Einzelbild herunterladen
 

Sette 2

Montag den 28. Sunt

Jlt. 148

fetretären des Finanzministeriums an dem auf die Finanzprobleme sich beziehenden Teil der Regie- rungserklärung gearbeitet Caillaux soll sich dabei, wie man versichert, im Einverständnis mit den Schlußfolgerungen des Finanzsachverständigen-Aus- schusses dafür ausgesprochen haben, daß die Rege­lung der französischen Schullien an die Vereinigten Staaten und an England den ersten notwendigen Schritt auf dem Wege der Währungsstabilisierung und in gewisser Weise sogar die Grundlage für jede derartige Operation überhaupt darstelle. Deshalb wünscht Caillaux- die Ratifizierung des französisch- amerikanischen SchuDenabkommens, wird sich aber zugleich bemühen, formale Zusicherungen über die Eröffnung von Krediten im Auslande für Frankreich zu erlangen, zumal auchbas Fimmzsachoerstän-dig-en- komitee Ausländsanleihen zur Durchführung der Stabilisierung für unerläßlich hält. Um nun von der amerikanischen Regierung Versprechungen im Hinblick auf die Eröffnung von Krediten zu er­langen, sollen offenbar, ehe die Ratrfizierungsfrage vor dem Parlament aufgeworfen wird, neue Ver- banölungen mit den Vereinigten Staaten ausgenom­men werden und zwar scheint es, daß der Abge­ordnete Bokanowski damit betraut wird. Außer­dem werden im finanziellen Teil der Regierungs­erklärung außer dieser Darlegung der Schwiertg- kerten des Schatzamts und der zu ihrer Behebung geplanten Mittel die Revision gewisser Steuern, namentlich der Steuer aus mobile Werte und der allgemeinen Einkommensteuer angeknüpft. Schließ­lich wird der Finanzminister Vorschlägen, die auto­nome Amortisationskafle durch Einkünfte aus einer Art Erbschaftssteuer zu speisen, wie er sie bereits im vorigen Jahre vorgeschlagen hat.

Kerriot zur neuen Regierung.

Paris, 27. Juni. Kammerpräsident Her - t i 0 i hat heute in Dille France de Saone auf dem Bezirksparteitag der Radikalen eine Rede gehalten, in der er sich ausführlich mit dem Verlauf der letzten Regierungskrise beschäftigte und ausführte: Wenn ich mich gegen die Bil­dung eines Kabinetts der Volksgemeinsâstlft ausgesprochen habe, so ist das auf meine Ueber­zeugung zurückzuführen, daß eine derartige Lö­sung wohl eine gefühlsmäßige Befriedigung, nicht aber wirksame Abhilfe bringen könne. Während des Krieges hat es sich bei der Bil­dung eines Kabinetts der nationalen Einigung darum gehandelt, eine einheitliche Stimmung aufrecht zu erhalten. Wenn man aber im Frie­den Männer, die z. B. in Finanzfragen eine entgegengesetzte Anschauung vertreten, in ein unb demselben Kabinett vereint, so heißt das, in die Reihen der Regierung selbst jene Ver­wirrung tragen, die mit Recht die öffentliche Meinung beunruhigt. Meine eigenen Be­mühungen um die Bikdung eines Kabinetts sind ergebnislos verlaufen, weil ich mich den Nl^rr^r^ K^^ 9sU^. NLâHâ ^r: . rx.-«xc;i^

"Ginisuns" im Aechisausschuß.

29 Paragraphen nach 49 Sitzungen angenommen. Abschließende Erklärungen.

Berlin, 26. Juni. Im Rechtsausschuß des Reichstages gab vor Eintritt in die Tages­ordnung Reichskanzler Dr. Marx eine Erklärung ab zu den aestrigen Ausführungen des deutschnationalen Redners, die darauf hin­zielten, daß durch die Aufwertungs- bestimmunen des Entwurfs die Fürsten un­günstiger behandelt würden als andere Staats­bürger, obwohl der Reichskanzler in seinem Wolff-Interview die gleichmäßige Behandlung der Fürsten mit den übrigen Staatsbürgern in der Aufwertungsfrage zugesichert hätte. Reichskanzler Dr. Marx erklärt dazu:

Ich habe bei meinen damaligen Aus­führungen die Grundsätze der Regelung der ganzen Frage im Auge gehabt. Im einzelnen besteht allerdings ein Unterschied zwischen den Angehörigen der Fürstenhäuser und den sonstigen Staatsbürgern in der Behand­lung gewisser Leistungen, die sonst der freien Aufwertung unterliegen. Bei dieser Aus­nahme handelt es sich aber um eine Einzel­heit, auf die hinzuweisen ich um so weniger Anlaß hatte, als ich mich bei der Unter­redung ohnehin auf die Bestimmungen des Entwurfes bezog."

Ohne Aussprache wurden die §§ 19 und 22 angenommen. § 19 sagt, daß ein jetzt zwischen den Parteien beim Jnkraftreten des Gesetzes bestehender Schiedsoertrag die Anrufung des Reichssondergerichts nicht hindert. § 20 be­stimmt, welche Mitglieder des Fürstenhauses beim Verfahren zugezogen werden können.

Die §§ 21 bis 24 regeln die Verfahrens- Vorschriften.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragte folgenden Zusatz:Die Parteien haben nicht das Recht, einen Richter abzulehnen." Er bt=

gründet seine Forderung mit der Befürchtung, daß sonst die Fürstenhäuser diejenigen sach­kundigen Richter ablehnen können, die sich ein­mal öffentlich gegen übertriebene Fürstenan­sprüche ausgesprochen haben.

Abg. Dr. Wunderlich (D. Dp.) bean­tragte eine Einschränkung nur in der Form, daß die Zugehörigkeit eines Richters zu einer politischen Partei und seine politische Betäti­gung nicht für sich allein die Besorgnis der Befangenheit rechtfertigt.

Der Antrag Wunderlichs wurde mit den Stimmen der Mittelparteien und der Deutsch-

HSM Einkommensteuer ^heraWIseßen, nicht in vollem Umfange habe anfchließen können. Her­riot sagte dann der neuen Regierung Michilfe der Radikalen zu, wenn sie gleichzeitig das na- rionale Interesse und die Grundsätze der De- mokratie verteidigen wolle und erklärte weiter: Wenn die Radikalen zum Zwecke der Finan­zierung fordern, daß das Kapital Opfer bringt, io tun sie es keineswegs, um jemand zu berau­ben, sondern aus Vorsicht und um den Kredit des Landes zu heben, von dem aller privater Kredit abhängt. Dis Devisenspekulation muß mit allen Mitteln bekämpft werden. Wenn Ein­schränkungen unerläßlich sind, so müssen sie den Luxus treffen. Die radikale Partei will, daß dieses Ziel durch eine gerechte Verteilung der Lasten erreicht wird. Denn ohne den Gerst der Gerechtigkeit ist weder eine wirksame nationale Politik, noch ein sicherer sozialer Friede zu er­reichen.

Zuchrhausankrag gegen Kutisker.

Zu Beginn der Eamstagabendverhandlung im Kutiskerprozeß nahm zuerst Staatscmwaltschaftsrat Polzin da? Wort zu seinem Schlußvortrag. Er führte u. a. folgendes auS:

Iwan Kutisker hat zum Nachteil der Staatsbank

14,3 Millionen Mark erbeutet.

Was liefe Täuschungshandlungen betrifft, so muß man sagen, daß Kutisker vom ersten Tage an mit Luo und Trug gegen die Staatsbank gearbeitet hat. Kutisker hat sich bei der Staatsbank mit der Be­hauptung eingesührt, er besitze große »Auslandsver- mâgen.' In Wirklichkeit betrugen seineAuslandsver- nögen* 0,00 Mark. Er renommierte damit, daß er Millionen Dollar oder Pfunderüberschmeißen" könnte. Diese Vortäuschungen von Devisengnthaben in der Inflationszeit gehören zu den raffiniertesten Schwinde- leren Kutiskers, der ja auch vor der gemeinsten Tele- grammfälschung nicht zurückschreckte. Da Kutisker in allen Taschen lose Auslandsdevisen bündelweise trug, mußte die Staatsbank glauben, sie habe es mit einem reichen Ausländer zu tun, mit dem man gewinn­bringende Geschäfte machen könne. Kutisker hat die Staatsbank, als seine Manöver langsam durchsichtig wurden, mit der Behauptung getäuscht, sein Vetter Kutzinfli aus Amerika wolle sich mit vier Millionen an der Steinbank beteiligen, und als auch das lang­sam unglaubhaft wurde, setzte die Telegramm- fälschung ein.

Nichts als gemeiner Schwinde» und Betrug war alles, von Anfang an,

und feine Taten rechtfertigen eine Freiheitsstrafe von langer Dauer.

Da» schamloseste ist, daß arme Angestellte gezwungen wurden, ihren Namen unter Wechsel über Lundert- tausende zu setzen. Mit freier Stirn gab Kutisker di, Wechsel an die Staatsbank Md freute sich immer im Kreise seiner Freunde darüber,daß die Staatsbank alles freffe." Ein ebenso großer Schwindel war auch die Angabe Kutiskers über den Status der Steinbansi der Anfang 1924 mit plus neun Millionen angegeben wurde,während der in Wirklichkeit minus S,4 Millionen betrug. Der rumänische Vertrag, der Frankfurter Vertrag, alles war eitel Lüge Md Betrug. Dann kam der große Schlag mit dem Hanauer Lager, durch den sogar der tüchtige Michael hineingelegt wurde, ebenso wie die Staatsbank, flutisler schwindelte aber mét nur im großen. er nahm auch Jbw »klein«"

Schließlich wurde gegen Iwan Kutisker eine 6j, famtftrafe von fünf Zähren Zuchthaus, außerdem ich Millionen Geldstrafe sowie Verlust der bürgerlich» Ehrenrechte auf zehn Jahre, gegen Holzmann eine Ge­samtstrafe von zwei Jahren, sechs Monaten Geiängnit und gegen Strikter zwei Jahre Gefängnis becnitiw Für bie übrigen Angeklagten beantragte der Sia^' anwalt Freiheitsstrafen von drei bis neun Mouastr Gefängnis.

Abg. Dr. Everling (Dntl.) beantragte dagegen die Streichung derjenigen Absätze, die den entschädigungslosen Fortfall der Ren­ten zulassen.

Die von den Deutschnationalen be­antragten Streichungen wurden abgelehnt. Ebenso der sozialdemokratische An­trag. Der Abänderungsantrag der Mittelpar­teien wurde angenommen, ebenso mit diesem die Aenderung des § 26, bei Stimm­enthaltung der übrigen Parteien. Nunmehr wurde von den Mittelparteien folgende Fas­sung des § 25 vorgelegt, die in dem obigen Stimmenverhältnis angenommen wurde: Rechtsstreitigkeiten, die bei deutschen Gerichten über die Auseinandersetzung oder damit zu­sammenhängende Fragen schweben, können vom Reichssondergericht in eins bei den An­hängig-Verfahren einbezogen werden. Auf Antrag einer Partei muß dies geschehen. Das Reichssondergericht entscheidet über die in dem vorausgegangenen Verfahren den Parteien erwachsenen Kosten nach freiem Ermessen. Für erledigte Rechtsstreitigkeiten, die vom Reichs­sondergericht an sich gezogen sind, gelten die Kosten des Verfahrens nach den Vereinbarun­gen der Parteien als gegeneinander aufge­hoben. Die folgenden §§ 27 und 28, die nur Gebühren- und Verwaltungsfragen des Ge­richtes betreffen, wurden ohne Aussprache mit den Stimmen der Mittelparteien angenommen.

Eine Erklärung der Deutschnalionalen.

Für die deutschnationale Fraktion gibt

Ull ^HUCipuilUKH Uliy. ÜCl -ueuquj1 ^, 'C f

den M SlimmelrenidâNL -der. âi- ^^t«'

nationalen sei totinimenenttmung-Jlex^ gen Pannen angenommen. Der sozialdemo­kratische Antrag wurde abgelehnt.

Nach § 21 sollen die Verhandlungen des Sondergerichs nach Maßgabe des Gerichts- verfaffungsgefetzes öffentlich fein.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragte, die Verhandlungen ohne Ausnahme öffentlich zu führen.

Reichskanzler Dr. Marx:Ich bitte diesen Antrag abzulehnen. Wenn die Staatssicherheit dadurch gefährdet wird, kann doch nicht öffent­lich verhandelt werden.!"

Der sozialdemokratische Antrag wurde gegen die Antragsteller abgelehnt: ebenso ein Eventualantrag, der den Ausschluß der Oeffentlichkeit nur bei Gefährdung der Sittlichkeit zulassen soll.

Abg. Barth (Dntl.) folgende Erklärung ab:

Durch unsere aus das Mindestmaß be­schränkten Abänderungsanträge haben wir wenigstens den Grundsätzen der Sicherheit und der Rechtspflege, der Unantastbarkeit rechtskräftiger Urteile und Verträge und der Unverletzbarkeit des Privateigentums Geltung zu verschaffen versucht gegenüber einem Ent­wurf, durch den nach wiederholter Feststellung gerade von sozialdemokratischer SeiteBar­rieren des Rechtsstaates niedergelegt werden. Der Ausschuß ist über unsere Anträge hinweg­gegangen und hat den Bestrebungen der Lin­ken weitgehendst nachgegeben. Wir begnügen uns, in diesem Augenblick diese Tatsachen be- sonders ausdrücklich festzustelle», um keinen 7 l zu lassen, daß unsere grundsätzliche "SfiffimennjSHuncj lediglich den Sinn hatte, die

Ein sozialdemokratischer Antrag, der ver­langt, daß die Entscheidungen des Sonder­gerichts eine gedrängte Darstellung des Sach- und Streii^egeniiu-Mes juwie nie scheidungsgründe enthalten müssen, wurde mit den Stimmen der Mittelparteien angenommen. Die §§ 21 bis 24 wurden dann mit den Stim­men der Mittelparteien bei Stimmenenthaltung der übrigen Parteien angenommen.

§ 25 bestimmt, daß

die jetzt vor ordentlichen Gerichten anhängigen Prozesse

iber die Auseinandersetzung oder damit zu- ammenhängenden Fragen vom Reichssonder- ;ericht in eins bei den Verfahren e i n be­zog e n werden können. Die Deutschnationalen beantragten Streichung dieses Paragraphen. Nach längerer Aussprache, die sich auf juristi­sche Zuständigkeitsfragen bezog, wurde die Ab­stimmung zurückgestellt, weil die Regie­rung eine neue Formulierung vorlegen will. § 26 regelt die Erledigung von Ansprüchen de- vossedierter Fürsten in der Weise, daß das Reichssondergerichtdarüber nach beliebigem Er­messen entscheiden sMe. Die Staats- renten oder sonstigen wiederkehrenden Leistungen sollen auf Verlangen des Landes in eine Kapitals-Abfindung umgewan­delt oder durch allmähliche Tilgung âb gelöst werden. Die Rente oder eine ähnliche Staats­leistung kann ganz oder zum Teil für erloschen erklärt werden, wenn im Hinbllick auf ihren Entstehungsgrund und die seitherige geschicht­liche Entwicklung der Fortbestand nicht gerecht­fertigt erscheint. Ansprüche auf Schadenersatz wegen Nichtzahlung der Renten oder auch Auf­wertung für eine Zeit vor dem 1. Januar 1925 gelten als erloschen.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) begründete einen sozialdemokratischen Antrag, der den ent- sKädigungslosen Fortfall solcher Renten und Staatsleistungen verlangt. k

Ausschutzverhandlungen nicht unmöglich zu machen.

Abg. Frick (Deutschvölk.) erklärt, die ein­zelnen Bestimungen des Entwurfes mit seinen Eingriffen in das Eigentum und in die Rechts­gleichheit müßten die Völkischen veranlassen, gegen das Gesetz zu stimmen-

Reichskanzler Dr. Marx: Ich würde eine Verletzung meiner Pflichten darin sehen, wenn ich mich von parteipolitischen Rücksichten leiten ließ. Bei ruhiger Betrachtung wird man zu dem Schluß gedrängt, daß es gegen das In­teresse des ganzen Staates verstoßen und die Ruhe des ganzen Volkes stören würde, wenn nicht alles dahangesetzt würde, um dieses Ge­setz möglichst bald zur Verabschiedung zu bringen. Es ist deshalb eine Pflicht der Regie­rung, darauf zu bestehen, daß noch vor der großen Pause diese Regelung gesetzliche Form erhält.

Abg. Dr. R o s e n b e r g (Kom.) erklärt, die Abstimmung seiner Freunde gründe sich da- daß die Kommunisten sich verpflichtet fühlten, gemäß dem Willen der 15 Millionen aufzutre­ten, die für die Enteignung gestimmt haben.

Nachdem auch der letzte § 29 mit den Stim­men der Regierungsparteien angenommen war, erklärte der Vorsitzende Dr. Kahl (Dopt.) unter allgemeiner Zustimmung, eine Aus­sprache über die Präambel erübrige sich, da wohl

der ganze Ausschuß mit der Regierung in der Erkennung des verfassungsändernden Charakters des Entwurfes Übereiustimme.

Die Präambel wurde auch mit den Stimmen der Mittelparteien angenommen. Der Vor­sitzende knüpfte daran die Mitteilung, daß der Ausschuß von seinen 91 Sitzungen 44 auf die Beratung des nunmehr erledigten Gesetzes ver­wendet habe. Die von den Mittelparteien an­genommene Präambel zum Fürstenabfindungs­gesetz stellt ausdrücklich den verfaffungsändern» den Charakter des Entwurfes dar.

Abg. v. R i ch t h o f e n (Dem.) bat den Reichskanzler um eine Erklärung über die Be­setzung der Richterstellen im Sondergericht, die nach dem Gesetz nicht von beamteten Richtern ausgefüllt zu werden brauchen. Bei den Re­gierungsparteien bestehe der Wunsch, daß diese Stellen mit Laien besetzt werden.

Reichskanzler Dr. Marx antwortete, er könne noch keinen Beschluß der Regierung mit­teilen, glaube aber im Sinne der Regierung zu sprechen, wenn er sage, daß die Regierung für diese Stellen jedenfalls nicht Mitglieder von Reichsgerichten oder von Derwaltungsgerichten vorschlagen werde.

Damit sind die Arbeiten des Rechtsauschusses über die Fürstenabfindungsfragen erledigt.

Gewinne von 3040000 Mark mit. Kutirker, dem man alle diele Dinge hier borhielt, hat

nichts Entlastendes Vorbringen können

einem todernsten Moment einmal antwortete: »Sie nehmen die Sache viel zu ernst*

Staatsanwalt Hölz unterzog dann bie Frage einer

. , Prüfung, wieweit die anderen Angeklagten sich bei

und tvvrsch für ün ist, das er dem Vorsitzenden in Wechselbetruge, schuldig gemacht haben.

A«S Msv tvett.

Wettschwindlce Klante wieder verhaftet.

Der Kaufmann Max Klante, der frühere Leist! eines großen WettkonzernS in Berlin, mit dem « Tausende um ihr Hab und Gut gebracht hat, Würbe in Hamburg von der Kriminalpolizei sestgenommem Klante hat wiederum in mehreren Fällen Wettb-tre« begangen. Er ließ sich von einer Reihe von Slunbeit 50 Mark auszahlen, die er nach einem eigens bott ihm erfundenen System angeblich bet Hamburger Buch­machern anlegte. Seinen Kunden batte er Konst- bücher aufgestellt, in denen er die Einzahlungen be­scheinigte mit der Verpflichtung, allmonatlich 25 MM zurückzuzabl-n. Aber schon beim ersten ZahluW- termin, anfangs dieses Moidats, batte er kein @tli mehr. Auf die zahlreich eingegangenen Anzeigen hi« wurde er verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis gebracht.

Miax Klante, der ehedem Friseur war, gründest, wie erinnerlich, nachdem er sich auf Rennplätzen einiges Geld erspielt hatte, seinen ersten Wettkonzern in Berlin, dem er den Namen Klante S Co. G. nt. b. H. gab. Dieser Konzern hatte seinen Hauptsitz in der Franksurterstraße, und zwar bestand er aus empört ans einem großen Büro und einem Kaffee. Ebenso schnell, wie der Wettkonzern sich vergrößert hatte, ging es auch plötzlich zu Ende. Die Untersuchung der B-r- liner Finanzämter ergab einen Fehlbetrag von A Millionen Wart was damals noch, im Herbst 1921, eine r-esioe Summe war. Klante wurde verhaftet unb nach einjähriger Untersuchungshaft wurde gegen ibn der Prozeß eröffnet. Dieser Prozeß, der beinahe einen Monat dauerte, erregte ungeheures Aussehen, zu­mal sich Klante außerordentlich geschickt nerteibigte unb schließlich körperlich zusammenbrach. Nach seiner Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis wurde er gegen eine Kaution von einer halbe« Millionen Mark wegen schwerer Krankheit auf stein Fuß gesetzt. k

Lange vor Beginn des deutschen Derbys, da» gestern ausgetragen wurde, war Klante nach Ham­burg gekommen, um dort wiederum im Trüben zu fischen. Offenbar hat ihn wiederum das EW begünstigt, das ihm Kunden in Scharen Zu­strömen ließ. Mit dem Gelde, das ihm ausbezahlt wurde, hat er teilweiii unglücklich gespielt, leihest hat er es aber zum eigenen Verbrauch verwendet. Als die Kriminalpolizei ihn fest nahm, war natürlichstou dem Gelde nichts mehr da. Klante gibt an, mit seinem System" Schiffbruch erlitten zu haben. Die ftèhm Gefängnisstrafe hat er noch nicht abgefeffen.

Ein Brief des schlesischen Schlvestermtzrdns-,

Reusackisch, 26. Juni. Zur Neusackischet Mordsache erfahren wir noch folgendem- Lu der Wohnung der Ermvrdeten wurde hinter dem Spiegel ein Bries des Mörders Joseph Gebauer aufgefunden, welchen er auf einen Zettel des Schulheftes der ermordeten Schwe­ster geschrieben hatte. Der Inhalt ist ungefähr der folgende:Es ist Zeit, daß ich dem Schrecken ein Ende mache. Die Zeit ist günstig. Mieze ist mir gut in den Keller gefolgt, ohne zu wissen, daß ich sie erstechen will. Ich auch Anna (die Tochter des Nachbarn) er­stechen können, welche Mieze zum Spaziergang abholte, aber dann hätten andere nichts mehr von ihr gehabt, aber sie soll sich nicht zu^sehr freuen, denn sie kommt selbst noch dran. folgt dann eine Bitte an die Eltern um Ver­zeihung. Die Mordwaffe, welche Joseph ge­braucht hatte, wurde in einem Haufen alte! Sachen aufgefunden. Es war dies ein dolch­artiges Messer, aber nicht dasselbe, welcher man zuerst vermutete. Die Handschrift der Briefes wurde von den Eltern des Mörders anerkannt.

Dergmannslos.

Nach einer Meldung derMontagspost'- wurden auf der Zeche Braffert in Marl bei Gelsenkirchen vier Bergleute von einbrechemen Gesteinsmassen verschüttet. Nur einer konnte lebend geborgen werden, während die drei an­deren nur als Leichen unter dem Gestein vorge zogen werden konnten.

Rückgang des Hochwassers.

Wittenberg, 27. Juni. Seit heute mittag das Steigen der Elbe zum Sttllstand gekommen- Aus Magdeburg wird ein Fallen des Wassers um 2 cm in der Stunde gemeldet.

1000 Tote bei einer Ueberschwemmungs- kalasirophe in Mexiko? ,

Paris, 26. Juni. Wie der PariserTimes aus Mexiko gemeldet wird, sollen bei der rtevel' slukung der Stadt Leon in der Provinz Guam-' jualo 1000 Personen ums Leben gekommen sein. Ein Viertel der Bevölkerung ist obdachlos- Der Schaden wird aus 4 Millionen Pesos ge' schätzt.

Paris. 27. Juni. Nach einer Meldung aus Villa de Leon wurden bis jetzt 387 Leiche" in den überschwemmten Stadtteilen geborgen-

Erdbeben in Aegypten.

Kairo, 27. Juni. Gestern abend erfolgte ein Erdbeben, das drei Minuten dauerte. Schaden wu- nicht angerichtet, doch bemächtigte sich der Bevölkern » aroße Furcht und sie stürzte aus ihren Häusern. Beben wurde im ganzen Nildelta verspürt. .

London, 27. Juni. Das gestern abend Karro gemeldete Erdbeben hat, soweit bisher betoj ' keine Verluste an Menschenleben zur Folge ' In Alexandrien zeigen mehrere große Gebäude trächtl-che Nisse. In Port Said rief daS Beben gl " Bestürzung besonders unter den Eingeborenen 0""°- welche aus den Häusern auf die Straßen Da? Beben wurde auch aus verschiedenen Inseln , Mittelnieere« verspürt und in mehreren Dörfern , bet Insel RhoduS beträchtlicher Schaden angen«,' Der Leuchtturm auf der Sübspitze der Insel stürzte