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Montag Den 30. August

Nr. 202

vielleicht auf seinen Austritt beharren, dagegen ist nicht sicher, daß die Spanier die Drohung ihres Ausscheidens ausführen. Polen scheint bereit zu sein, seine Ansprüche zu mindern, um die glatte Tätigkeit des Völkerbundes zu ermöglichen. Die Rechtssach­verständigen des britischen, des französischen und ^es deutschen Auswärtigen Amtes, Hurst, Froma- geot und Gaus, die bereits früher der Sache des Friedens große Dienste geleistet und gegenseitige Achtung vor einander und Vertrauen zu einander gewonnen haben, haben, wie es scheint, eine Ver­einbarung erzielt, die die Studienkommission für die Frage der Zusammensetzung des Völkerbunds- wts vielleicht diese Woche annehmen und der Voll- Derfammlung empfehlen wird. Die Abneigung einiger kleiner Mäckfle, darunter Schweden, gegen die Schaffung einer Kategorie .halbständiger' Ratsmitglieder mit besonderen Privilegien wird vielleicht noch einige Schwierigkeiten ergeben, die aber überwunden werden dürsten.

Anruhe« in Spanien?

Paris, 30. Aug. Nach Meldungen des Matin eu? Gibraltar find sämtliche Telephon- und Tele­graphenleitungen mit Spanien seit gestern unter­brochen. Gerüchte von ernsten Unruhen sind im Umauf.

Amerika und der Wellgerichtshof.

R ew Aork, 29. Aug. Associated Preß meldet aus 28a bington, daß der demokratische Senator Trammell »Floridas erklärte, er werde in der nächsten Kongreß- fion die Rückgängigmachung der Senatsratifizierung des Beikitts der bereinigten Staaten zum Weltgerichts- M Vorschlägen, obwohl er seinerzeit für die Rati­fizierung gestimmt habe. Der republikanische Senator Gooding (Idaho) hat kürzlich eine ähnliche Erklärung abgegeben, die er mit der Haltung Frankreichs zum Schuldenabkommcu begründete.

Amerika für Revision des Dawes­planes ?

Rewyork, 29. Aug. Rewyork Tribune meldet aus Washington, in politischen Kreisen werde die Möglichkeit einer von den Vereinig­ten Staaten geforderten Revision des Dawes­planes erörtert. Es werde erwartet, daß Schah- jekrekär Mellon nach seiner Rückkehr über die Tunlichkeit eines solchen Verfangens Aufklä­rung geben werde.

Die Deutsche Studentenschaft zum Prager Kongreß der E. I. E.

Berlin, 29. Aug. Dou der Teutschen Studenten - schaft erhalten wir nachstehende Erklärung:

»Mit den jüngsten Beschlüssen der Prager Ron» grelles bat die in der Confédération Internationale des Etudiants zurzeit herrschende Mehrheit kundgetan, daß sie in Wirklichkeit eine Zusammen arbeit mit der Teutschen Studentenschaft überhaupt nicht wünscht. Die Deutsche Studentenschaft muß die in diesen Be­schlüssen zum Ausdruck kommende Zumutung, ihrer- setts erneut an die C. J. 6. deranzutreten, ablchnen, >a sie durch jahrelange praktische Förderung inter­nationaler studentischer Arbeit und erst kürzlich wieder

lockt hatte. 3m Festzuge selbst sah man eine stattliche Anzahl der Generäle der alten Armee. Unmittelbar auf sie folgte die Fabnenkompagnie, der sich die Vaterländischen Verbände anschloffen. Den Vorbei­marsch des Festzuges nahm am Hauptmarkt Exkron- vrinz Rupprecht uud Prinz Oskar von Preußen ab. Der Vorbeimarsch dauerte 2 ft. Stunden Eine Festaufführung im Neuen Stadttheater führte die Teilnehmer am Abend nochmals zusammen. Im Beisein deS Exkronpiinzen wurden Szenen aus den Meistersinger«" wiedergegeben, worauf Schillers Wilhelm Test" aufgeführt wurde.

Tannenbergfeier in Königsberg.

Königsberg, 29. Aug. Anläßlich der zwölften Wiederkehr des Tage» der Schlacht von Tannenberg fand hier am Samstag und Sonntag unter außer­ordentlich starker Beteiligung aller Bevölkerungskreise eine von der staatsbürgerlichen Arbeitsgemeinschaft veranstaltete Tanncnberggedenkfeier statt. Nach den in verschiedenen Lokalen von den Kriegsverbänden, dem Stahlhelm und der staatsbürgerlichen Arbeits­gemeinschaft ant Samstag veranstalteten BcgrüßungS- abenden wurde am Sonntag vormittag auf dem Walter Simonptatz ein Feldgottesdienst abgehalten unter Beteiligung der vaterländischen Verbände, der staats­bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft, der Militär- und

Sriegeroereine, der Vertreter der Studentenschaft Albertus-Universität, sowie von vielen Tausenden Zuschauern.

Aus der K. P. D.

der von

Berlin, 29. Aug. Eine Parteiarbeiterkonftrenz >er Kommunistischen Partei, die in den letzten Tagen tattfaud, bat die letzten Beschlüsse des Zentralkomitees gegen die sogenannteultralinte" Opposition bestätigt; eine entsprechende Resolution, die den Ausschluß von Maßlow und Ruth Fischer begrüßte, wurde mit 83 gegen 7 Stimm n angenommen. Der Reichstagsab- georbnete Urbahns, der zur Minderheit gehört, hatte vorher erklärt, daß er künftig mit der sogenannten »entschiedenen Linken" (der Gruppe des ausgeschloffencn Wg. Korsch) zusammen gegen das Z-iitralkomitee kämpfen wolle. Das Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale bat inzwischen den Ausschluß von Maßlow und Ruth Fischer ein» timmig bestätigt.

Die Leipziger Herbstmesse.

Leipzig, 28. Aug. Der Verkehr zur Leip­ziger Herbstmesse verspricht anscheinend im Zusammenhang mit der Besserung der Ge- chäftskonjunktur einen größeren Umfang an­zunehmen, als bisher erwartet worden ist. Bis etzi sind 21 Sonderzüge in Leipzig emge- roffen. Aus dem Ausland haben weitere drei Sonderzüge aus der Schweiz, Holland und der Tschechoslowakei Mesiebesucher nach Leipzig zebracht. Die Anzahl der Gesellschastsfahrten, ). H. der Fahrten mit 25 Prozent Fahrpreis­ermäßigung bei einer Beteiligung von minde- tens 20 Personen läßt sich zu? Zeit noch nicht ibersehen. Besonderen Eindruck machte der Gesellschastssonderzug von Wien mit an­nähernd 400 Oesterreichern. Wieviel Verwal-

tungssonderzügevon der Eisenbahnverwaltung zur Bewältigung des starken Verkehrs einge- ^ ---x---^ ^ ebenfalls erst später

gartrdn Willen 5 e kündet 'W, soweit c§5« liest, alles zu tun, um zu einer von politischen Ein­flüssen ungetrübten Zusammenarbeit zu gelangen. - Der durchsicktige Versuch einer einzelnen Machtgruppe, die nur durch die Stimme einer ohne Hochschulen be- - stehenden Studentenschaft eine Mehrheit erzielen ' konnte, die Deutsche Studentenschaft vor der Oeffent- lichkeit mit dem Vor Wurfe eurer starrsinnigen Prestige-Politik zu belasten, wird die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß vielmehr die Nichteinlösung der der Deutschen Studentenschaft in Warschau 1924 uns später in London gegebenen Versprechungen eine fachliche Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Studentenschaft uni C, I. E. unmöglich gemacht hat. Wenn sich die Deutsche Studentenschaft trotz alledem entschloß, in Stuttgart noch einmal im Wege der Verhandlungen zu versuchen, die Arbeits­gemeinschaft mit der C. I. E. auf der Grundlage der tu Warschau zugesicherten Gleichberechtigung beider Teile festzusetzen, s» ist dies allein Zeugnis genug dafür, daß es an einer Bereitwilligkeit zu einer Emigung auf Seiten der Deutschen Studentenschaft nicht gefehlt hat.

Die Deutsche Studentenschaft bedauert, daß durch diesen Beschlug eine weitere Zusammenarbeit zwischen Deutscher Studentenschaft uns C. I. E. solange un­möglich bleibt, als eine neuerliche Initiative der Deutschen Studentenschaft und somit eine Aenderung des deutschen Standpunktes verlangt wird. Die Deutsche Studentenschaft wird weiterhin in der seit 1919 gepflegten Weise mit allen jenen Studenten­schaften Zusammenarbeiten, die unbeeinflußt von politischen Gesichtspunkten zwischenstaatlich das Wohl von Studenten und Hochschulen anstreben.

Deutscher Armee- und Marinegedenk­tag in Nürnberg.

Nürnberg, 29. Aug. Hier fand gestern und heute der »Ehrentag der alten Armee und Marine- statt, der reibungslos verlaufen ist. Den Auftakt bildete am Samstag vormittag 11 Uhr der Einzug der Tiroler in Nationaltracht, die mit klingendem Spiel durch die innere Stecht zogen. Die Stadt war reich mit Fahnen in den alten Reichsfarben, sowie in den bayerischen und Nürnberger Farben geschmückt, Zahlreiche Häuser trugen Äirlanoenichmuck. Am Nach, mittag um ^4 Uhr nahm eine Ehrenkompanie der Landerpolizei die auf dem Hauptbahnhof von München eingetroffenen 48 Fahnen der ehemaligen bayerischen Regimenter in Empiang, die sie während der Festtage in Verwahrung hielt. Gegen 4 Uhr traf Generalfeldmarschall v. Mackensen hier ein, der von einer Trommlerabteilung der .Reichsflagge" be« . grüßt wurde. Abenss fanden in den Sälen der Stadt Feiern statt. In der Festballc im Luitpoldhain er. schienen kurz nach 8 Uhr sämtliche zur Nürnberger Kundgebung versammelten Ehrengäste, von bekannten Heerführern außer v. Mackensen die Generalobersten v. Bothmer und v. Einem, die Generale von Fran- toi$, v. Hutier, v. Gyßling und v. Möhl, die Admi- rale v. Schröder und Scheer. Nach einer kurzen Be­grüßung durch den Führer der.Reichsstagge", Haupt­mann Heiß, sprachen der ehemalige Kronprinz Rupp­recht, Prinz Oskar von Preußen, zugleich im Namen seiner Brüder, und Generalfeldmarschall v. Mackensen, -einer der Führer ter vaterländischen Verbände in Bayern, Dr. Bauer, und Generalmajor v. d. Goltz. Der Sonntag stand im Zeichen des Festzuges, der eine arobe Menschenmenge auf dir Hauptstraßen ge­

èskgeftolli worden.

Leipzig, 29. Aug. Der Ausländerbesuch der Leipziger Herbstmesse übertrifft bisher die Er­wartungen. Besonders stark sind vertreten die Tschechslowakei, Oesterreich, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Großbritannien, Holland, Spanien, Schweden, Rumänien, Ungarn und Dänemark. Alle Länder der Welt haben geschäftliche Besucher entsandt.

Am Sonntag der Herbstmesse setzte der Ein­käuferbesuch aus dem In- und Ausland bereits lebhaft ein. Das Geschäft zeigt, soweit sich das am ersten Messetage überhaupt erkennen läßt, eine wesentliche Besserung gegenüber der Frühjahrsmesse. Sehr flott war der Verkehr auf der Schuh- und Ledermesse, der Süß­waren- und der Textilmesse. In allen Bran­chen, die fpeziell für das Weihnachtsf-est arbei­ten, werden diesmal zahlreiche Nachbestellun­gen aufgegeben.

Die Technische Messe bietet ein gutes Bild.

fisches Auslanidsgefchroander von Zwei Unter« stekreuzern und drei Torpedobooten in der Zeit vom 10. bis 25. September im östlichen Teile der Ostsee Manöver abhalten wird. Die Schiffe werden bei dieser Gelegenheit auch auf sieben Tage den neuen Kriegshafen Gdingen anlaufen, die polnische Regierung ist gebeten worden, die nötigen Vorkehrungen für die Kohlenversorgunq und die Verpflegung der Mannschaften zu treffen. Frankreich scheut sich also nicht, ganz offen der Welt seine schon längst gehegten Absichten zu zeigen. Die Er­regung in Schweden ist groß, noch größer ist naturgemäß das Interesse, das die Sowjets an diesen französischen Manövern nehmen, be­sonders, da man an das Erscheinen der französi­schen Schiffe mit einem Kriege Polens gegen Litauen in Zusammenhang bringt, zu dem nach wie vor die Machthaber in Warschau drängen.

Jedenfalls wird der Aufenthalt der fran* Mischen Schiffe in Gdingen zu einem großen Verbrüderungsfest zwischen der französischen und polnischen Marine benutzt werden. Mit einer wahren Wollust werden die Polen ihren Nachbarn im Baltikum zeigen, welch großen Schutz sie auch zur See an den FraMsen haben. Sicherlich wird aber das französische Manöver auch «dazu benutzt werden, um die in der letzten Zeit wegen Mangels an Mitteln etwas lauer gewordene Flottenbegeisteruna in Polen wieder zu heben. Auch wird es sich Mar­schall Pilsudski, der ja selbst in letzter Zeit ein großer Flottenschwärmer geworden ist unb in seinem Kriegsministerium eine besondere Ma­rineabteilung eingerichtet hat, nicht nehmen lassen, die franMischen Kameraden in dem neuen polnischen Kriegshafen willkommen zu heißen. Hoffentlich sind die polnischen Schiffs- kommandanten bei der Begrüßnng auf hoher See vorsichtig genug, um ihre Gönner nicht durch ungeschickte Manöver zu gefährden, wie sie es oft schon bei Handelsschiffen getan haben!

Die Revolution in Nicaragua.

Washington, 28. Aug. Nach den letzten Be­richten aus Nicaragua breitet sich die Revolution immer mehr aus. Von dem amerikanischen Kreuzer Ealveston" sind in Bluefield 200 Marinesoldaten an Land gebracht worden, um Leben und Eigen­tum der dortigen amerikanischen Kolonie zu schützen, falls, wie befürchtet wird, die Insurgenten die Stadt an greifen sollten.

^uvze MeDèmsâ

Die Montagspost meldet aus Peking, daß die beiden Verkehrsflugzeuge der Deutschen Lufthansa auf ihrem O ft« a f i e n f l u g gestern in Mukden glatt gelandet seien. Am Montag werden die Flugzeuge zum Weiterfluge starten, dessen Endziel Peking ist.

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Frau Fergus o n, der e r st e weibliche des Gouverneurs von dem Generalstaatsan­walt Dan Moody im Verhältnis von 2 zu 1 ge­schlagen worden.

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Der englische KreuzerDespatch" ist angesichts der politischen Lage nach Hankau abgefahren. Ein französisches Kriegsschiff soll bald folgen.

Der Observer meldet aus Peking, die chine­sische Regierung habe gestern der russischen Regierung mitgeteilt, daß die P ä s s e f ü r Karachan bereitgestellt worden sind.

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Der Abschluß eines türkischen Han­de lsprovisoriums mit Spanien für die Dauer von sechs Monaten steht bevor. In dieser Zeit soll ein endgültiges Abkommen ge­troffen werden.

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Wie Havas aus Lyon berichtet, haben b i e Bäcker gestern abend beschlossen, auf ihrer Forde­rung nach Erhöhung der Backprämien zu bestehen. Die städtischen Behörden brachen hierauf die Ber- Handlungen ab. Man rechnet für den 1. September mit einem Bäckerftreik in Lyon.

Vertreter fast aller Industriezweige haben die Mesie wieder beschickt. Der Besuch ist gut. Be­sonders tritt die Baumesse hervor, die sich eines lebhaften Zuspruches erfreut. Hervorragende Leistungen bieten besonders die russische die jugoslawische Derkehrsausstellung.

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Französische Flottenmanöver in der Ostsee.

Als im Sommer dieses Jahres der franzö­sische Sozialist Paul Boncour seine Sudien- reise durch Polen machte, fiel es allgemein auf, daß er auch den Danziger Hafen besuchte und dann mehrere Tage in Gdingen weilte, um die dortigen Hafeneubauten zu besichtigen. Wie später bekannt wurde, hat Voncour nach seiner Rückkehr nach Paris längere Zeit mit einem höheren französischen Seeoffizier verhandelt und jedenfalls mit ihm die polnischen Flotten- und Hasenverhältnisse besprochen. Es ist bei den Versailler Friedensverhandlungen Frankreich trotz aller Bemühungen nicht gelungen, für seinen Günstling Polen Danzig mit seinem vor- zügüchen Kriegshafen und seiner vorbildlichen Kriegswerft zu erlangen und damit einen

sicheren Flottenstützpunkt in der Ostsee zu er­werben. Doch diese Frage war zu wichtig, als daß sie nicht in französischem Sinne hätte ge­regelt werden müssen. Französische Hafenbau­meister wurden an die polnische Ostseeküste ge­sandt und fanden bei dem Orte Gdingen einen geeigneten Hafenplatz, dessen Ausbau sofort mit dänischem Gelde in Angriff genommen wurde. Don vornherein haben sich Schweden und Rußland dagegen verwahrt, daß an der Ostsee ein dem Namen nach zwar polnischer, in der Tat aber französischer Flotterfftützpunkt

in der Tat aber französsii, ______ ______

geschaffen würde. Auch England hat das Wei- terfchreiten der Hafekbauten mit gespanntem Interesse verfolgt.

Jetzt ist in Warschau die offizielle französi- Mitteikmg eingegangen, daß ein franzö-

Wie demMatin" aus Rabat gemeldet wird, sind die Dissidentenstämme Beni Mestra und Beni Mesgliga, die über 1000 Gewehre verfügen, entschlossen, weiter zu sümpfen und ver­suchen auch die Beni Immel dazu zu bewegen.

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Das Wirft schaft skomitee des Völkerbunds wird am 30. August zu­sammentreten. Auf der Tagesordnung stehen: Abschaffung verschiedener Beschränkungen der Ein- und Ausfuhr, Verhinderung falscher Zoll­deklarationen, Ausführung ausländischer Schiedssprüche in Handelsangelegenheiten und Anpassung des Wechselrechts in verschiedenen Ländern.

Den französischen Blättern wird aus Mar- faide gemeldet, daß eine Anzahl Franzosen, die auf einem Ausflug in ein italienisches Grenz­dorf kamen und einen Photographieapparat mit sich führten, wegen Spionage verhaftet und ins Gefängnis gebracht wurden, da sie keine Ausweispapiere besaßen.

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Zur Sicherung des Eisenbahn­verkehrs.

Berti«, 28. August. Aus Anlaß der in letzter Zeit häufiger aufgetretenen verbrecherischen Anschläge gegen Eisenbahnanlagen hat im Neichsverkehrr- minifterium eine Aussprache mit der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft stattgefunden unter Zuziehung der bttciliateuStelchs-undpreußischenNefforts.

3m ReichkverkehrSministerium besieht nach dem bi8* berigen Ergebnis der Untersuchung kein Zweifel darüb?' daß der Unfall bei Leiferde auf einen verbrecherische Anschlag zurückzuführen ist; auch die Kriminalpolizei steht auf demselben Standpunkt. Die Besprechung ergab Einverständnis darüber, daß eine Vermehrung der planmäßigen Steifenbegebung keine Aussicht bieten würde, derartige Vorkommnisse hintan zu halten. Neben diesen planmäßigen Begehungen wird im Bereich der Deutschen Reichsbahnverwaltnng schon seit Jahren ein besonder« Streisdicnst zur unvermuteten Ueberwachung bei Bahnanlagen ausgeführt. Es ist ferner vor einigen Monaten Anordnung getroffen worden, diesen Dienst auf besonders wichtigen oder besonders gefäbrbeten Strecken entsprechend zu verstärken. Diese Maßnahmen wurden auch bei der Besprechung als durchaus zweck­mäßig anerkannt. Nach den Ereignissen der letzten Wochen hat die Hauptverwaltung der Deutschen Reichs, bahngesellschaft erneut eine Verschärfung dieses Streif, dienstes angeordnet. Bei der Verfolgung der einzelnen verbrecherischen Anschläge wird auf engstes Zusammen, arbeiten mit der Kriminalpolizei, die durch namhafte Vertreter an her Besprechung beteiligt war, von der Deutschen Reichsbahngesellschaft größten Wert gelegt,

Keine neue Spur in Leiferde.

Hannover, 28. Aug. Zu der heutigen Meldmiz einer Berliner Blattes über eine neue angebliche neue Spur in der Angelegenheit des Eisenbahnattentats von Leiferde wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, dah wohl seinerzeit in der Nähe der Unglückrstelle eine Jacke gesunden wurde und selbstverständlich sogleich Erhebungen eingeleitet wurden. Es muß aber ange» nommen werden, daß diese Jacke mit dem Attentat nichts zu tun hat. Von der Entdeckung einer neuen Spur in diesem Zusammenhang kann also nicht die Rede sein.__

Zeh« Bauerngehöfte niedergebrannt.

Lachau in Böhmen, 29. Aug. Gestern brach ft der Gemeinde Maschakotten in Westböhmen ein Brand aus, dem 10 Bauerngehöfte mit der ganze« Ernte und allen landwirtschaftlichen Maschinen zum Opfer fielen. Der Schaden wirb auf 3 Millionen Kronen geschätzt. Eine Hilfsaktion ist bereits em geleitet.

Das große Los in einer Familie.

Berlin, 28. Aug. Die Abteilung des Großen Loses von 500 000 Mark, die nach München gefallen ist, wmde mit allen wer Vierteln von den Familien. Mitgliedern eines Münchener Buchdruckers gespielt.

Hiugerichtct.

Osnabrück, 30. August. Der Mörder Hugo Heilenbrink aus Linden an der Ruhr wurde heute morgen gegen 6 Uhr wegen des Mordes an dem Spar» kassendirektor Haarmann hin gerichtet.

Ein Sonderzug beschaffen.

Salle, 29. Aug. Heute früh 57s Uhr wurde ein Sonderzug Hamburg-Leipzig bei der Durchfahrt in Gröbers beschossen. Eine Fensterscheibe eines Wagens v erter Klasse wurde zertrümmert. Verletzt wurde niemand. Am Fensterrahmen sind deutlich Spuren des Geschoffrs sichtbar. Für die Ermittlung des Täters ist eine Belohnung von 500 Mk. ausgesetzt.

Zugunfall.

Warschau, 30. August. Gestern sprang auf bet MbB«

Lokomotive und 13 Waggons wurden zertrummerr. Durch einen glücklichen Zufall wurde nur der Lokomotiv­führer leicht verletzt.

Verhaftung von Eisenbahnräuber«.

Paris, 29. Aug. »Petit Parisien" meldet aut Bayeux, dort verhaftete man vier rumänische Eiz­arbeiter, die, wie gestern gemeldet, den deutschen Rabbiner Michael Reumann im Schnellzug Paris- Therbourg beraubt hatten. Die Verhafteten leug­nen jedoch, den Rabbiner mit Chloroform betäubt zu haben, sondern erklären, sie hätten ihn, als et schlieft beraubt. Das Gepäck des Rabbiners wurds wieder gefunden.

Absturz.

Amsteg, 29. August. Ter Sy jährige Stubern er Universität Zürich Max Eirsbergcr aus saufen im Rheinland stürzte beim Aufstieg gegen den Kuchck über den Grasmotgrat eine Felswand hinab. Du Leiche wurde nach Amsteg gebracht.

Erdsturz in Nord-Burma.

Simla, 18. Aug. Infolge eines durch Regw verursachien Erdsturzis wurden am 16 August ui einer Grube Nord-Burmas eine Anzahl Arbeiter ver­schüttet. 20 wurden als Leichen zu Tage gesördiil- 24 sind verletzt. 70 Arbcitcrhäuscr sind zerstört.

o Van Goghs abgeschnittenes Ohr. Wie ff eben bekannt wird, hat ein amerikanischer Kunsthändler für eine bedeutende Summe das berühmte Bildnis des Dr. Rey von Ban GogY gekauft. Man muß sich dabei die seltsame Ent­stehungsgeschichte dieses Gemäldes in die Er­innerung zurückrufen. Im Frühjahr 1887 HM sich Vincent Van Gogh in Arles auf. In einem Anfall geistiger Umnachtung schnitt sich der Maler damals ein Ohr ab und wurde in das Krankenhaus eingeliefert, wo ihn der Arzt Pr. Rey sorgfältig pflegte. Van Gogh hatte, wiege° wöhnlich, kein Geld und schlug vor, die Arzl- rechnung durch ein Gemälde zu bezahlen. nun Dr. Rey das Porträt nach Hause brachte- protestierte seine Mutter heftig dagegen, da» es aufgehängt würde, denn nach ihrer 2lnW glich es in keiner Weise ihrem Sohne." Du yaN doch keine grünen Augen, keinen violetten Mund und keinen roten Hals, das bist Du 1 garnicht!", rief sie voller Entrüstung. Schlmm lief) hängte man das Bild in den Hühnerym und es erwies sich, daß die Hühner weoe Furcht noch Respekt davor hatten, denn I ruinierten es bedenklich. Einige Zeit daram las Dr. Rey in einer Pariser Zeitung v°n Van Goghs Tode, und da man diesem Maie einen ganzen Leitartikel gewidmet hatte, nayn er an, daß sein Bild inzwischen wertvoll E worden sein müsse. Er verkaufte das digte Gemälde für eine ihm sehr hoch "!") nende, in Wirklichkeit aber sehr bescheiden Summe an einen Antiquitätenhändler tn Mm stille, der dabei natürlich ein gutes ®cWv machte. Jetzt wandern die grünen Augen » der violette Mund also nach Amerika, wo w wohl weniger Verständnis für die hohe Van Goghs als für die Berühmtheit feiner tenen Bilder hat