Samstag bett 21. August
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durch das vorletzte Unwetter diäten Kreise noch immer nicht zur Durch- La gelangt ist Zur sofortigen Behebung > ^inamdsten Notlage stellt der Landesaus- für die Beseitigung der Ende Dezember M Anfang 1926 und der im Juni und ig26 neu entstandenen Schäden einen Be- bis zu 150 000 Mark bereit. Hiervon bis 50 000 Mark als verlorene Zu- und bis zu 100 000 Mark als Darlehen „ noch näher festzusetzenden niedrigen Zinsen Lhen werden. Außerdem beschloß der Lan- Msschuß, mit Rücksicht der durch die Un- Mtterschäden an den Landstraßen verursachten Höhungen für Ausbesserungen den unter M Titel zur gewöhnlichen Unterhaltung der Lhffrafen im Regierungsbezirk Cassel ein- Jefekten Betrag von 1600 000 Mk. um weitere Myy Mk. zu erhöhen, um mit diesem Betrage an den Landstraßen durch die Unwetter- ân verursachten Schäden schleunigst und â tunlichster Inanspruchnahme von Er- iverdslosen auszubefsern. Auf diese Weise hat Landesausschuß erneut 200 000 Mark zur Beteiligung an der Notstandsaktion zur Be- icbung der Unwetterschäden bereitgestellt; im Zammunal-Landtage vom 30. April ds. Js. atte er bereits 300 000 Mark zur Behebung [er Unwetterschäden aus dem Frühjahr und herbst 1924 angefordert und bewilligt erhalten, sodaß der Bezirksverband Kurhessen aus eigenen Mitteln bereits 500 000 Mark ausgebracht hat, während die preußische Staats- regterung noch nicht in ähnlich großzügiger Weise an die Behebung der Unwetterschäden herangegangen ist, trotzdem verschiedene Kommissionen der einzelnen Ministerien sich über die Dringlichkeit der Notstandaltion in Kurbessen mehrfach unterrichtet hatten und schnellste Abhilfe in Aussicht gestellt worden mar.
Mit Rücksicht darauf, daß die Landeskredit- taffe in Cassel eine lebhafte Nachfrage nach ihren achtprozentigen Gold-Kommunal-Schuld- oerschreibungen zu verzeichnen hat, von denen die erste Serie 10 Mill. Mark mit Genehmigung des Ministers des Innern gegenwärtig ausgegeben worden sind, beantragt die Direktion der Landeskreditkasse die Ausgabe weiterer fünf Millionen Mark achtprozentiger poidpfandbriefe und nochmals fünf Millionen Mark siebenprozentiger Goldpfandbriefe, um «über dem Verkauf dieser Goldpfandbriefe, tob denen eine gute Nachfrage besteht, weilte Darlehen an Kreise, Städte, Landgemein- '"n und andere Körperschaften des öffentlichen Mts im Regierungsbezirk Cassel gemähren können. Der Landesausschuß hat diese Äv- bt der Direktion der Landeskreditanstalt gut- kheißen und wird auch die weiteren Vorberei- ungen zur Ausgabe fördern.
Die landwirtschaftlichen Meliorationen, die n Läufe dieses Jahres in den verschiedensten Semeinden und Kreisen des Regierungsbezirks lkentliche Mittel in Anspruch genommen, von' enen der Kommunallandtag allein in diesem iahre die Summe von 360 000 Mark zur Äer- iigung gestellt hatte. Davon waren 200 000 stark als Meliorationskredite bis zu 3000 Mk. m Einzelfalle und 160 000 Mk. als Meliora- ionskredite in noch kleineren Beträgen be- villigt worden. Alle diese Kredite mußten zu »stimmten Abschnitten verzinst werden. Nun ind aber eine große Anzahl Landwirte und Zutsbesitzer sowie Gemeinden und Kreisen bei der Hessischen Bezirksverwaltung dahingehend vorstellig geworden, die fälligen Kapitalrück
zahlungen mit Rücksicht auf die katastrophalen Unwetterschäden zu stunden, weil es nicht möglich sei, die Rückzahlungsraten einzuhalten, der Landesausschuß hat nach eingehender Prüfung der Anträge grundsätzlich beschlossen, daß die am 1. Oktober 1926 fälligen Kapitalrückzahlungen auf Antrag in den von den katastrophalen Unwettern 'heimgesuchten Gebieten gestundet werden können.
Schließlich beschäftigte sich der Landesausschuß mit einem eingehenden Bericht über die augenblickliche Lage der Inventarisation und der Denkmalpflege im Regierungsbezirk Cassel. Es wurde nach längerer Erörterung beschlossen, den Herrn Landeshauptmann zu beauftragen, wegen der anderweitigen Besetzung der Stelle des Bezirkskonservators mit dem Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Verbindung zu treten.
Zum Fall Flessa.
Frankfurt a. 21t., 20. Aug. Der Angeklagten Wichelmine Flessa wurde am Dienstag das Urteil zugestellt. Nachdem sie durch ihren Verteidiger gegen das Urteil Revision eingelegt hatte, zog sie Freitag mittag selbst die Revision zurück. Bis dahin war eine Revisionsbegründung von Seiten der Verteidigung noch nicht eingelaufen. Die Staatsanwaltschaft hat bisher zu der Revifionsrücknahme noch nicht Stellung genommen. Es erscheint auch noch fraglich, ob die Än der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision nicht doch durchgesührt wird. Die Revisionsbegründung der Staatsanwaltschaft ist bereits bei den Akten.
Frankfurt a. M., 20. Aug. Heute vormittag gegen 10 Uhr wurde im Hauptbahnhof Frankfurt a- M. ein Arbeiter der Firma Buß, Oberrad, der an einem Tunnel beschäftigt war, von einer Rangierlokomotive erfaßt. In schwerverletztem Zustand wurde er ins Krankenhaus überführt. — Gestern abend gegen 8 Uhr fuhr in der Eschborner Landstraße ein Motorradfahrer ein Einspännerfuhrwerk an. Durch den Anprall wurde die ganze Familie, bestehend aus Mann, Frau und Kind vom Wagen geschleudert und verletzt. — In einer hiesigen Badeanstalt wurde am Montag eine Perlen- Halskette im Werte von 7—800 Mark gestohlen. Die Kette besteht aus 201 echten weihen Perlen, wovon die größte erbsengroß ist und sich die anderen nach dem Ende verjüngen. Den Verschluß bildet ein einfacher, goldener Bajonettverschluß. Vor Ankauf wird gewarnt.
Dihenhausen. 19. Aug. Auf der Landstraße voü Witzenhausen nach Heiligens tabt ereignete sich ein schwerer Autounfall. Der Sohn des Sanitätsrats Fuhlrodt-Hohengandern fuhr mit feinem Motorrad auf der linken Straßenseite. Als ihm ein Lastkraftwagen entgegenkam, ftteß er so unglücklich mit ihm zusammen, daß ihm die Lenkstange seines Motorrades in den Leib drang. In schwerverletztem Zustcvade wurde er .in . die Göttinger Klinik geschafft, wo der
Am Samstag hatte sein Vater bei einem Auto- unfall in der Nähe von Hedenhausen einen dreifachen Rippenbruch erlitten.
Marburg, 20. Aug. Bei einer Nachtübung des hiesigen Ausbildungsbailllons I. R. 15 wurde durch einen unglücklichen Schuß ein Mann schwer verletzt. Die Kugel war dem Schützen in die Brust gedrungen, wurde aber durch eine Operation entfernt.
Dillenburg, 20. Aug. In Odersberg wurde ein Knecht als sein Heiratsantrag von seiner Dienstherrin, einer Witwe, abgeschlagen wurde,
höchst aufgebracht. Er nahm einen Revolver und schoß auf die Frau, die schwer im Oberschenkel verletzt wurde. Der Täter wurde verhaftet.
Zwingenberg, 20. Aug. Als gestern dem Fuhrwerk des Landwirts Christian Lahr von hier ein Auto entgegenkam, scheute das Pferd, wodurch Lahr zu Fall kam. Er geriet unter das Auto und der Kopf wurde derart gequetscht, daß er nach Einlieferung in das Krankenhaus verstarb.
Bensheim, 20. Aug. Ein junger Mann aus dem nahen Hambach' machte am Sonntag abend hier viel Aufsehen, weil er sich absolut unter einen Eifenbahnzug werfen wollte, von seinen Kameraden aber mit Gewalt zurückgehalten wurde. Auch auf dem Nachhauseweg hatte man zu tun, sonst hätte er sich von einem Auto überfahren lassen. Als ihn seine Kameraden zu Hause ins Schlafzimmer geschafft hatten, hörte man alsbald zwei Schüsse und als man hinMeilte, fand man ihn am Kopfe blutend am Boden liegen. Trotzdem er sofort operiert wurde, trat noch in der Nacht der Tod ein. Die Ursache seines Selbstmordes liegt darin, daß ihm ein Mädchen das Verhältnis
gekündigt hatte.
Tauberbifchofsheim, 20. Aug. In Schwarzenbrunn schlug gestern nachmittag der Blitz in eine Gruppe von Menschen und Tieren auf freiem Felde. Vier Personen wurden bewußtlos zu Boden geworfen, zwei wertvolle Pferde getötet.
Landshausen. 20. August. Der als Brandstifter verhaftete 17jährige Richard Helme hat nun nach seitherigem Leugnen eingestanden, das Feuer angelegt zu haben, meltfjes zu der gemeldeten Katastrophe führte. Der Bursche muß nicht ganz normal sein, denn auf die Frage nach dem Anlaß zu der folgenschweren Tat, antwortete er: „Ich wollte wieder einmal Feuer sehen!" — Die anderen drei Brände im Ort will er nicht angelegt haben.
Sondernheim. 20. Aug. Anfang der Woche haben bisher unbekannte Täter in der Nähe des Bahnüberganges einen schweren Gelände- stein mit einer Eisenstange gewaltsam aus dem Boden gerissen und an den Schienenstrang der Eisenbahn verschleppt. Die Lage des Hindernisses ließ auf eine beabsichtigte Störung des Eisenbahnverkehrs schließen. Die Gendarmerie bemüht sich, die Täter zu ermitteln.
Landau (Pfalz), 20. Aug. Hier wurde im Stadtteil Horstschanze das Auftreten von Typhus festgestellt. Vorerst wurde nur ein junger Mann als mit der Krankheit behaftet ins Krankenhaus eingeliefert. Die Gefahr für ein weiteres Umsichgreifen der Krankheit ist aber deshalb nicht gering, da in dem betreffenden Stadteil die Kanalisation in einer Kläranlage endet. Weitere Erkrankungen sind bis jetzt noch nicht gemeldet worden.
Mannheim, 20. Aug. Die Gerichtskommission wurde heute mittag nach dem Stadtteil Neckar- .Stadt gerufen, wo in einem Meiderjchrank eine männliche Leiche gefunden wurde. Den Umständen nach muß diese schon längere Zeit dort gelegen haben. Das betreffende Zimmer war an ein Fräulin vermietet, dessen Aufenthalt gegenwärtig nicht bekannt ist. Die wetteren Untersuchungen sind im Gange. Die Blätter erfahren zu dem Mord in der Neckar-Stadt noch folgende Einzelheiten: Anfangs des Monats wurde das betreffende Zimmer von einem Fräulein, das sich als Büglerin ausgab, für sich gemietet. Vor etwa acht Tagen hat sie nach Begleichung ihrer Miete das Zimmer verlassen mit dem Bemerken, sie müsse verreisen. Seit
dem fehlt von ihr jede Spur. Sie hatte gelegentlich Besuch eines Freundes empfangen. Bei ihrer Abwesenheit verbreitete sich ein durchdringender Geruch, sodaß der Zimmerherr heute vormittag dem Geruch nachging und den Schrank gemaltjam aufbrechen ließ. Er entdeckte eine auf dem Kopf stehende Leiche, die als die des seit dem 13. August vermißten 27jährigen, jung verheirateten Bankbeamten Josef Palmen von der Rheinischen Kreditbam Mannheim erkannt wurde. Seit dem 13. Aug. ist auch die Büglerin, die in den 30er Jahren steht, verschwunden, sodaß angenommen wird, daß sie die Täterin ist. Heute mittag hat die gerichtliche Sektion der Leiche stattgefunden, über deren Ergebnis noch nichts zu erfahren war. Es ist wohl anzunehmen, daß die Büglerin prostituierten Kreisen angehört. Der Leiche waren die Pulsadern durchschnitten.
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Verdingung
des Ausbaues der Wege und Gräben in der Um* legungssache von Bsichofsheim, Kreis Hanau.
L»S 1.
Erdarbeitern 11490 Cbm. M Öfen, 840 Cbm. zu bewegen und 43 Km. Wege zu planieren.
Bestsimmgen: 1980 Qmtr. mit Materiallieferung. Rohrkanäle: 351 ist). Mir. Rohre zu verlegen, aus- schließlich Materialkeserrmg.
Erdarbeiter: 7^50 Cbm. zu Esen, MO Cbm. zu bewegen und 33 Km. Woge zu Pionieren.
Besteigungen: 2660 Qmtr. mit WÄeriallieserung. Rohrkanäle: 186 M>. Mtr. Rohre zu verlegen, aus- schließlich Materiallieferung.
Die Vechingung-bedingunge«, Kostenanschlag usw. liegen im Kulturamt Hanau, BirkAchainer» straße Nr. la, zur Einsicht offen.
Die zum 2ütgebot nötigen Auszüge des Preis» und Massenv erzeichmsses sind gegen Einsendung von 2.50 Mk. Schreibgebühren für jedes Los daselbst zu beziehen.
Angebote sind mit der ausdrücklichen Erklärung, daß der Bieter sich den ausgelegten Bedingungen unterwirft, fchrffüich im geschlossenen Umschläge, spätestens bis zum Beginne des Derdingungster- mins an den Herrn Rsg.-Lcmdmefser Scherle zu Hanau abzugeben. '
Der Berdingungstermin findet am
Donnerstag den 2. September, norm. 10 Uhr, im Rathaus zu Bischofsheim statt.
Der Zuschlag erfolgt auf Grund der im Preis» Verzeichnisse von Bewerbern geforderten Einheitspreise spätestens innerhalb 14 Tagen nach dem
Hanau den 21. August 1926. 7218 KÄtlkvwmt.
Bekanntmachung.
Die am 12. Februar dieses Jahres über die Preuß- Domäne Kinzigheimerhof Krs. Hanau verhängte Sequestration ist mit dem hsrttgen Tage aufgehoben. 7238
Cassel, den 21. August 1926.
Regierung. Abüg. für direkte Steuern, Domänen und Forsten, gez. Kramer.
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.KRON THAL“
Der erquickende Labetrank fehle auf keiner Tafel.
Hauptniederlage für Hanau a. Main:
6315h August Schädel Ww, Rosenstraße 26.
len Stimmungen recht. Durchschnittlich und alltäglich sind wir ja alle arme, abgehetzte Tiere. Mit Hunger und Dürst. Erfreu Dich an unserem Schein — mehr kann ich Dir nicht sagen, Dichter — und laß uns auf unseren Wegen. Es bleibt mir peinlich, hier von Deiner Frau zu reden — darum erlaub ich mir uns zu sagen." (Fortsetzung folgt.)
Sitten und Gebräuche aus einer Bauernhochzeil vor 250 Fahren.
Mus Hennings Bauernanatomie midgeteilt von Dr. Bernges.)
In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts lebte zu Eichen als Pfarrer Aegydius Henning, der eine Schrift über die Sitten und Gebräuche der Bauern Mes Dorfe; im Jahre 1674 erscheinen ließ. Unter Pseudonym Florentinas Wahrmund sandte er W Beschreibung als „Nagelneue Bauren-Ana- wmia oder Repräsentation deß Bauren-Staats" in â Welt, in der et ein Bild des Verhaltens seiner Wrrkinder entwirft. Zimmermann bedauert in M«r bekannten Chronik, daß das Werk verschollen ®s 'st mir jedoch nach langjährigen Bemühun- ^n Zungen, einen Abdruck festzustellen, aus dem Ws mitgeteilt sei.
™ 46 Handlungen beschreibt er die Bauern- gememde und ihre Beamten, das Tun und Treiben ^bst und ihr Verhalten bei ihren
®ä ist «n trübes Bild, was uns der redliche mrherr vor Augen führt. Das Geschlecht, unter i " wirkte, hatte zum größten Teil den ent- Sammer; den der unselige 30jährige Krieg sucht10,8 gebracht hatte, miterlebt und war ohne ,nj? â Ordnung groß geworden und nur schwer N r an geordnete Zustände zu gewöhnen. Sein £*>en er offenbar mit allem Eifer versah, war >, Wr nicht leicht gemacht und das erklärt feine Sehr El recht kräftige Sprache, mit der er die nc tir und Sünden der Bauern nicht ohne einen : . Humor an den Pranger stellt. Um eine [Un . iWr Darstellung zu geben, sei die 42. Hand- Nachfolgenden mit geteilt, in der uns der einer Bauernhochzeit geschildert wird.
Bon der Bauren Hochzeiten und Hochzeitlichey Geschenken.
Zwey und vierzigste Handlung.
Eyn Stück der Bauren Solennitäten seyn ihre Hochzesten. Das Fressen und Sauffen sähet cm, ehe die Hochzeit-Gäste einmal in der Küche gewesen. Wer in das Hochzeit-Haus kommet, hat so bald seine Suppe und ein Stück Fleisch und Brod, also daß schier so viel Suppen und Stücker Fleisch und Brodt werden arrfgesetzet, als der Gäste seyn. Ist es denn Zeit, zur Kirche zu gehen, so gehen sie aus dem Hochzeithaufe in den Hof und »paaren sich. Den Bräutigam führen gemeiniglich die zween,Schwager, oder sonst vornehme Leut im Dorff. Vor dem Bräutigam führen gemeiniglich die zween Schwäger, aufs das alle-krauseste und bundeste machen! Ünd wann der Bräutigam mit der Seinen in der Kirchen, holen sie alsdann auch die Jungser Els die Braut mit allen den Ihren ab. Inzwischen bleiben die Spielleut vor der Kirchen, denn es ist nicht stylt, daß die Spiâut sich viel umb die Kirchen bekümmern. Hierauff geschiehet erst eine Predig, und nach derselben die Copulation. Eines hatte ich vergessen, die Bmut das gute chrliche Mensch führen zweene tapfere und wolgestiffelte junge Knechte nicht nur zur Kirchen, sondern auch biß gar zum Altar. Omnibus his abfolutis gchet man zu vorderst mit dem Bräutigam hinauh, und da lassen sich aber- mahls die Spielleute tapffer hören, biß in den Hochzeitlichen Hoff. So dann holen sie auch die Braut mit ihren zZottmägden, und den andern Wâern ab. Wann diese nun bey dem Hochzeiter und seiner Compagny stehen, tritt einer aufs und macht gegen die Anwesende einen hübschen Baselmans, die Summe des Lieds ist, daß sich Braut und Bräutigam und die gantze vornehme Freimdschafft gegen den Umbstand bedanken, daß sie zu Ehren erschienen, und das Ehristliche Gebett vor sie zu Gott in der Kirchen tun wollen, seyn erböttg solches Hinwrederumb bey allen Begebnüsien um einen jedweden zu verschulden. Im übrigen weil die Zeit da, sich bey den Disch zu verfügen, und mit dem vorlieb zu nehmen, was Gott in Küch und Keller bescheret, so fol keiner zu langmussen bleiben, (denn sie tragen zum theil die Mäntel heim und die Weiber flidern sich) sondern sich ohngesaumet wieder «instellen. In
zwischen lauffet das junge Gesindlein mit Braut und Bräutigam nach der Scheuren zu, und thun ein säuberlich Täntzlein. Endlich kommen die Hochzeit- Gäste beydes Mann und Weib, Jungfern und Junggesellen und setzen sich zu Tische. Der Dorspfarrer klopftet mit dem Teller auf den Disch, das ist ein Zeichen, daß mann GOTT vor seine (Sahen anruffen wil. Darauff gehet es an ein Estens und Trinkens. Ich kann wol mit Wahrheit sagen, daß ich die Zeit meines Lebens keine verfressenere Leute, als die Dauern gesehen. Wann einer meynet, sie sollen aufhören, so fangen sie erst recht an. Miklerweile machen die Spiellaut eins aufs und treiben allerhand Narren- und Fratzen-Possen und hab ich mit Augen gesehen, daß sie mit den Händen in den Hirsenbrey und Pfeffer greifen. Das ist nichts neues, daß die Bauren die Spielleute, und diese jene bey ihrem rechten Namen nennen. Weil auch das junge Gosind und die Alten nit immer beysammen sitzen, gehen die Spielleute zu dem Lumpen-Gesind, wollte sagen jungen Gestnd, und machen ihnen allerley kurtz- weiliige Pükelherings Possen. Nicht nur der Hochzeit Gäste Kinder, sondern alle die im Dorfs« fepn, kommen in die Hochzeitsstube, da geben ihnen ihre Knäu und Wender sat Gutßl. Die Bauren lassen den Pfarrer darbey seyn und kreynen. Wßweilen, wanns Glück gut ist, singen sie mit heller Stimme den 23. Psalm. Mir wird nichts mangeln! und allein Gott in der Höh sey Ehr, da sie denn die Wort: Ein Wolgefallen Gott an uns hat! trefflich verzwitzern, und schön singen. Seynd 'einige des Essens müd, die trinken entweder in der Braut, Stuben oder im Hauß-Ehren labert satt, und Sier genug darbet) Etliche Bauren gedenken gleichsals der Pfarrer in Ehren: Dann wann sie von irgendeinem erinnert, sie sollen sich fein züchtig halten, fahren sie wol ungesbient in diese Worte herauß: Was schier ich mich umb den Pfaffen! Solt es aber der Pfarr selbst hören, seynd sie doch so unverschämt, daß sie es entweder ihm ins Angesicht läugnen, oder aber gar seltsam glasieren und auslegen. Zu seiner Zeit danket der Prediger Gott vor alle Gaben, und muß die Leute wieder aufs den morgenden Tag bitten: Indessen weichen die Bauren nicht so bald von einander, und wann Herr gen fort, dann gehet» erst das Tovmentiren (Dominieren) und ©reutet I
Iauchtzen recht an. Man solte meynen, die Leute löschten einen Brand, so ein Geschrey, so ein Wesen und Tumultuiren ist im Hochzeichauß. Den folgenden Tag machen sie sich nit weniger auß dem Busch heraus lustig, und machens in allem wie den Ersten. Das hochzeitüche Geschenk belangend, so geschuht vorhero ein Sermon, und hat der Bräutigam nebenst den Allernächsten, so bey ihm stehen, die Mäntel umb, die Schüssel wüd miss den Tisch gestattet, und lieget ein jeder drein, was ihm gefället: Nach dessen Verrichtung danket der Ceremonien-Meister Mann und Weib, daß sie sich wol et ngefteilet, wo es Braut und Bräutigam heut oder Morgen wieder verschulden können, wollen sie keinen Fleiß sparen. Hierauff geben sie die Schüssel dem jungen Gesind, die Knechte geben Gelt, die Zotteirmägd Haußsteuren, und da geschieht die Danksagung bey diesen wie bey jenen. N. B. Der Bräutigam gibt allen und jeden seinen Gästen die Hand und bedanket sich vor die Gaben aufs das allerschönst- und beste. In dessen tragen sie abermal Gesottenes und Gebratenes auff, und da fressen die Bauren umb so viel desto ge- trofter und hertzhaffter, weil es zum Ende gehet. Potz? Die SpieNeuie setzen einen Deller auff, sagen die Seiten wären ihnen zersprrmgen, müßten andere kauffen, da fteuren ihnen denn gutwillig alle und jede Gäste. Nach diesem kommet die Köchm mit einem Löffel angezottelt, und da fteuren sie gleich- fals. Die Spülmagd, das garstige Thier, wil auch mcht umbfonift Narr seyn, und die beko-m-mbt auch eine Verehrung. Restat der Actus, daß die Weiber die Braut sangen! Ach das ist ein Jammer und ein Hertzeleid! Es wäre nicht Wunder, daß das gute Mensch unter der Weiber Händen vergieng«? Mel Müh und Verstand testete, biß man die Braut dem jungen Gesind abpracticiret. Da bekommen dam» Weiber und Männer die Honig- oder Braut-Suppe. Ob die Braut sich gegen ihren Gimpel oder Liebsten sperret, und sich seltsam gebärde, wann sie aus dem Jungfräulichen- in den jungen Frauenstand schreiten fol, davon weiß ich nichis und also ton ich solches auch ni t beschreiben, s ondern muß es hiebey be» wenden lasten.