* 201. IKyrnnNtz
SanauerS Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.
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srr. 199
Donnerslag den 28. August
1926
Das Neueste.
— Wie verlautet, ist dem Reichskabinett der Entwurf des Rsichsmimftèviums des Innern über ein neues Wahlgesetz zugegangen. Auch dieser Entwurf sieht kleinere Wahlkreise als bisher vor. Doch soll die Verbindung in einzelnen Wahlkreisverbänden zu- Plafsen fein. Die Wahlziffer, die für einen Kandidaten notwendig ist, wird von 60 000 auf 70 000 èchöht.
— Die belgische Regierung hat beschlossen, Belgiens Kandidatur für die Erneuerung seines Sitzes im Bölkerbundsrat aufrechtzuerhalten. Man fei in Brüssel der Ansicht, daß Belgien den Dölkerbunds- mt nicht in dem Augenblick verlassen dürfe, in dem Deutschland ein trete.
— In Genf wurde gestern der zweite Minderheitenkongreß mit einem Vortrag des Rigaer Professors Paul Schiemann eröffnet.
— In dem Rifgebiet findet eine neue Offensive der Franzosen statt.
— Die großen Manöver der englischen Armee, die in der Nähe des Truppenübungsplatzes Aldershot stattfanden, wurden nach den Operationsplänen der Schlacht von Tannenberg ausgeführt.
Am Vorabend von Genf
Die sraüotiaSett LMzwev- HMen in Gerri.
Der Genfer Völkerbundstagung wird eine Tagung der nationalen Minderheiten voraus- gehen, und zwar wird auch diese ebenso wie die vorjährige von dem slowenischen Abgeordneten Dr. Wilfan geleitet. Bei der Bedeutung, die das Minderheitsproblem durch das Versailler Diktat bekommen hat, und vor allem bei der Tatsache, daß wir Deutsche an der
ßung eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken haben. Von den 40 Millionen, die sich auf dieser Minderheitentagung werden vertreten fassen, stellen die Deutschen allein mehr als 12 Millionen.
Die juristischen Sachverständigen beraten.
Die juristischen Sachverständigen Deutschlands, Frankreichs und Englands haben seit einiger Zeit die Besprechungen über die Regelung der Genfer Fragen unter sich wieder ausgenommen. Dazu wird gemeldet:
Paris, 25. Aug. Der französische juristische Sachverständige Fromägeot hat sich vor einiger Zeit nach London begeben, wo er mit seinem englischen Kollegen, Sir Cecil Hurst, verhandelte. Beide traten dann gemeinsam die Reise nach Berlin an. Cecil Hurst, Fromageot und Dr. Gaus haben sich nun sehr zurückhaltend über bie Frage der Zuteilung der ständigen Ratssitze ausgesprochen und sollen dabei zu folgenden Schlußfolgerungen gekommen sein:
Die Zuteilung eines halbpermanenten Sitzes an Polen wurde unser gewissen Vorbehalten beschlossen. Ein ähnlicher Sitz wird auch Spanien angeboten werden, ohne daß man weiß, ob dieses Angebot angenommen wird.
Man befürchtet, daß dieses Kompromiß, das nur daraus hinousläust, für Spanien und Polen halbstündige Sitze zu schaffen, Unzufriedenheit in Kreisen der kleineren Mächte erregen wird. Man befürchtet besonders bei Schweden und Holland aus Widerspruch zu stoßen. Es ist temestoegs ausgemacht, daß Schweden nicht erneut von seinem Vetorecht Gebrauch machen wird.
Besprechung Fromageols mit Gans in Berlin.
Wie bie Blätter mitteilen, hat der französisch«
Aus der Tatsache, daß das Reichskabinett vor Anfang September keine Sitzung abhält, darf jedoch keineswegs geschloffen werden, daß die Erklärungen, die der Reichsaußenminister Dr. Stresemann morgen vormittag im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages abgeben wird, etwa nicht im Einverständnis mit dem Kabinett stünden. Vielmehr wird der Vortrag des Reichsaußenministers den Ausführungen entsprechen, die er vor acht Tagen im Kabinett den übrigen Mitgliedern der Reichsregierung über die außenpolitische Lage gemacht hat. Im übrigen steht das Reffort des Auswärtigen Amtes mit den übrigen Regierungsrefforts dauernd in engster Fühlungnahme, so daß eine besondere Kabinettssitzung etwa zur Vorbereitung der Erklärungen des Reichsaußenministers als überflüssig erscheinen kann.
Von Spanien keine Schwierigkeiten zu erwarten?
Die „Voss. Ztg. meldet aus Genf, daß der Präsident der Studienkommission, der schweizerische Bundesrat Motta, von spanischer Seite verständigt worden sei, daß die spanische Regierung hi der Frage der ständigen Ratssitze keine Schwierigkeiten machen werde und bereit sei, die Prüfung einer Vermehrung der ständigen Ratssitze über den deutschen Sitz hinaus bis nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu verschieben.
Belgien verlangt Wle-ernnchl.
Brüssel, 25. Aug. Bei einem Presseempfang stellte der Minister des Auswärtigen in Abrede,
in dieser Richtung so manches für sich und ihre bisherige Gewaltpolitik den nationalen Minderheiten gegenüber fürchten. Die Hoffnung, die die nationalen Minderheiben auf Deutschland setzen und die bei der Genfer Tagung sicher zum Ausdruck gebracht werden wird, soll auch nicht täuschen. Haben wir doch selbst durch bereitwilliges Entgegenkommen unseren nationalen Minderheiten gegenüber gezeigt, welche Wege hier zum Frieden führen, und wenn die Polen in Deutschland von einer vollen Kulturautonomie wie bisher wenig Gebrauch gemacht haben, so liegt das in wirtschaftlichen Gründen. Sie haben bisher die Äfften gescheut, nicht aber sind sie von uns in ihren Rechten gehindert worden, wie sie das der West so gern Glauben machen wollen, und es gehört schon die bekannte polnische Frechheit dazu, wenn kürzlich erst wieder eine der jetzigen polnischen Regierung nahestehende Warschauer Zeitung erklärte: „Die Polen in Deutschland und Litauen werden (auf der
Genfer Tagung) zweifellos Gelegercheit Haven, festzustellen, daß das Schicksal der nationalen Minderheiten in Polen für sie eine beneidenswerte Lage wäre." Nein, wir fordern für unsere Brüder in den fremden Staaten, denen sie zugesprvchen sind, nichts anderes, als was
mir selbst bei uns auf die um das Sollte also
den fremden nationalen Splittern ähren, und wir brauchen ja nur in Schleswig hinzuweisen, das beste erhärten zu können, tschland jetzt in den Völkerbund
ksrbundsrat verzichten würde und fü
hinzut
ein treten, so wird hier durch uns ein anderer Wind in die Fragen der nationalen Minderheiten hmeiugebracht werden. Unsere Schuld wird es nicht sein, wenn Europa durch diesen Ballast des Versailler Diktats neuen gefähr- lichen Klippen entgegengetrieben wird. Das Minderheitenproblem ist da, es ist so akut für Europa, wie es ein Mroblem nur sein kann.
Daß die Tagung der nationalen Minderheiten kurz vor Eröffnung der Völkerbundssitzung und dazu auch in Genf stattfindet, erklärt ohne weiteres ihren Zweck. Es ist eine ernste Mahnung an die Genfer Mächteorganisation, sich mehr als es bisher von ihr geschehen ist, um die Rechte der nationalen Minderheiten zu kümmern. Das eben ist ja der Fluch des Versailler Machtdiktates, daß es, anstatt Europa zum Frieden zu führen und die Grundlagen für ein friedliches Nebeneinander der europäischen Nationen zu legen, durch die Schaffung des Minderheitenproblems die schwersten Gefahren Heraufbeschwo-
Schaffung des Minderheitenpro- schwersten Gefahren Heraufbeschwo- Man hat zwar in Versailles das velbstbestimmungsrecht der Nationen laut genug verkündet, aber man hat nicht im geringsten danach gehandelt, sondern allein den -vernichtungswillen gegen uns Deutsche und Were Verbündeten im Kriege sprechen lassen, âer nicht ungestraft frevelt man gegen Ideen, die gesuinde, natürliche Kraft in sich rrogen, und alle Versuche, solche Ideen mit ?yer Gewalt totschlagen zu wollen, werden mnner vergeblich bleiben. Gewiß, das Minder- geltenproblem wäre trotz Versailles nicht ein vttartiges, für den Frieden Europas gefähr- i^rs Moment geworden, wenn wenigstens Völkerbund als oberste Instanz es sich hatte ernstlich angelegen sein lassen, die an* und vertraglich gesicherten Rechl er Minderheiten zu schützen. Aber wie sollte j 05. Don dem Völkerbund erwartet werden, der I doch zunächst nichts anderes war, als eine JSWation unserer Feinde? Wie sollte der Verbund, dessen Mitglieder erst die großen -wtwnalen Minderheiten geschossen hatte, ge* vâ .s°si ein Schutz sein! Er hat denn auch
ren
sie
niemals ernstlich mit diesem
Cecil Hurst in London Fühlung genommen hatte. Die Unterredung zwischen Fro-mageot und Gaus erstreckte sich, wie die Blätter melden, auf juristische und technisch« Fragen, die die Hauptprobleme der von der Studienkommission zu behandelnden Gegenstände betreffen. Dor allem habe es sich um die Frage gehandelt, ob gewissen nichtständigen Mitgliedern des Bölkerbunds- rates die Wiederwahl nach Ablauf der Wahlperiode garantiert werden könne. Laut „Boff. Ztg." soll man übereingekom- men sein, daß nach den Statuten des Völkerbundes eine solche Garantie formal nicht gegeben werden könne. Auch fei die aus gewissen englischen Kreisen stammende Anregung erörtert worden, die ständigen Ratssitze überhaupt abzuschaf- f e n und eine vollständige Gleichheit aller Ratsmitglieder zu schaffen. Dieser Gedanke sei als undurchführbar abgelehnt worden.
Die nächste KabineNsfitzung.
Berlin, 25. August. Entgegen anders lautenden Nachrichten dürfte nunmehr feststehen, daß das Reichskabinett im August nicht mehr zusammentritt. Das Kabinett hatte bekanntlich zunächst in Aussicht genommen, etwa am 27. August wieder zu einer Sitzung zusammenzutreten. Das geschah in der Voraussetzung, daß die Studienkommission über die Ratsfrage bereits am 24. August in Genf zusammentreten würde. Nachdem der Beginn der Sitzungen der Studienkommission setzt aber endgültig auf den 30. August verschoben worden ist, entfallen diese Voraussetzungen. Die nächste Sitzung des Kabinetts wird daher erst während der Tagung der Studienkommission anfangs September stattfinden. Daß der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, wiederum die deutsche Reichsregierung auf der Studienkommission vertreten wird, ist inzwischen endgültig festgelegt worden. Auch steht jetzt fest, daß Herr v. Hoesch in den nächsten Tagen in Berlin eintreffen wird, um die nötigen Instruktionen zu empfangen.
Rat austreten zu fassen, während sich Deutschland anschickt, gemäß den Versprechungen aller Unterzeichner des Vertrages von Locarno in den Rat einzutreten. Im Laufe der Unterredungen von Locarno habe er den deutschen Diplomaten Stresemann und Luther den belgischen Standpunkt klar gemacht. Diese seien ganz seiner Meinung gewesen und Luther habe noch hinzugefügt, daß er Belgien als P f e i l e r d e s V ö l k er b u n d s r a t e s betrachte. Vandervelde erklärte dann: Belgien pflichtet den Beschlüssen des Spezialausschusses bei, der vorigen Juni die Frage prüfte. In der Sitzung vom 30. August wird Belgien die Be- schlüsie des Spezialausschusses annehmen, ohne jede Anregung oder jedes Kompromiß a priori anzunehmen, durch welche Polen und Spanien befriedigt werden könnten. Wir werden auch nicht Zusatzanträge ablehnen, die den Beschlüssen des Spezialausschusses beigefügt werden können, wenn diese Anträge das Wahlrecht der Völkerbundsversammlung nicht beeinträchtigen.
Polens Ansprüche auf einen ständigen Sitz.
Warschau, 25. Aug. Minister des Aeu- heren Zaleski äußerte sich vor seiner Abreise nach Paris Pressevertretern gegenüber wie folgt: Ich reife zur Völkerbundstagung in der Hoffnung, daß die dort versammelten Staaten unseren bestimmten Willen, in den Völker- bunbsraf einzukreten, richtig, d. h. unter Berücksichtigung der Bedingungen Polens, seiner kritischen Lage und seiner Bevölkerungszahl einzuschätzen und den Rat Polens als des Mitarbeiters an der Sicherung eines dauernden Friedens zu würdigen wissen werden. Denn man in Genf diese zwei Momente entsprechend verstehen wird, dann unterliegt es keinem Zweifel, daß Polen als ständiger Mitarbeiter dem Völkerbundsrat berkritt.
, ès ist abzutun, be
deutet ein Verbrechen, das sich am schlimmsten an denen rächen wird, die heute ein Verständnis nicht dafür aufbrirrgen. Die 40 Millionen zum größten Teil in ihren nationalen Rechten entrechteter und geknechteter Menschen stellen eine geistige Macht dar und verkörpern eine sittliche Idee, die sich nicht wegleugnen läßt, und nichts wird das in Paris, in Warschau und anderswo noch immer verhaßte Deutschland so wieder hochbringen und sein Prestige in der Welt vermehren, als wenn man ihm die kämpfer uich zu machen.
.^ Mem beschäftigt, er hat alle Beschwerden, «us den Kreisen der nationalen Min-
,„ Me« an ihn richtete, auf die lange Bank Lieben gewußt, um nur ja seinen eigenen lgliedern nicht wehe zu tum Wir brauchen im u^ere deutschen Brüder in Polen, tun V s ’n Rumänien, in Tirol und anders- wil,» senken, um genau darüber Bescheid zu nJv G welcher Weise sich der Völkerbund ü ™ grausam verachteten Rechte der na- üeUk n Minderheiten gekümmert hat. Ab- J M «on Estland, das jetzt seinen nationa- n^"7"^erheiten volle Kutturautonomie ein* ben A"t hat und wo gerade in diesen Tagen rechte. 1
-schon ihre Schulen übergeben werden, schlecht genau um die Minderheiten-
Das soll und muß anders werden, und so haben die nationalen Minderheiten zur Selbsthilfe gegriffen, um fo durch engeren Zusammenschluß stärker auf den Völkerbund zu wirken. Mögen auch die Verhältnisse der einzelnen nationalen Minderheiten sehr verschieden voneinander sein, mag ihre Lage bestimmt werden von ganz besonderen und den Staaten eigentümlichen Verhältnissen, denen sie angehören, das eine haben sie alle gemeinsam, die Forderung nach berechtigtem Schutz ihrer nationalen Eigenart, wie sie ihnen vertraglich zugesichert ist. Die Forderung nach Kul- turautonomie ist das Band, was diese nationalen Minderheiten zusammenhält, und diese Forderuna. die von 40 Millionen auf dem
europäischen Kontinent erhoben wird, darf nicht überhört werden.
Was der diesmaligen Minderheitentagung nun noch ein besonderes Gepräge geben wird, ist die wieder zur Diskussion gestellte Frage des deutschen Eintritts in den Völkerbund. Es ist verständlich genug, daß bei der Interessiertheit Deutschlands an seinen vielen, in fremden Staaten lebenden Volksgenossen gerade von seinem Eintritt in die Genfer Völkervereinigung viel erwartet wird. Es wird fraglos auch eine der wesentlichsten Aufgaben Deutschlands im Völkerbünde immer sein, sich
zu einem besonderen Beschützer der nationalen Minderheiten zu machen, und es ist ja be
Artikel 48.
Berlin, 25. Aug. Nach einer Meldung der „Boff. Zeitung" hat der Reichsminister des Innern nunmehr bie Ausfühvuirgsbestimmungen zum Artikel 48 der Reichsverfassung fertig ausgearbeitet. Artikel 48 gibt dem Reichspräsidenten die Vollmacht, im Falle der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit »nd Ordnung wesentliche in der Derfasiung fefigéfegte Grundrechte ganz oder zum Teil außer Kraft zu setzen und Maßnahmen zu treffen, um erforderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Macht einzuschveiten. Die mm« mehr fertiggestellten Ausführungsbestimmungen gehen jetzt den zuständigen Ressorts, dem Justizmini- fiert irrn und dem Reichswehrministerium, sowie den Länderregierungen zu.
Neue Verhau-lunge« zwischen Preußen uu- Kamburg.
3»t September sollen die Lerhairdlunzen zwischen Preußen und Hamburg, die seinerzeit ergebnislos abgebrochen wurden, auf Veranlassung von hamburgischer Seite wieder ausgenommen roerben. Dabei sollen diesmal um eine möglichst weitgehende Einigung zu erzielen, vor den offiziellen Vertändlungen Besprechungen unverbindlicher Art erfolgen.
Erwerbslose in -er Landwirtschaft.
Auf eine Beschwerde über die Entziehung bet Erwerbs! osenun tevstützung im Gebiete des Kreise- Freienrvalde hat, wie eine Korrespondenz erfährt, der preußische Minister für DokksWohHahrt di« grundsätzliche Antwort erteilt, daß die Entziehung xr Erroerbsloscnunterftützung in den Fällen gerecht- ertigt ist, wo bie Arbeitsnachweise genügend Ar. leitsstellen in der Landwirtschaft anweis«, konnten. Die Unterstützung fei insbesondere denjenigen ledigen Arbeitern und Arbeiterinnen zu entzieHen, bn ich nicht um landwirtschaftliche Arbeiten bemühten oder sogar ablehnten, in der Landwirtschaft zu arbeiten.
Sin sranzösisch-lürkischer Awstcheusall.
Paris, 26. Aug. Lor einiger Zeit ist ein Offb
kânt genug.
zu machen, und es ist ja be- zier der französische» Örie«tdamp?ers „yiNu»* iv wie die Ententekreist geradeKonstantinopel von den türkischen StbMen urrück-