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Samstas den 2. Sktodee
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NaS KöUöstS.
Der in Germersheim verwundete Holzmann wurde gestern in Landau von der französischen Be- satzungsbehörde wegen angeblicher Bedrohung des Leutnants Rouzier verhaftet.
— Auf der 54. Hauptversammlung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen wurde die Dresdner Silverberg-Rede behandelt. Außerdem hielt Silverberg eine neue Rede.
— Zum Abschluß des Eisenpaktes äußert sich Dr. .Stresemann in einem Artikel unter der Ueber- jchrift: „Zusammenarbeit statt Wettbewerb."
— Der polnische Staatspräsident hat Pilsudski mit der Kabinettsbildung beauftragt. Dieser hat das Kabinett bereits gebildet.
Das eMMtmto des fsamSfifchen Vesatztttss
Dichte Regenwolken hingen in den ersten Dezembertagen 1918 über den linksrheinischen Gebirgen, trüber Nebel lag über der sonst so sonnigen Rheinebene, als die Heere der Entente den deutschen Strom erreichten und die Brückenköpfe überschritten; es war, als wenn die Natur mit der deutschen Bevölkerung mittrauerte und äußerlich zu erkennen gäbe, wie trübe die Leidenszeit der nächsten Jahre sein würde.
Jede Besatzung eines Landes durch feindliche Truppen bringt Dorf und Stadt große Unbequemlichkeiten, die fremden Soldaten sind stets unwillkommene und wenig gern gesehene Gäste, auch wenn sie noch so zurückhaltend sind. Am Rhein zeigte sich bald der gewaltige Unterschied in den einzelnen Besatzungsteilen. Während bie Amerikaner sich kaum als Feinde zeigten und die ElPljl ' , _
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^rnderrbttVSs 89. OevuvisLas.
Reichspräsident v. Hindenburg vollendet heute sein 79. Lebensjahr. Es liegt nicht im Sinne Hindenburgs, von seinem 79. Geburtstag viel Wesens zu machen. Er hat feinen Wunsch selbst dadurch zum Ausdruck gebracht, um den Tag in aller Stille und Einfachheit zu verbringen. Der Reichspräsident gibt auch mit dieser schlichten Haltung dem deutschen Volk ein Vorbild. Ohne Gepränge, ohne viel Aufhebens lebt der Reichspräsident nur der Erfüllung seiner hohen Pflicht gegen Volk und Vaterland. Er ist dieverkörperte Pflichterfüllung. Im hohen Alter hat er nicht abgelehnt, die schwere Bürde zu übernehmen; die ihm durch die Wahl zum Reichspräsidenten aufgeladen worden
Hindenburg steht als Reichspräsident über den Parteien, unbeeinflußt und nur geleitet von dem einen Ziel, seinem Volke nach bestem Wissen und Können zu dienen. Welches Ansehen Reichspräsident Hindenburg im Auslande genießt, zeigt die Aeußerung des amerikanischen Botschafters Schurmann, der kürzlich erklärte, Hindenburg sei als Reichspräsident die beste Stütze des Reiches. Für uns alle ist der Name Hindenburg das Symbol der Einigung und der Ueberbrückung der Gegensätze, der Verbindung einer großen Vergangenheit mit der Gegenwart und mit einer neuen schöneren Zukunft. Hoffen wir zuversichtlich, daß ein gütiges. Geschick dem deutschen Volke seinen
Die Sndnsivke zuv SUvevbevg- Aede.
Düsseldorf, 1. Okt. Auf der 54. Hauptversammlung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen kam der Vorsitzende Kommerzienrat Dr. Paul Reusch- Oberhausen, kurz auf die Dresdener Tagung des Reichsverbandes der denffchen Industrie zu sprechen. Den hier von Dr. Silverberg über „Das deutsche Unternehmertum in der Nachkriegszeit" entwickelten Ausführungen, so erklärte der Redner, könne man in der Hauptsache voll und ganz zustimmen. Er stimme Silverberg ferner darin zu, daß nicht gegen und nicht ohne die Arbeiterschaft regiert werden solle. Er glaube aber auch darin mit ihm einig zu sein, daß von der Industrie im Interesse ihres geschlossenen Auftretens die Parteipolitik ferngehalten werden müsse Er stelle hier entgegen den Pressemeldung gen ausdrücklich fest, daß die Rede des Herrn Silverberg dem Präsidium und dem Vorstand vor der Dresdener Tagung nicht vorgelegen habe. Der - ‘ ’ — ■ - " ' i, die der
Redner begrüßte dann die „ , Reichsfinanzminister Dr. Reinhold zur Vereinfachung des Verwaltungsapparates in feinem Ministerium getroffen hat und sprach die Erwartung aus, daß sich die Vereinfachung in der Verwaltung möglichst bald auch bei den übrigen Reichsministerien sowie bei den Ländern und Gemeinden durchsetzen werde. Das Wohl der Wirtschaft fei mit einem gesunden Führertum eng
verknüpft.
Kommerzienrat Dr. Reusch ging sodann aus die Verhandlungen über den internationalen Eisenpakt ein, die gestern zum Abschluß gekommen sind. Ihm scheine, daß durch ein Zusammengehen der schaffenden Stände in Beziehung auf die Kräftigung des Jnlandmarktes manches erreicht werden könne.
Ls müsse hier auch mit aller Deullichkeit ausgesprochen werden, daß auch nicht gegen die Wirtschaft regiert werden könne.
aber rechtlich auftraten, war bei den ;
und Belgiern schon in den ersten Wochen der lange aufgespeicherte Haß und die Wut über die deutsche Besatzung weiter Landstriche während des Weltkrieges zu erkennen. Dieser Haß zeigte sich sowohl in den Erlassen der Besatzungsbehörden wie in dem Verhalten der einzelnen Offiziere und Mannschaften. An die Bewohner wurden vom ersten Tage ab die schwersten Anforderungen gestellt. Sie mußten sofort in ihren Wohnungen Quartiere für die Offiziere einrichten, die weit größer waren als die, welche den deutschen Offizieren zustanden. Die Mannschaften wurden in Schulen und anderen größeren öffentlichen Gebäuden untergebracht, alle Einwände der deutschen Verwaltung wurden hohnlächelnd zurückgewiesen, mit einer gewissen Genugtuung sahen die französischen Offiziere, wie kinderreiche Familien sich mit Keller- und Dachwohnungen behelfen mußten. Bei der schlechten deutschen Valuta und bei den an sich ungeheuren Gehältern, die ja Deutschland bezahlen mußte, konnten alle Teile der Besatzung ein Prasserleben führen, das in einem großen Gegensatz zu den ärmlichen Verhältnissen des sonst so reichen Rheinlandes stand.
Aber auch auf alle mögliche andere Weise wurde die Bevölkerung gequält und geschädigt. Nur von Zeit zu Zeit sind die besonders schweren Fälle von Mißhandlungen und Verbrechen bekannt geworden, viele, geradezu himmelschreiende Vorkommnisse wurden totgeschwiegen, eine Statistik über Ausschreitungen der Besatzungstruppen vom Jahre 1923, die nur das altbesetzte Gebiet und besonders schwere Fälle aufzählt, enthält nicht weniger als 13 Tote, 38 Notzuchtsverbrechen und 23 andere Eittlichkeitsverbrechen, 11 Straßenraubs und ebensoviele furchtbare Mißhandlungen. Die Täter waren zum weitaus größten Teile Schwarze. Es wird in der Geschichte Frankreichs für alle Zeiten ein dunkles Blatt bleiben, daß es feine farbigen Truppen zur Rheinlandbesatzung herangezogen hat, es ist bezeichnend für die damaligen Machthaber in Paris, daß ße der „Schwarzen Schmach am Rhein" erst dann ein Ende gemacht haben, als sie durch die Verhältnisse im Rifgebiet gezwungen wurden, die marokkanischen Divisionen auf diesen Kriegsschauplatz zu werfen. Besonders schwer w'rd das Schuldkonto Frankreichs auch durch die geradezu unverständliche Rechtsprechung belastet. Die Einwohner wurden bei dem ge= ringen Vergehen mit geradezu drakonischen Strafen belegt, die Rechtsprechung der Kriegsgerichte gegen deutsche Frauen vor allem grenzte geradezu an das Lächerliche. Auf der anderen Seite aber wurden Räuber und Diebe w t ^aanz geringen Strafen belegt, da es für die Franzosen immer einen Milderungsgrund gab und nur selten hat man gehört, daß die
Ehrgeiz zu befriedigen.
ein Opfer, ein
nähme der Reichspräsidentschaft
eburtstag zu feiern an der
wirkliches Opfer, das er jedoch gerne dem Vater- emporgerungen hat. lande bringt. Und in vorbildlicher Weise hat er bisher seines Amtes gewaltet.
He eines
Volkes, das sich aus tiefer Not zu neuer Blüte
Daß die Ekholuns j>$r\ sei ohne unsern Eintritt
unseres Jnlandmarktes eng mit
den Völkerbund in dieser Be-
Schritt getan sei. Diese Hoff- wirkliche Befriedung
schwarzen Mörder und farbigen Sittlichkeits- Verbrecher ihre schweren Taten gebührend gesühnt haben.
Noch größer wie in dem altbesetzten Gebiet waren die Leiden der Bevölkerung an der Ruhr sowie derjenigen Gebiete, die nur vorübergehend in französischer Gewalt waren. Der schwärzeste Punkt aber in der Geschichte der französischen Besatzung ist jener Frühlingstag 1923, wo es auf dem Gelände der Kruppschen Werke zu einem furchtbaren Gemetzel kam. Fast 100 Tote und Verwundete waren das Opfer eines aus dem Unteroffizierstande hervorgegangenen 56jährigen Leutnants, der auf unerklärliche Weise die Nerven verloren und ganz ungerechtfertigt feine Maschinengewehre eingesetzt hatte.
Man hätte meinen sollen, daß der Vertrag von Locarno auch seine Rückwirkungen auf die französische Besatzung gehabt hätte. Die Vorfälle in Germersheim und in Trier beweisen jedoch das Gegenteil. In dem französischen Besatzungsheere scheint es noch immer Elemente zu geben, die für den nicht leichten Dienst im Besatzungsheere in keiner Weise geeignet sind. Der Unterleutnant Rouzier im 311. Artillerie- Regiment war schon seit langem als besonderer Deutschenhasser in weiten Kreisen der Pfalz bekannt. Er warschon an dem unliebsamen Vorfälle in Germersheim im Juli d. Js. besonders hervorgetreten, als ein Kriegerfest bayerischer Regimentsvereine in geradezu brutaler Weise gestört wurde. Derselbe Offizier ist nun am letzten Sonntag bei einem Zusammenstoß mit jungen Leuten zum Mörder geworden, nachdem er schon vorher friedliche Bürger mit der Reitpeitsche gezüchtigt hatte. Gerade in der Pfalz hätten die Franzosen eine besondere Auswahl bei den Offizieren treffen müssen; denn bis in das kleinste Dorf ist noch nicht vergessen, in welcher Weise der französische Oberbefehlshaber und seine Organe die von dem guten Teile der Bevölkerung so grimmig gehaßten Separatisten in Schutz genommen hat. Auf der anderen Seite aber lebt" in der Erinnerung der Besatzung die Selbsthilfe des gequälten Volkes fort, sodaß genügend Reibungsstoff vorhanden war. Auch Trier hat von den Franzosen besonders viel zu leiden gehabt, doch keine Untat hat so sehr die Gemüter erregt, als der letzte Mord und seine Begleiterscheinungen. Fubren doch vier französische Offiziere in Zwil absichtlich in eine Gruppe friedlicher Spaziergänger hinein; bei dem dann entstehenden Wortwechsel
machte einer der Radfahrer von der Waffe Gebrauch und schoß einen Trierer Kaufmann einfach über den Haufen.
Die Leiden der Rheinlands sind schwer, es ist zu verstehen, wie sehr sich die Bevölkerung nach der Befreiung sehnt. Immer wieder muß bei der Betachtung der frazösischen Besatzung darauf hingewiesen werden, in welcher geradezu vornehmen und entgegenkommende Weise die deutschen Besatzungstruppen in den Jahren 1871/73 die französische Bevölkerung behandelt haben. Erst ein Vergleich läßt erkennen, wie grausam und brutal die Franzosen gewesen
Grrs nette Vvsvoßatwn.
Der Mörder Rouzier nach wie vor auf freiem Fuß.
Gerbiersheim, 1. Okt. Von zuständiger Seite wird uns mitgekeilt, daß die Nachricht, wonach der französische Leutnant Rouzier, dem bekanntlich die Bluttaten von Germersheim zur Last fallen, nach Nancy abtransportiert worden sei, nicht zutrifft. Leutnant Rouzier befand sich vielmehr Heuke in Landau.
Weiler wird uns mikgekeilk, daß Heuke in Landau die vier jungen Deutschen aus Germersheim, die in der Sonntag nacht am Ludwigslor mit dem französischen Leutnant in Zivil zusammentrafen, wobei bekanntlich der Schuhmacher Holzmann durch einen Schuß verletzt wurde, vernommen und dem französischen Leutnant gegenübergesiellt wurden. Das Verhör endete damit, daß Holzmann von den Franzosen verhaftet wurde unter der Dgründung,denLeutnant Rouzier geschlagen zu haben. (!) Die drei anderen Germersheimer Einwohner, die wieder freigelaffen wurden, bekundeten übereinstimmend, daß sie nicht den Eindruck hatten. daß Rouzier sich in französischer haft befinde, sondern daß er sich völliger Freiheit erfreue.
Wie seht erst bekannt wird, wurden die Heuke in Landau vernommen vier Germersheimer bereits am vergangenen Montag den ganzen Tag über in dem französischen Büro in Germersheim festgehalten, ohne daß man ihnen Beköstigung gab, sodaß sie am Abend vollkommen erschöpft
waren.
Zu der Verhaftung des Schuhmachers Holzmann aus Germersheim durch die französische Vesahungs- behörde wissen die Blätter noch zu melden, daß man dem Verletzten aus den Kopf zugesagt habe, er habe Rouzier geschlagen, bevor dieser zur Reil- peilsche und nachher zur Pistole habe greifen können. Als Holzmann dies energisch in Abrede ge-
können. Als Holzmann dies energisch in Abred stellt habe, habe man erklärt, ihn solange in wahrsam zu behalten, bis er die Wahrheit
Ge
_______, ___ „ ... Wahrheit sage. Jtad) einer weiteren Vlältermeldnng soll sich Rouzier, der in einem Landauer Hotel als Zimmer-
arreslant untergebrachk sei, in den Straßen ohne Begleitung frei beroeaen können.
Ziehung der erste nung auf eine , .
könne man abr solange nicht teilen, als noch ein einziger fremder Soldat auf deutschem Boden steht und durch seine Anwesenheit unser vaterländisches Empfinden verletzt. Er glaube der übereinstimmenden Meinung der ganzen Versammlung dahin Ausdruck geben zu können, daß die Zurückziehung der fremden Besatzung nicht von uns in irgend einer Form erkauft werden dürfe. Wir ständen auf dem Standpunkt, daß es mit den Grundsätzen des Völkerbundes und mit dem Gedanken einer Befriedung
Europas nicht vereinbar sei, Teile der Rheinprovinz und des Saargebiets weiter besetzt zu halten. Nur durch restlose Bereinigung dieser Frage könne der europäischen Wirtschaft die für einen Wiederaufstieg erforderliche Zuversicht gegeben werden.
Im Anschluß an die Ausführungen des Kom- merzienrats Dr. Reusch verbreitete sich
Dr. Silverberg
über seine Rede auf der Dresdener Tagung des Reichsoerbandes der deutschen Industrie. Er führte u. a. aus: „In meiner Dresdener Rede habe ich das politische Gebiet gestreift und zwar mit Absicht. In Deutschland ist eine Trennung aller derjenigen Fragen, die für das wirtschaftliche uni kulturelle Leben unseres Volkes von Bedeutung find, von politischen Dingen unmöglich. Sie ist eine Folge der Revolution. Wir müssen uns klar sein, daß für das deutsche Unternehmertum und die deutsche Wirtschaft die betreffenden Fragen von einer Stelle entschieden werden, die sich nach rein politischen Gesichtspunkten zusammensetzt.
Es ist Tatsache, daß in Deutschland alle wirtschaftspolitischen Fragen im rein politischen Sinne entschieden werden. Darin liegt für die Anternehmer die große Gefahr
und diese Gefahr würde noch größer werden, wenn wir nicht den Mut hätten, UNS mit diesen Dingen zu besassen. Es geht nicht an, eine große Partei von der Regierung auszu- schließen, die von großen Arbeitermassen gewählt worden ist. Ich habe meine Dresdener Rede sieben oder acht Herren des Präsidialrates des Reichsverbandes der Deutschen Industrie vorgelegt, die barmt einverstanden waren. Ich habe die Auffassung, daß das wertvoll ste, was wir in Deutschland haben, die Arbeiterschaft i st, in der ein guter Kern steckt. Ich hoffe, daß Unternehmertum und Arbeiterschaft sich auf einer Linie zusammenfinden, wenn Entscheidungen fallen, die für unser wirtschaftliches und für das politische Leben entscheidend sind.
In der Aussprache erklärte
Fritz Thyssen:
Früher habe man vielfach dem Unternehmertum s '*’ Vorwurf gemacht, daß es völlig einseitig ein- gestellt sei. Heute dürfe man nicht in den Fehler
l fallen, sich auf eine Partei festzulegen. Der Redner ging dann auf den Abschluß des Eisenpaktes ein und betonte, daß hiermit keineswegs eine Anerkennung des Versailler Vertrages verbunden fei. Eine wirtschaftliche Befriedung Europas könne nur dann eintreten, wenn der Geist von