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201. Jahrgang.

SanauerV Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanarr Stadt und Land.

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Nr. 142

Montag den 21. Juni

1926

Dev Volksentscheid.

von 35,5 Millionen Wahlberechtigten stimmen 14,5 Millionen mit La

Der Volksentscheid liegt hinter uns. Rund 15 Millionen haben sich für den kommunistisch- sozialistischen Enteignungsantrag ausgespro- tzen. Diese Zahl bleibt um rund 5 Millionen zurück hinter der Mehrheit aller Stimmberech- - tigten, die nach Artikel 76 der Verfassung im Falle einer Verfassungsänderung vorge- schrieben ist. Der Enteignungsantrag ist also gefallen und an der Regierung, bezw. am Reichstag liegt es nun, dem Entschädigungs- ; probiern die Lösung zu geben, die auch die ganz i gewiß große Zahl der für den Volksentscheid abgegebenen Stimmen mit in Berücksichtigung zieht. Diese Lösung muß recht bald erfolgen. Nur auf diese Weise wird man ' die schwere Krise, die durch den Kampf um bm Volksentscheid heraufbeschworen wurde, überwinden und unser Volk vor Unruhen be­wahren können. Wir hoffen, daß der Reichstag sofort an die Regelung der Entschädigungsfrage herangeht, um der Linken den Boden für ehre Reichstagsauflösungspropaganda zu ent­ziehen. Es ist bekannt, daß die Linksparteien in der Hoffnung leben, bei einer Reichstagsneu­wahl, die unter der ParoleGegen die Fürsten" stattfinden würde, dieselben Massen unter ihren Fahnen zu sammeln, die beim PviftmNfchcid für sie n^^»«K(l^M<Mfo^^^^ Sb ist es Pflicht der Regierung und des ichstages, den Entschädigungsentwurf so rasch wie möglich zu verabschieden.

Das Ergebnis in den Wahlkreisen.

1. Wahlkreis: Ostpreußen.

263 902 Ja, 9778 Nein, 156 078 Volksbegehren, 1302 257 Stimmberechtigte, 20,28 Prozent m t Ja gestimmt.

2. Wahlkreis: Berlin.

942 654 Ja, 31077 Nein, 864 362 Volksentscheid, M Ml Wahlberechtigte.

3. Wahlkreis: Potsdam II.

589 715 Ja, 21787 Nein, 514 067 Volksentscheid, 1082 544 Stimmberechtigte, 45,5 Prozent mit Ja gestimmt.

4. Wahlkreis: Potsdam L

565 865 Ja, 22 013 Nein, 479 491 Volksentscheid, 1175 429 Stimmberechtigte.

5. Wahlkreis: Frankfurt a. O.

297 340 Ja, 13 403 Nein, 244 600 Volksentscheid, 1101 293 Stimmberechtigte, 28,6 Prozent mit Ja gestimmt,

6. Wahlkreis: Pommern.

, 269 454 Ja, 11398 Nein, 204 715 Volksbegehren, 1142 650 Stimmberechtigte, 20,28 mit Ja gestimmt.

7. Wahlkreis: Breslau.

. 383100 Ja, 24 900 Nein, 383 561 Volksbegehren, 1197 512 Stimmberechtigte.

8. Wahlkreis: Liegnitz.

263 093 Ja, 13 377 Nein, 267 415 Volksbegehren, 76 848 Stimmberechtigte, 34,5 Prozent mit Ja ge- stimmt.

9. Wahlkreis: Oppeln.

193 933 Ja, 22 975 Nein, 153 038 Volksbegehren, 94 695 Stimmberechtigte.

10. Wahlkreis: Magdeburg.

453 800 Ja, 16 754 Nein, 377 452 Volksbegehren, 058 947 Stimmberechtigte.

11. Wahlkreis: Merseburg.

. 029 Ja, 12 815 Nein, 307 266 Volksbegehren,

Stimmberechtigte.

«ne 121 Wahlkreis: Thüringen.

080 806 Ja, 24 833 Nein, 561 530 Volksbegehren, W1438 Stimmberechtigte.

Wahlkreis: Schleswig-Holstein.

I nns 3°' 13 630 Nein, 296 073 Volksbegehren, stimmt ^'mmberechtigte. 35 Prozent mit Ja

5,. 14. Wahlkreis: Weser Ems.

~ 3°' 10 864 Nein, 201228 Volksbegehren, Stimmberechtigte.

i«n 151 Wahlkreis: Ost-Hannover.

a,.46^ 3a, 9519 Nein, 152 647 Volksbegehren, 4074 Stimmberechtigte.

5in ^"^reis: SüdhannoverBraunschweig.

1077 Rao 25 747 Nein, 441 067 Volksbegehren, Stimmberechtigte.

447 17- Wahlkreis: Westfalen-Nord.

1334 ^8 3a- 17 627 Nein, 358 081 Volksbegehren, Stimmberechtigte.

Das amtliche Ergebnis.

Berlin» 21. Juni. Vorläufiges amtliches Gesamtergebnis. Bei einer Gesamtzahl Ser Stimmberechtigten von 39 687 848 wurden insgesamt 15 584 821 Stimmen abgegeben. Davon waren 559 370 ungültig und 15 025 451 gültig. Mit Ja stimmten 14 440 779 und mit Stein 584 672. Aus dem vorläufigen amtlichen Gesamtergebnis ergibt sich» Satz beim Volksentscheid 33,3 Prozent Stimmberechtigte mit Ja gestimmt haben.

Für das Volksbegehren hatten sich eingetragen: 12 523939 Personen. Für die sozialistischen Parteien (S. P. D., U. S. P. und K. P.D.) wurden bei der letzten Reichs­lagswahl abgegeben: 10 688 969 Stimmen.

18. Wahlkreis: Westfalen- Süd.

727 479 Ja, 23 259 Nein, 584 267 Volksbegehren, 1640 048 Simmberechtigte.

19. Wahlkreis: Hessen-Nassau.

635 385 Ja, 24 305 Nein, 538 098 Volksbegehren, 1571165 Stimmberechtigte.

957 Stimmberechtigte.

berechtigte.

466172 1352 900 Stimmberechtigte,

21. Wahlkreis: Koblenz-Trier.

134 994 Ja, 7137 Nein, 118 723 Volksbegehren, 749 247 Stimmberechtigte, 17,8 Prozent mit Ja ge­stimmt.

22. Wahlkreis: Düsseldorf-Ost.

584 472 Ja, 18 426 Nein, 530 536 Volksbegehren, 1370 820 Stimmberechtigte.

23. Wahlkreis: Düsseldorf-West.

359 839 Ja, 12 626 Nein, 259 427 Volksbegehren, 1 054 953 Stimmberechtigte.

24. Wahlkreis: Oberbayern-Schwaben.

320 163 Ja, 10 918 Nein, 209 071 Volksbegehren, 1548 527 Stimmberechtigte.

25. Wahlkreis: Niederbayern-Oberpfalz.

97 581 Ja, 3914 Nein, 61822 Volksbegehren, 783 207 Stimmberechtigte.

26. Wahlkreis: Franken.

413 938 Ja, 14 431 Nein, 321 760 Volksbegehren, 1563 624 Stimmberechtigte.

27. Wahlbezirk: Pfalz.

185104 Ja, 6412 Nein, 159 081 Volksbegehren, 565 000 Stimmberechtigte.

28. Wahlbezirk: Dresden-Bautzen.

551532 Ja, 25 554 Nein, 545 873 Volksbegehren, 1229105 Stimmberechtigte.

29. Wahlbezirk Leipzig.

454 099 Ja, 21546 Nein, 418 047 Volksbegehren, 863 808 Stimmberechtigte.

30. Wahlbezirk Lhemnih-Zwickau.

540 943 Ja, 22 781 Nein, 577155 Volksbegehren, 1190 820 Stimmberechtigte.

31. Wahlkreis Würklemberg.

563 863 Ja, 19178 Nein, 478 034 Volksbegehren, 1 631808 Stimmberechtigte.

32. Wahlkreis: Baden.

548 203 Ja, 23 758 Nein, 500 238 Volksbegehren, 1 442 607 Stimmberechtigte.

33. Wahlkreis: Heffen-Oarmstadk.

348 335 Ja, 15 572 Nein, 325 609 Volksbegehren, 867 526 Stimmberechtigte.

34. Wahlkreis: Hamburg.

449168 Ja, 18 099 Nein, 395 836 Volksbegehren, 834 702 Stimmberechtigte.

35. Wahlkreis, Mecklenburg.

150 282 Ja, 5124 Nein, 161160 Volksbegehren, 573 431 Stimmberechtigte.

Einzelergebnisse.

Frankfurt a. M. Das entgültige Eraebnis lautet: Abgegeben wurden Stimmen mit Ja. 177 3o9 Nein: 6778, ungültige Stimmen 5893 Bei einer Zahl von 342764 Stimmberechtigten (34o271 Ur- Stimmberechtigten plus 2489 in Frankfurt abgegebener auswärtiger Stimmscheine minus 4996 von Frankfurt für auswärtige Stimmabgabe erteilter Stimmscheine) betrug demnach die Stimmbeteiligung im Stadtkreis

Frankfurt 55,8 Prozent.

Für den Volksentscheid stimmt-n also 52 Prozent.

Für das Volksbegetren hatten sich 141428 (rund 41 Prozent) der Stimmberechtigten ausgesprochen.

Cassel-Stadt: 52 094 Ja, 119 990 Stimmbe. rechtigte.

Fulda: 5851 Ja, 15800 Stimmberechtigte.

Gelnhausen-Stadt r 1156 Ja, 3208 Stimm­berechtigte.

Gelnhausen-Land: 14948 Ja, 31800 Stimm­

Gietzen-Stadt r 6660 Ja, 11480 Stimmbe rechtigte.

Eictzen-Kreis : 21241 Ja, 64019 Stimmbe­rechtigte.

Offenbach-Stadt: 33912 Ja, 53320 Stimm­berechtigte.

Lffenbach-Landkreis: 40663 Ja, 60627Stimm-

berechtigte.

Mainz-Stadt : 36239 Ja, rechtigte.

Marburg-Kreis: 4237 Ja, rechtigte.

Marburg-Stadt: 2133 Ja,

76005

Stimmbe-

22944

Stimmbe-

Stimmbe-

15981

rechtigte.

Büdingen-Kreis: 7456 Ja, 27390 Stimm­berechtigte.

Dietesheim: 1432 Ja, 1722 Stimmberechtigte

Mühlheim a. M.: 3425 Ja, 4218 Stimm­berechtigte.

Neu-Asenburg: 5137 Ja, 82C0 Stimmberechtigte

Wiesvaden-Stadt: 27167. Ja, 76790 Stimm­berechtigte.

Wiesbaden-Land : 20972 Ja, 45160 Stimm­berechtigte.

Bad Homburg: 4199 Ja, 11833 Wahlberechtigte.

Aschaffenburg-Stadt : 7401 Ja, 21681 Stimm­berechtigt.

Aschaffenburg-Land : 9382 Ja, rund 20000 Stimmberechtigte.

Grotz-Steinheim: 1242 Ja, 124 Nein und leere Zettel, 1864 Stimmberechtigte. Beim Volks­

Ja, 117 Nein und

begehren hatten sich 1204 eingetragen. _ ,

Klcin-Steiuhcim. 1502 Ja, leere Zettel, 2093 Stimmberechtigte. Beim Volks­

begehren hatten sich 1470 eingetragen:.

Der Verlauf des Abfiimmungslages.

Berlin, 20. Juni. Nach den bisher vorlie­genden Meldungen ist die Wahlhandlung im ganzen Reiche ohne ernste Zwischen- fälle verlaufen. Die Wahlbeteiligung schwankt sehr stark. Während aus einzelnen Stadtvier­teln eine Wahlbeteiligung von nur 15 Prozent gemeldet wird, liegen aus Jndustriebezirken und aus den hauptsächlich von der Arbeiter­schaft bewohnten Stadtvierteln Meldungen über eine Wahlbeteiligung von bis zu 70 Pro­zent und darüber hinaus vor, obwohl z. B. aus den Jndustriebezirken Essen und verschie­denen oberschlesischen Städten allerdings von 1 Uhr nachmittags Meldungen von einer geringen Wahlbeteiligung ca. 25 Pro­zent vor. Der ganze Abstimmungstag war gekennzeichnet durch eine allein um den repu­blikanischen Parteien betriebene Propaganda, während die Rechtsparteien am heutigen Ab­stimmungstage fast auf jede Propaganda, ver­zichteten. In Berlin selbst ist die Abstimmung ohne jede Ruhestörung verlaufen. Dagegen werden aus Magdeburg und Halle Zusammen­stößezwischen Stahlhelmleuten und Anhängern des Roten Frontkämpferbundes gemeldet.' In Halle selbst verlief die Abstimmung zwar ruhig, aber m Ammendorf bei Halle wurden bei einem Zusammenstoß 7 Stahlhelmleute, darunter zwei schwer, verletzt. Die Kommunisten hatten

drei Verletzte. In Magdeburg wurden drei Stahlhelmleute von Kommunisten schwer ver­letzt und mußten nach dem Krankenhaus ge­schafft werden. In beiden Fällen konnte die Polizei durch rasches Eingreifen weitere Zu­

um

sammenstöße vermeiden. Auch in Görlitz kam es zu einer Schlägerei zwischen Stahlhelmleuten id Anhängern des Roten Frontkämpferbun­des, die aber keine ernstere Folgen hatte. Die Quartiere beider Parteien wurden von der

Polizei nach Waffen durchsucht, die Unter­suchung hatte aber ein negatives Ergebnis.

Karlsruhe. 20. Juni. Bei aller Schärfe des Kampfes um den Volksentscheid ist der heutige Abstimmungstag der badischen Landeshaupt­stadt ohne den geringsten Zwischenfall verlau­fen. Das Straßenbild zeigte den gewöhnlichen Anblick des Sommertages, wie er sich heut seit langer Zeit wieder eingestellt hat. Von Pro- pagandafahrten war fast nichts zu sehen. Die Stimmbeteiligung beträgt schätzungsweise 40 Prozent.

Breslau, 20. Juni. Der Abstimmungstag ist in Breslau, abgesehen von Schlägereien zwi­schen Stahlhelmleuten und Kommunisten in Carlowitz, einem Vorort von Breslau, ruhig verlaufen, Herbeigerufene Reichsbannerleufe

mt. In den Nachmittagsstunoen kam es vor er Oberealschule auf dem Lehmdamm zu Schlägereien, wobei ein Arbeiter so schwer verletzt wurde, daß er in das Krankenhaus ge­bracht werden mußte. Die Beteiligung in dem Jndustriebezirk war ziemlich stark, im Innern der Stadt und in den Villenvierteln ziemlich gering.

Eine -eutschnalionale Anfrage wegen -er Haussuchungen.

Berlin, 19. Juni. Der deutschnationale Ilbg. Brunk hat im Preußischen Landtage eine um- fangreiche Anfrage eingebracht, die sich auf einen Artikel in derDeutschen Bergwerkszei- tung" vom 17. Juni 1926 bezieht, worin auf die Haussuchungen bei Industriellen Bezug ge­nommen wird. Es wird u. a. gefragt, ob es richtig fei, daß der Staatssekretär Dr. Meister als eigentlicher Vertreter des beurlaubten Innenministers sich geweigert habe, die Haus­suchungen anzuordnen und daß statt dessen Ministerpräsident Braun persönlich das Vor­gehen der Polizei veranlaßt hätte, ob das Staatsministerium gewillt sei, zu untersuchen, welche Verstöße der preußische Ministerpräsi­dent mit dieser Handlungsweise begangen habe. Schließlich wird darauf verwiesen, daß Polizei- beamte die Durchsicht der beschlagnahmten Pa­piere selbst vorgenommen hätten, daß ein Poli­zeipräsident sogar ein beschlagnahmtes Schrift­stück zur Verwendung vervielfältigen ließ, und daß in diesem Vorgehen ein schwerer Verstoß liege, weil nach der Strafprozeßordnung die Durchsicht beschlagnahmter Papiere nur dem Richter zusteht. Das Staatsministerium soll sich auch hier äußern, welche Schritte es gegen die Schuldigen unternommen hat bezw. zu unter­nehmen gedenkt.

Die deutschen Reparationszahlungen.

Berlin, 21. Juni. Der Bericht des General­agenten für Reparationszahlungen über die ersten neun Monate des zweiten Reparations­jahres stellt fest, daß Deutschland die von ihm verlangten Zahlungen regelmäßig und pünkt­lich geleistet hat. Von der zweiten Annuität von 1220 Million Goldmark wurden 821,4 Mil­lionen Zahlung geleistet. Auf Frankreich ent­fallen davon 461,7 Millionen, auf England 166,3 Millionen, auf Italien 65 Millionen und auf Belgien 98,5 Millionen. Der Generalagent stellt fest, daß in Deutschland die Stabilität der Währung voll aufrecht erhalten wurde, daß aber der deutsche Anleihemarkt noch nicht in der Lage sei, die deutschen Bedürfnisse zu befrie­digen. Schließlich wird erklärt, daß seit Februar eine allgemeine Besserung zu verzeichnen fei, von der man aber nicht sagen könne, ob sie an­halten werde.