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Nr. 189

Samstag den 14. August

Sette 8

Nie alte Vvüâ n Foaaktuet am Mal«.

Bnickeneinweihungen haben im Allgemeinen nur tliée Bedeutung. So würde auch die Einweihung ! EN Brücke über den Main in Frankfurt am außerhalb dieser Stadt aus sein Interesse mehr - râen haben, wenn nicht die alte Brücke, deren ' sie ist, und deren Namen sie weiter führen nana besondere Bedeutung gehabt hätte, fiel 'j^t nur mit Rücksicht auf den Handelsverkehr, hier von Nord und Süd seit Jahrhunderten äbtr kn Main ging. Die Sage brachte die alte : ijrij^ die älteste Frankfurts, und die erste, die über« Mr den Main führte, mit Karl dem Großen ^ Zusammenhang, doch wird sie erst in einer Ur« ' funk aus dem Jahre 1222 erwähnt. Welche Bedeu- - âmg schon damals bei dem verhältnismäßig geringen Bertefjr dieser alten Brücke beigemessen wurde, geht gratis hervor, daß der Stadt die Hälfte der Ein- i fünfte aus der Münze zu dauernder Verfügung ! ftanb, um das wichtige Verkehrsmittel, das durch Hochwasser schwer geschädigt worden war, wieder ; herzustellen. Heinrich der Siebente stellte außerdem dauernd Holz aus dem Reichsforst zur Brücken- ; Ausbesserung zur Verfügung, was zu dem Irrtum : führte, daß die damalige Brücke eine durchweg hötzerne gewesen wäre. In der Tat handelt« es sich M die Bohlewdeckung zwischen Steinpfeilern. Später trat der Opfersinn der Bürger Frankfurts an Stelle dieser Zuwendungen. Die Brücke wurde f als eine Art Heiligtum betrachtet. Wer zu ihrer ' Erhaltung durch ein Geschenk beitrug, glaubte etwas [ Sott Wohlgefälliges getan zu haben. Von der Geist- ; Mit wurde Ablaß erteilt für Geld, das in den ' Opferstock auf der Brücke gegeben wurde. Sogar I italienische Bischöfe erteilten im Jahre 1300 Ablaß I für die alte Mainbrücke in Frankfurt. Kein Wunder, daß oft Schenkungen gemacht wurden, mit dem Zu- ( fitz der Geber, daß sieum ihrer Seelen willen" ge« ' i Wen seien. Auch Mäntel und Kleider, oft von hohem Wert, wurden an den Opferstock,an die : ^kücke gesetzt" d. h. zu ihrem Unterhalt geschenkt.

I Diese alte Brücke wurde in der Bevölkerung, ^i und Senat so sehr gewürdigt, daß niemand auf ihr -Streit erheben" durfte, da sie eineFreiung" wr. Noch in späteren Jahrhunderten galt die Weisung:

Wer dieser Brücke Freiheit bricht, Dem wird sein frevelnd' Hand gericht'!"

i L Dis ins spätere Mittelalter befand sich auf der ; "rücke die Richtstätte. Das Ertränken war damals eine vielfach angewandte Todesstrafe. Der Ver­urteilte wurde an Armen, Füßen und Händen ge« bunben, in den Main gestürzt, wo die Strömung am stärksten war. In der Nähe der Richfftätte er« nutete man ein Kruzifix. Ein goldener Hahn auf diesem sollte wohl den Verurteilten an Petrus und ben 3. Hahnenschrei erinnern und ihn zur Reue âchev Die Sage von diesem Hahn weiß es natürtnf) besser. Nach ihr ist der Hahn zum An- °»?2^ntüMicheArt, die Entstehung der Brücke aus dieser aufgesteckt worden. Es heißt, der! Baumeister habe sein Werk nicht in der ausgebun« genen Zeit vollenden können und deshalb den Teufel um Hilfe angegangen. Dieser habe ihm jedoch seinen Beistand nur unter der Bedingung zu- hass das erste lebende Wesen, welches über die Drücke g^ben werde, ihm als Eigentum ver­fallen solle. Der Teufel habe darauf in einer ein­zigen Nacht das Werk zustande gebracht; der schlaue Baumeister aber habe den Teufel dadurch betrogen, daß er selbst zuerst über die neue Brücke ging und einen mageren Hahn vor sich hertrieb. Die Sage fetzt noch hinzu, der betrogene Teufel habe dann aus Zorn beschlossen, die Brücke wieder zu zer­stören, und auch wirklich zwei große Löcher in die Brücfe gebrochen. An der weiteren Zerstörung sei er P"rA die kirchliche Einweihung der Brücke verhin­dert worden.

L DerBrickegickel" war seither das Wahrzeichen der Brücke. Allerdings mußte er einige Male er« f teuer« werden, da er bei Kämpfen um die Brücke S abgsfchofsen wurde. Jahrhunderte hindurch sah er Be wichtigen Ereignisse der Stadt, zumal die Zeiten - des ZOjährigen Krieges und der Kämpfe gegen die zurückflutenden Truppen Napoleons. Auch

Der Enteignungskommissar. I. B.: Müller.

mancher Kaiser zog zur Krönung an ihm vorüber. Häufig sah derBrickegickel" hoch oben aus dem Brückenturm an der Frankfurter Seite aus lange eiferne Stangen gesetzte Häupter und Schädel zu schmählichem Tode Verurteilten. Von diesen waren es vor allen Dingen die Köpfe der Führer des Fett- michel'schen Aufstandes (16121616), die zur Ab­schreckung dort aufgesteckt waren, wo sieso sehr abscheulich von mäniglich, der vurüber pasfirt, zu sehen" eigentlichauf ewige Zeiten" bleiben sollten, aber zuerst wurden sie 1677 während seiner Aus­besserung des Turmes vorübergehend herabgenom­men und dann fiel 1707 einer der Schädel herab, 1717 ein Zweiter. In der Mitte des 18. Jahrhun­derts stak, wie aus GoethesWahrheit und Dich­tung" bekannt ist, von vier Köpfen nur noch einer aus dem Brückenturm, der erst 1801 mit dem damals abgebrochenen Turm verschwand.

Auf andere Nöte der Stadt wies auf der alten Brücke das Rattenhäuschen hin. Es wurde wohl Mitte des 15. Jahrhunderts gebaut etwa in der Zeit, als der erste Reichskammergerichtspräsident, der Graf Eitel Prinz von Hohenzollern, Frankfurt als Sitz des Gerichts ablehnte, weil er nicht in einen Saustall" untergebvacht werden wollte. Dsstowohler fühlten sich in dem Schmutz der Straßen und Höfe die Ratten, die schnell zu einer Plage wurden. Zu ihrer Bekämpfung erbaute der Rat das Rotten­häuschen auf der alten Brücke, in dem für jede ein- gelieferte Ratte (gegen 10 000 im ersten Jahr) ein Heller bezahlt wurde. Der Schwanz wurde als Quittung behalten, die Ratte selbst in den Main geworfen.

Ihr charakteristisches Aussehen aber erhielt die Brücke durch die Brückenmühle. Die in ihr geboren wurden, da sie weder auf Frankfurter noch auf Sachsenhäuser Erde zur Welt kamen, scherzweise die Gickels-Bürger" genannt. Bei einem Kampf mit schwedischen Truppen (1635) wurde die ursprüng­liche Brückenmühle in Brand geschossen. An ihrer Stelle wurden später zwei Mühlen neben der Brücke erbaut.

Auf der Brücke stand außerdem einige Jahre die 1338 erbaute, der heiligen Katharina geweihte Ka­pelle. Schon im Juli 1342 ereilte sie ihr Schicksal. Mit einem großen Teil der Brücke wurde sie von dem größten Hochwasser des Mains fortgerissen, nachdem die beiden Brückentürme schon 1306 der starken Flut und dem Eisgang zum Opfer gefallen waren. Bis zum Jahre 1410 begnügte man sich dann mit einem hölzernen Erfatzbau und erst in den Jahren 174144 baute Johann Friedrich von Uffenbach eine widerstandsfähige Brücke aus Qua­dern. Geschmückt war diese Brücke, die erst 1913 ab­gebrochen wurde, mit einem Standbild Karls des Großen, das möglicherweise auf der jetzt einge­weihten neuenalten Brücke" oder in ihrer Nähe wieder aufgestellt werden dürfte.

Errichtet wurde das Standbild in der Mitte der Brücke 1843 zur Erinnerung an den lOOOj ädrigen Bestand des deutschen Reiches.

Der Abbruch erfolgte aber nicht wegen Alters- fchwäche, sondern weil die Brücke dem nach Eröff-

genügte. Ursprünglich beabsichtigte man, der neuen Brücke den Namen Kaiser-Brücke zu geben. Diese Absicht und die schnelle Herstellung der neuen Brücke, die sich in Farbe und Form an das Bild der alten Mainbrücke anlehnt, wurde vereitelt durch den Stillstand der Brückenarbeiten in den Kriegs« jähren und den Ausgang des Krieges, durch die Inflation und andere äußere Hemmungen. Die Mittel zur neuen Brücke wurden durch den Opfer­sinn der Bürger und eine Brückenbaulotterie aufge­bracht. Nun steht die neue Brücke da. Ueber ihrem mittleren Bogen erhebt sich, wie seit Jahrhunderten, das schmiedeiserne Kruzifix mit dem goldenen Hahn auf der Spitze.

Da sie in der Tat der alten Brücke, deren Sternen sie behält, im ganzen Stadtbilde ähnelt, so kann man auch von der neuen Brücke das sagen, was Goeche inWahrheit und Dichtung" von der alten sagte:

Der schöne Fluß auf- und abwärts zog meine Blicke nach sich; und wenn aus dem Brücken- kreuz der goldene Hahn im Sonnenschein glänzte, so war es mir immer eine erfreuliche Empfindung."

An der Einweihung-feier der neuen Brücke (15. August) beteiligen sich namentlich an dem großen Schiffsfestzuge eine große Zahl der Nachbar­städte. Leider hat man es sich nicht versagen wollen, der Eröffnung der neuen Brücke über den Main auch eine politische Bedeutung beizumessen. Die Ueberbrückung der Mainlinie soll durch eine symbolische Handlung vor aller Welt zum Ausdruck gebracht werden. Bei dem festlichen Weiheokt aus der Brücke werden sich von Süden und Norden her­anziehend die verschiedenen Landsmannschaften und Vertreter deutscher Stämme in Nord und Süd, in Ost und West treffen, um sich dort feierlich zu be­grüßen als einige und durch nichts mehr getrennte Staatsbürger des deutschen Reiches und als deutsche Volksgenossen.

Inzwischen sind auch jetzt schon vor der Eröff­nung Bierbankkritiker eifrig am Werke, um den Nachweis zu erbringen, daß die neue Brücke schon bei chrer Eröffnung nicht mehr dem weiter ge­steigerten Verkehr genüge und mindestens die be­nachbarten Zugangsstraßen verbreitert werden müßten. DerBrickegickel" kann leider nicht krähen, darum erinnert man sich gerade in diesen Tagen an den alten Spottvers auf den Frankfurter Senat, der seit alters imRömer" tagt:

Wann der Brickegickel kreht, Wird der Römer zum Prophet."

Mwm

Bei der Stuttgarter Lebensversicherungsbank a. G. (Alte Stuttgarter) beläuft sich der Aufwertungs­stock der alten Markversicherungen jetzt auf 65160 915.58 R.-Mk. Neben dem Aufwertungs- stock ist bereits eine Zinsrücklage von 657 185.69 R.- Mk. angefammelt. Bei der Bewertung des Auf­wertungsstocks wurde sehr vorsichtig verfahren. Die becdeuten.de Wertsteigerung gegenüber dem Stand von Ende 1924 (18 Millionen R.-Mk.) ist aus das

Zur Erörterung der Einsprüche und Fest­stellung der Entschädigung für das für eine Fernleitung DörnigheimDettingen zu ent­eignende oder dauernd zu beschränkende, in den Gemeinden Hanau-Kesselstadt, Großauheim und Großkrotzenburg belegene, nachstehend bezeich­nete Grundeigentum habe ich Termin auf Donnerstag den 26. August 1926 anberaumt: a) vormittags 8% Uhr inHanau, Treffpunkt am Westbahnhof;

d) nachmittags 3 Uhr in Großguheim, Treffpunkt an der Kreuzung der Straße

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ZE

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Katastermäßige Bezeichnung des Grundstückes

SHgeutüm er

Menne, Stand und Wohnort)

Größe der zu ent­eignenden ob. dauernd pr beschränkenden

Gemarkung (Gemeinde)

1»

Par^lle

1

Keffelstadt

14

2

Bell Wilhelm Erben . . . .

für 1 Mast

2

Hanau

A

5

Kiefer Karl, Bankier u. Tempel Heinrich, Bankier beide in Hanau, Paradeplatz .

für 1 Mast

8

Hanau

Q

350

16

Baader Friedrich Wilh., Bierbrauer, Hanau, Langstraße........

für 1 Mast

4

Hanan

S

218

126

Behl Barbara, Witwe, Klein-Steinheim

für 1 Mast

5

Großauheim

H

93

Andres Pauline, geb. Grün, Großauheim, Taubeu- gaffe 2 .........

für 1 Mast

6

Großauheim

J

392

Kronenberger Simon Arnold, Großauheim, Hag­gaffe 14........

für 1 Mast

7

Großauheim

J

395

Seipel August, Erben, Großauheim

für 1 Most

8

Großauheim

V

39

Kämmerer Karl in Herves-Dorsten, Hüttenstr. 8 Brünger Emma, geb. Kämmerer, in Brattjroebe

b. Bielefeld, Eütersloherftr. 185, Weigelt Berta, geb. Kämmerer, in Eroßanheim, Rochusstr. 21

für 1 Mast

9

Großkrotzeni.

Q

263

Euler Margarete, geb. Zeller, Großkrotzenburg .

für 1 Mast

10

Großkrotzenb.

E

357

137

Seebacher Franz, Tagelöhner und Ehefrau Marie geb. Huth in Kahl a. M......

für 1 W

11

Großkrotzenb.

E

362

138

Zeller Josef, Großkrotzenburg. ...»

für 1 Mast

Lasset den 7. August 1926.

Aufwertungsgesetz vom 16. Juli 1925 und das An­leiheablösungsgesetz vom gleichen Tage zurückzu. führen. Der endgültige Wert der ausgewerteten Vermögensmasse läßt sich jedoch heute noch nicht mit Sicherheit übersehen, da zahlreiche Anträge von HypothekenfchulÄnern auf Herabsetzung der Aufwer­tung und Einsprüche gegen eine Aufwertung kraft Rückwirkung noch schweben. Auch die Art, wie die Verteilung der Auswertungsmasse technisch durch­geführt werden soll bedarf in einer Reihe von Punk­ten noch der Regelung. Ueber Einzelheiten wird zur Zeit zwischen dem Reichsauffichtsamt für Privatversicherung und den Treuhändern der Ge­sellschaften verhandelt. Weitere Durchführungsbe­stimmungen der Aufsichtsbehörde sind zu erwarten. Alle Beteiligten sind bestrebt den endgültigen Tei- lungsplan welcher der Genehmigung durch das Reichsauffichtsamt unterliegt, so bald als möglich fertiggustellen. Erst dann kann für die einzelne Ver­sicherung das Aufwertungsergebnis berechnet wer­den. Soviel läßt sich jedoch heute schon übersehen, daß das Aufwertungsergebnis bei derAlten Stutt­garter" keinesfalls hinter demjenigen der anbereu großen Lebensoersicherungsgesellschaften zurücksdehev wird.

MW ®tW86m

Die dem Herrn Regierungspräsidenten zur Unterstützung der Neubautätigkeit im Jahre 1926 durch den Herrn Minister endgültig zur Verfügung gestellten Mittel sind bedeutend ge­ringer ausgefallen als erwartet werden durfte. Es ist daher zwecklos, weitere Anträge auf Be- mittigung von Mitteln aus dem staatlichen Wohnungsfürsorgefonds zu stellen.

Ich stelle anheim, Anträge zur UnterstSGmg dringender Bauvorhaben für das nächste Jahr mir im Oktober d. Äs., jedoch nicht früher, v«> zulegen. ^8

Hanau den 4. August 1-926.

Der Landrat. Kaiser.

Hanau Großauheim mit der Ksendohr» Hanau Seligenstadt;

c) nachmittags 6X Uhr in Großtrotzer^ bürg, Treffpunkt auf der Straße am west­lichen Ausgang von Großkrotzenburg.

Alle Beteiligten werden gemäß § 25 des Gesetzes über die Enteignung von Grundeigen­tum vom 11. Juni 1874 (G. S. S. 221) auf­gefordert, ihrs Rechte im Termin wahrzuneh- men. Beim Ausbleiben wird ohne ihr Zutun die Entschädigung festgestellt und wegen ,Aus­zahlung oder Hinterlegung der Entschädigung verfügt werden.

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