201. Jahrgang.
Hanauer 8 Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sladl und Land.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. / Fernsprecher Nr. 3956, 3957. 3958.
U,,,,pr et«: Für den halben Monat L— Sietchsmark, für den ganzen Monat L— Reich, mark ohne TrLgerlsh«. Einzelnummer 10, Freitag 15, Samotag 12 Reichrpfenntg. — Anzeigenpreise: Für 1 mm -SH« im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Rstchrpfennig, tm ReNameteil von 68 mm Breite K rl«tch»»f«»mtg, — Offertengebühr: SO Retchopfennig. — Geschäft,stelle: Hammerstratze 9.
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. — Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreise». — Für Platzvorschrift und Erscheinungrtage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet
Rr^87
Donnerstag Sen 12. August 1^6
SsUßsWmssßeßes im Reich
Lm Gedenktage der Weimarer Verfassung herrschte in der Neichshauptstadt das nervöse k lebhafte Getriebe, das für große Ereignisse : charakteristisch ist. Schon in den frühen Vor- ' Mittagsstunden zogen viele Tausende in Fest- 6 gewändern durch die Straßen und namentlich l oor den Haupteingang zum Reichstagsgebäude. ; Am Platz der Republik hatten sich bereits gegen f 10 Uhr Hunderte eingefunden, die dort ein : durch fortlaufend neuen Zustrom anwachsende - Mènschenmauer um jenen Raum vor der Frei- I treppe des Reichstagsgebäudes bildeten, auf dem an 15 Meter hohen weißen Stangen die i !chwarz-rot-goldene und die Reichsmarineflagge I im leichten Winde wehten und auf dem nach ] der Feier im Plenarsaal des Reichstages Reichspräsident von Hindenburg die Front der Wrenkompagnie abschritt. Der Flaggenschmuck i hat im allgemeinen gegen das Vorjahr zuge- ! aommen. Namentlich haben sich auch die aus« [ ländischen Botschaften und Konsulate beteiligt.
Außer den schwarz-rot-goldenen schmückten auch die schwarz-weißen Preußenfahnen sowie die der Stadt Berlin den Platz. In der Wandel- Sbes Reichstages waren zur Feier des :s die vom Reich für das Internationale Arbeitsamt in Genf gestifteten, vom Maler
Pechstein geschmückten fünf Glasfenster aufgestellt, die Arbeitsprozesse aus Industrie und Landwirtschaft in prächtiger Ausführung darstellen. Der Plenarsitzungssaal, in dem die Hauptfeier stattfand, war durch Tannengrün und gelbe Herbstblumen geschmackvoll verziert, »uebgr dem Präs''- —' "" ------
Reichsadler augel pen der deutschen Länder. Um 11 Uhr wurden für die Teilnehmer an der offiziellen Feier die Reichstagstore geöffnet. Bald waren der Plenarsaal und die Tribünen überfüllt. Kurz vor 12 Uhr fuhr Reichspräsident von Hindenburg in der Friedrich-Ebertstraße vor dem Reichstage vor. Er wurde vom Reichstaospräsidenten Söbe und dem Direktor beim Reichstag, Geh. Rat Galle, empfangen und in die reservierte Mittelloge des Plenarsaals geleitet. Beim Eintritt des Reichspräsidenten erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen. Der Staats- und Domchor unter Leitung von Prof. Hugo Rüdel trug ein altes Volkslied „An das deutsche Volk" vor.
Die Verfassung von Weimar erfüllt dieses Erfordernis; sie ist das staatliche Programm für die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Erneuerung des deutschen Volkes, sie ist das Glaubensbekenntnis derer, die sie chufen zu den Zielen, die das deutsche Volk aus )em Dunkel des Zusammenbruches zum Lichte ührèn sollen.
Gewiß sind diese Ziele der Verfassung nicht von heute auf morgen zu erreichen. Wo Staaten und Weltordnungen zusammenbrechen, kann der Neubau nicht von heute auf morgen fertig sein. Aber Pflicht derer, die dem Staate
verantwortlich sind, ist es, die hohen und grO’ ßen Ideen der Weimarer Berfassung bi deutschen Volke immer näher zu bringen, um die Teilnahme der Nation an ihrer eigenen Zukunft zu beleben im Sinne des Freiherrn vom Stein:
euaer
Darauf hielt
Reichsinnenminister Dr. Kültz
die Festrede. Er sagte im wesentlichen folgendes:
Kein jubelndes Fest ist es, das wir am 11. äUgust, dem Tag der Verfassung von Weimar, begehen, sondern
eine Feier ernstesten Gepräges;
eia Tag der Einkehr, der Selbstbesinnung, eer nationalen Sehnsucht und Hoffnung, ein °" dem das ganze deutsche Volk sich eint dem Gedanken an das Schicksal seiner selbst.
..^ setzten Maßstäbe für das ungeheure Uchichtliche Geschehen zu finden, dessen deuge wir seit 1914 sind, wird erst einer spä- „ „ Zeit vorbehalten fein; eine spätere Zeit wird auch dem deutschen Volke unserer riâ„^Ä seinem Ringen und Streben die bi^ r Anschrift setzen können. Gebe Gott, bereut nicht lautet: Gewogen und zu a^„E, funden, sondern von unserem Volke »Mrieben stehe: Durch Rot und Niederbruch empor zu neuer Höhe!
li^E;" jeder einzelne von uns hat die Mög- $orf ^ die Pflicht, das Schicksal seines auf sük ^ bestimmen, gleichviel, ob er geqliete Posten berufen, oder ob er ein- Getzi^ stl als kleines Rad in das große benn »X mnfere5 ^olks- und Staatslebens, iUr S und kein Mensch kann ein Volk dis Ä fuhren, wenn es nicht selbst in sich tt bSSÄ ^^°ug fühlt. Ja, das eine ti bS ,rUnu^ der Weltentwick- H*" aulV°& ba& kein Volk und kein Staat ioo nickn werde behaupten können,
^menaJnft?5 ^ Kräfte entfaltet und zu- ^is da/ö^nl^Eân. Und wenn ein Volk bruchs mn „^e sich in der Zeit des Nieder- flefeh „nö eolnersn er^a un9 ein Staatsgrund- ^bensbelz.^," Programm für seine eigene ^rundgednn^"^ i^' f° wuß als großer törpert <Ä b fc Verfassung in ihr ver- lurellen unö ^",/?^. wr nationalen, kul- ^lbstbehauptun ^" ^^^" Wiedergeburt und
>em
„Die Teilnahme der Ration bildet Liebe jur Verfassung, bildet eine richtige öffentliche Meinung über nationale Angelegenheiten und die Fähigkeit der Bürger, Ne Geschäfte zu verwalten."
Und wenn hier und da durch die Teilnahme der breiten Masse des Volkes an der Mitbestimmung seines. Schicksals Mißerscheinungen auftreten, so wollen wir uns nicht irre machen lassen in der Notwendigkeit des Erziehungswerkes am deutschen Volke zur politischen Freiheit und wollen es dabei mit Kant halten, wenn er sagt: „Man kann zur Freiheit nicht reifen, wenn man nicht zuvor in die Freiheit gesetzt worden ist. Die, ersten Versuche werden
chwèrlichèn und gefährlichen Zustände verbunden fein, allein man reift für die Vernunft nicht anders, als durch eigene Versuche." Und wollen die Richtigkeit des großen Gebotes nicht verkennen, das Schiller in die Worte kleidet: „Politische und bürgerliche Freiheit bleibt immer und ewig das heiligste aller Güter, das würdigste Ziel aller Anftrengungen- und das große Zentrum aller Kultur."
Gewiß: eine Verfassung ist nichts Ueber- irdisches und nichts Unvergängliches, aber ihr Bestand wird um so gefestigter sein, je stärker ihr Inhalt die politischen, sittlichen und wirtschaftlichen Kräfte des Volkes der Gesamtheit dienstbar macht. Die Verfassung von Weimar tut das. Sie ist als 'Staatsgrundsatz die magna charta der Deutschen Republik. Aber sie ist weit mehr als das: sie gibt neuen und tiefsten Inhalt der Staatsidee, der Volksidee, der Menschheitsidee.
Der Staat soll nach der Verfassung nicht der Boden sein, auf dem selbstsüchtige Interessen sich hemmungslos austoben können, sondern er ist
eine Erziehungsanstalt zur Menschheilspflichk und die Verfassung ist hierzu das Hand- und Lehrbuch. „Jeder Deutsche hat unbeschadet ft ner persönlichen Freiheit die Pflicht, seine geistigen und körperlichen Kräfte so zu betätigen, wie es das Wohl der Gesamtheit erfordert." Diese Forderung der Verfassung stellt dem Recht auf persönliche Freiheit die Pflicht des menschlichen Verbundenseins zur Gesamtheit genau so gegenüber, wie dem von der Verfassung gewährleisteten Eigentum das Gebot: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich Dienst sein für das gemeine Beste." Wohin wir in der Verfassung auch blicken, ob sie die Grundrechte und Grundpflichten der Einzelperson umschreibt, ob sie vom Gemeinschaftsleben spricht, ob sie von Religion, Kirche und Kultusausübung handelt, ob sie Bildung und Schule, Kunst und Wissenschaft der Fürsorge des Staates unterstellt, ob sie die Grundlagen des Wirtschaftslebens ordnet, überall zeigt sich das gleich klare und reine Wollen höchster Zielsetzung, das Streben von Mensch zu Mensch zu wirken, „dem inneren Frieden zu dienen" und den einzelnen Menschen, bei aller Achtung vor seiner individuellen Freiheit, doch unter
ei-
die Idee der Pflicht gegenüber dem Volke und gegenüber der Menschheit
zu stellen. Auch das deutsche Volk als Ganzes stellt die Verfassung hinein in den Kreis der Pflichten gegen die Menschheit, „von dem Willen beseelt, dem äußeren Frieden zu dienen". An der Spitze alles Denkens und Handelns steht der nationale Gedanke, aber das Zufammsnleben der Völker bringt mit Naturnotwendigkeit internationale Berüh-
rungspunkte und Gemeinschaftsbedürfnisse. So lange die Erde um die Sonne kreist, so lange wird es in den verschiedenen Räumen dfeser Erde mit ihren mannigfaltigen Daseinsvoraussetzungen verschiedene Menschen und damit Menschen- und Völkertrennung geben, aber das Ziel der Menschheitsentwicklung muß sein, das Völkervereinende stärker wirken zu lassen als das Völkertrennende. Dieses Ziel hat die Verfassung erkannt, wenn sie den
Geist der Völkerversöhnung als Erziehungsziel
aufftellt. Man hat diesen Geist als einen solchen des Pazifismus gescholten. Nun, es kommt darauf an, was man unter Pazifismus versteht. Wenn Pazifismus eine Weltanschauung ist, die kein Verständnis dafür hat, daß der natürliche Selbsterhaltungswille eines Volkes auch seine Wehrhaftigkeit bedingt, daß es eines Menschen und eines Volkes unwürdig ist, sich ohne Widerstand knechten zu lassen, dann verkörpert ein solcher Pazifismus keine berechtigte Idee. Wenn ober Pazifismus eine Menschheitsbewegung ist, die darauf abzielt, daß aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit der Krieg mit all seinem unvermeidlichen Elend und Jammer immer mehr schwindet, daß im Zusammenleben der Völker immer mehr die Macht des Rechts und nicht das Recht der Macht das bestimmende Gesetz werde, daß die aus dem Nebeneinander der Völker sich er« gebenden Streitfragen soweit möglich durch friedlichen Ausgleich und nicht durch mechanisch-physische Gewalt entftfjteben werden — dann ist dieser Pazifismus die größte Menschheitsidee, die es gibt, eine Menschheitsidee, die gerade einem christlichen Volke nicht ferne liegen sollte.
Noch auf Jahre hinaus wird das deutsche Volk ernen dornentrouen älseg müssen, ’ aber wenn am Ende dieses Weges die innere und äußere Freiheit steht, dann
soll uns keine Mühe zu groß, keine Arbeit zu chwer sein. Wir werden unser hartes Schick- äl meistern, wenn uns eine Zusammenfassung und eine richtige Einstellung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Energien un» eres Volkes gelingt. Noch haben wir dieses Ziel nicht erreicht. Ein Blick in die Parlamente in das Alltagsgetriebe des politischen und wirtschaftlichen Lebens genügt, um zu er kennen, daß staatsbürgerliche Solidarität und nationales Gemeinschaftsgefühl noch der Vollendung harren. Diejenigen, die es aufrichtig meinen mit der Verwirklichung des Geistes der Weimarer Verfassung, sollen gerade am Berfasfungstage an diesen Miß-
" „ ' seelische Krankheitsfolgen
unseres Volkes nicht vorübergehen, sondern ich umso fester die Hände reichen zu gemein- amer Arbeit an den großen und hehren Zielen der Weimarer Verfassung, damit es nicht nur Programm bleibt, sondern Tat werde, was an der Spitze dieser Versasiung geschrieben steht:
;m, als
zelnen sein mag, darin sind mir alle einig: Dem Wohl unseres Vaterlandes und unseres Volkes zu dienen, soll Inhalt und Ziel all unseres Lenkens und Handelns sein. Geloben wir am heutigen Tage, in diesem Dienst an Volk und Vaterland uns gegenseitig zu überbieten und niemals den Glauben an die deutsche Zukunft preiszugeben. Ich bitte Sie, Herr Reichspräsident, und Sie, meine Damen und Herren, in diesem Sinne mit mir zu rufen: Unser geliebtes deutsches Vaterland, das in der Republik geeinte deutsche Volk, sie leben hoch!
Während der Feier im
tierte auf dem Platz gebäude eine Kapelle
vor
Reëchstagse tonjer« dem Reichstass-
^ der Reichswehr. Nach eier verließen der Reichspräsident und
sein Gefolge den Reichstag durch das Haupt- Srtal. Der Reichspräsident wurde von der enschenmenge mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Er schritt darauf Die Front der Ehren- kvmpaanie in Begleitung des Reichswehrmtal- sters Dr. Geßlers ab und begab sich darauf in feinem Auto nach seinem Palais zurück.
Die preußische Derfassuugsfeier.
Berlin, 11. Aug. In der ftaaüichsa Hochfchnte für Musik fand heute abend die Dochrffungsfeler der preußischen Staatsregie rimy statt. Neben zahlreichen Mitgliedern der preußischen tRegtenung und des Landtags waren führende Vertreter des Knust- und Geisteslebens erschienen. Die Feier wWde mit der vom Philharmonischen Orchester unter Lâmg des Kapellmeisters Meyrorvitz ixxrigieimgenan OnosAd» zu Goethes „Egmont" eröffnet. Darauf (fest
Minister für Doikswohlsahrt Hirtfieser
die Festrede, in der er «. a. ausfâhrte:
„Trotzdem Me Weimarer BJetfaffung noch
geben müssen, daß auf der
Weser Wet-
„Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und
Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben."
Der alte Staat ist gestürzt, ein neuer Staat ist gekommen, das deutsche Volk ist geblieben. „Staaten stürzen im Sturme der Zeiten, schaffende Völker trotzen der Welt."
Nach Dr. Külz ergriff
Reichskanzler Dr. Marx
das Wort und führte folgendes aus:
Hochgeehrter Herr Reichspräsident, meine verehrten Damen und Herren! Es ist ein er« reuliches Zeichen der Wiedererstarkuna 'der Lebenskräfte des deutschen Volkes, daß in immer weiteren Kreisen des Volkes sich die Ueberzeugung Bahn bricht: Die Weimarer Verfassung bietet die Plattform, auf der allein )er Wiederaufbau unseres Vaterlandes vor ich gehen kann. Wenn heute überall in beut« chen Landen der Geburtstag der Verfassung n schlichten, aber eindrucksvollen Feiern begangen wird, so geschieht dies nicht nur, um dankbar der Schöpfer der Verfassung zu gedenken, und ein offenes Bekenntnis zu ihr und ihren ethischen Grundsätzen abzulegen. Es eschieht zu gleicher Zeit, um der Liebe und Treue Ausdruck zu verleihen, die uns alle mit unserem deutschen Vaterland verbindet. Noch immer trennen gewaltige Flüsse weite Kreise unseres Volkes. Noch immer stehen große Volksteile ablehnend dem neuen Staate gegenüber. Aber wie auch die Einstellung des Ein-
t marer Verfassung das deutsche Dott in überraschend ' kurzer Zell aus dem wüsten Chaos heraus sich wi«- i der auf dem Wege zum AuMeg befindet. Es maß , unsere Aufgabe fein, in noch stärkerem Maß« all : bisher für die Bolkwerdung des deutsch«! DoVeS HM - einzufetzen, endlich aus den oerschiedsnen ßtSmwoi ein deutsches Volk zu schaffen und tm stai-sn Maß« ein deutsches NaüomÄgefiM zu erreichen. Dantt unser deutsches Volk zur wahren Voltsdamokratt« hsmnperft, ist es notwend^, daß die im Dott« feben« den und weberGen Kräfte in die richtigen B-chnea geleitet werden. Unser Volk muß erkvmen, daß Rechte und Pflichten, daß Orkmung und Freiheit, daß Cingelwillen und Einordnung gegsneincsÄer obge- wogen werden und sich gegenseitig ergätyen müssen. Ohne DerantwortungÄlewußtsein, ohne Menkmmmg der Pflichten lassen sich niemals Rechte begründen. Ohne Autorität und Ordnung läßt sich das köstlichste Gut des Menschen, die Freiheit, niemals gerMr» leisten. Wir wollen
das Zusammenleben des Volle, ja einer wirtlichen und wahren Volksgemeinschaft aasbauea.
Ein Teil unserer Volksgenossen ist im letzten Iahe endlich von fremder Besatzung befreit worden. Andere seufzen noch immer unter fremder Besatzung aber sind sogar noch von uns getrennt. All dieser gedenken wir am heutigen Tage besonders. Sie sollen uns daran erinnern, daß wir stets besten eingedenk sind, daß unser deutsches Lied „Deutschland, Deutsch- land über alles" den Bedingungssatz hat: „Wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammen hält". Zum Schutz und Trutze brüderlich zusamnrenhalten, Einigkeit und Recht und Freiheit sollen auch im neuen Deutschland unsere Leitsterne sein, damit der Aufstieg des deutschen Volkes aus der gegenwärtige« Notzeit zu einer besseren Zukunft bewirkt wird."
Mit einem begeistert auf genommenen dreifachen Hoch auf das Vaterland schloß der Münster seine Rede. Das Philharmonische Orchester und der preu- zische Staats- und Domchor unter Leitung von Prof. Theo Rödel trugen darauf den Chor „Wach auf" aus den „Meistersingern" vor. Mit Beethovens „Eroica" wurde die festlich« Veranstaltung geschlossen. Nach der Feier fand ein Fackelzug des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold statt.
Die Feiern im Reich.
Berlin. 11. Aug. Wie in Berlin wurde der Verfassungstag auch in zahlreichen anderen deutschen Städten feierlich begangen, so in Hamburg im großen Saale des Rathauses, wo der frühere badische Staatspräsident Prof. )r. Hellpach-Heidelberg die Festrede hielt. Für den Abend ist dort eine Verfassungsfeie, des Reichsbanners geplant, bei der erftei Bürgermeister Dr. Petersen eine Ansprache halten wird.
In Köln veranstaltete bereits gestern abend das Reichsbanner eine Verfassungsfeier. *