Endlich âlaeveiimrd Wahrheit über die MavnrLchlacht 4944.
Bon Oberst Immanuel.
Soviel auch von Freundes- und Feindes- leits seit Kriegsende über die Marneschlacht geschrieben worden ist — es sind in der Tat Hunderte von Bänden in den verschiedenen Sprachen —, so wenig konnte bisher eine wirklich klare und wahre 'Borstellung der verhängnisvollen, geradezu tragischen Ereignisse anerkannt werden. Die englischen und französischen Schilderungen, unter denen es immerhin einige brauchbare und sachliche Werke gibt, sind mehr oder weniger einseitig eingestellt und klingen fast durchweg dahin aus, daß das „Marnewunder" den Ruf der deutschen Unbesiegbarkeit gebrochen und die Grundlage des âdsieges des Feindbundes geschaffen hat. Auf deutscher Seite sind leider mehrere gehässige Schmähschriften ans Tageslicht gekommen, leren parteipolitischer Zweck es ist das alte Heer unter der alten Führung herabzusetzen und zu verunglimpfen, gewiß kein schönes Bild in unserem Unglück, das auch die Gegenparteien mit Fassung, Zurückhaltung, Würde tragen sollten. Andererseits liegen viele deutsche Rechtfertigungsschriften, meistens in Gestalt Don „Memoiren^ vor, die, so nützlich sie auch find, doch nur einseitige Auffassungen zu vertreten vermögen. Eine Fülle von Rätseln und bimsten Fragen drängte sich über die Anlage der Schlacht auf deutscher Seite, über den mangelnden Einfluß der deutschen Obersten Heeresleitung auf den Gang der Schlacht, über die so heiß umstrittene „Sendung des Oberst- dutnants Hentsch" von der Heeresleitung zu den Armeeoberkommandos, über den unglück- Uchen Rückzugsentschluß der 2. Armee Bülow, über die Art und Ausdehnung der Rückwärtsbewegung auf.
Unter diesen Gesichtspunkten wurde das amtliche deutsche Geschichtswerk über die Marneschlacht 1914 mit berechtigter Spannung erwartet. Jetzt liegt es in den Bänden 3 und 4 des großen Werkes „Der Weltkrieg 1914 bis 1918", bearbeitet im Reichsarchiv, vor. Was die beiden ersten Bände geboten und für die Fortführung des Werkes versprochen haben, ist voll und ganz gemalten worden: eine Aare Darstellung, die, ohne sich in Nebensachen zu verlieren, die großen Vorgänge nach Ursache, Verlust, Folge an der Hand der Urkunden darlegt, zugleich aber auch eine
wahre Beleuchtung bringt, deren Aufgabe die rüMchtslose Unparteilichkeit ist. Die beiden
Bände lel
Men sich, auch für den Nichtberufs- Dagegen gelang der Durchstoß der 6. und 7. zu. Die 3. Armee Sarrail sollte in n L. verfftÄMick. ss spannend. dâH die Armee über die Meurthe und Mosel vorerst En MchtM MßMWH°E WM
Bearbeiter ihre nicht leichte Pflicht trefflich
gelüst haben. Der Verlag (E. S. Mittler u. Unter dem Eindruck der (mit Ausnahme Sohn, Berlin) hat das Werk in bewährter > bei der 6. und 7. Armee) überall siegreich fort-
Mittwoch den 9. Juni
Weise mit vorzüglichen Karten und in gediegener Ausstattung, einfach und würdig, herausgebracht.
Der Band 3 behandelt den Zeitabschnitt „Von der Sombre zur Marne", der Band 4 die Schlacht selbst. Man wird der Schrift- leitung die Berechtigung zuerkennen, daß sie zwei umfangreiche, kostbare Bände den Ereignissen zugewiesen hat, welche das Ringen an der Marne betreffen. Die Vorgänge, getragen von dramatischer Spannung und erfüllt von erschütternder Tragik, sind von einschneidender, in gewissem Sinne von entscheidender Bedeutung für den Gesamtverlauf und den Ausgang des Weltkrieges geworden. Durch die Marneschlacht wurden wir in die Abwehr gedrängt. Das war dem deutschen Heere auf Grund aller seiner Ueberlieferungen und Erziehungsgrundsätze so ungewohnt, daß unsere beste Kraft gelähmt war, daß wir nicht mehr Hammer, sondern Amboß wurden. Das ist unser Unglück gewesen. Das deutsche Volk von heute hat ober einen Anspruch darauf, die inneren Zusammenhänge und die tieferen Ursachen der für unser Paterland so schicksalsvollen Schlachtenentscheidung kennen zu lernen. Diesen Wunsch haben die Bearbeiter erfüllt.
Grundlegend für den Kampf an der Marne war der Befehl der deutschen Heeresleitung vom 27. August abends, hervorgegangen aus den siegreichen Eingangsschlachten im Westen, aus der Eroberung von Lüttich und Namur, aus dem Siege von Tannenberg, aus den Erfolgen des K. u. K. Heeres in Südostpolen und Ostgalizien. So gipfelten denn die Anordnungen vom 27. August für die Westfront in dem Satze: „Seine Majestät befehlen den Vormarsch des deutschen Heeres in Richtung auf Paris." Hierzu sollte die 1. Armee gegen die untere Seine westlich der Oise, die 2. auf Paris, die 3., 4., 5. über die Marne, die 6. und 7. über die Mosel oberhalb Toul vorgehen, somit allgemeine Verfolgung mit dem Versuch den Feind nirgends mehr zum Halten kommen zu lassen. Hieraus entwickelten sich-die siegreichen Schlachten der 1. und 2. Armee im Raum von St. Quentin, der 3., 4. und 5. Armee an der Maas, an der Aisne, in den Argonnen, um Verdun, die Einschließung von Maubeuge, die
Einrichtung der deutschen Macht in Belgien.
nicht.
schreitenden Verfolgung drang am 2. September bei der deutschen Obersten Heeresleitung die Absicht durch, die Masse des französischen Heeres von Paris nach Südosten abzudrängen, wodurch sie der 6. und 7. Armee in die Hände getrieben worden wäre, falls der Uebergang dieses deutschen Flügels über die obere Mosel gelang- Ungeheuer verantwortungsschwer war der Entschluß vom 2. September: „Da hierbei auf tätige Anteilnahme der mit dem Schutz der rechten Heeresflanke betreuten 1. Armee verzichtet werden sollte, war der Verlauf der Verfolgung der 2. Armee für das Gelingen des Planes von höchster Bedeutung. Daneben fiel aber ebenso schwer die Frage ins Gewicht, ob der Druck der deutschen Mitte und des linken Flügels stark genug sein würde, die Franzosen auf der ganzen übrigen Front so zu fesseln, daß ihnen die Möglichkeit genommen wurde, durch Truppenverschiebungen großen Stils ihrem weichenden Westflügel nun Halt zu geben oder gar zu einem umfassenden Gegenangriff zu schreiten."
Hierin liegt im Grunde genommen, schon das Geheimnis, warum die Marneschlacht kein deutscher Sieg werden konnte, sondern trotz aller tapferen Einzelleistungen doch einen unglücklichen Ausgang genommen hat. Die Gründe waren: die Schwäche des deutschen rechten Flügels, die große Geländevorteile der Franzosen in der Mitte, die Unmöglichkeit für die Deutschen, auf ihrem linken Flügel die uneinnehmbare Moselfront zu bewältigen. Die Franzosen unter Joffre hatten unsere nachteilige Lage mit Geschick ausgenutzt und, allerdings durch Zahlenmehrheit und durch ihre ausgeruhten Truppen unterstützt den Stoß gegen unsere Westflanke geführt. So hervorragend die 1. Armee Klucks focht, der sich hier als Heerführer auf der Höhe gezeigt hat, so wenig waren wir imstande, den Gegenangriff der Franzosen und Engländer gegen die Lücke zwischen der 1. und 2. Armee abzuwehren — hierzu fehlte das, was die Hauptsache der Entscheidung stets ist, die große Schlächtenreserve.
Die endgültige Entscheidung, zugleich die Quelle unseres Unglücks ergab der allbekannte deutsche Hauptbefehl vom 4. September, abends. Er ordnete den allgemeinen Angriff an. „An dem Wortlaut fällt auf", sagt das neue Werk, „daß die 1. Armee zwischen Oise und Marne (also nördlich der Marne) verbleiben sollte. Tatsächlich befand sich, wie der Obersten Heeresleitung bekannt war, bereits mit dem größten Teil ihrer Kräfte südlich der Marne."
General Joffre rang sich gleichzeitig zum Angriffsentschluß durch: doppelte Umfassung der Deutschen von der Maas und von Paris her. Der 4. Armee (Langle de Cary) und der Armee-abteilung Foch fiel die frontale Abwehr zu. Die 3. Armee Sarrail sollte in nordwest
gehenden Deutschen, die 5. Armee Franchet d'Cspera-y, die Engländer, die 6. Armee Mau-
noury den deutschen Westflügel umfassend, an-
________________________ Nr. 132 greifen. „Hiermit riß Joffre die Jnitiâti^7. sich", sagt das Werk — leider mit Recht
Die sehr ausführliche Schlachtenschjch»^ liest sich wie ein gewaltiges Drama. Alle J schlüsse auf beiden Seiten sind guellenmüL belegt. Wir sehen den verfrühten, nicht mit J nügènden Kräften unternommenen Stoß Armee Maunoury aus Paris gegen schwache, ganz umzingelte 4. Reservekens- Gronau nördlich ber Marne, hieraus den schloß Klucks. seine ganze Armee über k Marne zurückzusühren und Maunoury, wie geschah, zu werfen. In der klaffenden W zwischen der 1. und 2. Armee leistete deutsche Reiterei unter Marwitz und Ricks, hofen heldenhaften Widerstand, bis sie M tagelangem Kampf vor den Engländern uni dem linken Flügel der französischen 5. Arm« hinter die Marne weichen mußte. Jnzwiâ^ rangen die 2. und 3. Armee in langsamem siegreichen Vorgehen, während die 4. mit gyM Geländeschwierigkeiten vorteilhaft sümpfte die 5. in den Argonnen sich wacker festbiß, 6. und 7. noch vor der Moselfront standen. fiel die Entscheidung bei der 2. Armee: LiUm entschloß sich im Einverständnis mit j(m Oberstleutnant Hentsch, dem Abgesandten k Obersten Heeresleitung, die 2. Armee jurüft zunehmen, da er ihre Westflanke nicht mehr für haltbar hielt. Hiermit war die Nomendig- keit des allgemeinen Abbrechens der Schlch und des Rückzuges gegeben.
Als die entscheidenden Gründe bes -iw glücklichen Ausganges führt das Werk an: & Häufung zu starker deutscher Kräfte (6. und 7, Armee) in Lothringen, wo sie brach "lagen; notwendige Bindung von etwa drei Korps a Belgien (2 vor Antwerpen, 1 vor Maubeugch, Abgabe zweier Korps nach Ostpreußen: Fehler einer gemeinsamen Leitung auf dem EntM dungsflügel, also am Westflügel, zu schach Schwenkung der Deutschen an Paris vorbei nach Südosten, also Preisgabe der Westflanke; Mangel an einer großen allgemeinen Reserve hinter dem Westflügel; zu weite Entfernung der Heeresleitung (Luxemburg) vom Entschet dungspunkt; übertriebene Besorgnis des Generals v. Bülow, bestärkt durch Oberstleutnant Hentsch, um die Gefahr eines Durchbruches bes Gegners in der Lücke zwischen der 1. und 2. Armee; Versagen des erkrankten Generalobcht von Moltke als Generalstabschef: „der unter blutigen Opfern erstrittene Sieg der deutschen Truppen konnte nicht behauptet werden, di der Wille des Feldherrn gebrochen war." Dem
deutschen Heere selbst zollt das Werk höchst Anerkennung: „Das Schicksal der Armee dm 1914, der unter so erschütternden Umftünda der heiß erkämpfte Sieg gerade in dem Augenblicke, in dem sie ihn sicher in der Hand zu haben wähnte, wieder entrissen wurde, und -„.. der selbst der Feind hohe JBewunderMäHi
Mit Ergriffenheit legen wir das der Hand . .
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Ganz besonders danken wir Herrn Kreispfarrer Bär für die trostreichen Worte am Grabe. Ebenso herzlichen Dank für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden.
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