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«r. 231

Samstas den 2. Sktodee

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NaS KöUöstS.

Der in Germersheim verwundete Holzmann wurde gestern in Landau von der französischen Be- satzungsbehörde wegen angeblicher Bedrohung des Leutnants Rouzier verhaftet.

Auf der 54. Hauptversammlung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen In­teressen in Rheinland und Westfalen wurde die Dresdner Silverberg-Rede behandelt. Außerdem hielt Silverberg eine neue Rede.

Zum Abschluß des Eisenpaktes äußert sich Dr. .Stresemann in einem Artikel unter der Ueber- jchrift:Zusammenarbeit statt Wettbewerb."

Der polnische Staatspräsident hat Pilsudski mit der Kabinettsbildung beauftragt. Dieser hat das Kabinett bereits gebildet.

Das eMMtmto des fsamSfifchen Vesatztttss

Dichte Regenwolken hingen in den ersten Dezembertagen 1918 über den linksrheinischen Gebirgen, trüber Nebel lag über der sonst so sonnigen Rheinebene, als die Heere der En­tente den deutschen Strom erreichten und die Brückenköpfe überschritten; es war, als wenn die Natur mit der deutschen Bevölkerung mit­trauerte und äußerlich zu erkennen gäbe, wie trübe die Leidenszeit der nächsten Jahre sein würde.

Jede Besatzung eines Landes durch feind­liche Truppen bringt Dorf und Stadt große Unbequemlichkeiten, die fremden Soldaten sind stets unwillkommene und wenig gern gesehene Gäste, auch wenn sie noch so zurückhaltend sind. Am Rhein zeigte sich bald der gewaltige Unter­schied in den einzelnen Besatzungsteilen. Wäh­rend bie Amerikaner sich kaum als Feinde zeig­ten und die ElPljl ' , _

DM

^rnderrbttVSs 89. OevuvisLas.

Reichspräsident v. Hindenburg vollendet heute sein 79. Lebensjahr. Es liegt nicht im Sinne Hindenburgs, von seinem 79. Geburtstag viel Wesens zu machen. Er hat feinen Wunsch selbst da­durch zum Ausdruck gebracht, um den Tag in aller Stille und Einfachheit zu verbringen. Der Reichs­präsident gibt auch mit dieser schlichten Haltung dem deutschen Volk ein Vorbild. Ohne Gepränge, ohne viel Aufhebens lebt der Reichspräsident nur der Er­füllung seiner hohen Pflicht gegen Volk und Vater­land. Er ist dieverkörperte Pflichterfül­lung. Im hohen Alter hat er nicht abgelehnt, die schwere Bürde zu übernehmen; die ihm durch die Wahl zum Reichspräsidenten aufgeladen worden

Hindenburg steht als Reichspräsident über den Parteien, unbeeinflußt und nur geleitet von dem einen Ziel, seinem Volke nach bestem Wissen und Können zu dienen. Welches Ansehen Reichspräsident Hindenburg im Auslande genießt, zeigt die Aeußerung des amerikanischen Botschafters Schurmann, der kürzlich erklärte, Hindenburg sei als Reichspräsident die beste Stütze des Reiches. Für uns alle ist der Name Hindenburg das Sym­bol der Einigung und der Ueberbrückung der Gegensätze, der Verbindung einer großen Ver­gangenheit mit der Gegenwart und mit einer neuen schöneren Zukunft. Hoffen wir zuversichtlich, daß ein gütiges. Geschick dem deutschen Volke seinen

Die Sndnsivke zuv SUvevbevg- Aede.

Düsseldorf, 1. Okt. Auf der 54. Hauptversamm­lung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und West­falen kam der Vorsitzende Kommerzienrat Dr. Paul Reusch- Oberhausen, kurz auf die Dresdener Tagung des Reichsverbandes der denffchen In­dustrie zu sprechen. Den hier von Dr. Silver­berg überDas deutsche Unternehmertum in der Nachkriegszeit" entwickelten Ausführungen, so er­klärte der Redner, könne man in der Hauptsache voll und ganz zustimmen. Er stimme Silver­berg ferner darin zu, daß nicht gegen und nicht ohne die Arbeiterschaft regiert werden solle. Er glaube aber auch darin mit ihm einig zu sein, daß von der Industrie im Interesse ihres geschlossenen Auftretens die Parteipolitik ferngehalten werden müsse Er stelle hier entgegen den Pressemeldung gen ausdrücklich fest, daß die Rede des Herrn Silverberg dem Präsidium und dem Vorstand vor der Dresdener Tagung nicht vorgelegen habe. Der - - " ' i, die der

Redner begrüßte dann die , Reichsfinanzminister Dr. Reinhold zur Verein­fachung des Verwaltungsapparates in feinem Ministerium getroffen hat und sprach die Erwar­tung aus, daß sich die Vereinfachung in der Ver­waltung möglichst bald auch bei den übrigen Reichsministerien sowie bei den Ländern und Ge­meinden durchsetzen werde. Das Wohl der Wirt­schaft fei mit einem gesunden Führertum eng

verknüpft.

Kommerzienrat Dr. Reusch ging sodann aus die Verhandlungen über den internationalen Eisenpakt ein, die gestern zum Abschluß gekommen sind. Ihm scheine, daß durch ein Zusammengehen der schaffenden Stände in Beziehung auf die Kräf­tigung des Jnlandmarktes manches erreicht werden könne.

Ls müsse hier auch mit aller Deullichkeit aus­gesprochen werden, daß auch nicht gegen die Wirtschaft regiert werden könne.

aber rechtlich auftraten, war bei den ;

und Belgiern schon in den ersten Wochen der lange aufgespeicherte Haß und die Wut über die deutsche Besatzung weiter Landstriche wäh­rend des Weltkrieges zu erkennen. Dieser Haß zeigte sich sowohl in den Erlassen der Besatz­ungsbehörden wie in dem Verhalten der ein­zelnen Offiziere und Mannschaften. An die Be­wohner wurden vom ersten Tage ab die schwer­sten Anforderungen gestellt. Sie mußten sofort in ihren Wohnungen Quartiere für die Offi­ziere einrichten, die weit größer waren als die, welche den deutschen Offizieren zustanden. Die Mannschaften wurden in Schulen und anderen größeren öffentlichen Gebäuden untergebracht, alle Einwände der deutschen Verwaltung wur­den hohnlächelnd zurückgewiesen, mit einer ge­wissen Genugtuung sahen die französischen Offiziere, wie kinderreiche Familien sich mit Kel­ler- und Dachwohnungen behelfen mußten. Bei der schlechten deutschen Valuta und bei den an sich ungeheuren Gehältern, die ja Deutschland bezahlen mußte, konnten alle Teile der Besatz­ung ein Prasserleben führen, das in einem gro­ßen Gegensatz zu den ärmlichen Verhältnissen des sonst so reichen Rheinlandes stand.

Aber auch auf alle mögliche andere Weise wurde die Bevölkerung gequält und geschädigt. Nur von Zeit zu Zeit sind die besonders schwe­ren Fälle von Mißhandlungen und Verbrechen bekannt geworden, viele, geradezu himmel­schreiende Vorkommnisse wurden totgeschwie­gen, eine Statistik über Ausschreitungen der Besatzungstruppen vom Jahre 1923, die nur das altbesetzte Gebiet und besonders schwere Fälle aufzählt, enthält nicht weniger als 13 Tote, 38 Notzuchtsverbrechen und 23 andere Eittlichkeitsverbrechen, 11 Straßenraubs und ebensoviele furchtbare Mißhandlungen. Die Täter waren zum weitaus größten Teile Schwarze. Es wird in der Geschichte Frank­reichs für alle Zeiten ein dunkles Blatt bleiben, daß es feine farbigen Truppen zur Rheinland­besatzung herangezogen hat, es ist bezeichnend für die damaligen Machthaber in Paris, daß ße derSchwarzen Schmach am Rhein" erst dann ein Ende gemacht haben, als sie durch die Verhältnisse im Rifgebiet gezwungen wur­den, die marokkanischen Divisionen auf diesen Kriegsschauplatz zu werfen. Besonders schwer w'rd das Schuldkonto Frankreichs auch durch die geradezu unverständliche Rechtsprechung belastet. Die Einwohner wurden bei dem ge= ringen Vergehen mit geradezu drakonischen Strafen belegt, die Rechtsprechung der Kriegs­gerichte gegen deutsche Frauen vor allem grenzte geradezu an das Lächerliche. Auf der anderen Seite aber wurden Räuber und Diebe w t ^aanz geringen Strafen belegt, da es für die Franzosen immer einen Milderungsgrund gab und nur selten hat man gehört, daß die

Ehrgeiz zu befriedigen.

ein Opfer, ein

nähme der Reichspräsidentschaft

eburtstag zu feiern an der

wirkliches Opfer, das er jedoch gerne dem Vater- emporgerungen hat. lande bringt. Und in vorbildlicher Weise hat er bis­her seines Amtes gewaltet.

He eines

Volkes, das sich aus tiefer Not zu neuer Blüte

Daß die Ekholuns j>$r\ sei ohne unsern Eintritt

unseres Jnlandmarktes eng mit

den Völkerbund in dieser Be-

Schritt getan sei. Diese Hoff- wirkliche Befriedung

schwarzen Mörder und farbigen Sittlichkeits- Verbrecher ihre schweren Taten gebührend ge­sühnt haben.

Noch größer wie in dem altbesetzten Gebiet waren die Leiden der Bevölkerung an der Ruhr sowie derjenigen Gebiete, die nur vor­übergehend in französischer Gewalt waren. Der schwärzeste Punkt aber in der Geschichte der französischen Besatzung ist jener Frühlings­tag 1923, wo es auf dem Gelände der Krupp­schen Werke zu einem furchtbaren Gemetzel kam. Fast 100 Tote und Verwundete waren das Opfer eines aus dem Unteroffizierstande hervorgegangenen 56jährigen Leutnants, der auf unerklärliche Weise die Nerven verloren und ganz ungerechtfertigt feine Maschinenge­wehre eingesetzt hatte.

Man hätte meinen sollen, daß der Vertrag von Locarno auch seine Rückwirkungen auf die französische Besatzung gehabt hätte. Die Vor­fälle in Germersheim und in Trier beweisen jedoch das Gegenteil. In dem französischen Be­satzungsheere scheint es noch immer Elemente zu geben, die für den nicht leichten Dienst im Besatzungsheere in keiner Weise geeignet sind. Der Unterleutnant Rouzier im 311. Artillerie- Regiment war schon seit langem als besonderer Deutschenhasser in weiten Kreisen der Pfalz bekannt. Er warschon an dem unliebsamen Vor­fälle in Germersheim im Juli d. Js. besonders hervorgetreten, als ein Kriegerfest bayerischer Regimentsvereine in geradezu brutaler Weise gestört wurde. Derselbe Offizier ist nun am letzten Sonntag bei einem Zusammenstoß mit jungen Leuten zum Mörder geworden, nach­dem er schon vorher friedliche Bürger mit der Reitpeitsche gezüchtigt hatte. Gerade in der Pfalz hätten die Franzosen eine besondere Aus­wahl bei den Offizieren treffen müssen; denn bis in das kleinste Dorf ist noch nicht vergessen, in welcher Weise der französische Oberbefehls­haber und seine Organe die von dem guten Teile der Bevölkerung so grimmig gehaßten Separatisten in Schutz genommen hat. Auf der anderen Seite aber lebt" in der Erinnerung der Besatzung die Selbsthilfe des gequälten Volkes fort, sodaß genügend Reibungsstoff vorhanden war. Auch Trier hat von den Franzosen be­sonders viel zu leiden gehabt, doch keine Untat hat so sehr die Gemüter erregt, als der letzte Mord und seine Begleiterscheinungen. Fubren doch vier französische Offiziere in Zwil absicht­lich in eine Gruppe friedlicher Spaziergänger hinein; bei dem dann entstehenden Wortwechsel

machte einer der Radfahrer von der Waffe Ge­brauch und schoß einen Trierer Kaufmann ein­fach über den Haufen.

Die Leiden der Rheinlands sind schwer, es ist zu verstehen, wie sehr sich die Bevölkerung nach der Befreiung sehnt. Immer wieder muß bei der Betachtung der frazösischen Besatzung darauf hingewiesen werden, in welcher gerade­zu vornehmen und entgegenkommende Weise die deutschen Besatzungstruppen in den Jahren 1871/73 die französische Bevölkerung behandelt haben. Erst ein Vergleich läßt erkennen, wie grausam und brutal die Franzosen gewesen

Grrs nette Vvsvoßatwn.

Der Mörder Rouzier nach wie vor auf freiem Fuß.

Gerbiersheim, 1. Okt. Von zuständiger Seite wird uns mitgekeilt, daß die Nachricht, wonach der französische Leutnant Rouzier, dem bekanntlich die Bluttaten von Germersheim zur Last fallen, nach Nancy abtransportiert worden sei, nicht zu­trifft. Leutnant Rouzier befand sich vielmehr Heuke in Landau.

Weiler wird uns mikgekeilk, daß Heuke in Landau die vier jungen Deutschen aus Germersheim, die in der Sonntag nacht am Ludwigslor mit dem franzö­sischen Leutnant in Zivil zusammentrafen, wobei bekanntlich der Schuhmacher Holzmann durch einen Schuß verletzt wurde, vernommen und dem franzö­sischen Leutnant gegenübergesiellt wurden. Das Ver­hör endete damit, daß Holzmann von den Franzosen verhaftet wurde unter der Dgründung,denLeutnant Rouzier geschlagen zu haben. (!) Die drei anderen Germersheimer Einwohner, die wieder freigelaffen wurden, bekundeten übereinstimmend, daß sie nicht den Eindruck hatten. daß Rouzier sich in franzö­sischer haft befinde, sondern daß er sich völliger Freiheit erfreue.

Wie seht erst bekannt wird, wurden die Heuke in Landau vernommen vier Germersheimer bereits am vergangenen Montag den ganzen Tag über in dem französischen Büro in Germersheim festgehal­ten, ohne daß man ihnen Beköstigung gab, sodaß sie am Abend vollkommen erschöpft

waren.

Zu der Verhaftung des Schuhmachers Holzmann aus Germersheim durch die französische Vesahungs- behörde wissen die Blätter noch zu melden, daß man dem Verletzten aus den Kopf zugesagt habe, er habe Rouzier geschlagen, bevor dieser zur Reil- peilsche und nachher zur Pistole habe greifen können. Als Holzmann dies energisch in Abrede ge-

können. Als Holzmann dies energisch in Abred stellt habe, habe man erklärt, ihn solange in wahrsam zu behalten, bis er die Wahrheit

Ge

_______, ___ ... Wahrheit sage. Jtad) einer weiteren Vlältermeldnng soll sich Rouzier, der in einem Landauer Hotel als Zimmer-

arreslant untergebrachk sei, in den Straßen ohne Begleitung frei beroeaen können.

Ziehung der erste nung auf eine , .

könne man abr solange nicht teilen, als noch ein einziger fremder Soldat auf deutschem Boden steht und durch seine Anwesenheit unser vaterländisches Empfinden verletzt. Er glaube der übereinstimmenden Meinung der ganzen Versamm­lung dahin Ausdruck geben zu können, daß die Zurückziehung der fremden Be­satzung nicht von uns in irgend einer Form er­kauft werden dürfe. Wir ständen auf dem Stand­punkt, daß es mit den Grundsätzen des Völker­bundes und mit dem Gedanken einer Befriedung

Europas nicht vereinbar sei, Teile der Rhein­provinz und des Saargebiets weiter besetzt zu halten. Nur durch restlose Bereinigung dieser Frage könne der europäischen Wirtschaft die für einen Wiederaufstieg erforderliche Zuversicht gegeben werden.

Im Anschluß an die Ausführungen des Kom- merzienrats Dr. Reusch verbreitete sich

Dr. Silverberg

über seine Rede auf der Dresdener Tagung des Reichsoerbandes der deutschen Industrie. Er führte u. a. aus:In meiner Dresdener Rede habe ich das politische Gebiet gestreift und zwar mit Ab­sicht. In Deutschland ist eine Trennung aller der­jenigen Fragen, die für das wirtschaftliche uni kulturelle Leben unseres Volkes von Bedeutung find, von politischen Dingen unmöglich. Sie ist eine Folge der Revolution. Wir müssen uns klar sein, daß für das deutsche Unternehmertum und die deutsche Wirtschaft die betreffenden Fragen von einer Stelle entschieden werden, die sich nach rein politischen Gesichtspunkten zusammensetzt.

Es ist Tatsache, daß in Deutschland alle wirt­schaftspolitischen Fragen im rein politischen Sinne entschieden werden. Darin liegt für die Anternehmer die große Gefahr

und diese Gefahr würde noch größer werden, wenn wir nicht den Mut hätten, UNS mit diesen Dingen zu besassen. Es geht nicht an, eine große Partei von der Regierung auszu- schließen, die von großen Arbeitermassen ge­wählt worden ist. Ich habe meine Dresdener Rede sieben oder acht Herren des Präsidialrates des Reichsverbandes der Deutschen Industrie vorgelegt, die barmt einverstanden waren. Ich habe die Auf­fassung, daß das wertvoll ste, was wir in Deutschland haben, die Arbeiterschaft i st, in der ein guter Kern steckt. Ich hoffe, daß Unternehmertum und Arbeiterschaft sich auf einer Linie zusammenfinden, wenn Entscheidungen fallen, die für unser wirtschaftliches und für das politische Leben entscheidend sind.

In der Aussprache erklärte

Fritz Thyssen:

Früher habe man vielfach dem Unternehmertum s '* Vorwurf gemacht, daß es völlig einseitig ein- gestellt sei. Heute dürfe man nicht in den Fehler

l fallen, sich auf eine Partei festzulegen. Der Redner ging dann auf den Abschluß des Eisen­paktes ein und betonte, daß hiermit keineswegs eine Anerkennung des Versailler Vertrages verbunden fei. Eine wirtschaftliche Befriedung Europas könne nur dann eintreten, wenn der Geist von