201. Jahrgang.
SanauerS Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.
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Kr. 193
Donnersiag den 19. August
1926
Das Getiefte.
— Französische Blätter deuten an, daß Frank- leich in Brüssel gegen eine Rückgabe Eupens und Malmedys an Deutschland im voraus Protest eingelegt habe.
— Der spanische Außenminister bezeichnete die Angliederung Tangers an die spanische Marokkozone als einziges Mittel zur Lösung des Tanger - problems.
— Der amerikanische Staatssekretär Kellog sprach gestern bei einer Denkmals«inweihung über das Abrüstungsproblem.
— Ein französischer Ministerrat befaßte sich gestern mit Sparmaßnahmen und Preispolitik.
— Der englische Bergarbeiterführer Cook hat eine Einladung an die Grudenbesitz« gerichtet zu Der- Handlungen über die Beilegung des Streiks.
ilm die RüEsade von Gupen und Malmedy
Besinnende âMvnns?
Zwar liegt noch immer starkes Dunkel über dem Zweck, für den die Studienkommission auf den 30. August nach Genf einberufen worden ist; jedenfalls ist h Berlin eine Einladung zur Teilnahme noch nicht eingetroffen, noch viel weniger liegt daher eine Tagesordnung vor, aus der man ersehen könnte, was für Anträge in Aussicht stehen. Aber es gewinnt doch immer mehr den Anschein, als ob es sich lediglich um einen Antrag handeln wird, der vielleicht von Frankreich ausgeht und darauf hinausläuft, entweder Spanien allein oder überhaupt den drei sogenannten halb- ständigen Ratssitzen eine längere Amtszeit, vielleicht bis zu fünf Jahren zuzubilligen. Wenn dann Spanien eine Zweidrittelmehrheit der VolkeibunÄsoerfammlung für sich gewinnt, dann würde es die Gewißheit haben, insge-I
Die deutsch-belgischen Verhandlungen über Eupen- Malmedy stehen nun plötzlich zur europäischen Diskussion. Das ist gewiß für die Entwicklung nicht günstig. Es wäre viel nützlicher gewesen, wenn sie erst nach dem Abschluß der Besprechungen unternommen worden wäre, aber der Zweck der ersten Veröffentlichung ist offenbar der gewesen, die Verhandlungen zu stören und ein ganzes Intrigenspiel anzugettèln, nur um den Belgiern die Lust an der Sache zu verekeln. Das ist bisher nicht gelungen. Die belgische Regierung ist zwar recht vorsichtig, weil sie selbst der Resonanz in der Bevölkerung nicht ganz sicher war, aber sie hält doch bei der Stange, nachdem sie gesehen hat, daß die überwiegende Mehrheit der Belgier selbst ziemlich leidenschaftslos den Dingen gegenübersteht.
Wäre also Eupen-Malmedy lediglich eine deutschbelgische Frage, dann würden wir vermutlich sehr bald darüber einig werden. Auch die Form ließe sich leicht finden durch Durchführung einer wirklichen Bolksabstimmung, die eine starke MehrheiGfür Deutschland ergeben würde. Aber die Hüter des Versailler Vertrages melden sich zum Wort. Zumal Frankreich ist sehr nervös, weil es fürchtet, daß hierbei einer Revision des Versailler Vertrages ein Präzedenzfall geschaffen werde, der gerade im Zusammenhang mit dem Locarnovertrag das, was Deutschland als Garantie der Westgrenze bezeichnet hat, in ein für Frankreich nicht unbedenkliches Licht bringen könnte. Der Widerstand geht wohl kaum von Briand persönlich aus. Briand hat sogar den
Der „Vorwärts" erhält aus Brüssel eine Meldung, in welcher der Darstellung des „Temps" entschieden entgegengetreten wird, der es so hinftellt, als wenn Deutschland in der Frage der Abtretung von Eupen und Malmedy gedrängt habe. Insbesondere sei die Behauptung des „Temps" falsch, daß der belgische Justizminister und Finanzminister gegen die Rückgabe seien, vom Minister Vandervelde ganz zu schweigen, der erklärte, daß eine Haltung Frankreichs, die sich der deutsch-belgischen Verständigung widersetz«, ganz unverständlich sein wurde.
Belgisches Dementi wegen Eupen und Malmedy.
B r ü f f e l, 18. August Die belgische Regierung stellt erneut die Meldung des pariser „Rew Port Herold" in Abrede, daß Belgien 1% Milliarden an Holland angeblich schulde und daß gegenwärtig zwischen Belgien und Deutschland über ein Abkommen betreffend die Rückgabe von Eupen und Malmedy »«handelt würde.
Berlin, 18. August. Das Berl. Tagebl. schreibt: Ein Teil bet französischen Presse führt eine heftige Polemik gegen die belgische Regierung, der die Absicht einer Rückgabe von Eupen-Malmedy als Gegenleistung für eine finanzielle Beteiligung Deutschlands an ber Stabilisierung des belgischen Franken zum Borwurf gemacht wird. Es ist bekannt, daß das Heer der französischen Nationalisten in jedem Falle in Aufregung gerät, sobald ein Werk des Friedens, das den Geist von Locarno überzeugend demonstriert,
Kr auch nach seiner am 1. September er- ten Pensionierung. Die Meldung, daß Ebermayer einen beforrberen Posten als Reichskommissar für die Strafrechtsreform erhalten habe, entspricht, wie das genannte Blatt hört, nicht den Tatsachen.
Deutschnattonale Anfrage« im Londlag
Im Preußischen Landtag ist eine Anfrage des deutschnationalen Landtagsabgeordneten Bachem eingegangen, in der auf die
Unterhaltung einer bewaffneten Macht im Saargebiet
durch Frankreich entgegen den Bestimmungen des Friedensvertrages hingewiesen und Beschwerde gegen die Begehung des französischen Nationalfeiertages im Saargebiet erhoben wird. Das Preußische Staatsministerium wird gefragt, welche Stellung es im Einvernehmen mit der Reichsregierung einzunehmen gedenkt. In einer weiteren kleineren Anfrage der Fraktion wurde Beschwerde erhoben gegen die Verfolgung auch der einfachsten Selbstverständlichkeiten und Lebensgewohnheiten und der deutschen Festlichkeiten im besetzten Gebiet. Schmähungen der deutschen Farben, wie in
Germersheim
seien bis auf den heutigen Tag ungesühnt geblieben. Das Preußische Staatsministerium wird gefragt, was es für die, überwiegend der preußischen Hoheit unterstehenden besetzten Gebiete im Einvernehmen mit der Reichsregierung zu tun gedenke, um die deutsche Oeffent- lichkeit und die Bevölkerung der besetzten Gebiete nicht zu enttäuschen, und um dem berechtigten deutschen Einspruch zur allgemeinen Anerkennung zu verhelfen.
Neue Verhandlungen
e?
das dürfte seinen An^.^„,„.
darf aber jetzt über den einen Punkt so ziemlich beruhigt sein, daß dem alleinigen Eintritt Deutschlands keine wesentlichen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen werden und daß über Anträge der Studienkommission erst nach der Aufnahme Deutschlands und dessen Eintritt in den Völkerbundsrat gesprochen und obgestimmt werden wird. Somit würde auch die Neuwahl der nichtständigen Mitglieder des Volkerlmndrates auf Grund der Beschlüsse der Studienkommission erst nach dem Eintritt Deutschlands unter dessen Mitwirkung erfolgen.
Die Hauptsache bei den Sitzungen bes Völkerbunds besteht ja eigentlich darin, daß die führenden Staatsmänner, mindestens Europas, zusammentreffen und in mündlichen Meinungsaustausch alle schwebenden Fragen be- lprechen können, womit erfahrungsgemäß eine lehr viel schnellere und leichtere Lösung schwebender Streitfragen herbeigeführt wird. Das hat sich schon früher bewährt und man darf Wen, daß es sich auch diesmal bewähren wird. Selbst wenn ein Herr Poincarè die ihm nachgesagte Absicht haben sollte, selbst nach u-enf zu kommen, so würde er wahrscheinlich ^-^âb anderen Ansichten nach Paris zuruckkehren, als er mitgebracht hat.. Ob er wirklich hinkommt, bleibt abzuwarten. Gegen- P™ solcher privater Besprechungen unter ehrenden Staatsmännern würde vor Men Bingen die Besatzungsfrage sein. Es ist verarmt, daß sich in Frankreich zwei starke Strömungen gegenüberstehen, die man kurz, wenn auch vielleicht nicht ganz zutreffend, als M bürgerliche und als die militärische bezeichn ^..konnte. Die eine Richtung, zu der Briand " ’0rk halt nach dem Abschluß der Verträge von Locarno und nach dem Eintritt Deutsch- nos ,n den Völkerbund die Anwesenheit einer ?"Vsarmee auf deutschem Gebiet über- überflüssig und würde gern mög- ynl,. d ganz damit aufräumen. Die andere Achtung unter der Führung des Marschall fronn . ouch Poincarè angehört, will nichts iioM? "'Essen, und schützt die mehrfachen un- samen Zwischenfälle der jüngsten Zeit vor, tws Verbleiben fremder Truppen mein l beschönigen. Ein englisches Blatt v ^ Daraus hin, daß es zweckmäßig ^atte über den Zwischenfall von einzustellen, um ihm in münd- /"^Handlungen in Genf ganz aus der olla^" lchasfen. Dieser Vorschlag ließ sich ver- Mememern, denn die mehrfachen Zwischen- wie sehr sie geeignet sind, die der großen Politik zu erschweren, d« ,£r. ^reiflichen Ungeduld und Erregung Enttx r^'f^n Bevölkerung über die schwere Täuschung werden sich solche Zwischenfälle, oer von Germersheim immer wieder er-
eigener Initiative wird der „Temps" bié Campagne nicht angefangen haben. Möglich, daß Poincarè doch bereits fein« Finger in die Außenpolitik steckt und an Briand vorbei, sich hintenherum bemerkbar machen will.
Jedenfalls hat dieses Zwischenspiel zunächst den unerwarteten Erfolg gehabt, daß nun der belgisch« Außenminister Danderoelde in seinem „Peuple" erklären läßt, eine Haltung Frankreichs, die sich der deutsch-belgischen Verständigung entgegensetz, würde unverständlich sein. Er kann das ruhig sagen, weil er selbst zweifellos mit Briand darüber einig ist. Trotzdem ist die Gefahr, die von bi es er Seite kommt, nicht zu unterschätzen, denn wenn die Aussprache, die begonnen war, um die deutsch-belgische Temperatur zu bereinigen, auf das Nationalistische hinausgespült wird, ist es unvermeidlich, daß die sachlich« Behandlung darunter leidet und die Widerstände, die sich sowieso schon entgegenstellen, vergrößert werden.
Phaniastische Entschädigungssummen.
B«lin, 18. August. In der Presse werden über die etwa in Frage kommende Entschädigung an Belgien für die Abtretung von Eupen und Malmedy große Summen genannt. Man nennt die Ziffer non iS Milliarden. Selbstverständlich handelt es sich hier um maßlose Uebertreibungen, die wohl daraus zurückzuführen sind, daß in einem früheren Stadium Belgien ähnliche Ziffern genannt haben mag, als es sich darum handelte, die im belgischen Tresor befindlichen deutschen Noten umzuwechseln. Aus dieser Sache ist aber nichts geworden und die jetzt zur Debatte stehenden Verhandlungen haben mit diesen Dingen gar nichts zu tun.
mit tendenziösen Falschmeldungen geführt wird, gegen die Einspruch zu erheben ist. Eine solche Nachricht ist die. Meldung der Pariser Ausgabe des „New Park Herold", der von Deutschland die Uebernahme einer phantastischen Schuld an Belgien in Höhe von 1,5 Milliarden Mark erwartet und die Frage Eupen-Malmedy der vielbesprochenen Aufwertung der deutschen Markbestände in Belgien verknüpft sehen möchte. Alle jene, die eine umfassende Verständigung Belgiens mit Deutschland wünschen, bewahren gegenüber dieser Gerüchteträgerei Schweigen. Weder auf deutscher noch auf belgischer Seite besteht Neigung, die berufsmäßigen Giftmischer in ihrem Gewerbe zu unterstützen.
Ein Protestsdiriff der französischen Regierung in Brüssel?
Paris, 18. August. Verschiedene Andeutungen der Morgenblätter lassen vermuten, daß die französische Regierung in Brüssel gegen eine etwaige Absicht der belgischen Regierung Protest eingelegt hat, Eupen und Malmedy an Deutschland zurückzugeben. Per- tinax behauptet im „Echo de Paris", ein Abkommen zwischen Deutschland und Belgien über Eupen und Malmedy sei so gut wie abgeschlossm. Vermutlich habe Frankreich bereits in Brüssel die nötigen Vorstellungen unternommen. Es sei allerdings staglich, ob Frankreich und die übrigen Alliierten aus Grund des Versailler Vertrages und der Locarno-Verträge eine solche Konvention verhindern könnten. Vom rein juristischen Standpunkt aus sei die Antwort nicht klar. Frankreich könne sich nur auf die gemeinsamen Interessen mit Belgien und auf den' französisch- belgischen Vertrag vom Jahre 1920 berufen.
der nächsten Woche die Verhandlungen zwischen dem Generalbevollmächtigen des Hohen- zollernhauses und der preußi' ' wieder ausgenommen werden.
eignen. Und das sollte eigentlich ein weiterer Anlaß sein, daß Uebel an der Wurzel zu fassen und die Besatzungsarmee nach Haus« zu schicken. Vielleicht läßt sich in Genf in dieser Richtung etwas erreichen.
Auch die Frage Eupen-Malmedy könnte dort im Wege einer mündlichen Aussprache gefördert werden. Einzelne französische Blätter, an der Spitze der „Temps", sind bemüht, durch Verdächtigung Deutschlands und Verbreitung falscher Nachrichten über die Haltung Belgiens die Verhandlungen zu stören, die seit einiger Zeit im Gange sind. Da sowohl die amtlichen Kreise Belgiens wie die Umgebung Briands sehr energisch von diesen Quertreibereien abrücken, darf man wohl annehmen, daß sie zu keinem Ergebnis führen werden. Immerhin beweisen auch sie, daß in verschiedenen nicht einflußlosen Kreisen Frankreichs gerade kein Wunsch besteht, die Verständigung zw"' Deutschland und Belgien irgendwie zu sör Es besteht jedoch wohl kein Zweifel darüber, daß der soviel geschmähte Geist von Locarno sich aufs Vortrefflichste bewährt haben würde,
Eschen
brbern.
wenn es in der Tat gelänge, zu einer Verständigung zwischen Deutschland und Belgien über die Frage Eupen-Malmedy zu gelangen. Es würde bei uns wohl nur wenige mißgünstige Stimmen geben, die nicht damit einverstanden wären, wenn wir die beiden uns entrissenen Kreise an der belgischen Grenze wieder zurückgewönnen. Es wäre, abgesehen von allem anderen, ein verheißungsvolles Zeichen dafür, daß auch andere Gebiete, die uns geraubt worden sind, zur richtigen Zeit wieder zurückgewonnen werden können, wenn wir es verstehen, in Ruhe den günstigen Augenblick abzuwarten.
Die Slrafrechtsreform vor dem Reichsrai.
Berlin, 18. Aug. Der Gesetzentwurf über die Strafrechtsform ist laut „Voss. Ztg." dem Reichsrat zugeleitet worden, der mit den Beratungen des Entwurfes im Oktober beginnen wird. An den Betrachtungen über die Strafrechtsform nimmt Oberreichsanwalt Dr. Ludwig Ebermayer als Sachverständiger teil, und
. __________________ . Regierung
wieder ausgenommen werden. Man spricht davon, daß vor allem der Reichskanzler Dr. Marr sich lebhaft darum bemüht, die Abfindung^ angelegenheit endlich zum Abschluß zu bringen. Beide Teile sind, wie es heißt, zu Zugeständnissen bereit, und in dieser Hinsicht sollen in der letzten Zeit wiederholt eingehende Besprechungen zwischen dem Kaiser und seinem Generalbevollmächtigten von Berg in Doorn stattgefunden haben. Bei den Konzessionen, die seitens des Hohenzollernhauses gemacht werden sollen, handelt es sich in der Hauptsache um Grundbesitz, der bei Säkularisationen an die Hohenzollern gefallen ist, sowie um mehrere Gebäudekomplexe, die rein repräsentativen Zwecken dienten. Sollten die bevorstehenden Verhandlungen zwischen Preußen und dem Generalbevollmächtigten der Hohenzollern eine Verhandlungsbasis ergeben, so würde die Reichsregierung einen neuen Gesetzentwurf über die Abfindungsfrage ausarbeiten und dem Reichstag zugeben lassen. In diesem Entwurf sollen die verschiedenartigen Wünsche, die bei den letzten Beratungen des Rechtsausschusses zur Sprache gekommen sind, berücksichtigt und somit eine Möglichkeit für die Annahme der neuen Regierungsvorlage mii Zweidrittelmehrheit geschaffen werden. Es haben in letzter Zeit mehrfach Besprechungen maßgebender Persönlichkeiten der Sozialdemokratischen Partei mit dem prußischen Ministerpräsidenten stattgefunden. Der Reichsregierung ist besonders daran gelegen, zu verhindern, daß von kommunistischer Seite erneut die ganze Angelegenheit zu einer wüsten Agitationshetze mißbraucht wird. Deshalb möchte sie die Abfindungsangelegenheit sobald als möglich aus der Welt schaffen. Man hofft in Regierungskreisen die Zweidrittelmehrheit mit Hilfe der Sozialdemokraten zustandezubringen.
Ein Zwischenfall in Wiesbaden.
Wiesbaden, 19. Aug. Hier hat sich ein neuer Zwischenfall ereignet, dem man aber vorläufig keine allzu große Bedeutung beizulegen braucht. Der englische Stadtkommandant, ein Major, wollte durch die Stadt fahren, in der Kirmes war. Seiner Angabe nach war das Gedränge so groß, das er nicht durchkommen konnte. Von anderer Seite wird behauptet, daß die Bevölkerung über sein schnelles Fahren erregt worden sei. Der englische Offizier, nach dessen Angabe mit Stöcken auf sein Auto geschlagen worden ist, holte eine Truppenabteilung und ließ sämtliche Wirtschaften bei Stadt schließen. Man wird abzuwarten haben, bis das Ergebnis der Untersuchung über den Vorfall voriteat.