterung sowohl im Reiche wie r m Preußen beschäftigt Wie erinnerli war

als Inne»-

vor öen

Herren we>agi uno Carres ore wrunouin einer rechtsgerichteten Arbeitsgemeinschaft ge fordert worden,, ohne etwa, wie von ver­schiedenen , Leuten irrtümlich angenommen, eine. Vereinigung der beiden Parteien der Rechten, der Deutschnationalen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei im Auge zu haben. h Die Sommerferien verhinderten es, dieser angesichts des herrschenden Parteihaders ganz gewiß wertvollen Anregungen näherzu­treten, . umsomehr, als die praktischen, takti­schen und politischen Schwierigkeiten, die sich der Bildung einer solchen Arbeitsgemeinschaft entgegenstellten, ganz offensichtlich zutage lagen. Indessen lehnte man den Vorschlag nicht ohne weiteres ab, man vertagte vielmehr seine Be­handlung auf den Herbst, in der Erwartung, daß bis dahin die Deutschnationalen ihre Oppo- sitiönsstellung aufgeben würden und so eine Regierungserweiterung nach rechts ins Auge gefaßte werden könnte. Inzwischen wurde, nachdem Herr Wirth, allerdings ebenfalls ver­geblich, für die Bildung eines Linksblockes eingetreten war, durch den Mund des Indu­striellen Dr. Silverberg an die sozialdemokra­tische Partei die Aufforderung gerichtet, nicht länger die unverantwortliche Opposition fort- ZUfetzen, sondern den Mut zur Verantwortung zu finden. So kam es, daß für den Herbst allerhand Umwälzungen, Zusammenschlüsse der Parteien, Zweiparteiensystem usw. prophe­zeit wurden.

Bezüglich der Bildung einer rechtsgerichte­ten Arbeitsgemeinschaft hat sich nun auf dem Parteitag der Deutschen Volkspartei recht wenig Stimmung gezeigt. Wenn man auf dieser Tagung auch keine bestimmte Formu­lierung über den Gayl-Iarres-Vorschlag vor­genommen hat, so hat die Aussprache doch er­geben, daß man vorläufig nicht daran denkt, sich nach der einen oder anderen Seite hin zu binden. Die Partei hat sich vielmehr auf den Standpunkt gestellt, daß jeder Partei, die lsilr Mitarbeit bereit ist, der Anschluß an die Regierungskyalition frei stehen soll, d. h. die Deutsche Volkspartei will sowohl mit den Deutschnationalen wie auch mit den Sozial- pemotraten arbeiten, wenn sie ihre Oppo- siuonsstellung aufgeben. Weder' die Deutsch- nationalen noch die Sozialdemokraten haben dber bisher ihre Bereitschaft erkennen lassen, die grundsätzliche Oppositionsstellung preiszu- ge.en und die Verantwortung mitzuüberneh- wen, sodaß die prophezeiten Umwälzungen im Reiche ausbleiben werden u. das Kabinett Marx- otrefemann sich den kommenden Winter über behaupten dürfte. Die ThemenVereinigung MN her Sozialdemokratie" undZufammen- ichluß der Rechtsparteien" werden zwar weiter Örtert und erwogen werden, doch ein prak- nsches Ergebnis für die nächste Zeit ist bei der Umstellung der beiden großen Flügelparteien kaum zu erwarten. Das ist bedauerlich, da

V. 6M RüÜteiUSgesuch seuehmigi.

Berlin, 8. Ott. Der Herr Reichspräsident hat an Generalobersten v. Seeckt in Genehmigung sei­nes Abschiedsgesuches nachfolgendes Handschreiben gerichtet:

Sehr verehrter Herr Generaloberst! Ihrem An­trag um Entlassung aus dem Heeresdienst habe ich in der anliegenden Urkunde entsprochen. Ich sehe Sie mit großem Bedauern aus dem Heeresdienst schei­den, und es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen in dieser Stunde namens des Reiches und im eigenen Namen von Herzen zu danken, für alles was Sie im Krieg und im Frieden für das Heer und für unser Vaterland getan haben. Ihr Name ist mit zahlreichen Ruhmestaten unseres Heeres im Weltkriege verbunden und wird in der Kriegs­geschichte unvergänglich weiterleben, ebenso die stille und entsagungsvolle Arbeit, in der Sie in der hinter uns liegenden Nachkriegszeit die neue Reichswehr ausgebaut und ausgebildet haben und ebenso groß sind die Verdienste, die Sie sich in den hinter uns liegenden Iahren der Erschütterung des Reiches um die Erhaltung der Ordnung und der Autorität des Staates erworben haben. Alles dieses wird Ihnen unvergeßlich bleiben

Ich hoste zuversichtlich, daß Ihr vielseitiges Wissen und Können, Ihre Tatkraft und reiche Er- fahrung auch künftig unserem Vaterland nutzbar sein werden und bin in dieser Erwartung

mit kameradschaftlichen Grützen Ihr ergebener gez. v. Hindenburg.

GseMs SsEenste ttm die

gierst geboren, trat v. Seeckt nach Bendigung der Schulzeit bei der Garde-Infanterie ein. Dem Be­such her Kriegsakademie folgte die Kommandierung zum Generalstabe, dem er während des größeren Teiles seiner Dienstzeit in den verschiedensten Stellungen angehörte. Als Chef des Generalstabes des brandenburgischen Armeekorps rückte er 1914 ins Feld und nahm an der Marneschlacht und an den Kämpfen bei Soissons teil. 1915 zum Stabschef des Generals von Mackensen ernannt, hatte er als solcher hervorragenden Anteil an der großen Durchbruchs­schlacht bei Gorlice und an den Feldzügen in Gali­zien, Rußland und Serbien. Im Januar 1918 wurde er aus besonderen Wunsch Enver Paschas als Chef des Türkischen Generalstabes nach Konstantinopel abkommandiert. Die militärische und wirtschaftliche Lage des Osmanenreiches war zu dieser Zeit bereits so ungünstig, daß selbst ein so bedeutender militäri­scher Kopf wie Seeckt feine Schlachtenerfolge mehr zu erzielen vermochte. Der Zusammenbruch der jungtürkischen Regierung ließ den General auf großen Umwegen über Rußland nach Deutschland heimkehren. Zunächst Stabschef beim Oberkom- mando des deutschen Grenzschutzes im Osten, wurde er später als Chef des Truppenamtes in das Reichs­wehrministerium berufen, das damals unter Nos­kes Leitung stand. In dieser Stellung vereitelte Seeckt durch seine Maßnahmen das militärische Gelingen des Kapp-Putsches, vornehmlich dadurch, daß er durch Entfernung der Regierungstruppen aus Ber­lin den Lüttwitz-Truppen das Angriffsziel und den etwa möglichen Erfolg entzog. Nach der Unter­drückung dieser Bewegung wurde er an die Spitze der Heeresleitung gestellt.

Wenn auch bas Verdienst für die Neuaufftellung brauchbarer, kampftüchtiger Truppen den Freikorps­führern und einzelnen Generalen, wie Maerker und Lettow-Vorbeck, gebührt, so blieb es dem General von Seeckt vorbehalten, aus diesen noch keineswegs festgefügten Verbänden durch allmähliche Verminde­rung der Gesamtstärke des von den Weltkriegsgeg- nern vorgeschriebene Hunderttau send - Mann -Hee r zu bilden, es aus dem Wirrwarr innerpolitischer Par­teinahme zu reißen, ihm als Rückgrat die unum­gänglich notwendige eiserne Disziplin zu geben, ihm die Erinnerung an die alte ruhmreiche Armee ein­zuimpfen und zu übertragen und es durch Verwer­tung der Kriegserfahrungen in angestrengter Aus­bildungstätigkeit zu einem machtvollen Instrument zur Aufrechterhaltung der Ruhe im Innern und zum Schutz der veränderten Grenzen in der Hand der Reichsregierung zu machen. Fand er auch bei diesem Werk die nachhaltigste Unterstützung der nie-

unserer Ansicht nach die politischen Verhält­nisse in Deutschland nur dann erträglich wer­den können, der üble Parteihader, der nicht nur unfruchtbar, sondern das politische Leben vergiftet, nur zum Schweigen kommen und positive Gemeinschaftsarbeit nur geleistet wer­den kann, wenn die beiden großen Flügel­parteien, oder zum mindesten eine von ihnen aus ihrer grundsätzlichen Oppositionsstellung heraustreten und den Mut zur Verantwortung auf sich nehmen.

In Preuße» glaubte man, daß mit dem aus Getundheitsrucksicfsten erfolgten Rücktritt

deren und höheren Truppenführer, so bleibt diese Eigenleistung dennoch so riesengroß, daß ihm der unvergängliche Dank des Vaterlandes dafür gebührt, um so mehr, als feine Tätigkeit nicht nur durch die Militärkontrvllkommiissionen der ehemaligen Feind- staaten, sondern leider gar zu oft auch noch durch parttkularistische Bestrebungen und verräterischen Unverstand im Innern nicht unwesentlich gehemmt wurde. Ueber Erwarten glücklich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem neuen Reichspräsidenten von Hindenburg, der den General am Neujahrs­tage 1926 in gerechter Würdigung seiner außer­ordentlichen Verdienste zum Generalobersten er­nannte. Die überragende Bedeutung und Leistung Seeckts wird am besten durch die unverhohlene Be­wunderung des deutschen Reichsheeres seitens der ehemaligen Feinde, durch ihre unausgesetzten An­griffe auf seine Person und durch ihre Maßnahmen zur Einschränkung seiner Machtbefugnisse gekenn­zeichnet.

Schon in seiner äußeren Erscheinung verriet der hochgewachsene, schlanke, elegante Mann den ehema­lige Gardeaffezier. Seine kühle, zurückhaltende Na­tur, seine wenig zugängliche Art gewährte kaum je­mandem Einblick in seine innersten Gedanken. Er schien von einem breiten Ring eisiger Kälte um­geben, den zu durchbrechen sich niemand getraute. Darum war es ihm auch wohl kaum vergönnt, den Weg zum Herzen der ihm unterstellten Offiziere und Mannschaften zu finden. So undurchsichtig dem Außenstehenden seine letzten politischen Ziele vor­kommen mochten, so außerordentlich klar waren

erwogenen, zu vollendetem' Deutsch gefügt aus dem herben Munde flossen. Jeder wußt« be­stimmt im voraus: der oberste Führer wird wie­derum etwas ganz Besonderes bringen, cm das kein anderer vor ihm gedacht, er wird neue militärische Gesichtspunkte zeigen aus dem reichen Schatz seiner Kriegserfahrungsn und seiner unübertrefflichen Ge­dankenarbeit. Die unter seiner persönlichen Lei­tung und nach seinen Richtlinien ausgearbeiteten neuen Dienstvorschriften für die Ausbildung der Truppen und für die Führung der Operationen und Gefechte sind ein Meisterwerk an Klarheit und Uebersichtlichkeit und haben chren Niederschlag in zahlreichen fremdländischen Reglements gefunden. Der offenkundigen Ueberlegenheit ihres höchsten Führers haben sich alle willig untergeordnet.

Mit den hervorragenden militärischen Eigen­schaften war zweifellos ein starker politischer Ehr­geiz gepaart. Dieser Hot ihn jedoch nicht verleitet, di« Hand nach Höherem auszustrecken. Dem General­obersten von Seeckt vornehmlich dankt das Bater- land bie Erhaltung der Einheit, die Abwehr des drohenden Kommunismus. Sein Weggang bedeutet einen schweren Verlust für das Reich. Das von ihm mit so sichtbarem Erfolge unternommene Werk wird mindestens vorübergehend unterbrochen. Es wäre je­doch beklagenswert, wenn das Reichsheer keinen ge­eigneten Ersatz aufzubringen vermöchte.

SeeÄis KarSfolgev.

General Reinhardt lehnt ab.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen aus Cassel verlautet, ist an General Reinhardt die An­frage ergangen, ob er bereit sei, in die Stelle des Chefs der Heeresleitung einzurücken. General Rein­hardt hat a b g e l e h N t.

Wie die Blätter melden, ist eine Entscheidung in der Frage des Nachfolgers für Generaloberst v. Seeckt noch nicht gefallen. LautLokalanzeiger" wird in politischen Kreisen angenommen, daß' in erster Linie mit den Generalleutnants Hey« und Hasse Verhandlungen über die Berufung eines der beiden Generäle auf den Posten Seeefts geführt werden sollen.Chef der Heeresleitung" wird jeden­falls der Nachfolger Seeckts nicht werden, da es seit dem Sommer 1925 einen solchen nicht mehr gibt, was bisher praktisch nicht in Erscheinung ge­treten war. Dem Blatt zufolge bleibt noch die Frage offen, ob der neue militärische Berater des Reichs- wehrministers die Stellung eines Staatssekretärs im Reichswohrministerium erhalten soll.

des Innenministers Severing die Frage der Erweiterung der Koalition durch die Deutsche Volkspartei ins Rollen kommen würde. Zwar haben schon vorher unverbindliche Besprechun­gen zwischen dem Abgeordneten Leidig von der Deutschen Volkspartei und dem Zentrums­abgeordneten Heß stattgefunden, die aber lediglich persönlicher Fühlungnahme dienten und von den Fraktionen selbst nicht veranlaßt waren. Diese Besprechungen hinterließen den Eindruck, daß man der Frage der Koalitions­erweiterung bei dem Zusammentritt des Preu- ßischen Landtags nätzertreteu würde, zumal

das preußische Zentrum schon seit langem den Wunsch trägt, daß die Regierung aus dem einseitigen Linkskurs wieder in ein mittleres Fahrwasser übergehen möchte. Die Wahrschein­lichkeit des Gelingens der Erweiterung wurde noch größer, als der Rücktritt Severings ge­meldet wurde. Doch inzwischen haben sich die Aussichten verringert. Wohl soll der preußische Ministerpräsident zu erkennen gegeben haben, daß er einer Erweiterung der gegenwärtigen Koalition durch Beteiligung der Deutschen Volkspartei durchaus geneigt sei, aber die Art, wie man bei der Neubesetzung des preußischen Innenministeriums durch den bisherigen Polizeipräsidenten von Berlin, Grzesinski, ver­fahren ist, wird von der Deutschen Volkspartei keinesfalls als eine Erleichterung der Lage aufgefaßt. Ein erschwerendes Moment bildet weiter, daß auf sozialdemokratischer Seite soll, den aus

die Absicht seinem Amte

bestehen

aüsgeschiedenen Staats- : der Deutschen Volkspartei

sekretär Meister, der

angehört, ebenfalls durch einen linksstehenden Mann zu ersetzen. Unter diesen Umständen läßt sich nicht sagen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Die Verhandlungen werden

zwar im Gange bleiben, der volksparteiliche Fraktionsvorstand des Landtages hat in seiner gestrigen Sitzung erneut kundgetan, daß er zu Besprechungen über die Wiederherstellung der großen Koalition bereit ist aber eint Erleichterung ist durch den Rücktritt Severings nicht eingetreten, im Gegenteil, man kann wohl sagen, daß sich die Aussichten verschlechtert haben. Meldungen über Programmforderun­gen oder Kandidatenlisten sind daher völlig aus

der Luft gegriffen. Außer de

Kam der erstere Rücktritt nicht unerwartet, so hat der Abgang v. Seecks nicht nur in mili­tärischen, sondern auch in politischen Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen. Die Ursache dieses Rücktrittes, der gestern vom Reichspräsi­denten Genehmigung gefunden hat, bildete be­kanntlich die Teilnahme des ältesten Sohnes des ehemaligen Kronprinzen an den Manövern der Reichswehr. Bei dieser Teilnahme handelte es sich nicht etwa um den dauernden Eintritt des 21jährigen Hohenzollernsprosien in unser nationales Heer, sondern, wie inzwischen ein­wandsfrei festgestellt worden ist, um eine Teil­nahme, die dem Heeresreglement zuwiderläust. Der Oelser Prinz hat, ohne der Reichswehr an­zugehören, in der Uniform des 9. Infanterie- Regiments Potsdam, das die Tradition des alten 1. Garderegiments zu Fuß aufrechtzuer­halten hat, an den Manövern teilgenommen, und zwar mit Wissen und Willen der Heeres­leitung und gegen das Wissen und gegen den Willen des Reichswehrministers. Als der Reichswehrminister, von der Linkspresse mit großem Lärm darauf aufmerksam gemacht, da­von erfuhr, hat dieser die Kabinettsfrage ge­stellt und da man einen Minister deshalb, weil er in seinem Ressort Ordnung haben will, nicht fallen lasten konnte, mußte v. Seeckt die bittere Konsequenz des Rücktritts ziehen, nachdem er schwereren Stürmen wiederholt standgehalten hat. Die Folgen, die dieses dem Heeresregle­ment zuwiderlaufende Herbstexerzitium des jungen Hohenzollernprinzen zeitigt und even­tuell noch weiter entstehen können, sind recht bedauerlich. Es ist unverständlich, wie der junge Prinz das Ansinnen an Herrn v. Seeckt stellen konnte, ihn doch einige Wochen an den Herbstmanövern teilnehmen zu lassen. Man mußte sich in Oels darüber klar sein, daß ein solches Beginnen schwere Folgen nach sich ziehen würde.Der Kronprinzensohn hat am Manöver wohl nicht teilnehmen können", schreiben dieLeipz. R. Nachr.", ohne die Er­laubnis seines Vaters zu haben. Der Kron­prinz selbst hat in allen öffentlichen Angelegen­heiten bisher eine kluge Zurückhaltung geübt. Umso bedauerlicher bleibt es, daß er zur glei­chen Zurückhaltung nicht auch seinen Sohn an­gehalten hat, Er, der Vater, mußte misten, daß er niemand eine größere Freude machen würde als den uns übelwollenden Kräften im Ausland, wenn er seinen Aeltesten in Anwesen­heit des Reichspräsidenten und unter den Au­gen von Dutzenden fremder Militärattaches einige Tage «soldat spielen ließe. Und von den außenpolitischen Nachwirkungen einmal abge­sehen: wiegt denn das Vergnügen von ein biß­chenKrieg im Frieden", das ein junger Mann genossen hat, den Verlust eines Mannes wie des Generalobersten v. Seeckt auf? Ist es die innere Krise wert, die sich aus alledem, wie man mit Mißbehagen spürt, noch entwickeln