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201. Iayrqang.

Hanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sladt und Land.

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Ar. 196 Montag den 23. August 1926

Das «Brests.

Reichspräsident v. Hindenburg hat sich nach

Bayern begeben.

Reichskanzler Dr. Marx sprach auf dem 65.

Deutschen Katholikentag in Breslau über die außen­politische Lage.

Zu den Meldungen der ausländischen Presse über die Frage Eupen-Malmedy wird von zustän­diger Seite eine Auslassung veröffentlicht.

Einer Blättermeldung aus Konstantinopel zufolge teilen dortige Blätter mit, daß Verhand­lungen in Konstantinopel zwecks Abschluß eines Garantiepaktes zwischen der Türkei, Ruhland und Persien stattfinden.

In Griechenland ist der Diktator Pangalos gestürzt und der frühere Staatspräsident wieder eingesetzt worden.

Derr VSWsBvuud und der neue VaMaMsuAM.

Der Frieden von Neuilly hat die jahrzehnte alten Wünsche der erbitterten Gegner Bul­gariens in einer Weise erfüllt, wie sie es selbst in ihren kühnsten Träumen kaum zu hoffen wagten. Der bisher auf dem Balkan so mäch­tige Bauernstaat hat nicht nur große Gebiets­teile an seine Nachbarn abtreten müssen und ist auf seine ursprünglichen Grenzen zurück­gedrängt worden, sondern ist auch militärisch und wirtschaftlich so geschwächt, daß an einen erfolgreichen Wiederaufbau fürs erste nicht zu denken ist. Wie Frankreich in einem fort be­müht ist, das niedergeworfene Deutschland weiter zu quälen und zu schädigen, so hacken auch Rumänien, Jugoslawien und Griechen- lflnd in einem fort auf den geschwächten Geg­ner herum und lassen ihn nicht zur Ruhe'kom­men, am liebsten würden sie das ganze Gebiet unter sich aufteilen.

Bulgarien befindet sich auch innerpolitisch in einer sehr schwierigen Lage. Das Volk ist mit der Wandlung sehr unzufrieden und ha­dert mit dem Schicksal, das ihm trotz seiner Tapferkeit ein Erfolg in dem gewaltigen Völkerringen nicht beschieden war. Dazu kommt die dauernde Propaganda der Sowjets, die gerade in Sofia bereits großes Unheil an- gerichter hat. Bei der Einstellung des Volkes ist es daher kein Wunder, daß das Banden­wesen, das auf dem ganzen Balkan nie aus« gerottet werden konnte, gerade in Bulgarien in höchster Blüte steht. Die Komidatschis, die Nachfolger der überaus eifrigen Parteigänger, welche vor etwas mehr als einem halben Jahr­hundert für die Unabhängigkeit des bulgari-

Volkes eingetreten waren, feiern ' die Mederauferstehung-, sie ergänzen sich natür- uch vielfach aus Leuten der Nachbarstaaten, ^nen in der Heimat der Boden unter den nutzen zu heiß geworden ist, vor allem stellen vie lugoslowischen Deserteure ein großes Kon-

®u dwsen Banden, die bis an die Zahne bewaffnet sind und vor keiner Greuel- ^f^urückschrecken. Am meisten führen sie ihre Zerbrechen in den Grenzgebieten aus und icheuen auch nicht davor zurück, die Angehöri- gen anderer Staaten zu bedrohen, wenn ihnen

Losegeld oder sonstige Vorteile winken.

ätzten Zeit haben sowohl an der umanlschen und jugoslawischen, aber auch an er griechischen Grenze die Bandenüberfälle P .3"k)l gewonnen, fast keine Woche vcr-

In der nicht mehrere Angehörige der

Festsetzungen des Friedensver- e 10 000 Mann, die mehrfachen . ihre Zahl mit

hoHov Staaten ermordet oder beraubt wur- bulgarische Polizei besteht bekannt- den Festsetzungen des Friedensver- Ws aus nur 10 000 Mann, die mehrfachen der Regierung in Sofia, ihre Zahl mit bnho Ef die Verhältnisse im Lande er- dürfen, wurden vom Völkerbünde ogeschlagen und zwar jedesmal auf Antrag echbarstaaten, die Bulgarien unter » n Umständen militärisch wieder hoch- mmen lassen wollten. hnb-^ ke Bandenwesen wirksam zu steuern, in p£(.min. die drei Mächte vor einigen Tagen tariiA Qm,ne. Kollektivnote überreicht. Die bul- [aJS® Regierung hatte eigentlich einen viel ein im-n ^â in der Note, wenn nicht sogar "?âm erwartet und war sehr er- Celbü x^" den so sanften Inhalt der Note, allein Schriftstück, welches Jugoslawien ®anh0»berretd>te m^ der Forderung, die den au=iG c ""gehörigen serbischen Deserteure Micsern, war äußerst milde gehalten.

Mem Forderungen, welche an Bulgarien werden, können in Sofia restlos wohl

-MlttSvvevotte w Griechenland

Die Diktatur Pangalos gestürzt. Wiedereinsetzung des früheren Präsidenten.

London, 22. August. Reuter meldet aus Athen, daß dort eine Revolution ausgebrochen sei. Kon­dylis ist Herr der Lage. Admiral konduriotis hat die Präsidentschaft übernommen und verfügt, daß Pangalos sestgenommen werde, der sich in Spelsae aufhält. Die Garnisonen in der Provinz haben die neue Regierung anerkannt. Zu Blutvergießen ist es nicht gekommen.

Eine weitere Meldung besagt: Die militärische Bewegung ist um 3 Ubr morgens ausgebrochen. Die Truppen der Garnison und die republikanische Garde, von Offizieren, die über den Versuch aus dem Lausenden waren, haben die Kasernen verlassen, sind in die Stadt eingedrungen und haben die Post und das Telegraphenamt, das Kriegsministerium und die übrigen militärischen Behörden beseht. Kriegs­minister General Tserulis, der sich während der Rächt nach der Kaserne der republikanischen Garde begeben wollte, die als General Pagalos ergeben angesehen wurde, sah sich plötzlich den Führern des Aufstandes gegenüber und wurde sofort verhaftet. Sämtliche übrigen Minister wurden in ihren Woh­nungen sestgenommen und werden weiter bewacht. Heute früh sieben Ahr haben Militärflugzeuge eine Proklamation an das Volk abgeworsen,- in der die Einsetzung des neuen Regimes und Reuwahlen binnen acht Monaten angekündigt werden. Gegen­wärtig scheint die Bewegung überall geglückt zu sein, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Garnisonen von Saloniki, Patras und den anderen großen Städten haben sich zustimmend ausgesprochen, ebenso auch die.Flâ Geyerai Kolchilis, g,jâ âM -M Ministerium bilden. Er selbst wird den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen. Die politischen Führer und die Offiziere, die unter dem Regime des General Pangalos verhaftet wurden, sind freige­lassen worden, Die gegenwärtige Bewegung wurde bereits seit langer Zeit vorausgesehen. Eine wirt- sckastliche Krise herrscht seit einigen Monaten. Die Gegner der Regierung werfen ihr vor, der presse ein Regime des Stillschweigens auferlegt und die Verhaftung von politischen Persönlichkeiten vorge­nommen zu haben. Andererseits hätte sich auch eine Unzufriedenheit wegen der Entwertung der natio­

kaum erfüllt werden, denn mit der geringen Polizeimacht ist es ganz unmöglich, dem von Tag zu Tag zunehmenden Bandenunwesen zu steuern. Auf der anderen Seite ist aber die bulgarische Regierung geneigt, alles zu tun, was in ihren Kräften steht. Sie steht aber, wie im norigen Jahre bei dem griechischen Zwischenfall, auf dem Standpunkt, daß hier die Bedingungen für das Eingreifen des Völ­kerbundes vorliegen. Diese Ansicht scheint auch in Genf selbst vorzuherrschen, denn der milde Ton in den Noten ist sicherlich auf den Ein­fluß des englischen und französischen Gesandten in Belgrad zurückzuführen: die drei Balkan- staaten hätten ohne einen Wink von oben sicherlich ganz anders geschrieben. Man gibt aber weder in Belgrad noch in Bukarest und in Athen diese Einwirkung zu, sondern ver­steift sich neuerdings darauf, daß diese An­gelegenheit viel zu unbedeutend wäre, um denHohen Völkerbund" damit zu belästigen.

Die drei Balkanstaaten wissen ganz genau, warum sie diesen Standpunkt einnehmen und die Sache allein in die Hand nehmen wollen. Einmal hat das schnelle Eingreifen des Völ­kerbundes bei dem griechisch-bulgarischen Zwi­schenfall im Herbst 1925 seine Wirkung nicht verfehlt. Die ganze Welt war damals erstaunt über ein solch reibungsloses Vorgehen des Völkerbundsrates und über die Schnelligkeit, mit der der Zwischenfall erledigt wurde; so­dann aber machte auch die sachliche Erledigung der Angelegenheit großen Eindruck. Zum ersten Male war in Genf eine Entscheidung gegen einen getreuen Vasallen Frankreichs ge­troffen worden, ohne daß dieses Einspruch er­hoben hätte. Wer bürgt dafür, daß dies jetzt sich nicht noch einmal wiederholt? Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß eine genaue Unter­suchung unbefangener Kommissare die Wahr­heit an den Tag fördert, die den drei Valkan­staaten keineswegs angenehm wäre. Denn es besteht bei Eingeweihten kein Zweifel darüber, daß das Bandenunwesen von den Feinden Bulgariens mittelbar, wenn nicht sogar un- mitteibar unterstützt und gefördert, sicherlich aber nicht erschwert wird. Ihre Politik geht dahin, den niedergeworfenen Feind nicht zur

nalen Währung ergeben, wodurch eine ständige Teuerung entstanden sei.

Die amtliche Meldung.

Athen, 22. August. Die Agence d'Athenes ver­breitet folgende amtliche Meldung: Volk und Armee haben einstimmig die Diktatur Pangalos gestürzt. Der Führer der Revolution, General Kondylis hat den Admiral Konduriotis aufgefordert, die Präsi­dentschaft der Republik zu übernehmen. Kondoriotis hat die Aufforderung angenommen und wird heute abend in Athen eintreffen. Hauptzweck der Revo­lution ist: Vollständige Wiederherstellung der Frei­heiten des Volkes, Anetzung von Parlamentswah­len, Gesundung der nationalen Währung. General Kondylis ist beseelt von den herzlichsten Gefühlen für die Serben, seine Waffenbrüder, war er doch der erste, der im Jahre 1916 für die Verteidigung des griechisch-serbischen Bündnisses kämpfte. Er ist ebenso beseelt von herzlichen Gefühlen gegen die großen Alliierten, mit denen zusammen er im Welt­kriege kämpfte. Unmittelbar nach der Ankunft des Präsidenten der Republik wird die Frage der Bil­dung eines neuen Kabinetts gelöst werden. Morgen wird General Kondylis mit den Parteiführern Zu­sammentreffen, um über ein Zusammenarbeiten zu beraten mit dem Ziele, das Land zum normalen parlamentarischen Leben zurückzuführen. Der frü­here Diktator Pangalos wird von der Flotte ver­folgt. Seine Verhaftung steht unmittelbar bevor. Die einzigen vorgenommenen Verhaftungen sind ..däuiLen .de^frühMN KriegsmiMers Tserulis und des früheren Unterstaatssekretärs Makris. Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe. Die öffentlichen Dienste arbeiten in normaler Weise. Das Volk veranstaltet Feiern aus Anlaß der Ab- werfung der Tyrannei.

Pangalos verhaftet.

London, 23. August. Reuter berichtet aus Athen: Dem Zerstörer Leon ist es gelungen, den Zerstörer Bergamos zu überholen und Pangalos zu ver­haften und an Bord des Leon zu bringen, dieser ist in Keratsini eingetroffen.

Ruhe kommen zu lassen. Die Ruhe könnte aber auf dem Balkan dann eintreten, wenn der Völkerbund einmal tatkräftig durchgriffe und den ewigen versteckten Angriffen auf Bul­garien ein Ende machte. Tut er das, so sind die Zeiten vorbei, in denen Bulgarien weiter den Prügeljunge der Balkanstaaten ist, und diese müßten sich dann für die Folge mit ihren versteckten Hilfen für die Komidatschi in acht nehmen.

Bereits hat sich in den meisten Staaten die Presse mit den Borfällen und ihrer voraus­sichtlichen Erledigung beschäftigt. Zunächst muß man die Antwort Bulgariens abwarten und seine Eingabe an den Völkerbund. Die Lage hat sich auf dem Balkan durch die Noten in einer Weise zugespitzt, wie wir es seit dem Frieden von Neuilly nicht mehr erlebt haben, ja, einzelne genaue Kenner gehen sogar soweit, zu behaupten, daß die Lage genau so eKut wäre, wie im Sommer 1914. Der Völkerbund wird daher, wenn er nicht wieder, wie schon so oft an Ansehen einbüßen will, nicht umhin können, sich mit der Sache zu beschäftigen. Auch wird er durch die Vorgänge gezwungen werden, endlich einmal zu der Balkanfrage Stellung zu nehmen, die durch den Weltkrieg in keiner Weise gelöst ist, sondern heute brennender zu sein scheint wie je. Das Pro­gramm der Sitzung im September umfaßt allerdings schon 21 Punkte, deren Beratung zum Teil längere Zeit in Anspruch nimmt, aber die Lage auf dem Balkan ist kritisch eine schnelle Entscheidung ist nicht mehr zu ver­meiden.

Serbische Truppenansammlungen an der bulgarischen Grenze.

Sofia, 21. Aug. Große Beunruhigung erregt in der Oefentlichkeit die Tatsache, daß noch vor der Beantwortung der Kollektivnote serbische Flugzeuge über petriksch kreisen und an der Grenze serbische Truppenabteilungen stehen. Man befürchtet neuerliche agrarkommu- mstische Einfälle aus bulgarisches Gebiet und Herausforderungen gegen angesehene Fremde in Bulgarien, damit auf diese Weise eine mili­

tärische Aktion der gegen Bulgarien koalierten Balkanländer als gerechtfertigt eri-beint.

Der südslawische Außenminister Nintschitscb äußerte sich zu einem Vertreter derWremje": Für die Absichten Bulgariens, den gegenwär­tigen Konflikt mit Südflawien vor den Völ­kerbund zu bringen, liegt nach Nintschitschs Ansicht keine Notwendigkeit vor. Bezüglich der Beziehungen zu Griechenland erklärte der Außenminister, daß durch die Konvention alle eventl- Streitpunkte beseitigt worden sind. Be­züglich des südslawischen Konfliktes sagt Dr. Nintschitsch weiter, daß keine Großmacht Bul­garien in seinen südslawisch-seindlichen Bestre­bungen unterstützt. Die Nachrichten einiger Blätter in dieser Frage seien unrichtig auf­gefaßt worden. Auch die Meldung, daß der englische Gesandte in Belgrad intervenierte, sei unrichtig. Dagegen sei die südslawische Regie­rung darüber informiert, daß in Sofia ein solcher Schritt geschehen sei.

Reichskanzler Marx über die außenpolitische Lage.

Breslau, 21. Aug. Auf der Generalver­sammlung des Augustinusvereins, die vor Be­ginn des Katholikentages stattfand, äußerte sich Reichskanzler Dr. M a r x auch über einige außenpolitische Taaesfragen. Die deutsche Außenpolitik, so führte der Kanzler aus, wird nach wie vor beherrscht von dem großen Fragenkomplex, der sich an Locarno, die Be­satzung und den Völkerbund knüpft. Freunde einer deutsch-französischen Verständigung haben seinerzeit hohe Erwartungen an Locarno ge­knüpft. Inzwischen Hot sich wohl gezeigt, daß weder allzugroßer Optimismus noch das Gegenteil hier am Platze war. Trotzdem können wir heute unbedenklich feststellen, daß Deutsch- denWeg von Beriaille- über London nach Locarno nicht zu bereuen hat. Ich gebe zu, daß unsere Hoffnungen auf Locarno bis jetzt nicht in dem Maße in Erfüllung gegangen sind, wie wir es im Interesse unsres Landes und der Be­friedung Europas gewünscht hätten. Wir ver­gessen aber nur allzu leicht bei der Beurteilung der Lage von heute den Vergleich mit der Lage von gestern und da fällt der Vergleich doch entschieden zugunsten der Lage von heute aus. Allerdings ist die Tatsache, daß nach der Räumung der Kölner Zone die Truppenzahl in der zweiten und dritten Zone sich zunächst noch um einige tausend Mann vermehrt hat, eine schmerzliche Enttäuschung für uns gewesen. Frankreich hat nicht in dem Maße seinen Truppenbestand vermindert wie englische und belgische Truppen neu hinzukamen. Sie wissen, daß wir den AusdruckChiffre Normeaux" dahin interpretiert haben, daß darunter die Stärke der deutschen Friedengarnisonen in den fraglichen Gebieten zu verstehen sei u. das sind etwa 50 00O Mann. Wir werden selbstverständ­lich nach wie vor uns an unsere Interpretation beiten, aber die Hauptsache ist uns, daß tatsäch­lich eine fühlbare Verminderung eintritt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß fort­gesetzt sowohl in L o n d o n als auch in Brüssel und namentlich auch in Paris die Frage der Besatzungsvermin­derung von uns vorgebracht wurde. Eine größere Anzahl von Besatzungs­truppen wird in der kommenden Woche das besetzte Gebiet verlassen. Selbstverständlich ge­nügt uns eine Zahl von 10 000 Mann, die in der Presse genannt wurde, nicht. Eins ist aller­dings notwendig, daß wir streng darauf be­dacht sind, unliebsame Zuischenfälle im be­setzten Gebiet zu vermeiden.

Wenn wir diesmal nach Genf gehen, so müssen wir die Gewißheit haben, daß Deutsch­lands Aufnahme in den Völkerbund auch wirk­lich ohne Reibung vonflaktcn geht. Sollten sich im übrigen in Genf wider Erwarten abermals Schwierigkeiten ergeben, so wäre damit eine Situation geschaffen, die für viele an den dor­tigen Verhandlungen Beteiligte ebenso uner­träglich wäre wie für den Völkerbund selbst. Die Haltung Deutschlands kennzeichnet sich nach wie vor durch die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an der Studienkommission und die Betonung des Interesses des Völkerbundes als Ganzes unter Ablehnung der ungerechtfertigten Be­günstigung einzelner auf Kosten der andern. Wir streben insbesondere die Erhaltung der Aktionssähigkeib des Rates an und lehnen jede Veränderung ab, die alsSicherung" gegen­über einer künftigen deutschen Mitgliedschaft begründet wird, weil das dem Geiste des Völkerbundes widerspricht. Wir treten daher nicht als Gegner irgend welcher einzelner Kan­didaten auf, sondern verlangen nur, daß die Interessen aller Völkcrbundsmitglieder bei der Gesamtreacluna makaebend sind.