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Hanauer S Anzeiger

General-Anzeiger für die Streife Kanan Stadt und Land.

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Nr. 206

Freitag den 3. September

1926

Die 41. Genfer Ratssitzung eröffnet.

Neu 0Stksvv««dsv<»t tast unter BenosKs Vorsitz ohne den spanischen Delegierten.

upenf, 2. Sept. Unter dem Vorsitz des Außenministers Dr. Benesch trat heute not- mittag punkt 11 Uhr der Völkerbundsrat zu­nächst zu einer geheimen Sitzung zusammen. Von der spanischen Vertretung in Genf ist dem Völkerbundssekretariat die offi­zielle Mitteilung zugegangen, daß der spa­nische Vertreter an der Ratssitzung nicht teilnehmen werde.

Schon heute früh verbreitete sich im Völ­kerbundshause das Gerücht, daß der spanische Delegierte zu der heutigen Ratssitzung gemäß der Ankündigung in der Junitagung des Rates wirklich nicht mehr erscheinen werde. Nach dem Versprechen, das Palacios gestern abend in bewegten Tönen abgegeben hatte und wonach seine Regierung die Lage noch­mals loyal prüfen werde, hatte man diese plötzliche Frontänderung, die allerlei Befürch­tungen für die Zukunft Raum gibt, allerdings nicht für wahrscheinlich gehalten. Schließlich stellte sich kurz nach 11 Uhr aber die Tatsache heraus, daß die Zahl der Ratsmitglieder, die sich in den Ratssaal begaben, in der Tat nur acht betrug. Der Spanier fehlte also.

Die geheime Ratsbesprechung, | die gewöhnlich nur einer kurzen Einigung über die Tagesordnung der beginnenden Ta­gung gilt, dauerte heute ungewöhnlich lange jj» .JiJW, tpjejnon hört, joll im Rate, eine sponisâ - Erklärung über dieäiüMi wckrden sein. Als kurz vor der Mittagsstunde die Oeffentlichkeit zugelassen wurde, saßen in der Tat um die kürzlich erst in einen großen hufeisenförmigen Tisch verwandelte Ratstafel x dünn verstreut die acht Ratsmitglieder ohne Spanien und ihr Generalsekretär. Das Publi- kum füllte trotz der strengen Kartenkontrolle den Saal bis auf den letzten Platz. Freilich ein PublUum, das zum größten Teil aus Diplo­maten besteht. Benesch als Präsident der 41. Raisragung eröffnete die erste Sitzung ohne irgend ein Wort der Begrüßung, wie das sonst bei weniger ereignisreichen Tagungen stets üblich war und ging sofort auf die Tagesord- 6 nung los. Das japanische Ratsmitglied ' Ishii war das erste Opfer und gezwungen, !' einen drei Folioseiten langen Bericht über die s Hygienefrage zu verlesen. Schlimmer erging ; es dem schwedischen Delegierten U n d e n, der j über die letzte Tagung der Opiumkonferenz s volle sieben Seiten einschließlich der Resolution - verlesen mußte, allerdings dafür die Genug- i tuung hatte, daß Chamberlain an dem Bericht

8 so viel Interesse nahm, um die kurze Debatte einzuleiten und dem Wunsche Ausdruck zu I geben, daß die Opiumkonvention doch recht I bald ratifiziert werden möchte. Daß im Völker- I bundsrat wichtige Dinge vorgehen, zeigte die I Anberaumungdernächstenöffent- ss lichen Sitzung auf morgen nach- : mittag 3% Uhr. So stehen also dem Rate * Stunden zur Verfügung, bevor wir wieder in öffentlicher Sitzung den Bericht über die I griechischen Flüchtlinge oder den Tätigkeits- ? bericht der Kommission für internationale I geistige Zusammenarbeit verlesen bekommen werden. Die Hauptsache wird hinter den Ku- I lissen erledigt...

Der Rat erwartet eine spanische Erklärung.

i Aus der geheimen Sitzung des Völker- rh bundsrates, die heute so auffällig lange bau» h "te, erfahren wir, daß der Generalsekretär Sir I ®ric Drummond Mitteilung davon machte, daß er eine spanische Erklärung erwarte, daß aber bis zur Stunde eine solche noch nicht ein- I getroffen ist Im übrigen befaßte sich der Rat I anscheinend noch nicht irgendwie offiziell mit ; dem Fernbleiben des spanischen Delegierten I und behandelte eine Reihe von Fragen admi- I nistrativer Art. Allgemein fällt die Aehnlichkeit I des Vorgehens Spaniens mit dem Brasiliens i m der Juni-Tagung auf, wo der brasilianische I Botschafter Mello Franco ohne jede Erklärung > einfach dem Rate fern blieb, bis er dann wie- s der erschien. Brasilien gab seine Rücktritts- ; absicht, wie erinnerlich, erst in der letzten Rats- I sitzung im Juni kund.

Eine spanische Nole an Drummond.

Wie der Genfer Verlreker der Agentur Havas erfahren haben will, hat die Madri­der Regierung beschlossen. bereits jetzt bekannt zu geben, daß sie sich an den Arbeiten des Völkerbundes des- i n t e r e s si e r k. Binnen 24 Stunden werde der Generalsekretär des Völkerbundes eine amtliche Rate der spanischen Regierung erhal­ten, die diesen Beschluß offiziell bekannt geben wird.

Dermittlungsaklion des Papstes.

Pariser und Londoner Blätter melden aus Rom, daß der Papst gestern eine Unterredung mit dem gegenwärtig in Rom weilenden Nun­tius in Madrid hatte, deren Gegenstand die Haltung Spaniens zum Völkerbund war. Der Nuntius wird, wie es in den Blättermeldun- gen heißt, sofort nach Madrid zurückkehren und dort eine Audienz sowohl beim König, als auch bei Primo de Rivera nachsuchen, denen er erklären werde, daß nach Ansicht des Vati­kan sowohl im Interesse der katholischen Kirche als auch im Interesse des Friedens Spanien Mitglied des Völkerbundes bleiben müßte. Die Demarche des päpstlichen Nuntius soll die Form eines persönlichen Appells des Papstes an den König von Spanien haben.

Genf, 2. Sept. Die überstürzte Arbeit des Prüfungsausschusses rächte sich heute nach­mittag besonders schwer. Für 6 Uhr abends war die Sitzung angesetzt, in der der Kommis- ionsbericht an den Rat, die Rekonstruktions- rage und die Ablehnung des spanischen Wun- ches betreffend, zur Annahme gelangen sollte. Eine glatte Abwicklung dieser Schlußoperation wurde allgemein erwartet. Infolge der Schwie­rigkeiten, wie sie noch bei der Revidierung des Textes im Generalsekretariat aufgetaucht waren, verzögerte sich die endgül­tige Feststellung des Wortlautes. Die U eb ertra gung vom Französi - scheu ins Englische war mangel­haft. Drei wichtige Stellen enthielten meh­rere Versionen und am schlimmsten war, daß die Delegierten erst zehn Minuten vor der Sitzung die Abschriften erhielten. Die Ver­wirrung trat deshalb schnell ein und führte zu einer verworrenen, ziel- und nutzlosen Diskus­sion über unzutreffende, schlecht gewählte For­mulierungen. Wären die Delegierten in der Lage gewesen, die Texte vorher genauer zu prüfen und mit ihren Erklärungen in der Unterkommission zu vergleichen, so hätte sich das Durcheinander in der öffentlichen Sitzung vermeiden lassen.

Im Vordergrund der Diskussion stand die von Palacios gestellte Forderung, daß in dem Bericht des Prüfungsausschusses erklärt werde, daß die Kommission den Wunsch Spaniens, einen ständigen Ratssitz zu erhalten, abgelehnt habe. Palacios sagte:Diese Wahrheit darf Nicht verschwiegen werden. Es ist sehr schön, daß die Kommission mit schmeichelhaften Aus­lassungen an Spanien nicht geizte. Aber Sen­timents haben mit dem Wunsche Spaniens auf einen ständigen Ratssitz absolut nichts zu tun. Meine Regierung verlangt, daß in dem Bericht klar und eindeutig gesagt werde, welche Antwort die Kommission an Spanien richtet."

Da die Kommission alles vermeiden wolle, was einer klar formulierten Ablehnung gleich­käme, so entstand ein lebhaft erregter Mei­nungsaustausch. Lord Robert Cecil schlug be- sänftigende Formulierungen vor. Der Belgier de Brouckère fand eine schmeichelhafte Phrase, um Palacios zu beschwichtigen. Polen mischte sich ein, China intervenierte. Kurz, es war ein Regen von Stilblüten, der sich über den spanischen Delegierten ergoß. Dazwischen fiel auch ein peinlicher Satz. Er kam aus dem Munde des Juristen Fromageot, der Frank­reich vertritt. Fromageot schlug vor, die einen ständigen Ratssitz fordernden Staaten in alphabetischer Reihenfolge aufzuzählen und die Erklärung binzuzusüaen, daß sich die Kom­

Genf, 2. Sept. Botschafter v. Hösch hatte heute nachmittag eine längere Unterredung mit dem französischen Minister des Aeußern Briand. Die Besprechung aalt vorwiegend der durch die Vorschläge des Prüfungsausschusses für die Zusammensetzung des Völkerbunds­rates geschaffenen Lage. Briand zeigte sich über die zustande gekommene Lösung sehr be­friedigt und äußerte auch Genugtuung über die numnehr feststehende Tatsache des Ein­tritts Deutschlands in den Völkerbund als stän­diges Ratsmitglied. Die Besprechungen, bei denen ferner verschiedene technische Einzelhei­ten über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund behandelt wurden, drehten sich schließlich um verschiedene laufende Fragen, darunter auch um die Frage der Verminde­rung der Besatzungstruppen im Rheinland.

Die deutsche Delegation für Genf.

Berlin, 2. Sept. Das Reichskabinett hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Frage der deutschen Vertretung auf der Völkerbunds­tagung in Genf befaßt. Der deutschen Vertre­tung werden hiernach als Delegierte ange­hören: Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Staatssekretär Dr. v. Schubert und Mini­sterialdirektor Dr. Gaus. Die Delegation wird ferner die Reichstaqsabgeordneten Graf Bern­storff, Dr. Breitscheid, Dr. Kaas und Freiherrn von Rheinbaben, die Staatssekretäre Dr. Pünder und Weismann, die Ministerialdirek­toren Dr. Kiep und Dr. Schäffer, sowie Sach­verständige aus verschiedenen Ministerien um­fassen.

Das Prestige des Völkerbundes auf dem Spiel.

Paris, 2. Septbr. Der Berliner Berichterstatter desEcho de Paris" gibt eine mit Dr. Wirth geführte Unterredung wieeer, in der dieser erklärte, er habe während seines Aufenthaltes in Genf den E-ndrnck gewonnen, daß die Völlerbun^tagung einen sehr be­wegten Verlauf nehmen würde und auf große Schwie­rigkeiten stoßen werde. Auch sei mit einer langen Dauer zu rechnen, da man Zeit und Geduld brauche, um zu einer vollkommenen Einigung zu gelangen. Das ganze Prestige des Völkerbundes stehe auf dem Sp el.

Auch eine diplomatische Köflichkeil!

Mexiko-City. 2. Sept. Infolge des Pro­testes der Regierung, von Nicaragua bei dem Völkerbund gegen eine mexikanische Einmischung in den Aufstand in Nicaragua hat der Völkerbund Mexiko um Auskunft ge­beten. Mexiko anwortete:Mexiko ist nicht Mitglied des Völkerbundes und bedankt sich für Ihre Vorstellungen."

mission nicht entschließen konnte, diesen Wün­schen Erfüllung zuteil werden zu lassen. In der französischen Textierung, die Fromageot vorschlug, hieß es:

Die Kommission erklärt sich einstimmig für die Zuerkennung eines ständigen Sitzes an Deutschland und lehnt die glei­chen Wünsche Polens, Chinas und Spa­niens ab.

Der Jurist hat die nüchterne Sachlage aus­gesprochen und erhielt daher von den mit poli­tischen Argumenten arbeitenden Delegierten eine scharfe Abfuhr. Sonderbar ist, daß Motta den Vorschlag Fromageots aufs heftigste zurückwies.

Um die endgültige Formulierung zu finden, die dem spanischen Delegierten Befriedigung verschaffen soll, wurde die Sitzung gegen 8 Uhr abends auf morgen 11 Uhr vormittags ver­tagt. Vor dem Disput über die spanischen Ein­wände stritten sich noch Polen und China darüber, ob sie ihre Forde- rungennachdempermanentenSitz gemeinsam ft eilen oder von ein­ander trennen sollten. Sie entschieden sich für das letztere. Polen glänzt in dem Be­richt mit seinem Anspruch auf einen ständigen Sitz. China behält sich vor, auf seine Forderung

Revision des Dawesabkommens?

Amerikanische Initiative in der Schuldea- regetungsfrage.

Wohl nicht zufällig häufen sich gerade jetzt am 2. Jahrestage der Unterzeichnung des Dawesgutachtens die Meldungen aus Amerika, London und Paris, die eine Revision des gesamten Schuldenregelungskomplexes verlangen. Auch von amerikanischen hochoffi­ziösen Kreisen kommen Nachrichten, die dem Drängen hervorragender Wirtschaftler nach einer loyalen, den ökonomischen Notwendigkei­ten gerecht werdenden Behandlung des Schul­denproblems freundlich gegsnüberstehen. Die Aussichten für eine internationale Finanzkon- fevs.iz, die Ende diefes Jahres oder Anfang 1927 zur Regelung dieser Schecksalsfrage Eu­ropas in London oder Paris stattfinden soll sind nicht ungünstig zu beurteilen-

Großes Aufsehen erregte ein Artikel des früheren amerikanischen Kriegsministers New­ton Bakers, der in einem überall an hervor­stechender Stelle abgedruckten Artikel mit Lei­denschaft für eine Annulierung der alliierten Schulden an Amerika eintritt. Gleichzeitig müsse damit selbstverständlich eine Erleichte­rung der Schuldenlast Deutschlands, wie es sich aus dem Dawesgutachten ergibt, eintre­ten, da es unmöglich angehe, das Schulden­problem, getrennt vom Reparationsproblem

ÄlR^erifamWn^o^S fchüWrs Irving Fisher, indem dieser mit wissenschaftlichen Argumenten die großen Ge­fahren der bisherigen Haltung der Vereinig­ten Staaten in der Schuldenregelungssrage nachweist. Der europäische Friede, der für die amerikanische Wirtschaft eine Lebensnotwen­digkeit bedeutet, ist immer wieder durch die drückenden Lasten gefährdet, die die Liquidie­rung des Weltkrieges sowohl Siegern wie Be­siegten auferlegt. Die geschwächte europäische Wirtschaft ist nicht in der Lage, ohne ernste Schwierigkeiten und Erschütterungen das zur Zahlung der Schulden und Reparationen not­wendige Geld Herauszuwirtschaften.

Es ist für die Psyche des amerikanischen Volkes bezeichnend, daß es sich durch rein ge­schäftliche Erwägungen und durchaus für das eigene Wohl besorgt in seinen Entschließungen bestimmen läßt, und daß es ganz falsch ist, wie es letzthin von Seiten Clemenceaus geschehen ist, auf gefühlsmäßige Momente zu spekulie­ren. Amerika hat eingesessen, und seine Wirt- schaftsführcr erfüllt es mit Besorgnis, daß die amerikanische Wirtschaft trotz der für euro­päische Verhältnisse erstaunlichen Aufnahme­fähigkeit des Jnlandsmarktes mehr und mehr auf den Export angewiesen ist, um die Pro­dukte der gewaltig gesteigerten Produktions­kapazität Amerikas auf,zunehmen. Also mutz Amerika darauf bedacht sein, Europa, das als Exportland hauptsächlich in Betracht kommt, möglichst wirtschaftstüchtig zu halten, um auf­nahmefähig für amerikanische Ausfuhrgüter zu sein. Da aber andererseits der Zwang zu Schulden- und Reparationszahlungen den Zwang zur gesteigerten Ausfuhr der belaste­ten Länder in sich schließt, muß Amerika mit einer gesteigerten Konkurrenz der europäischen Industrie rechnen. Diese harten wirtschaftlichen Tatsachen scheinen jetzt endlich die bisherige starre Politik Amerikas überzeugend zu ver­ändern, und der Weg zu Verhandlungen, die eine grundlegende Aenderung bringen, scheint nicht mehr allzufern zu sein.

Was hat Deutschland, das unter der Last der Dawesoerpflichtungen seufzt, deren ganze Schwere es erst im nächsten Jahre zu fühlen bekommt, von diesen Verhandlungen zu er­warten. Ginge es nach den Wünschen Frank­reichs, so müßte der Dawespakt in seiner gan­zen Höhe für Deutschland bestehen bleiben, während es von seinen Verpflichtungen Eng­land und Amerika gegenüber weitestgehend entbunden werden sollte. So einfach wird sich die Sache aber nicht abspielen: denn Amerika, dem an einer Einzellösung nichts gelegen ist, dem Teilarbeit gar keine Arbeit ist, wünscht eine Gesamtlösung der europäischen Frage. Seine Devise lautet: keine Regelung der inter­alliierten Schulden ohne alektBettkie Revision