AanaueMzeigev
EDMVEZM-MIzeßgsx für^M^MAaua« Stadt und Land
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 0.1.-/ für den ganzen Monat RM. 2.-ohneTrägerlohn/EinzelnummertO, $reifagi5, Samstag t2 R.-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg. im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. ✓ Offertengebühr 50 R-Pfg.
»
ErWungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oderRachlisferung sderaufRück;ohlungdesÄezug«preises./Fürplahvorschrifiu.Srscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr gekeistet./GtschäfissteNe:Hammerstr.y/Fernspr.ZSSS,ZSrr,ZY58
M230
âettag d«
1. SVt»ve« 1936
Das Neueste.
— Die Hafenarbeiter in Hamburg haben heute die Arbeit nicht ausgenommen.
— In Köln hat der Reichsparteitag der Deutschen Boitspartei begonnen.
r- Nach überaus mühseligen und komplizierten Verhandlungen ist es den in Brüssel versammelten Vertretern der deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Schwerindustrie gelungen, zu einer endgültigen Verständigung zu gelangen und den internationalen Eisenpakt abzuschließen.
— Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei sind gestern in Berlin wieder ausgenommen worden.
— In Germersheim wurde gestern nachmittag unter großer Beteiligung der von dem Franzosen Rouzier erschossene Müller beerdigt.
r — Chamberlain und Mussolini hatten gestern in Livorno eine etwa einstündige Aussprach«. Chamberlain wird auf der Rückreise Briand besuchen.
— Die polnische Regierung ist zurückgetreten.
GiahZSMevtmgsvesèimhe in âÄèâeZâ
Die Bank von Frankreich hat eine Aktion eingeleitet, die nicht nur in unserem Nachbarlande, sondern wohl überall von den finanziellen Sachverständigen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wird. Die genannte Bank ist das einzige Sioteninftitut Frankreichs. Ihre Goldreserve spielt bei den Versuchen, die fran- A zäsische Währung zu stabilisieren, wie sich von ? Mit versteht, eine entscheidende Rolle. Es steht / deshalb mit den Bemühungen Poincarès sicher M engen Zusammenhänge, wenn die Bank basischer Wahrung gegen Papierfranken aufzukaufen. Diese Münzen sind infolge der Inflation natürlich längst aus dem Verkehr verschwunden. In Gold sind sie im Betrage von 5 Francs I bis zu 100 Francs geprägt worden und in Silber von dem Betrage von 20 Centimes bis zu 5 Francs. Die Bank von Frankreich hat die Bevölkerung aufgefordert, diese Münzen bei ihr abzuliefern. Sie zahlt für Goldmünzen ungefähr das Sechsfache des Nominalbetrages in' Papierfranken und für Silbermünzen ungefähr das Zweieinhalbfache.
Der Andrang zu den Kassen der Bank von Frankreich war vom ersten Tage an außerordentlich groß. Das erscheint auf den ersten Blick verwunderlich, erklärt sich aber leicht, wenn man weiß, daß es bisher in Frankreich gesetzlich streng verboten war, Gold- und Silbermünzen für einen höheren Betrag als ihren Nominalwert gegen Papierfranken zu verkaufen. Das war ein von vornherein vergeblicher Versuch, die Fiktion aufrecht zu erhalten, als sei eine Banknote im Betrage von 20 Francs soviel wert wie ein Goldstück desselben Betrages, oder als habe sie jemals Aussicht, wieder einen solchen Wert zu erlangen. Bor einigen Wochen hat das französische Parlament die Bank von Frankreich ermächtigt, Gold- und Silbermünzen anzukaufen, und zwar zu einem Preise, den die Bank nach dem Kurswert des Papierfranken bestimmen sollte. Damit wurde endlich auch offiziell die Tatsache anerkannt, daß das Goldstück das Vielfache mehr wert ist, als der entsprechende Betrag in Papierfranken, sind nun konnte das Publikum, das seine Münzen zu verwerten versuchte, endlich auf den Schleichhandel verzichten. Bis dahin waren heimliche Aufkäufer durch das Land gezogen, hatte namentlich der ländlichen Bevölkerung die gehamsterten Münzen abgehandelt und sie mit großem Profit weiterverkauft. Diesem Handel hat man jetzt ein Ende gemacht, denn mehr als die Bank von Frankreich zahlt auch der Schwarzhändler nicht. So besteht immerhin begründete Aussicht, daß das gehamsterte Gold and Silber, soweit es überhaupt auf den Markt kommt, in die Kassen der Bank von Frankreich Es unterliegt keinem Zweifel, daß man durch den Ankauf von Gold und Silber die Reserven der Bank vermehren will, um sie bei Der Stabilisierung des Franken besser ein- setzen zu können. Von diesem Gesichtspunkt aus wird man zunächst fragen müssen, wieviel durch die im Gange befindliche Aktion zu erreichen ist. Die Frage wird in der französischen Presse viel diskutiert und dabei überbieten sich öie Zeitungen bei der Schätzung des voraussichtlichen Ertrages. Einige nehmen an, daß noch annähernd S Milliarden Francs in Gold vom Publikum zurückgezahlt werden und daß . die Bank von Frankreich einen beträchtlichen
Die polnische Aesiemms rmrüEgeiveSen.
Warschau, 30. Sept, wie der Sejmmarschall Rataj bei Eröffnung der Abendsitzung des polnischen Landtages milteilte, ist die Regierung Bartel zurück- getreten. Die Gesamtdemission wurde vom Staatspräsidenten angenommen. Die Sitzung des Landtages wurde daraufhin geschlossen. Reber den sozialistischen Antrag, der Landtag möge seine Auflösung beschließen, wird erst in der nächsten Sitzung, die bisher noch nicht festgesetzt wurde, abgestimmt werden.
Als Auftakt zu dem heutigen Entscheidungskampf im Konflikt zwischen Parlament und Regierung hat der Sejm in der Nachmittogssitzung zur allgemeinen Ueberraschung die Aenderung santräge des Senats zum Budget für das letzte Quartal angenommen. Dieser Beschluß, der mit 200 gegen knapp 100 Stimmen angenommen wurde, bedeutet eine offene Demonstration gegen die Regierung, denn vor kurzem hatte der Sejm das volle Budget mit 485 Millionen angenommen, das er nun heute auf 450 Millionen gekürzt hat, obgleich die Regierung während der ganzen Budget-Debatte erklärt hat, daß sie vom Budget keinen Pfenüig streichen lassen könne. Auf Wunsch der Regierung wurde dann die Sitzung unterbrochen. In der Abendsitzung wurde dann die obengemeldete Demission mitge- tsilt.
KttsMch-volnksche Gvatmrms.
W arschau, 30. Sepl. Der Abschluß der russisch- litauischen Garantien, des Richtangrisssvertrages und der nach litauischen Meldungen darin aufgenommene Passus, in dem die Sowjetregierung seslstelll, daß ihre bekannte Litauen freundliche Haltung zur O ilALtrage vorn Mte 192ü Une Veränderung
Rach halbamtlichen Meldungen hat der als Minister des Aeußern während der Abwesenheit Zaleskis amtierende Vizeminister Knoll den hiesigen russischen Gesandten für heute zu einer Konferenz gebeten, um die Lage zu klären. Die hauptstädtische Presse sührt gegen Rußland und Litauen eine sehr scharfe Sprache, am schärfsten die Pilsudski ideologisch nahestehenden Blätter der Linken. So schreibt der radikale „Surjer Porannji", daß es Pflicht der polnischen Regierung sei, mit aller Energie seslzu- stellen, daß derartige Dokumente, wie sie Tschitscherin und Slesevicius verferttgt hätten, nicht einmal das Papier werk seien, aus dem sie geschrieben seien, weil sie zur „Gattung diplo- mattscher Pormographie" gehörten. Die Sowjetregierung stünde außerhalb der Grenzen der Staa- ten, in denen die Sitten ber zivilisierten Welk Gül- ttgkeit hätten. 3n jeder Hinsicht erinnere dieses Werk mehr an ein afrikanisches Gebilde, als au eine europäische Mache.
Teil dieser Summe hervorlocken wird. Diese Ziffern sind aber nicht ernst zu nehmen. Vor dem Kriege waren rund 4 Milliarden Francs in Gold in Frankreich in Umlauf. Davon sind mehr als 2 Milliarden bei Ausbruch des Krieges in die Kassen der Bank von Frankreich zurückgekehrt. Bei ernsthafter Schätzung kann also von den vorerwähnten Erwartungen gar keine Rede sein. Es kommt aber noch etwas hinzu. Als das französische Parlament die Bank von Frankreich gum Ankauf von Gold- und Silbermünzen ermächtigte, erteilte es gleichzeitig Vollmacht, neue Papierfranken im Werte der angekauften Münzen ausgugeben. Wenn die Dank von Frankreich also wirklich einen nennenswerten Betrag von Gold- und Silbermünzen aus dem Hamsterkasten hervorlocken sollte, so würde sie damit keineswegs die Metalldeckung des gegenwärtigen Banknotenumlaufes verstärken, sondern das Verhältnis würde infolge der Neuausgabe von Banknoten dasselbe bleiben wie bisher. Dadurch wird der Wert der Gold- und Sillierankäufe für Zwecke der Stabilisierung ganz wesentlich herabgemindert.
Es ist wahlberechtigte Taktik, wenn die Pariser Presse von der Aktion der Dank von Frankreich viel Wesens macht und einen großartigen Erfolg als sicher bereits vorwegnimmt. Man will damit denselben Zweck erreichen wie mit der Versicherung, daß Frankreich eine größere Anleihe auf dem amerikanischen Markte jetzt so gut wie sicher in der Tasche haben. Wenn das französische Volk ein paar Milliarden in Gold der Bank von Frankreich zur Verfügung stellt — wozu braucht man dann noch die deutsche Finanzhilfe? Das alles sind durchsichtige Versuche, die Mobilisierung deutscher Eisenbahnobligationen in ihrem Werte für Frankreich so tief wie möglich her- Äirücken. Gelingen wird dieser Versuch
Dann jedermann weiß, daß Frankreich
Pilsudskis Blatt, der „Glos Prawdy", nennt den Vertrag eine offene Herausforderung der Sowjetregierung. Der Vertrag stünde im Gegensatz zu den Verpflichtungen der Völkerbunds- satzung. „Glos Prawdy" ist überzeugt, daß das polnische Außenministerium energische Schritte un- ternefjm'en wird. Der ebenfalls dem Regierungslager angehörende „Expreß Porannji" behauptet sogar, daß die polnischen Regierungskreise, obgleich sie den genauen Text des russisch-litauischen Vertrages roch nicht kennen, die Lage auf Grund der bisher eingegangenen Meldungen als sehr e r n st ansehen. Littauen sei nichts anderes als eine gegen Polen gerichtete Sorbit Sowjetrußlands. Die rechtsstehende „Rzeczpospolita" spricht von einer Vergewalttgung des Vertrages von Riga und ist überzeugt, daß der neue russisch-litauische vertrag in Europa eine sehr gefährliche Lage schaffe.
RttAand besebwirhttgt.
Moskau, 30. Sext. Im Auftrag der rusiischen Regierung wird der russische Botschafter in Warschau der polnischen Regierung eine Erklärung über den Abschluß des russisch-litauischen Vertrages abgeben, in der es heißt, die Unterzeichnung des Vertrages sei nicht gegen Polen gerichtet, sondern habe lediglich den Zweck, den Frieden in den östlichen Staaten wieder herzustellen. Die russische Regierung habe versucht, die russisch-polnischen Verhandlungen zu beschleunigen, dies sei jedoch von dem polnischen Außenminister Zaleski abgelehnt worden. Die Sowjetregierung sei bereit, Polen in bestimmten Fragen entgegenzukommen unter der Bedingung, daß Polen von Rußland keine Zugeständnisie in oer Memeler, Wilnaer und Danziger Frage fordern werde.
-Keine GvwShnttns Memels km nettesten Sftvevtvas.
Berlin, 30. Sept. Der jüngst abgeschlossene russisch-litauische Neutralitätsvertrag hat vor allem in ostpolitisch interessierten Kreisen eine gewisse Erregung hervorgerufen. Man vermutete, im Vertrag könne eine Garantie des Besitzes des Memelgebietes für Litauen durch Rußland erfolgt sein. An zuständiger Stelle hören wir jedoch, daß die Stellung des Memellandes durch den Vertrag in keiner Weise berührt, und daß Memel in ihm gar nicht erwähnt wird. Von irgendwelchen Versprechungen, die uns zu Bedenken Anlaß geben könnten, dürste also nicht die Rede sein. In dem Passus über Wilna ist eine besonders gewollte Unfreundlichkeit Rußlands gegenüber Polens zu erblicken, obwohl ja der von der Sowjetregierung eingenommene Standpunkt in der betreffenden Frage durchaus nicht neu ist.
in Amerika eine Anleihe nur dann bekommt, wenn es das Schuldenabkommen anerkennt und wenn es den amerikanischen Gläubigern greifbare Werte verpfändet. Jedermann weiß auch, daß mit dem Ankauf von Gold- und Silbermünzen im eigenen Lande die Währung nicht auf feste Füße zu stellen ist. Briand weiß sehr wohl, warum er an die deutsche Finanzhilfe appelliert hat und die Folgerungen, die daraus zu ziehen sind, lassen sich durch Schliche nicht außer Kraft setzen.
Voineavès Devvel-piel.
Paris, 30. Sept. Bainvill«, der diplomatische Mitarbeiter des nationalistischen Blattes „ßiberté", macht sich über Poincarè luftig, der die Deutschen gegen Die Amerikaner und die Amerikaner gegen die Deutschen ausspiele. Den Amerikanern sage Poincarè: Ich brauche eure Kredite nicht, denn ich bin nicht von euch abhängig, wenn ich mich mit den Deutschen verständige. Den Deutschen rufe er zu: Für eure dürftigen Konzessionen gebe ich das Rheinland nicht heraus, denn die Amerikaner liefern mir mehr Geld als ihr. Ein solches Schauspiel wirke, wie Bainville schreibt, einfach lächerlich und dürste sowohl in Amerika als auch in Deutschland Gelächter erregen. Poincarè scheint die amerikanischen Wahlen im November abzuwarten und wird bis dahin diese sonderbare Polttit fortsetzen.
Bildung des Sntevnationalen «tablkavtevs.
Rach monatelangen Verhandlungen ist gestern in Brüssel eine Einigung der deutschen, französischen und luxemburgischen Elsenindustriellen mit den Belgiern erzielt worden. In letzter Stund« wurde den belgischen Vertretern ein Vergleichsoorschlag unterbreitet, der die Mehrforderung der belgischen Quote anerkennt. Darnach erhallen die Belgier einen Anteil von 295 000 Tonnen von der monatlichen Erzeugung oder 3 540 000 Tonnen im Jahr, während ihnen ursprünglich nur 265 000 Tonnen monatlich oder 3 280 000 Tonnen im Iahrzuge- billigt werben sollten In der geftngen Sitzung wurde die jährlich« Erzeugung mit 27% Millionen , Donnen vereinbart. Der belgisch« Anteil würde dar
nach 12.87 Prozent betragen. Die Produktion kann bis 30,60 Mill. Tonnen gesteigert werden. An einer solchen Steigerung würde Belgien mit 2,85 Proz. beteiligt sein. Sinkt die Erzeugung unter 27% Mill. Tonnen, so mürbe sich ber belgische Anteil ent- sprechend ermäßigen. Der Vertrag tritt mit Wirkung vom 1. Oktober in Kraft.
Zu dem Abschluß des Internationalen Eisen- karteqs bringt das „B. T." ehren Artikel eines führenden rheinischen Schwerindustriellen, der einen Konzern leitet, der seinen Namen trägt. Der Verfasser gehört dem Zentrum an. Der Artikel hebt hervor, daß die Beteiligungsziffern Frankreichs, Luxemburgs und Belgiens ungefähr 95 bis 100 Prozent entsprechen, die Ziffer für Deutschland höchstens 70 bis 75 Prozent. Aus diesem Grunde werde Deutschland in den nächsten Jahren der Zahlende bei dem Abkommen sein. Im ersten Jahre werde es 2 bis 3 Millionen DoAar, das sind ungefähr 3 Mark je Tonne Ausfuhr zu zahlen haben. Das bedeute eine schwere Belastung für Deutschland. Trotz dieser Belastung sei das Abkommen aber für Deutschland günstig, da Deutschland jetzt in der Lag« fei, den deutschen Markt zu erobern. Der größte Nutzen liege darin, daß es jetzt auch möglich sei, die Preise auf den internationalen Märkten zu revidieren. Sollte die Anpasiung der ausländischen Preise an die deutschen gelingen, so werde die deutsche Fertigeisenindustrie jederzeit tn ber Lage sein, gegen die ausländische Konturrrenz mit gleichen Selbstkosten aufzutreten. Das „8. T. bringt weiter auch eine Aeußerung Loucheurs, bet hervorhebt, daß der Pakt mit der schweigenden Zu- stimmung der Regierungen geschlossen worden sei. Der belgische Senator de Broukère betont in einer Zuschrift, das Abkommen würde zwischen den Ländern, die den Vertrag von Locarno unterzeichnet haben, eine noch stärkere wirtschaftliche Solidarität und Zusammenarbeit erzielen.
Reichs Wirtschaftsminister Dr. Curtius weist darauf hin, daß die Stahlinduftrieklen als oer ant« wörtliche Sachwaller der gesamten deutschen SBirt» schäft und eisenverarbeitenden Industrie gehandelt haben.
Der „Vorwärts" sieht in der Tayache, daß die Kapitalisten allein den Zusammenschluß voll- zogen, eine Gefahr für die Arbeiterschaft.
Die .„Deutsche Allgemeine Zeitung" sieht eine über das rein Wirtschaftliche hinausgehende Bedeutung der Abmachungen darin, daß mit ihr ein hoffnungsvoller Versuch unternommen werde, in einem wichtigen Punkt die unheilvollen Folgen des Friedensvsrtrages von Versailles einem Ausgleich entgegenzuführen.
Mussolini - Ähamberlai«.
Rom, 30. Sept. Die „Agenzia Stefani" gibt folgende Mitteilung aus: Mussolini and Chamberlain siod Heuke in Livorno za- sammengetrofsen. Die Besprechungen zwischen den beiden Staatsmännern, bie, wie man weiß, durch Beziehungen gegenseitiger persönlicher Freundschaft miteinander verbunden sind, find in sehr herzlicher Weise verlausen. Die beiden Minister haben bie wichtigsten internationalen Fragen der Stunde geprüft und dabei die Genngtung gehabt, die 3nfimi- tät der englisch-italienischen Beziehungen und die Gleichheit der von den beiden Regierungen für die Lösung der wichtigsten europäischen Probleme ein- gehallenen Linie zu bestätigen.
London 1. Okt. Chamberlain empfing gestern den Berichterstatter des „Daily Telegraph" und erklärte ihm, als Muffolini gehört habe, daß er seine Ferien in italienischen Gewässern verbringe, habe er den Wunsch ausgesprochen, ihn zu treffen, was er gern zugesagt habe. Auf die Frage des Berichter- statters, ob die Unterredung auch wichtige politische Probleme berührt habe, antwortete Chamberlain: Wenn Sie das amtliche Kommuniquee gelesen haben, so missen Sie alles, was wir erörtert haben. Ueber Politik haben mir wenig gesprochen, unsere Unterredung war die von zwei Freunden. Chamberlain sagte, daß er nach Genua fahren, von wo er über Paris nach London weiter reifen wolle.
Italienische Pressestimmen.
Rom, 30. Sept. Alle faschistischen Blätter bringen Lellartikel zur Begegnung zwischen Mussolini und Chamberlain. Sie wiederholen darin die bekannten Gedankengänge, daß England und Italien als Ga- ranten von Locarno und Unterzeichner des Versailler Vertrages sich mit den neuesten deutsch-französisczen Annäherungen beschäftigen müßten.
„ß a D o r o d'Itali a", welcher ausdrücklich erklärt, daß er nicht an eine deutsch-französische Annäherung glaube, meint, daß vielmehr der neue große Eisentrust England und Italien besorgt machen müsse.
„Carriere della Sella" schreibt, das aktuellste zu behandelnde Problem bildet das politische Vorgehen Deutschlands nach feinem Eintritt in den Völkerbund. Wenn Frankreich und Deutschland ihre neuen politischen Beziehungen durch finanziell« und wirtschaftliche Abkommen zu egänzen suchten, könne das in Rom ober London weder mißfallen noch beunruhigen, sondern einen off«isichtlichen Erfolg der Versöhnungspolitik beider Länder bilden. Wenn jedoch von Grund auf neue Mikommen Zwilchen Deutschland und Frankreich getroffen werden sollen, bie Interessen Dritter berühren, muffen bte heiklen Fragen geprüft werden, die durchaus nicht beunruhigend seien, sondern viel günstige Anhaltspunkte für die W-itere^wicklung der neuen Der- söhnunqspoltik enthalten. Ein einträchtiges Vorgehen bet Saiantiemârbte sei ** «i°-«dâ «« nicht-»