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201. Jayryang

Sanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.

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Nr. 194 Freitag den 20. August 1926

auf den D-Sus 21 Tole. Den L

Einst galt der Betrieb auf den deutschen Eisenbahnen als der sicherste in ganz Europa. In der Statistik der Unfälle stand Deutschland cm günstigsten da. Man setzte sich damals mit einem durchaus berechtigten Sicherheitsgefühl in den Zug, denn Unfälle kamen so selten vor, daß niemand auf seiner Reise daran dachte. Wie haben sich die Verhältnisse geändert! Daß hierbei der Krieg und noch mehr die Nach- ! kriegszeir mit ihrer gelockerten Disziplin, vor allem unter dem Publikum, einen großen Teil der Schuld tragen, steht außer jedem Zweifel. Aber in den letzten Jahren hatte sich die Un­fallstatistik auf den deutschen Bahnen von Jahr zu Jahr gebessert, und die deutsche Reichsbahn glaubte an eine weitere ständige Besserung. Hierin hat sie sich aber anscheinend gründlich I getäuscht, denn das Jahr 1926 dürfte einen ge- wattigen Rückschlag darbieten.

Noch stand das Unglück in München in aller Gedächtnis, als gestern der Draht eine neue Katastrophe meldete. Die ersten Nachrich­ten (die wir gestern schon veröffentlichten)

I sprachen von 12 Toten. Nun hat sich aber herausgestelll, daß das Unglück weit größer gewesen ist, als man Anfangs annahm, und daß es auf ein frevelhaftes Attentat eines Verbrechers zurückzuführen ist. Folgende Mel- ' düngen liegen bis jetzt darüber vor:

Hannover, 1g. August. Der D-Zug 8, BerlinHannoverKöln, der gestern abend um I ârE verlieh und um®'

' I nover eintreffen sollte, ist um 2 Uhr 7 Minuten : I Zwischen den Stationen Leiferde und Meinersen, , 1 etwa 300 Meter hinter der Station Leiferde bei Block 169. entgleist. Die Maschine und zwei Wagen stürzten die 1% Meter hohe Böschung hinunter in in Birkenwäldchen. Mehrere andere wagen schoben sich ineinander oder stürzten um. 19 Reisende und ber Zugführer wurden sofort getötet. Außerdem wurden sechzehn Personen verletzt. Das furchtbare Unglück ist auf ein verbrechen zurückzuführen. In mehreren Schienenstößen waren die Laschen gelöst und die Bolzen entfern tworden. Der Verkehr der Personenzüge wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Schnell- und Gükerzüge werden über Braunschweig umgeleikek.

Die Ursache -es Unglücks.

Hannover, 19. August. Wie die Reichsbahn- direktion Hannover mitteilt, hat sich bei der Fest­stellung der Ursache des schweren Eiisenbahnun­glücks bei Meinersen ergeben, daß ohne Zweifel ein ruchloser Bahnfreoel vorliegt. In einem Schie­nenstoß waren die beiden Laschen gelöst. Die Laschenbolzen lagen nebeneinander auf den Stoß- sthwellen. Die dazu gehörigen Muttern lagen auf der Schwelle zwischen den Schienen. Die Schiene >st aufgebogen worden. So mußte eine Entgleisung erfolgen. Etwa 10 Meter neben dem Bahndamm wurden in dem Wäldchen drei Schraubenschlüssel und ein eiserner Hemmschuh gefunden. Die örtliche Bahnmeisterei und die Lohnarbeiter erklärten, daß diese Werkzeuge nicht zu den ihrigen gehören. Die ahnstrecke wird in 24 Stunden einmal begangen, ^'ne öftere Begehung, selbst in einstündigem Ab- dern tQnn einen solchen Bahnfreoel nicht verhin-

Wie das Unglück geschah Der D-Zug BerlinHannoverKöln, der einen wrekten Wagen nach Blissingen mitführt und ge- abend um 10 Uhr 34 Minuten vom Schle- I lchen Bahnhof abfuhr, war stark besetzt. Er hatte ^" Bahnhof Isenbüttel passiert und war 40 Kilometer von Hannover entfernt. m . 39 die kleine Station Leiferde in großer ichwmdigkeit durchfahren hotte, bemerkten die ^s Suges und bie Reisenden starkes q^en. Gleich darauf folgte entsetzliches Krachen. .r Su9 war entgleist. Das Licht in den unbe- ^/."bigten Wagen erlosch, und der Reisenden be- i ^te f^ eine furchtbare Panik. Sie hatten zu- t '' lleschlafen und versuchten nun, die demolier- Wagen zu »erlassen. Das Zugpersonal und die verletzt gebliebenen Passagiere befreiten nach «oguchkeit die Verletzten. Von der Blockstelle 169 5 das Unglück glücklicherweise bald bemerkt unö der Beamte sperrte die Strecke, da darauf zwei Güterzüge in kurzen Abständen

I Ner>in .«ö>n

»lern auf -er Spur.

folgen mußten, die vielleicht auf die letzten Wagen des verunglückten D-Zuges aufgefahren wären und das Unheil noch vergrößert hätten. Die Station Isenbüttel benachrichtigte Hannover. Bon dort, Lehrte, Isenbüttel und Oebisfelde wurden sofort Hilfszüge an die Unfallstelle beordert. Aus Lehrte und Isenbüttel fuhren schnellstens Aerzte dorthin. Die Unglücksstelle bot einen

grausigen Anblick.

Die schwere Maschine war nach der Entgleisung noch etwa 60 Meter von der gelockerten Stelle neben den Gleisen hergefahren, bis sie umstürzte und sich in das Erdreich einwühlte. Der Tender der Maschine war ebenfalls umgestürzt. Völlig zer­trümmert und umgestürzt ist der nachfolgende Pack­wagen. Verhältnismäßig unversehrt blieb der Post­wagen. Ziemlich in Ordnung sind noch ein Schlaf­wagen, sowie zwei 3. Klasse-Wagen. Der 6. und 7. Wagen sind ineinandergeschoben.

In den letzten Teilen dieser Wagen sind vermutlich die meisten Toten.

Um 1 Uhr nachmittags ist man gerade damit be­schäftigt, die Toten dieser Wagenabteile zu ber­gen. Die Anzahl der geborgenen Toten beträgt 16, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß sich diese Zahl noch auf 20 erhöhen wird.

Der verbrecherische Charakter des Unglücks tritt offensichtlich zutage. Die sofort an Ort und Stelle vorgenommene Untersuchung ergab, daß neben dem Gleis die losgelösten Laschen auf der Holzschwelle kurze Schägpfeife. Sofort ausgenommene Verfol­gung von dieser Stelle mittels Polizeihundes hat bislang noch zu keinem possitiven Ergebnis geführt, jedoch ist man in dieser Beziehung weiterhin an­gespannt tätig.

Ein Hilfszug ist damit beschäftigt, die beiden ineinandergeschobenen D-Wagen auseinanderzu­ziehen, um die gerade in diesen Abteilungen lie­genden Toten noch bergen zu können. Mit größter Ausdauer wurde in den frühen Nachmittagsstun­den gearbeitet. Zug um Zug gelingt es, die beiden festineinandergeschobenen Wagen auseinanderzu­reihen. Sanitätsmannschaften sowie Eisenbahn-Per­sonen betreten jeweils in kurzen Abständen das Innere der Wagen, um die teilweise bis zur Un­kenntlichkeit zugerichteten Toten zu bergen. Links und rechts des Bahndammes bietet sich dem Auge inmitten der Heide

ein furchtbares Durcheinander.

Während die vorderen Wagen kaum irgendwie be­schädigt worden sind und auch noch in etwas ge­neigter Stellung neben dem Bahndamm stehen, bieten der 6. und 7. ineinandergeschobene Wagen ein schreckliches Bild. Eine große Menge von zer­splittertem Holzgerät und Polster überdeckt den Bahndamm. Blutlachen, zertretene Blumensträuße und Reise-Magazine bieten inmitten dieser Wüste einen grauenhaften Anblick. Die geborgenen Toten werden der Reihe nach auf Bahren mit Zeltplanen überdeckt in einer unmittelbar neben den Gleisen errichteten Notstation untergebracht.

Bericht eines Augenzeugen.

Ueber die furchtbare D-Zug-Katastrophe wird uns von einem Reisenden, der sich im Unglückszuge be­fand, folgende Darstellung der Katastrophe gegeben:

Don den vier D-Zügen, die in der elften Abend­stunde vom Bahnhof Friedrichstraße in Richtung HannoverKöln abgelassen werden, hatte der letzte 10.50 Uhr die Ausgangsstation verlassen. Der Zug hatte fahrplanmäßig Stendal passiert und befand sich auf der Strecke Oebisfelde-Hannover, unmittelbar 300 Meter hinter der kleinen Station Leiferde bei Block 169. Die Zuggeschwlndig keit mag schätzungs­weise 7080 Kilometer betragen haben; in einer halben Stunde mußte Hannover erreicht sein. Es war fast Punkt 2.15 Uhr. Mit einem Male, ganz unvermittelt, gab es einen fürchterlichen Krach, Holz und Glas fpliterten mit lautem Getös«, das Licht erlosch, einen Augenblick herrschte furchtbare Ver- Wirrung, bis man sich darüber klar wurde, daß etwas Entsetzliches geschehen sein mußte. Die schlim­men Ahnungen wurden nur zu bald bestätigt, nach­dem man das Abteil klapsenden Herzens verlassen hatte. Gellende Schreie tönten durch di« Nacht. Nur wenig ist zunächst zu erkennen; denn es herrschte liefe Dunkelheit. Allmählich gewann man eine, wenn auch zunächst schwache Borftelluna von dem Umfang

der Katastrophe, die sich ereignet hatte. Die Loko­motive mochte etwa 100 Meter außerhalb der Schie­nen gefahren sein und war umgestürzt und lag jetzt an einem Wvkenwäldchen auf der rechten Seite der Fahrstrecke. Etwa- zurück lag auf dem Bahnkörper der Packwagen umgeworfen, ebenso noch ein anderer Waggon. Mehrere andere Wagen hatten sich m= einandergeschoben und bildeten ein unentwirrbares Durcheinander von Wagenteilen und leider auch Teilen von menschlichen Körpern. Der Post­wagen, der hinter dem Packwagen fuhr, blieb merk­würdigerweise, ohne Schaden zu nehmen, im Sande stehen, bie auf ihn folgenden Wagen wurden durch die Wucht der wirkenden Kräfte imeinandergeschoben. Aus ihnen tönten entsetzliche Hilferufe und Schmerzensschrei«. Der erste Gedanke galt diesen Unglücklichen, die in diesem fürchterlichen Gewirr von Trümmern der Rettung aus ihrer schrecklichen Lage harrten. Leider konnten die unversehrt ge­bliebenen Fahrgäste nur wenig zu ihrer Bergung und Linderung tun, denn in der Dunkelheit war es nicht möglich, genügend Werkzeug zur Stelle zu schaffen, um mit Erfolg di« Verunglückten zu be­freien. Es dauerte fast 1% Stunde, ehe aus Lehrte und Oebisfelde die ersten Hilfszüge mit Aerzten und Sanitätern herbeisilten. Auch dann war es eins schwierige Arbeit, an die Toten und Verletzten hercm- znkommen. Vielfach muffte dabei nicht nur von Hacke und Säge, sondern auch von dem mEtgeführten Schrveißapparcrt Gebrauch gemacht werden. Am meisten mitgenommen war ein Wagen 2. Klasse, in dessen einen Abteil nicht weniger als vier Tote auf« gefunden wurden während eine Mutter mit ihrem Kind wie durch ein Wunder unverletzt geblieben war. Die Frau und das Kleine konnten durch ein in das Wagendach geschlagenes Loch mühsam Hervusg«zerrt werden. Infolge eines unmittelbar nach der Kata­strophe einsetzenden Regengußes wurde dsi Arbeit der Retter nicht unerheblich erschwert. Ms früh­morgens waren neun Tote geborgen, aber sicherlich jejlijejÄ

blieben waren oder nur leichte Verletzung davon­getragen hatten, konnten nach wenigen Stunden im Sonderzug über Braunschweig nach Hannover ge­bracht werden, von wo sie ihre Reise nach Köln fortgesetzt haben, zu welchem Zweck die Reichsbahn­direktion einen aus Mitteldeutschland kommenden D-Zug in Hannover einen längeren Aufenthalt hat nehmen lassen. In Hannover selbst nahmen sich Sanitäter der Leichtverletzten an imb ließen ihnen die erforderliche Behandlung zuteil werden.

Au- Gesprächen mit Lokomotw- und Zugführer ging hervor, daß die Geschwindigkeit des Zuges keine übermäßig« war, sie betrug etwa 70 Klm. Das Unglück hätte wahrscheinlich noch größeren Umfang angenommen, wenn der Lokomotivführer nicht in dem Augenblick, wo er das Herausspringen der Maschine aus dem Geleis bemerkte, sofort Gegen­dampf gegeben hätte, wodurch noch im letzten Augen­blick eine erhebliche Verringerung der Geschwindig­keit herbei geführt werden konnte. Der Lokomotiv­führer wurde nur leicht verletzt, während der Heizer einen Nervenchock erlitt. Dagegen ist der Zugführer Jordan, der sich zur Zeit des Unfalls im Packwagen aushielt, mit einem anderen Beamten durch den um­stürzenden Wagen getötet worden. Anerkannt muß werden, daß nicht nur in verhältnismäßig kurzer Zeit die Hilsszüge zur Stelle waren, sondern daß sich auch die Bewohner der benachbarten Ortschaften in aufopferndster Weise an dem Rettungswerk be­teiligten. Sie brachten Notbeleuchtung und Wevk- zeuge aller Art mit, und erleichterten so dem Per­sonal der Hilfszüg« ihre schwere Arbeit. Ein Teil der zu Tode gekommenen Passagiere wurde in tiefem Schlaf von der Katastrophe überrascht; ihre Leichen und die Verletzten mußten unter unsäglichen Schwie­rigkeiten aus dem schwer mitgenommenen Schlaf­wagen herausgefügt werden. Die Schwerverletzten wurden mit Vahren und Autos in die Krankenhäuser der benachbarten Orte gebracht, während die Leicht­verletzten, wie erwähnt, -mit Sonderzügen ab­transportiert wurden.

Leider hat sich auch bei diesem Unglücksfall ge­zeigt, daß die Ausrüstung der D-Züge mit Hilfs­material insbesondere mit Werkzeug höchst unzu­länglich ist. Geräte dieser Art sollen angeblich im umgestürzten Packwagen gelegen haben, aus dem aber, da er umgestürzt war, nichts herausgenommen werden konnte. Auch waren kein« Fackeln zur Stelle. Hier wird gründlich Wandel geschaffen werden müssen. Uebrigens ist es der Geistesgegenwart eines Blockwärters zu verdanken, daß die Katastrophe nicht noch größeren Umfang annahm, denn auf der­selben Strecke mußten in kurzen Abständen zwei Güterzüge folgen. Wenn diese in der Dunkelheit auf den letzten Wagen des D-Zuges ausgefallen wären, so hätte sich bas Unheil noch verschlimmert. Der Blockwärter sperrte sofort bie ganze Strecke und vermied dadurch weiteren Schaden.

General-ireklor Dr. Dorpmüller übe- -ie Elsenbahnkaiastrophe.

Berlin, 19. August. Generaldirektor Dr. Dorp­müller, der heute mittag an der Unglücksstelle des Kölner D-Zuges die Untersuchung geleitet hat, er- klärte heute abend Pressevertretern, daß untrügliche Anzeichen dafür vorliegen, daß verbrecherische Hände die Katastrophe herbeigeführt haben. Die Unglücks- stell«, so führte Dr. Dorpmüller u. a. aus, liegt an einer schnurgeraden Linie. Der Oberbau auf der Strecke BerlinKöln ist der beste in ganz Deutsch­land, denn es handelt sich am die am meisten be« sichren« Strecke. Man vermutet, daß mindestens zwei ,vielleicht auch wehere Täter in Frage kommen. Die ganze Zerstörungsarbeit konnte von zwei Per­sonen in noch nicht einmal 15 Minuten geleistet wer- den. In der Zeit von 12 Uhr nachts befuhren vier D-Züge in Abständen von 15 Minuten die Ge- fahrstesi«. Möglicherweise haben die Täter schon eine Stunde vorher die Schrauben gelockert und ein glück­licher Zufall hat die ersten drei Züge noch über die beschädigte Stelle komnien lassen, während beim Dierten die Katastrophe hereingebrochen ist. Die Nachtpatrouille zur Bewachung der Strecke ist schon vor Beginn der rfcmolverminderung abgeschafft worden, weil sich ihre Zwecklosigkeit erwiesen hat. Zur Frage der Entschädigung äußerte sich der Ver- tretet lder Reichsbahn, ehe man zu der etwas schwie­rigen Rechtslage Stellung nehme, werde die Reichs­bahn erst die Frage zu prüfen haben, ob ein Atten­tat als höhere Gewalt anzufehen sei.

Reichs- und Sfaatstommiffar Ernst Mehlich tödlich verunglückt.

Hannover, 10. August. Unter den Opfern bes Eisenbahnunglücks bei Isenbüttel befindet sich auch der staatliche Schlichter für Arbeitsstreitigkeiten, Reichs- und Staatskomisiar Ernst Mehlich-Dortmund.

Die 21 Todesopfer.

I Berlin, 19. August. Nach einer Mitteilung bei

ums Leben gekommen. Die tödlich Verunglückte« sind: 1. Zugführer Jordan aus Berlin, 2. Dav8 Kooer-Petrie aus Cambridge, 3. Kurt Leiser au« Berlin, 4. Otto Ebert aus Stettin, 5. Reinhold Grunewald aus Berlin, 6. Oberingenieur Richard Mann aus Dortmund, 7. Frau Julie Stole geb. Forftreuter aus Berlin, 8. Friedrich Schmitt-Ernst- hausen aus Düsseldorf, 9. Julie Gnann aus Dort­mund, Burgunderstraße 13, 10. Weichenwärter Zyrsow aus Ronsdorf, 11. Robert Perlstein aus Hamm i. W., 12. Reichs- und Staatskommisiar Ernst Mehlich aus Dortmund, 13. Lokomotivführer Wiese aus Kreuz (Ostbahn), 14. Margarete Wiese, Ehe­frau, 15. Lokomotivführer Albert Hohm aus Kreuz, 16. Rangierarbeiter Albert Hippe aus Waldenburg- Altwasser, bei Frau Winkelinann (17.) ist die Hei- mat noch nicht festgestellt, 18. Fritz Hoffmeister aus Berlin, ferner eine unbekannte weibliche Per« son (19.), wahrscheinlich die Braut des Hoffmeister. Frl. Klara Neuer aus Köln a. Rh. und der Stu­dent Woodrik Read aus London, die sich unter den Verletzten befanden, sind inzwischen gestorben, so daß sich die Zahl der Opfer auf 21 erhöht.

Die Verletzten sind: 1. Fahrladeschaffner Weber aus Berlin, z. Z. Krankenhaus Braunschweig, 2. Wartefrau Kökeritz aus Berlin, 3. Fabrikbesitzer Bayer aus Liegnitz.

Der bei dem Eisenbahnunglück in der Provinz Hannover getötete Reichs- und Staatskommisiar Mehlich galt als einer der fähigsten Köpfe der sozialdemokratischen Partei. Er war vor dem Kriege Redakteur derDortmunder Arbeiterzeitung", spä­ter Stadtverordneter und Stadtverordnetenvorsteher. Beim Umsturz betätigte er sich als Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrats in maßvoller Weise. Von der Regierung wurde er später als Reichs- und Staatskommisiar für die Schlichtungsfragen zwischen der Großindustrie und der Arbeiterschaft im westlichen Industriegebiet eingesetzt und hat als solcher ausgleichend zu wirken gewußt. Auch beim Abwehrkampf im Ruhrgebiet wurde seine zuver- lästige Gesinnung anerkannt. Er gehörte zuletzt dem Preußischen Staatsrate als Mtglied an.

Auf den Spuren -er Arfteber -er Elsenbaftukalaftrspfte?

DasBerl. Tageblatt" weiß zu melden, daß bie Staatsanwaltschaft, die die Ursachen der Eisenbahn- katastrophe bei Meinsersen untersucht hat, bereits eine Spur der Täter verfolge, die nach Gardelegen führen soll. Es sollen bereits gestern zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden sein. Die Ver­mutung liege nahe, daß es sich um einen Racheakt eines entlassenen Eisenbahnbeamten handele. Wie die Germania mitteilt weilte der bei der Kata- strophe tätlich verunglückt« Reichs- und «toats- fommiffar Mehlich am Mittwoch in Berlin und hatte eine längere Unterredung mit dem preußischen /