201. Jahrgang.
anauer 8 Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sladl und Land.
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§èr. 130 Montag den 7. Juni 1926
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Probleme der ReiOsp-Mir
Eine Rede des Reichsinnenministers Külz.
Schwerin, 6. Juni. In einer öffentlichen Versammlung sprach gestern abend Reichs- iMenminifter Dr. Külz ausführlich und programmatisch über die Aufgaben der Reichs- pofitif. Jede deutsche Politik, erklärte Dr. Wz, werde noch auf lange Zeit hinaus sich salzende Ziele zu setzen haben:
Festigung des Staatsgefüges, Wiederein- Mrung Deutschlands als gleichberechtigten Faktor in die Wächkekonstellalion der Welt, Niedereinordnung der deutschen Wirtschaft in -je Weltwirtschaft, Neuordnung und Festigung -er eigenen Staats- und Volkswirtschaft und Förderung der deutschen Kultur.
Das Staatsgefüge der deutschen Republik fei ernstlich nicht gefährdet. Die wesentliche Frage sei nicht „Republik oder Monarchie", sondern die nach dem staatspolitischen Jrchalt der Republik. Die Republik habe keinen An-
laß nervös zu werden bei irgendwelchen unmöglichen Angriffsplänen gegen die Staatsordnung. Zur Außenpolitik erklärte der Mi- nrfter. Wenn Genf für Deutschland auch einen starken moralischen Erfolg bedeute, so muß doch die Politik über den moralischen Erfolg hinweg zu greifbaren praktischen Ergebnissen gelangen. Die Studienkommission für die Zusammensetzung des Völkerbundsrats, die vor
eines entsprechenden Gesetzes sein müsse. Die Behandlung der jetzt wieder ausgerollten Flaggenfrage müsse in einer Form geschehen, die getragen sei von gegenseitiger Achtung der beiden mit einander ringenden Stömungen und von dem ernsthaften Willen, diese unheilvolle symbolische Zerklüftung des deutschen Volkes durch ein Einheitssymbol aus der Welt xu schaffen.
Die Zusammenfassung aller auf Aufbau und Ausbau des deutschen Staates, der deutschen Wirtschaft und der deutschen Kultur gerichteten Kräfte werde nur möglich sein, wenn im Reichst^ und in einzelstaatlichen Parlamenten die Parteien sich zu sicheren Mehrheitsbildungen zusammenfänden, die eine ruhige und stetige Arbeit zum Wohle für Volk und Vaterland ermöglichten.
Bedenken gegen Dorpmüller.
Das Reichskabinett zur Wahl Dorpmüllers.
Die Wahl wird durch den Reichspräsidenten auf Gegenzeichnung des Kanzlers bestätigt. Der Kanzler aber wird sich wieder Rückendeckung beim Kabinett holen, und es scheint keineswegs sicher, ob das Kabinett bereit ist, dem Kanzler die Gegenzeichnung vorzuschlagen weil es nicht gefragt worden ist. Bisher lag lediglich eine vertrauliche Unterrichtung des Verkehrsministers vor, die aber zu einer früheren Zeit vorgenommen worden ist. Das Kabinett steht auf dem StarÄ-punkt, daß für die Persönlichkeit des Präsidenten der Reichsbahn nicht lediglich die technischen Eigenschaften ausschlaggebend sein dürfen, daß dafür vielmehr noch andere Qualitäten in Frage kommen, auch nach der Richtung der Menschenbehandlung, vornehmlich aber dahin, daß der Charakter 6er deutschen Reichsbahn unter allen Umständen sichergestellt sein muß. Herr Dr. Dorpmüller hat, als er zum stellvertretenden Generaldirektor gewählt wurde, gewußt, daß damit die Nachfolge Oesers in keiner Weise präjudiziert werden sollte. Immerhin darf man ie Hoffnung aussprecken, daß der Zwischenfallfall erledigt wird ohne peinliche Folgen für die Reichsbahn und die innere Politik.
Der Dolkseulfcheid in Schaumbura-
Lippe.
Gegen den Anschluß von Schaumburg-Sippe an Preußen.
Bückeburg, 7. Juni 1926. Es wurden abgegeben 9858 Stimmen für den Anschluß an Preußen und 11288 Stimmen gegen den Anschluß an Preußen. 132 Stimmen find ungültig. Die Abstimmung ist damit negativ ausgefallen.
EUerntzeiraksWLhIsu i« Grvtz-BerUK.
éWf 6. Juni. Unter großer Beteiligung aus allen Lagern babsn am heutigen Sonntag die Wahlen zu den Elternbeiräten ftattgefunben. Bis 10 Uhr abends lagen aus 329 von insgesamt 551 konfessionellen Schulen folgende Ergebnisse vor: Cdristlich-unpolitiiche Liste: 2822 Sitze, sozialistische Liste, Schulaufbau, 466. kommunistische Liste, Kind in Rot, 133, dazu kommen noch etwa 350 weltliche Sitze an den weltlichen Schulen, iodaß also den 2822 Sitzen der christlich-Unpolitischen insgesamt 949 Sitze der Weltlichen gegenüberstehen. Die Wahlbeteiligung wird auf 55 °|0 geschätzt.
weiteren unwesentlichen Vernehmungen vertagte sich der Anrlchuß.
Gegen den Volksentscheid.
Ein Erlaß des Bischofs von Würzdnrg.
Der Bischof von Würzburg, Dr. Matthias, hat verfügt, daß im Anschluß an die Verlesung einer oberhirtlichen Erklärung der deutschen Bischöfe an die • deutschen Katholiken am Sonntag den 6. Juni oder ■ an einem andern Sonntag auch ein Erlaß des Bischofs , von Würzburg zur Kenntnis gebracht werden soll, . worin er u. a. heißt:
Am 20. Juni soll durch einen Volksentscheid zum , Gesetzentwurf über die Fürstenabfindung Stellung ’ genommen werden. Wer dabei mit Ja stimmt, erklärt bamit, daß er für eine Enteignung bei Vermögens der 1 ehemals regierenden Fürsten ohne jede Entschädigung ' eintritt. Er handelt sich dabei nicht um das Staats» ’ eigentum, worüber diese Fürsten früher als Regenten . zum Teil zu verfügen hatten, das naturgemäß dem . Staat wieder zugefallen ist, sondern um deren Privatbesitz, soweit dieser rechtmäßig ererbt oder erworben ist. Damit ist die Frage der Fürstenenteignung nicht 1 mehr blos eine persönliche, sondern zugleich eine des ■ allgemeinen Rechts und der sittlichen Ordnung, die • nach den allgemein geltenden Grundsätzen des Christentums zu regeln ist Es ist Aufgabe der Kirche und 1 der Bischöfe, für diese ewigen Grundsätze ohne Ansehen der Person einzutreten. Das Gewissen fordert eine gerechte Lösung der Fürstenobsindung, freilich in An- 1 gleichung an die allgemeinen und schweren Verluste und Opfer des gesamten deutschen Volkes, wie dieses Gewissen auch den vollen Schutz und die gerechte und fachgemäße Auswertung des Besitzes und Vermögens der kleinen und geringen und der kirchlichen Geldanlagen gebietet Er ist daher nicht eine Maßnahme politischer Klugheit oder wirtschaftlicher Jntereflcn- oertretung, sondern eine ernste Äewlfsenspflicht für jeden Christen, am 30. Juni nicht durch Zustimmung zum Volksentscheid ba8 7. oder 10. Gebot Gotter zu verl-ugnen. Am besten wird er fein, sich ganz von der Abittnimung fernzuhalten. Die sämllichen deutschen .^tejjra^bs« Hsüe yne ober« brrtlrche Erklärung erlassen, die allen zur Beherzigung empfohlen wird.
Aufsehenerregende Mitteilungen Eckeners.
Jena, 5. Juni. Nach einer Besichtigung der bekannten Zeißrverke sprach gestern abend hier Dr. Eckener über die Zukunft der deutschen Luftschiffbaues. In Hinblick auf die nach den schwierigen pariser Verhandlungen erreichte Aufhebung der Eniente-Kontrollbestmunungen erklärte er, daß das neu entstandene Werk von Friedrichshafen mmmehr nicht unbedingt als Polarschfff Verwendung finden müsse, sondern unter Umständen sogar ständig in deutschem Besitz bleiben könne. Der ruhmreiche Führer des „Z R 3" machte die erfreuliche Mitteilung, daß das neue 100 000 Cbm-Schiff mit völlig neuen Motoren ausgeftatiet wirft, welche nicht mehr allein durch Benzin, sondern überwiegend mit einem neu entdeckten Gas betrieben werden, welches das spezifische Gewicht der Lust besitzt. Neben einer Abnahme der Brandgefahr ist dabei auch eine Verminderung des Gewichts feftzustellen, fodaß also bei gleichzeitig erhöhter Betriebssicherheit eine um etwa 20 Prozent höhere Leistungsfähigkeit erreicht wird. Der Aktionsradius des Luftschiffes wird durch den neuen Betriebsstoff auf ungefähr 10 000 Kilometer ausgedehnt werden.
Die Grotzdeulfchen zur Aufchlutzfrage.
Innsbruck, 6. Juni. Auf dem Großdeutschen Parteitage wies Parteiobmann Dr. Wotawa in einer
Berlin, 5. Juni. Zu den verschiedenen Pressemeldungen über die Wahl des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahngesellschaft erfahren wir, daß am Freitag den 4. Juni, abends, das folgende Schreiben des Staatssekretärs in der Reichskanzlei an den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft ergangen ist:
. Asts das an den Herrn Rsichsverkehrs- : von heute au; morgen
i. hi£r ottTO nnfnno Â>oit- wCytCWCU DOM 4- OS- VttS. teilC ?M GUHföaenÉs
bereitenden Kommissionen für die Abrüstungskonferenz sind als Etappen auf dem Wege zu .betrachten. Die zu erstreben«
II erreicht werden. Es gilt, hier eine völlige Neu- ordnung zu vollziehen und dabei Deutschland Mit seinen wirtschaftlichen Interessen ent- II sprechend einzuordnen.
Die innere Wirtschaft Deutschlands leide II boch stark unter der Erwerbslosigkeit. Man |l werbe sich leider mit dem Gedanken vertraut II Madien müssen, eine Zahl von etwa drei II Mertel Millionen Erwerbslosen für längere JI Seit zu ertragen. Diese Erkenntnis zwinge zu I ^er beschleunigten Regelung der Erwerbs- II wsenversicherung. Die gespannte Lage unserer • Wirtschaft zwinge aber des weiteren zur Ver- meWung allxr gefährlichen Experimente. Ein solches unverantwortliches Experiment würde U fein, wenn man jetzt erneut die Aufwer- II tagsfrage ins Rollen bringen würde. Man kann sehr wohl die Auffassung haben, daß die H gesetzliche Regelung der Aüfwertungsgesetze I Mönchen Wunsch offen lasse, aber eine Auf- 1 Wertung im Sinne der jetzt bestrebten Volks- ■ oegehren würde den Ruin der Privatwirtschaft W und der Staatswirtschaft bedeuten und damit M den von der Inflation betroffenen unglücklichen W nicht nur nichts nützen, sondern sie und I bas ganze Volk von neuem auf das schwerste m gefährden. Deutschland müsse nicht nur alles vermeiden, was eine abermalige Gefährdung ferner Währung herbeiführen könnte, sondern muß alles tun, was eine Festigung feiner «matswirtschaft herbeiführe. Die vor einigen Monaten beschlossenen Steuerermäßigungen Bedeuten für das Reich eine Mindereinnahme oon mehr als einer halben Milliarde. Dieses naturgemäß nur erträglich, wenn größte Sparsamkeit auf der anderen Seite obwalte.
Tendenz zur Sparsamkeit werde auch grundlegend sein müssen bei dem bevorstehen- Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern Gemeinden. Die organische Abgrenzung Lenzen sei ohne organische Abgrenzung I âfgaben nicht denkbar. Reich, Länder Gemeinden würden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, eine zeitlang nur die nötig- 2 und dringendsten Aufgaben in Angriff zu nn • derm nur so würden sie zu einer fi= 'MnxteQen Fundierung gelangen können. hij,u materiellen Sorgen der Gegenwart ursten den Blick nicht trüben vor den Kultur- uufgaben. Die deutsche Kultur sei das höchste M edelste Gut, was Gesamt-Deutschland be- ^.„Md sei das stärkste Bindemittel, was die :J Elchen im Reich und die Deutschen, die sonst Welt wohnten, zusammenhalte.
.großen gesetzgeberischen und verwal- Zi:âÄ?ksbeK Aufgaben, die für die nächste niomlr bevorständen, könnten befriedigend LvUsuiS gelöst werden, wenn nicht eine innere l£terun9 im Reichstag und in den ein« beünhr^ eintrete. Die jetzt in Gang fei eh, ue Bewegung auf Fürstenenteignung, sei«-»." '^ies inneres Unruhemoment, das «ab- ^uren Erscheinung zu entkleiden Auf- B Kes Rmchstaaes durch Verabfchieduna
mäß ergebenst mit, daß das Reichskabinett in seiner heutigen Sitzung von der durch den Verwaltungsrat vorgenommenen Wahl des neuen Generaldirektors Kenntnis genau. ,en hat. Die Reichsregierung, die nicht in die Lage versetzt worden ist, vor erfolgter Wahl zu den für die Nachfolge in Frage kommenden Persönlichkeiten irgendwie Stellung zu nehmen, muß sich ihre Entscheidung vorbehalten. Sie wird sich erst, nachdem der verstorbene Generaldirektor seine letzte Ruhe gefunden hat, mit der Angelegenheit beschäftigen, gez. K e m p n e r.
Der neue Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorpmüller.
Die Ernennung des neuen Generaldirektors der Reichsbahn hat in Berliner politischen Kreisen bis in die Regierung hinein sehr starkes Aufsehen erregt. Das ergibt sich ja auch aus der ungewöhnlichen Form, in der das Reichskabinett sich gegenüber dem Verwaltungsrat der Bahnen seine Stellungnahme vorbehalten hat. Man wirft dem Verwaltungsrat vor, daß er nicht einmal die Zeit abgewartet habe, bis 6er verstorbene Generaldirektor beerdigt fei. Das scheint unberechtigt. Der Verwaltungsrat war zufälligerweise gerade zu seiner üblichen Mo- natssitzung zusammengetreten und wird sich vielleicht gesagt haben, daß in den nächsten Morten eine so starte Beteiligung an der Sitzung chon wegen der Urlaubsreif kaum zu erwarten sei. Möglich, daß er auch den politischen Dihhandel, der sehr leicht um diesen fetten Posten losgehen konnte, im Keime ersticken wollte. Er hat daher die Wahl getroffen, da sämtliche anwesenden 17 Mitglieder — die 18. Stelle ist durch Tobesfall zurzeit unbesetzt — sich für Dorpmüller aussprachsn. Sein formales Recht zur Vornahme dieser Wahl ist taum xu bestreiten.
Zwei sozialdemokratische Parteien.
Dresden, 6. Juni. Die angekündigte Gründung der alten sozialdemokratischen Partei Sach'enS wurde deute von den Anhängern der dreiundzwa izig rechtssozialistischen Abgeordneten in Dresden vollzogen. Zweiundachtzig Delegierte und mehrere 100 sonstige Parteianhänger nahmen an der Gründung^ Versammlung teil. Der frühere Ministerpräsident Buck, der zum Landesvorsitzenden gewählt wmde, ging in seiner Ansprache ausführlich auf die bekannte Vorgeschichte der Parteigründung ein und betonte, die Spaltung der Sozialdemokratie im Reich sei nie und nimmer beabsichtigt gewesen. Man wolle versuchen, die nach links abgeglittenen sächsischen Sozialdemokraten wieder zu den alten sozialistischen Grundsätzen zurückzuführen. Die Gründung der neuen Partei wurde einstimmig beschlossen und ebenso einstimmig eine Entschließung angenommen, in der man sich den Ausführungen Bucks anschloß und den Willen zur positiven Mitarbeit an der deutschen Republik und damit zur wirksamsten Vertretung der Interessen der schaffenden Volkes, vornehmlich der arbeitenden Klassen bekundete. Die Satzungen der neuen Partei wurden einstimmig angenommen und dann die Tagung geschlossen.
Aus dem Femeausschuh.
Berlin, 5. Juni. Der Femeuntcrfuchungsaus- schuß des Reichstags vernahm am Samstag zum Falle Baur den Zeugen Franz v. Puttkamèr, der sich seit 1922 als Vertreter demokratischer und lozial- demokratlichcr Blätter in München aufbielt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob in den Versammlungen des Blücherbundes von Verrat und Feme die Rede gewesen sei, antwortete der Zeuge verneinend. Die Fragestellung drehte sich zumeist um den von dem Ermordeten Baur gegen Scheidemann geplanten Anschlag. Der Zeuge Pultkamer stellte in Abrede, den Baur hierzu ang stiftet zu haben. Von dem Plan el bft machte er oen Behörden, insbesondere dem KreiS- konimissar Küntzer, Mitteilung; die Münchener Polizei habe er nicht benachrichtigt, da er zu ihr kein Vertrauen hatte. Auf tu eitere Fragen des Abgeordneten Schäffer in dieser Angelegenheit wurde der Zeuge immer erregter und rief schließlich dem Abgeordneten zu: „Sie wollen mit Ihren Fragen in Abrede stellen, daß Sie Mörder gegen unsere Führer schicken " Mit der vom Vorsitzenden dem Zeugen hierauf erteilten Rüge gab sich der Abgeordnete Schäffer nicht zufrieden, in nichtöffentlicher Sitzung beschloß der Ausschuß dem Zeugen eine scharfe Rüze zu erteilen und von einer Bestrasung nur darum adzukehen, weil es sich um eine politische Entgleisung handelte. Im übrigen erllarle der Zeuge, von Behörden Aufträge zur Ueber- Wachung der Vaterländischen Verbände nicht gehabt .ui haben. Eine Zeitlang sei er in der preußischen Pressestelle beschäftigt gewesen; einmal habe er au» Minister Severina Vortrag gehalten. Nach entwert
Ansprache auf die Bedeutung hin, die den diesjährigen Beratungen b< s Parteitages zukommen, und erklärte zur Anschlußfrage, daß Oesterreich nicht gegen die bestehende Oronung in Europa und gegen die Friedensverträge Gewalt oder politische Intrigen anwenden könne, daß aber dem deutschen Seite in Oesterreich andere Wege zur Verfügung ständen, um gegen diese Verträge anzukämpfen. Das wichtigste dieser Mittel fei dar Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volker. Dr. Wotawa schloß mit dem Wunsche, daß der Tag nicht me ir fern fein möge, an dem dieser alle deutsche Sebnsuchtstraum sich erfüllen werde.
Französische Anleihe in Amerika.
Paris, 7. Juni Der „Matin" berichtet, daß er aus bester Quelle gestern erfahren habe, daß die Verhandlungen mit den amerikanischen Banken zwecks Abschluß einer Anleihe fortgesetzt werden unü daß man die feste Hoffnung habe, sie zu einem guten Ende zu führen. Es könne sich aber nicht darum handeln, diese Anleihe durch die Gold- Reserven der Bank von Frankreich zu garantieren. Die Einschränkungen, von denen man im gestrigen Ministerrat gesprochen habe, könnten sich, so fahrt der .Matin" fort, auf Getreide und Mehl beziehen. Wenn die schlechte Witterung andauere, dann wird man zuerst daran denken müssen, dem Brotmehl Er atzteile zuzufügen. Auch an eine Einschränkung des Verbrauchs von Kohlen, Zucker und anderer Artikel des täglichen Bedarfs könne man denken. Nach dem .Journal" hat Kriegsminister Painlevè auf die Frage, ob man an die Einführung von Lebensmittelkarten denke, um die Einschränkungsmaßnahmen zu erleichtern, geantwortet, bisher sei davon noch nicht die Rede gewesen, wenn es aber notwendig werde, würden derartige Karten emae- führt werden.