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ßanaueM Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprecher Nr. 3956. 3957. 3958.

C^igTpt»t: Für den halben Monat L Reichsmark, für den ganzen Monat 2. Reichsmark ohne Trägerlohn. Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 Reichspfennig. Anzeigenpreise: Für . Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Reichspfennig, im Reklametril von 88 mm Breite 2 Reich»pf«unig. Offerten gebühr: 50 Reichrpfennig. Geschäftsstelle: Hammerstratze 9.

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Ar. 185

Das Äerrests.

In Berliner Kreisen rechnet man mit einem fottgegentommen Spaniens in der Ratsfrage.

Die Handelsoertragsverhandlun gen mit der Mei wurden durch die Berichterstattung des deut- jchm ^Vertreters in Berlin unterbrochen. Ihr Ab- Ichluß ist bis Herbst zu erwarten.

In französischen Kammerkreisen glaubt man, - Clemenceaus Brief an Coolidge die Schulden- tcgelung mit Amerika nur erschwert habe.

Von Rußland werden die Gerüchte über eine nijsische Mobilisierung dementiert.

Pilfudski hielt am Sonntag in Erinnerung an tat ersten Vorstoß polnischer Legionäre gegen Ruß- M zu Beginn des Krieges eine Heeresschau.

Schroffe Ablehnung aus Washington.

Die französische Währungsstabilisierung, die seit dem Amtsantritt Poincarss einen günsti­gen Verlauf nahm, scheint durch neue Ereig­nisse in ein kritisches Stadium getreten zu sein. Denn die Entscheidung^ Poincarss, die Ratifi­zierung des englisch-französischen und fran- Msch-amerikanischen Schuldenabkommens zu verschieben, und der von allen Pariser Mor­genzeitungen in sensationeller Aufmachung er­schienene Appell des früheren Ministerpräsiden­ten Clemenceau an den amerikanischen Präsi­denten Coolidge, der feinem wahren Inhalt "ach einem Verlangen nach vollkommenen Schuldenerlaß nahe kommt, hat größte Miß­stimmung und Unbehagen in Newyorker und Londoner Finanz- und Regierungskreisen her*

Nach her Lage der rge ist es als selbst­verständlich und unumstößlich anzusehen, daß von Amerika, ohne das es einmal nicht geht, ohne befriedigende Regelung der Schuldenfrage kein Pfennig für Frankreich herauszubekom­men ist. Obwohl Poincarè sich über die eventl. Aufnahme einer Ausländsanleihe noch nicht vositiv ausgesprochen hat, sondern eher, um der französischen Nationalehre zu schmeicheln, im* mer von dem unerschöpflichen Reservoir fran­zösischer Opferbereitschaft gesprochen hat, die er ermöglicht, aus eigener Kraft die Stabili- sierung durchzuführen, werden diese Erklärun­gen tri den eingeweihten nationalen und inter* nationalen Finanzkreisen nicht ganz so ernst genommen; denn es ist bei sachlicher Beurtei- ung der Lage nicht abzusehen, wie eine Stabi- ujiemng ohne fremde Finanzhilfe vor sich Seyen soll, eine Hilfe, die wenigstens über die ITC Uebergangszeit hinweghelfen kann, â Massen der Bank von Frankreich find er* der AnSauf fremder Devisen durch S bu$ Gesetz neugeschaffene Kasse geschieht N. Neudruck von Noten (neue Inflation). T^Wen einer inneren Anleihe sind bei dem

Vertrauen in den Franc gering, offen bleibt""* ^ ^^ einer Ausländsanleihe

Geffen führ Buten Wille

^ppE Clemenceaus, der reichlich mit ber weit mehr psychologische omente der Brudergemeinschaft im Kriege lE^lam gebrachten Opfer ins "brt, als sachliche Unterlagen und den iiebmMTT2?' irgendwelche Lasten auf sich zu Dr2 Amerika durch die Organe StA schroffe, keinerlei Diskussion er* Ä Zurückweisung erfahren. Dieser stellt einen schweren taktischen Fehler S»?^ ^âlität Amerikas Ä ist ^° . Eennt. Der Amerikaner, der gewohnt gu'na kaufmännischen Grundvercinla- bieitL acL» ? ^W der großen Politik unter

mKh s° mehr als durch das Dawesabkom- We ^ Washingtoner Verhandlungen «Wer aSiM fmb, an denen Amerika gewillt i« -ffchskanden festzuholten, durchaus Schallt desPrivatmannes" soll' berr bezeichnenderweise den Bei- Kunden hl, ®^amten Pariser Morgenpresse ' ,kam um so überraschender, als m^ in letzter Zeit feierlich erklärt a!$ ellr,i^ ^erpsl'chtu'ngen aus der Kriegszeit Men. Schuldner voll Nachkommen zu ^>ng di^^^E' schroff ablehnende Beantwor- Wifa rlax ^ Hilferufs durch s-l dar«» bt auch nicht den geringsten Zwei- kiuerfei® ^^ die Vereinigten Staaten zu erlcjßi!,.'^"Sessionen bereit sind und daß un- Srü^le Voraussetzung der Bewilligung einer

Dienstag den 10. August

SaßisMMrmK in Magdeburg

Magdeburg, 9. August. Die Spruchkammer beschloß in ihrer heutigen Sitzung, die Haft­befehle gegen Direktor Rudolf Haas, Schrift­setzer Karl Fischer und Chauffeur Reuter, die seinerzeit unter dem Verdacht der Milläter- fchafl bei der Ermordung des Buchhalters Helling verhaftet worden sind, aufzuheben. Die drei Beschuldigten sind sofort auf freien Fuß gesetzt worden.

Das, was man seit acht Tagen jeden Augenblick erwarten mußte, ist eingetreten. Direktor Haas, der vermeintliche Anstifter des Mordes an dem Buch­halter Helling, sowie feine Mitbeschuldigten Fischer und Reuter sind nunmehr aus der Haft entlassen worden. Damit hat sich über der ersten Szene eines im Grunde wenig komplizierten KriminoDromos der Vorhang gesenkt. Ein wenig erfreuliches Schauspiel ist zu Ende, und es wird geraumer Zeit bedürfen, ehe die peinlichen Eindrücke, die. die. Magdeburger Vorgänge in der öffentlichen Meinung, nicht nur unseres deutschen Vaterlandes, hinterlassen haben, völlig hinweggewischt sein werden.

Es muß auf das Tiefste beklagt werden, daß die innenpolitischen Verhältnisse in unserem heutigen Deutschland sich mit der Zeit so entwickelt haben, daß eine einwandfreie, objektive Beurteilung irgend einer die Oeffentlichkeit interessierenden Angelegenheit kaum noch möglich ist. Das Für und Wider der Kritik wird stets durch die politische Leidenschaft be- ftimimt, und so kann es nicht ausbleiben, daß der unter anderen Umständen durchaus normale Verlauf einer derartigen Affaire nicht nur zu einer Sen­sation ersten Ranges auswächst, sondern auch für die

sich über die Person des Untersuchungsrichters Kölling und über den Wert seiner Untersuchungs­methoden vielfach auch da im Zweifel fein konnte, wo man hinsichtlich der Frage: schuldig oder nicht? auch nicht einen Augenblick zu schwanken wagen würde. Erfreulicherweise und darauf können wir Deutschen stolz sein ist bei uns das Gerechtigkeits- empfinden immer noch so stark und unerschüttert, daß die politische Leidenschaft keinen an verantwort­licher Stelle Siebenden dazu verführen wird, in be­wußter Absicht Unrecht statt Recht sein zu lassen,

mit einem Wort: das schuldigen zu beugen.

Recht auf Kosten eines Un« fliese gute Meinung mirb

man dem Untersuchungsrichter Kölling lassen müssen. Kölling hat feine gesamten Untersuchungspläne auf- gebaut auf den Ermittlungen des Kriminalkom­missars Tenholt. Dieser Beamte, der ja sonst seine Verdienste haben mag. hat bei der Aufgabe, den Mord an dem Buchhalter Helling auszuklären, voll­ständig versagt. Bei Tenholt liegt die Wurzel aller folgenden Verwirrungen und Peinlichkeiten. Erst in zweiter Linie kommt das Versehen des Unter­suchungsrichters Kölling, der die Ermittlungen Ten- holts nahezu kritiklos übernahm und sie zur Grund­lage des von ihm herbeizuschassenden Anklagomate- rials machte. Hier wird bie beabsichtigte Reform unseres Strafrechts einzusetzen haben, wenn sich die gesetzgebenden Faktoren der vollen Verantwortung gegenüber den Rechten des Staatsbürgers bewußt sein wollen. Es geht nicht an, daß in einem Rechts­staats jeder Mensch sozusagen vogelfrei ist, well es den die Untersuchung leitenden Persönlichkeiten nicht gegeben ist, zwischen Recht und Unrecht zu unter­scheiden. Es liegt bereits eine leider nicht vermeid­bare Härte darin, daß jeder Staatsbürger die Pflicht hat, sich den Behörden zur Verfügung zu stellen, selbst wenn er sich völlig unschuldig weiß, bloß um mit der vorübergehenden Aufhebung seiner persön­lichen Freiheit der Wahrheitfindung zu dienen. Wer in eine solche bedauerliche Lage kommt, ist schon an sich nicht zu beneiden, stets wird ihn aber der Ge­danke an feine Unschuld aufrecht erhalten und der Glaube an die Ueberzeugung, daß diejenigen, die mit ihm also verfahren, nur dem höheren Gedanken der Gerechtigkeit zu dienen wünschen. Eine solche unverdiente Entziehung der persönlichen Freiheit aber hinnehonen zu müssen, weil es den über die

von feiten Frankreichs ist. Poincars wird sich also im Interesse seiner Stabilisierungsaktion zu einer beruhigenden Erklärung zur Klärung »er ziemlich verfahrenen Schuldenregelungs­angelegenheit baldigst bequemen müssen; denn eine pessimistische Beurteilung der Newyorker lnd Londoner Börse in Fragen ausländischen Kredits für Frankreich kann im Nu den ge­wonnenen Boden wieder verlieren und den Franc ins Uferlose stürzen lassen. Die erste Ein­wirkung dieser beunruhigenden und verstim-

Verhaftung verfügenden Beamten an hinreichender Einsicht fehlt, die Tat-uimstände mehr oder weniger richtig abzuwägen, ist bitter und wird kaum durch den Gedanken vergolten, daß für eine unverschuldet verbüßte Haft der verantwortliche Beamte ange­messene Entschädigung zu leisten hat.

Bei alledem ist es erfreulich, heute feststellen zu können, daß angesichts der Haftentlassung des Direk­tors Haas und feiner Mitgefangenen Fischer und Reuter die Front der öffentlichen Meinung so gut wie völlig wiederhergestellt ist Selbstverständlich muß anerkannt werden, daß in den Bedenken zahl­reicher Kreise gegen eine Intervention von außen, die bestimmt ist, den Untersuchungsrichter in seiner Tätigkeit zu behindern und zu stören, sehr viel Wahres liegt, das auch in Zukunft unbedingt maß­gebend bei der Ausübung unserer Rechtspflege fein muß. Andererseits ist es unumgänglich, Kautelen zu schaffen, die eine Wiederholung derartig pein­licher Vorkommnisse unter allen Umständen unmög­lich machen, wenn das Fundament unserer Justiz nicht aufs Empfindlichste erschüttert werden soll.

Direktor Kaas über keine Verhaftung.

Ein Magdeburger Pressevertreter Halle kurz nach der Entlassung des Fabrikdirektors Haas Ge­legenheit, mit diesem zu sprechen, und legte ihm einige Fragen vor. Aus diesen sei hier einiges wiedergegeben.

Frage: Haben Sie unter der Untersuchungshaft schwer gelitten?

Antwort: Die Entlassung hat mich mehr ange* griffen als die Festnahme. Die JnhafMahme konnte mich nicht treffen, weil ich wußte, daß auch nicht der gertnsm^maamrerwwft^^

Verschwinden des unglücklichen Helling bestand. Ich habe allerdings angenommen, daß sich meine völlige Unschuld in kurzer Zell herausstellen wurde. Als sich die Untersuchungsbehörden aber aus mir un­begreiflichen Gründen hartnäckig weigerten, mich Schröder und dem mich angeblich schwer belastenden Fischer gegenüberzustellen, und als man nur Be­lastendes gegen mich geltend machte und enllastende Argumente von mir nicht hören wollte, wurde ich mir der ganzen Schwere der mich bedrohenden Gefahr bewußt. Weder die starke Betonung des gegen mich schwebenden Steuerstrafverfahrens, noch die Gegenüberstellung mit dèr Leiche des be­dauerlichen Helling, hat mich in meinem Innern irgendwie beunruhigen können.

Eines aber hat mich aufs tiefste erschüttert, als drei Frauen, deren Ehrlichkeit ich nicht be­zweifeln darf, aussagten, sie hätten mich in Rott­mersleben bei Schröder gesehen. Da erkannte ich die ganze Schwere des mir drohenden Verhäng­nisses. Es war mir klar, daß die Zeugen einet Verwechslung zum Opfer gefallen waren.

Aber ebenso klar wurde mir, daß die Unter­suchungsbehörden gewillt waren, auf diesen Aus­sagen fußend, die Schlinge um mich zuzuziehen. Von nun an fürchtete ich, daß weitere Zeugen auf mir unerklärliche Art objektiv Falsches in die Un­tersuchung hineintragen könnten.

Diese Erklärungen des entlassenen Haas dürf­ten für alle Einsichtigen das Rätsel, und damit den Fall Kölling lösen. Man erfährt hier, daß dieAus­sagen dreier Frauen, an deren Ehrlichkeit auch Haas nicht zweifeln konnte", ihn in die Lage eines hinreichend Verdächtigen" gebracht haben. Das erscheint uns das Wesentliche der Aeußerungen des Haas, und man wird ohne genaueste Kenntnis der der Oeffentlichkeit überhaupt nicht zugänglichen Ak­ten nicht entscheiden können, ob der Untersuchungs­richter an der damit gegebenen Spur länger fest­gehalten hat, als sachlich zu rechtfertigen war.

*

Der Lokalanzeiger meldet aus Magdeburg daß der Untersuchungsrichter in der Mord­sache Schröder, Landgerichtsrat Kölling, nicht sofort 'seinen Gesamturlaub angetreten hat, sondern nur für einige Tage verreist ist, um dann seine Tätigkeit wieder aufzunehmen.

ses an der Londoner Börse, an der man heute morgen 167 Frank gegen 160 am Samstag be­zahlen mußte, gezeigt.' Ueber die Weiterentwick­lung des Kurses etwas Positives auszusagen, ist natürlich infolge der verworrenen Verhält­nisse unmöglich. Doch muß gesagt werden, daß das Hinausschieben der Kriegsschuldenregelung durch Poincars und der mehr temperament­volle als kluge Appell Clemenceaus die Lage sehr zu Ungunsten Frankreichs verschoben hat.

Paris, 10. Aug- DasEcho de Paris" schreibt zur Haltung Coolidges gegenüber dem

Paris, 9. Aug. Die Zahl der Interpellatio­nen, die von den Abgeordneten der Linksgrup­pen auf der Nationalversammlung eingebracht werden, sind bereits auf vier gestiegen. Es wird vermutlich zu einer bewegten Debatte darüber kommen, ob über die Anträge, die fast alle auf Abänderung der Verfassung durch Beschränkung der Rechte des Senats lauten, überhaupt beraten werden soll oder nicht.

Die Parteigruppen des Senats traten heute nachmittag zusammen, um verschiedene Fragen ^ ------- ------------------des Reglements der Naiioaalversammlung, die

Evenen Brief Clemenceaus. bie wahre Antwort, »och mraeklärt sind, zu besprechen. Es handel»

iE

die Coolidge nicht zu formulieren gewagt habe, sei folgende:

Bei der Partie, die jetzt gespielt wird, glauben wir die stärkeren zu jein. Ihr werdet eure Franken nicht ohne unsere Hilfe retten können, oder zum wenigsten nicht ohne unser Wohlwollen. Früher oder später werden wir uns noch treffen. Es wird auf eine Machtprobe ankommen.

Oeuvre, Ere Nouvelle, Volontier greifen Clemenceau scharf an, während der Avenir ihnin Schutz nimmt und die Schuld an dem etzigen Zustand dem Kartell der Linken zu- chiebt. DerRadikale" hält die Debatte trotz der Aeußerung Coolidges noch längst nicht für abgeschlossen.

kritische Worte aus England.

London, 9. Aug. Zu der Intervention Clemenceaus und dessen Stellungnahme zu dem Schuldenproblem durch seinen offenen Brief an Präsident Coolidge, der hier be­trächtliches Aufsehen erregt hat, schreibDaily Graphic": Clemenceaus Brief an Coolidge und indirekt an England ist ein bedauerlicher Fehl- griff. Diese Taktik macht das Herz Amerikas nur noch härter." Auch ,Laily News" ist der Ansicht, daß der Brief keine gute Wirkung tun werde. Er komme zu spät; je eher Frankreich die bittere Lehre einsehe, daß das Pfund Fleisch abgeliefert werden müsse, um so besser werde es für seine finanzielle Stabilität sein. Das Blatt betont, daß die Ratifizierung des. fran­zösischen Schuldenabkommens die wesentliche Vorbedingung für die Stabilität des Franken sei, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Poincars seinen Landsleuten die vernichtenden Ergebnisse einer entgegengesetzten Politik vor Augen halten werde. Der diplomatische Bericht­erstatter desDaily Telegraph" schreibt, der

französischen und des amerikanifch^fran- zösischen Schuldenfundierungsabkommens zu verschieben, werde in zuständigen Kreisen Lon» dons für äußerst bedauerlich angesehen. Per- tinax meldet demBaily Telegraph" aus Paris, Clemenceau habe seinen Brief an Co» lidge augenscheinlich zu dem Zweck veröffent­licht, um die Entscheidung des heutigen frän­kischen Ministerrats über die interalliierten Schulden zu beeinflussen. Die Wirkung des Schreibens werde wahrscheinlich sein, daß das Kabinett bestimmt würde, die gesamte Frage bis zum Herbst zu verschieben. Die einzige Frage sei, ob die französische Währung im kommenden Monat der Belastungsprobe anreri­kanischer Errregung wiederstehen könne. In zu« ständigen Kreisen hoffe mann auf keine Aende­rung der Uebereinkunft durch Verhandlungen mit Washington.

Die amerikauikcheu Geldmärkte für Frankreich geschlossen.

London, 8. Aug. Das amerikanische Staats­departement teilt amtlich mit, daß die amerika­nischen Geldmärkte für Frankreich geschlossen sind, bis das Schuldenahkommen ratifiziert worden ist. Das Staatsdepartement erwartet von den Bankiers der Union, daß sie alle ihre Mithilfe für französische Anleihen verweigern werden.

Amerika zu dem offenen Brief Clemenceaus.

London, 10. Aug. DieTimes" berichtet aus Newyork, daß das Clemenceau-Schreiben dort faum einen günstigen Eindruck gemacht habe. Man er­innere sich in Amerika noch ganz lebhaft der Rolle, die Clemenceau bei Abschluß des strengen Friedens gespielt habe, als daß feine Beweisgründe dort viel Sympathie erzeugen könnten. Außerdem weise man auf die Beträge hin, die Frankreich seit dem Kriegs­ende für die Finanzierung der Mikitärausgaben einer militärischen Vasallen und für seine Feldzüge m Syrien und Marokko ausgegeben hecke. Clemen- ceaus Einspruch werde daher in Amerika mit zyni- chem Lächeln ausgenommen.

Die Aufgaben der National­versammlung.