Einzelbild herunterladen
 

Dienstag den 20. Juli

Nr. 16?

Sehe 4___________________________

freunde im Restaurant Mohr, Krämerstraße, eingeladen. Mit Vorträgen über Anzucht und Pflege der Rosen wird nach der Blumenschau begonnen. Es handelt sich hier nicht um Ber- eiirsineierei, sondern um Schaffung idealer Werte und Freude für jeden Menschen.

* Das ehern. 1. Nass. Jnf.-Regt. 87 mit der Friedensgarnison Mainz plant für das Jahr 1927 die Errichtung und Enthüllung eines Ehrendenkmal für seine gefallenen Helden, ver­bunden mit einer Wiedersehensfeier. Da die alte Garnison besetzt ist, kann dort das Ehren­mal nicht gesetzt werden. Es ist eine Stadt im Nassauer Land, vielleicht eine frühere Garnison aus nassauischer Zeit vorgesehen. Der Denk­malsausschuß bittet alle Kameraden des ak­tiven Regiments, des Reserve- und Landwehr- regiments, der Ersatzbataillone, sowie alle 87 aus den vielen im Regiment aufgestellten Tochterregimentern und -Bataillonen, sowie die, die aus dem 87er Regiment heroor- gegangenen, später bei anderen Formationen den Weltkrieg mitmachten, um sofortige Adressenangabe an Kamerad Dr. de Haan, Frankfurt a. M., Bruchfeldstraße 15, Beson­ders herzlich bittet weiterhin der Denkmals­ausschuß alle Hinterbliebenen seiner gefallenen Helden sowie alle Altvertanen, gleichfalls sofort die Verbindung mit dem Ausschuß auf­zunehmen.

Die neue 2vunderlmnpe.

Folgendes launische Gedicht bringt die B. 3- über die in Hanau erfundene Analysen-Quorzlampc, durch deren ultra­violette Strahlen sämtliche Fälschungen aufgedeckt werden können.

Hört die neueste der Kunden!

Eine Lampe ist erfunden. Welche alles, was erdichtet. Ultraviolett belichtet.

Dadurch wird was sie bezweckt Alles falsche aufgedeckt.

Dollarscheine, die nicht echt sind, Und dem Staate drum nicht recht sind Aktien, Marken, die nicht ganz Aus erforderter Substanz Aufgeklärt wird's allemal Dirch der Wunderlampe Strahl.

Falscher Hase, falsche Zähne, Jede falsche Haaressträhne, Falsche Blicke, falsche Schwüre, Ach, selbst falsche Perlenschnüre, Ulrraviolett beseh'n, Ist's um schönsten Schein gescheh'n.

Wenn ein Jüngling feurig liebt Und sie ihm das Jawort gibt, Rust er plötzlich: O, ich Tori Und zieht schnell die Lampe vor. Täuschen könnt chr rosig Bild Ultraviolett nur göt.

Hochgeschätzte Obrigkeit, Noch ist Zeit es, noch ist Zeit. Sich, wir haben doch nun eben Nur dies eine kleine Leben, Unser Glück besteht in Nieten Laß die Lampe schnell verbieten. Anita.

Wetterbericht.

Frankfurt a. M 19. Juli. Durch die Ausbil- dung eines Cyclons bei England ist Mit dem Dor- iringen kühlerer ozeanischer Luft auf das Festland ^ rechnen. Infolgedessen ist auch in unserem Ge­biet verbreitetes Auftreten von Gewittern mit nach­folgender Abkichlung zu ermatten. Vorhersage bis Dienstag abenb: Vielerorts Gewitter ober Ge-

ite^%^>^>^^.-2^â^^.-5iag^<^^^^2,^jK3^1^^

witterrsgen mit Abkühlung. Vorherrschend westliche Winde. Aussichten für Mittwoch: Noch unbe­ständig, einzelne Schauer, leichte weitere Ab­kühlung.

Landkreis tam.

3. Feusrwehrkreisverbandsfeft in Großauheim.

Am 10., 11. und 12. Juli feierten die Weh­ren des Landkreises Hanau in Großauheim ihr 5. Verbandsfest in Gemeinschaft mit dem 45jährigen Stiftungsfest der dortigen Frei­willigen Feuerwehr. Das Fest wurde durch einen Kommers am Samstag abend eingelei­tet, dem sich am Sonntag vormittag nach einer Uebung der Eroßauheimer Wehr "eine Abge­ordnetenversammlung des Feuerwehrkreisver­bandes im Saalezur Rose" anschloß.

Kreisbrandmeister Schlegel- Windecken begrüßte die Anwesenden und gab eine kurze Kritik der vorher stattgefundenen Uebung, die er mit gut bezeichnete, jedoch zur Beachtung für sämtliche Wehren auf einige Mängel hin­wies, so vor allem auf den "Uebereifer der Feuerwehrleute und auf das häufige Fehlen der nötigen Ruhe im rechten Augenblick. Es seien dies Mängel, die bei Bränden nicht vorauszu­sehende Folgen haben können. Danach sprach Herr Schlegel den Jubilaren der Eroßauheimer Wehr den Glückwunsch des Kreisverbandes aus, insbesondere dem Kommandanten Zimmermann, der sich sowohl um das Feuerlöschwesen in Großauheim selbst als auch um den Kreisverband, dessen Vorstand er als stellvertretender Vorsitzender angehört, sehr verdient gemacht hat. Dieser Gratulation schlossen sich auch Herr Bürgermeister Weber- Großauheim im Namen der Gemeinde an. Nachdem Kreisbrandmeister Schlegel der Au- heimer Wehr noch für die guten Vorbereitun­gen seine Anerkenung ausgesprochen hatte, ging man zur Tagesordnung über.

Zunächst erstattete der Vorsitzende des Kreis­verbandes, Schlegel, den Geschäftsbericht aus dem zu ersehen war, daß dank der Bemühun­gen des Feuerwehrkreisverbandes heute im Landkreis Hanau, nur noch 2 Gemeinden (Niederdorfelden und Gronau) ohne frei­willige Wehren sind. Seit dem Bestehen des Verbands sind in den meisten Gemeinden die Feuerwehrgerätschaften und Spritzenschläuche vermehrt und ergänzt, in einer Anzahl von Gemeinden neuzeitliche mechanische Leitern be­schafft worden, so daß nur noch drei Wehren sich mit den alten Druckspritzen behelfen müssen. Außerdem war beim Kreisausschuß in Hanau der Antrag auf Beschaffung von drei Motor­spritzen für die Bezirke Bergen, Windecken und Lantzenselbold gestellt worden, der aber aus finanziellen Gründen abgelehnt werden mußte. Sebo* wurde der Gemeinde DeWM Enkheim ein zinsloses Darlehen von % der Anschaffungskosten für diesen Zweck zur Ver­fügung gestellt, so daß am 4. Juni 1826 die erste Motorspritze in den Landkreis Hanau kam. Auch Fechenheim hat inzwischen eine solche erhalten. Erneute Verhandlungen mit der Kreisverwaltung sind im Gange.

Am Ende seiner Ausführungen kam der Medner noch darauf zu sprechen, daß in Zu­kunft die Ausbildung der Wehren einheitlicher vor sich gehen soll und daß zur Ehrung ver­dienstvoller Kameraden nunmehr das Abzei­chen des Landesverbandes durch ein solches des preußischen Staates abgelöst wird, neben dem jedoch auch die bisher verliehenen getra­gen werden dürfen. Alles in allem kann der

Fuerwehrkreisverband stolz fein, daß durch feine Tätigkeit in das Feuerlöschwesen und in die Wehren unseres Landkreises neues Leben und neuer Geist gekommen ist. Herr Land­rat Kaiser betonte, daß die Feuerwehren nur dann von Wert für die Allgemeinheit sein können, wenn neben den einzelnen Gemeinden sie auch der Kreis unterstütze. Durch das zins­lose Darlehen an Bergen-Enkheim sei dieser aus seiner bisherigen Passivität herausgetreten und sichert es auch für die Zukunft zu. Jedoch könne es sich hierbei nur um Unterstützungen für größere Geräte, die den gesamten Land­kreis oder wenigstens seine Bezirke angingen, handeln. Auch die Kleidung der Feuerwehrleute ließe manches zu wünschen übrig, aber das sei wieder Sache der einzelnen Gemeinden. Da­gegen betreffe die Wasserversorgung durch eine Kreiszentrale, den ganzen Landkreis, da sie ja nicht allein für das Löschwesen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen von großem Vorteil sei. Der Landrat forderte die Anwesen­den auf, in dieser Hinsicht nicht eher zu ruhen, bis die Wasserversorgung des gesamten Land­kreises durch eine Kreiszentrale gebe, denn nur so allein sei, obwohl schon durch die Wasserwerke in einzelnen Gemeinden eine Besserung er­reicht worden wäre, ein wirksames Feuerlösch­wesen möglich. Mit dem Wunsch daß dem feft= gebenden Verein alle erwarteten Hoffnungen in Erfüllung gehen möchten, beendete er seine Ausführungen. Anschließend hieß Herr Bürger­meister Weber- Großauheim nochmals im Namen der Gemeinde alle willkommen und wünschte ein gutes Gelingen, indem er auch für die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr die Hilfe der Gemeinde versprach.

Bei der Feststellung der Zahl der Abgeord­neten, ergab sich, daß im ganzen 27 Freiwillige Wehren ihre Vertreter entsandt hatten, wäh­rend 3 Freiwillige und die beiden Pflichtfeuer­wehren des Kreises fehlten.

Der Jahresbeitrag für das Geschäftsjahr 1926/27 bleibt wie bisher 10 Pfg. pro Kamerad.

Bei der Bestimmung der Gemeinde, in der 1927 der Verbandstag stattfinden soll, lag ein erneuter Antrag Windeckens und ein solcher von Mittelbuchen vor. Schließlich einigte man sich dahin, daß der 6. Feuerwehrkreisverbands­tag in Windecken, dagegen die nächste Groß­vorstandssitzung in Mittelbuchen sein soll.

In den weiteren Verhandlungen, die nun­mehr Feuerwehrführer Ebeling- Fechen­heim leitete, wurde der Punkt betr. einer Chro­nik der Freiwilligen Feuerwehren des Land­kreises Hanau, zurückgestellt, da wegen des kur­zen Bestehens des Verbandes noch nicht genug Material vorliegt.

Zu der Feuerwehrwoche in Düsseldorf ist jede Wehr schon jetzt berechtigt, 1 Abgeordneten für die Tagung zu bestimmen, dessen Fahr­kosten usw. die betreffende Gemeinde zu tragen hat. Gleichzeitig werden die einzelnen Wehren gebeten, so bald als möglich wegen Feststellung der Gesamtzahl zwecks Fahrtbeteiligung und Sonderzug an den Vorstand zu berichten.

Der Punkt Feuerwehrsignale brachte erst nach lebhafter und langer Debatte es han­delte sich um Verständigung durch geblasene Signale, oder durch Kommandoworte eine Einigung dahin, daß die nunmehr gegebenen Vorschläge vom Vorstand noch einmal eingehend durchberaten werden, um dann bei der nächsten Sitzung eine vollkommene Uebereinstimmung zu erzielen.

RGMSLVLM (Taunus) ^MZL BEMBEL Fein bürgerl. Haus ,j ____ 1 ciiö. du t«4tv. I,' riuop<

wollen nicht vergessen, das Abonnement für August 1928 rechtzeitig zu erneuern, da nach dem 24. eine Zuschlags­gebühr erhoben wird.

Kauaues Ametger

Veririebsabteilung.

Es soll auf Errichtung von Steiger- und Schlauchtrocknungstürme in den einzelnen G. meinden durch die betreffenden Wehren ge­drungen werden, denn dieselben machen sehr bald bezahlt, da durch das Trocknen der Schläuche in Türmen eine viel größere Halt­barkeit gewährleistet ist. Außerdem geben sie den Steigerabteilungen zur Vorübung für di« Brände Möglichkeit.

Die angeregt verlaufene Sitzung wurde um 11 Uhr geschlossen.

Der Sonntag-Nachmittag und -Abend brM dann das Fest der Eroßauheimer Wehr aus der Lindenau, zil dem fast alle Wehren d-z Kreises erschienen waren. Eine Sehenswürdig, keit bildete der imposante Jestzug. Den Ab- schluß der Feierlichkeiten bildete ein Volksfest am Montag. Das gesamte Fest nahm einen harmonischen Verlauf und hatte einen Massen­besuch aufzuweisen.

Dörnigheim, 19. Juli. Am vergangenen Sonntag nachmittag fand auf dem hiesigen Friedhof unter großer Beteiligung der Ein­wohnerschaft die Einweihung des Denkmals für unsere im Weltkriege gefallenen und ver­storbenen Ortseinwohner statt. Nicht die Tat­sache, daß Dörnigheim unbedingt ein Kriege: denkmal haben müßte, sondern der Gedanke des unauslöschlichen Dankes und der Treue, welche die Gemeinde Dörnigheim ihren durch den Welkrieg verlorenen Mitbürgern schuld«, hat dieses Denkmal erstehen lassen. Der Ge­sangvereinTeutonia" eröffnete die Feier mit dem ChorHymne an das Feuer". Hieraus gedachte der Vorsitzende der Kriegsbeschädig­ten und Hinterbliebenen Herr Ph. Mager in seiner Ansprache noch einmal all der Leiden, all der Trauer, welche durch das Hereinbrechen des Weltkrieges über unser deutsches Volk ge­kommen ist, und seine schlichten Worte klangen in den Ruf aus: Daß das Denkmal ein Sym­bol fein soll, der zukünftigen Generation zu zeigen, wie verheerend eine solche Weltkata­strophe auch in der kleinsten Gemeinde gewirkt hat. 69 brave Mitbürger mußten im Stampfe um das Vaterland, nist stM^

Familie ihr Leben lassen. Nach Uebergabe best Denkmals an den Gemeindevorstand dankte Bürgermeister Leis im Namen der gesamten Gemeinde und gelobte, daß die Gemeinde Dörnigheim jederzeit das Denkmal unter ihrem Schutze in Ehren halten werde. Herr Riediger als Vertreter des Landratsamtes ermahnte, treu zusammen zu stehen und sich als deutsches Volk würdig seiner gefallenen Helden zu zeigen. Alsdann legten die Gesang­vereineTeutonia",Eintracht",Germania" und der Handwerker- und Gewerbeverein Kränze nieder. Inzwischen intonierte die

M««mUHBSgffi^3SM

mehr als bunter Kramladen der Lebensfreude, alles nur zum kindlichen Genuß bereit, erschien chr jetzt die Stadt des deutschen Südens fte scheute sich davor, nur naschend herumzu- 'treifen, ohne inneres Ziel und dauernden Ge- Dinn. Den brauchte hier der nordische Mensch, der bot sich dem Verstehenden allerorten. Sie beneidete die Jugend, die hier studierte, sie pries das frische, unbekannte Volk glücklich, das sich zu solchen ewigen Qualen drängte. Kunst und Wissen. Mächtig meldete sich die Be­tätigung durch Musik in ihr, die ihr abhanden gekommen, sie wußte selbst nicht wie. Um Größeres das gestand sie sich ruhig. Aber das Größere war jetztja in Sicherheit, ihr Kind im Leben, ihr Mann im Schaffen sollte sie die einzige sein, die darbte? An Hans hatte sie den musikalischen Freund, den sie brauchte. Sie sprach mit ihm davon, und er beschenkte sie sofort mit etwas, was sie mit freudigem Dank erfüllte. Er ließ vor ihrer Rückkehr einen Stutzflügel in die Försterei hinaufschaffen Wiesingers Klimperkasten war für das Gesangsstudium nicht zu ge­brauchen. Seine zweite Idee aber, ihr eine freie Studienzeit in München zu bewilligen und allein nach Grödenalm heimzukehren, wies sie bewegt zurück. Dieser Einblick in die Grenzenlosigkeit seiner Liebe packte sie mit wunderlicher Macht. Was ihr hätte selbstver­ständlich sein müßen, wurde ihr plötzlich zur beschämenden Ueberraschung. Sie ertappte das eigene Herz bei einer Unsicherheit. Sie ver­setzte sich in Hans hinein und erkannte, daß sie den Lebensgefährten nicht so eifersuchtslos in der großen Welt gelassen hätte. Es lag etwas in diesem München, was zu fürchten war. Lockende zerstreuende Schönheit überall. Die Ehe mit Hans aber bedurfte dessen am wenig­sten ein ernster, reiner, sturmklarer Himmel war ihr nötig. Wünsche nur wie Wolken am Horizont. Nein, nein sie kehrte mit ihm in die Försterei zurück. Das war ja selbstverständ- lich. Mit ihm nur wollte sie sich ihr Eigenleben, Erlösung durch Musik, zurückgewinnen.

Bei einem Ausflug ins Isartal sprach sie sich dem Vater aus. Das war bei allem un­mittelbaren Bedürfnis auch eine kleine List von ihr. Sie hoffte ihn durch ihre Offenheit zur seinen zu bringen. Aber viel erfuhr sie nicht. Der Gealterte ging, auf den Stock gestützt, schweigend neben ihr weiter, und während Anneliese an seinem Arm, ihm bittend in die Augen blickte, schien er den Vogelstimmen zu lauschen, die ein großes, vieldeutiges Konzert in den buschigen Ufertjöben sangen. Sonnen­untergang glühte im Westen und auf dem breiten Fluß. Sie betraten die Brücke von Großhesselohe. Dort erst begann der Vater: Nun ist die schöne Ferienzeit bald um. Es glänzt nur noch ein bißchen. Aber auch das ist was. Ich weiß jetzt, daß es dir gut geht, Anne­liese. Daß du an deinem wunderlichen Dichter, der mir doch immer ein bißchen wie ein Chinese auf Logierbesuch vorgekommen ist, nicht nur einen schwärmenden Verliebten, son­dern einen braven, vornehmen Mann gefun­den hast. Künstlerehen sollen gefährlich sein, habe ich immer gehört. Ich gestehe dir jetzt ganz offen, daß ich von der romantischen In­vasion in unser Prosaleben oft beunruhigt war. Aber nun bin ich vom Gegenteil überzeugt. Sie hat dir vielleicht recht gut getan. Denn Waabe bei aller Hochachtung muß man es sagen, Waabe ist wenig." Er blieb nach diesen Worten stehen und deutete mit feinem Lächeln auf das Abendbild der Isar.

Mir bleibt es ewig viel," erwiderte Anne­lieseAb-er du scheinst jetzt zu Hause traurige Eindrücke zu haben, Vater?"

Sie war unvorsichtig gewesen, sie hatte zu­viel gesagt. Er sah sie nur flüchtig von der Seite an und erwiderte dann, indem er weiter­ging:Nichts Nennenswertes. Es gibt ein paar Hetzer unter meinen Leuten, Kerle, die böses Blut machen. Ich soll einsehen, daß ich zu mild gewesen bin, und aus einer höheren Einsicht heraus möchte ich das nicht gerne. Du verstehst mich, Anneliese."

(Fortsetzung folgt.)

Johannes a Lasko vom Jahre 1527, welches lautet: Eximium decus hoc fecit te scandera regni, Lascie Johannes, laus tua non tua fraus. (Daß du, Johannes Lasko, zu so hoher Würde emporsteigst, das bewirkte dein Ruhm nicht dein Betrug.) Das beasichtigte Miß­verständnis wird durch das Fehlen des Kom­mas nach dem ersten tua hervorgerufen; wenn es der Leser nach non vor das zweite tua setzen würde, so wäre der Sinn das reine Gegenteil. Äehnlich steht es mit folgendem delphischen Orakelspruch für einen in den Kampf ziehenden Krieger: Ibis redibis nunquam morieris in armis. (Du wirst gehen wirst zurückkommen nicht wirst du in den Waffen sterben). Niemand wußte aber, nach welchem Wort die Kommata einzusetzen waren. Ein fatales Mißverständnis findet sich ferner in der Inschrift, die ein Papst aus der Familie Caraffa in seinem Palast in Rom anbringen ließ: Porta patens esta, nulli claudatur honesto. (Das Tor soll offenstehen, keinem Ehrenmann verschlossen!) Da aber der unachtsame Steinmetz das Komma nicht nach esto, sondern nach nulli setzte, mußte eirtt Reparatur vorgenommen werden. Bekannt ist der Kinderscherz: Zehn Finger habe ich an jeder Hand fünf und zwanzig ân Händen und Füßen. Die Lösung biefgs Rätsels hängt natürlich von der richtigen Setzung der nöti­gen Kommata ab. Endlich sèi noch die Er­innerung an den gottverlassenen Schauspieler aufgefrischt, der im Vorspiel zu Schillers Jungfrau von Orleans als Thibaut nach einer ekstatischen Aeußerung seiner Tochter sich im Rhythmus versah und ausrief: Was für ein Geist! ergreift die Dirn'.

o Ein neues Werk von Bernard Shaw. Bernard Shaws neuestes Werk wird, wie er seinem Verlag mitteilt, keine dramatische Arbeit sein. Er arbeitet augenblicklich an einem Werk über den Sozialis­mus, in dem er seine Ideen zu Weltanschauungs- fragen zuscrmmensassend behandeln will.

MI «nd Wissenschaft.

o Frau Curie auf Borttagsreifen in Amerika. Madame Curie, die Gattin und Mit­arbeiterin des verstorbenen berühmten Radiumforschers, hat von der Regierung von Uruguay eine Einladung erhalten, in Monte­video eine Reihe von Vorträgen zu halten. Madame Curie hat den ehrenvollen Auftrag angenommen.

o Ein Görresdenkmal. Im Herbst dieses Jahres soll in Koblenz der Grundstein zu einem von der Stadt zu errichtenden Denkmal für Joseph Görres gelegt werden. Wie dieKöl­nische Volkszeitung" erfährt, hat sich der zur Prüfung der Entwürfe eingesetzte Ausschuß für den des Professors Langer in Düsseldorf entschieden.

o Mangelhafte Interpunktion. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges hatte ein reicher Kaufmann in Rußland einen berühmten fran­zösischen Chirurgen gebeten, eiligst zu ihm zu kommen, um seine Frau zu operieren. Im letz­ten Augenblick vor seiner Abreise erhielt der Arzt folgendes Telegramm:Kommen Sie nicht zu spät," was er so verstand, daß er kommen solle, bevor es zu spät fei; der Russe aber hatte sagen wollen, es sei bereits zu spät, da die Frau inzwischen gestorben war. Die Folge war ein Prozeß, der den Russen 10 000 Franken kostete.

Diese Geschichte lehrt, wie verfänglich Goethes Ansinnen an Johann Georg Jacobl (Brief vom 1. Dezember 1774) war, dem er nebst andern Gedichten seinen Neuen Amadis zum Abdruck in der Zeitschrift Iris über­sandte mit der Bemerkung:Jnterpunktieren Sie doch das Liedchen wies dem Leser am vorteilhaftesten ist." Welche Mißverständnisse durch willkürliche gesetzte oder gänzlich ausge­lassene Zeichensetzung entstehen können, dafür ein paar Beispiele."

Zunächst sei erinnert an ein lateinisches

Epigramm auf den polnischen Fürst-Bischof